Genuss ist ein Grundrecht - cremoting by SMS - E-Book

Genuss ist ein Grundrecht E-Book

cremoting by SMS

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Beschreibung

Klein - gierig - genusssüchtig … das klingt ganz nach mir! Perfekt - verantwortungsbewusst - anständig … nun das war einmal! Die Suche nach dem köstlichen Honignektar des Lebens erweckte meine fünf Sinne aus ihrem Jahrhundertschlaf und zeigte mir: Das Herz macht seine eigenen Gesetze! Was aussehen mag wie ein Comic, ist nicht nur Kunst-Genuss fürs Auge, sondern auch Balsam für die Seele. Amüsante Zeichnungen, ein witziger Schreibstil und der herzerwärmende Inhalt machen das Buch einzigartig und treffen den Nerv der Zeit. "Erfrischend, humorvoll und lehrreich wird dieses Buch ein Begleiter, den man nicht mehr aus der Hand geben möchte." Christian B., Key Account Manager "Fesselnde und geistreiche Anleitung zum Genuss und der Wiederentdeckung der Sinne." Heidi S. Teamleiterin Neuheit auf dem Buchmarkt: cremoting by SMS bedeutet "creativ - emoticon - writing". CREMOTING beschreibt den kreativen Schreib- und Malprozess des Künstlers und Autors SMS. Dieser verbindet einen frischen, unverwechselbaren Schreibstil mit gefühlsbetonten, lustigen Zeichnungen (Emoticons) und garantiert eine genussinspirierende Lesezeit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 165

Veröffentlichungsjahr: 2015

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GENUSS IST EIN

GRUNDRECHT

cremoting by SMS

creative  emoticon  writing

Berlin

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbiografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Impressum

Copyright: © 2015 cremoting by SMS

Umschlaggestaltung und Layout: Korrlay

Illustrationen: cremoting by SMS

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN Paperback:

978-3-7323-5276-0

ISBN Hardcover:

978-3-7323-5277-7

ISBN e-Book:

978-3-7323-5278-4

Inhalt / Register

Vorwort: Wieso, weshalb, warum …?

Hi, mein Name ist SMS

Genuss möchte genossen werden

01. April: Lang lebe Superman

05. April: Hoffnungslos disziplinlos

10. April: Ein bisschen „bi“ schadet nie

12. April: Von Seele zu Seele

14. April : Mausgraue Wolken

20. April: Das Opferlamm Gottes

24. April: Absolute Befriedigung

Kampf gegen das schlechte Gewissen

01. Mai: Im Tal der Traurigkeit

5. Mai: Kalter Entzug von Genuss

08. Mai: LDL-Prinzip

13. Mai: Im Bann der Bienenkönigin

25. Mai : Erdbeer-Schmand-Torte mit Sahne

30. Mai: Kaffee statt Kohle

Von Herz zu Herz ohne Worte

6. Juni: Blutige Zungenspiele

7. Juni: Zeit heilt alle Wunden

13. Juni: Das Schwein in mir

17. Juni: Mächtiges Mikrophon

20. Juni: Le’Fun Tower

25. Juni: Mr. Problemo

Angst lässt mutig werden

7. Juli: Hoffnungslos ohne Hoffnung

12. Juli: Bitte lächeln!

15. Juli: Ein Date mit dem Genuss

17. Juli: Ich war feige

25. Juli: Der freie Fall

31. Juli: Schnee im Sommer

Platz schaffen für Neues

1. August: Das ultimative Ultimativum 1

10. August: Vulkanausbruch

19. August: Sand im Mund

22. August: Phönix-Ritual

26. August: Aus der Phönix-Perspektive

Bitterkeit will süß schmecken

06. September: Rettung in Rot

10. September: Das ultimative Ultimativum 2

11. September: Der Regenbogen

22. September: The Bitter Sweet Symphony

30. September: Schwarzes Gold

Der Weg kommt von Innen

03. Oktober: Durchschnittlicher Durchschnitt

8. Oktober: Die Nuss-Regel

10. Oktober: Das Ziel

17. Oktober: Im Glanze des Geldes

20. Oktober: Zwei Orte – Eine Klasse

28. Oktober: Vom Sucher zum Finder

31. Oktober: Das ultimative Ultimativum 3

Es verabschieden sich …

Nachwort: Aus Liebe zur Liebe

Vorwort

Wieso, weshalb, warum…?

Wie schade, dass wir oft nur dann Liebe erfahren, wenn wir zuvor die entsprechende Leistung erbracht haben.

Dieses weltweit verbreitete und vererbte Liebe-durch-Leistung-Prinzip wird von mir auch liebevoll „LDL-Prinzip“ genannt.

Ob das nun im Kindesalter das Zimmeraufräumen, als Teenager die Schulnoten oder als Erwachsener die Arbeit ist:

Bei Nichterfüllung der Anforderung erfolgt stets ein gefühlter, verdammt schmerzhafter Liebesentzug und erweckt das eklige Gefühl „nicht gut genug zu sein“.

Um diese Tatsache also langfristig zu vermeiden, wurde ich ein erfolgreicher, von der Gesellschaft akzeptierter und verantwortungsbewusster Mensch. Elegant versuchte ich all meine kleinen und großen Macken zu verstecken. Leider! Aus heutiger Sicht betrachtet, sind es vor allem meine Eigenheiten, die mich auszeichnen.

Der selbst auferlegte Perfektionismus ließ meine Lebensfreude in den endlosen Weiten des Nirwanas dahinschmelzen. Das Glänzen meiner Augen war längst verblasst, und mein Alltag enthielt keinen Funken Genuss mehr.

Mit einem Paukenschlag beendeten zahlreiche Krankheiten mein vorzeigewürdiges Gesellschaftsleben und machten mir klar:

Ich musste mein Leben verändern.

Also stellte ich mich meinem Jüngsten Gericht. Ahnungslos, was nun kommen würde, fand ich mich in einem großen Gerichtssaal wieder. Grimmige Augen sahen mich an. Der Blick des Richters war streng, erbarmungslos und ließ keine Gnade walten. Er wollte die Wahrheit hören. Die reine, tiefe Wahrheit meines Herzens. Er hievte seinen Hammer aus Holz weit in die Luft und stellte mir die erste Frage:

„War es stets Ihr Wunsch, von Anderen anerkannt und geliebt zu werden?“

Ich nickte schüchtern wie ein kleines Kind, das so einiges angestellt hatte. Der Hammer des unbarmherzigen Richters schlug auf den Resonanzblock.

Laut und ohrenbetäubend ertönte sein Urteil: „Schuldig“.

„Haben Sie aus Angst vor Nichtakzeptanz statt „nein“ viel zu oft „ja“ gesagt?“

Wieder fiel der Hammer: „Schuldig!“

„Haben Sie ungenießbare Zustände zu lange ertragen?“

„Schuldig!“

„Haben Sie viele Entscheidungen nur mit dem Verstand und nicht mit dem Herzen getroffen?“

„Schuldig!“

Nun die letzte, alles entscheidende Frage: „Haben Sie aus Ihren Fehlern gelernt?“

Plötzlich passierte etwas …

Das getadelte Kind in mir riss seine Kulleraugen weit auf, stemmte protestierend seine Hände in die Hüften und bäumte sich auf. Der Hammer war noch nicht geschlagen worden. Das Urteil noch nicht gefällt. Mein Puls bebte, und ich fand mit einem Mal die passenden Worte. Nur waren es Worte, die geschrieben werden wollten. Buchstaben, die den Genuss im Alltag aus seinem Jahrhundertschlaf wiedererwecken würden.

Auge in Auge mit dem Jüngsten Gericht. Konfrontiert mit der Wahrheit …

… streckte ich dieses Buch empor.

Es bedeutete: „Unschuldig.“

Ich habe mein Leben geändert. Ich habe begonnen, für mein Glück die Verantwortung zu übernehmen …

… damit Genuss für immer ein Grundrecht in meinem Leben ist.

Dieses Buch erweckt die noch schlafenden, feinfühligen Sinne der Menschen und lässt die pure Lebensfreude zum Vorschein treten. Schenke dem Buch deine Stimme. Erwecke die geschriebenen Zeilen zum Leben und fordere dein Grundrecht auf Genuss endgültig ein!

„Nichts auf der Welt

ist so wertvoll,

wie die Erkenntnis,

dass man selbst wertvoll ist.“

Genuss ist ein Grundrecht

In meinem Herzen brennt ein gigantisches Feuer,

groß und mächtig wie ein wütendes Ungeheuer.

Dieses lodernde Feuer möchte auch Freude

in deinem Herzen entfachen,

und deine Lesezeit belohnen mit haltlosem Lachen.

Bilder und Worte bringen zurück, was im Alltag schwindet,

sie öffnen das Herz, damit es unsichtbares Glück wiederfindet.

So wirfst du einen Blick in dieses Buch hinein,

möchte Genuss ein Grundrecht auch in deinem Leben sein.

cremoting by SMS

Hi, mein Name ist SMS

Sucht man im Web, bedeutet SMS so viel wie Short Message Service, auch Kurznachrichtendienst genannt.

Das klingt irgendwie langweilig. Eine weitaus interessantere Beschreibung meines Pseudonyms „SMS“ wäre:

superattraktives, megageiles Sexobjekt

oder superintelligentes, multifunktionales Superhirn

Sehen wir jedoch den Tatsachen ins Auge, ich bin leider nichts von alledem.

SMS sind einfach nur die Anfangsbuchstaben meines Namens. Anonym und ohne Absender, ähnlich wie bei dem Mann mit der Maske: Zorro!

Er hinterlässt seine Initialen mit dem Degen und ich eben mit dem Stift.

Also stellt sich nur noch die Frage … wieso ein Pseudonym?

Auf so einigen Buchseiten spreche ich über feucht-fröhliche-Flüssigkeiten im menschlichen Körper. Natürlich bin ich nicht unbedingt scharf darauf, beim Eisschlecken in der Stadt darauf angesprochen zu werden. Besonders meiner keusch lebenden, katholischen und kirchenanbetenden Mutter würden diese Worte noch im Grabe die Schamesröte ins Gesicht treiben. Das möchte ich ihr selbstverständlich ersparen und wähle den Weg der Anonymität.

Naja … und da wäre natürlich noch der Hauptgrund:

SMS ist ein Schutzmantel.

Ich habe in jeder der geschriebenen Zeilen meine arbeitswütigen Herzklappen so weit aufgerissen, dass man tief hineinsehen kann. Dieser ehrliche Blick in meine Seele sollte weder von optischen, geschlechtlichen oder altersspezifischen Vorurteilen vernebelt werden.

So, jetzt aber genug gefaselt, kommen wir nun zu meiner spektakulär langweiligen Person.

Ich bin weder in Geschichte noch in Erdkunde ein Genie. Auch Fremdsprachen sind definitiv nicht meine Stärke. Ständig ertappe ich mich, wie ich seltsame fränkische Wörter in katastrophale Englischsätze einbaue. Mich erinnert diese Sprache immer an Lothar Matthäus’ „Fränglisch“.

Worin ich aber durchaus gut bin, ist das Erkennen dessen, was ich mag und was ich nicht mag. Es klingt komisch, aber das umzusetzen, was man sich tief im Herzen wünscht, erfordert jede Menge Mut.

Erst mussten Krankheiten wie tausend kleine Ameisen über mich herfallen, bis ich diesen Mut aufbringen konnte. Unzählig eingegangene Kompromisse und banale Ängste hatten meine Wünsche in die dunkelsten Ecken meiner Seele gedrängt. Stück für Stück kramte ich die versteckten Sehnsüchte wieder hervor und siehe da, sie hatten erstaunlicherweise nicht viel mit Geld zu tun.

Es ist die Liebe zum Genuss!

Meine kleine, gierige, genusssüchtige Seele liebt es, spontan zu sein und über den Alltag frei entscheiden zu können.

Mein Gaumen vergöttert kunterbunte Gummibärchen – besonders dann, wenn diese zu lange in der Sonne gelegen hatten. Danach sind sie immer soo weich, zart und zergehen wie cremiger Balsam auf meiner Zunge.

Und was begehrt mein ständig denkender Verstand?

Das Lesen und Dichten von Zitaten. Am besten kurz, knapp und einprägsam.

Einer meiner Lieblingssprüche ist dieser:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut,

das Wesentliche ist für die

Augen unsichtbar.“

Diese 64 Buchstaben haben mich geprägt.

Ein großer Dank dafür gebührt dem Autor des Buches „Der kleine Prinz“. Er hat diesen Spruch ins Leben gerufen.

Diese wenigen Worte haben mir geholfen, das Schöne im Unschönen zu sehen. Das Perfekte im Nicht-Perfekten.

Letzten Endes sind es unsere Fehler, die uns zu einzigartigen Menschen machen. Unser ständiges Bemühen, „fehlerfrei zu sein“, erstickt unsere Individualität und macht aus uns einen faden, ausdruckslosen Einheitsbrei.

Unsere Untugenden führen uns nicht gleich ins Verderben. Sie geben uns vielmehr darüber Auskunft, wer wir sind und was wir nicht mögen.

Nehmen wir mich als Beispiel:

Ich bin schon von Geburt an ein notorischer Zuspätkommer. Zu den meisten privaten und beruflichen Terminen kam ich verspätet. Manchmal waren es nur Minuten, doch aus Scham habe ich mich für jede einzelne Sekunde geprügelt. Immer und immer wieder.

Zwar waren meine Ausreden stets chaotisch charmant und spektakulär erfindungsreich. Trotzdem fühlte ich mich schlecht. Also versuchte ich lebenslang, mir diesen Fehler abzugewöhnen und kämpfte wie ein besessenes Tier um deutsche Pünktlichkeit.

… leider absolut niederschmetternd erfolglos …

Nach dieser Erkenntnis folgte das Eingeständnis. Ein ehrlicher Blick in mein Herz offenbarte mir: Ich hasse feststehende Termine!

Sie schränken mich in meiner Spontaneität und Kreativität ein. Also habe ich daran gearbeitet, meinen Termindruck im Alltag zu minimieren. Und siehe da … mit einer ordentlichen Portion Mut und Entschlossenheit für mein Wohlergehen reduzierte ich radikal meine fixen Termine. Es war also mein Fehlverhalten, welches mir letzten Endes zeigte, was ich nicht mag und wonach sich mein Herz sehnt.

Tja … sieht man Fehler aus dieser Perspektive:

So wäre es der wohl schlimmste Fehler im Leben, niemals einen zu begehen!

In diesem Sinne – viel Spaß auf der genussinspirierenden Reise durch meinen Alltag.

In Liebe

SMS

GENUSS MÖCHTE GENOSSEN WERDEN

Dienstag, 1. April

Lang lebe Superman

21:28 Uhr

Ich fühle mich gut. Saugut. Unbezwingbar. Unsterblich und überglücklich.

Das ist kein Aprilscherz.

Heute Mittag war ich beim Hals-Nasen-Ohrenarzt.

Riesige kobaltblaue Augen hinter einem Vergrößerungsglas haben meine verpopelten Nasenlöcher präzise genau unter die Lupe genommen. Kurz danach folgte eine schrecklich große Zange, die sich rasend schnell meinem Gesicht näherte. Mit einer spektakulären Brutalität weitete sie meine kleinen Nasenlöcher so immens, dass ich jetzt immer noch aussehe wie ein kleines Schweinchen mit extra großem Rüssel.

Nach diesen Strapazen kam dann endlich die Erlösung in Form eines tiefen, doktorartigen Tones:

„Sie haben eine erstaunlich schnelle Wundheilung. Ich denke mal, das war heute vorerst Ihr letzter Besuch bei mir.“

Es waren Worte, die mein Herz zum Strahlen brachten. Ihr Klang flutete meinen Körper mit Stolz und Ehrfurcht und streichelte zärtlich meine geschundene Seele. Ich ergötzte mich an den Lobpreisungen des Arztes. Dieser eine Satz war ein Befreiungsschlag für mich. Der Eintritt in eine neu gewonnene Freiheit und der Beginn meines neuen Lebens!

Seitdem schwebe ich auf Wolke sieben und habe soeben einen Entschluss gefasst:

Heute bin ich Superman!

Unsterblich. Außergewöhnlich. Nicht von dieser Welt und einfach nur unbezahlbar gesund.

Endlich Ruhe nach einem höllischen Sturm. Erlösung nach einem scheinbar endlosen Kampf um meine Gesundheit. Das Ende meines persönlichen Pilgerweges. Schluss mit krabbelndem Kieferhöhlenkrebs, Krankenhaus-Katastrophen, OP-Delirium, Nierenkolik-Desaster und einem gigantischen Wasserstau in den Lymphbahnen. Wobei mich dieses angestaute Wasser vielleicht mein ganzes Leben lang begleiten wird. Eine Wasseransammlung in den Lymphen ist der absolute Albtraum für Mann und Frau. Die Lymphbahnen transportieren das Wasser nicht mehr ab. Das eingelagerte Wasser kann sich dann binnen kurzer Zeit in Fett umwandeln.

Tja … und wo staut sich bei mir das Wasser mal wieder?

Natürlich genau dort, wo ich immer besonders schlank sein wollte. An meinem Bauch. Was also einst ein Waschbrettbauch vom Allerfeinsten war, ist dank Wasseransammlung nun ein unbezahlbares, wollig weiches Kissen. Das Gute daran:

Es kann sich hervorragend zum Anpacken bei knallhartem, hautvibrierendem Sex erweisen oder einfach nur zum Kuscheln und Anlehnen.

Wahrlich eine Ironie des Schicksals.

So wehrt sich der eigene Körper, wenn man ihn schindet. Seine Hilferufe missachtet. Ihn nicht wertschätzt und dem vom Schönheitswahn getriebenen Ego das Ruder übergibt.

Ich habe meinen Leib missbraucht und verspottet. Ihn als funktionierende Arbeitsmaschine benutzt. Als stressausgleichenden

Sporttherapeuten. Als gefrusteten Mülleimer aller Essensreste dieser Welt und als Mittel zum Zweck.

Wollte er sich mal beschweren, hat ihn mein nach Anerkennung hechelndes Ego gezüchtigt, als wäre er ein Sklave. Ohne Respekt und ohne jegliche Lobpreisung. Eine echt magere Ausbeute für einen so tapferen Knochen-Blut-Fleisch-Fett-Träger wie meinen molligen Mops-Körper.

Ich hatte völlig vergessen, dass mein Leib der Tempel meiner Seele ist. Die Hülle der Frucht und Kostbarkeit meines Seins. Ein hoch entwickeltes Wesen, das mich durch diese Welt trägt. Bei diesen reumütigen Zeilen kommen mir ehrlich gesagt die Tränen. Fast so, als würde jede meiner Körperzellen die Entschuldigungen hören und sie für immer in all meine Knochen eingravieren. Damit ich es nie mehr vergesse!

Viel zu lange hat mich die Wahrnehmung von oberflächlicher Schönheit geblendet. Von klein auf verband ich ein perfektes Leben mit Erfolg, Glück, Schönheit, Haus, Garten, Familie und einem ausgleichenden Harmonieband, welches all dies verbindet und mich nie wieder Streit und Sehnsüchten aussetzt.

Denn für einen tollen Partner, der einen liebt und sich nicht nach Alternativen umschaut, sollte man ja auch toll aussehen. Oder nicht? Haus und Garten kosten eine Stange Geld. Auch Kinder brauchen finanzielle Sicherheit. Also benötigt man gut bezahlte Arbeit. Es entsteht ein Erfüllungsdrang. Ein selbst auferlegter Druck. Man denkt nur noch an seine Ziele. Ein Kreislauf beginnt. Das Hecheln nach Erfüllung und Glück bestimmt den Alltag.

Es ist wie ein nie still stehendes Hamsterrad, angetrieben von privaten und gesellschaftlichen Verpflichtungen. Das Rad dreht sich immer schneller, je mehr man bemüht ist, dem nachzukommen. Bis man endgültig vergisst, rechtzeitig auszusteigen.

Genauso war mein Leben vor meiner Krankheit. Und danach …?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich nun ein nicht perfektes, ständig an Geld mangelndes, beziehungstechnisch gescheitertes und von Disziplinlosigkeit verfolgtes Leben.

Das Seltsame daran ist:

Ich bin tatsächlich glücklich. Ich spüre mein Glück. Ich kann es fühlen. Es ist greifbar nahe. Es steckt im Moment. Im Augenblick.

Es ist in mir. Wenn ich nicht daran zweifle und mich öffne für all das, was das Leben zu bieten hat, kann ich es tief in meinem Herzen spüren. So wie heute.

Hier meine Hommage an diesen wahrhaft grandiosen Superman-Tag:

„Erfolgreich ist nicht derjenige, der viel besitzt,

sondern derjenige, der das, was er hat, zu schätzen weiß.“

Samstag, 5. April

Hoffnungslos disziplinlos

11:52 Uhr

Es ist Wochenende. Endlich! Kaum zu erwarten. Und meine Stimmung?

Zu Tode betrübt. Ich befinde mich im Tal der seelischen Finsternis, und kein Licht ist in Sicht. Schon seit geschlagenen zwei Stunden geht das so. Vor wenigen Tagen noch Superman und jetzt Badman.

Obwohl ich mich heute ständig motiviere, ein glücklich hechelnder, übertrieben harmonischer Mensch zu sein, funktioniert es einfach nicht.

Woran könnte das wohl liegen?

Die Antwort ist Gollum.

Der wohl größte Schatz-Süchtling in Tolkiens „Herr der Ringe“.

Gollum ist der Name meiner Zunge.

Heute früh hat meine kostspielige Keramik-Zahnfüllung mein wurzelbehandeltes Beißerchen verlassen. Nur machte sich die Füllung nicht alleine aus dem Staub. Sie riss kurzerhand ein großes Stück meines Zahnes mit sich. Der arme Kerl. Statt eines friedvollen Lächelns tritt nun ein messerscharfer Vampirzahn zum Vorschein. Mörderisch und blutrünstig zugleich.

Und was macht mal wieder Gollum – meine zahnlochsüchtige Zunge?

Sie begrapscht unablässig den neuen Reißzahn bis zum bitter blutigen Ende. Als wäre dort ein Schatz verborgen. Ein noch nie zuvor entdecktes Bakterium. 1000 Jahre alte Essensreste.

… oder noch besser … die Grabkammer des Pharaos. Also ein hochgradig verseuchter Raum.

Also Gollum: „HÖR JETZT AUF!!!!!!!“

Das war keine Bitte. Das war ein Befehl. Klar und deutlich.

Jedes verfluchte Mal missachtet Gollum die wohlerzogenen, konservativen Meldungen meines Kopfes. Ich bin sowas von disziplinlos. Eine echte Schande für die deutsche, demokratische Nation.

Mein Kopf will Disziplin!

Doch meine kleine, gierige und genusssüchtige Seele, die in meinem Herzen wohnt, will alles entdecken.

Sie liebt den Geschmack von Kaffee. Die Weichheit von Gummibärchen. Das Flair von schnuckligen Cafés. Den Duft von weißem Flieder. Den Klang von Eiswürfeln im Cola-Glas. Den Schmelz von Nougatpralinen. Das Urlaubsfeeling von cremigen Cocktails. Das Träumen am Tag und in der Nacht. Das morgendliche Vogelzwitschern beim Aufwachen. Die Energie von Sonnenstrahlen und das einfache NICHTSTUN. Genau das bringt meine Seele zum Leuchten.

Kopf oder Herz?

Für wen von beiden soll ich mich entscheiden? Ständig stehe ich zwischen den Stühlen. Ohne Disziplin läuft ja vermutlich nichts auf dieser Erde und in der heutigen Arbeitswelt. Nur: Ohne Genuss verhungert mein Herz. Es krepiert elendig. Also braucht man vermutlich beides? Oder …?

Betrachten wir meinen kopfgesteuerten Verstand von Nahem.

Er hat mich, ehrlich gesagt, ziemlich unglücklich gemacht. Permanent bestimmte er meinen Alltag. Ich lebte ein diszipliniertes und vorbildliches Leben. Damals dachte ich noch, die Lobpreisungen anderer würden meiner Seele die erwünschte Befriedung bringen. Doch ich irrte mich und begriff, dass ich bis dato keinen blassen Schimmer hatte, was Glück überhaupt bedeutete. Mein nach Anerkennung hechelndes Arbeitsego und meine Disziplin raubten mir den Genuss.

Die Frage ist also, was ist „WAHRER GENUSS“ und „ECHTES GLÜCK“?

Und wieso sehnt sich meine Seele so sehr danach?

Beides sind Empfindungen. Sie sind unabhängig von Geld, Macht, Besitz und Verstand. Unser Verstand versucht, Empfindungen zu erklären. Er beschreibt, wie diese sich anfühlen.

Unser Herz und unsere fünf Sinne hingegen sind in der Lage, uns all diese Empfindungen spüren zu lassen.

„Genießen“ mag simpel klingen, die Durchführung ist aber nicht so einfach wie erhofft.

Es bedeutet, einen Zustand ganz bewusst wahrzunehmen. Die Sinne vollkommen einer Sache zu widmen. Man konzentriert sich. Denkt nicht über tausend Dinge nach. Tut nichts anderes nebenbei.

Genau dann, in diesem Moment, schwebt das Umfeld sanft in den Hintergrund, und es erwacht ein Gefühl. Anfangs ist es noch winzig, ähnlich einer Flamme. Kaum hat es sich aber gemütlich gemacht, entfaltet dieses Gefühl ein gewaltiges Feuer. Unser Herz beginnt vor Freude zu brennen, und unsere Seele badet sich genüsslich in diesem herzerwärmenden Gefühl.

Ehrlich gesagt, konnte mein Kopf dieses Feuer-Feeling bisher noch nie hervorrufen. Die Erklärungen meines Verstandes hinderten mich daran, den Genuss tief im Herzen zu spüren.

Also musste mein Verstand im Alltag Platz machen für etwas Neues …

… denn auch Genuss möchte genossen werden!

Folglich vergebe ich meiner quengelnden Zunge Gollum, dass sie mich heute so viele Nerven gekostet hat und belohne meinen Geruchssinn mit dem Aroma einer frisch gebrühten Tasse Kaffee.

„Der Sinn des Lebens besteht darin,

es zu genießen.“

Donnerstag, 10. April

Ein bisschen „bi“ schadet nie

12:55 Uhr

Heute ist ein wunderschöner Tag. Ich habe gerade Mittagspause und gehe einer meiner Leidenschaften nach: Das Beobachten von Menschen. An einem Tisch neben mir sitzt ein Mann. Er könnte aber auch eine Frau sein? Sicher bin ich mir da nicht. Ob nun männlich oder weiblich ist letzten Endes auch völlig egal.

Im Grunde suchen wir alle das Gleiche. Man nennt es „die Liebe“. In all ihren Facetten, Farben und Formen.

Mit der Überschrift „bi“ möchte ich nicht sagen, dass ich beide Geschlechter liebe.

Sondern vielmehr, dass jeder Mensch beide Seiten in sich trägt. Männlichkeit und Weiblichkeit. Diese beiden Geschlechter verkörpern wundervolle Stärken und fabelhafte Schwächen.

Wir Menschen sollten uns weder die männlichen noch die weiblichen Züge verbieten. Sonst ist es schwer, die gnadenlos harte Schule des Lebens mit einem Lächeln zu tragen.

Um das endlich zu begreifen, musste ich in meine Vergangenheit reisen und die Suche da beginnen, wo alles begann: bei meiner Geburt.