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Geboren in den 60er-Jahren im Ostteil Deutschlands wächst der Autor mit Pionierhalstuch und FDJ-Bluse auf. Es sind die kleinen Dinge, die das Leben hinter Mauer und Stacheldraht erträglich machen. Die DDR gibt's nicht mehr, den DDR-Bürger mit all seinen Facetten und seiner Mentalität schon. Noch. Die nächste Generation bezeichnet sich nicht mehr als Ossi und Wessi, sondern als Deutsche. In seinen Jugenderinnerungen beschreibt der Autor den Alltag in der DDR, seine Sehnsüchte, Hoffnungen und Träume. Und gelangt zu dem Schluss, dass das Leben immer wieder Überraschungen bereit hält. Hüben wie drüben.
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Seitenzahl: 251
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Teil I
Teil II
Teil III
Teil IV
Teil V
Teil VI
Teil VII
Teil VIII
Teil IX
Teil X
Teil XI
Teil XII
Teil XIII
Teil XIV
Teil XV
Teil XVI
Teil XVII
Teil XVIII
Teil XIX
Teil XX
Teil XXI
Als sich Papa vor Mama so tief verbeugte, dass sein Kopf beinahe mit der Tischplatte kollidierte, nahm das Unheil seinen Lauf. Mama war fasziniert von Papas Erscheinung. Und nachdem beide das Parkett im Bierkeller mit einigen Lipsi-Tänzen zum Beben gebracht hatten, war es um Mama geschehen. Sie verliebte sich in Papa, Papa verliebte sich in Mama – aber an mich war noch nicht zu denken.
Einige Wochen nachdem sich meine Eltern kennengelernt hatten, wurde Deutschland mit einem antifaschistischen Schutzwall geteilt. Mama und Papa waren froh, im selben Teil Deutschlands, der DDR hieß, zu leben. Dabei wäre es fast anders gekommen. Zwei Tanten Mamas waren kurz nach dem Krieg in den Westen gegangen und hatten ihr neues Zuhause in Hameln gefunden. In den 50er-Jahren war es noch relativ leicht, problemlos in die westlichen Sektoren zu fahren – und so war Mama eines Tages vor die Wahl gestellt, in Niedersachsen zu bleiben oder tatkräftig am Aufbau des Sozialismus mitzuwirken. Mamas Mama legte ein Veto ein, und so blieb Mamas Heimat die Altmark – im Arbeiter- und Bauernparadies.
Obwohl Papa Maurer war, beteiligte er sich im Sommer 1961 nicht an den umfangreichen Baumaßnahmen an der Sektorengrenze in der Hauptstadt unserer Republik. Die frisch Verliebten genossen ihre Tage in der Provinz, wo sich Papa am Bau des „Hotels Stadt Stendal“ einbrachte, während Mama hin und wieder Ausschau hielt, ob sich nicht ein Millionärssohn in die altmärkische Idylle verirrte. Weil aber Millionärssöhne ein Erbe des Imperialismus und Militarismus waren, blieb Mamas Suche erfolglos. Denn vor Gott, vor Gericht und im Sozialismus waren alle Menschen gleich. Einige allerdings gleicher.
Fast fünf Jahre gingen Mama und Papa miteinander, ehe in der Ferne die ersten zarten Töne der Hochzeitsglocken zu hören waren. Zwar war Papas Mama von der Wahl ihres Sohnes nicht gerade begeistert, aber Mamas Mama und Mamas Papa hatten ihren Schwiegersohn in spe in ihr Herz geschlossen. Anfang April 1966 gaben sich Mama und Papa im Stendaler Standesamt das Ja-Wort. Für Papa war es schon das zweite Mal, dass er einer Frau die ewige Treue geschworen hatte, versprach, sie zu lieben und zu ehren, bis dass der Tod sie scheide. Der Familienlegende nach nickte Mama nur, als die Standesbeamtin die entscheidende Frage stellte. Mama war so gerührt, dass ein so stattlicher Mann sie in den Stand der Ehe führen wollte, dass sie kein Wort hervorbrachte.
Schon bald nach der Hochzeit ging es an die Familienplanung. Aber so sehr sich Papa auch abmühte – Mama wurde einfach nicht schwanger. Nachdem es die beiden immer wieder versucht hatten, erbarmte sich Mutter Natur schließlich. Mama bemerkte, dass in ihr etwas heranwuchs, während sich Papa wunderte, dass Mamas Bauch immer kugelrunder wurde. Nach einem Besuch beim Frauenarzt hatten es Mama und Papa schwarz auf weiß: Sie sollten Eltern werden.
In den nächsten neun Monaten entwickelte sich in Mamas Bauch ein prächtiges Bürschchen. Allerdings ließ es sich viel Zeit, um die Welt mit seiner Anwesenheit zu beglücken. Der errechnete Geburtstermin war der 11. Juni, doch erst acht Tage später setzten bei Mama die Wehen ein. Ich ahnte wohl, in welche Welt ich hineingeboren werden sollte, und ließ mir noch mehr Zeit. Außerdem war es in Mamas Bauch unheimlich warm und kuschelig.
Ich wurde an einem Mittwoch geboren. Zwei Tage lang hatte ich mich nach Leibeskräften gesträubt, doch jetzt gab es kein Halten mehr. Zwei riesige Hände packten mich, zogen an mir, zerrten an mir – und Stendal hatte einen Einwohner mehr. Mama war von den Strapazen erledigt, und ich hatte mich wohl auch verausgabt. Nachdem ich zum ersten Mal in meinem noch so jungen Leben eins auf den Hintern bekommen hatte, fing ich fürchterlich an zu schreien.
Mama bekam ich überhaupt nicht zu Gesicht. Weil ich so lange brauchte, Mamas Bauch zu verlassen, diagnostizierten die Götter in Weiß einen Verdacht auf Gehirnbluten. Und so verbrachte ich die nächsten zwei Wochen im Universitätsklinikum in Magdeburg. Der Verdacht hatte sich zum Glück nicht bestätigt, sodass ich endlich in Mamas und Papas Augen blicken konnte. Papa war mächtig stolz auf das, was ihm gelungen war. Und Mama war die schönste Mama der Welt. In der Familie war ich der Mittelpunkt, um den sich alles drehte.
Dabei klopfte Gevatter Tod mehr als einmal an meine Tür, noch bevor ich ein Jahr alt war. So, als meiner Tante – sie war damals 15 – der Kinderwagen entglitt, und ich das erste Mal schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Straßenpflaster schloss. Natürlich hatte meine Tante den Vorfall verschwiegen. Heraus kam er, als eine Bekannte sich bei Mamas Mama erkundigte, ob denn ihr Enkel noch lebe. Danach hat mich meine Tante nie wieder ausgefahren.
Auch den zweiten Besuch des Sensenmannes überstand ich unbeschadet. Mama war kurz beim Fleischer und hatte vergessen, die Handbremse des Kinderwagens anzuziehen. Die Schwerkraft tat ihr übriges, und ich rollte mitsamt meines Gefährts auf eine mehr oder weniger belebte Straße. Die wenigen Autofahrer, die um diese Zeit unterwegs waren, reagierten blitzschnell, sodass weder ich, noch mein Gefährt einen Schaden davon getragen haben. Über den Wert dieser Aussage lässt sich fast fünf Jahrzehnte später streiten.
Hatte ich mir bei meiner Geburt schon so viel Zeit gelasssen, fand Laufen in den ersten beiden Jahren überhaupt nicht statt. Es war viel bequemer, sich durch die Welt schieben zu lassen. Viel lieber verbrachte ich die Zeit in meinem Laufgitter, das ich durch die ganze Wohnung schieben konnte, und damit vortrefflich an sämtliche Schränke herankam. Einmal hatte ich sogar einen Kleiderschrank ausgeräumt. Als Mama die Bescherung sah, gab es gehörig eins auf die Finger, sodass ich Schränke jeglicher Art sofort zu meiner persönlichen Tabuzone erklärte.
Als ich zwei Jahre alt war, konnte ich mich einigermaßen auf den Beinen halten. Ade, du schöne Welt des Chauffierens. Wo immer Mama hinging, ich trottete neben ihr. Oft statteten wir Oma und Opa, die in der Jenny-Marx-Straße wohnten, einen Besuch ab. Auch wenn ich jetzt nicht mehr der einzige Enkel war – im September 1968 erblickte meine Cousine Doreen das Licht der Welt – war ich doch der bisher einzige männliche Spross, der die Nachkommenschaft der Familie zu sichern hatte.
Mit Doreen verstand ich mich prächtig, auch wenn uns etwas mehr als ein Jahr und zwei Monate trennten. Als Doreen zu sprechen begann, nannte sie mich Feffen – und ich sie Heegen. Wir waren wie Pech und Schwefel. Aber als Heegen zwei Jahre alt war und eine kleine Schwester Livia bekam, war Schluss mit lustig. Heegen zog mit Livia und Tante Edelgard, ihrer Mama, zum neuen Mann nach Leipzig. Onkel Kurt war Physiker in der Messestadt. Und meine erste Sandkastenfreundschaft fast eine halbe Tagesreise entfernt.
Mama ging mit mir so oft wie möglich spazieren, zur Oma oder auf den Spielplatz. Ich hatte Sandkuchenformen in allen Farben und Variationen. Während es sich Mama auf der Bank bequem machte, nahm ich mein Spielzeug, setzte mich in irgendeine Ecke und bereitete mich auf das Leben vor. Spielzeug hatte ich schließlich genug – ein Feuerwehrauto, ein Polizeiauto, Cowboys, Indianer und eben die Sandkuchenformen. Kam ein Gleichaltriger hinzu, um mein Treiben zu beobachten, oder sich mit mir anzufreunden, packte ich meine Sachen zusammen und holte sie in einer anderen Ecke des Spielplatzes wieder heraus. In der Hoffnung, der neugierige Fremde würde das Zeichen verstanden haben. Mama sagte immer, ich sei ein Einzelgänger.
In der Zwischenzeit waren Mama, Papa und ich in die Mühlenstraße gezogen. Als ich ungefähr vier Jahre alt war, und sicheren Schrittes die Welt erkundete, überraschten mich meine Eltern mit einen Holzroller. Weil ich aber mit der Straßenverkehrsordnung noch nicht vertraut war, wurde nur auf dem Hof gefahren. Der Holzroller hatte sogar einen Spielzeugblinker, der als Pfeil an der Front angebracht war. Wollte ich rechts am Schuppen vorbei, signalisierte ich das natürlich vorschriftsmäßig, um nicht etwa mit der dicken Frau, die über uns wohnte, zusammenzustoßen.
Nachdem das Holzrollerfahren allmählich langweilig wurde, und ich mich wieder verstärkt dem Fußmarsch widmete, stand Papa eines Tages mit einem nagelneuen Luftroller in der Tür. Das war der Porsche unter den Rollern: Gummireifen, alle Teile aus Metall, einen kleinen Sitz und knallrot wie ein Feuerwehrauto. Nach einer kleinen Proberunde auf dem Hof musste ich natürlich meinem Freund, dem Nachbarsjungen Dirk Lück, von meinem nagelneuen Fahrzeug berichten. Obwohl genau so alt wie ich, befand er sich noch immer im Holzroller-Stadium. Dirk hatte ja noch mehrere Geschwister, die auch ihr Recht verlangten – und so war bei den Lücks an einen Luftroller vorerst nicht zu denken. Da hatte ich es als Einzelkind doch bedeutend leichter. Ich musste nur einen Wunsch andeuten, und Papa und Mama beglückten mich in den nächsten Tagen mit dem neuen Spielzeug.
Mit den Vorzügen eines Einzelkindes war es aber bald vorbei. Mama und Papa hatten für Familiennachwuchs gesorgt. 1973, ich war noch keine sechs Jahre alt, bekam ich eine kleine Schwester. Mandy verbrachte die ersten zwölf Monate ihres Lebens überwiegend im Krankenhaus. Immer wieder hatte sich das kränkliche Mädchen irgendeine Infektion eingefangen, sodass ich meine Schwester nicht so oft zu Gesicht bekam, wie sich das ein großer Bruder wünscht. Als der Arzt Mama sagte, dass dies überstanden sein werde, sobald das Kind ein Jahr alt ist, war Mama erst einmal beruhigt. Und tatsächlich: Kaum hatten wir Mandys ersten Geburtstag gefeiert, strotzte meine Schwester vor Gesundheit. Mama hat gesagt, Dr. Langer, der behandelnde Arzt im Krankenhaus Gardelegen, sei ein weiser Mann. Ganz im Gegensatz zu jenem, bei dem sie als Dreikäsehoch in Behandlung war. Der hatte Mamas Mama nämlich prophezeit, dass ihre Tochter nicht älter als 20 Jahre würde. Das war natürlich niederschmetternd für Oma, die die älteste ihrer drei Töchter behütete und beschützte, so gut es eine Mutter kann. Und Opa nahm jeden Mann, der Interesse an Mama zeigte, genau unter die Lupe. Mit Papa als Wahl ihrer Tochter waren Oma und Opa sofort einverstanden. Papa war arbeitsam, ehrlich, kam aus der Arbeiterklasse – und er trug Mama auf Händen. Jedenfalls früher.
Die Wochen und Monate gingen ins Land, ich verlebte eine glückliche Zeit mit meinem Luftroller, als Mama mir eines Tages offenbarte, dass ich bald ein Schulkind sein würde. Weil ich aber nicht im Kindergarten war, musste ich in die Vorschule. Vorschultag war immer montags. Mama brachte mich dann für ein paar Stunden in die Comeniusschule, ging derweil zu ihrer Mama, die ja gleich nebenan wohnte, und holte mich nach Schulschluss wieder ab. Ich war jedesmal ganz stolz, wieder etwas gelernt, den Unterricht nicht gestört und mein Malbuch mit weiteren Kunstwerken vervollständigt zu haben. Gut ein Jahr lang besuchte ich den Vorbereitungskurs, bevor es im September 1974 ernst wurde.
Meine Schultüte durfte ich mir selbst aussuchen. Im Schaufenster des Schreibwarengeschäfts der Firma Ulrich am Markt strahlte mich dieses hässliche Utensiel an, auf dessen blauem Untergrund die Buchstaben ABC in goldener Schrift angebracht waren, und das mit einem Goldrand verziert war. Ich konnte bereits lesen, schreiben und rechnen – und wollte dies natürlich der Kinderwelt kundtun. Mama respektierte meinen Wunsch – und ich durfte meine Aufschneider-Schultüte stolz nach Hause tragen.
Den ersten Schultag konnte ich kaum erwarten. Mit Mamas Mama, Mama und Papa machte ich mich auf dem Weg zur Comeniusschule. Meine Lehrerin hieß Frau Lodahl, eine sehr fähige Pädagogin. In den beiden Stunden, die meine Mitschüler und ich mit unserer Lehrerin zubrachten, erklärte uns Frau Lodahl die Fibel, das Mathebuch, wozu wir Hefte brauchen und was in die Federtasche gehört. „Ordnung ist das halbe Leben“, sagte Mama immer – und Frau Lodahl machte uns deutlich, dass ebenso der Inhalt unserer Schulranzen auszusehen habe. Zum Schluss mussten wir alles wieder in den Ranzen verstauen – doch oh Schreck – ich bekam meine Schultasche nicht mehr zu. Niemand half mir, ich begann zu weinen und nachdem ich noch einmal alles ausgepackt hatte, verstaute ich meine Bücher und Hefte so gut, dass sich die Schultasche nun bequem schließen ließ.
Am darauffolgenden Montag begann endlich der Schulalltag. Ich ging in die Klasse 1b – und langweilte mich zu Tode. Was sollte ich hier? Ich konnte doch schon lesen und rechnen. Trotzdem saß ich kerzengerade auf meinem Stuhl, die Arme übereinander gelegt und bewegte mich keinen Millimeter. Das hielt ich einige Monate durch, was mir im Fach „Betragen“ auch eine eins auf dem Zeugnis einbrachte. Auch in Mathe erhielt ich ein sehr gut – nur Ordnung und Deutsch zählten nicht zu meinen Stärken. In Deutsch war es einfach Unterforderung, während Ordnung zwar das halbe Leben ist, aber in meinem Dasein eine eher untergeordnete Rolle spielte. Dass ich später in der Oberstufe in Biologie eher bescheiden abschnitt, hatte seine Wurzeln wahrscheinlich im Schulgartenunterricht. Ich konnte der Botanik einfach nichts abgewinnen, mal abgesehen davon, dass wir das Obst und Gemüse, das wir mehr oder weniger liebevoll anpflanzten, nie essen durften. Nicht in der Schulkantine, nicht während des Unterrichts und schon gar nicht in unserer Freizeit. Für das Lehrerkollegium war unserer Arbeit Lohn eine willkommene Abwechslung auf dem Speisezettel. Der Schulgarten befand sich übrigens auf dem Areal, neben dem später die Schwimmhalle gebaut werden sollte. Aber Mitte der 70er-Jahre war das noch völlige Utopie.
In der ersten Klasse war es, dass ich das erste Mal mit einem Spiel in Berührung kam, das sich Schach nannte. Während Mama diesem Figurenschieben nichts abgewinnen konnte, und auch die Regeln nicht beherrschte, war mir Papa in der Anfangszeit haushoch überlegen. Es gab keine Partie, in der er mich nicht matt setzte, zumal Aufgeben – wie auch der Damentausch – früher verpönt waren. Obwohl ich so schlecht spielte, gab es einen, der noch schlechter war als ich: mein Klassenkamerad Markus. Eines Tages hatten wir mitbekommen, dass im Pionierhaus die Kreis-, Kinder- und Jugendspartakiade stattfinden sollte. Wer dreimal gewonnen hatte, durfte sich über eine Medaille freuen. Ich gewann einmal – gegen Markus. In den anderer Partien sah ich kein Land, und als mich meine Gegner matt setzten, musste ich erst einmal einige Minuten lang überprüfen, ob es wirklich keinen Ausweg mehr gab für meinen von feindlichen Figuren umzingelten Monarchen. Ich hätte natürlich dreimal gegen Markus spielen können, aber zu meinem Leidwesen wurden die Runden jedesmal neu ausgelost. So blieb ich bei meinem Premierenauftritt in der Schach-Öffentlichkeit ohne Edelmetall. Letzter wurde ich aber nicht. Den Platz hatte sich Markus erkämpft.
Nach diesem Misserfolg hängte ich Brett und Figuren erst einmal an den sprichwörtlichen Nagel. Ich ließ mich nur noch für den Hausgebrauch zu einer Partie hinreißen. Entweder gegen Papa oder gegen den einen oder anderen Kollegen Papas, gegen die ich aber meist gewann.
Schon bevor ich eingeschult wurde, waren wir von der Mühlenstraße in die Stavenstraße gezogen. Eine größere Wohnung war notwendig, denn meine kleine Schwester brauchte auch ihren Platz. Wir wohnten im Obergeschoss, während das Erdgeschoss die Familie Wolkenhaar, die zugleich Eigentümer der Immobilie war, beherbergte. Nicht nur, dass Mama einmal im Monat Frau Wolkenhaar Geld gab – wofür, konnte ich mir damals noch nicht erklären – die Vermieter besaßen auch ein Telefon. Ein schwarzer klobiger Kasten mit Wählscheibe. Damals ein Wunderwerk der Technik. Zumindest für einen Dreikäsehoch, der zwar problemlos zwei einstellige Zahlen addieren konnte, aber im Alphabet erst bei B angekommen war.
Familie Wolkenhaar hatte zwei Söhne. Andreas war etwa zwei Jahre älter als ich, Kai sechs oder sieben Jahre. Mit den beiden, die auch in die Comeniusschule gingen, wie auch mit Christian, der ein paar Häuser weiter wohnte, verbrachte ich die erlebnisreichsten Jahre meiner frühen Kindheit. Meist zog es uns in den angrenzenden August-Bebel-Park, wo wir herumtollten, dem runden Leder nachjagten – obwohl wir meist nur eine Gummipflaume zur Verfügung hatten, weil Lederbälle unheimlich teuer waren – oder uns auf dem Spielplatz die Anerkennung der anderen verdienten, weil wir so unheimlich mutig waren. Das imponierte natürlich auch den Mädchen, die in unserer Straße wohnten: Heike, Simone und Katrin, mit denen wir auch Verstecken und Fangen gespielt haben, aber sonst noch nichts anzufangen wussten. Wenn unsere Mädchen Stubenarrest hatten, oder für die Schule lernen mussten, waren wir Jungs unter uns.
Seitdem wir in die Stavenstraße gezogen waren, hatte ich viele neue Menschen kennengelernt. Und fast täglich kamen weitere hinzu. Einer meiner Freunde war Bernd, ein kleiner untersetzter rothaariger Junge in meinem Alter, der im angrenzenden Haus in der Johann-Sebastian-Bach-Straße wohnte. Bernd hatte – ebenso wie ich – nur Unfug im Sinn. Als Papa auf dem Grundstück, das wir mitbenutzen durften, einen Schuppen baute, und ich ihm dabei bewunderungsvoll zusah, fragte ich Bernd einfach, ob wir Freunde werden wollen. Natürlich willigte er ein. Und von diesem Tag an gehörte er zu uns – der unheimlichen August-Bebel-Park-Clique. Der Zusammenhalt in der Clique war allerdings nicht so sehr ausgeprägt, als dass wir den ganzen Tag lang aufeinander gehockt hätten. Wir wollten ja keine Heldentaten zu Ehren des 25. Jahrestages unserer Republik verbringen, sondern hatten die Innenstadt zu unserem Revier erklärt. Der Sperlingsberg, die Breite Straße, die Stavenstraße, die Johann-Sebastian-Bach-Straße, und manchmal auch die Vogelstraße, waren die bevorzugten Plätze unserer Kindheit.
Andreas und Kai hatten schon das eine oder andere Auge auf dieses oder jenes Mädchen geworfen, während ich das schöne Geschlecht noch immer „Bäh!“ fand. Natürlich konnte man mit Mädchen auch spielen, besonders fangen, weil man als Junge meist schneller war, auf der Schiene einer jungen Liebe spielte sich (noch) nichts ab. Das heißt: Mit einem Mädchen, das auch in der Stavenstraße wohnte, hatte ich mich mal verlobt. Ich wusste damals zwar noch nicht, was das bedeutet, aber mit zunehmendem Alter und einige Umzüge später verloren wir uns aus den Augen, sodass ich mein Eheversprechen, das ich in der zweiten Klasse abgegeben hatte, nie einlösen konnte.
Nach den Winterferien 1976 war Mama zum Schuldirektor geladen worden. In der Comeniusschule wurden nämlich ab der dritten Klasse sogenannte „r-Klassen“ installiert, in denen die leistungsstärksten Schüler aus den drei zweiten Klassen konzentriert werden sollten. Obwohl mein Zeugnis nicht besonders ausfiel, hatte der Lehrkörper wohl mein Potenzial erkannt, und hoffte, die mehr und mehr sichtbaren Symptome der aufkommenden Krankheit Faulenzius in den Griff zu bekommen. Als Mama fragte, ob sich denn später berufliche Vorteile für ihren Jungen ergeben würden, wenn er die r-Klasse besuchen würde, und der Direktor dies verneinte, war die Sache mit dem Sonderstatus vergessen. Der Direx wollte sich aber noch nicht damit abfinden, und wies Mama darauf hin, dass ihr Sohn ein Kind des Sozialismus sei, wonach Mama, wie von einer Hornisse gestochen, fluchtartig das Weite suchte. Zumindest im Zimmer des Direktors ward sie nie wieder gesehen. Und ich blieb ein Kind von Mama, die fortan immer wieder auf die „Russen-Zone“ schimpfte.
Eineinhalb Jahre später hatte sich das Thema Eliteklasse endgültig erledigt. Die Wohnung in der Stavenstraße wurde zu klein, meine Schwester wuchs heran und verlangte ihr eigenes Reich. Im September 1977 zogen wir nach Stendal-Nord in die Mannsstraße – und ich wurde Schüler der POS „Wilhelm Pieck“. Wohl habe ich mich nicht gefühlt an meinem ersten Tag, schließlich musterten mich meine Mitschüler von Kopf bis Fuß. Und die Mädchen tuschelten über mich. Eine sagte dann aber doch: „Der sieht doch nicht schlecht aus.“ Das beruhigte mich doch ungemein, sodass ich mich mit der Zeit einlebte. Meine Klassenlehrerin war Frau Hermann, die ich nach der vierten Klasse nie wieder gesehen habe.
Noch im selben Monat wurden wir in die Reihen der Thälmannpioniere aufgenommen. Das war die zweite staatliche Stufe auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Am Wilhelm-Pieck-Denkmal, das neben der Schule stand, wurden wir eingeschworen auf den Klassenkampf, auf die Freundschaft zu den Kindern der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Ländern, auf Ordnung und Sauberkeit und auf Hilfsbereitschaft. Und natürlich auf unser sozialistisches Vaterland, die DDR. Mein rotes Halstuch trug ich mit Stolz. Irgendwann erfuhr ich dann, dass Opa auch mal in einer Jugendorganisation war. Die aber trug nicht den Namen des großen Arbeiterführers und war auch nicht rot.
Die 70er-Jahre, das Jahrzehnt von Diskowelle, Dalli-Dalli, Columbo und Muppet-Show war auch das Jahrzehnt der Umbrüche und Veränderungen in der Familie. Wir sind zweimal umgezogen, ich habe schreiben, lesen und rechnen gelernt – und bekam 1979 noch eine Schwester. Mama war immer fasziniert von tschechischen Spielfilmen, sodass ein Name für das Neugeborene frühzeitig feststand: Jana.
Dennoch hatte ich das Gefühl, dass das Leben nur so dahin plätschert, sich außer „Ehen vor Gericht“ und Willi Schwabes Rumpelkammer nichts bewegt. Ehen vor Gericht, eine Justiz-Doku, in der es um Scheidungen ging, war für Mama und Papa der TV-Höhepunkt eines jeden Monats. Ehen vor Gericht war die Urzeit-Barbara-Salesch und langweilte mich zu Tode. Hatten es sich Mama und Papa bequem gemacht, um immer wieder zu staunen, welch tolle Ehedramen sich die Autoren ausgedacht hatten, verkrümelte ich mich in mein Zimmer, versetzte mich in eine andere Zeit und brachte meine PVC-Cowboys gegen heranrückende Rothäute in Stellung. Meistens überstanden sie dem Sturm der Indianer.
Hatte ich in der Stavenstraße den einen oder anderen Freund gefunden, blieb ich in der neuen Umgebung meinem Urinstinkt als Einzelgänger treu. Zumindest in der ersten Zeit. Dann hatten wir, einige Nachbarskinder und ich den Fußball entdeckt, und kickten tagein, tagaus auf der Wiese vor dem Block, wobei die Betonkante des Sandkastens auf der einen und zwei kleine Bäume auf der anderen Seite als Tore dienten. Manchmal spielten wir aber auch nur auf ein Tor, wobei sich der Schlussmann absolut neutral verhalten musste. Dass das nicht immer gelang, oder gelingen wollte, lag auf der Hand. Und so musste ein guter Fußballer schon mal eine zweistellige Niederlage gegen einen weniger guten Altersgenossen einstecken, weil es das Turnier unheimlich spannend gemacht hatte.
Obwohl ich bei den Rasenmeisterschaften regelmäßig Mittelmaß war, machte sich das Training doch bezahlt. So wurde ich hin und wieder bei Klassenspielen eingesetzt, bei denen meine 6b gegen die 6a oder 6c kickte. Ich spielte zwar nie durch, und war meistens Bankdrücker, doch einmal gelang mir der ganz große Wurf. Beim Stand von 4:4 – ich glaube, es war gegen die 6a – bekam ich eine Flanke so unglücklich ans Knie, dass der Ball prompt ins Tor rollte. Wir gewannen 5:4 und fortan musste ich mich mit der Rolle des Jokers abfinden. Ein Treffer gelang mir allerdings nie mehr. Die Klassenspiele wurden immer recht kurzfristig organisiert, meist in der ersten Hofpause. Dann war noch genug Zeit, bis zum Nachmittag eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Mehrere meiner Klassenkameraden spielten in einem Verein, entweder bei Lok oder bei Empor.
Im Sommer 1981 meinte ich, dass es an der Zeit sei, selbst einem Fußballverein beizutreten, weil uns die Lehrer ständig damit nervten, unserer Freizeitgestaltung einen gesellschaftlich relevanten Sinn zu geben. Junge Naturforscher, junge Techniker, junge Modellbauer, junge Fotografen, junge Chemiker, geschickte Hände, und was es sonst noch so alles gab – nichts davon interessierte mich. Mit dem Beitritt zu Empor Stendal – unsere Heimstätte war der Sportplatz in der Haferbreite – hatte ich dem Drängen des Lehrkörpers Zufriedenheit verschafft. Jetzt gab es in meiner Klasse nur noch zwei oder drei Jungen, die in ihrer Freizeit lieber herumstromerten, als sich der staatlich geforderten Nachmittagsbeschäftigung zu unterwerfen. Der Verfall der sozialistischen Moral und Sitten schien erst einmal aufgehalten.
Dass ich nun einem Fußballverein angehörte, schien die richtige Entscheidung gewesen zu sein. In einem ersten Trainingsspiel schoss ich gleich ein Dutzend Tore, was mich für kurze Zeit zum halbstarken Achim Streich der Altmark machte. Dem Trainer war danach klar, wo er mich einzusetzen hatte – natürlich im Sturm. Ich wollte meinen Namen ja auch mal in der Zeitung lesen.
Nach ungefähr zwei Wochen, in denen ich beim Training immer wieder meine Torjägerqualitäten mehr oder weniger unter Beweis gestellt hatte, waren wir zu einem Jugendturnier beim TuS Wahrburg eingeladen. Gespielt wurde auf Großfeld. Papa und mein Cousin weilten unter den Zuschauern und wollten sich meine Kickerkünste auf keinen Fall entgehen lassen. Doch irgendwie war an diesem Nachmittag der Fußballwurm drin – und mit mir als Angriffsspitze gelang uns nicht ein einziger Treffer. Die Abseitsregelung war für mich ein Buch mit sieben Siegeln, und wenn ich doch mal den Ball bekam, scheiterte ich kläglich an den technisch versierten gegnerischen Abwehrspielern. Auch im Kombinationsspiel war ich völlig überfordert. Entweder konzentrierte ich mich auf den Ball – oder auf die Mitspieler. Beides unter einen Hut zu bringen, schaffte ich nicht.
Nach einem Monat Fußballerdasein sah ich ein, dass aus mir kein Achim Streich werden würde. Ich hing meine Töppen an den Nagel, wo schon das Schachbrett und die -figuren hingen, und ging als wohl erfolglosester Nachwuchsspieler aller Zeiten in die Vereinsannalen ein: nicht ein Punktspiel bestritten, nicht ein Tor geschossen und von Abseits so viel Ahnung wie ein Pinguin von der Anatomie einer asiatischen Wandermücke.
Nur wenige Wochen nach meiner knapp verpassten Fußballerkarriere weckte ein Artikel in der Volksstimme meine Aufmerksamkeit. Darin wurde zu einer Fernschach-Bezirksmeisterschaft aufgerufen. Und weil es mir trotz meiner bis dahin atemberaubenden Misserfolge im königlichen Spiel an allem fehlte, außer an Selbstvertrauen, meldete ich mich schließlich an. Ich sah mich schon auf dem Thron, flankiert von Schachludern, die mich herzten. Die Realität war dann doch eher ernüchternd. So oft ich es auch versuchte – niemand fiel auf das Schäfermatt hinein. Damit konnte ja niemand rechnen, und die imaginären weiblichen Schönheiten musste ich in den Wind schießen. Ein Herr Milde aus Kalbe versuchte es allerdings, mich mit dem Schäfermatt hinters Licht zu führen. Er hatte ja keine Ahnung, dass er auf einen Gegner trifft, der den Ausfall der Dame nach den beiden Doppelschritten der e-Bauern bis ins kleinste Detail beherrschte. Diese Partie gewann ich auch, es blieb bei dieser Meisterschaft allerdings mein einziges Erfolgserlebnis.
Der Zufall wollte es, dass ich im darauffolgenden Winter wieder unter die Haube sozialistischer Ordnung kam. Als Mandy und ich meine Tante in Röxe besuchten, und am frühen Abend mit dem Linienbus die Heimreise nach Nord antraten, erspähte ich einige Bänke hinter uns Herrn Müller, den Jugendtrainer der Schachspieler Lok Stendals. Ich packte die Gelegenheit beim Schopfe, stand auf, ging auf Herrn Müller zu, und fragte ihn, ob ich am darauffolgenden Dienstag mit meiner Schwester beim Training vorbeischauen könne. „Klar, könnt ihr kommen“, sagte der 47-Jährige. Ich bedankte mich, setzte mich wieder neben meine Schwester und berichtete ihr, dass Herr Müller einverstanden sei. Auch, wenn ich meine Schachkarriere, die damals noch gar nicht begonnen hatte, bereits beendet hatte, wollte ich den 32 Figuren auf den 64 Feldern noch eine zweite Chance geben.
Drei Tage später machten wir uns am späten Nachmittag auf den Weg zum Pionierhaus. Es war frostig an diesem 15. Dezember 1981, und weil es bereits dämmerte, glitzerte der Schnee im spärlichen Licht der volkseigenen Straßenlaternen. Ein Radfahrer, der wohl das selbe Ziel hatte wie wir, kam auf dem glatten Untergrund ins Schleudern, hielt sich aber mit akrobatischem Können in der Senkrechten und fragte, ob wir auch zum Schach wollen. „Dann können wir ja gleich eine Partie spielen“, schlug der Zwölfjährige vor. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Ich hoffte, mich nicht bis auf die Knochen zu blamieren und willigte ein.
Ein paar Minuten später saßen wir uns gegenüber. Frank, so viel hatte ich herausgefunden, unterbreitete das Angebot, mit einer Uhr zu spielen. Offenbar hatte mein Grübeln über den nächsten Zug seine Geduld arg strapaziert. Er stellte das Zeitmessgerät auf fünf Minutehn ein, und führte seinen ersten Zug aus. Noch ehe ich mich versehen hatte, waren zwei Minuten vorüber – und ich hatte immer noch nicht gezogen. „Wenn das rote Blättchen fällt, dann hast du verloren“, klärte er mich auf. Ich zog so schnell wie ich noch nie gezogen hatte, es folgte ein offener Schlagabtausch und ehe ich mich versehen hatte, war ich in ein Mattnetz hineingelaufen. Trotzdem schlug ich mich wacker, denn von den sechs Partien gewann ich zwei, was mich motivierte, am darauffolgenden Dienstag wieder im Pionierhaus zu erscheinen und die nächsten Lektionen einzustecken.
Die Schmach meiner ersten Schachschritte war vergessen – und von Mal zu Mal wurde ich besser. Dennoch waren da noch die Bezirksmeisterschaften im Fernschach, bei denen ich in den meisten Partien hoffnungslos auf Verlust stand.
Kurz nach dem Jahreswechsel nahm ich zum ersten Mal am Erwachsenentraining teil. In der Hoffnung, meine neuen Mitstreiter würden mir den einen oder anderen Tipp geben, wie ich meinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen kann, führte ich meine Partien vor. Doch die Stellungen waren bereits so schlecht, dass mir auch die Stärksten der Starken keine Auswege präsentieren konnten. Der Traum, von Schachludern flankiert, auf dem obersten Treppchen zu stehen, war ausgeträumt.
Inzwischen fiel es Papa auch immer schwerer, mich matt zu setzen. Immer wieder versuchte er es mit dem Schäfermatt – erfolglos. Einmal kreierte ich sogar eine Eröffnungsfalle, nicht ahnend, dass ich Amerika nur wiederentdeckt hatte: 1.e2-e4 e7-e5, 2. Dd1-h5 Sb8-c6, 3. Lf1-c4 g7-g6, 4. Dh5-f3 Sg8-f6, 5. Df3-b3 Sc6-d4!, 6. Lc4xf7+ Ke8-e7, 7. Db3-c4 b7-b5. Die Dame muss von der Diagonale weichen, und nachdem ich mich des Läufers auf f7 bedient hatte, streckte Papa bald die Waffen. War bisher Schach die Lieblingsbeschäftigung in unserer Familie – außer Mama und der zwei Jahre alten Jana beherrschten die anderen die Regeln – schlugen Papa und Mandy vor, auf Rommé umzusteigen. Da hatte ich dann wieder meist das Nachsehen – und Papa war der Kartenguru schlechthin. Auch Mandy hielt sich wacker, obwohl die ja gerade einmal acht Jahre alt war.
Dennoch hatte mich das Schach in seinen Bann gezogen. Selbst in der Schule konnte ich davon kaum ablassen. Ich
