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Gabrieles Kindheit ist wohl geordnet, wenn sie auch von Vater keinerlei Zuwendung erfährt. Doch die Liebe von Mutter und Bruder gleichen diesen Mangel etwas aus. Jahrelang lebt die Mutter der Tochter die Unterordnung unter den Ehemann vor, egal wie unausstehlich er sich verhalten mag. Bis die Mutter aus dieser Ehe ausbricht und zu einem anderen Mann geht, die Kinder beim Vater zurück lassend. Für Gabriele bricht ihre heile Welt zusammen, sie glaubt sich von dem einzigen Menschen verraten, der sie sich rückhaltlos anvertrauen konnte. So beginnt sie, sich zu verschließen- ein Verhaltensmuster entsteht, das sich bei jeder künftigen tatsächlichen oder vermeintlichen Ablehnung durch Mitmenschen bis zu fast völligen Gefühllosigkeit entwickelt. Mit aller Macht versucht sie auf eigenen Füßen zu stehen und schafft es. Doch das von der Mutter vor gelebte Verhaltensmuster der bedingungslosen Unterordnung verfolgt Gabriele während ihrer Ausbildung und schlimmer, durch ihre Ehen hindurch. Dreimal gerät sie an Männer, die dieses Verhaltensmuster ausnutzen Walter der auf ihre Kosten lebt, Kurt, der ihr im Verlauf ihrer Ehe die Hölle auf Erden bereitet, der sie prügelt, vergewaltigt und demütigt immer wieder und wieder. Auch ihre vier Kinder müssen diese Gewalt miterleben. Endlich Kurt hat Gabriele krankenhausreif geprügelt, findet sie die Kraft, diese unerträgliche Situation endgültig zu beenden. Sie lernt Jens kennen, der ganz das Gegenteil von Kurt zu sein scheint, sanft, sehr um sie bemüht, ständig um sie herum. Dadurch wiederum fühlt sich Gabriele eingeengt, hat das Gefühl die Luft zum Atmen zu verlieren. Um der Kinder willen versucht sie sich wie in früheren Ehen anzupassen und still zu halten, doch hält sie es nicht mehr aus. Auch diese Ehe scheitert. In Achim, den Gabriele durch das Internet kennen gelernt hat, glaubt sie endlich den Mann gefunden zu haben, mit dem sie dauerhafte Beziehung gegründet auf Liebe und Vertrauen, führen kann. Oder doch wieder nur eine Wiederholung der ewig gleichen Muster, die bislang ihr Leben bestimmten und sie in unglückliche Ehen und üble Lebenssituationen führten? Nein. Inzwischen hat es Gabriele geschafft, die verderblichen Verhaltensweisen zu erkennen und immer wieder dagegen an zu kämpfen....
Ehrlich und rückhaltlos beschreibt die Autorin die entscheidenden Erlebnisse, die Kindheit, Jugend und Erwachsenen leben bestimmten. Sie macht deutlich, wie wichtig es ist, sich frei zu machen von anerzogenem Fehlverhalten, das sich in letzter Konsequenz gegen die erfolgreiche Suche nach dem eigenen Lebensglück richtet.
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Veröffentlichungsjahr: 2015
Gabriele Remscheid, Jahrgang 1964, geboren in Köln, lebt mit ihrem Mann am Niederrhein. Wer die Autorin näher kennt, beschreibt sie als verletzlich, sensibel. Ihre große Klappe hilft über Unsicherheiten hinweg. Sie schreibt seit über zwanzig Jahren. Ihr erstes Buch „Gesprengte Fesseln“ ist der Weg, die Vergangenheit zu bewältigen. Gabriele nutzte das Schreiben, brachte Gegebenheiten, Gedanken und Gefühle zu Papier. Gabriele Remscheid Gesprengte Fesseln Erfolgreicher Ausbruch Aus häuslicher Gewalt Impressum 1.Auflage im Oktober 2009 Printversion 2.Auflage im August 2011 EBook Deutsche Erstveröffentlichung Gesprengte Fesseln ©2009 by Gabriele Remscheid ISBN 978-1-4478-2303-2 Covergestaltung©Rudolf Albrecht Fotos©Gabriele Remscheid Gedicht©Thomas Heyroth Gedicht©Clarissa Winters Gedicht©Norbert van Tiggelen
Diese Geschichte ist eine wahre Begebenheit. Zum Schutz der noch lebenden und inzwischen verstorbenen Personen, wurden die Namen und Orte verändert. Hör auf dein Bild von dir zu leben Mit achtzehn da gab man dich ihm in die Hand alles war arrangiert, du hast ihn kaum gekannt man lehrte dich lange Jahre gehorsam zu sein es hieß : Zu seinem Mann da sagt man nicht Nein Er selbst nahm es nicht sehr genau mit der Treue und wenn er dich schlug tat er es ohne Reue du senktest den Blick und beschwertest dich nicht und du glaubtest zu schweigen wär deine Pflicht Jeder hat es gesehen aber keiner gefragt es ist schwer zu verstehen du hast dich nie beklagt Hör auf dein Bild von dir zu leben du weißt dir ist viel besseres bestimmt er hat dir keine Freundlichkeit zu geben verweiger dich der Hand die stets nur nimmt Hör auf dein Bild von dir zu leben das bist du nicht, das darfst du nicht mehr sein er wird die Hand auch weiterhin erheben in seinem Schatten bleibst du ewig klein Du glaubtest ein Kind löse alle Probleme dabei trat genau das Gegenteil ein seine Wut steigert sich schnell ins Extreme hört er wenn er heimkommt das Baby laut schrein Wie lange willst du das noch ertragen warum stellst du dich immer noch blind du hast die Kraft ihm zu entsagen wenn nicht für dich, tu es für das Kind Jeder hat es gesehen aber keiner gefragt es ist schwer zu verstehen du hast dich nie beklagt Hör auf dein Bild von dir zu leben du weißt dir ist viel besseres bestimmt er hat dir keine Freundlichkeit zu geben verweiger dich der Hand die stets nur nimmt Hör auf dein Bild von dir zu leben das bist du nicht, das darfst du nicht mehr sein er wird die Hand auch weiterhin erheben in seinem Schatten bleibst du ewig klein Es bleibt ein Kampf mit ungleichen Waffen du wehrst dich nie, du steckst immer nur ein du musst ein neues Bild von dir erschaffen und ihn lass dort nie mehr hinein ©Thomas Heyroth http://nachtpoet.npage.de
Im Sommer 1964 wurde ich als erstes Kind meiner Eltern geboren. Aus Erzählungen weiß ich, das ich kein leichtes Kind war. Ich soll ein schlechter Esser gewesen sein, und meine Mutter hatte ihre liebe Not mir überhaupt Nahrung einzuflössen. Später griff sie dann zu Tricks, Butterbrot aß ich z.B. nur wenn ich eine Tomate oder ein Gürkchen bekam. Nebenbei bemerkt, Tomaten liebe ich heute noch. Meine Oma strickte mir Bekleidung, weil die gekaufte an mir wie ein Sack hing. Ich habe an diese Zeit keine oder wenige Erinnerungen, außer das was ich aus Erzählungen meiner Familie weiß oder Bilder dokumentieren. Mein Bruder Hendrik kam vier Jahre später auf die Welt. Er war von Geburt an behindert, und benötigte die volle Aufmerksamkeit meiner Mutter. Er hatte Probleme mit den Hüften und die Sehnen an den Füssen wuchsen nicht mit. Mehrfach musste er Operationen über sich ergehen lassen und Schienen an den Beinen tragen. Ich weiß nicht wie viel Zeit meine Mutter mit ihm bei Ärzten und in Kliniken verbracht hat. Ich weiß dass ich dachte, sie hat Hendrik lieber als mich. Häufig hieß es, „ ich muss ich erst um deinen Bruder kümmern, warte ich komme gleich, geh noch in dein Zimmer „. Noch weniger mochte ich, nein ich hasste es, wenn es hieß „ spiel mit Hendrik, pass mal auf ihn auf „ etc. Erst viel später kam ich besser mit ihm aus. Jetzt war ich gerne mit ihm zusammen, wir verbrachten viele Stunden gemeinsam. Oft saßen wir am Tisch bauten mit Legosteinen, spielten mit Playmobilfiguren. Oder unsere Kuscheltiere mussten herhalten, wir waren die Tierärzte die obligatorischen Mutter, Vater, Kindspiele fehlten auch nicht. Gerne hätten wir ein Haustier gehabt, unsere Eltern waren strikt dagegen. Umso mehr genossen wir unsere Ferien auf einem Bauernhof. Wir fuhren dort viele Jahre, mehrmals im Jahr, hin und gehörten im Grunde fast zur Familie. Wir konnten uns im Ort frei bewegen, waren nicht in einer Stadtwohnung eingesperrt. Viele Stunden verbrachten wir im Stall, erlebten die Geburten von Kälbern, Fohlen und Ferkeln mit. Der Bauer nahm uns mit aufs Feld oder auf die Weide. Wir gingen in den Häusern des Dorfes ein und aus, jeder kannte uns, es gab kaum Verbote. Es waren die schönsten Wochen des Jahres. Mir fiel es schwer nach drei bis vier Wochen das alte Leben in Düsseldorf auf zu nehmen. Ein Leben das aus Verboten und Regeln bestand. Freunde hatte ich dort kaum, eine Griechin aus meiner Klasse, mit der habe ich mich gut verstanden. Ich war eine Außenseiterin in meiner Klasse. Dadurch das ich die abgelegten Sachen meiner Cousinen tragen musste, nie raus durfte und Freunde mitbringen war nicht drin. Zu dem Zeitpunkt, war ich nicht mehr die Schlankste. Ich hatte begonnen Unmengen an Schokolade in mich rein zu stopfen und mit 13 oder 14 trug ich Kleidergröße 44. Im Sport war ich eine Niete, zumal unsere Lehrer gern Geräteturnen machten. Ich über einen Bock springen, ein Seil hochklettern oder Klimmzüge machen? Unmöglich! Wenn wir Ballspiele machten, war ich die Letzte die in ein Team gewählt wurde, niemand mochte die Looserin im Team haben. Dann passierte im sechsten Schuljahr noch dieses Unglück im Schwimmunterricht. Da meine Eltern nie mit uns schwimmen gingen konnte ich mit elf Jahren noch nicht schwimmen, zum Amüsement meiner Klassenkameraden. Jetzt hatte ich Hoffnung, ich konnte mich endlich über Wasser halten. Ich wurde übermütig und versuchte eine komplette Längsbahn im Becken zu schwimmen. Im Tiefen (1,80m) verließen mich die Kräfte, ich schluckte Wasser und ging unter. Ich bekam Panik, spürte wie ich mich unter Wasser drehte, merkte wie die Luft weniger wurde. Es gelang mir an die Oberfläche zu kommen. Die Kameraden hielten es für einen Scherz, sie lachten, niemand kam und fragte nach, half mir. Meine Lehrerin erlaubte mir mich um ziehen zu gehen. Kein wie geht es dir, ist alles in Ordnung. Ich zog mich um, und zitternd und weinend verließ ich die Schule. Zuhause merkte meine Mutter sofort das etwas nicht stimmte, sie nahm mich in den Arm und fragte nach. Weinend erzählte ich ihr was geschehen war. Sie tröstete mich und versprach mit der Lehrerin zu reden. Dieses Versprechen hat sie zwar gehalten, die Angelegenheit war damit erledigt. Sie hat nie darüber nach gedacht das ich jetzt panische Angst vor dem Schwimmunterricht hatte. Plötzlich hieß es „ stell dich nicht so an, du wirst es schon lernen“ Ich lernte es nicht, ich drückte mich wann immer es ging vor dem Unterricht, und wenn ich keine Ausrede hatte, blieb ich vorne im flachen. Das tiefe Wasser machte mir Angst, sobald ich keinen Boden mehr unter den Füssen spürte, hatte ich das Gefühl ich ersticke. Meine Mutter meinte „ Das ist doch gar nicht schlimm, ich gehe auch nur dort ins Wasser wo ich noch stehen kann „ Von meinem Vater hatte ich grundsätzlich keine Hilfe zu erwarten. Für ihn war ich die dicke Faule, er hatte nichts anderes von mir erwartet. Überhaupt hatte ich nie das Gefühl das irgendetwas was ich tat, seine Anerkennung fand. Obwohl alle meine Zeugnisse prima waren, kann ich mich an keine positive Bemerkung erinnern, ein Lob von ihm? Fehlanzeige. Der kleinste Fehler wurde von ihm bemerkt und scharf kritisiert oder bestraft. Ich lernte früh seine Heimkehr zu fürchten, obwohl fürchten ist übertrieben, ich wünschte mir er käme nicht nach Hause. Ohne ihn war alles wesentlich lockerer und gemütlicher. Wenn er nach Hause kam änderte sich die Stimmung. Wir Kinder versuchten nicht auf zu fallen, meine Mutter war „gute Ehefrau“ die ihm sein Essen vorsetzte und seine Wünsche erfüllte. Nach diesem Essen ging es dann spazieren. Wir Kinder mussten mit. Montags bis Freitags ging es durchs Viertel. Dieselben Strassen, dieselben Geschäfte. Und wir hatten uns zu benehmen. Nicht vorlaufen, nicht schmutzig machen, wehe wir übersahen eine Pfütze, ich gebe es zu mit Absicht, dann war Vater sofort sauer und der Abend gelaufen. Am Wochenende fuhren wir raus ins Grüne. Dort drehten wir unsere Standartrunden. Wenn mich jemand gefragt hätte, ich hätte ihm jede Bank am Wegrand nennen können. Diese Spaziergänge hasste ich. Mein Vater ordnete an und wir anderen hatten zu gehorchen. Es gab keine Möglichkeit diesen Familienausflügen zu entgehen. Noch nicht mal, als ich nach einer Kniepunktion ein Gipsbein hatte, durfte ich zuhause bleiben. Ich musste mit. Wir fuhren ins Bergische Land, bergauf, bergab, mit dem Bein Schwerstarbeit. Dann kam eine Stelle wo es steil bergab ging. Es war ein unbefestigter von Wurzeln durchzogener Weg, vom Regen der vergangenen Tage noch matschig. Diese Stelle mochte ich nicht, wie ich sie mit Gipsbein bewältigen sollte, war mir ein Rätsel. Mein Vater bestand darauf, er machte sich über meine Angst und meine Tränen lustig. Niemand reichte mir eine Hand, alle sahen mir zu wie ich mich laut schluchzend dort hinunter quälte. Irgendwie schaffte ich es heil unten an zu kommen, in diesem Moment hasste ich ihn. Jahre später noch machte er sich über diese Szene lustig. Das hat verdammt weh getan. Es hat mich enttäuscht und verletzt das meine Mutter nicht eingriff, das sie es geschehen ließ. Ich habe es nicht verstanden und heute auch noch nicht. Wie konnte sie uns lieben und gleichzeitig zulassen das er uns quälte? Ich schwor mir dies meinen Kindern nie an zu tun. Ich wollte nie so werden wie sie. Wenn wir allein waren, hatten wir viel Spaß mit ihr, dann waren wir eher wie Freunde. Wir konnten reden und zusammen lachen. Klar hatte sie ihre Regeln nach denen sie uns erzog, an die wir uns halten mussten, doch ich hatte nie wirklich das Gefühl das sie ungerecht war. Das waren die Zeiten wo ich sie grenzenlos liebte, wo sie mir das Gefühl gab ich könne mich auf sie verlassen, über alles mit ihr reden. Sobald der Zeiger der Uhr auf 16 Uhr vor rückte wurde alles anders. Wir mussten ins Kinderzimmer, sie deckte den Tisch und stand dann am Fenster um auf ihn zu warten. Wenn er dann da war, rief sie uns zu Tisch und wir aßen gemeinsam. Sie erstattete Bericht was am Tag gewesen war, was uns Kinder betraf. Und dann der verhasste Spaziergang. Um 19 Uhr hieß es dann für uns „ Geht in euer Zimmer !“ . Mein Vater wollte in Ruhe seine Zeitung lesen und später Nachrichten schauen, nach dem langen Tag brauchte er seine Ruhe. Ich kann mich an keinen Tag erinnern an dem er sich nach Feierabend mit uns befasst hätte, es sei denn es gab was zu kritisieren. Das Wohnzimmer war für uns tabu, Fernsehen eine große Ausnahme. Spätestens um 20 Uhr hatten wir dann im Bett zu liegen, und wehe er hörte dann noch was von uns. Die einzigen Lichtblicke in diesen Jahren waren die Urlaube und die Wochenenden die wir bei meinen Großeltern verbrachten. Das waren Zeiten die für uns lockerer waren. Wir durften auf den Spielplatz oder im kleinen Zimmer fernsehen. Mein Opa brachte mir Fahrrad fahren bei. Zuhause bekam ich keins, weil es laut meinen Eltern in der Stadt zu gefährlich war damit zu fahren. Umso mehr genoss ich es bei meinen Großeltern zu sein, ich war ständig draußen, machte die Gegend mit dem Rad unsicher. Oma hatte noch zwei weitere Anziehungspunkte, die Badewanne, und ihre Klöße. Zuhause mussten wir uns am Waschbecken waschen, da wir in unserer Altbauwohnung kein Badezimmer hatten. Ich liebte das baden, und nutze es aus wenn wir bei Oma waren. Highlight war dann das Sonntagsessen, Sauerbraten mit selbstgemachten Knödeln, ich hätte mich da rein setzen können. Leider hat Oma mir nie gezeigt wie diese Klöße gingen, und ich kann sie heute selber nicht machen. Unsere Kindheit verlief in geregelten Bahnen. Ein Tag war wie der andere, bis auf Ausnahmen, die durch unschöne Szenen entstanden. Das war dann wenn meine Eltern stritten. Dann herrschte bei uns Eiszeit. Mein Vater konnte wunderbar schweigen, problemlos über Tage. Er ignorierte meine Mutter, und wenn es unumgänglich war mussten wir Botschafter spielen. „Sag deiner Mutter....sag deinem Vater“, ich hasste es, wollte nicht in ihre Streitereien hineingezogen werden. Das schöne an diesen Auseinandersetzungen war, die Spaziergänge fielen aus.
