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Wenn die Zeiten sich ändern, sollten wir alle besser gegen die Unsicherheiten, die vor uns liegen, gewappnet sein. Dieses Buch verschafft dir dazu einen Vorsprung. In den 1970er Jahren nahm Karl Hess (1923 - 1994) an einem fünfjährigen sozialen Experiment in Adam-Morgan, einem Viertel von Washington D.C., teil. Hess und mehrere tausend andere arbeiteten daran, ihr Viertel so autark wie möglich zu machen. Sie setzten dabei auf so innovative Techniken wie die Aufzucht von Fischen in Kellern, den Anbau von Pflanzen auf Hochhausdächern und unbebauten Grundstücken, sowie der Installation von autarken, bakteriologischen Toiletten und die Planung einer Methanolanlage zur Umwandlung von Müll in Kraftstoff. Es gab einen Rundbrief und wöchentliche Gemeindeversammlungen, die Hess und anderen einen Vorgeschmack auf eine partizipative Regierung gaben, was ihr Leben für immer veränderte. Freiheit zu unseren Lebzeiten ist möglich… aber nur mit direkter Aktion.
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Seitenzahl: 182
Veröffentlichungsjahr: 2023
Karl Hess
Gemeindetechnologie
Karl Hess
GEMEINDE- TECHNOLOGIE
übersetzt von Andreas Tank
Veröffentlicht von Der Rosarote Panzer, 2023
Dieses Buch wurde dank folgender Mitwirkenden möglich:
Den Autor: Karl Hess
Übersetzer: Andreas Tank
Sprache der Originalausgabe: Englisch
ISBN Taschenbuch: 978-3-384-04488-4
ISBN Hardcover: 978-3-384-04489-1
ISBN eBook: 978-3-384-04490-7
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany
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Cover
Halbe Titelseite
Titelblatt
Urheberrechte
Vorwort zur deutschen Übersetzung
Vorwort
Kapitel 1: Das Scheitern großer Institutionen
Kapitel 2: Warum Gemeindetechnologie
Kapitel 3: Politik vs. Gemeinden
Kapitel 4: Erfahrungen in Adams-Morgan
Kapitel 5: Eine Vision
Kapitel 6: Handlungsbedarf
Kapitel 7: Aktivitäten einer lokalen Gruppe
Kapitel 8: Den eigenen Weg finden
Wissen sie schon was sie als nächstes lesen oder hören sollen?
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Urheberrechte
Vorwort zur deutschen Übersetzung
Wissen sie schon was sie als ächstes lesen oder hören sollen?
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Vorwort zur deutschen Übersetzung
Den meisten Menschen im deutschsprachigen Raum ist Karl Hess (geb. Carl Hess III; 25. Mai 1923 – 22. April 1994) nahezu oder gänzlich unbekannt. Warum sollte man also ein amerikanisches Buch aus einer Zeit lesen, dessen Inhalte vor der Zeit des Internets größtenteils überholt zu sein scheinen? Lassen Sie mich, werte Leser, hierzu zunächst eine Kurzübersicht zur Person Karl Hess darlegen: Karl Hess war ein amerikanischer Redenschreiber, Autor, politischer Philosoph, Herausgeber, Schweißer, Motorradrennfahrer, Steuerwiderständler und libertärer Aktivist.
Seine Mutter unterstützte bereits früh sein Engagement für Neugier und direktes Lernen. Hess betrachtete die staatliche Schulausbildung als Zeitverschwendung und meldete sich, um die Schulpflicht zu umgehen, bei jeder öffentlichen Schule in Washington D.C. an, womit er es den Behörden unmöglich machte, herauszufinden, wo er tatsächlich registriert sein müsste. Mit 15 Jahren brach er die Schule ganz ab und arbeitete als Schreiber bei Radiosendungen und Zeitungen.
In den 60er Jahren arbeitete Hess eng mit dem Senator von Arizona Barry Goldwater zusammen, der 1964 gegen Lyndon B. Johnson als Präsident kandidierte. Obwohl Lyndon B. Johnson einen Erdrutschsieg gegen Barry Goldwater davontrug, gilt die Präsidentschaftskampagne als Zeitenwende der Republikaner. Hess propagierte Eigenverantwortung, statt staatliche Vollalimentierung auf Kosten anderer, was später maßgeblich die Ära von Ronald Reagan prägen sollte.
Zusammen mit der marxistisch-leninistischen Black Panther Party protestierte Hess gegen den Vietnamkrieg und nach einer Untersuchung des Internal Revenue Service (das US-amerikanische Finanzamt) verschickte Hess einen Brief mit einer Kopie der Unabhängigkeitserklärung und erklärte, dass er nie wieder in seinem Leben Steuern bezahlen werde. Das IRS verpfändete daraufhin sein gesamtes Privateigentum und 100% seiner zukünftigen Einnahmen, weshalb Hess bis zum Ende seines Lebens auf direkten Tauschhandel oder finanzielle Unterstützung durch seine Frau angewiesen war. Auf Empfehlung seines Freundes Murray Rothbard, las Hess die Werke der amerikanischen Anarchistin Emma Goldman und fand heraus, dass dort alles repräsentiert war, worauf er bei den Republikanern gehofft hatte, einschließlich der wichtigsten Theorien Ayn Rands, abgesehen von ihrem „verrückten Solipsismus“. 1969 bis 1971 gab Hess zusammen mit Rothbard The Libertarian Forum heraus und trat in den 80ern der Libertarian Party bei.
Hess verknüpfte stets politisch linke und rechte Positionen nach dem Motto „Gesellschaft bedeutet: Menschen schaffen zusammen Kultur“ miteinander. Zwei seiner grundlegenden sozialen Prinzipien lauteten „Opposition gegen zentralisierte politische Autorität“ und „das Interesse an Menschen als Individuen“.
Seine spätere Ablehnung gegenüber der amerikanischen Parteipolitik spiegelt sich in einem Vortrag wider, in dem er erklärte: „Die Demokraten, bzw. Linken, glauben, dass alle Menschen dumm sind und daher jemanden brauchen […] der ihnen erklärt, wie sie sich verhalten müssen. Die Republikaner glauben dagegen, dass alle faul sind…“
Der Originaltitel dieses Buches lautet Community Technology, was im Deutschen mit Gemeinschafts- oder eben Gemeindetechnologie übersetzt werden kann. Der entscheidende Unterschied liegt in der Größe der Gemeinschaft und da Karl Hess sich stets auf kleine Gemeinschaften bezieht, in der Regel sind Teile von Stadtvierteln gemeint, habe ich als Übersetzer, um Missverständnissen vorzubeugen, den Begriff Gemeinde gewählt. Die Originalausgabe des Buches entstand 1979 und einige Passagen werden Ihnen, werter Leser, im Jahr 2023 nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Das Internet hat den Zugang zu Informationen deutlich vereinfacht, sodass Bibliotheken und Druckerpresseerzeugnisse vernachlässigbar erscheinen und Hess Vorliebe von Solarkraft statt Kernkraft ist seit der Existenz der grünen Bewegung ebenfalls nicht mehr auf dem neuesten Stand.
Nichtsdestotrotz dienen die Schilderungen dieses Buches als leuchtendes Beispiel für Eigenverantwortung, Unternehmertum, Nachbarschaftshilfe und Erfindergeist wofür besonders die Deutschen einmal weltbekannt waren.
Dieses Buch ist, ebenso wie Karl Hess‘ Leben, die Aufforderung zu direktem Handeln, statt dem Schrei nach politischer Hilfe auf Kosten anderer.
- Der rosarote Panzer (31.03.2023)
Vorwort
Wir als Anarchisten haben eine lange Reise vor uns. Wir haben jedoch eine Fülle von philosophischer, ethischer und strategischer Theorie, die uns eine Grundlage für Anarchismus und einen Weg dorthin bietet.
Ein notwendiger und in der Arbeit von Karl Hess vorherrschender Aspekt ist die Veränderung unserer Beziehung zur Produktion, um die materielle Grundlage (materielle Bedingungen/Fakten vor Ort) für menschliche Freiheit und Gedeihen zu schaffen. Hess ‘Arbeit ist aktueller denn je.
Als Menschen haben wir die Produktion unserer Wünsche und Bedürfnisse an Institutionen und Unternehmen ausgelagert. Aus diesem Grund hat sich der Fortschritt von Produktion und Technologie ausgeweitet, um Institutionen und Unternehmen zu dienen, auf Kosten unseres eigenen Wohlstands, unserer Freiheit und unserer Autonomie. Das muss sich ändern. Wir müssen die Kontrolle über den Apparat zurückgewinnen, der sich direkt auf unser Leben auswirkt. Wir müssen die Produktionsmittel, die Infrastruktur, die Technologie und die Institutionen aufbauen, die uns dienen, und nicht umgekehrt. Wir müssen Produzenten sein, nicht in jeglicher Hinsicht nur hirnlose Konsumenten.
Nur so können wir unsere Autonomie ausüben und die Grundlage für eine freie Gesellschaft schaffen.
Jede Philosophie erfordert eine materielle Grundlage, und Hess ’Arbeit legt den Weg dar, um sie durch geeignete, dezentralisierte und nachhaltige Technologie zu schaffen und durch die Lokalisierung wirtschaftlicher, sozialer und politischer Organisation mehr Kontrolle über unser Leben zu erlangen.
Möge er in Frieden ruhen.
- SEK MCGORA, Der Agora Podcast
Kapitel 1: Das Scheitern großer Institutionen
Es gibt heute keine einzige große Institution oder Organisation auf der Welt, die alle ihr zugewiesenen Funktionen zufriedenstellend erfüllt. Sie knarren, knacken und krachen sogar unter ihrem eigenen Gewicht. Überall spüren die Menschen, dass die Dinge bergab gehen. Doch die Menschen selbst beharren darauf, treiben das Überleben an, verschlimmbessern es sogar; und immer häufiger tun sie all dies mit immer weniger direktem Bezug zu den großen Institutionen.
Die Leute scheinen in die eine Richtung zu gehen, Institutionen in die andere.
Die größte aller Institutionen, der Nationalstaat, unterhält sich in weiten Teilen der Welt durch bloße Gewalt. Selbst dort, wo er mit Begeisterung unterstützt werden soll, schwindet die alte Begeisterung. In Amerika wählte weniger als ein Drittel der Wahlberechtigten den letzten Präsidenten. Amerikas jüngster Krieg (normalerweise die stolzeste Aktivität eines Nationalstaates) war ein Scherbenhaufen. Was immer mehr Menschen am Allermeisten von ihrer Regierung zu wollen scheinen, ist, dass sie verschwindet - natürlich nachdem sie die besondere Gunst austeilt, die als ihre einzige erlösende Gnade angesehen wird!
Die Kirchen sacken auf institutioneller Ebene durch und beleben sich auf lokaler Ebene neu, in neuen Sekten, Evangelien und Mysterien. Die größte der eng organisierten Kirchen, die römisch-katholische, zerbricht und gleitet wie eine geologische Masse dahin, wobei ihre Anhänger ihren Weg gehen und die päpstliche Führung eine andere.
Städte, fast alle, scheinen die Grenzen der Zufriedenheit erreicht zu haben, die mit der Größe und den Kosten dieser Größe zu tun haben. New York bleibt die größte Stadt - und die unsicherste, die dubioseste, die gefährlichste. Größe hat sie nicht gerettet. Die Größe scheint sie verdammt zu haben. In Städten, in denen es eine Wiedergeburt des Vertrauens und der Möglichkeiten zu geben scheint, gibt es auch eine Wiedergeburt des Lebens in der kleinsten bürgerlichen Einheit, dem Viertel.
Schulen, die auf der ganzen Linie gescheitert sind, sind ebenfalls auf der ganzen Linie gewachsen, wobei die Ein-Zimmer-Schulen den städtischen Schulen Platz machten und diese in jüngerer Zeit den Gemeinschaftsschulen Platz gemacht haben. Die glänzenden neuen Gebäude und die zusammengeballten Klassen haben was genau produziert? Eine Alphabetisierungskrise und ein paar siegreiche Fußballmannschaften. Jetzt haben es Schulanleihen schwer, überhaupt verabschiedet zu werden. Die Polizei bekommt Panzer, Helikopter, kugelsichere Westen und ein lebenslanges CIA-Abonnement. Die Räuber werden mutiger. Die Vergewaltigungen steigen. Und niemand hat sich jemals die Mühe gemacht, ein paar Polizisten dazu zu bringen, die Führungskräfte zu beobachten.
Krankenhäuser glitzern wie die Kommandomodule von Raumschiffen. Eine seltene und wunderbare Operation wird durchgeführt. Medizinische Wunder machen immer wieder Schlagzeilen - und eine lange Belagerung einer gewöhnlichen Krankheit macht die Menschen bankrott.
In der Zwischenzeit gibt eine Gruppe von Wissenschaftlern Millionen aus, um ein medizinisches Heilmittel gegen Krebs zu erforschen, während eine andere Gruppe Millionen ausgibt, um zu beweisen, dass die Hauptursachen für Krebs in der Umwelt liegen.
Der Chirurg verurteilt das Rauchen. Der Landwirtschaftsminister fördert die Tabakproduktion.
Jeder verurteilt die Araber, wenn sie die Ölpreise erhöhen - und sagen dann, wie klug es für amerikanische Unternehmen ist, so viel von dem weltweit größten Ölproduzenten, Aramco, in Saudi-Arabien zu besitzen.
Ronald Reagan redet ständig davon, die übermächtige Regierung aus unserem Leben zu holen und trommelt sie dann für eine militärische Besetzung unseres Panamakanals, höhere Verteidigungsbudgets und mehr Freiheit für Regierungsagenten zusammen, um in Wespennester zu stochern, nachzubohren und sogar zu schießen, wo immer sie wollen.
Linke verurteilen die Regierung für jedes Unrecht von Rassismus bis zum Völkermord und schlagen dann vor, dass eine noch größere Regierung alle produktiven Einrichtungen übernimmt.
Industrie und Wirtschaft, die ebenfalls nach den angeblichen Skaleneffizienzen greifen, haben sich so stark konzentriert, dass nur noch 2000 (1 Prozent) der 200.000 amerikanischen Industriekonzerne etwa 90 Prozent des Jahresgewinns und etwa den gleichen Anteil am Gesamtvermögen ausmachen. Dennoch werden Produkte immer mehr als schäbig angesehen und Werbung hängt von den stärksten Reizen ab, um ihre Produkte zu bewerben. Die Menschen, die sie entwerfen und herstellen, langweilen sich zunehmend, sind albern und unzufrieden mit dem, was sie tun. Alkoholismus, Drogensucht, Selbstmord, Scheidung und Sabotage nehmen zu, je schneller die Produktionslinien laufen.
Das Fernsehen, dessen Kreativität von drei kommerziellen Netzwerken und einem politisch kontrollierten öffentlichen Netzwerk eingefangen wird, wechselt zwischen Mittelmäßigkeit und langweiliger Routine hin und her, während Entertainer in einem Jahr das verdienen, was Dichter, Wissenschaftler und Bauern in einem Leben verdienen.
Unternehmensfarmen ersetzen Familienbetriebe, Feldfrüchte werden mehr und mehr in großen flächendeckenden Klumpen oder sogar in verschiedenen Ländern angebaut (Tomaten auf den Bahamas, Spargel in Mexiko), Hungersnöte plagen die Erde, die riesigen Bauernhöfe werden von der Pest heimgesucht und Maschinen, die Bauern ersetzt haben, erweisen sich als unfähig, mit Sorgfalt und Sinn zu funktionieren (als Zeuge der Unternehmenslandwirtschaft der Sowjetunion).
Kleinunternehmen gehen zugrunde und damit auch die unternehmerische Freiheit, da Verwaltungskonglomerate und Vereinbarungen das altmodische Marketing ersetzen. Die Produktdifferenzierung ersetzt die tatsächliche Innovation und der Stil dominiert über die Gebrauchstauglichkeit oder den Bedarf.
Sogar Nächstenliebe und Freundschaft werden von den Symptomen des Wachstums erfasst, so dass die einfache Zuneigung der Menschen füreinander durch die neuen Industrien der Introspektion, Meditation, launenhafte Genüsse, Single-Bars, Dating-Unternehmen und Vergnügungsberatern ersetzt wird.
Schließlich werden die Orte, an denen wir leben, einfach zu Immobilien, die hauptsächlich der Spekulation dienen. Die gute Stadt ist die wachsende Stadt, auch wenn das Wachstum die Einwohner verdrängt, sie in andere Zentren verstreut, sie gut für aufgegebenes Eigentum bezahlt und ihnen dann noch mehr für Eigentum abverlangt, um es zu ersetzen. Und wie ein letzter Schlag gegen den alten amerikanischen Traum soll die Möglichkeit, überhaupt ein Haus zum Leben zu haben, jetzt für die meisten von uns unerreichbar sein. Fortschritt. Wachstum. Weiter geht‘s. Größer und größer werden.
In der Pathologie ist eine Form des unbegrenzten Wachstums als Krebs bekannt. Für viele wird ein unbegrenztes Wachstum der Handelskammer immer noch als „Fortschritt“ bezeichnet.
Doch die Menschen allein, nicht als Teile der Institutionen, die das Jubeln für all diese Konzentration und Wachstum anführen, die Menschen selbst gehen weiter woanders hin.
Einige Stadtbewohner schlossen einfach die Tür. Kein Wachstum mehr.
Einige junge Menschen erklären, dass Gemeinde, nicht Erfolg, ihr Ziel ist. Kleinunternehmen sind plötzlich ein gegenkulturelles Phänomen. Familienbetriebe sollen das Zeichen der „neuen Pioniere“ sein.
All diese Dinge sind im gewöhnlichen Gang der Dinge erkennbar. Sie erfordern keine wissenschaftliche Forschung, zumindest nicht um die Umrisse zu sehen. Die Umrisse der Unzufriedenheit sind gewöhnliche Tischgespräche. Sie sind die Umrisse der schwelenden Hoffnungen und der schimmernden Träume und der Veränderungen.
Das Herzstück liegt darin, was mir eine unausweichliche Beobachtung zu sein scheint;
die Menschen fühlen sich vage und unzufrieden, beunruhigt, wenn ihre Arbeit keine Bedeutung zu haben oder nur Teil einer austauschbaren unerklärlichen Maschine zu sein scheint; wenn ihr Leben in die Grenzen eines einzelnen Hauses oder einer einzelnen Wohnung schrumpft; wenn die Nachbarschaft verloren geht; wenn alles Leben abgeschottet, verpackt, verarbeitet erscheint; wenn Anonymität den Namen des Spiels und den eigenen Namen zu einer Nummer zu machen scheint.
Die ebenso unausweichliche Alternative wäre Gemeinde, verständliche Arbeit, Freunde, irgendwo stehen zu können, ein Grund aufzustehen und die Gewissheit, gezählt zu werden, gehört zu werden, ein erkennbarer und nicht ein ununterscheidbarer Teil des Ganzen zu sein.
Eigentlich ist es nicht viel verlangt, ein ganzer Mensch in einer ganzen Welt sein zu wollen. Doch die Welt müsste sich ändern, um dies zu ermöglichen. Ist das möglich? Ich bin überzeugt, dass es das ist. Möglich. Praktisch. Nicht die Taube auf dem Dach, sondern den Spatz in der Hand.
Die beiden entscheidenden Elemente sind Gemeinde und Technologie. Ein Ort an dem und eine Weise auf die Menschen friedlich, sozial und kooperativ leben können, sowie Werkzeuge und Techniken, um die notwendige materielle Grundlage für diese Lebensweise zu schaffen. Gemeinden sind natürlich menschliche Arbeit; sie entstehen aus menschlichen Entscheidungen und Interaktionen. Aber was ist mit Technologie, Wissen, dem Wissen, wie man etwas macht und den Dingen, mit denen man das Etwas macht? Sie werden so häufig als Ergebnis institutioneller Vereinbarungen angesehen, dass es als eine schockierende Neubewertung erscheint, sie als Gemeindeunternehmen zu betrachten. Dieses Buch ist für Leute, die zumindest eine solche Neubewertung in Betracht ziehen wollen. Für jeden, der dies tut, gibt es einen anfänglich tröstlichen Gedanken. Sie sind nicht allein. Über Gemeinschaft nachzudenken und über die Technologien nachzudenken, die für die Gemeinde angemessen sind, ist etwas, was die Menschen überall auf der Erde in erhöhtem Ausmaß, wenn nicht sogar in überwältigendem Ausmaß, tun.
Die meisten werden nicht von ideologischen Furien getrieben. Sie tun es aus einem einfachen und sehr anständigen, sehr menschlichen Grund: Es scheint heutzutage wirklich keinen anderen Weg zu geben. Alle großen Theorien der zentralen Autorität, den Pyramiden der Macht, der ideologischen Reinigungen, des Wachstums, der Größe und des Fortschritts wurden erprobt. Doch hier sind wir, wissend, dass es einfach nicht funktioniert.
Da es sich um ein Buch über Technologie handelt, das sehr persönliche Dimensionen hat, erfordert es am Anfang eine persönliche Aussage. Leider klingt es höchstwahrscheinlich unverschämt. Wenn dem so ist, verstehen Sie bitte, dass es aus Erfahrung und nicht aus ideologischer Raserei stammt.
Wie die meisten von uns habe ich sehr hart und sehr lange unter dem Eindruck gearbeitet, dass je größer etwas ist, desto besser ist es auch. Ich habe sehr hart und sehr lange unter dem Eindruck gearbeitet, dass Erfolg Geld ist, dass Zeit Geld ist, dass Fortschritt Geld ist und dass Geld Reichtum ist. All das wissen Sie schon. Wir wachsen in diesem Wissen auf. Tatsächlich sagt man uns nach, dass wir erwachsen geworden sind, wenn wir dies verstanden haben.
Wir sehen Technologie als ein Werkzeug, um alles zu tun, um die Dinge größer zu machen, um mehr Geld zu verdienen, um mehr Zeit zu sparen. Und wir sehen Technologie als eine Möglichkeit, alles zu erreichen, als eine ganze Denkweise. Mit der Zeit, die wir sparen, haben wir Freizeit- und mit der Freizeit haben wir neue Technologien der Erholung. Wenn die Erholung nachlässt, haben wir neue Technologien der Introspektion und Analyse, um zu entdecken, warum sie nachlässt und tatsächlich eine neue Erholung zu bieten, um all die Zeit zu füllen, die wir gespart haben - von der wir jedoch, wenn man so darüber nachdenkt, wir zu sehr mit Hektik erfüllt sind, um sie zu genießen. Vielleicht wenden wir uns dann den Technologien der narkotischen Gelassenheit zu.
Vor allem sehen wir, die meisten von uns, Technologie als etwas Entferntes, ein weiteres Produkt, das in einer weiteren Fabrik gebaut wird – etwas, das wir kaufen können. Wie Essen. Wie Zufriedenheit. Wie Respekt.
Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass es andere Möglichkeiten gibt. Ich habe genug an der praktischen Entwicklung und ihrem Einsatz gearbeitet, um sie hier und jetzt als vollständig verfügbare Alternativen zu betrachten.
Es ist möglich, dass wir - je nach unseren Vorlieben in unterschiedlich großen sozialen Situationen zusammenarbeiten - unsere Zeit fast genau so verbringen, wie wir es wollen. Die Regeln und Erfordernisse, die die konventionelle Weisheit an uns bindet, sind nicht bindend, außer in dem Maße, wie wir sie zulassen.
Technologien, Arbeitsweisen und Werkzeuge können auf Gemeindeebene entwickelt, eingesetzt und gewartet werden. Gemeinden, die auf Lebensweisen gegründet sind, die die Werte und Bestrebungen der Menschen widerspiegeln, aus denen sich die Gemeinde zusammensetzt, können lange Schritte unternehmen, um genau das Maß an Eigenständigkeit zu erreichen, das den Zwecken der Gemeinde am besten dient. Gemeinden können ohne komplexe soziale Kontrollen mit anderen Gemeinden zusammenarbeiten, um etwas bereitzustellen, das nicht lokal verfügbar ist, um Kulturen zu vergrößern, um alles zu tun, was die Gemeinde stärkt, ohne sie zu zerstören.
Es gibt keinen Mangel an irgendetwas auf der Erde, das irgendeine Gemeinschaft daran hindern würde, gesund und glücklich zu überleben. Wenn Sie jetzt sagen „Aha!” es gibt einen Mangel an Petrochemikalien, der so gravierend ist, dass nicht jeder sie haben kann, dann ist die offensichtliche Antwort, dass nicht jeder sie braucht. Es gibt andere Brennstoffe. Es gibt andere Chemikalien. Petrochemikalien erscheinen unverzichtbar, nicht wegen einer Technologie, die so gut ist, dass jeder sie haben muss, sondern wegen einer Technologie, die so schlecht ist, dass sie unflexibel, abhängig und lächerlich geworden ist. Die petrochemische Industrie ist ein Denkmal für die Torheit, alle unsere technologischen Eier in einen riesigen Korb zu stecken. Dieser riesige Korb ist die Beherrschung der Technologie durch Unternehmen und den Staat. Dieses Buch ist ein Argument für die Beteiligung der Gemeinde, mit all der Vielfalt und der daraus resultierenden Flexibilität, die das mit sich bringt.
Technologie, um die meisten öffentlichen Beschreibungen und Diskussionen darüber zu hören, befasst sich ausschließlich mit großen Institutionen: Nationale Stärke, Unternehmensfortschritt, Bruttosozialprodukt, nationale Sicherheit, Stand des Wissens.
Man kann praktisch die Trompeten blasen hören und die Throne der Macht am Ende majestätischer roter Teppiche glitzern sehen. Ta-ra, ta-ra.
