Glückskatze Laura - Doris Meissner - E-Book

Glückskatze Laura E-Book

Doris Meißner

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Beschreibung

Katzen begleiteten Doris Meissner schon in Ihrer Kindheit. Die Katzen lieber Freunde waren die Auslöser, die den Wunsch wieder bei ihr weckten, nach über dreißigjähriger Abstinenz wieder eine eigene Katze im Hause zu haben. Die Autorin wuchs in den 60er-Jahren im Hohenloher Land auf einem Bauernhof mit einer Vielzahl von Tieren auf. Schon in ihrer frühesten Kindheit faszinierten sie die Samtpfoten, auf deren Spuren sie viel Zeit verbrachte. In der Familie wusste sie immer als Erste, wo die geliebte Mieze ihre Jungen versteckt hatte. Doris Meissner wurde deshalb von ihrer Mutter auch "Katzenmutter" genannt. Stunden und Tage verbrachte sie damit, die Katzen zu beobachten. Dadurch gelang es ihr, den Lockruf der Mutterkatze für ihre Jungen so täuschend echt zu imitieren, sodass die jungen Kätzchen nach wenigen Minuten aus ihrem Versteck krochen. Ja, die Katzen hatten so großes Vertrauen zu der Autorin, dass einmal eine Katze auf ihren Schoß ihr Junges zur Welt gebracht hat, als sie gerade mit dem Melken der Kühe beschäftigt war. Freuen Sie sich nun auf die Glückskatze Laura, die ganz unverhofft ins Leben der Autorin tritt, als sie vor ihrer Terrassentüre auftaucht. Erleben Sie mit, wie Laura durch ihr Wesen eine innige Verbundenheit mit der Erzählerin schafft und ihr Leben bereichert hat, wie es wohl nur Samtpfoten können. - Liebe Leserinnen und Leser, mit jedem verkauften Buch unterstützen Sie den Deutschen Tierschutzbund mit einem Betrag von 1,- Euro. Vielen herzlichen Dank dafür.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 176

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Doris Meissner

Glückskatze Laura

Copyright: © 2015 Doris Meissner

Lektorat: Erik Kinting / www.buchlektorat.net

Umschlag & Satz: Erik Kinting

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

1. Erste Begegnungen

Nach all dem Auf und Ab in meinem Leben ist nun endlich etwas Ruhe eingekehrt. Mit Mitte dreißig hatte ich noch mal die Schulbank gedrückt, um eine zweite Ausbildung als Groß- und Außenhandelskauffrau zu absolvieren. Diese habe ich nun mit Erfolg abgeschlossen und mittlerweile auch einen guten Job gefunden. Außerdem habe ich erneut geheiratet, mit meinem Ehemann eine Wohnung gekauft und diese eingerichtet. Sie liegt in einem Wohnviertel, das in den 50er-Jahren entstanden ist. Es ist eine ruhige Lage mit viel Grün drum herum.

Das erste Mal in meinem Leben habe ich den Eindruck, dass ich auf einem guten Weg bin. Ich hatte mich entschieden, mir eine eigene Existenz im schönen Schwäbisch Hall aufzubauen und niemand hat mich in meiner Entscheidung beeinflusst. Mein Ehemann ist mir in die Kleinstadt gefolgt, weil sie ihm ebenfalls auf Anhieb gefallen hat. Ich bin zufrieden und glücklich. So gut ist es mir noch nie gegangen. Hoffentlich bleibt mir das Glück gewogen.

Mein Ehemann Wolfgang und ich fühlen uns richtig wohl in Schwäbisch Hall. In unserer Freizeit besuchen wir Kochkurse. Hier lernen wir nicht nur sehr gute italienische Küche und Wein kennen, sondern auch sehr nette Leute. Mit einem Ehepaar kommen wir näher in Kontakt. Wir kochen des Öfteren zusammen und dabei lernen wir ein weiteres Ehepaar kennen. Beide Paare haben Katzen. Auch mein Arbeitskollege hat zwei Maine-Coon-Katzen.

Ich bin auf dem Heimweg von meiner Arbeit und biege mit dem Auto in unsere Straße ein. Gerade mal dreißig Meter entfernt sehe ich eine dreifarbige Glückskatze. Wie ich sie so erblicke, denke ich: Das ist mal ein schönes kuscheliges Tier. Die gefällt mir, die ist süß! Am liebsten würde ich sie auf der Stelle streicheln.

Die dreifarbigen Katzen waren schon in meiner Kindheit immer meine Lieblinge. Mit Puppen hatte ich nie gespielt. Tiere hatten immer den Vorzug bei mir. Ich wollte etwas Lebendiges um mich haben, einen treuen Begleiter an meiner Seite. Von meiner Mutter wurde ich immer als Katzenmutter betitelt. Stundenlang konnte ich mich mit ihnen beschäftigen, um ihr Verhalten zu studieren. Ich wusste immer als Erste in unserer Familie, wenn die Katze Junge hatte und wo ihr Versteck lag. Ich war sogar imstande, den Ruf der Katzenmutter zu imitieren, sodass die Jungkätzchen aus ihrem Versteck krochen. Seit über zwanzig Jahren hatte ich nun keinen Kontakt mehr mit Katzen. Ich weiß nicht einmal so recht, warum ich so vollständig das Interesse an ihnen verloren hatte – Tiere waren doch immer mein Ein und Alles. Wahrscheinlich waren es die Sorgen ums eigene Dasein, der allzu frühe Auszug aus meinem Elternhaus und noch so einiges mehr, weshalb ich die Liebe zu den Tieren nicht mehr für mich wahrgenommen, womöglich sogar unterdrückt hatte.

In den nächsten Wochen sehe ich in der unmittelbaren Nachbarschaft von unserer Terrasse aus noch eine andere dreifarbige Katze. Sie scheint etwas kleiner und etwas jünger zu sein. Abwechselnd sehe ich die beiden immer wieder. Ab und zu laufen sie auch über unsere Terrasse.

Das verleitet mich nun doch, mich ihnen zu nähern. Als die Ältere unsere Terrasse eines Abends überquert, versuche ich, mich ihr auf leisen Sohlen zu nähern. Doch schon als ich mich vorsichtig in Bewegung setze, erblickt sie mich und verschwindet in Nachbars Garten. Die Jüngere dagegen ist sehr zutraulich. Sie lässt sich auf ein Spiel Fang das Stöckchen ein. Ihr Fell ist ziemlich hart und nicht so glänzend wie das der Älteren.

Mein Mann Wolfgang meint, dass ihm die Jüngere besser gefällt. Sie spielt des Öfteren auch mit ihm. Ich dagegen würde die Ältere bevorzugen. Mich reizt es, ja, es fordert mich heraus, sie für mich zu gewinnen, gerade weil sie so scheu ist. Immer wieder versuche ich, mich an sie heranzuschleichen, aber es genügt schon die kleinste Bewegung in der Wohnung, die sie sofort durch die Glasfront wahrnimmt, und sie springt davon.

Da kommt mir eine Idee, wie ich sie vielleicht doch für mich gewinnen könnte: Ich kaufe ein paar Leckerlis und lege diese auf der Terrasse aus. Das wird sie bestimmt veranlassen, öfter unsere Terrasse zu besuchen.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf, denn tatsächlich funktioniert mein Vorhaben. Ich beobachte sie fast jeden Abend wie sie sich die Leckereien schmecken lässt. Es ist Frühjahr. Jetzt kann ich die Terrassentür geöffnet lassen. Sobald sie kommt, werde ich erneut versuchen, mich ihr zu nähern. Die nächste Gelegenheit lässt nicht lange auf sich warten. Meine Leckerli-Gabe ist zu verlockend und so erscheint sie jeden Abend. Ich warte ein wenig ab, bis sie sich dem Genuss hingibt und dadurch abgelenkt ist. Nun setze ich ganz langsam und behutsam einen Fuß vor dem anderen. Nach zwei Schritten hat sie mein Vorhaben durchschaut und ist mit einem Satz von der Terrasse verschwunden.

Ich habe keine Chance, mich ihr zu nähern. Diese Katze ist viel zu scheu und misstrauisch. Ich muss Geduld haben. Irgendwann muss ich sie doch herumkriegen. Manchmal laufe ich ihr mit schüttelnder Leckerlibox hinterher. Das Geräusch veranlasst sie, sich nach mir umzuschauen. Diese kleine Aufmerksamkeit von ihr erfreut mich sehr und lässt mich hoffen, dass ich sie doch noch rumkriegen kann. Es ist zumindest ein kleiner Fortschritt.

Wolfgang muss geschäftlich viel auf Reisen gehen. Längere Aufenthalte im südostasiatischen Raum sind keine Seltenheit. Nun steht wieder so ein Aufenthalt bevor, seine Firma hat ihn für drei Monate nach Taiwan beordert. Das werden sehr viele Abende und Wochenenden, die ich alleine verbringen muss. Zum Glück habe ich viele Hobbys und Interessen, die mir dabei helfen, die lange Zeit ohne ihn zu überbrücken. Außerdem bin ich das Alleinsein gewohnt; ich habe lange Zeit als Single gelebt.

Am darauf folgenden Tag erzähle ich meinem Arbeitskollegen Harry von meinem kleinen Erfolg mit der Katze.

»Doris, jetzt gehört sie dir«, meint er darauf.

»Sie gehört mir doch gar nicht und ich will sie niemandem wegnehmen. Es reicht mir vollkommen, wenn sie mich abends besucht und sie mir irgendwann einmal erlaubt, sie zu streicheln.«

»Zu Hause habe ich noch Nassfutter. Meine beiden Maine Coons sind mal wieder sehr wählerisch und mögen diese neue Sorte nicht. Wenn du willst, kann ich es dir Morgen mitbringen.«

»Ja, das ist ein guter Einfall. Bevor du das Futter wegwirfst, nehme ich es gerne an.«

»Aber ich warne dich. Du gehst ein großes Risiko ein. Wenn es ihr schmeckt, kann es sein, dass du sie nie wieder los wirst – dann zieht sie bei euch ein«, sagt er schmunzelnd.

Harry bringt mir anderntags ein halbes Dutzend Dosen mit. Ich kann es kaum erwarten, bis es Abend wird. Zu Hause angekommen, suche ich in Schubladen und Regalen nach einem geeigneten Futterschüsselchen. Ich entschließe mich, eine unserer Müslischalen zu nehmen.

Als ich die Dose öffne, schlägt mir ein für meine Nase etwas strenger Geruch entgegen. Noch nie habe ich einer Katze eine Dose geöffnet.

Auf dem Bauernhof war es üblich, dass die Katze nach dem Kühemelken Milch bekam oder auch manchmal Essensreste, schließlich war sie in erster Linie dafür verantwortlich, der Mäuseschar Einhalt zu gebieten, um damit ihren Hunger zu stillen.

Jetzt kommt auch mal wieder der Kinderlöffel meines Sohnes zum Einsatz. Jahrelang hat er in der Schublade anscheinend für diesen Zweck gewartet und wird nun zum Katzenfutterlöffel erkoren. Ich steche von der gepressten Masse ein paar Happen heraus und lege sie in das Schälchen. Ruckzuck hat sich der ungewohnte Geruch in der ganzen Wohnung verteilt. Jetzt muss ich das aber ganz schnell auf die Terrasse stellen. Dann heißt es abwarten. Ob sie wohl heute Abend wieder einen Besuch bei mir macht?

Ich stelle das Schälchen in der Mitte der Terrasse ab, sodass ich es gut vom Wohnzimmer aus in meinem Blickfeld habe.

Nun gehe ich in die Küche zurück, bereite mir wie jeden Abend einen Cappuccino zu und genieße ihn mit selbst gebackenen Cantucci auf dem Sofa. Ich denke, Harry könnte schon recht haben, verdränge aber gleich wieder den Gedanken, eine Katze bei uns aufzunehmen. Ich weiß nicht, ob Wolfgang damit einverstanden wäre.

Plötzlich sehe ich aus dem rechten Augenwinkel eine Katzensilhouette auf die Terrasse spazieren. Es ist zum Glück mein Liebling, die dreifarbige ältere Katze. Ich bleibe ganz ruhig sitzen, nicht dass sie gleich wieder die Flucht ergreift. Gespannt sehe ich zu, wie sie den Kopf in Richtung Futterschüsselchen reckt und sich ihr Näschen dabei bewegt. Mit einem Satz macht sie sich über das Futter her. Sie scheint großen Appetit zu haben. In wenigen Minuten ist das Schälchen leer und das Schauspiel hat ein Ende. Sie verschwindet wie üblich in einen der vielen Gärten.

2. Das Geständnis

Der abendliche Katzenbesuch wird zum Ritual. Jeden Spätnachmittag, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, stelle ich für das Tierchen eine Ration Futter auf die Terrasse und warte darauf, dass sie es mit Genuss verspeist. Ich habe nun beschlossen, dass ich ganz ruhig im Sessel sitzen bleibe und mich auf gar keinen Fall bewegen werde. So kann ich sie wenigstens sehen und die Katze kann in Ruhe essen.

Wolfgang ist nun schon ein paar Wochen weg. Wir halten Kontakt über E-Mail. Jeden Tag zu telefonieren ist einfach viel zu teuer. Jetzt habe ich am Abend viel Zeit. Ich kaufe mir einen Katzenratgeber, der die verschiedensten Katzenrassen und deren Verhalten und Pflege beschreibt. Insbesondere interessieren mich auch die Maine Coon. Kollege Harry hat sie mir zwar ausführlich beschrieben, aber jetzt möchte ich sie mal auf einem Bild sehen und mehr über sie in Erfahrung bringen.

Ich bin total begeistert von den Aufnahmen und den Beschreibungen der anmutigen Persönlichkeiten. Ihre Pinselohren, die an einen Luchs erinnern, gefallen mir ausgesprochen gut. Aber auch die Bengal-Katze begeistert mich. Sie erinnert an den Tiger, der zu meinen Lieblingstieren gehört. Die Norwegische Waldkatze mit ihren längeren Haaren würde ebenfalls zu meinen Favoriten zählen.

Als ich das Buch am späten Abend aus der Hand lege, kann ich den Wunsch nach einer eigenen Katze nicht mehr verleugnen.

Am nächsten Tag unterhalte ich mich mit Harry darüber: »Doris, ich sehe es schon kommen. Es wird nicht lange dauern und du wirst Katzenmama. Wenn du möchtest, kannst du heute Abend zu mir kommen. Dann zeige ich dir meine beiden Racker.«

Da lasse ich mich nicht zweimal bitten und nehme die Einladung mit großer Freude an.

Als ich am Abend an Harrys Wohnungstür klingle und er mir öffnet, stehen die beiden Maine Coons schon neugierig da, um mich zu inspizieren. Ich gehe sofort in die Hocke und strecke ihnen meine Hand zum Beschnuppern entgegen. Sie folgen meiner Einladung und riechen ausgiebig daran. Danach erlauben es mir die edlen Herrschaften, dass ich sie mit ausgiebigen Streicheleinheiten beglücke. Harry ist vom zutraulichen Verhalten seiner Katzen total überrascht. »So kenne ich euch beiden überhaupt nicht. Wenn sonst Fremde an der Tür stehen, verschwindet ihr immer sofort.« »So groß hatte ich sie mir nun doch nicht vorgestellt. Das sind ja wirklich fast schon Raubtiere im Kleinformat.« Harry erklärt mir, dass sie ein Gewicht von über zehn Kilo und eine Größe bis zum Knie eines Menschen erreichen können. Bei einem Erfrischungsgetränk berichtet er mir ganz stolz, dass er schon des Öfteren mit ihnen auf Ausstellungen war und um ein Haar hätte er bei der letzten Prämierung den ersten Preis gewonnen. Um an solch einem Wettbewerb teilnehmen zu können, muss er beide vorher baden, föhnen und ihr Fell anschließend ausgiebig bürsten. Was das für eine Prozedur und Aufregung für Katzen und Katzenhalter bedeutet! Ganz zu schweigen davon, dass das Badezimmer hinterher renovierungsbedürftig aussieht und er ein paar Kratzspuren als Belohnung einstecken muss. Das könnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, es wäre mir doch viel zu viel Aufwand und Stress für die armen geplagten Katzen.

Die Superstars haben sich inzwischen in ihr Spielzimmer zurückgezogen. Beide liegen völlig entspannt auf dem Kratzbaum und dösen vor sich hin. Das ist das Zeichen für mich, die Gastfreundschaft nicht länger in Anspruch zu nehmen. Ich verabschiede mich.

Es ist nun doch etwas spät geworden. Mein Abendbesuch ist heute bestimmt schon über die Terrasse gestreift, ohne Futter von mir zu erhalten. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen. Hoffentlich wird sie mir diesen Fauxpas verzeihen!

Nach Harrys fröhlichem »Guten Morgen« am nächsten Tag lässt er das Verhalten seiner Katzen mir gegenüber nochmals Revue passieren: »Weißt du was ich glaube? Du hast das einzig Richtige gemacht, als du gestern Abend zur Tür hereingekommen bist. Du hast dich sofort hingehockt, um ihnen die Chance zu geben, an deiner Hand deinen Geruch aufzunehmen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum sie dich gleich akzeptiert haben.«

Das schmeichelt mir sehr, bestätigt es doch, dass ich ein sehr gutes Gespür für die Stubentiger habe. Ich habe nach all den vielen Jahren ohne Katzenkontakt nicht alles vergessen. Instinktiv habe ich richtig auf Harrys Edelkatzen reagiert.

Am Samstag bin ich bei unseren Freunden Renate und Martin zum Essen eingeladen. Auf diesen Abend freue ich mich ganz besonders, denn die beiden sind hervorragende Gastgeber. Alles ist perfekt. Renate ist eine exzellente Köchin und Martin ein Weinkenner, der seinesgleichen sucht. Bei ihnen fühlt man sich auf Anhieb willkommen und wohl. Katzenfreunde sind einfach sehr einfühlsame Menschen. Außerdem haben wir viele gemeinsame Interessen, da bleiben anregende Diskussionen nicht aus. Sie haben zwei Kater, Obelix und Wurzel. Als ich eintreffe, liegt einer der beiden auf dem Rattansessel. Er lässt es sich gut gehen, indem er ausgiebig schläft und dabei laut schnarcht. Der andere streunt noch draußen herum.

Nach dem fürstlichen Mahl erliege ich dem Charme der beiden Katzen total. Ich krieche auf dem Boden herum wie ein Kind, um mit ihnen zu spielen, und knuddle sie dabei ausgiebig. Zum Glück sind sie sehr robust und gut genährt, sodass sie meinen Liebkosungen standhalten. Der Wunsch nach einer eigenen Katze steigert sich von Minute zu Minute. Ich kann mich kaum von den beiden trennen. Aber ich möchte die Freundschaft zu Renate und Martin auch nicht überstrapazieren und verabschiede mich glücklich und erfüllt.

Lange kann ich nicht einschlafen. Immer wieder denke ich an meine Kindheit zurück. Katzen waren schon immer meine absolute Leidenschaft, von Kindesbeinen an. Stundenlang war ich im Heu und habe diese faszinierenden Tiere beobachtet. Diese Schönheit, diese Eleganz, diese Geschmeidigkeit – für mich sind Katzen eine Vollendung der Schöpfung. Sehr viele leidenschaftliche Gedanken zu diesen einzigartigen Schönheiten kreisen in meinem Kopf, bis ich schließlich einschlafe.

Am Sonntag geschieht es: Es ist ein schöner warmer Sommertag, weshalb ich heute die Terrassentür den ganzen Tag auflasse. Aus der Ferne höre ich Kinder lachen. Eine Biene sucht an den Rosenblüten nach Nektar. Die leichte Sommerbrise bringt unser Glockenspiel immer wieder leise zum Erklingen. Ich träume vor mich hin. Das lauter werdende Kinderlachen holt mich wieder in die Realität zurück. Jetzt sollte ich doch mal mein Frühstücksgeschirr wegräumen. Da sehe ich plötzlich die dreifarbige Kuschelkatze, die um die Ecke gelaufen kommt.

Bevor sie mich erblicken kann, mache ich mich eilends auf den Weg zur Terrassentür. Kurz vor dem Ausgang halte ich inne und gehe in die Hocke. Meine Handfläche lege ich auf die von der Morgensonne erwärmten Fliesen und warte ab. Sie hüpft über die Steinbrüstung zu unserer Terrasse hoch. Regungslos bleibe ich sitzen und bin gespannt, wie die Süße wohl heute auf mich reagieren wird. Sie erblickt mich. Ich bewege mich nicht von der Stelle. Weil ich befürchte, sie könnte sofort wieder verschwinden, vermeide ich es, sie direkt anzublicken. Ich wage es, meinen Kopf ganz langsam in Richtung Katze zu erheben und sehe, wie sich ihr zart rosafarbenes Näschen hin- und herbewegt. Vorsichtig beginnt sie meine Hand zu beschnuppern. Noch bevor ich das so richtig registrieren und genießen kann, ist sie mit einem Satz über die Türschwelle im Wohnzimmer! Ich richte mich auf, um ihr zu folgen. Sie läuft instinktiv in die Küche, als ob sie wüsste, dass ich hier für sie ein paar Futterdosen eingelagert habe. Zum Glück ist noch etwas von Harrys Luxusfutter vorrätig.

Ich hole eine Dose vom Schrank und bereite ihr ein Schüsselchen vor, während sie mich ganz genau beobachtet. Sie kann es kaum erwarten, bis ich das Futter auf den Boden stelle. Hastig schlingt sie das Futter herunter und schleckt das Schälchen blitzeblank. Es scheint mir, dass die Katze einen Mordsappetit hat. Das Köpfchen mit Blick zu mir gerichtet gibt sie ein zögerliches Miau von sich und bittet damit um Nachschlag.

»Na, du Mieze? Soll ich dir den Rest auch noch geben?«

Sie streicht mir um die Füße und ich kann ihre Bitte einfach nicht ausschlagen. Bis auf den letzten Krümel hole ich das Nassfutter aus der Dose und reiche es ihr.

Nachdem das Schüsselchen wieder blitzeblank geschleckt ist, ist sie für meine Streicheleinheiten bereit!

Sie genießt die Liebkosungen, indem sie um meine Beine streicht und dabei genüsslich laut schnurrt. Sie hat ein unglaublich glänzendes, weiches Fell. Ich will sie auf den Arm nehmen, aber das erlaubt sie mir noch nicht. Sie windet sich sofort aus meinen Händen.»Wie heißt du denn, du hübsche, dreifarbige Glückskatze?«

Ich überlege mir, wie ich sie nennen soll. Was könnte wohl zu ihr passen? Doch so spontan fällt mir kein Name ein. Sie hat ein paar markante rote Tupfer und Streifen in ihrem schwarzen Fell. Bauch und Brust sind reinweiß. Das Näschen ist halb goldgelb, halb schwarz. Auf der hellen Seite befinden sich ein paar schwarze Punkte. Was die Natur doch so hervorzaubert. Noch ein paar Streicheleinheiten und sie entschließt sich, wieder nach draußen zu gehen. Sie verschwindet über die Gärten und ich bin wieder alleine.

Ich bin überglücklich und kann es kaum glauben, dass sie nach so langer Zeit nun doch Vertrauen zu mir gefunden hat! Ich fühle mich wie ein Teenager, der zum ersten Mal verknallt ist. Das muss ich unbedingt meinem Mann erzählen, wenn wir nächste Woche wieder telefonieren. Wie wird er wohl darauf reagieren? Ich werde ihn auf die Folter spannen. Ich weiß auch schon wie …!

Am Montag erzähle ich Harry von meinem Wochenenderlebnis. »Doris, jetzt gehört sie dir. Sie wird dich ab jetzt jeden Abend aufsuchen. Übrigens, ich werde heute Abend zehn Minuten früher mit der Arbeit aufhören. Mein Kater hat heute Geburtstag und da muss ich noch unbedingt in der Zoohandlung ein Leckerli für ihn besorgen, als Geschenk.«

Am Mittwochabend klingelt das Telefon und wie erwartet meldet sich mein Mann. Er berichtet mir ausführlich über seine Arbeit. Die Baustelle befindet sich mitten in der Pampa. Weit und breit keine Infrastruktur in Sicht. Wenn er am Abend mal ausgehen will, muss er sich circa achtzig Kilometer durch unbekanntes Gelände kämpfen. Auch sein Schreibtisch lässt zu wünschen übrig. Ständig schlägt er sich die Knie an. Er ist eben für kleine Leute konzipiert. Wenn es stark regnet, steht das Wasser sogar im Büro knöcheltief. Nach all den langen Wochen stellen sich nun auch noch das Heimweh und die Sehnsucht nach mir ein.

Das ist der ideale Moment, meinen Liebsten ein wenig aus dem Konzept zu bringen: »Mein lieber Wolfgang, jetzt muss ich dir etwas gestehen. Ich habe mich seit ein paar Tagen unsterblich verliebt.«

Kurzes Schweigen. Plötzlich höre ich am anderen Ende der Leitung einen lauten Seufzer, dann ein »Oje, oje«. Ich versuche ihn zu beruhigen: »Ich habe mich in ein weibliches Wesen verliebt.« Plötzlich höre ich gar nichts mehr. Die Leitung scheint unterbrochen zu sein, oder hat er gar vor Schrecken aufgelegt? »Hallo, Wolfgang bist du noch dran? Eine traurig klingende Stimme antwortet mir: »Ja, ich bin noch da.« Ich will das kleine Katz- und Mausspiel noch ein wenig aufrechterhalten und sage ihm: »Du brauchst dir aber keine Sorgen zu machen. Dieses weibliche Wesen hat keine zwei Beine, sondern vier.«

Wieder eine Pause. Dann höre ich einen tiefen Seufzer der Erleichterung und mache dem Spuk ein Ende. Ich erkläre ihm, dass ich mich in diese eine Katze verliebt habe. Seine Anspannung fällt und wir lachen gemeinsam. »Da hast du mir aber einen Schrecken eingejagt, mein lieber Schatz.« Ich weiß, das war nicht ganz fair von mir, aber so sind Groß- und Kleinkatzen eben mal – einfach unberechenbar.

3. Des einen Leid, des anderen Freud

Wenn ich abends nach Hause komme und die Terrassentür öffne, hört die Mieze das Geräusch und kommt sofort aus ihrem Versteck im Gebüsch gerannt. Sie folgt mir eilenden Schrittes in die Küche. Mit erhobenem Schwanz und einem Miau wartet sie, bis ich ihr eine Dose öffne und das Futter serviere. Sie schlingt es richtig gierig in sich hinein.

Nachdem sie ihren Appetit gestillt hat, schleckt sie sich ausgiebig den Mund sauber. Anschließend werden die Pfoten gereinigt. Mit den weißen Pfoten wischt sie sich nun von den Ohren über die Nase.

Wenn all das erledigt ist, hüpft sie auf den Stuhl, wo sich das Kissen befindet, das ich von meiner Freundin Renate geschenkt bekommen habe. Sie reckt und streckt sich darauf, bis sie schließlich in süßen Schlaf fällt. Dabei schnurrt sie richtig laut, ab und zu miaut sie und die Pfoten zucken. Was so eine Katze wohl träumt?