Geliebte Lügnerin Chantal - Marie Cordonnier - E-Book

Geliebte Lügnerin Chantal E-Book

Marie Cordonnier

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Beschreibung

Frankreich zur Zeit des Sonnenkönigs: Chantal de Marivaux läßt sich von ihrer Zwillingsschwester Cerise zu einem gefährlichen Abenteuer überreden: Sie tauschen ihre Rollen und Chantal erobert nicht nur das Herz des verfemten Abenteurers Jean-Paul d'Aubery, sondern auch das des Sonnenkönigs! Aber der König verzeiht keinem Rivalen.

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Seitenzahl: 346

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Marie Cordonnier

Geliebte Lügnerin_Chantal

Roman

© 2014 Alle Rechte bei

BestSelectBook_Digital Publishers

München

Digitalisierung:

DokuFactory Groß-Umstadt

ISBN 978-3-86466-242-3

SEPTEMBER – 1648

Der große, schwarze Hengst warf schnaubend die Mähne zurück. Die plötzliche Freiheit nach den langen Tagen im Stall stieg ihm zu Kopf wie das Federgewicht in seinem Sattel. An die unerbittliche Autorität seines Herrn gewöhnt, nahm er die zierlichen Knöchel, die sich in seine Flanken pressten, kaum wahr. Er stürmte durch das offene Tor hinaus in den sonnigen Herbsttag, dass unter seinen Hufen Staub und Steine zur Seite spritzten.

Die grauen, bedrohlichen Regenwolken, die seit mehr als einer Woche die Weinernte dieses Jahres bedroht hatten, waren nach Osten weitergewandert. Alle Welt hatte auf diesen Moment gewartet, darum gebetet und darüber geflucht, dass er so gar nicht mehr zu kommen schien. Nun waren Jung und Alt zwischen den Rebstöcken unterwegs, die sich auf den Hügeln und Wiesen am Ufer der Loire hinzogen. Die bange Frage nach dem entstandenen Schaden beschäftigte jedermann und drängte alle anderen Probleme in den Hintergrund.

Auch Niniane de Marivaux, Gräfin de la Chaise, die sich normalerweise sehr genau um die Ausbildung ihrer Töchter kümmerte, hatte an diesem Tag keine Zeit für ihren üblichen Besuch im Schulzimmer gefunden. Eine Chance, auf die das junge Mädchen auf dem Rücken des Hengstes nur gewartet hatte. Schon seit Wochen lauerte es auf eine Gelegenheit, den edlen Hengst zu reiten, von dem ihr Vater behauptet hatte, er sei zu ungebärdig für die schwache Hand einer Frau.

Nichts und niemand, auch nicht ihre Schwester, konnte die Kleine davon abhalten, den Clavecin-Unterricht bei Mademoiselle Yvonne einfach schwänzen und in die Ställe zu verschwinden. Sie würde Ärger bekommen, aber das war ihr die Sache wert. Auch deswegen, weil sie ihr helles Batistkleid gegen lederne Reithosen und ein Hemd ihres jüngsten Bruders getauscht hatte.

Später wollte sie sich dafür entschuldigen. Im Moment genoss sie freilich das berauschende Gefühl der Freiheit und der Schnelligkeit nach den ewig langen Regentagen ebenso sehr wie das Pferd. Die rotbraunen, offenen Haare wehten einem Schweif gleich hinter ihr her, und ihre schrillen Schreie spornten den Hengst dazu an, mit dem Wind tun die Wette zu jagen.

Der Reiter auf dem Fahrweg sah die beiden auf dem Flussdamm entlangstieben, und er zügelte unwillkürlich sein Pferd bei diesem Anblick. Ross und Kind bildeten eine Einheit. Auf diese Entfernung sah er nur das weite, weiße Hemd und die Fahne wehender Haare. Aber er bemerkte aus diesem Abstand auch, dass beide mit unverminderter Eile dem Einschnitt näherkamen, den der Fluss, vom Regen angeschwollen, in einiger Entfernung in den Damm gerissen hatte.

Innerhalb eines Herzschlages hatte er die Gefahr erkannt und trieb das eigene Pferd vom Weg quer über die Felder in Richtung Flussufer. Schlamm und Nässe sprühten auf seinen bis dahin lediglich staubigen Umhang, aber er schenkte dem Schmutz keine Beachtung.

Die zierliche Amazone entdeckte das Hindernis im letzten Moment. Sie stemmte sich gegen die Zügel, trotzdem reichten ihre Kräfte für den rasenden Hengst nicht aus. Der Schwarze hielt unbeeinflusst seine Richtung. Mit verhängnisvoller Schnelligkeit stürmte er auf das Ende des zerstörten Dammes zu, wo die graublauen Fluten der sonst so friedlichen Loire einem mächtigen Wasserfall gleich auf die Felder und tiefer liegenden Wiesen gurgelten. Ein dünner, entsetzter Schrei ging im Rauschen des Wassers und dem rasenden Trommeln der Hufe unter.

Chantal de Marivaux, Vicomtesse de la Chaise, wie die kleine Ausreißerin mit ihrem vollen Namen hieß, glaubte den sicheren Tod vor Augen zu haben, als sich die Welt plötzlich in einem wilden Tanz um sie zu drehen begann. Irgend etwas riss sie in voller Fliehkraft aus dem Sattel, presste ihr die Luft zum Atmen aus den Lungen und sorgte dafür, dass sie zwischen Himmel und Erde schwebte, ehe es ihr endgültig schwarz vor den Augen wurde.

Die eher energische als zarte Berührung eines kalten feuchten Tuches auf ihrer Stirn war das erste, welches sie spürte, als sie wieder zu sich kam. Ächzend versuchte sie sich aufzurichten, wurde indes an den Schultern gehalten, so dass sie sich nicht rühren konnte.

»Bleibt liegen, kleine Wahnsinnige!« sagte eine wütende Männerstimme. »Vermutlich habt Ihr Euch den Kopf angeschlagen, und alles wird sich um Euch drehen, wenn Ihr Euch zu hastig aufsetzt.«

Trotz der harschen Missbilligung und den pochenden Schmerzen hinter ihren Schläfen blinzelte Chantal gegen das Licht. Sie war kein Kind, das sich nach Ermahnungen richtete. Sie entdeckte, dass sie im Schöße eines Jünglings lag, der sich um sie kümmerte, und der nur wenig älter als ihre Brüder sein konnte. Er hatte sein Halstuch achtlos heruntergerissen, tun es im Flusswasser nass zu machen. Der Kragen seines feinen, spitzenverzierten Hemdes stand offen und ließ die braune Säule eines kräftigen Halses sehen.

Er starrte aus funkelnden, verärgerten braun-goldenen Augen auf sie herab, und sein schön geschnittener Mund bildete nur noch einen schmalen, zusammengepressten Strich. »Man sollte Euch übers Knie legen, junge Dame«, setzte er seine Predigt fort. »Ihr habt Euer Leben und das eines unschuldigen Pferdes in Gefahr gebracht. Mit Sicherheit hat Euch niemand erlaubt, dieses ungebärdige Höllentier zu reiten! Und schon gar nicht ohne die Begleitung eines Pferdeknechtes!«

Er gab noch einiges mehr in diesem Tonfall von sich, bis er endlich den zitternden Hengst eingefangen und beruhigt sowie die Demoiselle de Marivaux vor sich auf sein Pferd genommen hatte. Chantal hörte nicht auf den Inhalt seiner Worte, sie vernahm nur den Klang der Stimme. Melodisch und rau zugleich bildete sie eine gläserne Wand zwischen ihr und der Wirklichkeit. Sie trug sie auf Wolken hinauf in ein unbekanntes Paradies. Nichts in den wohlgeordneten, verwöhnten und behüteten zwölf Jahren ihres bisherigen Lebens hatte sie auf das Wunder der unglaublichen Gefühle vorbereitet, die ihr Retter in ihr auslöste.

Das Gefühl wurde zu einer Art von sanftem, fremdartigen Wahn, der sie die Schelte ihrer Mutter, die geharnischte Rüge des Vaters, die Tränen der Schwester und den Spott der Brüder überhören ließ. Für sie zählte nur, dass ihr Lebensretter Jean-Paul d’Aubry hieß und der Sohn des Comte de Rocaille war. Dass er die wunderbarste Stimme und die herrlichsten goldenen Augen besaß und dass er der Mann sein würde, der sie einmal zum Traualtar führen sollte.

Die schlimmen Nachrichten, die Jean-Paul d’Aubry in das Schloss des Grafen de la Chaise führten, glitten an ihr vorbei. Wurden zu Unwichtigkeiten degradiert, die in einer anderen Welt passierten und nichts mit der kleinen Vicomtesse de la Chaise zu hm haben konnten. Obwohl energisch ins Kinderzimmer verbannt, verfolgte sie hinter Galerien und Portieren versteckt den Gast mit ihren Augen und ihren Träumen.

Was interessierte es sie in diesem verzauberten Moment, dass sich die Prinzen von Geblüt gegen den jungen König Ludwig erhoben hatten, für den seine Mutter regierte, die wiederum von Kardinal Mazarin regiert wurde. Dass von Verrat, Revolution und Kerker die Rede war und die Stimme ihres sonst so ruhigen Vaters einen mahnenden, drängenden Unterton hatte, während ihre Brüder mit dem Gast auf das Heftigste debattierten.

PARIS – HERBST 1661

1. Kapitel

»Wahrhaftig, es kann kein Zweifel daran bestehen, dass du auf dem Lande lebst, meine Liebe! Julie wird die Hände über dem Kopf zusammenschlagen!«

Cerise de Ducasse, die charmante Gräfin Vigan, ließ die komplizierte Stickerei sinken, über der sie mehr geträumt als gearbeitet hatte und schenkte ihrer Besucherin ein Lächeln das zwischen echter Freude und erkennbarer Verzweiflung schwankte.

»Welch eine Begrüßung! Du siehst mich bestürzt und zutiefst getroffen. Womit habe ich dieses vernichtende Urteil meiner bedauernswerten Erscheinung verdient?«

Im Gegensatz zu ihren Worten machte die Gescholtene einen höchst vergnügten Eindruck als sie auf die Gräfin zutrat, sie in die Arme schloss und zärtlich auf beide Wangen küsste. Sie war mit äußerster Einfachheit gekleidet, wenngleich der matte Samtschimmer ihres Reisekostüms bewies, dass es sich bei dem Gewebe um einen Stoff von bester Qualität handelte.

»Papperlapapp, egal ist es dir! Versuche nicht, mich an der Nase herumzuführen. Ich kenne dich ebenso gut wie mich selbst. Und nun hör auf, herumzuzappeln, setz dich! Erzähle mir, wie es dem Erben des Hauses Marivaux geht? Ist er von gleicher Gewissenhaftigkeit und Langeweile wie unser verehrter Herr Cousin?«

Die Gräfin klopfte auffordernd auf die weiche Polsterbank an ihrer Seite, wo die üppigen, volant-verzierten Röcke ein wenig Platz ließen.

Ihr Gast indes hob abwehrend beide Hände.

»Kleines, ich hätte Angst, dir jene bezaubernden schwarzen Spitzen zu ruinieren, die dieses bemerkenswerte Gewand schmücken, das du trägst. Frierst du nicht? Was ist es? Ein Negligé oder ein Frisierumhang?«

»Ein Morgenkleid«, erklärte die andere hoheitsvoll, aber zwei unbezähmbare Grübchen in ihren Wangen bewiesen, dass sie ein Lächeln unterdrückte. »Ich verzeihe dir, dass du über die Feinheiten der Pariser Mode nicht auf dem laufenden bist. Indessen werden wir viel zu tun haben, damit du mir keine Schande machst!«

»Du bestürzt mich, Kleine! Was geht unter diesem Turban aus Locken vor? Trägt man das jetzt in Paris? Wie schrecklich mühsam! Gib dir keine Mühe, die Eleganz ist dein Stil, nicht der meine. Lass' dich von François und seiner Gemahlin grüßen. Es ist ihnen gelungen, einen kräftigen kleinen Sohn in die Welt zu setzen, der sicher einen hübschen Baron de Marivaux abgeben wird, sobald er einmal mehr Haare und auch ein paar Zähne haben wird.«

Die Gräfin, die inzwischen ihre Nadelarbeit endgültig zur Seite gelegt hatte, schüttelte den wohlfrisierten Kopf. »Unsere verehrte Tante wird alles daran setzen, dass niemand von diesem Ereignis erfährt. Der Gedanke, dass François sie zur Großmutter gemacht hat, deprimiert sie zutiefst. Sie fürchtet, dass sie nun mit einem Schlag altert!«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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