Heinz Helfgen - Hans Bernd Jerzimbeck - E-Book

Heinz Helfgen E-Book

Hans Bernd Jerzimbeck

0,0

Beschreibung

Heinz Helfgen glauben, die die ihn lasen, ein bisschen zu kennen. In Archiven ließen sich interessante Angaben über ihn finden. "Ich radle um die Welt" enthält viel von ihm. Es gibt in seinem Buch immer wieder Anspielungen darin, dass da noch mehr ist. Dem kann man sich nun annähern.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 96

Veröffentlichungsjahr: 2025

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



„Warum beträgt das durchschnittliche Lebensalter des Menschen nicht 200 Jahre? Es gibt so unendlich viel zu sehen in der Welt!“

„Wer diesen unseren Planeten wirklich in seiner Realität erleben will, wird bald feststellen, dass er ihn erleiden muss.“

beide Zitate von Heinz Helfgen

Inhalt

Vorwort

1 Einleitung

2 Heinz Helfgen, nicht vergessen.

3 Nach schwieriger Jugendzeit Flucht in andere Welten (bis 1932)

4 Wachsende Hoffnung auf Nationalsozialismus als Erbauer einer neuen Welt (1931–1933)

Exkurs: Entwicklung seiner kosmopolitischen und weltbürgerlichen Einstellungen durch Reisen (1926–1933)

5 Nährung von Illusionen über das NS-System (bis 1934)

6 Desillusionierung über das NS-System (bis 1935)

7 Flucht, Gestapohaft und politische Unzuverlässigkeit (bis 1939)

8 Beteiligung an Feldzügen im Zweiten Weltkrieg in Frankreich und Tunesien (bis 1943)

9 Zwischenzeitliche Arbeit in den Zentralen der Presse und des Rundfunks in Berlin (1940–1942)

10 Auf dem Weg zum schreibenden, interkulturellen Brückenbauer, Sportsmann und Globetrotter (bis 1951)

11 Die öffentlichen Darstellungen seiner Anliegen, seiner Person und seines Lebens (ab 1951)

11a Ringen um die Themensetzung bei der „Frankfurter Abendpost“

11b Langzeitthema „Abenteuer“

11c Heinz Helfgens eigenes Anliegen an Themen

11d Tragfähiger Kompromiss nach der „Lehre“ bei der „Fankfurter Abendpost“

12 Ergänzungen und Zusammenfassung

13 Schluss

Vorwort

Heinz Helfgen lebte vom 07.03.1910 bis zum 28.10.1990. Über ihn gab es auch noch in den letzten 5 Jahren neue Informationen: angefangen von seiner Lebensgeschichte bis 1939 auf www.literaturland-saar.de über das Zeitzeichen beim WDR 5 zu dem 30. Jahrestag seines Todes bis zu einer ersten Korrektur der Angaben ihn auf der Wikipedia-Seite über ihn (wo eine Quelle aus dem Bundesarchiv belegt wird). Doch gibt es noch einiges, was klarzustellen und zu erläutern wäre.

Schon nach dem Erscheinen seines Buches „Ich radle um die Welt“ war Heinz Helfgen mit Zweifeln aus der Leserschaft konfrontiert worden. Nach seinem Tod gibt es im Netz Diskussionen zur Bewertung seiner Bücher. Die Beschäftigung hiermit benötigt ein paar grundsätzliche Gedanken zur historischen Wahrheit und wie man sich ihr nähert. Bei allem Einordnen und Erläutern wird aber kein Anspruch darauf erhoben, dass alle in Archiven zu findenden Dokumente gefunden wurden. Doch reichen die gefundenen aus, um die Diskussionen und Interpretationen verbindlicher zu machen – und einige schriftlichen Informationen über ihn zu berichtigen.

Das Manuskript wurde auf die Quellen hin überarbeitet. Die stillschweigende Zustimmung zur Zitierung direkt aus unveröffentlichten Werken konnte nämlich nicht mehr vorausgesetzt werden. Deshalb wird in diesem veränderten Manuskript nur noch auf bereits veröffentlichte Zusammenfassungen und die darin enthaltenen wenigen, kurzen Zitate und die Radiosendung am 28.10.1991 zum ersten Todestag Heinz Helfgens Bezug genommen. Dies Vorgehen ist immer noch besser als die Aufgabe der Veröffentlichung, gegen die sich UnterstützerInnen und BeraterInnen – nach meinem anfänglichen Entschluss zur Aufgabe – ausgesprochen hatten. Der unfreiwillige Aufschub erbrachte aber auch neue Quellen und neue Erkenntnisse.

1 Einleitung

Am 28.10.2020 wurde ein Zeitzeichen zu Heinz Helfgens 30. Todestag im WDR und NDR gesendet1. Autor der Sendung „Zeitzeichen“ war der erfahrene Radio- und Fernsehjournalist Marco Rösseler. Ich hatte anderthalb Jahre vorher der „Zeitzeichen“-Redaktion eine Sendung über Heinz Helfgen vorgeschlagen. Als ein Satz festlegte: „Viel Gesichertes lässt sich heute nicht mehr finden.“, war ich aber sehr enttäuscht. Denn auf eine tiefere Recherche und einige gesicherte Neuigkeiten hatte ich gehofft. Heinz Helfgen war mein Idol, seitdem ich seine Bücher zur Fahrradreise um die Erde etwa 1966 mit 12 Jahren gelesen hatte. Sie waren Nahrung für mein Fernweh und Wegweiser für meine Sehnsucht nach Autonomie. Im Erwachsenenalter bildeten Bücher aus meiner Jugend einen immer wieder neu aufgenommenen Lesestoff, um mich zu verschiedenen Lebenszeiten an die Eindrücke aus der Jugendzeit und das damit verbundene Behagen zu erinnern. Als beispielsweise Aleppo im letzten Jahrzehnt in den Nachrichten vermehrt auftauchte, war die Stadt mir durch „Ich radle um die Welt“ ein Begriff.

Fanverhalten legte ich an den Tag, als ich Heinz Helfgen 1985, nach seinem Radiointerview mit dem WDR, in Völklingen anrief. Es war ein Zweiminutengespräch, in dem er meine Begeisterung für die Weltumrundung dämpfte und es als „lange her“ relativierte. Er verwies darauf, dass er fast an der Olympiade 1936 teilgenommen hätte. Nachdem er sich kurz nach meinem Studienfach erkundigt hatte, endete das Telefonat mit einem kräftigen „Toi-toi-toi!“ für meine Berufspläne. Trotz der Kürze bedeutete mir Dreißigjährigem das Gespräch etwas.

Im Nachhinein sah ich sein Ablenken von der Weltreise per Rad als Hinweis, dass da noch viel mehr war, auch mehr als die verfehlte Olympiabeteiligung. (Diese Vermutung wurde auch durch einen Hinweis auf einen Zeitungsartikel gegen den Nationalsozialismus von anderer Seite gestützt.) Der Anruf und die Zusatzinformation waren ein kurzer, aber Jahrzehnte wirkender Anstoß dazu, mehr erfahren zu wollen, zuletzt durch die Zeitzeichen-Sendung und die folgende eigene Recherche.

Während dieser Suche wurde mir immer klarer, dass so eine Suche in öffentlichen Archiven und privaten Sammlungen das Zeitkontingent eines Journalisten für eine 15-minütige Sendung beträchtlich übersteigt. – Für mich bedeutete es 1 ½ Jahre Recherche und Schreiben. Es wurde eine Entdeckungsreise zu überraschenden Informationen und auch zu unveröffentlichten Werken, die Helfgen kurz vor seinem Lebensende angekündigt hatte und aus denen leider nach dem Urheberschutzgesetz nicht zitiert werden darf. (Bis kurz vor seinem Tode, war Heinz Helfgen schriftstellerisch und durch Pressegespräche aktiv.)

Zu Anfang meiner Recherche hoffte ich darauf, die Verdienste, die Heinz Helfgen über die Fahrradfahrt um die Erde hinaus erworben hatte, durch weitere Funde genauer fassen zu können. Tabu sind direkte Informationen der „Biographischen Geschichten“ (fragmentarisch, unveröffentlicht) und aus den Geschichten des Skripts „… und überall waren es Menschen. Erzählungen eines alten Globetrotters“, auch unveröffentlicht. (Die überarbeitete Rohfassung letzterer Schrift ist möglicherweise schon Jahre vor der Ankündigung seiner Veröffentlichung entstanden, weil die 12 Erzählungen insgesamt 177 maschinengeschriebene Seiten umfassen und einen längeren Verfertigungsprozess durchlaufen haben dürften.2)

Informationen aus den Archiven stehen dann zur Verfügung, wenn die Persönlichkeitsrechte beachtet werden. Die Daten und Aussagen der Archive wurden miteinander verglichen, auch mit denen des Wikipedia-Beitrags zu seiner Person3. (Dass Wikipedia-Beiträge oft als kritisch zu betrachtende Quellen zu behandeln sind statt als Sekundärliteratur, wird in diesem Aufsatz beachtet.) Der Leserschaft ist nicht zu ersparen, dass unten auf den Seiten Fußnoten stehen. So kann sie selber sehen, dass es doch einiges Neues und zwar gesichertes gibt.

Wenn bei Erläuterungen mehrere Sätze nötig sind, werden diese kursiv gehalten und mit Stichworten eingeleitet.

1 Marco Rösseler: 28.10.1990 - Todestag des Reiseschriftstellers Heinz Helfgen, Aufnahme der Sendung „ZeitZeichen“, auf: https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-heinz-helfgen-reiseschriftsteller-todestag-100.html, Verfügbar bis 29.10.2030, Aufruf am 31.01.2025.

2 „,… und überall waren sie Menschen‘ heißt ein Skript, das sein nächstes Buch werden soll.“ – in: meb. [Kürzel d. Journalisten]: Heinz Helfgen und seine Reisen: von Völklingen in die Welt, in: Saarbrücker Zeitung, Ausgabe Völklingen v. 21.07.1988, Sammlung von Artikeln der SZ zu Heinz Helfgen, Stadtarchiv Saarbrücken (Abkürzung: ARTIKELSAMMLUNG).

3 S. „Heinz Helfgen“, auf: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Helfgen, Aufruf am 31.01.2025.

2 Heinz Helfgen, nicht vergessen.

Im ersten Stadium meiner Arbeit wurden die gefundenen Informationen oft zu einer Herausforderung an mein bis dahin bestehendes Bild und meine Einschätzung von Helfgens Person. Die Psychologie nennt diese Herausforderung „kognitive Dissonanzen“, mit denen man überlegt umgehen und sie nicht reflexhaft reduzieren sollte, wenn man sich ernsthaft mit einer Person, einer Sache oder einem Sachverhalt auseinandersetzen will. Wer jemanden als Idol sieht, hat es da wohl besonders schwer. So war der anfängliche Plan, einfach additiv ein erweitertes Bild zu gewinnen und publik zu machen, nicht durchzuhalten. Und derartige überraschende Funde und sie begleitende kognitive Dissonanzen hatte ich nicht erwartet.

Zur heutigen Bekanntheit von Heinz Helfgen ist zu sagen: Während meiner Suche nach Informationen in den Archiven traf ich bei den Kontakten immer wieder auf Personen, denen er noch ein Begriff war und die sich für die Recherche interessierten. Doch bei einem Besuch in Saarbrücken und selbst in Völklingen wusste kein angesprochener Passant auf der Straße von ihm. In der Radtouristik-Welt ist er noch ein Begriff, was der Verkauf der 2. Neu-Auflage von „Ich radle um die Welt“ aus dem Jahr 2014 beweist4. Auch Beiträge über ihn auf Radreise-Foren und privaten Webseiten5 im Internet sprechen dafür. Eine Nachfrage bei der Bielefelder Verlagsanstalt KG, Inhaberin der Urheberrechte am Buch über die Weltreise per Rad, ergab, , dass – nach den Verkaufszahlen zu urteilen – „das Interesse an Heinz Helfgen also nach wie vor vorhanden“ ist.6 Nicht zuletzt die Pflege der Internetseite über ihn und das prompte Einstellen neuer Nachrichten in den Wikipedia-Beitrag bestätigen die Existenz einer deutschsprachigen Fan-Gemeinde auch noch über 30 Jahre nach seinem Tod. Es gibt überraschenderweise Kopien des deutschsprachigen Wikipedia-Beitrags in 14 Sprachen.7 Sie stehen auf einer Nachbildung der Webseiten (Original auf wikipedia.org; Nachbildung auf abcdef.wiki) Das weist nicht auf aktive SympathisantInnen von Heinz Helfgen hin: Die Beiträge sind jeweils eingerahmt und unterbrochen von Werbung. Diese Versionen scheinen von Geschäftsinteresse geprägt zu sein. „Wikimedia“, das diese Online-Enzyklopädie betreibt, sieht immerhin in dem Namen und Inhalt des Beitrags einen gewissen Reiz für LeserInnen, eine Zeitlang auf der Seite zu bleiben.

Auf Foren gibt es gemischt positive und auch negative Beurteilungen von Helfgens Weltsicht (Vorwurf des Machotums und Rassismus), Zurückweisungen der negativen Bewertungen und Zweifel an der Wahrheit seiner Berichte – was für Foren nicht erstaunlich ist. Zu Beginn von Heinz Helfgens Bucherfolgen 1953 gab es auch schon Zweifel an der Glaubwürdigkeit einzelner Geschichten. Der Buchautor brachte diese selber zur Sprache und hielt mit einer Behauptung dagegen: „‘Haben Sie das wirklich alles erlebt, …?‘ Nun ich habe eigentlich noch viel mehr erlebt. Manches war noch viel toller, und ich habe es schon gemildert, …“8 Kritik erntete er einmal in der „Saarbrücker Zeitung“ 1956, wo der Redakteur bei einer Lesung von Heinz Helfgen aus seinem vor der Veröffentlichung stehenden Buch „Ich trampe zum Nordpol“ bemängelt, dass dessen Text und Bild „keine ‚Offenbarungen‘“ bringen würden. Der Zeitungsartikel endet mit der Bemerkung „Hoffentlich macht er sein Versprechen wahr, ‚von Afrika aber wirklich spannendes Bildmaterial‘ mitzubringen.“9 1989 wurden Helfgens Bücher in einem Zeitungsbericht über eine Lesung in Völklingen vom Redakteur als „Abenteuerromane“ bezeichnet.10 In den anderen neun mir vorliegenden Artikeln der „Saarbrücker Zeitung“ zwischen 1955 und 1990 wurde neutral bis wohlwollend über ihn berichtet.11 Als Letztes sei hier die Kurzpräsentation des Globetrotters auf den Internetseiten von „Saarland-Biografien“ genannt.12 Die zusammengefassten Angaben von ihm, basierend auf den Seiten des „Literaturlands Saar“, werden ohne nähere Begründung pauschal als "zweifelhaft" bezeichnet. Das Wort "Romane" wird von dem Autor Jonas Binkle für die Bücher zur Weltumradlung und das Buch „Spur entlang der Wüste“ verwendet. Erstere werden unten in seinem Beitrag zusätzlich als „Reisebericht“ eingeschätzt. Diese Charakterisierungen haben Gewicht für die öffentliche Wahrnehmung von Heinz Helfgen, weil die Internetseiten der „Saarlandbiografien“ beanspruchen, ein Ersatz für das bis heute fehlende „biografische Lexikon zu den Persönlichkeiten des regionalen Lebens“ des Saarlandes zu sein.13

Wahrheitssuche und –bewertung I.Zur Suche nach „der Wahrheit“ gesellt sich die Bewertung dieser Wahrheit. Ist die Wahrheit wie in einer Checkliste abzuhaken und ist am Ende – mit x-mal Wahrheit und ymal Unwahrheit – der Wahrheitsgrad zu resümieren? Besser ist es doch, möglichst viele Informationen aus dem geschichtlicher und dem psychologischen Zusammenhang bei der Einschätzung mit ins Kalkül zu ziehen, um Werte, wie Wahrheit, Erfüllung von Lebenszielen, Bedeutung für die Zeitgenossen, aus einer Distanz heraus in ihrem historischen bzw. psychologischen Rahmen zu behandeln. So werden im Folgenden die neuen Informationen mit anderen abgeglichen und aus historischer und psychologischer Perspektive sowie der des Schriftstellers betrachtet und durchdacht.