Fraternisieren verboten!!! - Ilse Amalie Köpper - E-Book

Fraternisieren verboten!!! E-Book

Ilse Amalie Köpper

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Beschreibung

Ende des 2. Weltkrieges : Eine Mutter mit 3 kleinen Kindern flieht mit einer Reiseschreibmaschine im Gepäck vor den russischen Soldaten nach Dänemark. Dort erlebt sie das Schlimmste, was einer Mutter widerfahren kann, aber auch Hilfsbereitschaft und Wohlwollen seitens der dänischen Bevölkerung. Die Schreibmaschine spielt dabei eine ganz besondere Rolle.

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Seitenzahl: 68

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Fraternisierenverboten !

Unsere Tante Amaliehängt Erinnerungen nach- Flüchtlingserlebnisse inDänemark

© 2020 Tante Amalie

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44,

22359 Hamburg

ISBN:

978-3-347-04628-3 (Paperback)

978-3-347-04629-0 (Hardcover)

978-3-347-04630-6 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Unsere Tante Amalie war der Verzweiflung nahe: durch ein Versehen hatte unser Onkel Franz beim Umbau ihrer Wohnung im Frühjahr 1969 die Aufzeichnungen in den Müll geworfen, Tante Amalies Aufzeichnungen, an denen sie so sehr hing, in denen sie allzu gern blätterte! Es waren die Aufzeichnungen ihrer Internierungszeit in Dänemark. Wenn wir Nichten und Neffen bei unserer Tante zu Besuch waren, forderten wir sie des Öfteren auf, uns „von damals“ zu erzählen, und sie tat es ohne Umschweife. Sie sprach immer ein wenig belustigt über ihre Dänemark-Erlebnisse, obgleich diese im Grunde genommen doch sehr hart für unsere Tante gewesen sein müssen. – Und nun waren diese Aufzeichnungen fort ! Tante Amalie wurde seltsam traurig; es war, als ob sie erst jetzt endgültig Abschied nahm von ihrer Zeit in Dänemark.

Tante Amalies Erzählungen fingen meist mit ihrer „Flucht aus Hamburg“ an. Sie war im Juli 1943 in Hamburg ausgebombt worden. Mit ihren beiden Kindern Wolfgang, 3 Jahre alt, und Monika, 1 Jahr alt, fand sie in der Ostprignitz eine Bleibe. Ob sie Lust hätte, in einer Mühle zu wohnen, fragte sie der Bürgermeister des Ortes, als der Zug, in den sie mit ihren Kindern als frisch Ausgebombte in Aumühle bei Hamburg eingestiegen war, in Fretzdorf hielt und endlich seine letzten Flüchtlingsfahrgäste loswerden wollte. Und ob die Tante Lust hatte! Eine Mühle, wie romantisch ! Diese „romantische“ Mühle entpuppte sich zwar als Großbetrieb, der für die ganze Ostprignitz das Getreide mahlte, und wenn die Güterzüge direkt vor der Mühle hielten, um Getreide zu bringen und Mehl abzuholen, so musste die Tante sehr auf ihren Sohn achtgeben, dass dieser in seiner Wildheit weder unter die Räder kam noch sich im Bremshäuschen versteckte, um ein bisschen mitzufahren ! Auf der anderen Seite aber war es natürlich für unsere Tante sehr angenehm, laufend mit Mehl und elektrischem Strom aus Eigenerzeugung versorgt zu werden!

Als jedoch im April 1945 die Russen immer näher rückten, zog die Tante es aber vor, sich vom Bürgermeister die Genehmigung für eine Reise nach Schleswig-Holstein geben zu lassen. Ohne Genehmigung gab es ja damals keine Fahrkarten! In Schleswig-Holstein nämlich wohnte die Freundin unserer Tante, die ihr schon 1943 ans Herz gelegt hatte, im Falle einer Ausbombung zu ihr zu kommen. 1943 zwar hatte die Tante ihren Rat nicht befolgt, jetzt aber hatte sie eine höllische Angst nicht nur vor den Russen, sondern auch vor der Zerstörung des Mühlenbetriebes. Hinzu kam auch, dass unsere Tante jetzt die Verantwortung für drei Kinder zu tragen hatte, denn inzwischen hatte sich der kleine Lutz zu ihnen gesellt, der gerade 7 Monate alt geworden war.

Am 18. April 1945 setzte sich Tante Amalie mit ihren drei Kindern in den Zug nach Schleswig-Holstein. Immerhin dauerte es zwei Tage, bis sie bei ihrer Freundin eingetroffen waren. Aber o weh! in dem Ort in Schleswig-Holstein erhielt unsere Tante keine Lebensmittelkarten; man stellte dort fest, dass sie kein „echter Flüchtling“ aus den bereits von den Russen besetzten Gebieten, sondern nur „vorsorglich“ aus Fretzdorf fortgefahren war. Ein Leben ohne Lebensmittelkarten war natürlich unmöglich, und so sah sich unsere Tante gezwungen, mit ihren Kindern weiterzuziehen, und zwar dorthin, wo man ihr Lebensmittelkarten oder Essen geben konnte. Tante Amalies geheimes Ziel war wohl immer Dänemark gewesen, wo ihr Mann Soldat war; er hatte ihr gegenüber in seinen Briefen erwähnt, dass einige seiner Kameraden ihre Frauen und Kinder nach Dänemark hatten kommen lassen, wo sie bei dänischen Familien Unterkunft gefunden hatten. Aber ob das jetzt noch möglich war?

Nach sicherlich großen Strapazen kam unsere Tante mit ihren Kindern in Flensburg an. Sie erhielten in Mürwik ein einer Schule Unterkunft und Verpflegung. Während ihres Aufenthaltes in dieser Schule wurde plötzlich ihr jüngster Sohn Lutz krank. Er hatte – wie viele andere Kleinkinder – Brechdurchfall und kam in Flensburg ins Diakonissenkrankenhaus. Zu dieser Zeit lief es wie ein Lauffeuer durch die Mürwik-Schule: es fährt noch ein letzter Flüchtlingszug nach Dänemark,

voraussichtlich am 3. Mai! Unsere Tante eilte ins Krankenhaus und bat dort um die Erlaubnis, ihren kranken Lutz wieder herausholen zu dürfen, um mit ihm und ihren beiden gesunden Kindern nach Dänemark, ins Schlaraffenland, hineinzufahren. Der Arzt hatte keine Bedenken, wenn unsere Tante das kranke Kind in Dänemark sofort wieder ins Krankenhaus geben würde. Für den Transport nach Dänemark – Tante Amalie hoffte auf eine Fahrt von zwei, vielleicht drei Stunden! - gab ihr das Krankenhaus fertige Babynahrung mit. Tatsächlich verließ der Flüchtlingszug am 3. Mai Flensburg Richtung Dänemark, und unsere Tante fühlte sich glücklich und erleichtert zugleich, als sie nach kurzer Zeit die Grenze passiert hatte. Womit sie aber nicht gerechnet hatte: der Zug fuhr volle zwei Tage in Jütland hin und her! Die Flüchtlinge, die voller Erwartung in Flensburg in den Zug gestiegen waren, hatten das niederschmetternde Gefühl: hier in Dänemark kann uns offenbar niemand mehr aufnehmen! Und diese lange Fahrt wurde dem Baby Lutz zum Verhängnis: sein Zustand verschlechterte sich zusehends.

Als die Flüchtlinge im Zug schon befürchteten, wieder nach Flensburg abgeschoben zu werden, fand sich in letzter Minute noch eine Unterbringungsmöglichkeit in Tarnborg auf Jütland. Deutsche Soldaten empfingen die deutschen Flüchtlinge auf dem Bahnsteig und führten sie in das dortige Bahnhofshotel, wo sie selbst bis dahin untergebracht waren. Sie hatten aber bereits alle Zimmer geräumt und hielten sich für den Rücktransport nach Deutschland bereit. Hier im Hotel lagen die Flüchtlinge nicht – wie in der Schule in Mürwik – auf den Fussböden auf Stroh, o nein, hier schlief man in weißen Metallbettstellen auf sauberen Matratzen, und zum Zudecken wurde eine genügende Anzahl von Wolldecken verteilt. Während der langen Bahnfahrt waren die Flüchtlinge natürlich schmutzig und hungrig geworden. Zwar erhielten sie an einigen Stationen, wo der Zug manchmal bis zu drei Stunden hielt, von dänischen Organisationen Verpflegung, und wenn das Warten besonders lange anhielt, hofften die Flüchtlinge immer wieder, dass die Aufnahmeverhandlungen von Erfolg gekrönt sein mögen, aber jetzt erwarteten sie nichts sehnlicher als ein warmes Mittagessen – und vorher eine Körperwäsche, möglichst unter einer Dusche!

Hier in Tarnborg, so erzählte unsere Tante Amalie, klappte die Organisation ganz großartig; es war schnell ein dänischer Lagerleiter bestellt, der sofort dafür sorgte, dass alle Flüchtlinge ein ausreichendes und warmes Mittagsmahl erhielten. Außerdem gab es genug warmes Wasser und Seife, so dass jeder sich abseifen konnte. Und es dauerte auch nicht lange - und gerade dies war so wichtig für die Flüchtlingsfrauen – bis sie ihre schmutzige Wäsche in der Waschküche des Hotels waschen konnten. Die meisten besaßen kaum noch Wäsche zum Wechseln. Unsere Tante erzählte, dass sie ihre Kinder solange ins Bette steckte, bis ihre Wäsche gewaschen und am offenen Fenster wieder getrocknet war.

Drinnen im Hotel konnten sich die Flüchtling frei bewegen, nur eines durften sie auf keinen Fall: das Hotel heimlich und ohne Genehmigung der Lagerleitung verlassen! Und doch gab es einige „Schnelle“ unter den Flüchtlingen, die in dieser kurzen Zeit schon längst ihre Verbindungen nach „draußen“ geknüpft hatten und das Ausgehverbot missachteten. Unsere Tante gehörte aber nicht dazu!

Die einzige dringende Sorge für Tante Amalie war nun, ihr krankes Baby in ein dänisches Krankenhaus zu bekommen. Sie musste warten, bis ein dänischer Arzt zu den deutschen Flüchtlingen ins Hotel bestellt war, der sie alle untersuchen sollte. Als dieser nun endlich kam, war der kleine Lutz so schwer krank, dass er schnellstens ins „deutsche Lagerkrankenhaus“ in Kongehavn, das von einem österreichischen Arzt geleitet wurde, überführt wurde. Dort lagen nur kranke Kleinstkinder, und es verging kein Tag, an dem nicht eines dieser armen Geschöpfe an Brechdurchfall starb.