Hässliche Modetranse - Arielle Rippegather - E-Book

Hässliche Modetranse E-Book

Arielle Rippegather

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Beschreibung

In ihrem Buch greift Arielle Rippegather die verschiedenen Stationen ihres Lebens auf. Als 18-jähriger Marco steht sie im Salon von Udo Walz und erhält den Ausbildungsplatz, um den sich 600 weitere Kandidaten beworben haben. In den Jahren danach folgen Fernsehauftritte in diversen Sendeformaten. Sie ist im Auslandsrecall von "Deutschland sucht den Superstar". Als lauter und schriller Paradiesvogel rockt sie die Szene. Doch plötzlich wird es schlagartig ruhig. Im März 2019 teilt Arielle öffentlich mit, was sie bislang mit sich selbst ausgemacht hat: Dass sie im falschen Körper steckt. Sie nimmt jetzt auch ihre äußere Veränderung in Angriff. Darüber berichtet sie offen und mit einem Augenzwinkern in diesem Buch, das neben ihrem Werdegang auch einen Transgender-Ratgeberteil enthält, z. B. wie nimmt man eine amtliche Namensänderung vor.

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Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Arielle Rippegather

Hässliche Modetranse

Impressum

© NIBE Media © Arielle Rippegather

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlags und des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Created by NIBE Media

Fotografie (weibliches Foto): sany_kay_photography

Fotografie (männliches Foto): George_andress_photography

Makeup: [email protected]

NIBE Media

Broicher Straße 130

52146 Würselen

Telefon: +49 (0) 2405 4064447

E-Mail: [email protected]

www.nibe-media.de

Das Buch ist meiner verstorbenen Oma

Edeltraud Kalberg gewidmet.

Inhaltsverzeichnis:

VORWORT

VORWORT (Brief von Micaela Schäfer)

Hässliche Modetranse?

Schule – oder die tägliche Dosis Horror

Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!

Mein Schlüsselmoment

ZWEITER TEIL

(M)EIN RATGEBER:

1. Psychotherapeut

Haare entfernen lassen

2. Hausarzt

3. Der Endokrinologe

4. Sprachtraining

5. Die Brust-OP

6. Die Namensänderung

7. Operationen ohne bestimmte Reihenfolge

Glaub an dich und tue dir selbst gut mit deinen Taten!

Wie stelle ich mir mein Leben in 10 Jahren vor?

NACHWORT UND DANKSAGUNG

VORWORT

Meine Lieben,

endlich könnt ihr es in euren Händen halten. Ich bin unglaublich glücklich darüber, dass mein eigenes Buch auf dem Markt ist! Doch seid euch bewusst, dass es kein einfaches Buch ist.

Ich habe so viel Liebe und Kraft in jede einzelne Zeile investiert! Und auf diesen ganzen Seiten gibt es nicht irgendeine „erfundene Geschichte“ zu lesen! Sondern mein LEBEN! Und was gibt es Kostbareres als eine wahrhafte Lebensgeschichte.

Das Buch spiegelt meine wahren WERTE und alles für was ich stehe wider!

KRAFT, LIEBE und auch DANKBARKEIT.

Denn das sind die wichtigsten Fundamente im Leben.

Das Buch beinhaltet zwei Teile. Der erste Teil ist meine persönliche Biografie und glaubt mir, wenn ihr das gelesen habt … kennt ihr wahrhaftig jede Zelle von mir.

Manchmal ist es mir schwer gefallen so ehrlich zu sein – nicht nur zu euch, sondern auch zu mir selbst. Jedes Mal, wenn ich mit meiner Ghostwriterin Christiane telefoniert habe, die mein Chaos auf die Seiten gebracht hat. Denn ihr wisst, ich bin eine Blondine mit viel Plastik, aber einem wahren Herzen.

Aber eben keine Schriftstellerin. Ich war mindestens einen Tag komplett fertig, weil alles Unangenehme wieder hochkam! Es wäre gelogen zu sagen, dass der Arbeitsprozess immer einfach für mich war … dennoch bin froh und umso stolzer, dass ihr jetzt meine Geschichte in den Händen haltet. Aber keine Sorge, das Vorwort und auch die Danksagungen sind alleine von mir verfasst.

Der zweite Teil ist für meine Transgender Community! Es ist eine Art Anleitung oder auch Ratgeber.

In welcher Reihenfolge und besonders wie ich an die Thematik herangehe, den falschen Körper loszuwerden.

Es sind wirklich alle Punkte dabei … sogar ein paar Adressen.

Vom psychologischen Gutachten, bis zu Ärzten oder Kosmetikstudios für Bart-, bzw. Haarentfernung.

Da ja noch die größte Operation vor mir liegt, schreibe ich auch über meine Ängste, aber es ist ein Buch der Hoffnung! Denn, auch wenn ich oft von euch als Vorbild gesehen werde, habe ich auch oft ÄNGSTE.

Und ja, auch das gehört dazu!!!!

Ich hätte mir damals genau so einen Leitfaden gewünscht! Und hoffe, euch damit etwas zurück zu geben. Aber bitte beherzigt, dass mein Ratgeber keinen Arztbesuch ersetzt. Bitte macht nichts auf eigene Faust: Tabletten nehmen oder Ähnliches, sondern lasst euch auf eurem Weg immer ärztlich begleiten.

Und jetzt ganz viel Freude beim Lesen.

VORWORT (Brief von Micaela Schäfer)

Liebe Arielle,

vor 7 Jahren etwa haben wir uns das erste Mal unterhalten. Wo das war? Ich weiß es nicht mehr. Aber ich erinnere mich, dass es eine ganze Weile dauerte, bis wir beide das erste Mal bei einem Kaffee zusammensaßen. Damals warst du noch Marco. Deine Ehrlichkeit und Offenheit fand ich total sympathisch, weil es in dem Umfeld, in dem wir uns bewegen, nicht selbstverständlich ist. Also tranken wir weiterhin gemeinsam Kaffee und hin und wieder auch andere Getränke.

Wenn ich rückblickend überlege, wie ich dich als Marco wahrgenommen habe, dann muss ich gestehen, dass ich dich jetzt als Arielle genauso empfinde. Du bist für mich irgendwie kein anderer Mensch geworden. Du hast jetzt nur dieses Strahlen in den Augen, wirkst befreiter. Und letztlich war es das ja auch, ein Befreiungsschlag gegen dein eigenes Gefängnis.

Wie ernst es stellenweise um dich stand, war mir gar nicht so bewusst. Du hattest Depressionen, so richtig heftige. Das hat mich erschreckt, weil ich dir nichts, aber auch gar nichts angemerkt habe. Das war ein Schock für mich und irgendwie fand ich es traurig, weil du dich niemandem anvertraut hast. Wie allein du gewesen sein musst. Ich hoffe, dass du nie wieder in ein solches Tief fällst. Klar ist nicht jeder immer gut drauf, aber das damals muss eine sehr, sehr schlimme Zeit für dich gewesen sein.

Wenn ich dich heute so ansehe, dann ist es kaum vorstellbar, dass du in einem anderen Körper gesteckt hast. Erinnerst du dich noch daran, als du sagtest: „Mica, du bist meine Nacktschnecke“ und ich nicht locker ließ, bis du mein Nacktboy warst? Deine Outfits wurden gewagter und man konnte irgendwann alles sehen.

Diese Zeiten sind jetzt vorbei, aber ich freue mich umso mehr, wenn du meine Nacktfreundin werden willst. Das habe ich mir immer gewünscht. Gemeinsam Berlin unsicher machen. Zusammen macht es einfach mehr Spaß.

Was möchte ich dir noch sagen? Das Wichtigste für die Zukunft: Ich wünsche dir von Herzen, dass du deine finale OP gut überstehst. Die anderen Eingriffe hast du super weggesteckt und du siehst einfach fantastisch aus. Mehr und mehr fällt alles von früher von dir ab und macht einer strahlenden Arielle Platz. Das macht mich sehr glücklich.

Lass dich nicht unterkriegen, sei du selbst, lass dich nicht von deinem Weg abbringen und achte auf dich.

Deine „Mica“ Micaela

Ich mit meiner Freundin Micaela Schäfer –

da schenkte sie mir meinen ersten BH

Hässliche Modetranse?

An dieser Stelle möchte ich euch den Titel des Buches erklären. Ihr denkt euch bestimmt: Warum beleidigt sie mit diesem Buchtitel genau unsere Community oder sich selber?

Ich weiß, dass wir Tag für Tag mit Vorurteilen und Beleidigungen zu tun haben.

Und das muss aufhören – aber wie soll es aufhören, wenn wir schweigen oder wir uns immer werbefreundlich ausdrücken? Drücken die Hater uns ihre Meinung nett und freundlich auf? Wenn wir ehrlich sind, hatten wir doch schon alle mal einen dieser „netten“ Kommentare oder eine „nette“ Nachricht im Postfach!

Aber fangen wir von vorne an! Jedes Wort hat eine besondere Bedeutung und zusammen ergibt es das Mosaik.

Hässliche? Ja, Hässliche habe ich ausgewählt, weil ich weiß wie man von der Außenwelt begutachtet wird. Jeder sucht gerade „den Fehler“ oder das Männliche an dir! Keine biologische Frau wird jemals im Aussehen JEDEN TAG so begutachtet wie wir! Selbst dann, wenn sie es dann über acht Ecken erfahren haben, dass man früher mal ein Mann war.

Und die natürlich vorher keinen Schimmer hatten. Wenn sie es dann wissen, kommt hundertprozentig der Spruch: Stimmt daran oder daran hätte es mir auffallen können. Kein Wunder, dass viele, mich nicht ausgeschlossen, eine Neurose bekommen.

Und glaubt mir, ich weiß, wie das einen kaputt machen und man sich jeden Tag hässlich fühlen kann, an sich zweifelt und dadurch nur noch deprimiert ist.

Deshalb seid euch bewusst, jeder ist schön so wie er ist!

Mode: Das Wort Mode habe ich reingebracht, weil ich diesen Satz hasse (gerade beim Outing). Das machst du doch, weil es Mode ist. Nein, sowas macht man nicht aus einer Mode heraus! Und es ist auch nicht „cool“ oder „modern“, man macht es, weil man so ist, wie man ist!

Weil wir so sind – wir sind so geboren – geboren im falschen Körper.

Ich wünschte, diese Leute würden mal einen Monat Hormone nehmen – spätestens dann wüssten sie bei dieser Quälerei, dass es bestimmt keine MODE ist.

Es ist auch keine Entscheidung Trans zu sein – die einzige Entscheidung, die wir treffen, ist, zu uns zu stehen oder wir gehen kaputt! Nicht umsonst ist unsere Selbstmordrate sehr hoch. Also eigentlich entscheiden wir uns doch nur zu leben!

Und liebe Leute, ja, man hört jetzt mehr über Trans, doch Transgender gab es schon immer genau so wie heute! Nur heute reden die Leute offener darüber!

Deshalb wird es öfter thematisiert.

Transe: Transe habe ich gewählt, weil es auch so oft als Beleidigung genommen wird für uns. Dieses Wort erzeugt Gänsehaut bei mir. Es ist wie ein Messerstich, den ich unerwartet bekomme. Alleine der Klang dieses Wortes ist schlichtweg unangenehm. Außerdem, nennt man einen dunkelhäutigen Menschen heute noch Neger? NEIN, weil es etwas mit Empathie und Anstand zu tun hat. Wir geben alles für unseren Weg. Warum kann man uns nicht einfach als „Frauen“ bezeichnen? Genau das sind wir nämlich. Nicht mehr und nicht weniger.

So kam der Titel zustande: Hässliche Modetranse

Ich bin eine Frau, die schon immer gerne Sachen so gesagt hat, wie sie sind. In aller Härte. Und ja, manchmal bin ich auch provokativ. Zu mir passt eben kein Titel wie „Mein Weg zur Frau“ oder „Leben zwischen den Geschlechtern“. Das bin ich einfach nicht! Und seien wir mal ehrlich, wo wären wir heute, ohne die Leute die MUT hatten, Grenzen zu sprengen und Sachen zu sagen, die sonst keiner sagt?

Unsere Welt wäre ein ziemlich trauriger Ort!

Schule – oder die tägliche Dosis Horror

Ich musste mein Leben lang immer kämpfen, habe immer Gegenwind bekommen. Das ist das zentrale Thema meines Lebens.

Ich wurde in einer sehr toleranten Familie groß, in der es keine typischen Rollenbilder, à la „typisch Mann, typisch Frau“ gab oder auch den Klassiker „Das tut man nicht, das gehört sich nicht, das will die Gesellschaft nicht“. Meine Eltern waren liberal in jeder Hinsicht. So tauchte auch das erste Mal erst im Kindergarten das diffuse Gefühl auf, dass ich irgendwie anders als die anderen war. Ich spielte viel in der Puppenecke, mehr als mit Autos. Ich handelte instinktiv. Und es war einfach mehr die Puppenecke, mit Schminken und allem Drum und Dran. Das wurde jetzt nicht offen thematisiert, aber ich spürte die Blicke der Erzieherinnen, die befremdet wirkten, das Getuschel. Als Kind macht man sich noch keine Gedanken darüber, denn ich hatte meinen elterlichen Hafen und wurde auch im Kindergarten nicht reglementiert. Aber dann begann die Schulzeit und gleichzeitig eine lange Zeit der Anfeindungen, Vorurteile, Diskriminierung und Polarisation.