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Es wird düster ... Von Ägypten zieht eine neue Gefahr über Europa auf – eine Gefahr, die ausgeht von einem Wesen, das grausamer ist als selbst die Dämonen der Dunkelsten Welt. Will das Institut für Fantastik die Welt vor Terror und ewiger Verdammnis bewahren, so müssen Bündnisse geschmiedet werden mit jenen, denen man bislang mit Misstrauen begegnete.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Königin der Strigoi
Professor Olivero
An den Ufern der Flüsse
Der Sturm zieht auf
Eine überraschende Wendung
Der schönste Tag in Wien
Derselbe Tag
Pressburg in der Nacht
Einmal noch zurück nach Periwincula
Die Neue Welt?
Getrennt unterwegs
Echidna
Oliveros Plan
Das wunderbare Kind Anatol
Blut, Tod, Verzweiflung – und Hoffnung?
Ein Ort zwischen den Welten
Dreizehn, nicht zwölf
Die Welt(en) um Pressburg herum
Königin der Strigoi
Ein Ende und ein Neubeginn
Professor Olivero
Impressum
Königinder Strigoi
Oliveros Institut für FantastikNo 5
Andrea Instone
Professor Olivero
Wie bitte? Was ... Wie kommen Sie hierher? Das ist doch ... Ja, das ist doch sehr ungewöhnlich. Sie sehen es sicher, ich habe keine Zeit für Sie. Ich hänge nicht zu meinem Vergnügen in dieser Felswand.
Ja, das haben Sie richtig erkannt. In Norwegen bin ich und mehrere hundert Meter unter mir liegt der Hjørundfjord. Und Sie werden wohl verstehen, dass ich nur ungern dort hinein stürzen möchte.
Bitte? Was ich in den Sunnmøre-Alpen tue? Ich bin wegen der Trollas hier. Die Gefahr für Leib und Leben der Bevölkerung ist in Scandinavia zur Zeit höher als in meinem eigenen Magischen Bereich und da ist es mir eine Selbstverständlichkeit, meinem Freund Sören beizustehen. Er wartet oben auf mich; dort befinden sich Trollas, die über einigen Einfluss verfügen. Wir haben berechtigte Hoffnung, dass, so wir diese Damen zur Einsicht bewegen können, wir des Problems Herr werden.
Wie wir sie zu überzeugen gedenken? Gewiss nicht mit Charme und Schönheit, obwohl ich glaube, dass Sören die Hoffnung hegt, es könne seine herkulische Erscheinung auch bei diesen weiblichen Wesen ein Wunder bewirken. Falls das allerdings nicht der Fall sein sollte, so haben wir einiges Gerät in petto, das überzeugender sein dürfte.
Was es sonst so gibt? Sie meinen an der Newa und am Nil, am Rhein und an der Donau? Was denken Sie wohl? Dass sich all unsere Sorgen in Wohlgefallen aufgelöst haben und ich nur deshalb in Norwegen mein Leben riskiere, weil es nichts weiter zu tun gibt? Ich wünschte, dem wäre so. Die Reichenbachs und MacDougalls stehen noch immer wie versteinert an der Newa und lassen sich durch kein Zureden und keinen Zauber fortbewegen. Igor Tokolew, der sich Swanhild angeschlossen hat und sicherlich eigene Pläne verfolgt, hat sein Möglichstes getan. Zwar scheint es, dass einige Mitglieder dieser Familien hören und sehen können, was um sie herum geschieht, doch das ist das einzig Gute, das er zu berichten weiß. Wenn es denn etwas Gutes ist; es ist völlig unklar, wie diese Clans zur Calibrini stehen oder – schlimmer noch – wie sie mit einer wiedererstarkten Echidna umgehen würden.
Echidna. Ja. Da kommt etwas auf uns zu. Ich habe mir gestern Nacht die antiken Aufzeichnungen über ihre jahrzehntelange Schreckensherrschaft am Nil durchgelesen. Wir können nur hoffen, dass Doña Clara einen Weg findet, das Aufbrechen der Pyramide zu verlangsamen, unter der die Reste dieser Urstrigoi gefangen liegen. Gemeinsam mit der Direktorin des Ägyptischen Reichs Anwar Mansor und den dortigen Zauberinnen tut sie, was sie nur kann, um die Katastrophe einzugrenzen.
Ja, einzugrenzen. Mehr ist nicht zu erhoffen und nicht einmal das erwartet Doña Clara. Welche Bannsprüche auch angewandt werden, wie sie auch versuchen, die Risse im Mauerwerk zu flicken – es öffnet sich das Grab weiter und weiter. Es sei, so ließ sie Swanhild wissen, als flösse eine fremde Kraft Echidna zu. Von düsterer Magie sprach sie, von unsichtbarer Schwärze. Und wir können nichts weiter tun, als uns zu wappnen vor Dingen von unaussprechlicher Scheußlichkeit. Zwingen Sie mich nicht, Ihnen aus den Berichten zu zitieren, die Echidnas Bestialität in blutigen Details schildern. Seien Sie versichert: Sollte Echidna die Macht ergreifen, so würden wir alle uns eine Gabriella Calibrini als Segensbringerin herbeiwünschen. Von der wir übrigens zur Zeit nicht wissen, wohin sie sich verzogen hat, nachdem sie die Zarenfamilie bedroht hatte. Die wiederum bei Igor Tokolew Schutz gefunden hat.
Swanhild bleibt über all dem so kühl wie stets. ›Eines nach dem anderen‹, so sagte sie noch heute Morgen am Frühstückstisch. Dann schlug sie Melisande vor, die kaiserliche Hochzeit vorzuziehen. ›Am besten gleich morgen‹, so meinte sie. Wir sprechen hier von einem historischen Ereignis, nicht nur von einer einfachen Verbindung zwischen einer Thronfolgerin und irgendeinem gutgewachsenen Kerl der Hocharistokratie – selbst dafür würden die Habsburger einige Wochen an Planung und Vorbereitung veranschlagen. Aber für die Heirat der Erzherzogin mit einem Strigoi? Ich bitte Sie!
Doch während ich wenigstens ein Dutzend Argumente hätte nennen können, die dagegen sprachen, nickte Melisande, nahm sich ein drittes Brötchen, biss hinein und erklärte, sie sähe das ebenso und werde daher aufbrechen, sobald sie ausreichend gesättigt sei. Und sie hat auch nicht den geringsten Zweifel daran, dass Kaiser Franz Josef und seine Gattin Elisabeth ihrem Vorschlag zustimmen werden. Das wird Melisande schaffen, keine Frage, aber es wird all ihre Kraft kosten. Was sie nicht interessiert. Nicht im Geringsten. Als wir uns verabschiedeten, lachte sie nur, küsste mich auf die Nase und nannte mich einen alten Schwarzseher, der ihr zu wenig zutraue. Dass ich meinte, ich traue ihr im Gegenteil alles zu, beantwortete sie mit einem Kopfschütteln und einem weiteren Kuss. Was nun wirklich keine Antwort ist, mit der sich etwas anfangen lässt.
Nach Odila fragen Sie. Odila ist bereits in der Nacht aufgebrochen. Nach Bamberg ins Jahr 1615 und wenn ich daran denke, dann wird mir übel. Ich wage gar nicht, mir vorzustellen, was geschehen könnte, fiele sie dem Hexenrichter Gerwin Jacobus in die Hände. So geschickt sie auch handelt, wie umsichtig und bedacht sie auch ist – es ist ihrem Talent eine Grenze gesetzt, von der sie uns nur zögerlich berichtete: Ist ein Mensch nämlich von Grund auf böse oder besonders eigensüchtig, gierig und verstockt, so vermag sie ihn mit ihrer Stimme nicht zu erreichen. Und jener Hexenrichter war ein Mann, wie man ihn sich habsüchtiger, rechthaberischer und mitleidsloser kaum denken kann. Es waren die damaligen Institutsagenten und -agentinnen nicht in der Lage, ihn aufzuhalten. Sechs Frauen und zwei Männer hat er dem Feuer übereignet und ich möchte nicht erleben, wie sich diese Zahl erhöht. Und eben weil Gerwin Jacobus ein so grausamer Mensch war, weiß ich nicht, ob ich froh darum bin, dass Sean seine Schwester begleitet, oder ob dieser Umstand erst recht zur Gefahr für Odila wird. Jacobus hat vollkommen unschuldige Personen ins Feuer geschickt, aber das heißt nicht, er hat kein Gespür für Magie besessen. Und wenn er dieses Gespür besitzt, dann werden ihm die Geschwister O’Malley schnell auffallen.
Weshalb ich diese Zeitreise nicht verbiete? Zum einen wollen wir die ermordeten Männer und Frauen retten; das stand von Anfang an auf meiner Liste. Zum anderen glauben die Geschwister, es hat unseren Herrn Inventoris Kaspar Müller dorthin verschlagen. Wie das überhaupt geschehen konnte – wir wissen es nicht. Er hatte mit jenem Kästchen experimentiert, das Meister Melchior für Odila präpariert hatte und das sie dazu befähigte, zu Platz und Zeit zurückzukehren, an denen sie bereits einmal gewesen war. Womit sie Insabeau von Isselheim zu Madame Robespierre machte und uns damit eine Verbündete geschaffen hat, die nicht ohne Nutzen sein dürfte. So wir ihr trauen können. Wozu ich mich durchgerungen habe. Wie dem auch sei: Herr Inventoris ist verschwunden, das Kästchen blieb zurück und als Sean es aufnahm, trat ihm eine Vision vor Augen, die er Herrn Custodis in so lebhaften Farben zu schildern verstand, dass dieser auf eben jenen Ort und jene Zeit tippte. Wenn Sie jetzt glauben, das sei wunderbar, dann denken Sie bitte nach: Ein Jahr besteht aus mehr als einem Tag und wenn Sean auch von grünen Wiesen sprach, so sind es noch immer viele Monate, die infrage kommen. Sean tat sein Bestes und nachdem Herr Custodis ihn in Trance versetzte, konnte er auch von einem blühenden Apfelbaum und einer milden Wärme sprechen, was für einen Zeitraum von Ende April bis Anfang Mai spräche. Wenn wir denn nicht wüssten, wie lang und hart der Winter 1615 in manchen Gegenden war. Schnee Anfang Mai war keine Seltenheit. So sind Odila und Sean zum 20. April 1615 gesprungen und es kann sein, sie werden Wochen dort verbringen, bis endlich auch unser Kaspar Müller erscheint. Wenn er denn in Bamberg ist!
Wie bitte?Ach so. Ja, das ist ihm zuvor noch geglückt: Die Geschwister sind natürlich blutsverwandt und es benötigte nichts weiter als einer Magischen Silberkette und einiger Tropfen frisch vermischten Blutes, damit Odila ihren Bruder mitnehmen konnte. Ich hoffe sehr, sein Hauszauber wirkt auch in der Vergangenheit, und mehr noch hoffe ich, es werden unsere beiden Jüngsten nicht voneinander getrennt – ohne die Schwester findet Sean nicht zu uns zurück. Und Odila würde niemals wiederkehren ohne ihn.
Ah ja, Sie haben gut aufgepasst; Odila ist mit anderen ihrer Art unterrichtet worden. Und es wäre schön, wären diese anderen Zeitenspringer und -springerinnen von gleicher Wesensart und Begabung wie unsere Odila. Sind sie leider nicht. Keiner und keine verfügt über das Talent der Überzeugung und sie alle sind zu sehr an ihrem eigenen Leben interessiert, als dass man sie in den Dienst der Institute hätte berufen können. Leider. Unterrichtet wurden sie nur deshalb, damit sie mit ihrer Befähigung umzugehen lernen und nicht aus Panik oder Unwissenheit Schaden anrichten. Und damit sie wissen, sie stehen unter Beobachtung und das Entwenden eines venezianischen Goldschatzes beispielsweise werde bemerkt und verfolgt.
Gut. Ich muss Sie bitten, mich jetzt zu verlassen; es stört mich in meinen Unternehmungen doch zu sehr, mich beobachtet zu wissen. Lassen Sie es uns halten, wie es bislang war: Sie erscheinen, wenn ich in einer ruhigen Stunde des Austauschs bedarf, und ich will Ihnen Rede und Antwort stehen, wie Sie es wünschen.
An den Ufern der Flüsse
Doña Clara legte Bastsandalen und Leinenkleid ab und stieg die marmornen Stufen hinunter zum Ufer des Nils. Rückwärts ließ sie sich in die Wogen fallen, genoss, wie der majestätische Strom sie aufnahm, sie umspülte und vorantrug. Ihr langes Haar breitete sich aus, schwang sanft nach links und nach rechts, bis die Urvampira untertauchte, hinabstieß auf den sandigen Grund. Dort nahm sie auf einem Felsen Platz; nicht anders, als wäre sie bei einer englischen Lady zum Fünf-Uhr-Tee geladen. Und nicht viel anders als solch eine Lady kam ein Krokodil heran: Ebenso kritisch beäugte es die Frau und ebenso arrogant neigte es den Kopf vor ihr. Doña Clara lächelte und bat das Tier, näherzukommen. Das Krokodil blieb auf Abstand, die Augen misstrauisch zusammengekniffen.
»Ich nehme es dir nicht übel, edle Tochter des Sobek, es dürfte dir schwerfallen, zwischen mir und anderen Bluttrinkern zu unterscheiden. Sei versichert, ich bin anders.«
Das Krokodil schwamm heran bis auf Armeslänge, weiterhin misstrauisch. »Ich habe dich bereits einmal gesehen.«
»Dein Gedächtnis reicht weit zurück, wenn du mich erkennst. Wer bin ich deiner Meinung nach?«
Langsam senkte das Tier sein schweres Haupt. »Khepri seid Ihr, die Schönste der Töchter des Nils.«
»Khepri ...« Doña Clara schloss die Augen. Schwach nur kehrte die Erinnerung zurück. »Khepri, die Morgensonne. Ja, es mag sein, dies war mein Name. Ein schöner Name, was meinst du, Tochter des Sobek?«
»Er passte zu Euch.«
»Es ist unendlich lange her.«
»Ihr seid unverändert.«
Doña Clara lachte. »Du ahnst nicht, wie falsch du damit liegst. Hast du eine Ahnung, wie viel Zeit vergangen ist seitdem?«
»Wie Ihr sagt: Es ist eine Unendlichkeit vergangen. Niemand hier sieht in meinen Geschwistern und mir noch die Kinder des Gottes Sobek.«
Wieder lachte die Vampira und beugte sich näher an das Krokodil heran. »Ihr solltet bei den Katzen in die Lehre gehen. Wenn auch heute kaum noch jemand den Namen Bastet kennt, so weiß doch ein jeder Mensch, es sind die Katzen von göttlicher Natur.«
»Pah!« Das Krokodil schnaubte und ließ sich endlich zu Füßen Doña Claras nieder. »Keine Kunst ist das. Hätte ich ein weiches Fell und verstünde, meine Waffen zu verbergen, so wollte man auch mir Liebe und Respekt entgegenbringen.«
»An Respekt dir gegenüber mangelt es wohl kaum.«
Es ähnelte das Krokodil nun fast einer Katze, wie es sich zusammenrollte und den Kopf auf seinem Schwanz niederlegte. »Das stimmt allerdings. Und ich denke, es geht Euch und Eurer Art ähnlich.«
»Ja, siehst du, das möchte man meinen. Aber mein Volk ist dabei, erneut in zwei Hälften zu zerfallen. In zwei Hälften, die nie wirklich eins waren, aber doch so erschienen. Den einen mangelt es am Respekt, den sie allein in blanker Todesangst vermuten. Und den anderen fehlt es an Liebe und Lob dafür, dass sie eben keine Todesangst verbreiten.«
»So hätten auch die Bluttrinker von den Katzen lernen sollen.«
»In mancherlei Hinsicht taten sie es.«
»Ich will nicht ungeduldig erscheinen, Khepri, schönste Tochter des Nils, aber was habe ich damit zu tun?«
»Du selbst vielleicht nichts. Aber wie steht es mit deinem Vater? Der Gott des Wassers, der Beschützer gegen Gefahren – weiß er etwas, was von Bedeutung ist für mich?«
»Sobek existiert nicht mehr. Keiner der alten Götter existiert noch und nur Isis ist von den alten Göttinnen geblieben. Unter tausend Namen lebt sie in aller Welt.«
»Du fühlst in dir nichts von Sobeks Macht?«
Das Krokodil streckte sich zu seiner vollen Länge. »Seht mich an. Spricht etwas an mir von göttlicher Macht?«
»Du schätzt dich zu gering. Wünschst du dir die alten Zeiten zurück?«
»Ihr etwa?«
»Ein wenig von dem früheren Glauben täte diesem Land gut, möchte ich meinen.«
Wieder rollte das Krokodil sich zusammen und lehnte sein Haupt gegen Doña Claras Knie. »Ein Leben in den Tempeln, geschmückt mit Gold und Lapislazuli – ich könnte mir das schon denken.«
»So hilf mir und es mag sein, es kehren diese Zeiten zurück.«
»Was soll ich tun?«
»Wie viele Geschwister hast du?«
»Ein knappes Dutzend nur. Die Menschen machen Jagd auf uns, wir stören die Schiffe mit den Reisenden, so sagen sie.«
»So fresst die Reisenden nicht, das möchte helfen.«
»Wer will das schon? Aber müssen die Menschen sich so breitmachen, dass wir kaum noch wissen, wie wir uns erhalten können?«
»Ich werde das an passender Stelle weitergeben.«
»Was also sollen wir tun?«
»Sammelt euch am Ufer dort, von wo aus ihr die Pyramiden am klarsten sehen könnt.«
»Ihr wollt nicht, wir schleppen uns durch die Wüste? Wir brauchen den Fluss.«
»Oh ja, den braucht ihr. Und den werdet ihr mit euch nehmen.«
»Ich verstehe nicht, was Ihr, Khepri, Schönste Tochter des Nils, von mir wollt.«
»Es ist sehr einfach. Das Einzige, was ihr mitbringen müsst, ist der Glaube. Glaube an euch selbst, an Sobek, euren Ahnherrn, und an die Magie.«
»Daran wird es nicht mangeln. All das lebt noch immer in uns.«
»Und über noch eines müsst ihr verfügen: den Wunsch, das Gute gegen das Urböse zu verteidigen.«
»Die Menschen sehen in uns das Böse.«
»Vielleicht. Und gewiss haben sie Sobek deshalb zum Gott gemacht. Sie wollten ihn versöhnen, ihn milde stimmen. Doch habt ihr auch immer wieder bewiesen, wie ihr Gefahren abwendet. Tut es auch dieses Mal und ich verspreche euch, es werden zumindest die Zauberinnen euch ein gutes Leben verschaffen.«
Wieder kniff das Krokodil die Augen zusammen. »Ihr sprecht von den Zauberinnen, die tief unter dem Sand noch immer in ihren Tempeln leben? Legenden sind das, nichts weiter.«
»Ich war dort. Und wenn uns gelingt, was gelingen muss, so werden sie wieder aufsteigen und ihren Platz einnehmen, wie er ihnen gebührt. Mit euch an ihrer Seite. Eine Oase inmitten der Wüste, Gold und Lapislazuli, Nahrung, Respekt und Liebe, was immer ihr wünscht – ist das der Mühe wert?«
»Wann sollen wir uns sammeln?«
»In der Sekunde zwischen Tag und Nacht.«
Ohne ein weiteres Wort entfernte das Krokodil sich. Doña Clara schwamm zurück an die Oberfläche und entstieg dem Nil mit einem Lächeln. Sah um sich und nickte Anwar Mansor zu, die auf den Stufen stand. »Madame, Sie sind pünktlich.«
»Doña Clara? Sie sind verwandelt.«
»Ich habe geschlafen. Zum ersten Mal seit über dreitausend Jahren. Hier, in meiner Heimat. Das danke ich euch und den Zauberinnen, die den Bann von mir nahmen.« Die Urvampira ging gelassen auf die Direktorin des Ägyptischen Reichs zu, zog sich in aller Ruhe an. »Khepri. So heiße ich von jetzt an wieder. Finden Sie es passend?«
Frau Mansor musterte ihr Gegenüber. Trotz deren dunkler Haut, ihrer schwarzen Augen und dem schwarzen Haar ging ein Strahlen von ihr aus, das an die aufgehende Sonne erinnerte; es lag etwas wie ein Schein der Hoffnung um sie herum, das gut zu ihrem neuen und alten Namen passte. Jung und alt zugleich schien diese Khepri, sie ähnelte einem Menschen so sehr wie einer Statue aus Basalt, war sowohl gemessen in ihren Bewegungen wie auch blitzschnell. »Sie sind faszinierend. Eines Tages möchte ich mit Ihnen auf der Terrasse sitzen und hören, wie es damals war.«
Khepri lächelte, legte einen Arm um Frau Mansors Schulter. »Aber meine Liebe, Sie wissen doch alles. Haben Sie niemals in den Spiegel geschaut? Haben Sie sich nie gefragt, wie es kommt, dass Ihr Gesicht dasjenige ist, das bis heute Ägypten prägt? Hören Sie nicht immerzu, wie in Ihnen die Königin Nofretete fortzuleben scheint?«
»Das hören viele Ägypterinnen. Ich bilde mir auf diese Ähnlichkeit nichts ein und noch weniger hilft sie mir, die alten Zeiten zu begreifen.«
Prüfend betrachtete Khepri die Direktorin, dann lachte sie leise auf. »Schieben wir diese Erkenntnis auf, bis die Welt gerettet ist, ja?«
»Ich -«
»Nein, meine liebe Anwar, Sie haben lange schon ausgeharrt, es kommt auf einige Wochen oder Jahre nicht mehr an.«
»Aber -«
»Pscht. Es ist nicht von Bedeutung. Waren Sie bei der Pyramide?«
»Die Spitze bröckelt schneller und schneller.«
»Und der Strom der fremden Macht?«
»Ich spüre ihn eisig heranziehen. Und da ist ein Rauschen, das mir fast zu sprechen scheint.«
»Oh, ich bin sicher, es spricht.« Liebevoll umarmte die Vampira die Direktorin. »Sie werden den Kindern Sobeks den Weg weisen. Zeigen Sie keine Angst, begegnen Sie Ihnen mit Freundschaft.«
»Ich soll Krokodilen Freundschaft bezeigen?«
»Ja.«
Frau Mansor schluckte. Ihr wären Katzen lieber gewesen, das war deutlich zu spüren. »Wo und wann?«
»Gehen Sie, meine liebe Anwar. Gehen Sie gen Norden. Sie werden zur rechten Zeit am rechten Platz sein.«
»Aber -«
»Es werden Muhme, Mutter und Mädchen ebenfalls dort sein.«
»Die drei Zauberinnen? Aber -«
Streng klang Khepri, als sie Frau Mansor daran erinnerte, es solle gerade ihr als Direktorin eines Magischen Bereiches Magisches nicht gar so fremd erscheinen. Die seufzte leise auf, fasste nach dem Schutzamulett, das ihr von Professor Olivero gesandt worden war, und machte sich auf den Weg.
Genau 3.325 Kilometer nördlich auf demselben Längengrad hob Igor Tokolew die Brauen. »Sieh nur an, ein MacDougall, der fließend Russisch spricht. Erstaunlich. Sie sind aus der Art geschlagen, wozu ich Sie nur beglückwünschen kann.«
Lionel MacDougall zuckte die Schultern; sichtlich darum bemüht, sich seinen Stolz über das Kompliment nicht anmerken zu lassen. »Und Sie also sind der berühmte Älteste der Tokolews.«
»Berühmt gar. Was soll ich sagen? Nicht ohne Grund. Was meinen Sie?« Um Bescheidenheit hatte Igor sich noch nie bemüht und er fing jetzt nicht damit an. Breitbeinig stand er vor dem jungen Schotten, gewandet in weite Hosen, hohe Stiefel und einem reichbestickten Hemd, auf das sein dunkles Haar wellig niederfiel. Seine kräftige Statur wirkte in der traditionellen Kleidung noch imposanter als in den eleganten Anzügen, die er sonst zu tragen pflegte. Die russische Tracht hatte er offenbar mit Bedacht für diesen Anlass gewählt.
Auf Lionel zumindest machte er tiefen Eindruck; Bogdana Philippi hingegen schien ihn kaum zu bemerken. Weswegen Igor sich ihr zuwandte und fragte, ob er sie später zu einem intimen Diner einladen dürfe. Ihre Abfuhr nahm er mit einem Lachen hin, wollte wissen, ob sie etwa Absichten auf den Schotten habe.
Karel räusperte sich. »Macht das später unter euch aus. Können wir uns bitte mit dem beschäftigen, was dringlicher anliegt?«
»Dringlicher als die Liebe?« Igor lachte und zwinkerte Rasputin zu, der die Augen verdrehte und dem neu gewonnenen Bundesgenossen einen leichten Stoß versetzte. »Weshalb eigentlich ist Swanhild nicht hier?«
»Ist in Bonn und versucht sich an der Rettung Mathilda Reichenbachs.«
Schon stand Igor dicht vor Karel, schnupperte gar an ihm. »Ist es also wahr? Sie hat dich zurückgeholt von den Toten?«
»Ungefähr so war es, ja.«
»Und aus Karel, dem Starken, ist Karel, das Mäuschen, geworden?«
Dieses Mal ging Rasputin dazwischen, wies auf die starr vor ihnen stehenden MacDougalls und Reichenbachs. »Wir könnten sie zumindest abtransportieren.«
»Wozu? Sieh dich um, die Menschen bemerken sie nicht einmal.«
»Im Moment noch, aber das kann sich ändern.«
Igor stöhnte. »Wohin willst du sie bringen? Zu mir etwa?«
»Wie wäre es mit dem Winterpalast? Die paar Schritte dürften selbst für dich nicht zu anstrengend sein.«
»Übertreibe es nicht, alter Freund. Ich habe mich auf eure Seite gestellt, aber das heißt nicht, dass du mir keinen Respekt schuldest.«
Jetzt war es Bogdana, die stöhnte. »Können die Herren ihre Hahnenkämpfe einstellen und sich anderweitig beweisen? Falls es euch entgangen ist: Es kündigt sich Schnee an und wirklich habe ich keine Lust, noch länger in der Kälte zu verweilen.«
Igor hob den Kopf, starrte mit grimmigem Blick in den gräulichen Himmel, der sich keine Stunde zuvor noch blau über die ruhig dahinfließende Newa gewölbt hatte. Vom milden Frühlingstag war nichts geblieben außer dem zarten Grün der Bäume. Und während der Oberste der Tokolews noch hinauf sah, da bewahrheiteten sich Bogdanas Worte bereits: Es schneite und es schneite heftig. Binnen weniger Sekunden wirbelten dicke Schneeflocken auf die Szenerie herab, setzten sich auf Haare, Schultern und Nasen. Sie schmolzen dort nicht, sondern blieben, wo sie waren, überzogen die Gesichter der hier Versammelten mit einer schimmernden Eisschicht, die deren Schönheit noch betonte. Was die Strigoi nicht einmal bemerkten; nur Bogdana fröstelte und wischte ungeduldig über Wangen und Stirn.
»In den Winterpalast also!«, entschied Igor und schulterte ohne jegliche Anstrengung zwei besonders aparte Strigoifräulein der Reichenbachs. Keine zwanzig Schritte waren es für ihn, keine fünf Sekunden brauchte es, sie in das Schloss zu bringen, und keine vier Minuten später standen beide Clans im Thronsaal, noch immer unbewegt und teilnahmslos.
»Wir sollten Feuer anzünden«, schlug Bogdana vor. »Sie alle sind eisiger, als sie es sein sollten.«
»Sind sie der Mühe wert?«, fragte Igor.
Keiner antwortete ihm. Rasputin trug Mobiliar zusammen, Bogdana entzündete es mit einem Schnippen; ein Talent, das sie besonders hoch schätzte, fror sie doch leicht, wie es alle Philippi taten, waren sie fern ihrer eigenen Magischen Quelle.
»Vorsicht, Vorsicht, schönes Kind, oder wollen Sie ganz Petersburg niederbrennen?«
»Sind Sie immer so widerlich herablassend? Ich kann mit meiner Gabe ebenso gut umgehen wie mit aufdringlichen Strigoi.«
Lachend trat Igor einige Schritte zurück, breitete die Arme aus, als wollte er sagen, sie solle nur auf ihn zielen, es mache ihm nichts aus. »Wie steht es also, Fräulein Philippi? Ziehen wir uns zurück?«
Er hatte seine Frage noch nicht beendet, da stand er schon mit dem Rücken zur Wand und spürte Rasputins Hand an seiner Kehle. »Reiße dich einmal zusammen, tu mir den Gefallen! An Gespielinnen mangelt es dir nicht, also lass Fräulein Philippi in Ruhe!«
Gelassen schob Igor seinen Landsmann von sich und verbeugte sich vor Bogdana, entschuldigte sich sogar. »Wie geht es weiter, meine Freunde? Was habt ihr vor?«
»Wo ist die Calibrini?«
»Rasputin, bitte. Ich sagte es bereits: Ich weiß es nicht. Sie war starr vor Schreck, als die Geister ihrer Opfer sie umstanden. Meine Männer und ich nutzten die Gelegenheit; wir retteten die Zarenfamilie und das war das Letzte, was ich von ihr sah.«
»Es fällt mir schwer, das zu glauben.«
»Nicht mein Problem. Was denkst du? Dass ich dieses Weib unter mein Dach gebracht habe, nachdem ich eben noch die Zarin vor ihr retten konnte? Die übrigens eine dritte Tochter geboren hat. Süßes Ding, die Kleine, wenn auch sehr winzig. Die Aufregung hat sie zu früh auf diese Welt kommen lassen, aber meine eigene Tochter kümmert sich um sie.«
»Wie rührend. Wo ist die Calibrini?«
»Hörst du schlecht? Ich weiß es nicht. Ich hatte damit zu tun, Alexandra und ihre Familie zu retten.«
»Dann hast du nichts dagegen, wenn ich mich bei dir umsehe?«
»So also sieht es aus, wenn man sich mit dir verbündet?« Igor lehnte lässig an der Wand und gab sich enttäuscht.
Was Rasputin nicht kümmerte. »Ich schlage vor, wir beide machen dem Zaren unsere Aufwartung, während Fräulein Philippi, Lionel und Karel hierbleiben und auf Swanhilds Anweisungen warten.«
»Und unter Aufwartung verstehst du die Durchsuchung meines Heims?«
Rasputin antwortete nicht. Grinsend marschierte Igor an ihm vorbei, küsste Bogdana die Hand und schwang sich in seiner Form als Fledermaus in die Lüfte. Er flatterte geradezu übermütig vor dem Fenster auf und ab und laut kichernd folgte er Rasputin, sobald der seine Bussardschwingen ausgebreitet hatte und an ihm vorbei hoch in die Wolken schoss.
»Wir können wohl davon ausgehen, dass sie erst noch einige Streitigkeiten ausfechten werden, bevor sie landen?« Bogdana seufzte.
Die Herren schmunzelten und stimmten ihr zu.
»Gut. Karel, kannst du Swanhild erreichen? Ich nämlich sehe und höre sie nicht.«
Doch auch er hatte kein Glück. »Es kommt mir so vor, als halte sie mit jemand anderem Kontakt.«
»Doña Clara vermutlich.« Bogdana versuchte es nun mit ihrem Bruder Darian, der bei Swanhild in Bonn verblieben war. Doch es war kein Durchkommen und so ließ sie sich ein wenig ermüdet auf eine Polsterbank sinken, von wo aus sie die etwa fünfzig Strigoi betrachtete, die nach wie vor starr und unbewegt einander gegenüberstanden. »Es will mir nicht gefallen, sie sich selbst zu überlassen. Die Calibrini wird sie nicht verloren geben und -«
»Vielleicht hat Igor sie getötet?«
»Diesem Angeber sollte gelungen sein, was wir alle uns nicht zutrauen?«
»Täusche dich nicht in ihm. Hinter seiner Arroganz verbirgt er nicht etwa Unfähigkeit, sondern mehr Stärke, als Mathilda und Angus gemeinsam aufbrachten.«
»Aber wenn er sie getötet hätte, dann hätte er all ihre Macht erworben. Und Mathildas Unfähigkeit, sich auf ein Thema zu konzentrieren. Das hätten wir bemerkt.«
Lionel setzte sich neben sie und rückte schüchtern näher heran, als sie ihn dazu aufforderte. »Was also glaubst du: Wo ist Gabriella?«
»Sie ist entweder geflohen und heckt etwas aus. Oder aber Rasputin misstraut Tokolew zu Recht und er hält sie gefangen. Ich neige zu Letzterem.«
»Du kannst ihn nicht leiden?«
»Er ist mir zu unwichtig, um irgendein Gefühl an ihn zu verschwenden. Ich bevorzuge Männer, die trotz besseren Charakters weniger von sich überzeugt sind.«
Diskret entfernte sich Karel von den beiden jungen Strigoi, wanderte durch die Reihen der versteinerten Reichenbachs und MacDougalls, suchte nach Anzeichen des Erwachens, des Verstehens. Und fand so wenig, wie auch Tokolew zuvor gefunden hatte. Hier ein schwacher Wimpernschlag, dort eine flüchtige Röte in den Wangen, gelegentlich ein leises Seufzen und bei den jüngeren etwas wie ein tief innewohnendes Verlangen. Wonach jedoch sie verlangten, konnte Karel nicht erspüren. Freiheit vermutlich. Rache vielleicht. Langsam schritt er an den Unglücklichen vorbei, gab Lionel und Bogdana Zeit, ihre Romanze einen Anfang nehmen zu lassen. Er dachte darüber nach, wie das Institut für Fantastik seinen Auftrag doch sehr ernst nahm: Es musste die Welt ja zwangsläufig eine bessere werden, wenn sich in seinem Wirkungskreis immerzu Pärchen fanden, die binnen weniger Minuten wussten, sie gehörten zusammen.
Endlich drehte er um und unterdrückte ein Lachen, als er Bogdana und Lionel eng umschlungen sah. Das sollte und musste für den Moment genügen, dachte er und klatschte in die Hände. »Es widerstrebt mir sehr, nichts weiter zu tun, als zu warten. Auf was auch? Dass Swanhild eine Idee schickt? Die Calibrini zurückkehrt? Igor einen passenden Zauber findet? Nein, ich denke, es braucht nichts weiter als einen klaren Verstand. Bogdana?«
Wirklich stand die junge Vampira auf und zog auch Lionel vom Sitz, schob ihn auf seinen Clan zu. »Wer von ihnen ist Angus’ Nachfolger?«
»Duncan.« Auf einen Hünen von gewaltigen Ausmaßen zeigte er.
»Würde er der Calibrini folgen? Obwohl sie Angus umgebracht hat?«
»Wenn sie ihn dafür den Clan führen lässt? Auf alle Fälle.«
»Wer ist der Nächste?«
»Die Nächste. Dorabella.« Auch sie war überdurchschnittlich groß und selbst nun, da ihr Gesicht bar jeden Ausdrucks war, zeigte sich ein grausamer Zug um ihren wohlgeformten Mund.
»Und?«
»Folgen würde sie der Calibrini nicht. Sie würde eher versuchen, es ihr gleichzutun.«
»Gibt es irgendjemanden in deiner Familie, dem wir trauen können?«
»Ainslee und Bonnie. Swanhild hat sie nach Schloss Bran gesandt.«
»Und das war es? Ihr drei seid alles von deinem Clan, was den Strigoi zur Ehre gereicht?«
Lionel schluckte. »Das spricht nicht eben für mich, nehme ich an. Deine Eltern werden mich ablehnen?«
»Sei nicht albern. Dass du bist, wie du bist, spricht für dich ebenso, wie es für Gianbattista spricht, nicht zu sein wie die anderen Calibrinis. Aber es geht nicht um dich und mich, es geht um deinen Clan und was wir mit ihm anstellen sollen.«
»Was bitte könnten wir schon mit dieser Bande anstellen?«
Bogdana Philippi lächelte. »Ich hätte da eine Idee.«
In Gizeh saß Khepri auf der Spitze der Cheopspyramide. Sie lauschte der unsichtbaren Schwärze, die unentwegt wisperte und raunte. Alte Worte waren es. Worte voller Zauberkraft. Worte des Hasses, der Verdammnis und des Todes. Sie sprachen von Blut und Rache und davon, wie es einer bösen Göttin bedürfe, die Welten zusammenzuführen. Ganz entschieden war Khepri der Meinung, es werde Echidna mehr Macht als je zuvor haben, wenn nicht alle Wesen dieser Erde zusammenhielten ohne Ansehen von Herkunft, Überzeugung und Natur. Düstere Aussichten waren das und doch saß die Urvampira entspannt auf der schmalen Plattform und beobachtete das Geschehen voller Neugierde. Dann schloss sie die Augen und antwortete auf Swanhilds Ruf.
Swanhild Serban-Jørgensen lehnte an dem Mäuerchen rund um die Magische Quelle und konzentrierte sich auf Doña Clara. Die sich recht schnell meldete und bat, sie von nun als Khepri anzusprechen; es wohne diesem Namen mehr Kraft inne und es stehe zu hoffen, es werde Echidna sich an ihn erinnern.
Und das soll helfen?
Wir wollen auf nichts verzichten, was uns auch nur eine Sekunde mehr Zeit verschaffen kann.
Wie geht es Ihnen?
Ausgezeichnet. Stark wie lange nicht.
Das ist gut. Mathilda Reichenbach. Ich möchte sie zurück ins Leben holen.
Hat die Calibrini bereits begriffen, wie sie deren Clan zu lenken hat?
Sie ist verschwunden. Ich kann sie nicht spüren.
Sie würden merken, wäre sie tot.
Das heißt was?
Khepri schwieg einige Sekunden, lenkte ihre Aufmerksamkeit in die Welt der Strigoi.
Jemand hat sie in seiner Gewalt. Hält sie in Mauern, die sie verbergen; mit Magie natürlich.
Igor Tokolew?
Dort zumindest verliert sich die Spur der Calibrini.
Darum kümmere ich mich später. Mathilda. Können wir sie zurückholen?
Sie hoffen, sie wird ihren Clan zurückfordern?
Muss sie im Vollbesitz ihrer Kräfte sein, das zu schaffen?
Wir werden es sehen.
Jetzt?
Nur jetzt. Später werde ich keine Zeit finden.
Ich habe keine Gegenstände, die Mathilda etwas bedeutet haben ...
Ich brauche Ihre Hilfe nicht, sie zurückzuholen. Überlassen Sie sie mir.
Heißt das -
Nein, das heißt es nicht. Wenn Echidna sich befreit haben wird, werde ich den Lebensfunken nicht mehr zum Glühen bringen können, bis wir sie besiegt haben. Ihre Freunde müssen sorgsam sein. Wer unterliegt, ist dahin für immer.
Tief verneigte sich Rasputin vor Zar Nikolaus und beglückwünschte ihn zur Geburt seiner Tochter. »Darf ich davon ausgehen, dass Eure Kaiserliche Majestät sich im Hause Tokolew wohl befinden?«
Nikolaus hatte den gestrigen Schrecken nicht gut überstanden; blass und nervös sah er von Rasputin zu Igor. Wisperte dann, er vermute, es sei sein Gastgeber von übernatürlicher Wesensart.
»Aber Eure Kaiserliche Majestät wissen, Ihr teilt unsere Welt mit allerlei Magischen Wesen? Und dass ein Strigoi sich in Kürze mit der Erzherzogin Elisabeth Marie von Österreich-Ungarn verheiraten wird?«
»Es ist etwas anderes, derlei zu wissen oder es zu erleben.«
»Herr Tokolew hat seine Macht eingesetzt, Euch und Eure Familie aus den Klauen einer Vampira zu retten, die keine Rücksicht kennt. Das werdet Ihr ihm nicht vorwerfen.«
»Diese roten Augen! Diese Zähne, der Flug über die Dächer! Diese Kraft!«
»Alles zu Eurem Wohl, daran solltet Ihr denken. Die Zarin ist wohlauf? Eure Töchter ebenfalls?«
»Ja, ja, es geht ihnen so weit gut. Maria, unsere Neugeborene, ist sehr zart, aber Natascha Tokolewna scheint es mit den besten Ärzten meines Reichs aufnehmen zu können.« Der Zar schwankte zwischen Furcht und Bewunderung; er hing mit zärtlicher Liebe an seiner Familie und es war ihm ein jedes Wesen teuer, das sich um sie bemühte.
Igor hatte bis hierher schweigend zugehört, nun trat er vor. »Keiner Eurer Ärzte ist meiner Tochter gewachsen. Großherzogin Maria wird bald schon gesund und kräftig in ihrer Wiege liegen und Euch Freude bereiten.«
Noch immer nervös zwar, doch bemüht, seinem Gastgeber zu gefallen, dankte Nikolaus für die erwiesenen Wohltaten. »Wir möchten Ihnen ungern zur Last fallen, aber die Zarin -«
»Sie braucht Ruhe und Erholung. Und im Winterpalast ist es so lange nicht sicher für Euch, bis wir die Ordnung wiederhergestellt haben werden.« Igor lächelte und setzte sich. Seine Knie stießen an den Oberschenkel des Zaren. Eine Vertraulichkeit, die Nikolaus erschreckte. Mehr noch erschreckten ihn die nächsten Worte seines Gastgebers: »Eine Ordnung, an der die Tokolews ihren Anteil haben werden. Unsere Familie ist alt, unser Stammbaum reicht weiter zurück als jener der Romanows. Mein Wort gilt etwas in den Kreisen der Strigoi und ich halte eine Verbindung unserer Häuser für mehr als angemessen. Was denkt Ihr, Eure Kaiserliche Majestät?«
»Herr Tokolew, ich -«
Igor klatschte in die Hände, der Zar fuhr zusammen. Ein Lakai betrat das Wohnzimmer. »Bringe mir Anatol.« Zum Zaren gewandt erklärte Igor, es sei Anatol sein Enkel, der jüngste Spross der Tokolews. »Ihr werdet ihn mögen, er ist ein entzückendes Kind und wäre der perfekte Ehemann für eine Eurer Töchter.«
»Meine Töchter -«
»Er ist vier Jahre alt. Es wird dauern, natürlich. Ah, seht ihn Euch an. Ist er nicht bezaubernd?«
Anatol Tokolew war bezaubernd. Zart und blond war er, recht hochgewachsen für sein Alter und von einer solch einnehmenden Herzlichkeit, dass Nikolaus ihn mit offenem Mund anstarrte. Wie konnte ein Strigoikind so liebenswert erscheinen?
Der Junge kam heran, er kannte keine Schüchternheit. Nur knapp verbeugte er sich, dann lehnte er sich vertraulich an des Zaren Schulter und flüsterte ihm zu, er erkenne ihn; er sei doch wohl der gute Papa aller Russen? Nikolaus nickte und niemals zuvor war er so willens wie jetzt, sich als eben jener gute Vater zu erweisen, da dieser liebenswerte Knabe ihn als solchen zu sehen wünschte. Als Anatol gar seine Hand ergriff und warmes Glück den Zaren durchflutete, da konnte er sich kaum der Tränen erwehren. Verwirrt machte er sich frei. »Herr Tokolew, was hat es mit Ihrem Enkel auf sich?«
»Ihr wundert Euch. Ich könnte beleidigt sein, dass Ihr die Strigoi so gering schätzt, aber ich sehe es Euch nach. Mein Sohn Dimitri hat eine besondere Frau erwählt. Eine Fee der Insel Avalon und unser Anatol ist das Ergebnis. Was meint Ihr, Eure Kaiserliche Hoheit, welche Eurer Töchter am besten zu ihm passt? Es ist mir nicht darum zu tun, Anatol zu Eurem Erben zu machen; er soll nur eine Stellung in unserer Gesellschaft erhalten, die ihm und uns angemessen ist.«
Der Zar blieb die Antwort schuldig.
»Dann wähle ich Eure dritte Tochter. Die Zarin sagte, sie solle auf den Namen Maria getauft werden? Ein schöner Name. Lasst mich die Großherzogin Maria erziehen, lasst die Kinder zueinanderfinden, auf dass sie nicht nur Mann und Frau, sondern Freund und Freundin werden.«
»Aber die Zarin -«
»Wird zustimmen.« Igor lachte. »Ihr dürft die Hoffnung hegen, es werden beide zu sehr wie Bruder und Schwester werden, als dass sie Mann und Frau werden wollten. Aber das wird nicht geschehen.«
»Aber -«
»So ist es abgemacht.« Igor stand auf, nahm Anatol an der Hand und verließ den Raum. Rasputin verneigte sich vor dem Zaren und folgte dem Verbündeten. Eine Fee aus Avalon also? Weshalb hatte er davon nichts gewusst?
Bogdana Philippi öffnete ihr streng zurückgestecktes Haar, öffnete auch den hohen Kragen, rollte die Ärmel auf bis zum Oberarm und steckte den Rock auf. Und sah zwinkernd zu Lionel, der ertappt den Blick von ihren runden Wanden wandte. »Hat Angus dich so sehr an der Leine gehalten, dass ein wenig Haut dich schon in Wallung bringt?«
»Das gerade nicht«, behauptete der Schotte, dessen Erfahrungen durchaus übersichtlich waren.
Karel verstand seinen Freund gut und bat Bogdana daher, nicht zu spotten. »Er ist verliebt in dich, das ist etwas anderes. Etwas Heiliges geradezu.« Über Lionels Kopf hinweg versuchte er, der Vampira zu verstehen zu geben, er werde niemals verraten, was zwischen ihnen gewesen sei.
Bogdana aber lachte. »Sei nicht albern, Karel. Ich lüge nicht und schon gar nicht werde ich Lionel anlügen. Sag, Liebster, es stört sich nicht, dass Karel und ich für ein oder zwei belanglose Jahre gemeinsam reisten?«
»Ihr ward auf Reisen? Aber das ist ... Oh, ich verstehe.« Still schlug Lionel die Augen nieder, erforschte seine Gefühle. Und fand, es bedeute ihm wahrhaftig nichts. Weshalb auch? Es gab nichts an ihr, was er ändern wollte, da würde er sich nicht über Unwichtiges aufregen; das überließ er den Menschen.
»Du siehst, Karel, du machst dir unnötige Sorgen. Wenn ihr mich nun bitte nicht mehr stören wollt?« Zwei oder drei Sekunden wartete Bogdana ab, dann setzte sie sich auf den Boden, die Beine im Schneidersitz gekreuzt. Sie schloss die Augen, hob die Arme weit über den Kopf und rief stumm nach Monifa. Drei Mal rief sie diesen Namen, dann rasselte sie die Namen ihrer Familienältesten herunter, die heutigen und die vergangengen, bis sie erneut bei Monifa angelangt war. »Monifa, du Erste. Monifa, du Große. Monifa, du Zauberische. Hilf mir heute, hilf mir hier. Sei mein Licht und mein Schatten, führe mich und gib mir an die Hand, was ich benötige.«
Von den Wänden des Saales her breitete sich Dunkelheit aus; langsam erst, schleichend und weich. Je näher sie Bogdana aber kam, desto schneller fraß sie sich durch das bleiche Dämmerlicht. Es blieb ein Kreis um die Vampira, der heller und heller leuchtete und warm erstrahlte. Einer Säule gleich stand dieses Licht in der Dunkelheit, war fast greifbar, so klar grenzte es sich ab.
»Monifa. Hilf.« Bogdana ließ die Arme fallen, legte Kopf und Schultern am Boden ab, die Hände bittend über dem Nacken verschränkt. Etwas senkte sich herab, ein Schleier vielleicht, Rauch oder ein Schwarm winziger Mücken – es war nicht auszumachen. Unendlich sanft legte es sich um Bogdana, umfloss ihre Handgelenke, zog sie auseinander, liebkoste ihre Wangen, streichelte über ihren Rücken. Und war verschwunden. Mit ihm schwand die Dunkelheit und grell breitete das Licht sich aus, blendete Lionel und Karel, die sich abwandten und so nicht sahen, wie Bogdana sich erhob und nun das Zeichen des Lebens in Händen hielt: Ein ägyptisches Ankh, aus Gold gefertigt und so groß wie ein Dolch. An ihre Lippen führte sie es. »Monifa, sei Dank.«
Dann lachte sie. »Ihr könnt die Augen wieder öffnen. Wie steht es: Die Reichenbachs lassen wir zunächst, wie sie sind, ja? Wir wollen keinen unnötigen Kuddelmuddel?«
Lionel wusste darauf keine Antwort; er hatte keine Vorstellung, was seine Freundin vorhatte. Karel allerdings schien etwas zu vermuten, denn er stimmte Bogdana zu. »Ich spüre Swanhild. Warte einen Moment.«
»Mathilda. Wie geht es dir?« Swanhild hielt die Schwankende, die sich umblickte nach allen Seiten und mit verkrampften Händen etwas griff, das nur sie zu sehen vermochte. »Beruhige dich. Du bist zurück.«
»Zurück?« Den Kopf drehte die Oberste der Reichenbachs nach links, nach rechts, tastete dann panisch nach ihren Rippen. Schrie auf, als ihre Finger den zerfetzten Stoff berührten.
Swanhild hielt nichts davon, unangenehme Wahrheiten zurückzuhalten; die Zeit drängte. »Gabriella Calibrini hat dir den Garaus gemacht und deine Talente übernommen. Und unsere Urmutter brachte dich zurück.«
Jetzt endlich hielt Mathilda inne. »Diese Schlampe wird dafür büßen.«
»Du kommst für deine Verhältnisse ungewöhnlich schnell auf den Punkt. Du fragst nicht nach der Urmutter?«
»Später. Wo ist das widerliche Weib?«
»Du meinst die Calibrini gewiss. Aber sage mir, dein Kleid stammt woher?«
»Was soll die dumme Frage?«
»Hast du eine Meinung zu Goethes Ansichten über Frauen? Oder zu Bram Stokers Roman?«
»Bist du übergeschnappt? Habe ich nichts Wichtigeres zu tun, als mich mit solchen Kindereien zu befassen? Wo ist das elende Dreckstück?«
Swanhild seufzte. »Spürst du irgendein Talent in dir?«
Jetzt erst begriff Mathilda, was ihr geschehen war und was die Calibrini ihr genommen hatte. Sie hob die Hände, schüttelte den Kopf, drehte sich um die eigene Achse, fluchte, murmelte Beschwörungen und hämmerte sodann wütend gegen die Wand, als nichts sich tat. »Weshalb habt ihr mich zurückgeholt, wenn ich jetzt nichts weiter bin als ein Mensch?«
Wortlos nahm Swanhild sie am Arm, führte sie hinauf ins Consilium und rief die Ewigen herbei. »Ist Frau Reichenbach zum Menschen geworden, wie es bei Karel war?«
Fräulein Fortunati untersuchte Mathilda gründlich, die das resigniert über sich ergehen ließ. »Nach wie vor Strigoi, würde ich sagen.«
»Aber ich kann nichts von dem, was ich konnte!« Mathilda heulte auf, dann blickte sie um sich, trat ans Fenster, blickte hinaus auf den Rhein. »Wo bin ich?«
»Das tut nichts zur Sache, du bleibst nicht hier. Drei Dinge.«
»Drei Dinge was? Grundgütiger, Swanhild, du machst mich so rasend wie eh und je!«
Swanhild war mit einem Schritt am Arbeitstisch und wieder zurück bei Mathilda. Sie ergriff deren Hand, fuhr mit einem Briefmesser über die Handfläche, tat dasselbe an sich und legte beider Hände fest ineinander. »Spürst du es?«
Seufzend ließ Mathilda sich in einen Sessel gleiten, zog Swanhild mit sich, verstärkte den Druck noch. »Das tut gut.« Abrupt ließ sie los. »Weshalb tust du das für mich? Wir können uns nicht leiden.«
»Ich brauche dich, du brauchst mich. Du willst keine Welt, wie die Calibrini sie möchte. Und noch weniger willst du den blanken Horror, der alles vernichtet, was du liebst.«
»Drei Dinge, hast du gesagt. Was meinst du?«
»Ich habe dich mit meinem Blut gestärkt, das war das eine. Darian Philippi wird dich nach Schloss Bran bringen. Dort kannst du in Sicherheit darauf warten, deine Talente zurückzuerhalten. Du bist eine gebildete Frau – unterrichte, was du weißt.«
»Die Bezahlung -«
»Das dritte: Übertrage mir deinen Clan.«
»Du bist ja wahnsinnig! Was kommt als nächstes? Soll ich im Dreck vor dir kriechen?«
»Tu, was du nicht lassen kannst. Deine Familie steht unter dem Bann der Calibrini und hat keinen eigenen Willen mehr.«
Mathilda erblasste.
»Und die Calibrini kann sich nicht um sie kümmern. Deine Töchter und Söhne, all deine Nachkommen, stehen starr und stumm und werden sterben, wenn sie sich nicht mehr versorgen können. Willst du das?«
Mathilda schloss die Augen.
»Ich vertraue dir. Wenn du mir sagst, du bist stark genug, deinen Clan zu führen, sie klug zu führen, dann bringe ich dich nach Sankt Petersburg.«
Mathilda schüttelte den Kopf.
»Also?«
Mathilda stand auf. Nun war sie es, die ihr Blut gab. Ihr Blut und ihren Clan. »Bitte, opfere sie nicht«, flüsterte sie.
»Im Gegenteil. Ich werde sie stärken, sie alle sollen endlich ihre volle Kraft erhalten.«
»Sie werden mich hassen.«
So viel Menschlichkeit lebte mittlerweile in Swanhild, dass sie Mathilda umarmte und ihr versprach, das werde nicht geschehen. »Wenn wir es überstanden haben werden und du dich würdig erweist, werde ich dich wieder einsetzen als Oberste.«
Mathilda blieb stumm; es schmeckte ihr dieses Versprechen doch gar zu bitter und nur ungern gestand sie sich ein, dass sie der ehemals so verhassten Freiläuferin Achtung entgegenbrachte.
Karel hob die Hand. »Swanhild ist auf dem Weg.«
»Soll ich warten?«
»Wir sollten keine Zeit verschwenden. Was immer du mit den MacDougalls vorhast, tue es jetzt.«
Zu Lionels Bedauern richtete Bogdana ihre Kleidung – sie hatte wirklich herrliche Schultern, die er zu gerne länger bewundert hätte – und baute sich vor dem schottischen Clan auf. Sie zögerte, dann winkte sie ihren Freund heran. »Dir ist klar, was ich tun werde?«
»Nicht im Geringsten.«
»Du vertraust mir völlig? Ich weiß nicht, ob ich gerührt bin oder entsetzt.«
»Angus hat mich mein Leben lang kleingehalten und das bisschen, was ich weiß, hat mir Karel während der letzten Tage beigebracht. Es reicht eben aus, um zu verstehen, wie groß dein Wissen ist.«
»Dennoch.« Mit ruhiger Hand flocht Bogdana ihr langes Haar, steckte es auf, schaute in das Gesicht des Strigoi, mit dem sie ihr Leben – oder doch einen langen Teil davon – zu verbringen gedachte. Sie drang ein hinter seine Stirn, las ungestört in seinen Gedanken, durchstöberte seine Wünsche und Hoffnungen, erforschte seine Talente, die der Ausbildung bedurften, bewunderte, wie er sich trotz der Unterdrückung durch Angus fremde Sprachen angeeignet und seine freundliche Wesensart bewahrt hatte. Lionel MacDougall war eine gute Wahl. In jeder Hinsicht. Sie lächelte ihn an, als er ihre Hand an seine Brust drückte. »Meine Eltern werden sich freuen, dich kennenzulernen. Und die Verbindung unserer Clans wird der Welt nutzen.«
Lionel verstand nicht gleich, dann schrak er zurück. Zeigte auf Duncan und Dorabella. »Ihnen ist es vorbestimmt -«
Ein Stöhnen kam von Karel. »Jedes Schicksal ist veränderbar.«
»Aber sie werden mir niemals folgen, sie -«
»Sie werden, du musst es nur wollen.«
»Karel, ich kann das nicht, ich weiß nicht, wie -«
Ein Schrei aus gut dreißig Mündern unterbrach ihn. Schrill und hoch zerschnitt der Schrei alle Ketten, die die MacDougalls an Angus' Willen gefesselt hatte. Die Kronleuchter zitterten, Spiegel und Fenster klirrten, zersprangen gar. Schnee wehte herein, dämpfte und erstickte den Schrei. Lionel fuhr herum, riss Karel mit sich. Dort stand Bogdana, das Ankh an ihr Herz gedrückt, der rauchige Schatten einer Frau ragte hinter ihr auf. Vor ihr aber lag der Clan der MacDougalls am Boden. Eng an eng lagen sie, als suchten sie Wärme im Rudel.
»Lionel, sprich zu ihnen.«
Zaudernd trat er näher, suchte die Hand der Freundin, bevor er sich aufrichtete und das Wort an die Familie richtete, der er jetzt enger als jemals verbunden war. Auf Duncan und Dorabella richtete er sein Augenmerk; er war überzeugt, sie würden sich gegen ihn auflehnen. Doch nein, es waren diese beiden, die sich aufrappelten und ihre Glieder streckten, um sich dann vor dem jungen Schotten zu verbeugen.
»Wissen sie, was geschehen ist?«, fragte Lionel seine Freundin.
»Vielleicht.«
Dorabella hüstelte. »Wir hätten dich nicht ausgewählt, aber wir folgen dir.«
»Oh. Und ...«
Auch Duncan sprach, erklärte, es müsse der Cousin sich keine Sorgen machen. »Und wenn ich wollte, ich könnte nicht anders.«
Lionel entrang sich ein gequältes Grinsen. »Wunderbar. Ganz wunderbar. Karel, wenn du Swanhild fragen magst, was ich mit dieser Horde jetzt anfangen soll?«
»Wir warten. Und lassen es uns gut gehen bis dahin.« Karel breitete die Arme aus. »Wir könnten es schlimmer treffen, als im Palast der Romanows eine Pause einzulegen.«
Khepri reckte sich. Sie konnte es nicht länger leugnen: Sie freute sich. Nicht auf Echidna, nicht auf das, was die uralte Gegnerin mit sich brachte. Aber nach den Jahrtausenden, in denen sie zu Doña Clara geworden war und von der Welt vergessen wurde, ja, in denen sie bald selbst nicht mehr glaubte, noch zu existieren, wirkte diese drohende Gefahr wie ein Lebenselixier. Sie fühlte, wie sie an Bedeutung gewann, wie ihre Macht überall in der Welt ihrer Nachkommen erkannt wurde. Das gefiel ihr und so überlegte sie, ob sie in Zukunft eine größere Rolle würde spielen wollen. Und entschied sich dagegen. Königskrone, Hofhaltung, ständige Verantwortung wollte sie nicht. Swanhilds Ratgeberin wollte sie sein, diejenige, an die man sich wandte, wenn der Frieden in Gefahr war. Das genügte. Genügte voll und ganz. Sie sah es voraus, wie immer wieder Menschen, Magische Wesen und Strigoi aus dem Gleichgewicht geraten würden, wie sie sich verirrten und verloren. Bis dahin würde sie reisen, vielleicht Zeit auf Avalon verbringen oder bei Drusilius in Finnland. Oder sie machte sich auf die Suche nach den Ordnenden Mächten.
Doch das würde sie später entscheiden. Nach dem hier. Wenn überhaupt. Jetzt begann es, jetzt war die Zeit gekommen, zu handeln. Khepri hob sich in die Lüfte, schwebte der Karawane entgegen, die am Horizont erschien. Welch ein Anblick das war! Anwar Mansur ging voran, die drei Zauberinnen folgten ihr, waren angetan in ihre Festgewänder. Hinter ihnen aber sammelte sich kein Gefolge an Hohepriestern, kein Pharao mit seiner Familie – es waren Sand und Wasser und grünende Natur. Die Töchter und Söhne Sobeks waren um so vieles stärker, als sie es erwartet hatten, stärker auch, als Khepri es vermutet hatte. Sie hatten nicht nur den unterirdischen Flussarm gefunden, sie füllten ihn mit neuer Energie. Es sprudelte die Magie so mächtig, dass Palmen und Binsen auf dem Weg der Krokodile wuchsen in Sekundenschnelle. Und über diesem Wunder zeigte sich ein weiteres, denn der aufgewirbelte Sand drängte sich zusammen, verdichtete sich, sammelte jedes Körnchen ein, bis endlich es Sobek selbst war, der über den Frauen schwebte und mit grimmigem Blick auf die Pyramide der Echidna zuhielt.
Die Direktorin des Ägyptischen Reichs winkte Khepri zu, die sich eilte, an ihre Seite zu gelangen. »Ist es das, was Sie wünschten?«
»Mehr als das. Sie können stolz auf sich sein.«
»Ich weiß wohl, wie wenig Anteil ich an diesem Spektakel habe. Wird Sobek Echidna aufhalten?«
»Das wäre ein zu großartiges Ergebnis. Ich wäre froh, wenn er sie schwächt.«
Anwar Mansor war enttäuscht. »Es kann doch nicht sein, dass wir nichts tun können, um die Katastrophe zu verhindern.« Sie blickte hinauf zur dunklen Pyramide, von deren oberstem Plateau immer mehr Quader stürzten. Wolken zogen sich über der Spitze zusammen und als Sobek nun auf das Grabmal zustürzte, es umrundete als ein Sandsturm von ungeheurer Macht, da verdunkelte sich der Himmel vollends. Blitze gingen hernieder und Regentropfen so groß wie Äpfel prasselten herab. Anwar zog die kindliche Zauberin an sich, griff nach der Hand der Mutter, drängte sich an die Älteste. Sie zitterte, war sie doch mehr eine Frau der Schrift denn der Tat.
Khepri bemühte sich, sie zu beruhigen. »Es wird der Regen dem Wunder Sobeks guttun. Sehen Sie, wie der unterirdische Fluss nach oben tritt, sehen Sie, wie sich Felder und Oasen bilden. Was immer auch sonst geschehen wird – Ihr Land wird gute Ernte einfahren.«
»Als ob mich die Ernte interessiert, wenn wir alle der Hölle übereignet werden!«
Khepri empfand tiefes Mitleid mit der Direktorin, die stärker von der bösen Magie berührt wurde als die Zauberinnen. Der Horror der Echidna wirkte auf sie ein, weckte ihre Ängste, spielte mit ihrer Fantasie. Da half der Gedanke an Brot natürlich nicht. Khepri ging an ihr vorbei, hin zu dem Bächlein, das trotz der bösartigen Atmosphäre munter plätscherte. Dort kniete sie nieder und rief nach den Kindern des Sobek. Eines nach dem anderen erschien an der Oberfläche und eines wie das andere erkannte das Wunder, das sie geschaffen hatten mit den Zauberinnen, sahen auch ihren Vater und wie er das Böse daran hinderte, allzu schnell in die Welt zu fahren.
»Das war wohl getan, Töchter und Söhne des Sobek. Schwimmt zurück, sucht einen Platz, der euch behagt, und ich bin sicher, die Zauberinnen werden ihn zu eurem Heiligtum machen.«
Die Älteste kam hinzu, erklärte das Werk für begonnen und bat um Geduld. Jedes Krokodil küsste sie zwischen die Augen, strich mit leichter Hand über Kopf und Rücken. »Ehre sei Sobek und seinen Kindern. Kein Leid wird euch geschehen, so ihr kein Leid zufügt. Was ihr tut, soll euch begegnen doppelt und dreifach. Ist getan, was getan sein muss, so wird ein Tempel entstehen, der prächtiger nicht sein könnte. Glück und Liebe sollen dort überreich euch begegnen.«
Nun kam das Mädchen ebenfalls zu ihnen und nahm Platz auf dem Rücken des Krokodils, mit dem Khepri vor Stunden gesprochen hatte. »Schützt ihr mich, so schütze ich euch.«
Ohne Angst sahen Mutter und Älteste der Kleinen nach, wie sie inmitten der Krokodile in das Bächlein stieg und untertauchte, weit hinab zu den unterirdischen Wassern der alten Legenden. Wo immer das Kind war, es war in Sicherheit. Sehnsüchtig blickte Anwar Mansor ihnen nach, doch als Khepri ihr anbot, sie ebenfalls fortbringen zu lassen, lehnte sie ab. So viel Mut möge man ihr zutrauen, das Ende zu ertragen.
Die vier Frauen standen Hand in Hand, den Blick fest auf die Pyramide der Echidna gerichtet. Sie störten sich nicht an der Sintflut, die auf sie hinabging, sie widerstanden dem Schlamm, der reißend sich um ihre Füße wandt, sie verschlossen ihre Ohren vor der Bösartigkeit, die zischend und schrill von Tod und Verderben sprach. Stein um Stein löste sich auf in Staub, schneller und schneller baute das Grabmal sich ab, wie Sobek auch versuchte, das Gemäuer beisammenzuhalten und den Hass in alle Winde zu zerstreuen. Und endlich, in einem Augenblick der Ewigkeit, war da nichts mehr als eine einzige Kammer. Flach nur, nicht einmal zwei Meter hoch, erhob sie sich aus dem übel riechenden Matsch. Eine schlichte Holztür, nichts sonst stand zwischen Echidna und der Welt, und auf diese konzentrierte sich nun alle Aufmerksamkeit. Hierhin schauten die Frauen unverwandt, dorthin warf sich Sobek, dort auch schlugen die Blitze ein, der Regen und der Strom der bösen Worte flossen an diesen Ort.
Doch die Zeit verging und nichts weiter geschah. Fast kam es Khepri lachhaft vor, wie das Unwetter so dramatisch tobte und die Bühne bereitete für den Auftritt einer grausamen Todesbotin. Die nicht erschien. Ja, sie musste wahrhaftig lachen, stellte sie sich doch vor, wie nun bald die Souffleuse vor den Vorhang trat und das Fehlen der Hauptdarstellerin entschuldigte. Aber konnte wirklich nichts Schlimmeres geschehen sein, als dass ein Paar Strohsandalen ruiniert zurückblieb?
Jetzt wurden auch die Zauberinnen und Anwar Manson unruhig. Und brachen in hysterisches Gelächter aus, als Khepri meinte, es klemme womöglich die Tür. Die Älteste glaubte, es habe Sobek seine göttliche Macht zurückerlangt und Echidna in ihre Schranken verwiesen. Was, so dachte Khepri, so gar unwahrscheinlich nicht war. Wenn die Ordnenden Mächte nicht mehr an ihrem Platz waren, so mochte das sandige Abbild eines Gottes genügend Kraft an sich nehmen, um den alten Glauben der Menschen zu verkörpern. Ein kompliziertes Ding war es mit den Religionen, zu kompliziert, um sich nun damit zu befassen.
»Ihr bleibt hier.« Khepri flog auf. Es reichte ihr der Gedanke, um zu fliegen, und doch kam sie nur mit Mühe voran. Weniger waren es Sturm und Regen, die sie hinderten, es war die schwarze Atmosphäre, die ihr zusetzte. Höher hinauf schwang sie sich, atmete über den Wolken tief ein und landete gleich darauf auf der rückwärtigen Seite der Kammer. Eine Närrin schalt sie sich; sie hätte wissen müssen, dass Echidna in ihrem Gefängnis nicht nur Kraft gesammelt, sondern ebenso ihre Taktik verändert haben mochte. Wie viel hatte sie dort unten von der Welt mitbekommen? Hatten sich ihre bösen Gaben im gleichen Maße verfeinert, wie es für diejenigen Doña Claras galt? Hatte Echidna gesehen, was aus den Bluttrinkern geworden war? Oder gab es jemanden, der ihr half, der sie wiederbelebte? Khepri fragte sich, ob sie selbst dieser Jemand gewesen sein könnte. Sie hatte Swanhild von Echidna erzählt und sie somit ins Bewusstsein der Vampira geholt. Hatte das gereicht, um diese bösartige Kreatur ins Leben zu bringen? Oder war es nur ein Puzzleteilchen von vielen?
Sie bückte sich und rief Sobek heran. Erstaunt ließ er ab von seinem Tun, landete neben ihr in seiner Darstellung als Mann mit Krokodilkopf, war aus Fleisch und Blut. Und Zorn. »Wo ist die Verdorbene?«
Khepri wies auf die runde Öffnung in der Wand. »Man könnte sagen, sie ist hinter den Kulissen verschwunden.«
»Was soll das bedeuten?«
»All das war nichts als Theater. Sie hat uns eine Aufführung geboten, hat uns abgelenkt. Wir haben sie unterschätzt.«
»Ich hätte sie bemerkt, wäre sie herausgekommen!«
»Hättest du das wirklich? Berauschst du dich nicht vielleicht zu sehr an deiner Rückkehr?« Khepri seufzte. »Bringe die Frauen hierher, sei so gut.«
Er war sich in seiner göttlichen Würde nicht zu schade, ihrem Wunsch zu folgen; nur Anwar Mansor wäre es lieber gewesen, nicht innerhalb eines Moments von einem Platz zum nächsten gewirbelt zu werden. Etwas benommen stützte sie sich auf Khepri und verstand nicht sogleich, was geschehen sein musste. Die Älteste aber trat an die Öffnung und ließ das Innere der Kammer hell erleuchten. Sie alle beugten sich hinein.
»Wie ich sagte: Sie ist fort.« Khepri sprach gelassen, sie neigte nicht dazu, mit der Vergangenheit zu hadern und läge diese auch keine Stunde hinter ihr.
Anwar zeigte auf den zerborstenen Sarkophag. Er war nicht leer. Eine Frau lag dort oder das, was einmal eine Frau gewesen war. Ein von ledriger Haut überzogenes Gerippe war es, bedeckt mit den Fetzen eines Leinenkleides. Rötlich-schwarzes Haar, einstmals gewiss glänzend, knäulte sich verfilzt über den knochigen Schultern; die Hände lagen über der Brust. »Wir haben uns umsonst gesorgt. Das dort kann uns nichts tun.«
Die Mutter aber schüttelte den Kopf. Und schlüpfte hinein in die Grabkammer, fuhr mit den Fingerspitzen über den Sarg, berührte auch die Tote. »Es ist diese Hülle einstmals Merit-Re gewesen.«
Erleichtert seufzte Anwar auf, meinte, es hätte die Welt schon genug Sorgen, als dass man sich auch noch mit der Wiederauferstehung der Plagenherrscherin herumschlagen müsse. Doch die Mutter schüttelte abermals den Kopf. »Merit-Re war von Herzen gut. Was aus ihr wurde, ist nicht ihre Schuld. Es war nur ihr Körper, der blieb, und Echidna ein Heim bot. Ein Heim, das die Verdorbene verlassen hat.«
Es kletterte auch die Muhme in die Kammer und mit sanften Händen hob sie die Tote an, bat die Tochter, ihr zu helfen. Aus dem Sarkophag nahmen sie Merit-Re, brachten sie hinaus, trugen sie an das Flüsschen und betteten sie auf das üppige Gras in den Schatten der Palmen. Das Unwetter hatte sich verzogen, die Atmosphäre war rein und klar.
»Was haben sie vor?«, fragte Anwar.
»Sie werden Merit-Re auf ihren ewigen Frieden vorbereiten.«
»Was man schon einmal tat vor Tausenden vor Jahren.«
»Bis ich mich verleiten ließ, sie zurückzuholen, ja. Aber die echte Merit-Re irrte umher in der Dunkelheit ohne Hoffnung auf ein gutes Leben nach dem Tode. Ich wusste nicht, dass ich ihr das antat.«
»Wir wissen jetzt nicht, ob es so war.«
»Wäre Merit-Re zu Echidna geworden, wie wir es glaubten, so hätte sie deren Körper nicht verlassen können.«
»Weshalb hat sie ihn nicht früher verlassen? Bevor man sie vergrub?«
»Das ist eine gute Frage.«
Dann schwiegen sie und beobachteten, wie unter den Beschwörungen der Zauberinnen das Haar der Toten sich entwirrte, seidig und weich über die Wiese sich ausbreitete. Es rundeten sich die Wangen, es öffneten sich die verkrampften Hände, es glättete sich die Haut, es kehrten Schönheit und Jugend zurück. Dann schlug Merit-Re die Augen auf, blickte in das Grün und Blau über ihr. »Frei. Endlich frei«, flüsterte sie. Sie lächelte, dankte der Göttin Isis und den Zauberinnen. In Frieden starb sie. Anwar Mansor weinte. Was Khepri rügte. Es habe Merit-Re die ewige Seligkeit verdient und unendliches Glück nach all den Qualen, die sie zu erdulden hatte durch ihre Schuld. »Bereitet sie für die Reise vor; ich werde sie fortbringen an einen Platz, an dem sie ihr gutes Werk vollenden kann. Sobek, ich danke dir für deine Hilfe.«
Damit verließ Khepri die Gruppe. Zur Kammer begab sie sich noch einmal und suchte nach den Spuren Echidnas. Und jetzt, da Matsch und Schlamm verschwunden waren, sah sie die Abdrücke zarter Frauenfüße, die nach Norden führten und nach wenigen Metern im Sand sich verloren. Doch wie konnte das sein? Wenn Echidna Merit-Res Körper aufgegeben hatte, auf wessen Füßen wandelte sie jetzt? Und was hatte sie vor?
Der Sturm zieht auf
Erschöpft zwar, doch zufrieden mit ihrer Arbeit stieg Melisande spät in der Nacht aus dem Fiaker und grüßte den Portier des Hotel Sacher, der diensteifrig wie stets vorsprang und das Gepäck aus dem Fond hievte. »Ja mei, dös Fräulein Meyerbrinck ist schon wieder da. Hatten’S net gesagt, Sie kämen so bald net zurück?«
»Mein lieber Mayer, was soll ich machen, wenn unsere gute Erzherzogin mich rufen lässt?«
»Sagen’s, gnädiges Fräulein, ist es denn wahr, was man so hört? Der Herr Balan-Mérémière, der ist also wirklich so einer, von dem man in der Schule gelernt hat? So ein Untoter, ja?«
»Oh, glauben Sie mir, er ist alles andere als untot. Ausgesprochen lebendig ist er und ein hervorragender Tänzer, der in jeder Uniform eine gute Figur macht. Mit dem wird Österreich Staat machen wie nie.«
»Und müssen wir da nicht Angst um unsere Erzsi haben?«
»Angst, Herr Mayer? Mit einem solchen Mann an ihrer Seite? Niemals.« Absichtlich verstand sie ihn miss und etwas verlegen hüstelte der Portier, fragte aber dennoch, ob der zukünftige Herr Prinzgemahl seine Blutgier unter Kontrolle habe.
