Gruppenreisende - Esther Gollasch - E-Book

Gruppenreisende E-Book

Esther Gollasch

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Beschreibung

"Gruppenreisende" verbirgt in sich spannende und witzige Einblicke in Menschen und 19 Länder, in menschliche Verschrobenheiten von Leuten, die Gruppenreisen buchen umrahmt von Einblicken in ferne Länder - so wie man es auch seinen Daheimgebliebenen erzählen würde. Ergänzt um Foto-, Gesundheits-,Hotel- und Restauranttipps, Sehenswürdigkeiten, Sehensunwürdigkeiten, Hinweise für Neulinge, Kofferpacktipps für Fortgeschrittene und persönliche Anekdoten (z.B. wie der Ex auf der Reise mutiert). Jedes Kapitel beinhaltet als Zugabe noch ein landestypisches Rezept. Es geht in ferne "unübliche" Länder, weshalb die Inhalte außergewöhnlich sind, wie z.B. die Beschreibung des Besuches eines Hexendorfes, der Teilnahme an einer Voodoo Zeremonie samt des weltgrößten Voodoo Festes oder das Feiern des Vogelmannkultes auf Rapa Nui, der Osterinsel. Reisegeschichten für den Urlaub im Alltag.

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Seitenzahl: 368

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Für Bärbel, meine Tante und Freundin,

die mir vor genau 40 Jahren sagte „Du musst mal ein Buch schreiben“ nachdem sie meine Kurzgeschichten las.

Das habe ich nun – zum Teil auch für sie - getan, was sie leider nicht mehr erfahren wird, da sie gestorben ist.

Inhaltsverzeichnis

INTRO

BUCHEN

FLUCHEN

FLIEGEN

KUBA

DOMINIKANISCHE REPUBLIK

PERU

CHINA

VIETNAM UND KAMBODSCHA

CHILE, ARGENTINIEN & OSTERINSEL

SRI LANKA

USBEKISTAN

KAPPADOKIEN

PANAMA, COSTA RICA, NICARAGUA

INDIEN UND BHUTAN

TOGO, GHANA, BENIN

INTRO

Wirklich schräg finde ich, dass wenn ich „Gruppenreisen.de“ google, der Text „Grupenreisen.de – Ihr Spezialist für Sondergruppen“ erscheint.

Sondergruppen, yes! Das trifft es wirklich, dieser Firma kann man vertrauen! Wenn ich Gruppenreisen buche, werde ich auf der Reise Gruppenreisende treffen und diese sind wirklich „Sondergruppen“ im Sinne von sonderbar.

Sozial auffällig wandeln sie durch fremde Länder, stellen schwachsinnige Fragen und fotografieren Nichtmotive.

Freundlich sind sie allerdings, diese zusammengewürfelten Individuen aus allen Teilen Deutschlands.

Kommen in irgendeiner Ecke der Welt über die großen Flughäfen unseres Landes zusammen und versuchen im Bus und am Speisetisch mit ihren verschiedensten Charakteren, Alters- und Sozialstrukturen ihre schönste Zeit des Jahres gemeinsam zu verbringen.

Das führt auffällig oft zu abstrusen Vorkommnissen, die ich hier preisgebe und die alle real stattfanden.

Da ich diese beobachteten seltsamen Verhaltensweisen meiner Mitreisenden irgendwie kompensieren muss, schreibe ich sie in einem Buch nieder. „Buch“ führt mich zu buchen:

BUCHEN

Kann einfach sein. Reise sehen, gut finden, buchen, los.

Ist es meistens aber nicht. Ich habe gelernt: man sieht eine Reise, findet sie gut und günstig. Seit Jahren mache ich mir dann eine Querübersicht. Jede Spalte ein Anbieter mit seinen Inhalten. Sehr einprägsam war, als ich eine Reise nach Madagaskar vom „Discounter mit den 70er Jahre Farben“ sah. Voll günstig. Aber nicht gleich buchen: Spalten nach Anbietern getrennt machen, Leistungen wie Dauer, Abflugort, Preis, Verpflegungsart und Sightseeing-Points rein. Sofort gesehen, dass dann die Reise vom „Discounter mit den 70er Jahre Farben“ teuer ist. Man sieht nur fünf Dinge, zahlt bei anderen Anbietern zwar mehr, sieht aber bis zu 23 Dinge auf Madagaskar. Muss man dann wissen, was man will. Für´n Tausender buchen und sagen können ich war da, oder 800,-€ mehr zahlen und wirklich Land und Leute kennenlernen.

FLUCHEN

Ganz geil war es bei „Hügel & See“ zu buchen. In diesem Fall Uganda und Kenia. Buchen klappt toll, man drückt die Eins und hat gleich einen Gesprächsteilnehmer, bei dem man buchen kann. Aber wehe, man hat gebucht und eine Frage! Dann muss man nämlich die Zwei drücken und warten. Und zwar lange! Meine Reiseunterlagen ließen Fehler vermuten. Im Anschreiben war angegeben, dass ich 46 kg Gepäck mitnehmen darf, im Flugvoucher standen lediglich 23 kg. Ist ja ein kleiner Unterschied.

Das Anschreiben lesen ja noch die Meisten. Wer vergleicht im Voucher mehr als den Namen? Das kann dann eine miese Überraschung werden, wenn einem dann am Flughafen mitgeteilt wird, dass man 23 kg Übergepäck hat!

Und gebucht hatte ich, wie ich es auch gut fand: erst die anstrengende Rundreise, dann ein paar Tage Badeurlaub zur Erholung vor dem langen Rückflug. In den Unterlagen war es dann andersherum.

Ich rief zwei Mal an. Das erste Mal wartete ich 12, das nächste Mal 18 (!!) Minuten. Wenn man dann endlich die nervtötende Dudelmusik überstanden und einen Gesprächsteilnehmer am anderen Ende hat, denkt jetzt klärt sich mein Anliegen, Pustekuchen!

„Das weiß ich nicht, da muss ich die Kollegen fragen.“ Waah!!! Warum setzen die jemanden an die „Hotline, wenn der keine Ahnung hat?!?!

„Notline“ würde es hier eher treffen.

Ich bat um Rückruf. Da die Unterlagen erst zwei Wochen vor Reiseantritt zugesandt wurden, machte ich deutlich, dass es eilt. Es erfolgte kein Rückruf. Nach 25 Stunden sandte ich ein Fax mit meinem Anliegen, schrieb, so herum finde ich die Reise unschön und hätte sie nie so gebucht, die Reiseunterlagen entsprechen nicht der Ausschreibung, welche Vertragsgrundlagen sind und bat um dringenden Rückruf. Nichts! 24 Stunden später ein zweites Fax. Nach weiteren vier Tagen eine Antwortmail. Ich darf nur 23 kg Gepäck mitnehmen und die Reise ist so wie in den Unterlagen beschrieben. Das war´s! Na klasse! Der Service ist auch sonst so: bei all meinen Reisen konnte ich gegen Zuzahlung ab Hamburg fliegen. Wenn man eh 24 bis 30 Stunden unterwegs ist bis man ankommt, mag man nicht noch nach Frankfurt und erst recht nicht zurück von Frankfurt stundenlang Bahn fahren mit umsteigen. Wenn man bei „Hügel & See“ fragt:

„Nein, das machen wir nicht!“

Ich: „Dann buche ich ihre Reise ohne den Flug und buche mir den selbst ab Hamburg.“

„Nein, das machen wir nicht!“

Äußerst genialer Service, der darin gipfelte, dass ich über diese Agentur die Reise in die drei baltischen Länder Estland, Lettland, Litauen buchen wollte. Der vorgegebene Flug ab Frankfurt weckte wieder nicht meine Begeisterung. Ich guckte und fand den gleichen Flug, allerdings ab Hamburg. Die Abflugzeit war die gleiche, die Airline war die gleiche. Ich freute mich, dann nehme ich den. Flugzeit unter zwei Stunden ab Hamburg, cool! Fragte, ob sie mich für den Flug ab Hamburg buchen können, da er mit der gleichen Airline ist zur gleichen Zeit.

„Nein, das geht nicht“

Ich sagte, dann buche ich die Rundreise und reise selbst an und ab.

„Das machen wir nicht.“

Ich erwähnte noch, dass ich unter zwei Stunden ab Hamburg unterwegs bin, alleine schon nach Frankfurt die doppelte Zeit benötigen würde.

Interessierte nicht. Hier ist der Kunde König!?!

Großartig hingegen die Reaktion von Habari Travel. Sie hatten einige Großstädte, nicht aber Hamburg als möglichen Abflughafen angegeben. Ich fragte, ob ein Abflug ab Hamburg möglich wäre.

„Ja, das geht.“

„Wieviel kostet mich das zusätzlich“

„Ach, Frau Gollasch, das machen wir so, das berechnen wir ihnen nicht“.

Leider kam diese Reise wegen der Mindestteilnehmerzahl nicht zustande, weswegen ich bei „Hügel & See“ buchen musste. Ich kann aber - auch aus weiteren netten Kontakten - Habari Travel für Ugandareisen wärmstens empfehlen.

FLIEGEN

Der Flug an sich, pffft. Unspaßig meistens. Hier habe ich meine Technik geändert. Statt ewig genervt herumzusitzen, schmeiße ich mir nun auf Flügen ab 8 Stunden eine leichte Schlaftablette rein. Bestens! Früher bin ich genervt, übermüdet angekommen, mich ereilte vom Klimawechsel plus zu wenig Schlaf irgendeine Krankheit-meist Halsschmerzen von der Klimaanlage im Bus oder Flieger (hier ein Tipp: immer mit Halstuch, auch wenn es heiß ist. Aber aussteigen, schwitzen, danach pustet die kalte Luft auf die Bronchien, geht schief. Diesen Tipp gab eine Reiseleiterin mal meinen Eltern und ich finde, er macht Sinn).

Ich hasse den Mittelplatz, der nur noch getoppt wird von der Mitte in der Mitte der Mittelreihe. Dann sitzt man da vorn und hinten beengt und hat meist auch noch von rechts und links Ellenbogen auf den Lehnen und sitzt da wie El Spacko mit an die Taille gedrückten Armen. Das geht aber nicht 10 Stunden lang. Und ausflippen könnte ich, wenn ich denn endlich mal in den Schlaf gefunden habe, der Idiot neben mir, der IMMER seinen Arm auf der Lehne hatte, sich damit nicht mal mehr begnügt, sondern auch noch auf meinen Platz rüber wuchert und mir seinen Ellenbogen in die Rippen haut, so dass ich wach werde. Beim dritten Mal hätte ich ihm eine klatschen können und frage, ob es nicht reicht, permanent auf der Lehne zu hängen, es jetzt auch noch mein Platz sein muss! Wenigstens war danach gut. Merken die das nicht von selbst?!?! Und die Allermeisten (neben dauerbrüllenden Kindern, deren Tonlage in den Ohren schmerzt, aber die können ja noch nichts dafür) sind … die ohne Beinmuskulatur! Ich hasse sie!! Schaffen es nicht, vom Sitz aufzustehen, ohne ihre Hände in den Vordersitz zu krallen und dabei kräftig daran zu rütteln, bis der auch ja wach ist! Kaum wieder eingeschlafen wieder wach - er rüttelt und krallt und rüttelt, stürzen wir ab? - nein, er versucht es zu schaffen, seinen fetten Arsch wieder auf den Platz fallen zu lassen. Sollen die doch zu Hause bleiben, wenn die so degenerierte Muskulatur haben, dass sie es nicht mal in die Vertikale schaffen!!

Ältere Paare sitzen immer am Gang. Einer rechts, einer links.

„Dann kommen wir besser zur Toilette.“

Ach und die anderen? Pinkeln in Sitz und hoffen, dass es schnell verdunstet?

Beobachten kann grausam sein. So sieht man, dass viele das Getränk nicht an den mit dem Fensterplatz weiterreichen.

Soll die Stewardess sich ruhig den Rücken verrenken. Ich habe Urlaub, oder was?

Auch hatte ich schon mal einen merkwürdigen Chinesen neben mir, der sich die gesamte Flugzeit autistisch benahm.

Weiter gibt es Zeitungsleser, die die Zeitung umblättern und dem Nachbarn dabei fast das Nasenbein zertrümmern, die Vernünftigen, die abends mit Zahnbürste gen Klo (ich gehöre auch dazu – gleich ein Mädels Tipp: ich lege mir zu Hause eine Slipeinlage vor Nachtflügen rein, entferne sie bei der Zahnputzaktion und habe dann eine fast frische Unterhose, was bis zur Ankunft deutlich angenehmer ist), machen ihre Anti-Thrombose-Gymnastik. Dann die –nur-auf-Flügen-Tomatensafttrinker.

Und die, die sich echt einen reinschütten, um den Flug witziger überstehen zu können.

Die, die den Flieger besteigen und man sitzt schon auf seinem Platz, und denkt:

„Oh Gott, bitte lass den nicht mein Sitznachbar sein.“

Die, die immer mit dem Handy telefonieren müssen. Beim Losfliegen.

„Ja, wir sind jetzt in Frankfurt und heben gleich ab, es ist bewölkt.“

Wer will das wissen?!?!

Beim Landen dann sofort wieder als erstes Handy angeschaltet; soo wichtig, haben in der Zeit bestimmt jede Menge essenzielle –oder gar lebensnotwendige- Nachrichten verpasst.

Die Netten, mit denen sich auch unterhält und die Zeit „vergeht wie im Fluge“, haha.

Die Hektischen, die unter Flugangst leiden oder Asiaten sind.

Ankommen und Erleben in:

KUBA

November 1994

Bisher habe ich immer Urlaub mit Eltern, danach mit Freundinnen und schließlich mit Partnern gemacht.

Deutschland, Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Schottland, Skiurlaube, Kanada, USA.

Das war immer einfach und gut. Sich etwas überlegen, buchen, losfahren und genießen.

Ich ahnte ja damals nicht, auf was für ganz andere Arten man auch Urlauben kann…

Als ich 26 war, war ich mit Manolo bis dato ½ Jahr zusammen und in dem Alter wollten wir mal etwas Exotisches buchen. Damals buchte man eigentlich immer so, dass man in ein Reisebüro ging und sich beraten ließ. So kamen wir auf Kuba.

Er wegen alten Autos, Cuba Libre, Cohibas und solchen Männersachen, ich wegen Palmen, Meer, bunten Klamotten shoppen und solchen Frauensachen.

1 Woche Rundreise mit einer Gruppe.

Wir sind zu acht in einem Kleinbus. 1 Lehrerehepaar, 2 Kumpels aus dem Osten, noch ein jüngeres Pärchen und wir.

Eine blond gefärbte Kubanerin als Reiseleiterin. Wir starten und ich machte meine ersten Reisegruppenerfahrungen. Man fährt, lässt die Landschaft auf sich wirken und bekommt das Wichtigste über Land und Leute erklärt…eigentlich…

Unsere junge Reiseleitung flirtete lieber mit den beiden Ost Jungs – ganztägig! Also ließen wir nur wirken.

Die beiden Jungs waren natürlich sehr angetan und flirteten kräftig zurück.

Die gegenseitige Vorstellung ergab: die beiden Lehrer waren Ingrid und Klaus, Ende 40 aus Bremen.

Das jüngere Pärchen Angela und Henning, Anfang 20 aus einem Dorf irgendwo bei München, die beiden Ostler Jürgen und Kalli aus Sachsen.

Jürgen und Kalli platzierten ihre biergeformten Körper im Kleinbus direkt in die Reihe hinter die Reiseleitung und klopften sich über diesen Erfolg mit – zumindest körpernaher- Angrabaussicht gegenseitig auf die Schultern.

„Mit dea möchte i hoid Obend gerne buzeln gehe und sie ordentlich andaddschhorn, hehe“ „Obba erscht, nachdem ich ausgiebig ihren Gusche kennagelent hoab“.

Wieder gegenseitiges Schultergeklopfe und Gelächter.

Mir tut das in den Ohren weh und verstehen tue ich die sowieso nicht!

In die nächste Reihe rutschten Angela, in einer hellblauen Rüschenbluse und Henning im beigen T-Shirt und Hosenträgern. Prima Ausblick für mich, die ich dahinter sitze.

Da das Tagesgepäck auf die Sitzreihen links platziert werden, haben wir-bevor wir unsere Rucksäcke neben uns ablegen konnten, Ingrid und Klaus neben uns. Hatten wir gestern beim Begrüßungsessen alle auf eine schöne Reise angestoßen, wurde uns jetzt ganz jovial das „Du“ angeboten - wir machen große soziale Fortschritte!

In Havanna begeisterte der morbide Charme der alten Häuser. Bunt angestrichen, kubanische Klänge streichen durch die Straßen, schöne Oldtimer fahren vor Meereskulisse vorbei. Ich bin vertieft in den Anblick der Altstadt bis ich neben mir unverständliche Worte höre. Hat mich ein Einheimischer angesprochen?

„Woas hätsscht´n Du jetzte?“

„Du hättscht mir no net oinmal dä Ranziehgugger gegäbe und sprichst ständig mit de Daylin“

Daylin hab´ ich verstanden, das ist unsere Reiseleitung.

Da Jürgen jetzt Kalli sein Fernglas gibt, übersetze ich mir fassungslos, dass „Ranziegugger“ Fernglas heisst!

„Noa bräuchst net mehr zu „diggschn.“ Ich geb´s auf.

Manolo guckt mich an und schmeisst sich weg.

„Du guckst wie ein Auto.“

„Wahnsinnig witzig, mich macht das ganz irre, ich verstehe Null.“

„OK, Schatzi, dann machen wir das nächste Mal in Sachsen Urlaub und lernen die Sprache.“

Genau, prima Idee!

Abends gibt es Hähnchen mit Süßkartoffeln und dicken Bohnen. Lecker! Hatte noch nie Süßkartoffeln.

Eine Band kommt an den Tisch und spielt „La Cucaracha“ - das passt ja prima hierher, das ist Urlaubsfeeling!

Danach sitzt die Gruppe noch zusammen, nur wir gehen aufs Zimmer, schließlich sind wir jung, frisch zusammen und im Urlaub…

Am Morgen geht es von der Hauptstadt weiter nach Vinales. Während der Fahrt stinkt es plötzlich, ist aber schnell wieder weg. Kurz darauf stinkt´s wieder. Manolo rümpft auch die Nase, gleichzeitig sagen wir „Ich war es nicht.“

Beim dritten Mal wird der Geruch vom Ton begleitet und ich identifiziere Kalli…Dicke Bohnen und Bier verbreiten ihre Wirkung. Geil!

Neben mir dozieren derweil Ingrid und Klaus über das Bruttoinlandsprodukt Kubas und den Kommunismus. Manolo schiebt sich seine Kopfhörer auf und ich stelle mich schlafend.

Angela und Henning schlafen tatsächlich. War wohl anstrengend gestern den ganzen Abend mit der Gruppe…

Das Tal „Pinar del Rio“ ist wunderschön – wie unsere Ossis da finden weiß ich nicht, da sie nur ein „Dschidschoriengrien“ von sich geben, Ingrid und Klaus faseln was von der Geschichte des Kalksandsteins, Angela hat heute original eine rosa Rüschenbluse an und Manolo fragt einen Einheimischen, ob hier nicht der Tabak für die berühmten Zigarren herkommt, da unsere Reiseleitung mit zwei uns sehr bekannten Männern abseitssteht.

Im Restaurant – was für ein Zufall- nochmal Hähnchen mit dicken Bohnen und Süßkartoffeln, aber war ja lecker gestern. Ich hoffe, dass Kalli nicht so viele Bohnen isst.

Musiker geben an unserem Tisch „La Cucaracha“.

Die Gruppe ist eins-nach dem Mahl können sie sich wieder nicht trennen, wir jedoch verabschieden uns aufs Zimmer und merken, dass uns die Gesichter nicht mehr allzu freundlich nachblicken.

Freudvoll hingegen war das, was dann im Zimmer kam…

Ich merkte bereits heute leichten Widerwillen, mich bereits zum frühen Frühstück zur Gruppe zu gesellen.

Kalli war schon am fröhlich vor sich hinpupsen, das Lehrerpaar erzählte Erdkundliches und Angela trägt heute Blümchen auf ihrer Bluse.

Als wir in Trinidad ankamen, bestand die laut Reiseprogramm ausgewiesene

„Stadtführung“ aus 2 Kurzsätzen seitens der Reiseleiterin

„Dies ist eine Kirche“

–ach so- und „Diese Steine (Gehweg) sind aus Deutschland“

Wow!

Manolo guckte mich schräg von der Seite an und ich kicherte:

„Puh, ob ich mir das alles merken kann?! Aber Hammerinfos!“

Liebevoll nahm er mich in den Arm und flüsterte

„Selbst, wenn es mehr Infos geben würde, hätten wir das in drei Jahren sowieso alles wieder vergessen, also egal.“

Beim Pipi-Stopp nahmen uns Kalli und Jürgen zur Seite „Wir müsse was ausglaniesorn, de Daylin hätt morgän Geburtstag und do sollten ma was buddeln, aber nüscht blämbe,

vielleicht Cuba Libre.“ Entgeistert starre ich sie an: „Was?!?!?!“

Ingrid übersetzt mir, dass unsere Reiseleiterin morgen Geburtstag hat, das würden wir ja wissen, wenn wir nicht immer abends nach dem Essen auf unser Zimmer gehen würden und wie wir das feiern.

Wieso wir feiern? Ist das meine Freundin? Und: hallo?!?! Wir sitzen 10 Stunden am Tag im Kleinbus zusammen, aber dann verpasse ich die ja anscheinend weltbewegende Informationen, weil ich nicht die 12 Stunden am Abend vollmache oder was? Ich werde sauer, die ticken doch nicht sauber! Und Manolo und ich bekommen die Ansage, sich etwas für morgen zu überlegen.

Es gibt im Hotel Hähnchen und Dicke Bohnen mit Süßkartoffeln. Das kann doch nicht angehen, wieso gibt es nichts Anderes? Ganz originell fand ich denn, dass das Hotelpersonal als gemeinsame Musik-Kombo auftrat und „La Cucaracha“ gab.

Wir gingen heute nach dem Essen nicht auf´s Zimmer, wir flüchteten.

Manolo und ich machten noch einen schönen Spaziergang, um für Daylin eine Packung Camel zu holen - sie raucht Camel und mit 5 Dollar sollte das ein nettes Geburtstagsgeschenk abgeben. Der Sternenhimmel hier ist unglaublich! So viele Sterne habe ich noch nie gesehen.

Aber während wir romantisch beseelt hinauf gucken,

höre ich Knattergeräusche und aus ist´s mit der Romantik „Manolo, mach mir nicht den Kalli!!“

Am nächsten Tag im Bus denke ich, ich hab´n Sehfehler: der Reiseleiterplatz ist über und über mit Blümchen geschmückt. Ob Angela gestern noch in ihrer Blümchenbluse Blümchen gepflückt hat?! Dann steht da eine Kulturtasche gefüllt mit Parfum, Schminke und mehr kann ich leider nicht sehen, aber die Tasche ist prall gefüllt. Dann noch ein Umschlag mit mehreren Scheinen, Schokolade und eine Kette.

Äh, für herausragende reiseleiterische Leistungen oder was?

Ein ca. 100-D-Mark-Geschenk für nichts oder wie?

Manolo:

„Komm runter, die sind doch nicht ganz dicht“

und übergibt mit einem „happy birthday“ unsere Kippen mit dem Dollarschein.

Klaus sieht uns tadelnd an:

„Die haben doch hier nichts, da muss man großzügig sein.“ „Könnte sie denn mit ihrer Leistung ja auch mal sein.“

Und ignoriere ihn und den Rest der Gruppe bis zum Mittag, indem ich die Augen schließe. Ich will weder den Blümchensitz, noch die fette Kulturtasche noch Angelas heutige Blusenabscheulichkeit sehen.

Kalli und Jürgen kleben heute noch mehr an Daylin - vermutlich sind sie der Meinung, das haben sie sich mit den Geschenken reichlich verdient.

In Camaguey gibt es heute mal etwas Anderes: „La Cucaracha“ wird vor dem Essen gegeben. Und das Hähnchen gibt es heute mal mit dicken Bohnen und Reis, das ist ja abgefahren!

Wir sind wieder böse und gehen einfach aufs Zimmer, um Sex zu haben!

Das Frühstück beginnt bezaubernd: wir erhalten vom Lehrerpaar einen Tadel:

„Dass ihr euch aber auch immer so absondern müsst“

Lasse ich jedoch müde an mir vorüberziehen, werde jedoch hellwach, als ich vernehme, dass das heute Abend aber „nicht drin ist“.

„Bitte?“

„Morgen kommen wir in Varadero an, da ist Verabschiedung von der Gruppe und daher müssen wir heute Abend diskutieren, wieviel Trinkgeld wir der Reiseleitung geben.“

„Das kann doch jeder machen, wie er meint.“

„Nein, das ist hier ein armes Land, da leben die vom Trinkgeld, da kann man nicht einfach unbedarft irgendwas geben, das muss diskutiert werden, damit wir zu einem vernünftigen Ergebnis kommen.“

Überlege kurz, ob ich mir Cuba Libre zum Frühstück bestelle.

Manolo holt eine Cohiba, die er für zu Hause gekauft hatte, aus seinem Rucksack und raucht die auf unserer Außenterrasse – find ich geil, guten Appetit Gruppe!

Als wir alleine sind, regt sich heute auch mal Manolo auf: „Was ist das denn bitte?! Das ist ja wie in einer Sekte!!!!“

„Tröste dich - morgen sind wir sie los.“

Auf dem Weg nach Varadero eskaliert es. Ingrid und Klaus beantragen eine Routenerweiterung um ein Industriegebiet!!! Ich flippe aus und poltere los:

„Ich glaube, es hackt! Einen auf intellektuell machen, so ein Schwachsinn, zu Hause fahrt ihr garantiert am Wochenende auch nicht los und guckt euch Industriegebiete an, wir machen das nicht! Das ist nicht im Programm und wird nicht um so´n Scheiß erweitert!!“

Absolute Stille in Bus.

Alle starren mich an. Das Industriegebiet wurde nicht angeguckt, bingo!

Endlich in Varadero! 1 Woche Pärchenurlaub am weißen Sandstrand mit türkisen Meer liegt vor uns!

Es gibt noch ein Abschiedsessen, tatsächlich fucking chicken mit Süßkartoffeln und kallikörperförmigen Bohnen!!!! Ich kann den Scheiß nicht mehr sehen!! Wollen die uns verarschen? Das Essen ist doch inkludiert, was geben die denn in Auftrag

„Eh, da kommt ´ne Gruppe, macht mal jeden Abend Huhn und Bohnen mit Süßkartoffeln, das passt schon“??? Oder

„Macht mal wie ihr meint und was einfach ist“ oder wie ist das vom Veranstalter geplant worden?!

Ich würg`s mir nochmal runter, verzichte darauf, die Cucaratcha-Musiker zu schlagen und muss dann auch noch sitzen bleiben, um die Gruppendiskussion mitzumachen. Ich fasse es nicht, dass ich es tue! Ich sage nur:

„Wir geben, was wir für angemessen halten“

und sind damit durch. Die anderen diskutieren ungelogen 49 Minuten darüber!!!

Trinkgeld übergeben, von der Gruppe verabschiedet, Henning sagt:

„Vielleicht sieht man sich ja nochmal“ –

hoffentlich nicht - und weg. Auf dem Zimmer sprangen wir in die Luft, gaben uns high five und sangen:

„Wir sind die Sekte los, wir sind die Sekte los, das feiern wir jetzt groß“ und gingen erstmal in eine schöne Bar am Meer und genossen einheimische alkoholische Kaltgetränke.

Manolo schließt die Zimmertür auf und sagt:

„Du, wir haben einen Brief von der Sekte“.

„Ja, genau, sehr witzig, willst Du, dass ich Alpträume bekomme?“

„Nein wirklich, guck hier.“

Er hält mir eine rausgerissene Notizblockseite hin:

„Hallo Esther, hallo Manolo, die Gruppe trifft sich morgen Abend um 19 Uhr im Hotel Palmas und hofft, dass ihr dabei seid.“

Ich bin sprachlos. Lese es nochmal. Fassungslos.

„Ist das eine Verarsche oder Rache, weil wir immer abgehauen sind?“

„Nein, ich glaub, die meinen das ernst, sie sind schließlich die Sekte.“

„Aber woher haben die denn unsere Zimmernummer?“

„Der Bus ließ uns doch an unserem Hotel raus und wenn die unsere Namen genannt haben, hat das Personal den Zettel einfach unter unserer Tür durchgeschoben.“

„Ich kotze.“

Muss ich erwähnen, dass wir nicht hingegangen sind?!?!

Die Woche gestaltete sich nicht wie erwartet. Es gab eine Woche nur Regen. Noch heute gucke ich mir mit einem breiten Grinsen die schönen Fotos an, wie ich völlig entnervt in voller Bekleidung auf einem Gartenstuhl im Meer im Regen sitze.

Als erstes gingen wir am Abend in das beste Restaurant, das musste ich nach einer Woche Huhn und Bohnen einfach haben.

Wir bestellten Fisch, war OK, zum Nachtisch Eis. Kommt da ein Riesenklops Vanilleeis. Keine Kugel, nicht zwei, nicht drei, nein ein unförmiger Klumpen aus ca. 400 g Vanilleeis. Ohne Waffel, ohne Sahne oder Deko. Ich starrte es an wie gestern noch den Zettel. Kann doch nicht angehen; es gibt haben hier zwar nicht viel, aber Kokospalmen -daraus lassen sich Kokosraspel machen. Und Ananas-die kann man in Scheiben oder Stücke machen und dekorativ auf das Eis legen, nee, nicht möglich, wie? Und das im besten Restaurant?! Wie sind denn dann die anderen?

Apropos „nicht möglich“- aufgrund des Dauerregens wollten wir uns ein Mofa mieten, da Badeurlaub ja nicht ging. Laufen die ca. 1,5 km zum Verleih und sagen, dass wir ein Mofa für eine Woche mieten wollen.

„Nee, das geht nicht.“

„Warum nicht?“

„Muss nach 24 Stunden wieder abgegeben werden“.

„Warum?“

„Muss.“

Ach so.

Ich laufe doch nicht 1,5 km zurück, komme am nächsten Tag wieder 1,5 km angelaufen und miete das wieder mit Vertragsabschluss an und das jeden Tag?!?

Da ich nicht völlig behämmert grundlos jeden Tag ´ne Furche zum Moped-Verleih und zurücklaufe, mieten wir halt nur für einen Tag. Statt Kultur dann eben Trinkkultur – man muss ja auch kubanischen Rum getrunken haben, Hemingway, Mochito und so…

Huhn mit Süßkartoffel und dicken Bohnen

gibt es nicht.

a) Weil ich das Gericht nicht mehr sehen konnte

b) Weil man das auch notfalls ohne mein Rezept hinbekommt

DOMINIKANISCHE REPUBLIK

November 2000

Manolo gibt es nicht mehr, seitdem er eine neue Nachbarin bekam, sich plötzlich rar machte, ich hinfuhr, irgendwo klingelte, im Haus war, dort beim neuesten Namensschild klingelte, mich als unter ihr wohnend vorstellte und sie willkommen hieß. Dafür hatte ich extra noch eine Flasche Sekt gesponsored. Schnell lenkte ich das Gespräch auf die anderen Nachbarn und sie erzählte fröhlich, dass sie grad gestern Abend mit Manolo spazieren war, der voll nett sei. Er war dann noch auf eine Flasche Wein bei ihr. Mir hatte er erzählt, er habe TV geguckt. Da dann schon mein Bauchgefühl angeschlagen hatte, fragte ich, was er gesehen habe. Er sagte einen Titel, ich sagte sofort, witzig, das habe ich auch gesehen, wie ist es denn ausgegangen, ich bekam einen Anruf und verpasste das Ende. Er sei eingeschlafen ... Der Nachbarin wünschte ich viel Spaß im neuen Heim und mit Manolo dessen Ex-Freundin sie grad als Erste kennenlerne, klingelte bei ihm, holte meine Sachen und teilte ihm mit, dass er fortan Geschichte sei.

Daher Urlaub mit Rick. Das ist sehr krude, weil er zu meiner Hamburg-Clique gehört und wir uns nie sehr nahe waren, eher ab-als zugewandt.

Jedenfalls wollten wir beide weg und wollten Kenia buchen.

Zwei Tage vorher brach im Nachbarland Ebola aus. Bei einer Krankheit mit tödlichem Verlauf muss das ja nicht sein.

Die Reiseverkehrskauffrau und Rick beschlossen, dass Dominikanische Republik eine gute Alternative wäre. Ich: „Ich will nicht in die Domi“. Sie redeten weiter.

„Hallo?! Ich will nicht in die Domi“.

Sie suchten schon ein Hotel aus.

„Ich will nicht so ‘n bescheuerten All-In-Urlaub.“

Ich wurde weiterhin ignoriert. Irgendwann fügte ich mich und so kam ich zu meiner Domi-Reise.

All in, ganz toll.

In unserer Clique glaubten sie, wir verarschen sie. Kein einziger nahm uns ab, dass wir zusammen in Urlaub fliegen. Taten wir; sogar in ein Doppelzimmer. Dieses war die Hölle: ein mini Raum über der Disco und unter dem stark schwirrenden Ventilator.

Wir waren weder alt noch spießig, doch jede Nacht Discomucke bei 160 Dezibel bis zwei Uhr geht dann doch nicht. Beschwert und ein neues Zimmer bekommen.

Das neue Zimmer ist klasse– es war ein netter Palmwedel-Bungalow in erster Beachfront mit direktem Meerblick. Herrlich, jetzt fand ich die Domi schon besser.

Da es grad lief, lernten wir noch drei Jungs aus Stuttgart kennen. Dirk, Dennis und Anton.

Wir verstanden uns prächtig und nahmen fortan jeden Abend Punkt 17 Uhr am Meer den Sundowner gemeinsam ein.

Die Sonnenuntergänge in der Domrep sind genial: man kann förmlich sehen, wie die Sonne ins Meer fällt und der Himmel verfärbt sich dazu in den allerschönsten Farben. Das bestätigte der tägliche Auflauf der anderen Hotelgäste. Beim allabendlichen Sundownertrinken lernte man auch die anderen bald kennen.

Da war Manuela, eine Tätowierte mit kurzen schwarzen Haaren und Kind. Sie poppte jeden Abend einen anderen Animateur durch und erzählte, sie hat das Hotel wegen der ganztägigen Kinderbetreuung gebucht.

Das Kind, wir nannten es Sabbelinchen, war tatsächlich süß und tat uns leid. Also bauten wir Sandburgen mit ihr. Irgendwann hörte ich Rick:

„Duhu?“

„Jaa?“

„Merkst Du was?“

Ich blickte mich um:

„Nö“.

„Sabbelinchen ist längst weg.“

Kicher, da haben wir ganz versunken Sandburgen gebaut und nicht gemerkt, dass sie längst wieder in ihre Spielgruppe gegangen war.

Und dann war da noch Horst. Horst war noch mehr tätowiert, muskulös, glatzköpfig. Beim Sundowner erzählte er meinen vier Jungs, er will unbedingt zu den „Hüren“.

Da ist er schon ganz scharf drauf, so schokobraune Hüren, wo die denn hier sind.

Rick meinte wohl kaum in der Hotelanlage, da muss er schon in Ort fahren.

Fortan plante Horst aufgeregt seinen Hürenausflug.

Drei Tage später kam er mit total mieser Laune wieder.

„Und? Bei den Hüren gewesen?“

„Joa, doa nämt mich eine mit, ich muss vorher zahlle und dann geht’s zur Sach und i merk, die hat ihre Toage!“

Gröhl, gacker, gacker.

„Des is net witsch, dea hoätt sisch geweigert mit moin Geld wieddazugebba“.

Kreisch.

Die Anlage war schön-alles mit Palmenwedeln bedeckt, selbst der Aschenbecher war aus einem Palmenstamm gemacht, so dass sich die Anlage gut in die Landschaft dieser südlichen Domi-Seite adaptierte.

Die Animateure waren großartig-jeden Abend eine Show, für die man zu Hause auch Eintritt zahlen würde. Musicals, Tanzshows und andere Aufführungen. All die Kostüme und durchweg tolle Leistungen. Dazu neben dem Buffetrestaurant noch drei Themenrestaurants zur Auswahl. Ein Italiener mit leiser Italomusik, Meerblick und Pizza & Pasta. Ein Meeresrestaurant im Sand direkt am Meer mit frischen Seafood und ein Mexikaner mit alter Mexikowesternkulisse.

Wer wollte eigentlich nicht in die Domi?!?

Abends landeten wir immer häufiger in der Disco.

Als ich mich in ein hautenges, silbernes Stretchkleid geworfen hatte, traute ich nicht dann doch nicht – alleine der Rückenausschnitt ging bis zum Ende des selbigen. Also zog ich noch einen Minirock drüber, so dass das Oberteil als Rock herhalten sollte. Rick fand das zu schade.

„Ich trau mich aber nicht nur in dem Kleid“

„Mach doch, sieht gut aus.“

„Nur, wenn Du sagst, du siehst total süß aus.“

„Du siehst total süß aus.“

Wenn das unsere Hamburg-Clique hören könnte-würden die nie glauben.

Also nur das Kleid. Dirk, mit dem ich mich immer besser verstand, klebte an diesem Abend an mir.

Ziemlich betrunken gingen wir aus der Disco in die seidig warme Luft. Er sagte, wenn er seine Freundin nicht hätte…ich sei so lebendig, selbstbewusst (hallo, Rick musste erst sagen, dass ich süß aussehe, bevor ich mich in meiner zweiten Haut raus traute!?!) und nahm meine Hand. „Schade, dass man nur bis 22 Uhr in Pool darf.“

Ich sagte können wir doch trotzdem machen, sind alle in der Disco oder schlafen.“

Er: „Mit Klamotten? Würdest du das machen?“

und ich sprang…er wegen Händchenhaltens somit auch. So schwammen wir bepegelt unsere Runden, eines der schönsten Urlaubserlebnisse. Danach an Strand, aus den Klamotten, nackt geschwommen. Das Meer war tatsächlich noch wärmer, als der Pool und die Luft! Kann das Leben schön sein. Bis zum Morgen lagen wir am Strand und redeten über esoterische Erlebnisse. Ich erzählte ihm von dem Buch „Die Prophezeiungen von Celestine.“ Am Anfang muss man sich quälen, aber dann, es ist der Hammer.

Natürlich knutschten wir noch – diese laue Wärme, die Palmen, der Alkohol tun schließlich irgendwann ihre Wirkung.

Als ich im Morgengrauen in unsere Hütte kam, kam mir Rick aus dem Bad entgegen und betrachtete mich. So, wie ich ihn kannte und unser Verhältnis zueinander war, hatte ich erwartet, dass jetzt ein Spruch kommt wie „Jetzt weiß ich auch, warum es Morgengrauen heißt“,

aber er ging zurück ins Bad, holte ein Handtuch und trocknete mir ganz zärtlich meine Haare. Sprachlos ging ich schlafen.

Da ich langsam Hotelanlagenkoller bekam, wir bereits den Hotelausflug zur Insel Saona mitgemacht hatten, nichts weiter angeboten wurde, organisierte ich halt selbst einen Ausflug. Zu der Kapelle Altos de Chavon, in der Michael Jackson seine Lisa Marie Presley geheiratet haben soll, Besuch des Künstlerdorfes und Besuch einer Zigarrenfabrik.

Ich lief durch die Hotelanlage und fragte meine Sundowner-Bekannten, ob sie mitwollten. Ich bekam neben Dirk, Dennis und Anton noch 1 Pärchen zusammen, weswegen wir sechs eine Taxe voll bekamen. Rick wollte absolut nicht mit, wollte auf gar keinen Fall einen Ausflug machen.

Wir verbrachten einen herrlichen Tag; von der steinernen Kapelle Altos de Chavon blickt man auf den Chavon River. Hier sieht man sehr eindrucksvoll, wie ein Wirbelsturm die Palmen, die parallel zur Flussbiegung verlaufen, auf einem breiten Streifen abrasiert hat, da die Palmen daneben noch stehen. Dieses Foto hängt auch drei Jahrzehnte später noch in meinem Büro.

Ohne Worte war, dass Rick, als ich wiederkam, sauertöpfisch guckte und zickig fragte:

„Na, war´s schön?“

Ich erzählte begeistert von dem Tag.

„Na toll, mich hast Du ja nicht mitgenommen.“ Bitte?!?!?!?! Was ist denn in den gefahren? Hatte wohl Langeweile, sich über sich selbst geärgert, dass er so bockig war und nun lässt er es an mir aus.

Die abendlichen Cocktails beruhigten ihn dann wieder, wir verbrachten noch eine schöne Restzeit. Nach dem Heimkommen verarschten wir erstmal die Clique damit, dass wir jetzt zusammen seien. Wollten sie nicht so recht glauben. Doch wir hatten vorgesorgt und gefakte Umarmungsfotos beim Sonnenuntergang machen lassen. Hatten wir einen Spaß wie sie guckten, als sie das sahen.

Banbdera Dominicana - Nationalgericht, würziger Eintopf, für ca. 8 Personen

Zutaten:

1/2 Huhn,

Bitter-Orangensaft

3 geräucherte Koteletts

2 Pfund Kürbis

1/2 Weißkohl

einige Kartoffeln

Zwiebeln

Knoblauchzehen

Paprikaschoten

3 Kochbananen

eine Batate (Süßkartoffel)

Maniokwurzel(Yuca)

je 2 EL Salz

Thymian

frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer

1 TL Oregano

2-3 Liter Wasser

Zubereitung:

Das Rezept ist sehr variabel.

Das Huhn wird zerteilt und im Bitterorangensaft mariniert, dann zusammen mit in Stücke geschnittenen Kotelett, dem Knoblauch, der Zwiebel, usw. angebraten. Wasser dazu und mit den verschiedenen Gemüsen weichkochen lassen, alle Gewürze und Salz dazu, ziehen lassen und abschmecken. Der Geschmack ist einmalig. TIPP: ein Schuss Kokosmilch dazu.

PERU

April 2005

Zu der zweiten Gruppenreise kam ich wie die Jungfrau zum Kinde.

Ich sagte an einem trüben Tag zu meinem damaligen Lebensgefährten Peter, man muss auch mal in der eigenen Stadt Tourist spielen. So nahmen wir uns das Hamburger Karoviertel vor, schlenderten zwischen portugiesischen und spanischen Läden herum, ich kaufte mir einen Sixpack von einem meiner Lieblingsbiere, das portugiesische Sagres.

Er dödelte noch ewig in dem Laden herum, ich langweilte mich an der Tür stehend. Da fiel mein Blick auf einen Stapel Reisekataloge von „Pineapples“. Heute gibt es diese Firma nicht mehr. Ich blätterte ihn durch, alles so interessant und exotisch. Also kurzerhand mitgenommen. Zu Hause ließen wir unseren „Urlaubstag“ entspannt ausklingen, ich las zunehmend fasziniert den Katalog durch, sagte zu ihm:

„Du, davon könnt ich alles buchen.“

Er sah ihn auch durch und so buchten wir eine Peru-Rundreise.

Diese Reise war der Anstoß-sie fraß sich dermaßen in meine Seele, dass mich ab da das Fernreisevirus infiziert hatte.

Szenen, die sich einbrannten waren z.B. die Zugfahrt gen Cusco. Wenn der Zug im Urubambatal die Serpentinen hinauf langsamer fahren musste, standen an den Gleisen Blumenverkäufer. Wie verzweifelt muss man sein, um den ganzen Tag auf einen der wenigen Züge zu warten, um vielleicht mal eine Blume zu verkaufen? Und welcher Tourist kauft sich eine Blume? Nichts kann man eigentlich auf so einer Reise weniger gebrauchen. Einmal kaufte ein Mitreisender einen Blumenstängel. Sie freuten sich so, das fand ich unglaublich. Wieviel kann man an einem Blumenstängel verdienen?!

Und als wir zu Machu Picchu kamen, erlebte ich etwas, mit dem ich weder gerechnet hatte, noch jemals zuvor erlebt hatte. Als ich da so auf rund 2.500 m Höhe ankam, diese Reste der von den Inkas gegründeten Stadt erblickte, die so lange vom Urwald überwuchert verborgen lag, schossen mir Tränen in die Augen, so ergriffen war ich plötzlich.

500 Jahre lag diese Stadt, die ganz ohne Mörtel zu Trockenmauern aufgebaut wurde unter dem Dschungel, der sie zugewuchert hatte, vor der Öffentlichkeit versteckt im Dornröschenschlaf.

Dann wurde sie erst 1911 von einer Expedition der Yale University durch Zufall wiederentdeckt – eigentlich war man auf der Suche nach Vilcabamba…eine Inkastadt, in die sich die Inkas geflüchtet haben sollen, nachdem Pizzaro Cusco einnahm. Damals dachte man, Vilcabamba auch gefunden zu haben. Erst 50 Jahre später entdeckte man das wahre Vilcabamba durch Luftbildaufnahmen und folgende Expeditionen. Eine irre Entdeckungsgeschichte, zumal somit erst in den 1960er Jahren klar wurde, dass es sich um Machu Picchu handelte.

Eigentlich komisch, dass mich ausgerechnet diese Reise so anfixte, denn ich war permanent krank. Durchfall, Fieber, Kopfschmerzen durch die Höhenkrankheit. Ständig trank ich gegen die Höhenkrankheit Koka-Tee, kaute Kokablätter, lutschte Kokabonbons-half bei mir nur nicht.

Wenn man das zu Hause erzählt, kam an dieser Stelle immer „Oh Koka, der muss es dir doch gut gegangen sein, hihi.“ Für alle: man müsste schon 400 (!!) Tassen Koka-Tee trinken, um eine berauschende Wirkung zu spüren! Also, wenn einer aus Peru zurückkommt, sagt das nicht, das haben schon alle vor euch gesagt!

Einer aus „Gruppe“ hatte solche Herzprobleme, dass er nicht mit in die Höhen konnte.

Die höchste Höhe waren 5.000 m – ein karger Gebirgspass, auf dem Einheimische Alpacca-Stricksachen verkaufen. Schöne dicke Kuschelsocken nahm ich damals für umgerechnet 3,-DM mit. Auch einen Pulli für mich, einen Pulli aus Babyalpacca für Papa, eine Alpacca-Wolljacke für Mama und eine blaue Stickjacke mit gestrickten Blumen drauf auch noch für sie. Kam toll an und sie trugen es voller Stolz. Mittlerweile haben Alpacca-Strickwaren auch in Deutschland Einzug gehalten, kosten aber ein Zigfaches! Habe ich dort für einen hochwertigen Pulli aus Baby-Alpacca (fand ich nicht an Straßenständen, hierfür Läden aufsuchen) für 15,- DM gekauft, so kostet ein Pullover aus normaler Alpacca-Wolle hier um die 80,-!

Typisch sind hier die bunten Röcke der Frauen, die „Polleras“ heißen. Sie werden in mehreren Schichten übereinander getragen. Manchmal sind sie aber auch schwarz, begleitet von einem Gürtel, der mit Blumen bestickt ist. Schwarze und rote Stickereien kommen am häufigsten vor.

Hier assoziiert man mit Peru meist den Poncho (Stichwort Fußgängerzone, Panflöte). Im 17. Jahrhundert war er das typische Kleidungsstück der Plantagenarbeiter, auch wenn ich nicht weiß warum, da ein Poncho eher hinderlich bei so einer Arbeit ist?!

In unserer Unterkunft eine Szene, die sich mir bis heute eingebrannt hat: ich sah meine Chips-Tüte – zum Bersten aufgebläht. Ich zeigte sie „Guck mal Peter, da braucht´s gar keiner Worte mehr, um deutlich zu machen, warum ich solche Kopfweh habe, so sieht es in meinem Kopf aus.“

Ob man die Höhe verträgt oder nicht, kann man vorher nicht wissen. Es hängt weder vom Alter, noch von der körperlichen Fitness ab. Ich würde jedem, der eine Reise in große Höhen plant, raten, vorher einen Test zu machen. Dafür gibt es Reisepraxen, die das für ca. 100,-€ testen.

In Lima fingen wir gleich an gegen die Gruppe zu agieren…empfanden wir nicht so, die legten uns das jedoch so aus. Erster Tag und wir setzten uns ab. Es sollte ins Museum gehen, darauf hatten wir keinen Bock. Ich hatte ein Restaurant am Ende eines langen Steges entdeckt, das

„Rosa Nautica Restaurant“. Es wirkte für südamerikanische Verhältnisse recht nobel. Hier saßen wir draußen, spürten die Sonne, den Wind, saßen mitten auf dem Pazifischen Ozean und tranken Pisco Sour.

Ich schreibe nicht „einen Pisco Sour“, denn wir sagten uns erster Tag, da muss ein Pisco sein. Prost, auf einen schönen Urlaub.

Dann fiel uns ein, dass der Pisco Sour im Lima Stadtführer (Lima, la ciudad de los Reyes, Seite 553 aus dem Jahre 1928/29) zu ersten Mal erwähnt wird. Also ein 2. Prost auf Lima!

Anschließend überlegten wir uns, dass Pisco Sour mit drei Teilen Pisco gemacht wird und nach Pisco fahren wir ja auch noch - Gründe genug für ein drittes Prost auf Pisco!

Zu den drei Teilen Pisco kommen noch ein Teil Limettensaft, ein Teil Zuckersirup und ein Teil Eiklar und Eiswürfel ins Glas.

Wir hatten definitiv mehr Spaß, als wir im Museum gehabt hätten; alles richtiggemacht!

Am nächsten Morgen ging`s mir schon gleich schlecht-Durchfallattacke. Ob von dem Klimawechsel, den nicht geringen Mengen Alkohol oder dem Eiklar bleibt unklar.

Festgestellt, dass es San Franzisco auch hier gibt…in Form eines alten Klosters mit Katakomben.

In der Hauptstadt der Inkas, Cusco, gelernt, dass Reiseleiter einen in Restaurants schleppen, bei denen sie verdienen.

Es schmeckte uns prima, wir unterhielten uns mit Einheimischen, beobachteten das quirlige Miteinander. Und zahlten ¼ des Preises-25 Soles mit Getränken (ca.8,- €) -dafür hätten wir im Touri-Restaurant grade einmal die Getränke bekommen. Wieder alles richtiggemacht!

Aus kulinarischen Gründen kam es dann zum Eklat mit der Gruppe: „Gruppe“ schlug urplötzlich vor, einen Programmpunkt ausfallen zu lassen, um dafür Meerschweinchen essen zu gehen. Wir waren die einzigen, die den Programmpunkt sehen wollten, weil wir definitiv kein Meerschweinchen essen wollten. Es gab eine große Diskussion warum wir da hinmüssen, warum wir uns ausgrenzen. Ich antwortete zunächst begründend. Als mir immer mehr Warums an den Kopf geschleudert wurden, wurde ich laut und schrie durch den Bus: „WEIL ICH KEIN MEERSCHWEINCHEN FRESSEN WILL!!!“ Angewiderte Blicke beiderseits: ich starrte die „Gruppe“ angewidert an, weil sie das, was daheim ihre Kinder wahrscheinlich als Haustier lieb haben, hier in ihre verfressene Kauleisten schieben wollen, die Gruppe starrte uns angewidert an, weil wir uns widersetzten, auf die Durchführung des Programms (Sonnentempel der Inkas) beharrten. Der Reiseleiter fand einen Kompromiss: wir fahren das Programm wie vorgesehen ab und „Gruppe“ kann abends Meerschweinchen, hier cuy genannt, essen. Na, guten Appetit!

Auf den Sack ging uns von Anfang an „der Schleimer.“

Son Männchen mit Brille, Meister Isegrim-Jacke und…Teddy am Rucksack!!! Mit ca. 50 Jahren!!!

Ich lernte hieraus und aus den daraus folgenden Beobachtungen in den nächsten Jahren folgendes: Männer mit baumelden Teddybärchen am Rucksack gehen gar nicht!! Und: Meister Isegrim Jacken tragen viele, aber es sind quasi immer Spackos!! Guckt selbst – sie sehen aus wie Sozialpädagogen mit Waldorfschul-Hintergrund beim Mateteeverkauf! Einen großen coolen, großen, bärigen, muskulösen Outdoorman habe ich damit nie entdecken können. Die tragen eher Patagonia.

Also, Männchen musste ab dem ersten Tag in der ersten Reihe sitzen. Der Reiseleiter sagte, wir können uns ja tageweise abwechseln, d.h. am zweiten Tag in die zweite Reihe, am dritten Tag in die dritte Reihe usw. Traurig eigentlich, dass man erwachsenen Menschen so etwas sagen muss, damit das klappt. Wie bei Kindergartenkindern. Klappte aber trotz Ansage nicht!

Männchen saß auch am zweiten Tag in der ersten Reihe. Auch am dritten.

Da Männchen ca. 1,75 m groß war, mein Peter jedoch 1,92 m bei auch noch extrem langen Beinen, er sich in dem Transporter eine Woche wirklich mit seinen Beinen und z.T. 10-Stunden-Fahrten echt gequält hatte, sprach er am 8. Tag Männchen an „Du, ich würd´ heute gern mal vorne sitzen, weil ich mit meiner Größe hinten kaum sitzen kann.“ „Nein, ich sitz vorn beim Reiseleiter!“

Unglaubliches Egoistenschwein! Meerschweinchenfresser! Hat der ein Glück, dass Peter ein so verträglicher Mensch ist. Er ließ es dabei bewenden, ich kochte und hatte ein neues Feindbild.

Ich nahm ihn unter Beobachtung und stellte fest, dass er den armen Reiseleiter den ganzen Tag mit bekloppten Fragen nervte. Auch am Abend saß er immer neben ihm und ließ ihn nicht mal in Ruhe essen. Wenigstens zahlte er dessen Essen mit, wenn das Abendbrot nicht inkludiert war.

Gern erinnere ich mich an den Abend in Aquascalientes- wir hatten Null Lust auf die Gruppe und Abendbrot, holten uns Dosenbier und Chips und machten es uns auf dem Hotelbalkon gemütlich. Es regnete und wir saßen unter unserer Überdachung und guckten dem Treiben in der Gasse unter unserem Hotel zu. Herrlich, viel besser als das oberflächliche Gruppengequatsche bei Tisch. Plötzlich zeigte ich stumm in das Fenster gegenüber – ein bodentiefes Fenster…und dahinter…Gruppe!!! Ausgerechnet!! Und wer sitzt neben dem Reiseleiter und schleimt sich wieder ein?? Natürlich! Ekelhaft! Ich kann den Typen nicht mehr sehen! Alleine, wie er schon aus dem Restaurant herauskommt mit dem Wippteddy hinten dran, ich krieg Schreikrämpfe!

Eine Truppe von vier Wienern nervte nicht. Das waren die Einzigen, die normal auf uns wirkten. Waren auch mit 2 Pärchen unterwegs-wahrscheinlich ist man dann per se schon mal sozialverträglicher, wenn man Freunde hat und die auch noch mit einem verreisen. Gunnar und Babs wirkten auch noch im mittleren Alter relativ verliebt. Und gut gelaunt. Kein Wunder- die hatten ja auch ihre Freunde dabei und ignorierten die Gruppe bestmöglich.

Ich schwankte zwischen –wie kann man so ignorant sein- und –wie cool- als Gunnar sich beim Besuch einer großen, alten, sehr hübschen Kirche stattdessen mit einem Buch draußen hinsetzte und las ohne einen Blick in die Kirche geworfen zu haben. Mit mehr Jahren und Weisheit auf dem Buckel, denke ich heute „Er weiß, was ihm gefällt und was nicht und nutzt die Zeit für sich sinnvoll. Wahrscheinlich kommt er aufgrund eines Stress-Jobs zu Hause kaum zum Lesen, ist sich gegenüber achtsam und ist nicht der Masse hinterherhechelnd, also cool“.

Unvergesslich war unsere Nacht bei Einheimischen im Titikakasee. Ich krank. Niedrige Hütte mit zwei Bettgestellen, einfacher Matratze, einer Kerze und vier Streichhölzern. Ich hatte so einen Schüttelfrost, dass mich Peter mit allem Verfügbarem zudeckte. Nachts musste ich auf Klo. Aber Klo war ja nicht. Nie werde ich vergessen, wie ich im Dunkeln nach der Kerze tastete, mit Angst ob der nur vier Hölzer versuchte die Kerze mit dem 1. Streichholz anzubekommen, zitternd über dem Plastikeimer hockte und dachte: „Dafür hab´ ich nicht wirklich Geld bezahlt??!?!“