Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Es war mir ein Bedürfnis, die Höhen und Tiefen meines Lebens aufzuschreiben. Dieses Buch ist meine Therapie. Ich versuche damit alles Schlechte und Schlimme, was ich erlebt habe, zu vergessen. Ich wünsche mir, dass die Leute, die dieses Buch lesen, etwas lernen: Schmerz und Trauer können krank machen. Und, wir müssen immer jemanden finden, mit dem wir über alles sprechen können, erzählen, was wir auf dem Herzen haben! Mit meiner Biografie möchte ich mein Herz heilen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 198
Veröffentlichungsjahr: 2019
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Vorwort
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Liebe Leserin, lieber Leser!
Es war mir ein Bedürfnis, die Höhen und Tiefen meines Lebens aufzuschreiben. Dieses Buch ist meine Therapie. Ich versuche damit alles Schlechte und Schlimme, was ich erlebt habe, zu vergessen. Ich wünsche mir, dass die Leute, die dieses Buch lesen, etwas lernen: Schmerz und Trauer können krank machen. Und, wir müssen immer jemanden finden, mit dem wir über alles sprechen können, erzählen, was wir auf dem Herzen haben! Mit meiner Biografie möchte ich mein Herz heilen.
Das Leben ist ein endloser Kampf. Der Glaube an den lieben Gott hat mich immer begleitet, hat mir immer Kraft gegeben.
Simona Simic ist ein Pseudonym. Ich habe allen realen Personen im Buch zu deren Schutz neue Namen gegeben. Außerdem bitte ich Sie zu bedenken, dass die deutsche Sprache für mich eine Fremdsprache ist. Alles was sie lesen, ist echt und auch die Grammatik nicht einwandfrei. So wie das Leben selbst.
Ihre Simona Simic
Ich bin Gospa. Geboren in Bosnien und Herzegowina, in der Republik Serbien, im Dorf Blatnica. Es gehört zum Weiler Njivarak und liegt unweit der Gebirge Jezero und Mahnjača. Dieses Gebiet ist durch seinen Käse, der in Blatnica hergestellt wird, bekannt. In dem kleinen Holzhaus, in dem ich geboren wurde, gab es keinen Strom, kein fließendes Wasser, nicht einmal Möbel. Überaus beschenkt wurde ich mit der Liebe meiner Eltern. Überhaupt galten Kinder als Gottes Segen. Mein Vater arbeitete als Holzhacker mit geringem Einkommen. Meine Mutter war Hausfrau, die sich überaus bemühte, damit wir überlebten. Sie erzog uns Kinder und übernahm sämtlichen Hausarbeiten. Landwirtschaftliches gehörte ebenso dazu, wie etwa Wolle spinnen, Weben und Nähen, um für unsere Kleidung zu sorgen.
Seit ich denken kann, hat meine Mutter mir Nützliches beigebracht. Meine Eltern waren sehr gläubig, auch das haben sie auf uns Kinder übertragen. Als jüngstes Kind haben mich alle geliebt. Ich erinnere mich gerne daran, wie meine Mutter mit mir in die Kirche gegangen ist. Während der Ferien und sonntags. Für mich war das interessant, weil ich viele Leute gesehen und vom Priester Geschenke bekommen habe. Die Leckereien und Schulhefte waren in meiner Familie Luxus. Erst mit 10 Jahren bin ich in die erste Klasse gekommen, weil die Schule nicht genug Tische und Stühle für alle Kinder zur Verfügung hatte. Die meisten Kinder meines Jahrgangs 1958 sind ungebildet geblieben. Mein Vater wollte das für seine Kinder nicht akzeptieren, deshalb schickte er mich in die Schule. Ich war sehr froh darüber und freute mich auf jeden Schultag. Ich liebte es, in die Schule zu gehen. Zudem war ich stets folgsam, sowohl in der Schule als auch zu Hause, und ich bekam gute Noten. Einmal sollte ich sogar, weil ich eine der besten Schüler war, mit einer Fahrt ans Meer belohnt werden. Leider konnte ich nicht verreisen, weil ich meiner Mutter bei der schweren Arbeit helfen musste. Ich bemerkte oft, wie sie schwitzte vor Erschöpfung, jedoch zeigte sie das nie. Bei allem was sie tat und wo sie hinging, hörte ich, wie sie betete. Als der Vater abends von der Arbeit kam, erwartete sie ihn mit einem Lächeln. Ich hatte wunderbare Eltern.
Nachdem ich die vierte Klasse beendet hatte, begann ich mit einer Ausbildung. Meine Eltern hatten einen enormen finanziellen Aufwand, um mir das ermöglichen zu können. Sie bezahlten meine nötige Ausstattung mit dem Verkauf einiger Schafe. Ich kaufte mir nur das Notwendigste und die Bücher kriegte ich von meinen Verwandten. Die Schule lag acht Kilometer entfernt und es gab keine Transportmittel dorthin. Wir Mitarbeiter, die besonders weit fort lebten, sind immer in der ersten Schicht angetreten. Um 15 Uhr musste ich schon zu Hause sein, damit ich die Schafe nach draußen treiben konnte. Meine Hausaufgaben habe ich auf der Wiese erledigt. Jeden Morgen bin ich um fünf Uhr aufgestanden, und es war nicht der Wecker, der mich geweckt hat, sondern die Stricknadeln meiner Mutter. Zu dieser frühen Stunde hatte sie schon ein paar Socken gestrickt, später noch Handschuhe und einen Pulli, damit ich genug anzuziehen hatte. Meine Mutter hat mir beigebracht, dass ich nach dem Aufstehen mein Gesicht waschen soll, dann beten und erst dann frühstücken; so hat jeder Tag begonnen. Je älter ich wurde, desto bewusster erlebte ich diese Rituale, die mir früher immer selbstverständlich waren.
Eines Tages haben uns die Lehrer benachrichtigt, dass die serbischen Kinder nicht mehr in die Kirche dürfen. Wenn uns jemand dort gesehen hätte, hätten wir schlechte Noten bekommen. Auch hat man uns gesagt, dass es keinen Gott gebe und der Glaube nur Erfindung sei. Wir alle stammten aus Serbien, Montenegro und Mazedonien. Zu der Zeit herrschte Kommunismus und viele haben auf den Glauben verzichtet, damit sie bessere Arbeitsplätze bekamen. Aber bei mir hat das bewirkt, dass ich noch mehr an Gott geglaubt habe, das haben mich meine Eltern gelehrt. Und ich bin weiterhin in die Kirche gegangen, ohne dass es jemand wusste. Besonders gerne habe ich Lieder für den Heiligen Sava gesungen. Ich habe immer geglaubt, dass mich der liebe Gott hört. Manchmal habe ich meine Mutter oder meinen Vater gefragt, warum wir nicht mehr in die Kirche gehen und warum es bei den katholischen oder muslimischen Kindern anders war. Sie wollten mir nicht die Wahrheit sagen, aus Angst vor den Kommunisten. Heute weiß ich, diese Leute sind von dem damaligen Präsidenten akzeptiert worden, aber die Bauern, die mit anderen Religionen lebten, waren nur von der Kirche anerkannt. Auch aus diesem Grund haben alle in diesen schwierigen Zeiten gebetet, weil sie so Trost fanden.
Es ging Jahr für Jahr so und bald hatte ich die achte Klasse beendet. Ich sollte nun einen Beruf für meine Zukunft aussuchen. Meine Eltern wollten, dass ich weiter die Schule besuche, aber die Realschule war sehr teuer. Schon in der Grundschule konnten sie sich nur die notwendigsten Sachen leisten. Meine Turnschuhe waren alt und hatten durchgelaufenen Sohlen, meine Hosen waren geflickt, wegen solcher Sachen habe ich mich vor meinen Freunden geschämt. Ich war bald in der Pubertät und es war mir nicht egal, wie ich vor jungen Männern herumlief. Zu dieser Zeit haben sich Jugendliche nicht offen durchgesetzt und weibliche Kinder verließen üblicherweise in dem Alter die Schule. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, auf dem Dorf zu bleiben, um mich, wie meine Mutter und Vater, von morgens bis abends abzuschuften.
Mein Vater hat mich auf die Realschule geschickt, in eine medizinische Schule in Doboj. Das war eine schwierige Zeit für mich, jedoch zeigte ich das meinen Eltern nicht. Ich ging das erste Mal in die Stadt, und das erste Mal sollte ich alleine wohnen. Ja und das erste Mal war ich von meinen Eltern getrennt. Wenn ich an die schwere Zeit zurückdenke, tut mir das heute noch weh. Mir war alles neu, die große Stadt, die andere Schule, sogar die Kultur. Die neue Schule war besser als meine alte auf dem Dorf. Die Schüler gehörten unterschiedlichsten Religionen an. Als ich dort hingekommen bin, hatte ich das Gefühl, ich sei aus dem Himmel gefallen, weil ich niemanden kannte. Meine ältere Schwester Sofi hatte mir eine Wohnung bei einer Frau besorgt. Die Miete zahlte am Anfang mein Bruder, der selbst noch in die Schule ging. In der Wohnung lebten außer mir noch zwei Frauen. So begann für mich ein neues Leben. Meine Mitbewohnerinnen waren reich und haben nicht gearbeitet. Damit ich dort weiter wohnen konnte, habe ich alles gemacht, was die anderen von mir verlangt haben. Meinen Eltern habe ich davon nichts erzählt, damit sie sich nicht keine Sorgen machten. Mit der Zeit haben mich meine Mitbewohner derart herumkommandiert, dass es kaum mehr auszuhalten war. Dazu war die medizinische Schule zu teuer, sodass ich alles hinschmeißen wollte. Mit einem Job könnte ich selbst Geld verdienen, überlegte ich mir. In einem Modehaus gab es eine Ausschreibung. Dort suchten sie Frauen, die an einem Nähkurs teilnehmen und damit dort Arbeit bekämen. Also habe nach sechs Monaten die medizinische Schule beendet und mich in dem Unternehmen beworben.
Es gab viele Bewerberinnen, trotzdem habe ich einen Platz bekommen. Sechs Monate sollte der Kurs dauern und derjenige, der die Kriterien erfüllen konnte, würde Arbeit bekommen und den ersten Lohn. Für mich war es wichtig, die strengen Bedingungen zu erfüllen, ich wollte diesen Job unbedingt, auch damit ich meine Eltern unterstützen konnte. Ich hatte Glück und nach nur zwei Monaten setzte mich der Chef in die Produktion ein.
Eines Tages wurde ich zum Direktor gerufen. Ich hab geschwitzt vor Angst und betete zum lieben Gott, dass er mir beisteht und ich nicht entlassen würde. Der Direktor war ein schrecklicher Mann, mit einem langen Bart und einem säuerlichen Gesichtsausdruck, alle hatten Angst vor ihm. Ich war blass, als ich vor in trat und er mir sagte, dass ich mich setzen soll. Der Direktor fragte mich, ob ich ahnen würde, warum ich dort sei. Leider nein, sagte ich. Daraufhin ist er aufgestanden, hat den Schrank mit den Unterlagen der Arbeiter aufgemacht und einen braunen Umschlag herausgenommen. Er gab in mir und sagte, ich solle ihn aufmachen. Mir war zum Weinen zumuten, denn ich dachte, das sei die Kündigung. Langsam öffnete ich das Kuvert. Und was für eine Überraschung, es kam Geld zum Vorsein und meine Lohnliste. Verdutzt sah ich den Direktor an und fragte, um was es sich dabei handele. Er gab mir die Hand und sagte: Ab jetzt arbeiten sie unbefristet hier. Er meinte dazu, dass ich die Jüngste aber dennoch die beste Arbeiterin sei. So habe ich meinen ersten Lohn bekommen. Ich bedankte mich bei ihm und war super glücklich. Anschließend machte ich mich sofort wieder an die Arbeit.
Während ich an der Nähmaschine arbeitete, dachte ich daran, wie ich meine Mutter erfreuen und was ich ihr von meinem ersten Lohn kaufen würde. Später erstand ich Stoff für das Geld, nähte daraus einen Rock und eine Bluse und schenkte beides meiner Mutter. Dazu gab ich ihr Geld, damit sie in die Kirche gehen und beten könnte. Ich konnte damals kaum das Wochenende erwarten, an dem ich in mein Dorf gehen und meine Eltern und Nachbarn besuchen würde. Meine Eltern waren sehr froh über die Neuigkeit. Und ich freute mich, als ich die Geschenke auspacken und verteilen konnte. Meinem Vater habe ich Getränke mitgebracht, mit dem wir meinen Arbeitsbeginn feierten. Meine Mutter küsste und segnete mich für ihre Geschenke und ich fühlte mich glücklich, weil sie sich freuten. Ich habe meine Eltern stets sehr geliebt und ich habe mich immer bemüht, nichts zu tun, was sie verletzen könnte.
Nach der Familienzeit musste ich wieder zur Arbeit in die Stadt aufbrechen und wir nahmen Abschied. Das ging nie ohne Tränen. Ich sehe heute meine Eltern im Geiste vor Augen, wie sie mir winkten, als ob ich nie wieder kommen würde. Wir hatten eine innige Bindung zueinander. Vielleicht auch deshalb, weil sie mich spät bekommen haben. Das ihre Schwiegertochter in ihrer Nähe lebte, hat mich etwas beruhigt. Sie war zwar ein bisschen grob, hatte aber ein gutes Herz. Ich habe meine Eltern geliebt und respektiert so gut ich es konnte.
Mit der Zeit passte ich mein Leben an die Stadt an. Mein Charakter änderte sich und ich wurde ernster. Abends blieb ich lieber zu Hause, als auszugehen. Vieles was Frauen dort in meinem Alter gemacht haben, hab ich nicht mitgemacht. Zum Beispiel hab ich mich nicht geschminkt. Oft hatte ich meine Mutter vor Augen, die mir immer gesagt hatte, dass ich mich von schlechten Leuten fernhalten sollte oder von bösen Dinge, die mir einen schlechten Ruf einbringen könnten. Außerdem hatte sie mir gesagt, dass ich meinen Eltern keinen schlechten Ruf bescheren solle. Damals habe sich einige junge Männer für mich interessiert und angesprochen, sogar auf meinem Weg zur Arbeit. Ich war zufrieden, glücklich und habe das Leben genossen, so dass ich überhaupt nicht an Heirat gedacht habe. Mein Ziel war es, einen Mann zu heiraten, mit dem ich glücklich sein könnte, eine Familie gründen und dazu arbeiten könnte. Ich war immer vorsichtig, was Beziehungen angeht, ich wollte keine Fehler machen. Männer vom Land habe ich abgelehnt. Ehrlich erklärte ich ihnen, dass ich nicht auf dem Land leben und meine Arbeit nicht aufgeben wollte.
Eines Tages habe ich eine Beziehung mit einem Mann aus der Stadt angefangen. Er war sehr gutaussehend, hat gearbeitet und ein eigenes Auto besessen. Mit der Zeit wurde klar, dass er ernste Absichten mit mir hat. Er wollte mich heiraten und erklärte das seinen Eltern. Nachdem ich sie kennengelernt hatte, schenkte mir seine Mutter sogar einen Ring. Ich liebte aber meine Freiheit und wollte mich nicht leichtfertig auf etwas einlassen. Außerdem war mein Freund sehr eifersüchtig, was mir Angst machte. Dieses Verhalten hat meine Einstellung zu ihm verändert. Und mit der Zeit wurde er immer anstrengender. Inzwischen hatten seine Eltern alles für die Hochzeit vorbereitet, gleichzeitig wurde eine zweifelnde Stimme in mir immer lauter. Eines Tages, nachdem ich die zweite Schicht beendet hatte, kam er, um mich abzuholen. Meine Wohnung lag nicht weit von der Firma und ich wollte lieber spazieren und lehnte es ab, in sein Auto zu steigen. An einer Kreuzung passte er mich mit dem Auto ab. Er befahl mir, ich solle ins Auto steigen und mit zu ihm nach Hause kommen. Als ich das ablehnte, fing er zu schreien und schimpfen und er fluchte, ich blieb stumm. Total sauer brüllte er, er wolle nicht die schlechteste Frau heiraten. Ich erwiderte ihm, er brauche das nicht. Außerdem weigerte ich mich noch immer, mit ihm vor der Hochzeit zu schlafen. Ich wusste zwar, dass er mich liebte, aber ich wollte keinen Fehler machen. Ich zog meinen Ring ab, gab ihn ihm zurück, drehte mich um und wollte weggehen. Voller Zorn schlug er mich, stieg in sein Auto und fuhr davon. Für mich war diese Beziehung beendet. Und ich war froh, dass ich nichts verloren hatte. Von meinen Freunden habe ich später erfahren, dass er eine andere Frau geheiratet hatte und viel Alkohol trinken würde.
Ich ging weiter meiner Arbeit nach und passte in Sachen Männer gut auf. Damals bin ich gerne mit meinen Freunden spazieren gegangen. An einem sonnigen Tag sind wir an Häusern vorbeigekommen, aus denen uns unbekannte Leute beobachtet haben. Plötzlich kam eine Frau heraus und hielt mich an. Sie wolle etwas mit mir besprechen, sprach sie mich an. Ich ließ mich nicht darauf ein, weil sie mir unbekannt war. Aber als wir das nächste Mal dort vorbei kamen, sprach sie mich wieder an. Sie erklärte mir, dass sie einen Sohn habe und das ich die richtige Frau für ihn sei. Klar antwortete ich ihr, dass ich keine Beziehung wolle. Außerdem sagte ich ihr, ich käme vom Land und passe nicht zu ihrer Familie. Es stellte sich nämlich heraus, das es Kommunisten waren. Solche Leute hatten oft Beziehung zu mächtigen Leuten, die vor nichts zurückschreckten. Danach vermied ich den Weg, um der Frau nicht mehr begegnen zu müssen. Aber Ruhe hatte ich dadurch nicht. Denn bald begann ihr Sohn mich zu verfolgen. Ich bekam Angst. Er war nicht mein Typ und ich kannte ihn nicht. Zu der Zeit hatte er auf einem Schiff gearbeitet.
Zunächst hat er versucht, unauffällig zu sein, damit ich nichts merken sollte. Ich konnte damals niemandem davon erzählen. Außerdem war die Verfolgung so anstrengend, dass ich mich zurückzog. Mit der Zeit stellte er mir offen nach und ich erfuhr, dass er Marko hieß. Ich wollte nichts mit ihm haben, ich hatte Angst vor Marko. Dazu wirkte er grob und langweilig. Aber seine Familie ließ nicht locker, selbst seine Schwester Mirjana setzte mich, gemeinsam mit ihm, unter Druck. Ich fragte mich warum die nicht aufgeben wollten und spürte, dass etwas nicht stimmte. Die ganze Familie wirkte unehrlich auf mich.
Als Marko klar wurde, dass ich eine Beziehung mit ihm ablehnte, fing er an, mir zu drohen. Auch das behielt ich für mich. Eines Tages wartete er nach meiner Schicht vor der Firma auf mich. Nur damit er mir keine Szene macht, ging ich mit ihm spazieren. Arglos antwortete ich ehrlich auf seine Fragen über mich. Auch Marko erzählte über sich. Erst später erfuhr ich, das es nicht die Wahrheit war. Er habe früher viel getrunken, das sei aber vorbei. Vier Jahre habe er auf einem Schiff gearbeitet und wolle nun eine Familie gründen und nicht mehr in die Welt fahren. Von Beruf sei er Optiker. Er konnte sich geschickt ausdrücken, trotzdem war ich skeptisch. Und ich erklärte auch ihm, dass ich keine Beziehung mit ihm wollte. Ich liebte ihn nicht, begründete ich meinen Entschluss ehrlich. Allerdings wollte er das nicht akzeptieren. Marko würde mich lieben, das sei genug. Das war mir nicht geheuer. Irgendetwas musste mit ihm nicht in Ordnung sein. Jedoch hatte er sich ein Ziel gesetzt ...
Am folgenden Samstag besuchte ich wieder meine Eltern und war froh, Marko so ausweichen zu können. Zuhause habe ich die ganze Situation geschildert. Ich erklärte, dass seine Familie Kommunisten seien, die nicht in die Kirche gehen. Meine Eltern meinten, ich solle alleine entscheiden, ob ich auf ihn einginge, besonders dann, wenn ich ihn lieben würde. Ich bekannte, dass ich das nicht täte, jedoch verschwieg ich, dass Marko mich bedroht hat, falls ich eine Beziehung mit ihm ablehnen würde. Ich sah mich gezwungen, mit ihm etwas anzufangen. Noch mehr, als er am selben Abend bei meinen Eltern aufgekreuzt ist. Er bat sie, sie sollten auf mich einwirken, damit er eine Chance bei mir bekäme. Er hat ihnen so hinterlistig Lügen aufgetischt, dass ihm meine Eltern geglaubt haben. Aber nachdem er nach Hause gegangen war, warnte mich meine Mutter vor ihm. Sie meinte, dass mit ihm etwas nicht stimme, er habe übermäßig Wasser und Kaffee getrunken. Als ich sie fragte, was sie damit meine, wollte sie wissen, ober er Alkohol trinken würde. Früher habe er das gemacht, erklärte ich und dass das jetzt vorbei sei. Erst später kapierte ich, dass seine Familie gelogen hatte, damit er eine Frau zum Heiraten fand.
Nach dem Treffen ging ich wie gewohnt zurück nach Doboj. Schon am ersten Arbeitstag kam er wieder in meine Firma. Ich begann ihn zu hassen, weil er mich einfach nicht in Ruhe ließ. Eines Tages drohte er mir damit, mich zu vergewaltigen. Dann wollte er allen sagen, was für eine Schlampe ich sei, das alles würde er tun, wenn ich nicht mit ihm kommen wolle. Verzweifelt weinte ich in den Nächten und konnte nicht mehr schlafen, weil alles so ausweglos schien. Leider gab es in der Stadt niemanden, dem ich mich anvertrauen konnte. Die Lage wurde noch schlimmer, als er mir erklärte, dass sein Vater mächtig sei und man ihm eher glauben würde, als einer Frau vom Land.
Schließlich war meine Angst so riesig, dass ich mit ihm gegangen bin, ohne irgendwelche guten Gefühle für ihn zu empfinden. Ich begann mit Marko Beziehung, für die ich mich schämte, weil er mir nichts bedeutete. Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen, trotzdem habe ich mir Mühe gegeben so etwas wie eine Partnerschaft mit ihm aufzubauen. Wir waren völlig verschieden. Er ist von seinen Eltern verwöhnt aufgewachsen. Ich habe sieben Geschwister und wusste, was es bedeutet, wenn man notleidet.
Nach ein paar Monate hatte ich immer noch nicht die Absicht ihn zu heiraten. Eines Tages, es war kurz nach der Arbeit, kam er in die Wohnung meiner Schwester Sofi, wo ich mich damals aufhielt. Er verkündete mir, dass seine Schwester Mirjana unsere Hochzeit für Freitag ausgewählt hätte. Mich hatte keiner gefragt. Er befahl mir, ich solle mit ihr das Kleid kaufen gehen. Ich war sprachlos. Markos Familie hatte alles ohne mich organisiert. Ich konnte einfach nicht glauben, dass es so etwas gibt. Und, unglaublich aber wahr, der Freitag kam, meine Hochzeit. Und habe mich allem hilflos ergeben.
Ich hatte nur meine Arbeitskollegin eingeladen, er seine ganze Familie. Die drängten darauf, dass er schnell heirateten sollte. Inzwischen konnten sie seine Alkoholsucht, die nach wie vor bestand, nicht mehr verbergen. Wir haben in seiner Gemeinde geheiratet und sind anschließend zu seinem Haus gegangen. Die Gäste haben gefeiert und er hatte Kopfschmerzen. Sofort nachdem ich sein Haus betreten hatte, merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Die Gäste haben gegessen, getrunken und sich amüsiert. Nach dem Fest brachte uns Mile, der Ehemann seiner Schwester, ins Hotel „Kardinal“ nach Banja Vrućica. Dort sollten wir unsere Hochzeitsnacht verbringen.
Ich wusste nicht, was mit mir passieren würde. Als wir im Hotel angekommen sind, wollte ich nur weinen. Ich schloss mich ins Badezimmer ein. Er sagte mir, dass ich keine Angst haben brauche und dass er nichts machen würde, was ich nicht wollte. Ich musste aus dem Bad kommen, obwohl ich vor Angst zitterte. Mit Tränen in den Augen legte ich mich ins Bett und schlief ein. Beim Aufwachen bemerkte ich, dass ich nackt war. Was war in der Nacht passiert? Ich konnte mich an nichts mehr erinnern. Ich bemerkte, dass die Nacht für ihn gut gewesen sein musste, aber warum, davon wusste ich nichts mehr.
Nachdem ich aufgestanden und mich fertig gemacht hatte, sind wir nach Doboj gefahren. Meine Schwiegermutter Mara erwartete uns schon zum Essen. Dort angekommen, überreichte ich allen Geschenke. Aber es war seltsam, ich bekam von keinem ein Präsent. Mara rief mich zu sich und erklärte mir deutlich, dass ich ab diesem Tag, egal wo ihr Sohn hinginge, ihn begleiten müsse. Ich wunderte mich und fragte sie, warum das so sei, ich bekam darauf keine Antwort.
Einen Monat nach unserer Hochzeit kam langsam die Wahrheit ans Licht. Marko besuchte oft die Kneipe und kam immer besoffen zurück. Ich beschwerte mich und erklärte ihm, wenn er so weiter machen würde, könne unsere Ehe nicht lange halten. Er lachte nur und gestand, dass er nur so lange nicht getrunken hatte, bis er mich geheiratet hatte. Er wolle sein ganzes Leben lang saufen, brüllte er mich an. Erst in diesem Moment hatte ich wirklich verstanden, in was ich da geraten war. Die ganze Sippschaft hatte mich angelogen! Sie glauben nicht an Gott, sie glauben nur an ihr verdammtes Geld. Was würde da alles auf mich zukommen? Zum Glück wusste ich es damals noch nicht. Aber ich erfuhr zu meinem Entsetzten, die Familie nur ein Ziel kannte: Ich musste mit Marko ein gesundes Kind bekommen.
Weil ich nicht gleich schwanger wurde, soff er erst mal nicht mehr, damit es mit dem Kind besser klappen sollte. Weil das aber auf sich warten ließ, beschimpfte er mich, ich sei Schuld daran. Ich wusste keinen Rat und blieb stumm. Die Zeit verging, und ich hoffte, die schreckliche Atmosphäre würde sich ändern und unser Zusammenleben besser werden. Wir lebten mit seinen Eltern im Haus. Mara wusste über uns bestens Bescheid, Marko erzählte ihr alles über mich und wie ich mich verhielt. Ich fühlte mich wie eine Haushaltshilfe. Ich hatte nichts zu sagen, musste einfach gehorsam sein. Und nach vier Monaten musste ich wieder zum Gynäkologen, um zu sehen, ob es endlich soweit wäre. Er konnte es kaum erwarten, bis ich zurück war. „Ja ich bin schwanger“, konnte ich im mitteilen. Ich habe damals nicht gewusst, dass damit mein Leben immer noch schwieriger werden würde. Das wichtigste was, Marko hatte sein Ziel erreicht, wie ich mich fühlte, hatte niemanden interessiert.
Aber etwas Sonderbares passierte, als Mara von meiner Schwangerschaft erfahren hatte, wollte sie mich zwingen, mein erstes Kind abtreiben zu lassen. Und das sollte mein Mann nicht erfahren. Oh Himmel, so etwas könnte ich nie machen, ich glaube doch an Gott! Ich entschied mich dafür, mein Kind zu behalten. Weil ich ihr nicht gehorcht hatte, wollte meine Stiefmutter nicht mehr mit mir sprechen.
