GO VISTA: Reiseführer Wien - Roland Mischke - E-Book

GO VISTA: Reiseführer Wien E-Book

Roland Mischke

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Beschreibung

Willkommen in Wien Wien, die Metropole zwischen imperialer Tradition, zeitgenössischer Kreativität, musikalischer Perfektion und kulinarischer Vielfalt, gehört zu den attraktivsten Reisezielen der Welt. Ganz zu Recht wurde Wien 2015 zum sechsten Mal in Folge als lebenswerteste Stadt weltweit ausgezeichnet. Wien ist aber auch eine Stadt zum Träumen. Wie kaum eine andere kokettiert sie mit der Vergänglichkeit und lebt in ihrer Vergangenheit fort. Das Habsburger Kaiserreich ist längst passé, doch seine Metropole träumt noch immer von Glanz und Größe. Beim Anblick der pompösen Fassaden und kopfsteingepflasterten Gassen leben die Jahrhunderte wieder auf – nicht als drückende Last, eher als Melodie aus vergangenen Tagen, ein Potpourri aus Wiener Walzer, Radetzkymarsch und Bruckner-Symphonie. Daneben gibt es aber auch eine Moderne, die ihre Tentakel in Form von glas- und chromummantelten Bauten bis ins Herz der Stadt, dem Stephansplatz, vorgeschoben hat, wo der Turm des Doms wie ein wuchtiger Tropfstein emporwächst. Wer hinaufsteigt, erblickt ein Wien, das sich weit in die Landschaft hinein stapelt – und immer höher wird!

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Seitenzahl: 180

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WIEN

von Roland Mischke

Roland Mischke, in Chemnitz geboren, studierte in Berlin Evangelische Theologie und Germanistik. Er arbeitete bei verschiedenen Tageszeitungen, u. a. auch bei der FAZ, und schrieb zwei Sachbücher und mehr als ein Dutzend Reiseführer. Nach 25 Jahren Zwischenstopp in Frankfurt am Main lebt er wieder in Berlin.

Inhalt

Willkommen in Wien

Top 10 & Mein Wien

Top 10: Das sollte man gesehen haben

Mein Wien: Lieblingsplätze des Autors

Stadttour mit Detailkarte

Ein Rundgang durch Wien

Streifzüge

Mariahilf

Baden bei Wien

Architektur der Moderne

MuseumsQuartier Wien

Vista Points – Sehenswertes

Museen und Galerien

Kirchen und Synagogen

Architektur und andere Sehenswürdigkeiten

Erleben & Genießen

Übernachten

Essen und Trinken

Nightlife

Kultur und Unterhaltung

Shopping

Mit Kindern in der Stadt

Erholung und Sport

Chronik

Daten zur Stadtgeschichte

Service von A bis Z

Service von A bis Z

Register

Bildnachweis und Impressum

Zeichenerklärung

Top 10Das sollte man gesehen habenMein WienLieblingsplätze des AutorsVista PointMuseen, Galerien, Architektur und andere SehenswürdigkeitenKartensymbol: Verweist auf das entsprechende Planquadrat der ausfaltbaren Karte bzw. der Detailpläne im Buch.

Willkommen in Wien

Wien, die Metropole zwischen imperialer Tradition, zeitgenössischer Kreativität, musikalischer Perfektion und kulinarischer Vielfalt, gehört zu den attraktivsten Reisezielen der Welt. Ganz zu Recht wurde Wien 2015 zum sechsten Mal in Folge als lebenswerteste Stadt weltweit ausgezeichnet.

Wien ist aber auch eine Stadt zum Träumen. Wie kaum eine andere kokettiert sie mit der Vergänglichkeit und lebt in ihrer Vergangenheit fort. Das Habsburger Kaiserreich ist längst passé, doch seine Metropole träumt noch immer von Glanz und Größe. Beim Anblick der pompösen Fassaden und kopfsteingepflasterten Gassen leben die Jahrhunderte wieder auf – nicht als drückende Last, eher als Melodie aus vergangenen Tagen, ein Potpourri aus Wiener Walzer, Radetzkymarsch und Bruckner-Symphonie.

Daneben gibt es aber auch eine Moderne, die ihre Tentakel in Form von glas- und chromummantelten Bauten bis ins Herz der Stadt, dem Stephansplatz, vorgeschoben hat, wo der Turm des Doms wie ein wuchtiger Tropfstein emporwächst. Wer hinaufsteigt, erblickt ein Wien, das sich weit in die Landschaft hinein stapelt – und immer höher wird!

An der Peripherie der Stadt wächst die Donau-City, die nicht mehr an barocken Maßstäben orientiert ist, sondern eher an der Skyline von Frankfurt und Chicago. Wiens Moderne in Architektur, Kunst und Mode ist beeindruckend, aber nur Teil eines Spektrums. Denn Wien bleibt Wien. Da passen die Wiener auf.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist Wien wieder ins Zentrum Mitteleuropas gerückt. Es ist zur Drehscheibe zwischen der östlichen und der westlichen Hälfte des Kontinents geworden, die es schon einmal war, als von hier aus ein Völkerstaat von 53 Millionen Menschen gelenkt wurde. Heute geht es nicht mehr um politische Macht, sondern um kulturelle Potenz. Wien ist stilprägend, seine Museen und kulturellen Einrichtungen sind vorbildlich und setzen Maßstäbe in der obersten Liga.

Ein Besuch in Wien ist eine Wanderung durch vergangene Mentalitäten, kaum irgendwo ist Geschichte so zum Greifen nahe. Im Kaffeehaus, einer Einrichtung von gestern, liegen die Zeitungen von heute aus, da sitzen die Romantiker neben den neuen Machern, die einen mit dem Kunstführer, die anderen mit dem Smartphone. Das ist die typische Wiener Melange.

Prinz Eugen vor der Wiener Hofburg am Heldenplatz, der alten kaiserlichen Residenz in Wien

Top 10 & Wien

Top 10: Das sollte man gesehen haben

Stephansdom

S. 8 f., 36H12/Google MapÖsterreichs wichtigstes gotisches Bauwerk, vom Nordturm aus hat man einen grandiosen Rundumblick auf die Dächer der historischen Stadt.

Hofburg

S. 12, 23 f. H/J10/11/Google MapDie prachtvollen Gebäude aus über 600 Jahren verkörpern das feudale Wien, als es noch als k.u.k. Metropole Mittelpunkt eines Vielvölkerstaats war. Ein Muss ist die Schatzkammer im Schweizerhof.

MuseumsQuartier Wien

S. 20 f., 28 f. J/K9/10/Google MapDer schönste Platz zum Flanieren, um Kunst zu genießen und danach in einem der Lokale zu speisen.

Albertina

S. 22J11/Google MapSie beherbergt eine der bedeutendsten und umfangreichsten Gemälde- und Grafiksammlungen der Welt, für Kunstinteressierte ist sie eine der ersten Adressen.

Sigmund Freud Museum

S. 31 f. F10/Google MapDer Vater der Psychoanalyse, die nicht nur eine Behandlungsform ist, sondern eine neue Sicht auf den Menschen eröffnete, hat die Zivilisationsgeschichte nachhaltig beeinflusst.

Karlsplatz/Karlskirche

S. 39K11/Google MapAn der Südseite des Platzes erhebt sich die barocke Karlskirche mit ihrem gewaltigen Kuppelbau, dem griechischen Tempelportikus, römischen Triumphsäulen und orientalischen Glockentürmen.

Prater

S. 40 f. F–L 15–18/Google MapDer Volks- oder Wurstelprater ist ein Paradies für Kinder und Junggebliebene. Die größte Attraktion der vielen Amüsierbetriebe und zugleich Wahrzeichen Wiens ist das Riesenrad von 1897.

Schloss Belvedere

S. 41L/M13/Google MapNach seiner grundlegenden Restaurierung bricht das Schloss heute sämtliche Besucherrekorde und beherbergt neben einer barocken Kunstsammlung, die Kaiserliche Gemäldegalerie und das Museum mittelalterlicher österreichischer Kunst.

Schloss Schönbrunn

S. 41 f. N–Q1–4/Google MapDie meistbesuchte Touristenattraktion Österreichs verdankt ihre Entstehung habsburgischem Größenwahn. Das Schloss im Stil des Rokoko und der nach französischem Vorbild angelegte Park mit Blumenbeeten und Statuen bilden ein prachtvolles Gesamtensemble.

Spanische Hofreitschule

S. 42H/J11/Google MapDas älteste Reitinstitut der Welt (seit 1572) bestreitet seine Vorführungen nur mit Schimmeln des Staatsgestüts Piber in der Weststeiermark.

Mein WienLieblingsplätze des Autors

Lieber Leser,dies sind einige besondere Orte in der österreichischen Metropole, an die ich immer wieder gern zurückkehre. Eine schöne Zeit in Wien wünscht Ihnen

Roland Mischke

Naschmarkt

S. 16, 69K/L10/Google MapIm Bauch der Stadt. Der Naschmarkt gehört zu den schönsten Märkten weltweit, wenn er auch touristisch geprägt ist. Viele Köstlichkeiten auch zum Mitnehmen.

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst

S. 27H13/Google MapEines der abwechslungsreichsten Museen mit wechselnden, immer spannenden Ausstellungen.

Kaiserappartements

S. 32H10/11/Google MapSisis Eisenbahnwaggon, ihre Kleiderpracht und die Feile, mit der sie getötet wurde. Hier halten Menschen Andacht.

Altes Rathaus

S. 37G11/Google MapDer neugotische Riesenbau mit einem 98 Meter hohen Turm besitzt einen wunderschönen Arkadenhof, in dem Freiluftkonzerte stattfinden; im Winter kann man hier Schlittschuh laufen.

Donauinsel

S. 72 f. C/D16/17/Google Map, aA3–aD5/Google MapDas 700 Hektar große Naherholungsgebiet lockt mit Wasser und Badestrand auf 21,5 Kilometer Länge, mit Ruder- und Tretbooten, Wald und Wiesen.

Stadttour

Ein Rundgang durch Wien

VormittagStephansplatz – Singerstraße – Schulerstraße – Bäckerstraße – Heiligenkreuzerhof – Fleischmarkt – Seitenstettengasse – Ruprechtsplatz – Judengasse – Hoher Markt – Salvatorgasse – Judenplatz – Am Hof – Freyung – Herrengasse – Michaelerplatz – Heldenplatz.

MittagRestaurant Kanzleramt, Schauflergasse 6, ✆ (01) 533 13 09, www.restaurant-kanzleramt.at, Mo–Sa 10–24 Uhr, So/Fei geschl.

NachmittagMichaelerplatz – Kohlmarkt – Graben – Dorotheergasse – Neuer Markt – Albertinaplatz – Staatsoper – Kärntner Straße – Stephansplatz.

Kaum eine zweite Metropole der Welt macht es ihren Besuchern so leicht wie Wien: Alles Sehenswerte liegt hier auf engem Raum beisammen und ist bequem zu Fuß zu erreichen. Der Rundgang beginnt am StephansdomH12/Google Map, dem weithin sichtbaren Wahrzeichen Wiens und von den Bürgern gern und liebevoll »Steffl« genannt. Der Monumentalbau wird optisch beherrscht vom bunt gedeckten Ziegeldach mit dem habsburgischen Doppeladler auf der Süd- und den Wappen der Stadt Wien und Österreichs auf der Nordseite. Das gotische Gotteshaus entstand etappenweise: Ab 1303 wurde der dreischiffige Hallenchor errichtet, dessen Netz- und Sternrippengewölbe von Bündelpfeilern gehalten wird. Ab 1359 erfuhr die Fassade eine Erweiterung und das Dach wurde steil nach oben gedrückt. Der 137 Meter hohe Südturm (Stephansturm) gilt als schönster Turm der europäischen Gotik neben dem des Freiburger Doms.

Das Wahrzeichen von Wien: der Stephansdom

Das Kircheninnere beeindruckt mit der von Anton Pilgram geschaffenen Kanzel mit ihrem reichen Figurenschmuck und dem Wiener Neustädter Altar, einem gotischen Flügelaltar von 1447. Kaiser Friedrich III. und Prinz Eugen sind in dieser Kirche begraben. Unbedingt lohnt sich der Weg hinauf über 343 Stufen in die Türmerstube, von wo man im Norden und Westen die grünen Hügel des Wienerwalds, im Osten das Riesenrad des Praters und daneben die Türme von Uno-City und Donau-City betrachten kann. Auch der Blick über die Dächerlandschaft der Inneren Stadt, den einst von Befestigungsanlagen umgebenen Stadtkern, lohnt sich. Deutlich markiert ist das Stadtzentrum von der Ringstraße und ihrem Mittelpunkt, der Kärntner Straße zwischen Oper und Stephansplatz.

Die Singerstraße führt ins Idyll des Gassenwirrwarrs, das Wien an dieser Stelle, südlich des Stephansplatzes, besonders prägt. Hier ist die kleinteilige Welt des Mittelalters, wenngleich aufgelockert, noch nahezu perfekt erhalten. Hinter der Grünangergasse biegt man rechts ab zum FranziskanerplatzH/J12/Google Map mit der gleichnamigen Kirche. Wieder zurück, geht es über Kumpfgasse, Schulerstraße und Wollzeile in die Bäckerstraße mit der UniversitätskircheH12/Google Map. Durch Jesuitengasse und Schönlaterngasse erreicht man den Heiligenkreuzerhof, einen wunderschönen barocken Platz, wie eine Oase eingelassen in die dicht bebaute Gassenwelt und nur durch eine Pforte zu betreten. Im Mittelalter hatte die Stadt hier ihr Zentrum, hier gab es Märkte wie den Fleischmarkt. Später erhielten die Häuser Innenhöfe mit Balkonen, sogenannten »Pawlatschen«.

Idylle: Franziskanerplatz inmitten der verwinkelten Altstadt

Hinter der Rotenturmstraße tritt man ins Bermudadreieck ein mit seinen Bars und Kneipen um Seitenstettengasse und Rabensteig. Am Ruprechtsplatz steht die winzige RuprechtskircheG12/Google Map, um 740 gegründet und die älteste Kirche der Stadt. Der heutige Bau stammt aus dem 12. Jahrhundert, eines der Chorfenster besitzt die älteste Glasmalerei Wiens (13. Jahrhundert). Hier befand sich einst das Salzamt, unten am Kanal gingen die Salzschiffe aus dem Salzkammergut vor Anker. Salz war zeitweise fast so kostbar wie Silber und Gold, konnte es doch zum Konservieren und natürlich zum Würzen von Lebensmitteln verwendet werden.

Die vielen Modeboutiquen in der JudengasseG/H12/Google Map bieten Schickes und Trendiges für Modefreaks. Dann folgt der Hohe Markt, wo am Haus Nr. 3 noch Reste der römischen Legionssiedlung Vindobona zu sehen sind. Die Ankeruhr, eine zehn Meter breite Jugendstiluhr, lässt täglich um zwölf Uhr mittags alle Stundenfiguren aufmarschieren. Die Salvatorgasse führt zur Kirche Maria am GestadeG11/Google Map, die ihren Namen erhielt, weil sich hier einst das Steilufer eines Donauarms befand. Die Kirche aus dem 12. Jahrhundert bekam ihre heutige gotische Gestalt Ende des 14. Jahrhunderts. Die Innenstadt ist an dieser Stelle modern bebaut und weniger reizvoll.

Vom Passauer Platz aus geht es zum JudenplatzG11/Google Map. 1421 fand hier ein Pogrom statt (»Wiener Geserah«), 210 Menschen wurden verbrannt, Tausende Juden enteignet, vertrieben oder eingekerkert. Die erst im späten 16. Jahrhundert wieder entstandene jüdische Gemeinde wurde unter Ferdinand II. in die Leopoldstadt verwiesen. Zum Gedenken an den Holocaust wurde im Oktober 2000 das Museum Judenplatz eröffnet. Heute bestimmt die Gastronomie-Szene diesen zentralen Platz im Herzen des einstigen Ghettos.

Im ehemaligen Stadtpalais ist ein UhrenmuseumH11/Google Map mit einigen Raritäten zu besichtigen, darunter eine astronomische Uhr, die für eine einzige Umdrehung 20 904 Jahre braucht.

Weiter geht es zur FreyungG/H11/Google Map, einem der schönsten Wiener Plätze, weit und unregelmäßig und umgeben von imposanten Gebäuden. Dazu gehören die Schottenkirche, das Palais Daun-Kinsky mit eleganter Barockfassade (jüngst restauriert) und das mächtige Palais HarrachH10/11/Google Map. Der Name »Freyung« geht übrigens auf das mittelalterliche Asylrecht des Schottenstifts zurück. Wer es in seine Mauern geschafft hatte, war vor Verfolgung geschützt. Das aufwendig sanierte Palais Ferstel bildet eine Passage zwischen Freyung und Herrengasse mit Geschäften, Modeboutiquen und Restaurants. Unter der Glaskuppel des Arkaden-Innenhofs lädt das legendäre Café Central – Eingang an der Herrengasse – zu einer Kaffeepause ein. In das einstige Künstler- und Literatencafé ließ sich der Dichter Peter Altenberg sogar seine Post schicken. Als Pappmachéfigur nimmt er dort noch heute seinen Stammplatz ein.

Die sich windende Herrengasse stellt dem Besucher noch das alte Wien vor. Wie viele Hofräte und andere Würdenträger mögen hier schon entlanggelaufen sein!

Jugendstil von Franz Matsch: Ankeruhr am Hohen Markt

Am MichaelerplatzH11/Google Map mit der Wiener Hofburg wird es feudal. Doch zunächst betrachten wir das Loos-Haus, ein 1910/11 von Adolf Loos errichtetes, nacktes Gebäude, das Kaiser Franz Joseph »Haus ohne Augenbrauen« nannte. Das verletzte den Künstler tief, hatte er doch für sein futuristisches Projekt im Innersten der Inneren Stadt ein Lob des Hofes erwartet, stattdessen handelte er sich ein Magengeschwür ein. Im Café Griensteidl, im Sommer mit »Schanigarten«, trinkt man seinen Großen Braunen oder Verlängerten gemeinsam mit Journalisten und anderen Lohnschreibern, für die dieser Ort traditionell ein Treffpunkt ist.

Prunkvoll: Palais Ferstel

Die HofburgH/J10/11/Google Map, bis 1918 Machtzentrale des Habsburgerreichs, ist ein Konglomerat aus 19 Höfen, 18 Haupt- und Nebentrakten, Toren, Rundbögen, versteckten Gängen und mehr als 2500 Räumen. Generationen von Baumeistern wirkten fast ein halbes Jahrtausend lang am Bau dieser prunkvollen Residenz mit, viele Pläne wurden allerdings nie realisiert. Doch von aufwendiger Hofhaltung verstanden die Habsburger eine Menge: Sie tanzten und feierten mit Europas Hochadel bis in den Untergang hinein.

An die Hofburg schließt sich der HeldenplatzH/J10/Google Map an. Ursprünglich sollte das Gelände mit einem weiteren Flügel der Neuen Burg vor dem Burggarten bebaut werden, was jedoch nie geschah. So entstand mitten in der Innenstadt ein weiter Platz mit Grünflächen und den pompösen Reiterstandbildern des legendären Prinzen Eugen und des Erzherzogs Karl. Der Anblick von so viel Grün vor der barocken Hofburg ist faszinierend. Aus der Ferne grüßt über die Mauer des Volksgartens hinweg der schlanke Turm des Rathauses. Die Wiener sind um diese Stadtlandschaft zu beneiden, die vor allem im Sommer denn auch stark frequentiert ist. Das klassizistische Äußere Burgtor von 1824 am Eingang zum Heldenplatz erinnert an die Völkerschlacht bei Leipzig gegen die Napoleonischen Truppen.

Am Michaelerplatz, im Hintergrund der Michaelertrakt der Wiener Hofburg

Wir durchqueren den kaiserlichen Irrgarten und begeben uns zurück zum Michaelerplatz. Von dort geht es über den Kohlmarkt in die bürgerliche Stadt. Am 200 Meter langen und knapp halb so breiten GrabenH11/Google Map finden sich einige der exklusivsten Geschäfte Wiens: Juweliere, Edelboutiquen und angesagte Modeläden. Die barocke Dreifaltigkeitssäule von 1692 in der Mitte des Grabens entstand aufgrund eines kaiserlichen Gelübdes im Pestjahr 1679 und wurde zum Vorbild vieler ähnlicher Monumente im Habsburgerreich. Einst bauten hier, im Schatten der Hofburg, Patrizier ihre Stadtpalais.

Durch die Dorotheergasse geht es vorbei am Café Leopold HawelkaH11/Google Map, einer Wiener Kaffeehaus-Legende. Im Hotel gegenüber hat der Prager Schriftsteller Franz Kafka in den 1920er Jahren Unterschlupf gefunden. Ob er sich auch im Hawelka aufhielt, ist nicht verbürgt.

Das DorotheumJ11/Google Map, einst eine schlichte Pfandleihe, ist heute ein umsatzstarkes Auktionshaus. Zwischen Dorotheergasse und Spiegelgasse liegt Wiens Antiquitätenviertel. Kostbarkeiten verschiedenster Stilrichtungen und Epochen sind in den Schaufenstern zu bewundern und für teures Geld zu erwerben.

Vom Kohlmarkt blickt man auf die Alte Hofburg

Klassisches Repertoire am Graben: Straßenmusiker

Der monumentale Donner-BrunnenJ11/Google Map von 1739 am Neuen Markt gilt als Hauptwerk des großen Barockbildhauers Georg Raphael Donner. Providentia bildet die Zentralfigur des Marmorbeckens, umgeben von den allegorischen Figuren der Flüsse Enns, March, Traun und Ybbs. Glücklichen Umständen ist zuzuschreiben, dass die vier nackten Brunnenfiguren gerettet wurden, die auf Geheiß der sittenstrengen Maria Theresia entfernt werden mussten. Sie sind heute im Barockmuseum im Unteren Belvedere zu sehen, die Figuren am Brunnen sind Bronzekopien.

Um die Ecke liegt der Eingang zur KaisergruftJ11/Google Map in der Kapuzinerkirche. Seit 1633 wurden hier die obersten Angehörigen des Habsburger Geschlechts beigesetzt. Während die Herzen der Habsburger Kaiser, Kaiserinnen und Erzherzöge in der Augustinerkirche und ihre Eingeweide im Stephansdom aufbewahrt werden, ruhen ihre Körper in den monumentalen Sarkophagen dieser weihevollen Gruft. Der Name der Kirche geht auf die Kapuziner zurück, die ab 1612 in die Stadt kamen und für die Kaiserin Anna 1618 ein Kloster gründete. Die Kapuziner waren kaisertreu und taten sich beim Kampf gegen die türkischen Belagerer Wiens durch Furchtlosigkeit hervor. Das Gebäude ist schlicht gehalten, gemäß den Regeln der Kapuziner (ein Franziskanerorden), und besitzt als Dekoration nur ein Fassadenfresko, das erst 1936 aufgetragen wurde. In der Kaiserkapelle befinden sich die Holzstatuen einiger Kaiser, in der Kreuzkapelle ein Altar und eine anrührende Pietà. Die Krypta beherbergt 138 Mitglieder des kaiserlichen Geschlechts, dazu eine Büste des letzten Kaisers Karl I. sowie den Sarg der letzten Kaiserin Zita.

Luftiger Barock in der Mitte des Grabens: die Pestsäule

Die Wiener Staatsoper

In südlicher Richtung geht es weiter zum AlbertinaplatzJ11/Google Map. Der Bildhauer Alfred Hrdlicka errichtete hier 1988 das Denkmal gegen Krieg und Faschismus.

Schließlich ist der berühmteste Ringstraßenbau erreicht: die StaatsoperJ11/Google Map. Eduard van der Nüll und August von Siccardsburg errichteten das Opernhaus 1861–69 im Stil der Renaissance. Nach schweren Kriegsschäden konnte es 1955 wieder eröffnet werden. Eine Eintrittskarte für dieses populärste Haus österreichischer Kultur zu ergattern ist online rechtzeitig im Voraus kein Problem und an der Abendkasse gibt es die beliebten und günstigen Stehplatz-Karten. Die Staatsoper ist ein Hort, ja, ein Bollwerk der Hochkunst. Sie gilt mit der New Yorker Metropolitan Opera und der Mailänder Scala als eines der drei Top-Häuser weltweit, und die Wiener sind zu Recht stolz auf diese Institution, die auch äußerlich etwas hermacht.

Dabei hatten die beiden Architekten so viel Kritik einstecken müssen, dass der eine (van der Nüll) in den Selbstmord flüchtete und der andere bald darauf einem Herzinfarkt erlag. Die beiden konnten nicht verkraften, dass Kaiser Franz Joseph sich bei der Eröffnungsfeier abfällig über das Gebäude geäußert hatte.

Der Weg zurück zum Ausgangspunkt der Tour, zum Stephansdom, führt über den belebtesten Boulevard von Wien: Die autofreie Kärntner StraßeH–K11/Google Map ist eine traditionelle Einkaufsstraße mit eleganten Luxusläden und noblen Geschäftsfassaden. Inzwischen haben sich hier auch Billigläden und Fastfood-Filialen angesiedelt, doch das mondäne Flair der Einkaufsmeile – mit vielen Bänken zum Ausruhen – hat sich erhalten. Das Kaufhaus Steffl reiht sich mit einem modernen Innenausbau fast nahtlos in die barocke Pracht, und in der verglasten Front des von Hans Hollein entworfenen Haas-Hauses spiegelt sich das farbige Dach des Stephansdoms.

Große Jugendstil-Auktion im Dorotheum 2003/04: Ein Highlight war die vergoldete Silberbrosche mit Lapislazuli (1907) von Josef Hoffmann

Streifzüge

Mariahilf

Wiens Bezirke pflegen ihre jeweiligen Eigenarten und Besonderheiten. Fragt man einen Mariahilfer nach seiner Herkunft, wird er niemals Wien allein nennen, sondern allenfalls zugestehen: Wien-Mariahilf. MariahilfaC3/Google Map ist Wiens 6. Bezirk. Er grenzt direkt an die Innenstadt, aber kein Mariahilfer muss unbedingt dorthin, hat er doch im eigenen Stadtteil alles, was er braucht – neben properer Gastronomie auch Museen, eigene Theater und andere Kultureinrichtungen.

Und weil er hier wohnt, hält er die Kaffeehauskultur von Mariahilf für viel authentischer als die »Touristenabsteigen« im historischen Stadtzentrum. Die Aushängeschilder sind das Café SperlK10/Google Map (1880 eröffnet) an der Gumpendorfer, das Café RitterK9/Google Map (Ende 19. Jh.) an der Mariahilfer Straße und das Café EilesH9/Google Map (1840) an der Josefstädter Straße 2, die bereits zur Josefstadt (8. Bezirk) gehört. Hierhin geht man und frau, um sich zu verköstigen, sich zu unterhalten, zu flirten, zu konspirieren und sich im Fach Menschenkunde weiterzubilden.

Wie Adern durchziehen Häuserzeilen mit Geheimgängen und verschiedenen Abzweigungen den Bezirk. Wo die Grenzen zu den sich anschmiegenden Bezirken Neubau und Josefstadt genau verlaufen, wissen allein die ganz gescheiten Einheimischen.

Mariahilf ist ein Stadtteil mit Hanglage – mit dem basarartigen Gewimmel des NaschmarktesK/L10/Google Map, verschlungenen Gassen und Nischen, mit Kulis, die Reissäcke stapeln wie vor 100 Jahren, mit Kleinwinzern und einer ausgeprägten Handwerkerzunft, zu der sogar Silber- und Goldwirker und Edelsteinschleifer gehören. Der Einzelhandel hat hier angestammtes Heimrecht: Metzger, Bäcker und Gemüsehändler sind hoch geschätzte Persönlichkeiten, und Kneipiers residieren in ihren Schankräumen wie in Königreichen. Niemand ist ohne Bleibe, und die zwischenmenschliche Solidarität funktioniert noch.

Otto-Wagner-Haus an der Linken Wienzeile 38 im Bezirk Mariahilf

Baden bei Wien

Vergleicht man ein hübsch restauriertes historisches Haus mit einer Praline, so ist Badensüdl. aD3/Google Map, 25 km südlich von Wien gelegen, eine volle Ladung an Süßigkeiten. Schon 1795 bedichtete der Poet Moritz Gottlieb Saplier das Städtchen an den Ausläufern des Wienerwaldes: »Ein Städtchen, aus der Luft gesponnen, ein kleines Wien in Aquarell.«

Ein Kurpark voller weißer Bänke auf gusseisernen Pfoten. Das zweitgrößte Casino Europas. Operetten-Schmalz vom Feinsten in Sommer-Arena und Stadttheater. Ein Art-déco-Thermalbad mit Österreichs größtem Sandstrand – der Römertherme. Acht Golfanlagen. Das garantiert ein perfektes Wohlfühlprogramm.

Baden ist eine perfekte Biedermeier-Idylle. Hinter der Kulisse versteckt sich allerdings hochmoderne Infrastruktur, das hat Baden zu einer der vermögendsten Kommunen Österreichs gemacht. 1934 eröffnete das Spielcasino – ein massives Kuppelgebäude, nachts bestrahlt wie ein Märchenschloss, inzwischen zum Veranstaltungszentrum aus- und umgebaut. Davor stehen Palmen, denn Baden hat ein besonderes Mikroklima.

Aus der Pannonischen Tiefebene kommt Wärme, die Flanken des Wienerwaldes schützen vor eisigen Winden der Alpen. Deshalb kann aus den Trauben sogar Rotwein hergestellt werden. Beethoven, der fast drei Jahre hier lebte, war von den Tropfen begeistert. Aber nicht alle Badener von Beethoven.

Der Bonner Komponist nahm um 1820 die Fitness-Welle vorweg, lief zerlumpt und keuchend durch den Wienerwald, schrieb Noten auf Steine, sang laut, bis die Gendarmerie ihn festnahm und Gönner ihn auslösen mussten. Er musste im Ort mehrmals umziehen, weil er überlaut Klavier spielte. Er bändelte mit Weibsbildern an, aber jedes lief ihm davon. Und ein Zechpreller war er auch. In Baden wurde viel gelacht über den komischen Kauz.