9,99 €
Katja ist eine Glücksmillionärin. Doch wie wird man das überhaupt? Eigentlich sollte dieses Buch für sie eine eher sachliche und chronologische Biographie ihres Lebens werden. Aber es kam ganz anders als sie es gedacht, erträumt und geplant hatte. Stattdessen nimmt uns Katja mit auf eine seelische Wanderung durch ihre Vergangenheit, ergründet vorsichtig die Gegenwart und gönnt uns einen Blick in die Zukunft. Zusammen nehmen wir live und ungeschminkt teil an ihren einmaligen Glücksmomenten. Dabei philosophiert sie über ihr Berufsleben, private Herausforderungen und das kleine wie große Glück im Alltag. Sind deine Wanderschuhe schon geschnürt? Dann mache dich bereit zum Lernen, Loslassen, Erleben, Spüren und Vertrauen!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2023
Schreibt oder setzt man eine Danksagung an den Beginn oder an das Ende eines Buches?
Ich weiß es nicht ...
... für mich fühlt es sich gerade zu Beginn dieses Buches jedoch sehr richtig an.
Daher möchte ich zuerst »DANKE« sagen! Ein großer Dank geht an meine Großeltern, denn ohne sie wären meine Eltern nicht auf der Welt ...
Einen mindestens genauso großen Dank schicke ich an meine Eltern, denn ohne sie wäre ich nicht auf der Welt, hätte das alles nicht erleben, spüren und fühlen dürfen und hätte auch ganz und gar nicht die Gelegenheit gehabt diese Seiten zu schreiben ...
Meinem wundervollen Mann und meinem einmaligen Sohn danke ich von Herzen für all ihre Nerven, ihre Geduld, ihre liebevollen aber auch knackigen Worte und vor allem für ihr Vertrauen und ihre Liebe in, an und für mich ...
Meinem Hund Rudi danke ich für seine unglaubliche Energie, seine ansteckende Lebensfreude, aber auch für seine stoische Gelassenheit während ich mit ihm viele Stunden des Schreibens und Denkens verbringen durfte ...
Meinen, an drei Fingern abzählbaren und ganz besonderen Testleserinnen danke ich von ganzem Herzen für ihre Zeit, ihre Mühe und auch ihre ehrlichen Worte ...
Und zu guter Letzt möchte ich mich bei meinem sagenhaften, einzigartigen, verrückten und wunderbaren Leben bedanken!
Danke – dass ich dieses Leben leben darf!
Die Freude am Leben, eine gute Portion Humor, ihre positive Denkweise, schier endlose Energie und die Liebe zum geschriebenen Wort begleiten Katja Thienel schon ihr ganzes Leben lang.
Sie lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie im alten Bauernhaus eines kleinen mittelfränkischen Dorfes. Ihre Arbeit in ihrem Laden und die vielen ruhigen Stunden im Wald und auf der Flur beflügeln Katja immer wieder aufs Neue und es entstehen oft aus Geistesblitzen oder auch aus wahren Erlebnissen heraus Kurzgeschichten, Fachbeiträge und auch komplette Bücher.
»Glücksmillionär« ist bislang das erste live geschriebene und spirituelle Buch, welches sie im Auerbach Verlag veröffentlicht hat.
Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalt keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.
Deutsche Erstausgabe 3/2023
Copyright © 2022 by Katja Thienel
Copyright © 2022 der deutschsprachigen Ausgabe
by Auerbach Verlag, Leipzig,
Oststraße 40 – 44, 04317 LeipzigAlle Rechte vorbehalten.
Lektorat: Karoline Kühl
Titelmotiv: J. Thienel
Umschlagsgestaltung: J. Thienel, Annemarie Belabbas
Satz: Kim Trank
ISBN EPUB: 978-3-948537-41-8
1. Auflage 2023
www.auerbach-verlag.de
Hallo Du, es ist mir eine Ehre Dich nun gleich etwas besser kennenlernen und mit Dir auf eine wunderbare Reise gehen zu dürfen.
Bevor wir aber unsere Wanderschuhe schnüren, möchte ich Dir ein klein wenig über dieses Buch erzählen.
Vielleicht wirst Du Dich gleich etwas wundern, wenn Du die ersten Zeilen liest, aber dieses Buch ist genauso wie wir zwei!
Einmalig, einzigartig, etwas Besonderes, aber auch mit wundervollen Ecken und Kanten gespickt!
Dieses Buch wurde von mir für Dich in einem Zeitraum von drei Monaten tatsächlich live und auch an den meisten Tagen inmitten der Natur und während meiner Wanderungen geschrieben. Das heißt, ich hatte wirklich kein Konzept, keinen roten Faden und auch keine Ahnung wie man ein Buch schreibt.
Ich habe einzig und allein auf meine Intuition, meine Impulse, meine Gefühle und meine Gedanken gehört und alles kam, so wie es kommen musste, mit leisen Flügelschlägen zu mir oder besser gesagt zu uns geflogen ...
Ich wünsche Dir nun viel Freude mit unserem Buch und freue mich, wenn Du auch mit mir Deine Gefühle, Erfahrungen, Erlebnisse aber auch Fragen und Anregungen teilst.
Nutze gerne dafür die Kontaktdaten meines wunderbaren Verlages: [email protected]
Herzlichst Deine Katja
Der Himmel ist grau, nein, eher gelb oder gelb-grau ...
Bei uns liegt seit Tagen Sahara-Staub in der Luft ...
Gedankenversunken fahre ich nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag über die aschgraue Autobahn. Der Wald rechts und links neben mir sieht traurig aus. Fast leblos er erinnert mich an einen lieblos aufgeklebten staubigen Wald einer Modelleisenbahnlandschaft. Ich blinzele mehrmals, traue gerade meinen Augen nicht. Ich muss unweigerlich lächeln und ein wohlig warmes Gefühl steigt in mir auf ...
An einem silbernen langen Band fliegt ein kleiner glitzernd roter Herz-Luftballon langsam über die Fahrspuren der Autobahn.
Ob ihn wohl die anderen Autofahrer auch wahrnehmen?
Ich weiß es nicht – für mich jedoch ist es ein kleiner Glücksmoment in meinem Leben!
»Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.«
»Lebe ganz authentisch und sei einfach Du selbst.«
»Du musst es doch nicht allen Recht machen!«
»Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst.«
»Mut zur Lücke!«
»Was andere über Dich denken, kann Dir egal sein.«
»Lebe Deine Träume!«
»Du bist wertvoll, vollkommen und genug.«
»Deine Gedanken sind frei.«
»Mut tut gut.«
»Das Wörtchen ‚Nein‘ ist ein ganzer Satz!«
»Freiheit ist das höchste Gut.«
»Nobody is perfect!«
»Genieße den Augenblick!«
»Einatmen und ausatmen!«
Sicherlich hast Du schon unzählige Male diese und wahrscheinlich hundert anderer Lebensweisheiten gelesen oder gehört.
Vielleicht hängen sie sogar in hübscher Schrift an Deinem Kühlschrank, zieren eine Wand in Deiner Wohnung oder stecken als Vintage-Dekoration in Deinem Schnittlauch?
Eigentlich könnte man sich jedes weitere Buch, jeden Podcast und jeden Onlinekurs sparen, denn diese Sätze sind für sich doch absolut logisch und einfach und man dürfte meinen, dass es jedem Menschenkind auf dieser Erde mühelos gelingen sollte nach diesen einfachen Weisheiten zu leben ...
... Wenn das doch nur so einfach wäre!
Es ist viel leichter gesagt als getan, wie zum Beispiel den Moment zu genießen oder absolut im Augenblick zu leben, wenn man im Hinterkopf noch den Abwasch, das brüllende Kind, den Nudelsalat für das Schulfest, die Steuererklärung, den liebesbedürftigen Ehemann, das nahende Familienfest, die Besprechung mit dem Chef oder die seit Tagen kotzende Katze hat.
Just in diesem Moment ist es mir gerade selbst wieder passiert und ich bin und war nicht bei der Sache beziehungsweise war nicht zu hundert Prozent bei dem Gespräch, welches mein Mann eigentlich gerade mit mir führen wollte.
Wir schreiben heute den 18. April, es ist Ostermontag und die Display-Anzeige auf meinem iPad zeigt 9 Uhr. Ich blicke aus dem Fenster und sehe wie langsam die Natur erwacht. Ein paar Vögelchen singen, der Maulwurf war wieder einmal fleißig und die Sonne spitzt schon vorsichtig durch die Wolken und vertreibt wohl in Kürze die eisige Nacht.
Mein Mann und ich sitzen am Esstisch und ich habe gerade begonnen für Dich die ersten Sätze unseres Buches aufs Papier zu bringen. Eigentlich hätte ich sofort das Schreiben unterbrechen und mich auf die Worte meines Mannes konzentrieren müssen ...
... aber nein!
Was habe ich stattdessen getan?
Ich habe nur den Kopf gehoben, kurz mein Tippen unterbrochen und ihn mit fragenden Kuhaugen angeblickt ...
»Schatz, wo bist Du denn mit Deinen Gedanken? Und was tippst Du denn schon wieder?! Ich rede mit Dir!«, kam, wie so oft, von ihm und er sah mich über seine Brille hinweg fragend an.
Wäre ich wirklich in diesem Moment gewesen, dann hätte ich wahrscheinlich nur eine Sache wirklich, bewusst und authentisch tun dürfen ...
... und das wäre in diesem Fall mit meinem Mann am Esstisch sitzen und zu reden gewesen!
Und mal ganz unter uns: Das wäre doch auch aktuell die wichtigste Sache überhaupt gewesen, oder?
Die ollen ersten Zeilen dieses Buches hätten es sicherlich nicht sein sollen.
Zumal der heutige Tag auch ganz und gar nicht für die ersten Zeilen vorgesehen war und ist.
Auf meiner großen Ideen-Träume-Wünschewand, welche oben auf meinem Werkstatt-Dachboden hängt, habe ich mir eigentlich erst für die zweite Jahreshälfte des Jahres 2025 den Wunsch ein eigenes Buch zu schreiben, geblockt und vorgemerkt!
Knapp zwei Jahre arbeitete ich nun schon intensiv an der Ausarbeitung meiner, über die vielen Jahre entstandenen Geschichten, sortierte verschiedenste Lebensabschnitte und Erlebnisse, sammelte unzählige Ideen für meine »Biografie« und wollte eigentlich ganz chronologisch, fast schon sachlich und ehrlich gesagt (bitte sei mir hier nicht böse) auch komplett ohne Dich an mein Buch heran gehen ...
... und außerdem wollte ich auch ganz und gar nicht am Küchentisch die ersten Zeilen schreiben, sondern wollte mir, nach 25 selbständigen Arbeitsjahren in und für mein Zoogeschäft, eine lange Auszeit nehmen, täglich mit dem Rad einige Kilometer fahren, dann an einer hübschen Bank Rast machen und schreiben ...
So wäre mein Plan gewesen, aber wie Du siehst: meistens kommt es anders und immer als man denkt! Sicherlich könnte ich mich jetzt maßlos ärgern, wütend sein oder mit mir hadern warum ich das Warten schon wieder nicht ausgehalten, mich nicht an das vorbereitete Manuskript gehalten, so viel Zeit im Vorfeld investiert, nun alles über den Haufen geworfen und um Himmels willen doch schon begonnen habe.
Ich könnte durchaus schier endlos darüber nachdenken und alles in meinem Kopf bis ins Detail zerpflücken, bis ich zum einen schlechte Laune und einen gedanklichen irreparablen »Papierstau« bekommen und zum anderen weder meinen Mann noch mich damit glücklich machen und danach ganz und gar auch keinen vernünftigen Satz mehr auf das Papier bringen würde.
Jedoch habe ich aber in meinen bisherigen Lebensjahren lernen dürfen, dass alles seine Zeit hat und es mit Sicherheit einen Grund dafür geben wird warum ich beziehungsweise wir zwei uns JETZT getroffen und gerade JETZT und nicht erst in drei Jahren mit diesem Buch begonnen haben!
»Alles hat seine Zeit, alles braucht seine Zeit
und alles kommt zur rechten Zeit!«
Daher freue mich wirklich ungemein, dass Du so spontan in mein Leben getreten bist und ich Dich jetzt schon kennenlernen und Dich mit auf die Reise meines Lebens- und Schreibweges nehmen darf!
Hast Du denn überhaupt Lust dazu?
Ich hoffe, Dir passen Deine Wanderschuhe noch?
Ich glaube Du wirst sie brauchen!
Ich bin gespannt was uns erwarten wird und welche Wege diese Reise für uns beide bereithält!
Ein Drehbuch, ein Manuskript, einen Reiseführer oder eine Schatzkarte habe ich nicht ...
Vielleicht lesen sich die ersten Seiten unseres Buches auch vollkommen anders als die letzten Seiten des Buches?
Vielleicht wird alles sehr wirr oder vielleicht auch zu strukturiert werden?
Ich weiß es nicht oder noch nicht ...
Lass uns einfach drauf los schreiben ...
... hab Vertrauen ...
... und Du wirst sehen ...
... »alles kommt zur rechten Zeit!« ...
... und alles wird gut werden!
Denn vollkommen egal wie herausfordernd, verrückt und vielleicht auch nicht von dieser Welt manche Erlebnisse, Tage und Erfahrungen bisher in meinem Leben gewesen sind, durfte ich positiv bis unter die Haarspitzen bleiben und konnte, nach einer kurzen Schrecksekunde und mit etwas Galgenhumor, immer das wirklich große Glück dahinter entdecken.
Jetzt muss ich doch wirklich ein wenig über mich schmunzeln, denn »positiv bis unter die Haarspitzen« trifft es nicht wirklich.
Ich bin nicht einmal der Typ »Das Glas ist halbvoll«, sondern eher der Typ »Och, sind wir doch froh, dass wir überhaupt ein Glas haben, ganz egal wie viel da drin ist«!
Verdruss und schlechte Laune sind mir (fast immer) fremd!
Wie ist das bei Dir?
Welcher »Typ« bist Du denn?
Sicherlich kannst Du Dir jetzt auch vorstellen, dass mir nun der Name meines oder besser gesagt unseres Buches, welcher schon vor unserem ersten geschriebenen Satz in meinem Kopf feststand, ganz und gar nicht schwer fiel ...
Ich bin ein Glücksmillionär! Und darf ich Dir was verraten?
Du auch!
Auch wenn Du es vielleicht nicht immer glauben magst!
Darf ich Dir noch etwas verraten?
Das Schreiben ist für mich wie ein Weg, eine Wanderung, eine Reise ...
... ein Wachstumsprozess und er ähnelt in meinen Augen dem eigentlichen und wahren Leben sehr.
Zuerst wird eine Idee geboren ...
... und man ist Feuer und Flamme dafür, beginnt los zu gehen ...
... stolpert oder macht einen »Rechtschreib«-Fehler ...
... steht wieder auf ...
... verbessert sich, verändert sich, ergänzt ganze Sätze, löscht manche Dinge komplett, erfindet sich neu ...
... und wächst ...
... und wächst ...
... und wächst über sich hinaus! Das ist doch ganz wunderbar, oder?
Gerade als ich nun diese Sätze geschrieben habe (unter uns gesagt, habe ich zuvor schon 30.000 Zeichen dieses Buches getippt und immer wieder ergänzt, gelöscht und verändert) spüre ich wieder ganz intensiv einen meiner wundervollen Glücksmomente und Ideenblitze und ich möchte es dieses Mal nicht versäumen Dich direkt daran teilhaben zu lassen.
Ich hab eine Idee!
Wollen wir eine kleine Wanderung machen?
Mein Mann und auch mein Sohn sind noch einige Stunden mit ihrer Arbeit beziehungsweise den Abitur-Vorbereitungen beschäftigt und mir kam nun spontan die Idee mit Dir, unserem Hund Rudi, einem Rucksack mit etwas Picknick (ohne Essen darf ich nicht losziehen, da ich in den letzten Jahren immer »weniger« geworden bin ... dazu erzähle ich Dir aber später mehr) und meinem iPad loszuziehen und einfach meinen eigentlichen »Plan« in der Natur zu schreiben umzugestalten, neu zu denken und Dich natürlich daran teilhaben zu lassen.
»Auf! Auf! Los geht’s!«
Den ganzen Weg lächle ich schon sanft vor mich hin und ich fühle mich unglaublich glücklich und frei.
Ich freue mich, dass die Natur mich beziehungsweise uns drei so wohlwollend aufnimmt und gerade ausschließlich UNS diese gefühlte Ewigkeit und diesen Moment schenkt.
Kannst Du mit mir denn eigentlich Schritt halten oder bin ich Dir womöglich zu schnell?
Gerne darfst Du natürlich auch deinen Gedanken nachhängen, träumen, philosophieren, erinnern und das Glück genießen.
Ich sitze gerade auf einer weißen Plastikbank am Waldrand und blicke auf einige große Fischweiher und träume und denke vor mich hin. Es ist genau 12 Uhr und heute feiern mein Mann und ich unseren siebzehnten Hochzeitstag.
Siebzehn Jahre – was für eine lange Zeit!
Ich habe im Übrigen wunderschöne pinke Rosen bekommen und da wir uns eigentlich an oder zu solchen »vorhersehbaren« Tagen nichts schenken, überraschte mich mein Mann damit sehr. Ich kann Dir sagen, dass so eine Überraschung aber wirklich unglaublich gut tut!
Darf ich Dich fragen wann Du denn das letzte Mal einen lieben Menschen überrascht hast? Oder wann wurdest Du das letzte Mal liebevoll überrascht?
Fällt es Dir noch ein?
In diesem Frühling habe ich das Gefühl, dass die Natur sich uns nicht zeigen möchte beziehungsweise dass sie vielleicht sogar richtig sauer auf uns ist!
Vor zwei Jahren, als sich die ganze Welt in einem monatelangen Corona-Lockdown befand, hatte ich das Gefühl die Natur freue sich und sie zeigte uns ihre Freude in den schönsten Farben und Facetten und auch ich durfte endlich mal wieder einen richtigen Frühling erleben und ihn wahrhaftig und real und »nicht nur« in meinem Laden durch meine Schaufensterscheiben und die Frühlingsdekoration wahrnehmen.
Es flogen keine Flugzeuge mehr, kaum Autos fuhren, Schiffe pendelten nicht mehr hin und her und alles wurde ruhig, friedlich, nachdenklich und irgendwie gut. Sogar die Fische kamen in die Kanäle Venedigs zurück, unzählige Vogelarten bevölkerten wieder die Städte, Wildtiere entspannten sich, die Luftqualität verbesserte sich enorm und die Robben in den Meeren zogen ganze Heulerscharen auf.
Kannst Du Dich noch daran erinnern?
Es geschehen so viele Dinge und man verliert leicht den Überblick oder die Erinnerung daran ...
Nun steht die Welt gerade erneut Kopf! Corona hat uns zwar immer noch im Griff, aber es wird wieder der Alltag praktiziert, geflogen, gereist, gebaut, entwickelt und auch nochmals mehr gemordet und gekämpft.
Weißt Du, wenn ich ein frecher Spatz wäre, dann wäre ich zum einen schon von Natur aus frech, mutig und frei und zum anderen würde ich mich wahrscheinlich für »uns Menschen« fremdschämen.
Heute sind gut zwei Drittel des Waldes noch grau und ohne Blätter, nur wenige Blüten erhellen den Alltag, gerade fliegt vor mir eine dicke Hummel zu einem vorsichtig wachsenden Klee.
Mein Hund liegt neben mir auf meiner Jacke und diskutiert mit einer Ameise.
So wie es jedoch gerade aussieht, hat die Ameise aktuell die »spritzigeren« Argumente!
Ich blicke erneut auf die Weiher. Das Wasser ist trüb und ich kann die hübschen Koi-Karpfen noch nicht darin entdecken. Den Fischreiher, welchen ich schon so oft an diesen Weihern gesehen habe, finde ich leider auch nicht.
Ich wollte ihn schon bestimmt zwanzig Mal fotografieren, aber jedes Mal, wenn ich mühsam mein Handy aus der Tasche gekramt, endlich die Kamera gefunden hatte und bereit für ein Foto war, blickte der Fischreiher nahezu grinsend zu mir herüber, breitete seine Flügel aus und erhob sich in die Lüfte.
Anfangs war ich immer ein bisschen sauer auf ihn ... bis ich dann aber darüber nachdachte und (feststelle) feststellte, dass auch ich eigentlich echt »null Bock« auf ein Foto hätte. Dann begann ich ihn für seine Klarheit und Authentizität zu bewundern und machte einfach in meinen Gedanken ein »Erinnerungsfoto« von ihm.
Nun kann ich ihn immer »sehen«, wenn ich an diesen Weihern vorbeilaufe. Das finde ich einfach wunderbar!
Heieiei, jetzt bin ich aber ganz schön abgedriftet! Du hast mich aber auch gar nicht unterbrochen?
Vielleicht hast Du den Moment ja auch genutzt und konntest Deinen Gedanken und Erinnerungen nachhängen?
Lass uns doch nun wieder unseren Rückweg antreten und zu den »ach so« einfachen Lebensweisheiten zu Beginn dieses Buches zurückkehren ...
Hast Du Dir darüber schon Gedanken gemacht? Gelingen Dir vielleicht manche Weisheiten wie von selbst? Geht Dir manchmal sprichwörtlich auch ein »Licht auf« oder »fällt es Dir wie Schuppen von den Augen«?
Erkennst Du die Puzzle-Teile Deines Lebens? Freust Du Dich auch über Planänderungen Deines Lebens? Konntest Du Dir schon einmal selbst verzeihen? Oder haderst Du auch immer mal wieder mit dem einen oder anderen gut gemeinten, aber tief sitzenden Satz einer anderen Person?
Ich habe Jahre – nein – eigentlich vier Jahrzehnte dafür gebraucht und werde mich mit großer Gewissheit bis an mein Lebensende wohl weiterhin durch die unzähligen Weisheiten ackern und auch in die eine oder andere »Lebensfalle« tappen ...
... denn auch ich vergesse hoffentlich nicht den Spruch »Nobody is perfect« und den alten Song von Hape Kerkeling: »Das ganze Leben ist ein Quiz und wir sind nur die Kandidaten! Das ganze Leben ist ein Quiz ... und wir raten, raten, raten!«
Vielleicht kennst Du ihn ja und hast ihn jetzt auch, genau wie ich, als kleinen munteren Ohrwurm in Deinem Ohr? Das fände ich wunderbar!
Eigentlich weiß ich nun gar nicht so recht wie und vor allem auch in welcher Reihenfolge ich Dir meine ganzen Glücksmomente erzählen darf, daher habe ich mir überlegt, Dir zunächst von meinem größten Glück beziehungsweise einem noch nie zuvor dagewesenen Gefühl zu berichten ...
... von MEINER Freiheit!
Ich bin endlich frei! Und das Beste, ich wusste bis zu diesem unglaublichen Gefühl der Freiheit gar nicht, dass ich so »eingesperrt« war. Es fühlte und fühlt sich immer noch verrückt und ein wenig unglaubwürdig für mich an.
Ich war natürlich nicht körperlich eingesperrt, sondern mein Geist, meine Träume, meine Wünsche und auch mein Mut waren jahrelang eingesperrt und konnten erst durch einen, für mich unglaublich großen Schritt befreit werden.
In meinem Kopf drängten sich unzählige
»Ich muss«,
»Aber das macht man doch so«,
»Nein, Du kannst das doch nicht so machen«,
»Was sollen denn dann da die anderen sagen«,
»Das kann doch niemals funktionieren!«,
»Wer glaubst Du denn wer Du bist, wenn Du Dir so etwas heraus nimmst!«,
»Aber einen Laden kann man doch so nicht führen!«,
»Naja, wenn Du’s Dir leisten kannst auf Privatier zu machen!«.
Glaube mir, ein halbes – nein – bestimmt ein ganzes Buch oder mehr könnte ich mit meinen Glaubenssätzen, Mut-Hindernissen, »Ich-Muss-Blockaden« und festgefahrenen Gedankenstrukturen füllen!
Aber beginnen wir doch hier wirklich am Anfang meiner Befreiungsgeschichte. Wie Du vielleicht schon weißt, führe ich seit knapp zweiundzwanzig Jahren ein kleines, wundervolles und wirklich einzigartiges Zoofachgeschäft.
Mein Sohn meinte vor einigen Jahren, dass ich wohl damals schon bei meiner Firmennamenswahl mächtig daneben gegriffen hätte und mich und meinen Laden »Zoo-Eckchen« durch das Verniedlichen automatisch klein und wenig bedeutend gemacht habe. Ich habe lange über seine Worte nachgedacht und musste mir eingestehen, dass er Recht hatte und dass wohl scheinbar schon solche »Kleinigkeiten« feste und tiefe Glaubenssätze und Gedankenmuster hinter sich her schleppen können ...
Springen wir aber nun endlich zu meiner »Freiheit«! Du magst nun vielleicht denken, dass ich doch eh schon in absoluter Freiheit lebe, da ich ja selbständig bin und den Luxus habe meinen eigenen Laden führen zu dürfen.
Ja, von außen betrachtet sind diese Annahmen sicherlich auch richtig, jedoch tief im Inneren bist Du als »Selbständige« ganz und gar nicht frei ... außer Du sorgst natürlich selbst dafür! Du hast zwar keinen »Chef« oder »Vorgesetzten« wie man es aus einem Angestelltenverhältnis kennt, aber dafür hast Du zum Beispiel tausende kleiner »Chefs« in Form von Deinen Kunden.
Du bist gefangen in Deinen selbstauferlegten Öffnungszeiten. Die Verbindlichkeiten bei Deinen Banken oder dem Finanzamt fungieren wie Deine »Gefängnisaufseher« und die Gedankenspiralen »Ich bin nicht gut genug, wenn ich einen schlechten Umsatz einfahre«, »Urlaub oder Entspannung darf ich mir nicht gönnen« oder »Ich muss es allen Kunden Recht machen« wirken wie Dein dorniger Stecken der Selbstgeißelung.
»Ey Hase (mein Sohn nennt mich seit einiger Zeit liebevoll »Hase«), dein Lädchen ist wie ein Spiel! Und Du bist jetzt nach zwanzig Jahren im Bonuslevel angekommen. Du musst keine fünf Tage die Woche im Laden stehen, hast keine Mitarbeiter mehr für die Du verantwortlich bist und bist nun endlich frei«, das waren die für mich schier unglaublichsten Worte meines damals fast 17-jährigen Sohnes, als ich mich beschwingt von ihm verabschiedete und mich auf den Weg in MEINEN Laden machte!
»Was habe ich nur für einen wunderbaren weisen Sohn« habe ich mir damals gedacht, als es mir nach seinen Worten ganz warm ums Herz wurde und in mir buchstäblich die Sonne aufging. Das war nun wieder einer der wunderbaren Glücksmomente, welchen ich erleben und spüren durfte und die mich zum Glücksmillionär gemacht haben und so wie es aussieht sogar noch zum Milliardär machen werden!
Ja, ich bin frei. Endlich!
Wenn ich so zurückblicke und alles Revue passieren lasse, erschrecke ich zum einen über die lange Zeit die vergangen ist und nie mehr wieder kommt und zum anderen wundere ich mich tatsächlich über mein Durchhaltevermögen, meine Kraft, die unbändige Liebe zu meinem Laden und den Mut immer wieder aufzustehen und aufs Neue zu beginnen!
Einundzwanzig Jahre führte ich nun bereits meinen Laden und siebzehn Jahre lang arbeitete ich davon mit einzigartigen Mitarbeiterinnen zusammen!
Und immer begann ich wieder bei Null und investierte unendlich viel Zeit, Liebe und Nerven in jeden einzelnen neuen Mitarbeiter.
Bist Du vielleicht auch selbständig? Oder in einer Führungsposition?
Vielleicht kannst Du meine Gefühle ein wenig oder sogar ganz nach vollziehen?
Im nachfolgenden Text werde ich daher aus Respekt und Achtung die Namen meiner Mitarbeiterinnen ändern und hoffe so niemandem zu nahe zu treten und natürlich auch die jeweilige Lebenssituation und die eigene Würde zu achten und zu respektieren.
Auch bin ich mir selbstverständlich darüber bewusst, dass jeder Mensch, mich natürlich eingeschlossen, zum einen in seiner eigenen aktuellen Lebensphase steckte und zum anderen sicherlich auch das für ihn beziehungsweise sie absolut Richtigste und Möglichste in diesem Moment getan hat und eben auch »nur« ein Mensch ist!
Du erinnerst Dich? Nobody is perfect! Und ich am allerwenigsten. Die hier geschilderten Erlebnisse basieren ausschließlich auf meinen, natürlich nicht objektiven Eindrücken, Erwartungen und Erfahrungen. Um sich eine eigene Meinung bilden zu können, sollte man immer beide »Seiten der Medaille« ansehen oder anhören, aber das weißt Du ja ganz bestimmt, denn es ist nicht alles Gold, was glänzt!
Beginnen wir aber nun im April 2004. Mach’s Dir gemütlich und lehn Dich zurück. Es könnte jetzt etwas länger werden ...
Als ich Anfang 2004 schwanger wurde, stand für uns fest, dass ich nicht ohne eine tatkräftige Unterstützung meinen Laden alleine stemmen werden kann. Damals sagte man zu den heutigen »Mini-Jobbern« einfach »360-Euro-Kraft«, in der Zeit während der Schwangerschaft sowie auch nach der Geburt.
Wenn ich jetzt, während ich diese Zeilen verfasse, darüber nachdenke, kommt es mir fast unwirklich und sehr verrückt vor!
Ich habe tatsächlich und unglaublicherweise nicht auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass vielleicht mein Körper oder auch mein Kind mich nicht weiter arbeiten lassen würden und/oder dass vielleicht die Schwangerschaft an sich und auch die Geburt nicht so reibungslos verlaufen könnten.
Hier möchte ich für Dich kurz noch einen weiteren – nein – eigentlich unzählige wunderbare Glücksmomente mit einfügen.
Meine Schwangerschaft, die wunderbare Geburt unseres Sohnes Jonas und die daraus erwachsene Nähe zu meinem Mann haben meinem Glückskonto einen unglaublichen Glückssegen verliehen und ich blicke voller Demut und Dankbarkeit zurück! Für mich zählte zu diesem Zeitpunkt jedoch nur die Arbeit und meine Verpflichtungen als Selbständige. Mutterschutz, Elternzeit oder ähnliches standen nicht zur Diskussion und wären auch finanziell und organisatorisch nicht möglich gewesen.
In meiner Kernfamilie wurde schon immer alles auf den Themen Arbeit und Leistung aufgebaut und man definierte sich meist nur durch die geleisteten Arbeitsstunden, die gefahrenen Kilometer, die erreichten Ziele oder den erwirtschafteten Verdienst. Bei uns war ein »Aufgeben« keine Option! Es ging immer, vielleicht schon ganz unbewusst und irgendwie automatisch, ums »Weitermachen«, »Durchhalten«, »Stark sein« und »Dranbleiben«.
Nachdem wir zunächst für meinen Laden einen Ruhetag eingeführt hatten, an dem mein Geschäft komplett geschlossen war, machte ich mich auf die Suche nach einer geeigneten Aushilfskraft für einen bis zwei Nachmittage in der Woche.
Meine erste Aushilfskraft war Ann-Kathrin. Ich kannte sie von einem früheren gemeinsamen Job, sie hatte selbst Tiere und war genau zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem kleinen Nebenverdienst.
Damals schloss man Aushilfsverträge noch mündlich und ohne Mindestlohn, Urlaubsanspruch oder ähnliches. Work-Life-Balance, New Work oder Job-Sharing waren auch noch nicht geboren. Ich stellte Ann-Kathrin ein und begann ihr mein Handwerk von der Pike auf zu erklären und beizubringen. Mein Grundgedanke war es, eine Person so gut schulen und ausbilden zu können, dass sie mich möglichst gleichwertig ersetzen konnte.
Gut vier oder sechs Wochen nach ihrer Einstellung erzählte mir jedoch Ann-Kathrin mit leuchtenden Augen von einem romantischen Abend am Kaminfeuer und bei leckerem Wein und eröffnete mir, dass sie nun auch schwanger sei! Sie wollte jedoch noch etwas weiterarbeiten und ich konnte ohne größeren Zeitdruck einen neuen Ersatz suchen.
Nachdem ich davon ausgegangen war, dass mein intensiver Schulungseinsatz doch Früchte getragen hat und Ann-Kathrin sicherlich wusste, welche Tätigkeiten notwendig seien, wenn kein Kunde im Laden ist, verwunderten mich diese wirklich ehrlich ausgesprochenen Sätze durchaus ein wenig: »Stell Dir vor, wenn mal nix los ist im Laden, dann setz ich mich an Deinen Schreibtisch, leg meine Beine hoch und dann schlaf ich echt ein!«
Ich glaube mir ist es hier wohl nicht wirklich gelungen meine Arbeitsweise und das Tätigkeitsprofil annähernd richtig zu vermitteln oder hatte Ann-Kathrin da vielleicht doch etwas Grundlegendes eines Mini-Jobs missverstanden?
Meine Definition von Arbeit war hier jedoch eine andere und ein bezahlter Schlaf, so wichtig wie guter Schlaf während der Schwangerschaft auch immer sein mag, zählte hier leider für mich nicht dazu und von den fremden Füßen wohlgemerkt AUF meinem Schreibtisch mal ganz abgesehen!
Hier hatten ich und mein Führungsstil wohl noch ordentlich »Luft nach oben«, oder? Kurzum, nach geraumer Zeit und einer Stellenanzeige später stellte ich eine junge Frau namens Bea ein.
Bea bewarb sich auf die Anzeige und ich war von ihrem Einser-Abitur und auch der Tatsache, dass ich Bea über mehrere Ecken wohl seit meiner Kindheit kannte, restlos begeistert.
Optisch ähnelten wir uns auch noch sehr, so dass für mich erstmal alles Bestens klang und Bea mich nun für einen längeren Zeitraum vertreten sollte. Erneut begann ich nun voller Elan und Liebe Bea viele Stunden und Wochen einzuarbeiten. Allerdings bemerkte ich schon nach kurzer Zeit, dass wohl mit Bea »irgendetwas nicht stimmte«. Sie war nervös, konnte sich nichts merken, huschte wirr durch den Laden, kam fast immer zu spät und war irgendwie häufig »total durch den Wind«.
Da die Geburt meines Kindes nun immer näher rückte, fehlten mir die Zeit und die Kraft erneut eine andere Mitarbeiterin zu suchen und einzuarbeiten. Wenige Tage vor Geburt unseres Sohnes, wir waren gerade bei einer Voruntersuchung im Hebammenhaus, bekam mein Mann einen Anruf der Polizei ...
... Sie stünden gerade in unserem Laden, da unsere Mitarbeiterin vergessen hätte die Ladentüre abzusperren und eine Nachbarin das rege Treiben im dunklen Laden bemerkte!, erklärte der Polizist sich.
Oh mein Gott!
Bea entwickelte sich langsam aber sicher zu einer Katastrophe und sie brachte nicht nur mich an den Rande eines Nervenzusammenbruchs, sondern auch mein Geschäft in eine finanzielle Notlage!
Sie vergaß morgens die Tür aufzusperren, stand stundenlang alleine im Laden und wunderte sich warum kein Kunde kam. Sie vergaß die Lichter im Laden anzuschalten, so dass alles dunkel blieb. Sie »belohnte« Kunden mit Produkten, die sie aus unserem Warensortiment einfach verschenkte und die den eigentlichen Wert des Einkaufs um ein Vielfaches überstiegen.
Sie nahm Kundenbestellungen entgegen, welche mein Mann pflichtbewusst auslieferte, vergaß jedoch die Bestellungen im Laden zu kassieren ... ich könnte diese Sätze leider noch fast endlos weiterführen, mehrere Tausende von verlorenen Euros gingen leider auf ihr virtuelles Konto und belasteten mein reales Konto!
Von nun an faxte (ja damals gab es noch Faxe!) ich ihr jeden Morgen eine »To-Do-Liste«, auf der sie jeden noch so kleinen und eigentlich vollkommen selbstverständlichen Arbeitsschritt abarbeiten und abhaken musste und versuchte so noch zu retten was eventuell noch zu retten war. Sobald ich jedoch wieder in der Lage war komplett selbst beziehungsweise mit meinem Sohn im Tragetuch zu arbeiten, also knapp vier Wochen nach seiner Geburt, musste ich Bea kündigen.
Nach ihrer Kündigung stellte sich heraus, dass Bea große psychische Probleme hatte, deswegen in Therapie war und zusätzlich noch ein weiteres schwerwiegendes privates Problem in den Griff bekommen musste.
Bea wurde kurz nach meiner Kündigung stationär in einer Spezialklinik aufgenommen und wie ich nach vielen Jahren erfuhr, geht es ihr zum heutigen Zeitpunkt glücklicherweise sehr gut und sie hat selbst eine eigene Familie gegründet.
Einige Wochen nach Jonas’ Geburt kam Ann-Kathrin mit ihrem neugeborenen Sohn wieder für vier Stunden pro Woche zurück in meinen Laden. Relativ zeitgleich stellte ich auch noch Caro mit ihrer jungen Tochter für weitere vier Stunden wöchentlich ein. Somit hatte ich zwei freie Nachmittage und musste mit unserem Sohn »nur« noch zwei ganze Tage, zwei halbe Tage und den Samstag komplett übernehmen. Mein Laden glich allerdings ab diesem Zeitpunkt eher einer Kindertagesstätte als einem Zoofachgeschäft – aber für diesen Moment war ich nicht in der Lage anders zu agieren.
Ann-Kathrin kam immer vollbepackt in den Laden, baute sofort nach Arbeitsbeginn mitten im Laden einen großen Laufstall auf und alles drehte sich ums Windeln wechseln, Fläschchen machen oder die frühkindliche Förderung. Mein Büro wurde in ein kleines Kinderzimmer umgebaut und auch im Laden bekamen die Kinder eine Krabbel- und Spielecke. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass mehr Kinder samt Müttern statt potenzieller Kunden in meinem Geschäft waren.
Erneut frage ich mich gerade beim Schreiben dieser Sätze, wie es mir in dieser Zeit und auch besonders nach der Zeit mit Bea gelungen ist, dennoch genügend Umsatz einzufahren, um alle meine Kosten und Verbindlichkeiten zu decken.
