Gott, wo bist Du? - Birgit Tcherbla - E-Book

Gott, wo bist Du? E-Book

Birgit Tcherbla

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Beschreibung

Birgit Tcherblas Heimatstadt ist Dresden an der Elbe. Sie liebt die Stadt in der sie ihre frühe Kindheit verbracht hat. Das spürt man in ihren Texten. Aber der Krieg und die Bombennacht am 13. Februar 1945 vertrieb ihre Familie aus Dresden. Heute bleibt die Erinnerung, dass sie als kleines Mädchen oft träumend in der Sonne am Elbufer gelegen hat und den Dampfern hinterherschaute, eingehüllt vom Duft der Kamille, die dort wuchs. In Episoden und Gedichten berichtet die Autorin aus ihrem erfüllten Leben.

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Seitenzahl: 101

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Birgit Tcherbla

GOTT, WO BIST DU?

Lebensbericht einer Frau

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2016

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Dem Mann meiner Träume in Liebe und Verehrung gewidmet.

Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte bei der Autorin

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Zitat

I. Meine Heimatstadt Dresden

II. In Schlegel

III. Oberschule Frankenberg und Studienzeit

IV. Ehejahre

V. Rentnerdasein – Der Mann meiner Träume

Erst der Gedanke, dass man sich jederzeit töten kann, gibt mir die Kraft zum Weiterleben.

Wo ist Gott?

So viel Elend auf der Erde!

Wenn doch endlich Frieden werde!

Katastrophen, Sintflut, Beben,

alles muss der Mensch erleben.

So viel Seelenpein und Schrecken.

Was kann Gott damit bezwecken?

Unverständnis, Wahnsinn, Irren,

will er uns damit verwirren?

So viel Finsternis und Qualen.

Teuer muss man alles zahlen.

Nirgends Trost und nirgends Helle.

Warum ist Gott nicht zur Stelle?

So viel Schmach und wild Verbrechen.

Muss ein Gott sich da nicht rächen?

Überall nur Leiden, Leiden.

Ob sie Gott wohl Spaß bereiten?

So viel Tränen, so viel Schmerzen.

Fühl’ Gott nicht in meinem Herzen.

Gäb es Gott, dann müsst er weinen.

Doch mir scheint, es gibt ja keinen.

Der Stier

Aufgepasst, ich bin ein Stier,

nur bei „rot“ ein wildes Tier.

Bin besonnen, bodenständig,

zugegeben, nicht sehr wendig.

Komm ich aber erst ins Laufen,

gibt’s kein Halten und Verschnaufen.

Pack die Dinge im Genick

mit vitalem Kraftgeschick.

Bin fast jederzeit gemütlich,

pflichtbewusst und äußerst friedlich.

Liebe greifbar Materielles,

habe Sinn für was Reelles.

Erde ist mein Element,

wie’s der Astrologe kennt.

Halte fest an alten Dingen,

neue mir nur Zweifel bringen.

Bin für große Neuigkeit

erst nach langem Kampf bereit.

Überzeugt bin ich erst dann,

wenn ich lange denken kann.

Dann siegt die Beharrlichkeit

und das Ziel ist nicht mehr weit.

Bin grad kein Erfindergeist,

nutze and’rer Pläne meist.

Doch da geh ich praktisch ran

und steh somit meinen Mann.

Streb nach Sicherheit im Leben,

Genügsamkeit ist mir gegeben.

Harmonie und Schönheitssinn –

ich für sie zu haben bin.

In der Liebe treu und ehrlich,

für die Männerwelt begehrlich.

Verlasse kaum das traute Heim,

denn dies ist mein Glück allein.

I. Meine Heimatstadt Dresden

Meine Heimatstadt ist Dresden an der Elbe. Ich liebe die Stadt und den Fluss, wo ich meine frühe Kindheit verbracht habe. Aber der Krieg und die Bombennacht am 13. Februar 1945 vertrieben uns von dort.

Als Fünf- und Sechsjährige lag ich oft träumend in der Sonne am Elbufer und schaute den Dampfern hinterher, eingehüllt vom Duft der Kamille, die hier wuchs.

Elbefluss

Elbefluss, ich lieb dich sehr.

Von der Quelle bis zum Meer

würde ich dir gerne folgen,

überdacht vom Zug der Wolken.

Städte, Dörfer zieh’n vorbei,

fühle mich so leicht und frei.

Schiffe fahren durch die Wellen,

möchte mich dazugesellen.

Strömst durch Auen, manches Tal

bei der Sonne Morgenstrahl,

bei des Abendglanzes Schimmer,

bei des Mondenscheins Geflimmer.

Ewig gehst du mit der Zeit

bis zum Ufer Ewigkeit.

Und das Fernweh will mich fassen,

möcht mich von dir treiben lassen.

Schöne Elbe, schöner Fluss,

ich dich immer lieben muss.

Lass mich träumen, lass dich grüßen,

deine grünen Uferwiesen.

Dresden, diese schöne Stadt, auch Elbflorenz genannt, ist eine Stadt der Musik, der Malerei und der Theater, eine Stadt vieler Museen, Kirchen und Denkmäler, Skulpturen und Kunstsammlungen. Bekannt sind die Frauenkirche, der Zwinger, die Brühlsche Terrasse, der Zoologische Garten, das Albertinum, das Johanneum, die Elbbrücke, die Oper, das Schauspielhaus, das Dresdner Staatstheater und die von Semper erbaute Gemäldegalerie, das japanische Palais und viele andere kulturhistorische Gebäude, die Zeugnis geben vom Prunk der barocken Fürstenhöfe.

Von den Kirchen, außer der Frauenkirche, wären vor allem die Hofkirche, Jakobskirche, Lukaskirche und Kreuzkirche zu nennen.

Im Technischen Museum bekommt man einen Überblick über die Entwicklung der Schreibmaschine seit den Anfängen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Und im Hygienemuseum, dessen Ausgangspunkt die Hygieneausstellung im Jahre 1911 war, findet man den Pavillon „Der Mensch“.

Dresden entwickelte sich vom Fischerdorf zu einer fürstlichen Residenz.

Im Jahre 1485, zwei Jahre nach der Geburt des Künstlers Raffael, dessen „Sixtinische Madonna“ knapp 300 Jahre später wesentlich zum Ruhme der Kunststadt beitrug, wurde das Kurfürstentum Sachsen zwischen den Brüdern Ernst und Albrecht aufgeteilt. Albrecht fiel das Herzogtum Sachsen zu und Dresden wurde von ihm zu seiner neuen Residenz erwählt. Es war zu der Zeit noch eine unbedeutende Stadt.

1206 erstmals urkundlich erwähnt, bekam es zehn Jahre später das Stadtrecht. Dresdens Bedeutung beschränkte sich auf eine im Jahr 1200 gegründete Burganlage und auf ihre Handelsstraße zwischen Ost und West. Die Voraussetzung zum Aufblühen war aber schon damals gegeben.

Im Erzgebirge wurden Zinn und Silber gefördert und dies wurde zur Quelle von Wohlstand und Kultur. Bedeutende Handwerker und Künstler waren hier zu Hause, wie zum Beispiel der Naumburger Meister oder die hervorragenden Bildhauer der Goldenen Pforte des Freiberger Doms. Das Kunsthandwerk entwickelte sich. Am Vorabend der Reformation gab es die meisten Städte in Sachsen. Durch den Bergbau bildeten sich neue Gewerke und führten zu reicher Handwerkskultur.

Außerdem fand die lutherische Lehre eine schnelle Verbreitung und mit ihr Lesen und Schreiben. Erste Gymnasien entstanden. Die Lehre Luthers gründete sich neben dem Wort auch besonders auf die Musik. In der 1548 gegründeten Hofkapelle, die noch heute als Sächsische Staatskapelle Weltruhm genießt, agierte der Hofkapellmeister Schütz und schuf die erste deutsche Oper. Johann Sebastian Bach wurde sein Nachfolger und als Kirchenmusiker berühmt.

Herzog Heinrich, der Nachfolger Albrechts, ließ sich von Lucas Cranach d. Ä. auf den ersten ganzfigurigen und lebensgroßen Fürstenporträts Europas darstellen. Sie hängen heute in der Dresdner Gemäldegalerie. Kurfürst August, bekannt als August der Starke, gründete 1560 die Kunstkammer, eine Art Universalmuseum mit Sammlungen aus Wissenschaft und Technik und exotischer Kuriosa (Narwalzahn, Horn des Einhorns).

Ein tiefer Einschnitt in die Entwicklung geschah durch die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges. Erst fünfzig Jahre später kam es zu einem neuen Aufschwung.

Mit der Thronbesteigung August des Starken 1694 begann das Augustinische Zeitalter und eine wirtschaftliche, künstlerische und geistige Wiederbelebung von ungeahntem Ausmaß. Dresden wurde zur Hauptstadt des Landes Sachsen. Zu Zeiten August des Starken waren bei besonderen Festlichkeiten Tierhetzen und Kampfjagden auf dem Altmarkt an der Tagesordnung. Der Hof amüsierte sich.

Hasen, Rehe und Hirsche sowie einheimische Raubtiere wie Luchse, Wölfe und Bären mussten über die Klinge springen. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts gab es auch Löwen in der Elbestadt und auch Junge kamen zur Welt. Der Fürst startete 1731 eine eigene Tierfangexpedition nach Afrika. Mit Löwen, Leoparden und Straußen kehrte man zurück. Tierhaltungen erhöhten das Renommee am Hofe und wurden in wandernden Schaustellungen auf Messen und Märkten vorgeführt.

Die zoologische Sektion Dresden der naturwissenschaftlichen Gesellschaft „Isis“ gründete in Dresden einen Verein für Hühnerzucht, Wasservögel, Stelz- und Greifvögel sowie Säugetiere. Dies wurde vom Publikum angenommen und erfreute sich großer Beliebtheit. Es führte wenig später zur Konstituierung des Aktionsvereins Zoologischer Garten und öffnete im Mai 1861 seine Pforten. Zur Erstausstattung zählten das heizbare Affenhaus, der Bärenzwinger sowie Büffel- und Eulenhaus. Ein Raubtier- und Giraffenhaus folgten. Es stellten sich bald Erfolge ein. Es gelang die Aufzucht von jungen Tigern. So wurde der Zoologische Garten eine Sehenswürdigkeit Dresdens. Der Tierbestand erweiterte sich immer mehr.

Als Kinder waren wir mit unseren Eltern oft Besucher des Zoologischen Gartens. Ich habe mich immer an den vielen großen Glockenblumen erfreut, die zwischen den Bäumen wuchsen.

Manchmal im Herbst gingen wir auch mit unserem großen Bruder allein hin und bauten Laubhütten.

Reich ist die Geschichte Dresdens und groß die Zahl der Persönlichkeiten, die daran mitgeschrieben haben. Vielen von ihnen hat Elbflorenz ein Denkmal gewidmet. Es sind über hundert Denkmale, die man in der sächsischen Kunststadt findet.

Da wäre als Erstes auf dem Neustädter Markt der Goldene Reiter, die kraftvolle Reitergestalt August des Starken mit dem aufbäumenden Pferd und Marschallstab des Kupferschmiedes Ludwig Wiedemann zu nennen, in Kupfer getrieben und feuervergoldet – eines der künstlerisch wertvollsten Denkmale des Barock.

Nahe dem Lieblingsboulevard der Dresdner, in der Straße der Befreiung, findet man das Denkmal von Joseph Fröhlich, des Hoftaschenspielers und letzten Hofnarren am Hofe August des Starken, des Magdeburger Bildhauers Apel, eine Bronzeplastik mit dem spitzen Hut und den Affen zu seinen Füßen. Fröhlich wurde aber auch von verschiedenen anderen Künstlern in Porzellan, Elfenbein, Sandstein, Ton und Ledertapete verewigt.

Viele Denkmale stehen auf der Brühlschen Terrasse. Zwischen Albertinum und der Hochschule für Bildende Künste erblickt man das Denkmal Gottfried Sempers, geschaffen vom Bildhauer Johannes Schilling. Zur Zeit Sempers entstanden zahlreiche Bauwerke: die Synagoge, das erste Hoftheater, der Cholerabrunnen, die Gemäldegalerie. Semperoper und Gemäldegalerie tragen heute seinen Namen. Auch das Denkmal für die Gruft auf dem Inneren Katholischen Friedhof in Dresden-Friedrichstadt entwarf Gottfried Semper.

Zu den ältesten erhaltenen Sandsteindenkmalen der Renaissancezeit zählt das Moritz-Monument an der Dresdner Stadtbefestigung. Die Rede ist von Kurfürst Moritz zu Sachsen. Der Obelisk an der Brühlschen Terrasse stellt dar, wie der 1553 in der Schlacht von Sievershausen tödlich Verwundete seinem Bruder das Kurschwert überreicht.

Dem Bildhauer Ernst Rietschel, dem selbst ein Denkmal gewidmet ist, sind mehrere bedeutende Denkmale zu danken: das Denkmal König Antons, das Monumentalwerk Friedrich August I., Skulpturen an der Gemäldegalerie, das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar und das Standbild Carl Maria von Webers.

Carl Maria von Weber war Musikdirektor in Dresden sowie erster Kapellmeister, er schuf die Volksoper „Der Freischütz“ und vertonte unter anderem Theodor Körners Freiheitsgedicht „Lützows wilde, verwegene Jagd“. Dem Dichter und Patrioten Körner wurde ebenfalls ein Dresdner Denkmal gewidmet. Sein Schöpfer ist E. J. Hähnel. Es steht an der Kreuzschule, deren Schüler er war. Es wurde beim Großangriff am 13. Februar beschädigt und steht heute in Rathausnähe.

Vor etwa 150 Jahren entstand das Luther-Denkmal auf dem Neumarkt von Rietschel. In der Bombennacht stürzte die Bronzeplastik an der Frauenkirche zusammen. Die Teile wurden dann wieder zusammengesetzt und restauriert. Die Plastik steht seit 1955 vor der Frauenkirche.

Ein Sandsteindenkmal in Dresden-Laubegast erinnert an Caroline Neuber, die Theaterreformatorin, auch „Mutter der Schauspielkunst“ genannt, die in ihren späteren Jahren in Dresden wohnte.

In Prohlis, einst am Rande der Stadt, hat ein Bauer, Johann Georg Palitzsch, der Bauernastronom, ein Denkmal. Es wurde 1877 eingeweiht. Er fand bei seinen Himmelsbeobachtungen den Kometen Halley. In seiner Umgebung baute er die ersten Kartoffeln an und führte den Blitzableiter ein. Eine Schule in Dresden trägt seinen Namen. Der Palitzscher Brunnen ist eine Volkskunstarbeit aus dem 19. Jahrhundert. Auch die Gaststätte „Zum Stern“ erinnert an seinen Namen.

Ein anderes Dresdner Denkmal ist dem Schriftsteller, Armenlehrer und späteren Direktor der Armenschule Gustav Nieritz gewidmet. Das Nieritzdenkmal und eine kleine, enge Straße erhielten seinen Namen.

Der Schutzpatron Dresdens im Zentrum, auch „Goldener Rathausmann“ genannt, ist das höchstgelegene Denkmal der Elbestadt. Es steht auf dem Rathausturm, hat eine Höhe von über fünf Metern und wiegt 34 Zentner. Seine Hülle besteht aus eineinhalb Millimeter starkem Kupferblech, mit der Hand getrieben und vergoldet. Den bärtigen Gesellen schuf Richard Guhr im Jahre 1910. Die linke Hand hält ein Füllhorn mit Äpfeln, der rechte Arm ist zu einer schützenden Geste erhoben, mit dem symbolisch das Böse ferngehalten werden soll. Eine Mauerkrone auf dem Kopf drückt den Zusammenhalt der Stadt aus. Die Bleikassette im Kopfinnern enthält Urkunden und Münzen. Durch den Bombenhagel wurde auch der Schutzpatron schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau des Neuen Rathauses erhielt der restaurierte „Goldene Mann“ wieder seinen alten Platz.

Zur Mahnung an die Opfer des Zweiten Weltkrieges entstanden in Dresden mehrere Denkmale, eines für die Kämpfer der Sowjetarmee aus rotem Meißner Granit, enthüllt vom Bildhauer Otto Rost und von Gießern aus Lauchhammer in Metall gegossen, und in der Altstadt steht das 1952 errichtete Denkmal „Trümmerfrau“ vor dem Festsaalflügel des Rathauses. Der Bildhauer Walter Reinhold skizzierte die Arbeiterin Erika Hohlfeld, die bis 1956 Trümmer räumte, als die ersten Neubauten standen.

Auf der Ostseite des Dresdner Rathauses wird die Goldene Pforte von zwei schildtragenden Löwen flankiert, den Wappentieren der Stadt. Vor der Gaststätte „Ratskeller“ steht der Rathausesel. Beim Kellerabstieg bemerkt man die bekannte Skulptur „Bacchus auf dem trunkenen Esel“. Löwen und Esel stammen von dem Bildhauer Wrba Georg.