Flammen der Begierde - Kresley Cole - E-Book

Flammen der Begierde E-Book

Kresley Cole

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Beschreibung

Garreth MacRieve ist ein Prinz der Lykae, ein kampferprobter Krieger aus den schottischen Highlands. Er ist in tiefer Leidenschaft zu der Walküre Lucia entflammt und hat geschworen, sie mit seinem Leben zu beschützen. Doch die schöne Jägerin wird von ihrer Vergangenheit verfolgt und glaubt, Garreths Gefühle nicht erwidern zu können. Sie hegt ein dunkles Geheimnis, das nicht nur sie selbst in große Gefahr bringen könnte, sondern auch den Mann, den sie liebt.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 577




KRESLEY COLE

FLAMMEN

DER BEGIERDE

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Bettina Oder

Ich widme dieses Buch allen Leserinnen und Lesern der »Immortals After Dark«-Reihe, die mit mir die Liebe zur Mythenwelt teilen und deren Begeisterung dafür ansteckend ist. Vielen Dank euch allen!

Es gibt Geheimnisse, die niemals enthüllt werden dürfen. Sie begleiten einen ins Grab wie Kinder, die nie geboren wurden.

Lucia die Jägerin,

Walküre geheimnisvoller Herkunft,

die geschickteste Bogenschützin der Welt.

Und wenn ich die ganze Erde nach ihr absuchen muss – ich werde sie zur Strecke bringen. Ich werde nicht eher ruhen, bis ich meine Gefährtin eines Tages in mein Heim – und in mein Bett – führe. Sie wurde dazu geboren, von mir gefunden zu werden.

Garreth MacRieve,

König aller Lykae

Prolog

Feste Thrymheim, in den Nordlanden – Heim von Skadi, der Göttin der Jagd

Vor langer, langer Zeit …

Als die Jungfer Lucia mühsam die Augen öffnete, fand sie sich auf einem Altar wieder und starrte zu einer wutentbrannten Göttin empor. Irgendwie war es ihrer jüngeren Schwester, Regin der Ränkevollen, gelungen, Skadis Tempel zu finden und Lucia herzuschaffen.

Von einem Altar zum nächsten, dachte sie. Sie lag im Delirium, das Fieber wütete in ihr. In ihrem zerschmetterten Körper tobten unbeschreibliche Schmerzen. Ihre gebrochenen Gliedmaßen … nie hätte sie sich solche Pein vorstellen können.

»Du wagst es, sie an meinen heiligen Ort zu bringen«, sagte Skadi, die Jägerin des Großen Nordens, zu Regin, »und meinen Altar zu entweihen? Wisse, dass du damit meinen Zorn herausforderst, junge Walküre.«

Regin – ganze zwölf Jahre alt, die strahlende Haut mit Lucias Blut beschmiert – sagte: »Was kannst du schon tun? Meine Schwester foltern? Ihr das Leben nehmen? Ersteres hat sie bereits überlebt, und Letzteres wird so oder so geschehen, wenn du ihr nicht hilfst.«

»Ich könnte euch alle beide umbringen.« Statt einer Antwort presste Regin die Lippen aufeinander und musterte Skadi, als ob sie einschätzen wollte, welche Stelle an deren Schienbeinen sich wohl am besten für einen ordentlichen Tritt eignen würde.

Lucia kämpfte darum, bei Bewusstsein zu bleiben und ein paar Worte herauszubringen. »Tu ihr nicht weh, bitte … mein Fehler, mein Fehler …« Aber ihre Worte wurden von einem rumpelnden Donnern übertönt. Die Feste war hoch oben in den »Berg des Götterzorns« gehauen und wurde unablässig von Donnerschlägen erschüttert.

»Warum hast du sie hierhergebracht?«, fragte Skadi Regin.

»Weil du nicht nur die Nachbarin, sondern auch der Erzfeind desjenigen bist, der dies getan hat.«

War das Interesse, das gerade in den Augen der Göttin aufgeflackert war? »Der Blutige Verdammte?«

»Aye.«

Skadi neigte den Kopf und musterte Regin abschätzend. »Du bist noch nicht einmal alt genug, um eine wahre Unsterbliche zu sein. Für jemanden, der so machtlos und unbedeutend ist, wagst du viel, Walküre.«

»Für Lucia wage ich dies und noch mehr«, entgegnete Regin stolz. »Also sei gewarnt.«

»Regin!«, stieß Lucia keuchend hervor. Das Mädchen hatte den Verstand verloren.

»Was?« Sie stampfte mit dem Fuß auf. »Was hab ich denn gesagt?«

Statt Regin zu zermalmen, winkte die Göttin ungeduldig nach ihren Wachen, den legendären Skadianen. Die berühmten Bogenschützinnen waren ausnahmslos Frauen, die sich zermürbenden Trainingsritualen unterzogen, um der Göttin zu dienen. »Bringt die Strahlende vom Berg herunter. Seht zu, dass sie sich nicht an den Weg zurück erinnert.«

Als Regin auf sie zustürmte, rief Lucia: »Nein, Regin … lass mich!«

Die Skadianen packten Regin um die Körpermitte und schleppten sie hinaus, während sie kreischte, um sich schlug und sie biss.

Lucia hörte eine von ihnen sagen: »Au! Du kleine Ratte!« Und dann waren sie fort.

Skadi betrachtete Lucias übel zugerichtetes Gesicht mit unbewegter Miene. »Du sorgst dich um sie? Wo sie doch verschont wurde? Du hingegen wirst die nächste Stunde nicht überleben.«

»Ich weiß«, flüsterte Lucia. »Es sei denn, du hilfst mir.« Sie blickte Skadi in die Augen, als sie diese Bitte aussprach. Es war ein Fehler, die große und schreckliche Göttin direkt anzusehen. Als sie ihr in die unergründlichen Augen sah, überkamen sie die Angst und das Leid all ihrer vergangenen Opfer und senkten sich über Lucia wie ein bitterer Frost. »Bitte …« Als Lucia flehentlich ihre blutbefleckte Hand emporhielt, quoll ein Blutstrom aus der Wunde, die sich über ihren Oberkörper zog, und ergoss sich über ihre Flanken und den Altar unter ihr. Eine Flut klebriger Wärme umfloss ihren zerschlagenen Körper, um jedoch sogleich auf dem eisigen Stein abzukühlen.

Jeder vergossene Blutstropfen verstärkte noch ihr Zittern und ihre Verzweiflung. Der Schmerz ihrer Verletzungen brachte sie schier um den Verstand.

»Du hast deine Entscheidung getroffen, Walküre«, erwiderte die Göttin. »Und du hast geerntet, was du gesät hast, als du denen den Gehorsam verweigertest, denen zu gehorchen du geboren wurdest. Warum sollte ich dir helfen?«

Weil ich erst sechzehn Jahre auf der Welt bin, dachte Lucia, aber sie wusste, dass sie Skadi damit nicht würde überzeugen können, ein zeitloses Wesen, das kaum zu erfassen vermochte, was Tod – oder Jugend – bedeuteten.

»Weil ich alles tun werde … was auch immer du von mir verlangst«, sagte Lucia schließlich. Ihr Zittern wurde immer heftiger. Der Altar unter ihr war so kalt. »… weil ich jeden Preis bezahle.«

»Wenn ich dich rettete, würde ich meine Essenz auf dich übertragen. Ein Wesen wie du würde das Zeichen meiner Gunst tragen und für alle Zeit an den Bogen gebunden sein«, sagte Skadi.

Sie schlenderte auf ein Fenster zu, von dem aus sie ihren Berg überblicken konnte. Darunter erstreckten sich meilenweit dichte, tödliche Wälder, die die Feste schützten und unachtsame Reisende verschluckten. Lucia konnte sich kaum noch daran erinnern, diesen mystischen Wald durchquert zu haben, obwohl Regin sie tagelang durch Portale und Täler hindurchgeschleppt hatte.

»Lucia, ich bringe dich zu Skadi!«

»Sie wird … nicht helfen.«

»Doch, das wird sie! Die Skadianen kämpfen alle fünfhundert Jahre gegen ihn …«

Erneut war krachender Donner zu hören; er schien die Göttin zu beruhigen. »Meine Anhängerinnen müssen große Opfer bringen, um ausgezeichnete Schützinnen zu werden, und dir würden meine Fähigkeiten einfach geschenkt werden. Du wärst eine Bogenschützin ohnegleichen, besser als alle anderen. Wieso glaubst du, dessen würdig zu sein? Wo sie so hart dafür trainieren? Wo sie über ein reines Herz – und einen reinen Körper – verfügen?«

Die Skadianen unterwarfen sich einer asketischen Lebensweise – und verachteten Männer. Jetzt verstehe ich auch, warum.

»Im Gegensatz zu dir sind sie makellos rein«, fuhr Skadi fort. »Wohingegen du dich aus freien Stücken hast beschmutzen lassen.«

In Lucia stieg eine schwache Erinnerung an die neun Tage auf, die sie als Gefangene von Crom Cruach, dem Blutigen Verdammten, zugebracht hatte. Er war ein Ungeheuer mit dem Gesicht eines Engels. Hatte diese Bestie sie gebissen? Sie weigerte sich, an ihrem Körper herabzusehen, vermutete jedoch, dass er an ihrer Haut genagt hatte, nachdem sie das Bewusstsein verloren hatte. Sie musste sich gegen ihn gewehrt haben, ehe sie blindlings aus seiner Höhle geflohen war – unter ihren Klauen steckten immer noch Fetzen schuppiger Haut.

Unbarmherzig unterdrückte Lucia diese Visionen ihrer Gefangenschaft. Sie würde sich niemals erlauben, sie noch einmal in Gedanken zu durchleben, vor allem nicht jene letzte Nacht.

Was in der Dunkelheit geschah. Blut, das meine Schenkel hinabströmte.

»Ich wusste es nicht … ich hab es nie gewusst.« Eine Welle des Bedauerns überspülte sie. »Ich würde alles dafür geben, Skadi.«

»Gaben der Götter haben immer ihren Preis. Bist du bereit, meinen zu bezahlen?«

Lucia nickte schwach. »Ich kann ein … reines Herz erlangen. Und ich werde die Männer meiden.« Sie muss wissen, dass ich mich nie wieder zum Narren halten lasse.

»Eine Jungfrau von diesem Tage an?« Nach einer längeren Pause fuhr Skadi fort: »Diesmal bist du dem Blutigen Verdammten entkommen – Mut oder Feigheit halfen dir. Aber während der nächsten Akzession wird Cruach dich suchen, sollte er seinem Gefängnis entkommen.«

Ja, aber bis dahin werde ich wahrhaftig unsterblich sein. Ich werde weiter rennen, schneller rennen.

»Er wird einfach noch einmal dasselbe mit dir anstellen. Es sei denn … du kämpfst gegen ihn.«

»Ich will gegen ihn kämpfen.« Sie wollte seine widerwärtige Visage nie wiedersehen.

»Alle fünfhundert Jahre würde er dein Fluch sein, und du seine Kerkermeisterin.«

»Schenk mir das Leben, damit ich ihm entgegentreten kann.« Eine Göttin anlügen? Aber Lucia war verzweifelt.

Skadis Miene wirkte nachdenklich. »Ja, ich habe mich entschieden, dich zu heilen und zur Bogenschützin zu machen – solange du keusch bleibst. Doch jedes Mal, wenn du dein Ziel verfehlst, wirst du den Schmerz spüren, den du gleich erleben wirst. Du sollst nie vergessen, was dich so tief fallen ließ, damit sich diese Schmach niemals wiederholen möge. Das wird dich zur Skadiane machen.«

Lucia war schwindlig, sie fühlte sich benommen und war völlig verwirrt. »Ich werde gleich Schmerz fühlen?« Ihre Qualen konnten doch unmöglich noch schlimmer werden?

»Ja, Schmerz, um deinen Verstand zu schleifen. Todesqualen, um deine Entschlossenheit zu schärfen.« Skadi hielt ihre milchweißen Hände über Lucias Oberkörper. »Junge Lucia«, murmelte sie. »Ich glaube fast, du wirst am Ende noch wünschen, ich hätte dich sterben lassen.« Die Handflächen der Göttin begannen, in einem blauen Licht zu glühen.

Heller und heller …

Mit einem Mal krümmte Lucia sich und kreischte, als sich ihre entzündeten Wunden zusammenzogen und Blut und Eiter daraus hervordrang. Ihre gebrochenen Knochen fügten sich knirschend wieder aneinander und wuchsen zusammen. Ihre Finger ballten sich zur Faust, und ihr Rücken wölbte sich – wie ein Bogen.

»Du wirst meine Waffe sein«, rief Skadi, deren Gesicht zu einer verzückten Maske verzogen war. »Du wirst mein Instrument sein!«

Immer weiter glühte das Licht, bis es abrupt verlosch. Lucia war geheilt – aber verändert. Um ihren Körper zog sich eine Bogensehne wie eine Schlange, und in ihren bebenden Händen lagen ein Bogen aus schwarzem Eschenholz und ein einzelner goldener Pfeil.

»Willkommen zurück im Leben. In deinem neuen Leben. Von jetzt an bist du eine Bogenschützin.« Als Skadi ihr in die Augen blickte, fühlte Lucia das Gewicht überwältigender Furcht, genau wie tausend andere Seelen vor ihr. »Und, Lucia, von jetzt an bis in alle Ewigkeit wirst du nichts anderes mehr sein.«

1

Südliches Louisiana

Gegenwart

»Munro, du dummer Hornochse, spiel mir den Ball zu!«, brüllte Garreth MacRieve seinen Verwandten über den Donner und den heulenden Wind hinweg an.

An diesem Abend fand ihr alljährliches Rugbyspiel statt, in dem Werwölfe gegen Dämonen antraten. Diese Tradition sollte Garreth und seinen Clan davon ablenken, was an diesem Tag einst geschehen war. Garreth spielte barfuß, er trug nur eine Jeans, aber kein Hemd. Der Regen prasselte auf sie herab, mit jeder Minute noch ein wenig stärker, wie es schien, und verwandelte diesen verlassenen Streifen Grasland mitten im Bayou in einen Sumpf aus Matsch und Grasbüscheln. Schweiß – und Blut – mischten sich mit dem Dreck.

Garreth fühlte sich beinahe …nicht gefühllos. Und das war an sich schon ein kleines Wunder.

Munro zeigte ihm den Mittelfinger, spielte ihm aber endlich den Ball zu. Das Leder war dreckverschmiert, ebenso wie Garreths bloße Brust. Er täuschte links an, um gleich darauf an zwei riesigen Ferine-Dämonen vorbeizusprinten und ihnen dabei mit ausgestrecktem Arm die Hand ins Gesicht zu rammen.

Wenn er so rannte und sein eigener Herzschlag in seinen Ohren dröhnte, konnte er vergessen. Die Anstrengung und die Aggression waren ihm so willkommen, dass er sich am liebsten mit beiden Fäusten auf die nackte Brust getrommelt hätte.

Als die flinken Ferine-Dämonen ihn umringten, warf er den Ball Uilleam zu, Munros Zwillingsbruder, der ihn im gegnerischen Malfeld ablegte. Seine Waffenbrüder waren starke und gnadenlose Kämpfer, genau wie er. Die Bestien in ihnen liebten den Kampf, das Spiel. Rau und hart.

Die Dämonen reagierten mit großmäuligen, derben Bemerkungen und Rempeleien auf den erfolgreichen Versuch. Im nächsten Augenblick war Garreth mittendrin.

»Für einen König ohne Erben bist du aber erstaunlich versessen auf einen Kampf«, höhnte Caliban, der Anführer der Ferinen. »Aber das ist ja nichts Neues … Ihr Lykae wechselt euren König so oft, wie ich Dämonenbräu pisse.«

Von allen schmerzlichen Themen, die er hätte ansprechen können, war Garreths Königtum das heikelste. Und dann noch an diesem Tag? Garreth stürzte sich auf Caliban, doch Munro und Uilleam zogen ihn zurück. Während ein paar der anderen Dämonen Caliban von dem Streit wegführten, sagte Munro: »Spar dir das lieber fürs Spiel auf, Freund.«

Garreth spuckte Blut in Calibans Richtung, ehe er sich von den beiden fortziehen ließ, um sich ein wenig zu beruhigen. Während Uilleam und Munro bei ihm blieben, begaben sich die anderen Lykae der Mannschaft an den Spielfeldrand, um sich ein wenig unter die »Cheerleader« zu mischen.

Die Dämonen nutzten die Gelegenheit zu einer kurzen Pause und tranken Dämonenbräu. Der einzige Nachteil an einem Spiel mit Dämonen – eine der wenigen Spezies, die es in einem Wettkampf mit Körperkontakt mit den Lykae aufnehmen konnten – waren ihre ständigen »Bräu-Pausen«. Da war es doch nur fair, wenn Garreth und seine Sippe reichlich Whiskey zu sich nahmen, um diesen Vorteil auszugleichen. Sie tranken direkt aus der Flasche, jeder aus seiner eigenen – die Lykae-Version eines Energy-Drinks.

In ihrer Kühlbox wartete reichlich Nachschub.

»Du musst das endlich vergessen, Garreth«, sagte Munro und nahm einen großen Schluck.

Garreth wischte sich mit der Hand über den Nacken. Er hatte auf einmal das Gefühl, er würde beobachtet. Aber so war es ja schließlich auch. Das Spielfeld war von Nymphen umzingelt, die sich, ohne auf den Regen zu achten, selbst berührten und an ihren Fingern saugten, während sie ungeduldig darauf warteten, dass sich das Spiel endlich in die übliche Orgie verwandelte.

Er warf den Frauen einen gereizten Blick zu. »Warum habt ihr die eingeladen?«, fragte er mürrisch. »Verdammt sollt ihr beide sein! Ich habe es so satt. Seid ihr denn gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich Nymphen nicht ausstehen kann?«

»Nö«, sagte Uilleam und nahm noch einen Schluck. »Jedes Lebewesen mit einem Penis mag Nymphen.«

Munro leerte seine Flasche bis auf den letzten Tropfen und fügte hinzu: »Das ist eine medizinische Tatsache, so ist es eben.«

Garreth wusste, dass Uilleam und Munro es gut meinten, aber er konnte es einfach nicht mehr ertragen. »Ich mag sie aber nicht. Sie sind zu … zu …«

»Schön?«

»Wollüstig?«

»Zu leicht zu haben«, sagte Garreth. »Sie sind einfach zu leicht zu haben. Ich möchte endlich einmal eine Frau haben, die eine Herausforderung für mich darstellt. Eine, die nicht nur deshalb mit mir ins Bett geht, weil ich vermutlich ein König bin.« Als Munro den Mund öffnete, um etwas zu sagen, wiederholte Garreth: »Aye, vermutlich.«

Munro schüttelte feierlich den Kopf. »Und du glaubst immer noch, dass Lachlain zurückkehren wird?«

Über dieses Thema stritten die drei mittlerweile schon seit anderthalb Jahrhunderten – seit der Zeit, in der Garreths älterer Bruder verschwunden war, nachdem er sich auf die Jagd nach Vampiren begeben hatte.

Uilleam und Munro hielten Garreth immer wieder vor, dass es keinen Sinn habe, noch länger auf Lachlain zu warten. Er solle akzeptieren, dass sein Bruder tot war, vor allem nachdem so viel Zeit seit seinem Verschwinden vergangen war. Einhundertfünfzig Jahre – auf den Tag genau, diesen Tag. Sie warfen ihm vor, dass er die Vergangenheit nicht ruhen lasse und er sich weigere, seine Verantwortung als König zu akzeptieren.

Sie hatten recht.

»Wann wirst du endlich einsehen, dass er nicht mehr wiederkommt?«, fragte Uilleam. »In zweihundert Jahren? Fünfhundert?«

»Niemals. Nicht solange ich fühle, dass er am Leben ist.« Auch wenn Vampire den Rest seiner unmittelbaren Familie ermordet hatten, spürte Garreth, dass Lachlain noch lebte. »Nicht so lange ich es so fühle wie in diesem Augenblick.«

»Du bist genauso schlimm wie Bowen«, sagte Uilleam. Er leerte seine Flasche – und öffnete die nächste.

Bowen war Garreths Cousin und nurmehr die Ruine eines Mannes, seit er seine Gefährtin verloren hatte. Er litt in jedem wachen Moment seines Lebens Höllenqualen, und doch vermochte er den Verlust nicht zu akzeptieren und seinem Leben ein Ende zu setzen, wie es die meisten Lykae-Männer in seiner Lage getan hätten.

»Ich bin ganz und gar nicht wie Bowen«, sagte Garreth. »Er musste mit ansehen, wie seine Gefährtin aufgespießt wurde, er sah ihren Tod. Für Lachlains Tod gibt es keinerlei Beweise.« Nein – ich suchte und suchte und fand … nichts.

»Das Spiel geht weiter!«, rief einer der Dämonen.

Garreth schüttelte sich, um seine Erinnerungen loszuwerden, nahm noch einen Schluck Whiskey und betrat zusammen mit seinen Männern wieder das Spielfeld.

Caliban fletschte die Zähne in Richtung seiner Gegner, eine Geste, die Garreth erwiderte, während ihre Teamkameraden ein Gedränge bildeten.

Der Ball war wieder im Spiel. Einer der Dämonen schnappte ihn sich, passte ihn zu Caliban. Garreth erkannte seine Chance und rannte auf ihn los, pumpte mit den Armen, um mehr Geschwindigkeit zu machen … schneller … schneller … Dann warf er sich mit einem Satz auf den Dämon und riss diesen mit seinem ganzen Gewicht zu Boden.

Als sie zu Boden gingen, brach Caliban ein Stück seines Horns ab, und er brüllte wütend auf. »Dafür wirst du büßen, Lykae!«

Lucia die Jägerin verfolgte ihre Beute schon seit vielen Meilen. Verdutzt nahm sie zur Kenntnis, dass die Spuren, denen sie folgte, sie immer näher an einen Ort heranführten, an dem so etwas wie ein Kampf stattzufinden schien. Lautes Gebrüll und wilde Flüche drangen an ihr Ohr.

Was denn – eine Prügelei? Ohne die Walküren einzuladen? Und das in unserem Territorium? Wenn schon jemand verbotenerweise ihren Grund und Boden betrat, sollte er doch zumindest den Anstand haben, die Gastgeber zu den Streitigkeiten einzuladen.

Als sie das Schlachtfeld erreichte, neigte Lucia den Kopf zur Seite. EinKampf der Mythianer, dachte sie, als sie die modernen Gladiatoren erblickte, die einander allerdings nicht bekämpften, sondern gegeneinander spielten. Rugby für Unsterbliche.

Der Wind umtoste das Spielfeld, das sich über eine ganze Meile erstreckte, und über ihnen zuckten unzählige Blitze, als spiegelten sie die Intensität des Wettkampfes. Es war wie eine Zeremonie zur Feier der … Männlichkeit.

In den gehörnten Spielern erkannte Lucia mühelos Dämonen, und sie vermutete, dass deren hemdlose Gegner Lykae waren. Wenn es so war, dann stimmten die Gerüchte: Die Werwölfe wagten es tatsächlich, unberechtigterweise in das Territorium der Walküren einzudringen. Das überraschte sie. Früher hatten sie die Nähe anderer Faktionen gemieden und sich ausschließlich auf ihren ausgedehnten Grundstücken außerhalb der Stadt aufgehalten.

Am Rand des Spielfeldes hatte sich eine Reihe von Zuschauerinnen eingefunden: Nymphen, die vor Erregung zitterten, da sie das Ganze vermutlich einzig und allein als eine Art Schlammcatchen unter muskelbepackten Herzensbrechern ansahen.

Angesichts eines besonders rücksichtslosen Angriffs hob Lucia eine Augenbraue. Nicht wegen der Gewalt – immerhin war sie eine Schildjungfer –, sondern wegen der gedankenlosen Gewalt. Obwohl all diese Mythianer dieses Stück Land widerrechtlich betreten hatten, bemerkte keiner von ihnen, dass sich inzwischen eine Bogenschützin in ihrer Mitte aufhielt, die ihnen beträchtlichen Schaden zufügen konnte – überaus schnell und aus großer Entfernung.

Die vernünftige Lucia – so kannte man sie heutzutage – verstand einfach nicht, wie man so gedankenlos sein konnte. Aber schließlich verstand sie Männer grundsätzlich nicht. Das hatte sie noch nie.

Doch die Eindringlinge hatten Glück. Sie würde heute Abend lediglich gegen ihre Zielpersonen mit Gewalt vorgehen: zwei Kobolde – bösartige, gnomenhafte Kreaturen –, die dabei gesehen worden waren, wie sie menschlichen Kindern nachstellten, um sich von ihnen zu nähren.

Ihre Schwester Nïx, die halb verrückte Wahrsagerin unter den Walküren, hatte sie hierhergeschickt, um ihnen den Garaus zu machen. Lucia hatte Regin gebeten, sie zu begleiten, doch die hatte abgelehnt. Sie zog ein paar Videospiele in ihrem gemütlichen Koven einer dieser »verregneten Ungezieferjagden« vor.

Lucia hingegen wollte sich diese Chance nicht entgehen lassen. Nachdem sie ein T-Shirt und legere Shorts angezogen hatte, hatte sie ihren ledernen Schenkelköcher, den Bogenhandschuh und Armschutz angelegt und war gleich darauf mit ihrem getreuen Bogen ausgezogen …

Noch so ein brutaler Schlag. Angesichts seiner Wucht wäre sie beinahe zusammengezuckt – ein Stück Horn sprang über das Feld wie ein verlorener Helm –, aber sie war nicht überrascht. Lykae und Dämonen waren die beiden brutalsten Spezies auf der Welt.

Viel schlimmer war, dass einer dieser Kerle mit nacktem Oberkörper Lucias Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Ganz gleich, wie sehr sie wünschte, es wäre anders, gelang es Lucia immer noch nicht, attraktive Männer völlig zu ignorieren. Sie konnte einfach nicht umhin, die Kraft in seiner hoch aufragenden Gestalt, seine Schnelligkeit und Gewandtheit wohlwollend zu betrachten, während sie die beiden Mannschaften bei ihrem wilden Gerangel beobachtete. Auch wenn sein Oberkörper über und über mit Schlamm beschmiert und sein hageres Gesicht mit Bartstoppeln übersät war, fand sie ihn doch auf eine herbe Art gut aussehend.

Seine Augen hatten die Farbe polierten Goldes, und von den Augenwinkeln gingen Lachfältchen aus, die seiner Miene etwas Lausbübisches verliehen. Es hat Zeiten gegeben, da er glücklich gewesen war, aber in diesem Augenblick war er es definitiv nicht. Sein Körper war so angespannt, dass sie die Wut, die von ihm ausging, förmlich spüren konnte.

Als die goldenen Augen in einem eisigen Hellblau aufblitzten, fand sie ihre Vermutung bestätigt: Er war ein Lykae. Ein Werwolf.

Ein Tier. Hinter seinem hübschen Gesicht verbarg sich im wahrsten Sinne des Wortes eine Bestie.

»Nennst du das etwa einen Angriff, du alte Schwuchtel?«, brüllte er einem der Dämonen zu. Die Muskeln in seinem Hals und seiner Brust traten vor Anspannung deutlich hervor, als er sich seinem Gegner mit gesenktem Oberkörper und gefletschten Zähnen näherte. Sein Akzent war schottisch, aber schließlich stammten die meisten Werwölfe aus dem schottischen Hochland – zumindest früher einmal, ehe sie sich im südlichen Louisiana angesiedelt hatten. »Aye, Caliban! Fick dich ins Knie!«

Die anderen gaben sich alle Mühe, um ihn von einem auffallend muskulösen Dämon zurückzuhalten. Sie schienen der Verzweiflung nahe zu sein, so als ob der Kerl schon den ganzen Abend darauf aus gewesen wäre, einen Streit vom Zaun zu brechen. Vermutlich war er das auch. Die Lykae wurden innerhalb der Mythenwelt gemeinhin als Bedrohung angesehen, da sie ihre Aggressionen praktisch nicht unter Kontrolle hatten. Ganz im Gegenteil, sie schienen geradezu darin zu schwelgen.

Einhundert Prozent reine, unverfälschte Männlichkeit, ein Leitwolf durch und durch. Und dennoch löste er etwas in ihr aus, eine Art … Wollust. Während das Spiel fortgesetzt wurde, wartete Lucia darauf, dass sich dieses Gefühl in Abscheu verwandelte. Und sie wartete.

Doch mit jedem gnadenlosen Hieb, den der Mann austeilte – oder einsteckte –, und mit jeder seiner geknurrten Drohungen und höhnischen Bemerkungen schien seine Anziehungskraft nur noch größer zu werden. Ihre Atemzüge wurden flacher, und ihre zierlichen Klauen rollten sich zusammen. Wie sehr sie sich danach sehnte, einen warmen Körper an den ihren zu ziehen.

Doch als sie sich wieder an das letzte Mal erinnerte, als sie so etwas gefühlt hatte, überlief sie ein eisiger Schauer. Sie zwang sich, den Blick von seinen Mätzchen abzuwenden, und musterte stattdessen die ausgelassenen Nymphen am Spielfeldrand. Lucia war einmal genauso gewesen wie sie: vergnügungssüchtig, ohne einem höheren Zweck zu dienen.

Bin ich immer noch wie sie? Nein, sie war inzwischen diszipliniert und lebte nach einem Kodex. Ich bin eine Skadiane – das habe ich mir durch Schmerz verdient, und durch das Blut, das ich vergossen habe.

Mit einem entschiedenen Kopfschütteln zwang sie sich, sich wieder auf ihre Mission zu konzentrieren: die Kobolde zu erledigen. Mit bloßem Auge betrachtet, erschienen sie engelsgleich, doch in Wahrheit handelte es sich um Geschöpfe des Untergrunds mit reptilienartigen Zügen. Und wenn man zuließ, dass sie sich ungehindert vermehrten, kam es häufig dazu, dass sie sich menschliche Junge schnappten und damit die ganze Mythenwelt in Gefahr brachten.

Die beiden hatten sich getrennt. Einer von ihnen floh noch tiefer in die Sümpfe hinein, während sich der andere hinter der Zuschauerwand aus Nymphen versteckte und sich in dieser Menge offenbar sicher fühlte.

Gedankenverloren tastete Lucia nach den mit Widerhaken versehenen Pfeilen in ihrem Schenkelköcher und genoss das tröstliche Gewicht des Bogens über ihrer Schulter.

Ihre Beute täuschte sich. Die Bogenschützin verfehlte niemals ihr Ziel.

2

Garreth ließ das Rudel Dämonen, das ihm auf den Fersen war, rasch hinter sich zurück und kam dem Malfeld zusehends näher. Der Regen prasselte unvermindert auf ihn ein, als er sogar noch mal an Geschwindigkeit zulegte.

Das würden leichte Punkte werden. Er hatte mit dem Ball inzwischen fast schon das andere Ende des Spielfeldes erreicht. Die ihn verfolgenden Dämonen gaben schließlich auf, einer nach dem anderen verlangsamte unter lautem Fluchen das Tempo.

Und dann erlebte Garreth den verwirrendsten Moment seines Lebens. Seine Lider wurden auf einmal schwer, und seine dunklen Klauen gruben sich in den Ball, bis sie dessen lederne Hülle durchbohrten. Als er tief einatmete, roch er sofort aus Tausenden von Gerüchen – der kupferartige Geruch des Blitzes, geschnittenes Gras, die sumpfigen Bayous, von denen sie umgeben waren – einen neuen, einzigartigen Duft heraus. Von Sinneseindrücken überwältigt, kapitulierten seine Muskeln, und er wurde immer langsamer.

Sie. Meine Gefährtin. Sie ist nahe … Obwohl sie nicht in Windrichtung zu ihm stand, war sie nahe genug, dass er sie wittern konnte. Er wusste nicht, wie sie aussah, wie sie hieß oder auch nur, welcher Spezies sie angehörte, doch er wartete schon seit tausend Jahren auf sie – seine ganze Existenz lang. Er riss den Kopf herum, drehte sich in ihre Richtung.

Eine zierliche Frau stand ein wenig abseits des Spielfeldes.

Der erste Blick verschlug ihm den Atem. Sein Lykae-Instinkt brüllte laut auf. Sie ist dein. Nimm sie dir.

Sie war ungefähr eine halbe Meile von ihm entfernt, doch er sah sie trotz des Regens in aller Deutlichkeit, konnte jede noch so kleine Einzelheit ausmachen. Sie hatte einen pinkfarbenen Schmollmund und funkelnde bernsteinfarbene Augen. Die zarte Person trug einen schwarzen Bogen und hatte sich einen Lederköcher voller Pfeile um den Oberschenkel geschnallt. Durch die Mähne ihres langen, nassen Haares waren deutlich kleine, spitze Ohren zu erkennen. Ja, sie ist mein.

Uff! Die Dämonen rammten ihn mit der Wucht eines Güterzuges, sodass er sich mit einem Mal mit ausgestreckten Gliedmaßen flach auf dem Spielfeld liegend wiederfand, und warfen sich auf ihn. Seine linke Schulter sprang mit einem Ploppen aus dem Gelenk. Ein Knie auf seinem Kiefer kostete ihn drei Backenzähne. Er knurrte – nicht vor Schmerz, sondern vor Frustration – und hieb mit seinem gesunden Arm auf die Dämonen ein, die ihn nach wie vor mit Schlägen bombardierten. Während er so um seine Freiheit kämpfte, gerieten ihm seine Zähne in die Luftröhre.

Die Zwillinge rannten herbei, um ihm zu helfen. Endlich gelang es ihnen, die Dämonen von ihm herunterzuzerren. Mühsam kam Garreth auf die Knie, während er hustete und würgte, ohne dabei die fremde Frau aus den Augen zu lassen.

Plötzlich nahm sie mit einer laserschnellen Bewegung ihren Bogen in die Hand, legte drei Pfeile aus ihrem Köcher an und zog die Bogensehne bis an ihre Wange.

Was zum Teufel hat sie vor? Alles passiert so schnell … Zielte sie auf die Nymphen? Nein, nicht auf sie. Auf einen Kobold, der mitten unter ihnen kauerte. Aus dieser Entfernung trifft sie niemals.

Sie verharrte bewegungslos in dieser Stellung und wartete auf ihre Gelegenheit. Sie blinzelte nicht einmal, als Regen und Wind ihr die Haare ins Gesicht peitschten, ließ ihr Ziel nicht eine Sekunde aus den Augen, selbst nachdem sie die Sehne losgelassen hatte.

Die Pfeile flogen zwischen zwei Nymphen hindurch und durchbohrten den Hals des Kobolds, sodass dieser von seinem kleinen Körper abgetrennt wurde. Ein fantastischer Schuss! Und doch schien das Ergebnis sie eher zu langweilen.

Immer noch keuchend und dem Ersticken nahe, beobachtete Garreth, wie sie sich gleichmütig ihren Weg durch die entsetzten Nymphen bahnte. Sobald sie den zweigeteilten Kobold erreichte, warf die Bogenschützin die beiden Leichenteile in den nahe gelegenen Sumpf.

Dann legte sie den Bogen wieder über die Schulter und schlenderte in die Richtung zurück, aus der sie gekommen war. Als ihr mit einem Mal bewusst wurde, dass sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, hielt sie kurz inne.

»Oh.« Sie winkte ihnen auf eine Art zu, die auch Königin Elisabeth gut zu Gesicht geständen hätte, und sagte: »Spielt weiter.«

Während er noch nach Luft rang und seine Cousins seinen Rücken bearbeiteten, als ob er ein Amboss wäre, trafen sich ihre Blicke. Als er seine schlammbedeckte Hand nach ihr ausstreckte, musterte sie ihn mit verächtlicher Miene und verschwand im Gebüsch. Schließlich kam Uilleam auf die Idee, Garreth in den Rücken zu treten, und die Backenzähne flogen wie Bonbons aus Garreths Luftröhre.

»Was zum Teufel ist denn mit dir los?«, fragte Munro.

Immer noch schwer atmend, stand Garreth auf. Er hatte aus Erzählungen gewusst, was ihm bevorstand, wenn er auf seine Gefährtin traf, hatte aber nicht mit so einer heftigen Reaktion gerechnet. »Es … ist passiert.«

Sie wussten sofort, wovon er sprach. Munro wirkte ungläubig, Uilleam eifersüchtig. Wie lange warteten die beiden schon?

»Die Bogenschützin?«, fragte Uilleam. »So einen Schuss hab ich noch nie gesehen. Aber sie sah aus, als ob sie eine Walküre sein könnte.«

»So ein verdammtes Pech«, fluchte Munro leise.

»Jetzt renkt mir doch endlich die Schulter wieder ein! Beeilt euch!«

War ja klar! Beim ersten Mal, dass Garreth seine Gefährtin sah, auf die er schon so lange wartete, wurde sie Zeugin, wie er seine Gegner als Schwuchteln beschimpfte und unfair spielte. Er hatte nicht mal ein Hemd an, war auf dem besten Weg, sich einen ordentlichen Rausch anzutrinken, und über und über mit Schlamm und Blut bedeckt. Nicht einmal Schuhe trug er. Wahrscheinlich sah es so aus, als ob er vorhätte, sich in eine Orgie zu stürzen.

»Ihr werdet niemandem davon erzählen«, stieß Garreth mit rauer Stimme hervor.

»Warum denn nicht?« Munro zog mit einem festen Ruck an Garreths Arm.

»Was auch immer sie sein mag, sie ist anders«, erwiderte er. »Und sie soll die Königin der Lykae werden? Niemand darf davon erfahren, nicht bevor sie mein Zeichen trägt und sich mit mir vereinigt hat. Schwört es!«

»Aye, dann schwören wir«, sagte Uilleam.

Noch in derselben Sekunde, in der sie seine Schulter wieder eingerenkt hatten, rannte er davon.

Spür sie auf. Mach sie zu der Deinen. Die Stimme seines Instinkts tönte lauter denn je in ihm, als er Hals über Kopf durch den strömenden Regen hastete.

Voller Verzweiflung hatte er bis eben noch einem weiteren Jahr ohne seinen älteren Bruder entgegengesehen, einem weiteren Jahr königlicher Verantwortung, die übernehmen zu müssen er nie erwartet hatte. Das Schicksal weigerte sich auch an diesem Tag, ihm Lachlain zurückzugeben, aber es hatte Garreth dieses himmlische Geschöpf zur Gefährtin gegeben.

Die Erregung in ihm wuchs, während er durch die Wildnis stürmte, gefolgt von überwältigender Erleichterung. Bei dem Regen hätte er ihren Duft glatt verpassen können. Doch jetzt war er auf ihrer Fährte.

Als er jedoch bei einer Reihe von Zypressen, die mit dichten Vorhängen aus Moos behangen waren, angelangte, wurde er langsamer. Hier begann der abgelegenste Teil des Sumpfes, und ihr Duft schien auf einmal aus vier verschiedenen Richtungen zu kommen. Er entschied sich für eine Spur und rannte weiter durchs Gestrüpp, sprang über Bäche und Sumpflöcher.

Als er die Quelle des Dufts erreichte, ohne sie entdecken zu können, drehte er sich einmal um sich selbst. Als er nach oben schaute, sah er einen ihrer Pfeile, der so tief in einem Baum steckte, dass nur die Befiederung zu sehen war. An das Pfeilende hatte sie einen Fetzen ihres T-Shirts gebunden. Schlaues Mädchen. Mithilfe ihrer Pfeile hatte sie ihre Spuren verwischt.

Aber er würde einfach jeder einzelnen Spur folgen und sie aufspüren, egal, wie lange es dauern würde. Sie war für ihn geboren worden. Und ich wurde dazu geboren, sie zu finden …

Eine halbe Stunde lang lief er durch das Gelände, ehe er ihre wahre Spur fand. Mit seiner arteigenen Lautlosigkeit schlich er näher, jagte diese Jägerin durch den Regen, der auf sie herabnieselte. Der Sumpf machte es ihm leicht, sich ihr unbemerkt zu nähern, mit all den Schatten, in denen er sich verbergen konnte, und dem herumschleichenden Getier, das sie ablenkte.

Als er sie endlich wieder erblickte, musste er sich beherrschen, um nicht laut aufzukeuchen. Aus der Nähe betrachtet, war sie noch lieblicher, als er gedacht hatte. Sie musste eine Walküre sein, eine von der Spezies, die sowohl für ihre Schönheit als auch für ihre Wildheit berühmt war.

Sie sah atemberaubend aus: hohe, kühn geschwungene Wangenknochen, volle Lippen und eine schmale Nase wie eine Elfe. Aber es waren die Farben, die sie so unvergleichlich machten. Ihre glatte Haut hatte die Farbe polierten Goldes und ihre Augen die schottischen Whiskys.

Sie war von mittlerer Statur und kurvig gebaut, und sie trug ein nasses weißes T-Shirt, das sich an ihre üppigen Brüste schmiegte. Die Shorts gaben den Blick auf ihre wohlgeformten Beine frei und betonten ihren kessen Po. Ihr Haar war lang – eine dunkle Mähne, schwer vom Regen.

An ihrer rechten Hand trug sie einen ledernen Bogenhandschuh. Ein langer Armschutz aus Leder erstreckte sich von ihrem linken Handgelenk bis zu ihrem Ellenbogen. Wer hätte geahnt, dass die Ausrüstung zum Bogenschießen so sexy aussehen konnte?

Seine Frau würde das Leder anbehalten, wenn er ihren kurvigen, zarten Körper heute Nacht nahm. Bei diesem Gedanken wurde sein Schaft in der feuchten Jeans hart, und er hätte beinahe geknurrt.

Stattdessen folgte er ihr still und beobachtete sie, während sie sich der Beute näherte, die er bereits in den Höhlen unter ihnen gewittert hatte.

Wenn sie tatsächlich eine Walküre war, besaß sie übernatürliche Sinne, genau wie er: ein ausgezeichnetes Hörvermögen und die Fähigkeit, im Dunkeln über weite Strecken sehen zu können. Doch ihr Geruchssinn wäre nicht einmal annähernd so ausgebildet wie der seine. Sie würde das Geschöpf mithilfe von Augen und Ohren aufspüren müssen – und genau das tat sie in diesem Augenblick auf meisterhafte Weise.

Allerdings verharrte sie immer wieder, wandte den Kopf ruckartig in seine Richtung, und ihre spitzen Ohren zuckten.

Ohne jede Vorwarnung sprang sie in eine vor Regenwasser triefende Eiche hinauf und ging in kauernder Haltung in Schussposition, indem sie einen weiteren Pfeil auflegte. Aus der Ferne wirkte ihr Bogen ganz gewöhnlich, ein Recurvebogen, dessen Enden sich nach vorne bogen, mit einem verdickten Griff in der Mitte. Typisch, wenn auch eher altmodisch. Aber als er sich weiter näherte, konnte er die goldenen Symbole erkennen, die in das glänzende schwarze Holz eingraviert waren.

Die Waffe war genauso exquisit und stolz wie ihre Besitzerin.

Sie verharrte bewegungslos, während sie direkt auf den Fleck zielte, an dem er ihre Beute gewittert hatte. Hatte sie etwa vor, sie durch die Erde hindurch zu treffen?

Aye, denn mit einer Stimme, so düster wie die des Sensenmannes, flüsterte sie: »Dein Versteck unter der Erde wird dich nicht retten.«

3

Ich kann ihn atmen hören, jetzt eher gedämpft. Lucia wusste, dass der Kobold sich unter die Erde verkrochen hatte und um sein Leben rannte. Sie hatte ihn bis hierher verfolgt, indem sie mit Leichtigkeit die Zeichen gelesen hatte, die jede Beute hinterlässt.

Aus diesem Winkel auf dem Baum konnte sie direkt in die Erde hineinschießen, und ihr Pfeil würde bis in den Tunnel darunter vordringen. Ihr besonderer Pfeil – schlank und aerodynamisch würde er sein Ziel erreichen und dann drei rasiermesserscharfe Widerhaken freisetzen, sobald er auf Widerstand stieß.

Schon bald würde sie der komplett durchgeknallten Nïx zwei bestätigte Tötungen melden können. So wie Lucia es immer tat. Und was dann? Dann wird dieser Tag sich wieder und immer wieder wiederholen, bis zur Akzession.

Wenn die Albträume kamen.

Jetzt erledige erst mal den Kobold und dann geh nach Hause.

Doch aus irgendeinem Grund dachte sie an breite Schultern und hagere Wangen und erinnerte sich daran, wie dieser Lykae sie angesehen hatte, kurz bevor er zu Boden gerissen worden war. Er hatte sie angestarrt, während sich seine breite Brust unter keuchenden Atemzügen gehoben und gesenkt hatte und ihm der Schweiß über den muskulösen Oberkörper gelaufen war. Bis er dann von ein paar der gewaltigsten Dämonen umgerannt worden war, die sie je gesehen hatte.

Sein offensichtliches Interesse hatte sie aus der Fassung gebracht. Genau genommen hatten sich aller Augen auf sie gerichtet, und das kam nicht allzu oft vor, da sich Lucia für gewöhnlich in der Gesellschaft der frechen, strahlenden, atemberaubenden Regin der Ränkevollen befand, die stets im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand.

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