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Bei meiner Ostsee-Trilogie geht es um Familienbande. Die drei Bücher sind empathisch und humorvoll geschrieben. Die Schauplätze sind sowohl in Wien als auch an der Ostsee mit Usedom und Hiddensee. Wir begleiten 4 junge Leute, Stella und Ferdinand sowie Heike und Lars auf ihrem Weg in die Selbständigkeit. Es geht um Loslassen, Neuanfänge, Romantik und Dramen.
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Seitenzahl: 170
Veröffentlichungsjahr: 2026
Für meine Eltern
Barbara Bilgoni
Himbeermacarons
Familienbande
2. Auflage
© 2026 Barbara Bilgoni
Lektorat/Korrektorat von: Frau Carolin
Kretzinger,
Covergrafik von: Barbara Bilgoni/Canva und Chat GPTDruck und Distribution im Auftrag der Autorin:
tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.
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Softcover 978-3-384-82355-7
E-Book978-3-384-82356-4
Stella und Heike, zwei Freundinnen aus Wien, lernen in ihrem Urlaub auf Usedom ihre Traummänner kennen und lieben. Heike bricht ziemlich rasch in ihrer Heimat alle Zelte ab, kündigt ihren Job in einer Tierarztpraxis und eröffnet mit Lars ein Strandcafé. Stella folgt ihrem Ferdinand nach Hiddensee, bei ihr ist der Ausgang der Beziehung jedoch noch offen.
Benno und Rieke, zwei liebenswerte Pensionisten, kommen regelmäßig mit Sissi, der weißen Katze, ins Strandcafé und beschließen, in Kürze zu heiraten, denn beim Tanztee hat der Blitz eingeschlagen. So haben sie im Pensionistenheim auch die Chance auf eine Doppelwohnung. Zwei gute Mehlspeisen, das Weichseleclair und der „geheime“ Sanddornstreusel spielen im Café ,Strandflieder‘ eine tragende Rolle.
Wie werden sich die Schicksale weiterentwickeln? Kommen Sie gerne mit auf die Reise an die Ostsee.
***
H
eike meinte verschwörerisch: „Rieke, schau, ich hab ein kleines Geschenk für dich. Ich weiß, es ist noch Zeit. Aber ich gebe es dir schon heute, weil ich dir eine Freude machen möchte.“ Sie zog ein winziges Päckchen aus der Tasche.
Rieke errötete wie ein junges Mädchen trotz ihres fortgeschrittenen Alters von fünfundsiebzig Jahren. Sie hatte Heike und auch Stella heute zu sich in ihre kleine Wohnung im Heim eingeladen. Es gab sehr viel zu besprechen. Ihre eigene Tochter lebte zwar nicht weit entfernt, hatte aber zu ihr nicht so eine innige Beziehung. Rieke hatte das Mädchen seinerzeit adoptiert und ihr alle nur erdenkliche Liebe gegeben. Vor einigen Jahren hatte die sich jedoch auf dem Amt nach ihren wahren Eltern erkundigt. Seither war das Verhältnis zwischen Rieke und ihr merkbar abgekühlt, wenn nicht gar erloschen.
So waren nun die beiden Freundinnen die Ersatztöchter, die ihr mit Rat und Tat zur Seite standen und dies sehr gern taten. Stella sollte heute auch kommen, hatte aber angerufen, dass sie sich etwas verspäten würde.
Rieke nahm das duftige Päckchen in die Hand. Es war in edles Seidenpapier mit dem Logo einer noblen Wäscheboutique in Ahlbeck eingeschlagen.
Zusammengehalten wurde es von einem zarten Seidenbändchen.
„Mein Gott, Mädchen! Du bist ja verrückt! Du sollst mir doch nichts schenken. Das ist gar nicht notwendig. Aber sollen wir mit dem Öffnen nicht noch auf Stella warten?“
Und wie aufs Stichwort klopfte es auch schon an der Tür. Stella war gekommen und trat mit einem bunten Blumenstrauß in der Hand ein. Überschwänglich begrüßte sie Rieke und überreichte das Präsent. Dann umarmten sich die Freundinnen, und während die alte Dame aus der kleinen Küchenzeile eine Vase holte und die Blumen wässerte, fingen die beiden schon einmal zu plaudern an. Das nutzte die alte Dame und setzte auch noch gleich Kaffee auf.
Gemeinsam ließen sie sich den von Heike mitgebrachten Apfelstrudel schmecken.
„Ach, Mädchen! Du immer mit deinen guten Kuchen. Ich bin zwar sehr stolz auf unser geheimes Familienrezept des Sanddornstreusels, aber ihr mit euren österreichischen Spezialitäten steht mir da in nichts nach. Ganz Im Gegenteil! Ich sag nur Sachertorte, Kaiserschmarrn, Milchrahmstrudel. Aber ich muss jetzt ein bisschen auf meine Linie achten, sonst passe ich in keines der tollen Brautkleider, die wir schon vorab ein wenig angeschaut haben.“
Da fiel ihr Blick wieder auf das geheimnisvolle Päckchen. Sie wollte zwar die Kuchengabel gar nicht aus der Hand legen, so gut schmeckte ihr der Strudel, aber die Neugier siegte. Vorsichtig öffnete
sie das hellblaue Schleifchen. Rieke war noch aus der Generation „slow“, die jedes Bändchen und jedes Papier sorgfältig glattstreifte und aufhob. Sie konnte Menschen nicht verstehen, die mit einem „Ratsch“ grob die Verpackung zerrissen, nur um schnell an den Inhalt zu kommen. Die Freundinnen hatten sich viele Gedanken gemacht und sich dann auf dieses Geschenk geeinigt.
Rieke hatte gerade erst das Bändchen sorgfältig aufgerollt und ging jetzt daran, vorsichtig das feine Seidenpapier zu öffnen.
„Ihr zwei Mädchen! Jetzt bringt ihr mir tatsächlich eine Überraschung! Wisst ihr, wie lange ich schon keine mehr bekommen habe? Das ist sicher sieben Jahre her und war damals ein Weihnachtspräsent. Ja, und mein allerschönstes Geschenk war natürlich jetzt vor einem Monat der Heiratsantrag von meinem Benno.
Dass mir auf meine alten Tage so etwas noch passiert! Benno ist so ein liebenswerter Mensch. Es war schon gut, dass er sich als Geschäftsmann ausgerechnet für Tiere entschieden hat. Er hat sie stets umsorgt. Er liebte sie über alles und eigentlich wollte er sie gar nicht verkaufen. Aber davon lebte er nun einmal.“
In der Zwischenzeit hatte sie es endlich geschafft, den Inhalt des Päckchens herauszubekommen.
„Ihr zwei! Was ist denn das? Es ist hellblau und dehnbar.“ Ratlos schaute sie die beiden jungen Frauen an.
„Rieke, das ist ein Strumpfband in Hellblau. Das soll dir Glück bringen an deinem schönsten Tag und dann für den Rest eures gemeinsamen Lebens! Alles Glück der Welt!“, sagte Heike und umarmte die alte Dame. Dann wurde sie von Stella gedrückt. Alle drei weinten ein paar Tränchen.
„Ich danke euch so ihr Lieben! Wie habe ich das verdient? Ich bin ja schon mit Benno so glücklich und jetzt habe ich euch auch noch dazubekommen.
Ach, mit Dörte, das ist schon ein Jammer! Wisst ihr, ich habe sie adoptiert und großgezogen. Sie war aus einer Problemfamilie, wurde geschlagen und bekam nicht genug zu essen. Sie war damals zehn Kilo zu leicht. Ihr Vater war Trinker und dementsprechend desolat waren die Verhältnisse. Ich habe ihr alles gegeben, meine ganze Liebe und eine gute Erziehung. Letztendlich hat sie sich doch gegen mich entschieden. Ihre leibliche Mutter ist mittlerweile geschieden und hat sich mental erholt. Sie ist jetzt in Pension und lebt in Ahlbeck. Blut ist dicker als Wasser, aber es tut schon sehr weh! Dörte ist nun ganz nach Ahlbeck gezogen und meldet sich gar nicht mehr.
Aber wenn sich eine Türe schließt, dann geht eine andere auf. Mir fällt da gerade so ein Stamm-
buchvers ein: ,Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende´. Ich finde den Spruch wunderschön. Er bietet so viel Hoffnung für alle Menschen. Und er stimmt auch! Denn schaut, meine Dörte ist weg und jetzt habe ich euch zwei und natürlich meinen Benno! Ich bin einfach nur glücklich! Jetzt müsst ihr mir aber das mit dem Strumpfband erklären.“
Stella erzählte ihr, dass es in England üblich sei, dass eine Braut bei der Hochzeit folgende Dinge bei sich haben muss: etwas Altes, etwas Neues, etwas Blaues und etwas Geborgtes. Was diese Sitte genau bedeutet, wusste Stella leider nicht. Sie wird in ganz Europa zelebriert und soviel sie gehört hatte, auch in Amerika. Eigentlich schon komisch, dass sich nahezu alle Bräute daran halten.
Schnell schaute sie in ihrem Handy nach und las laut vor: „Wie so viele alte Bräuche hat auch dieser seinen Ursprung im Aberglauben. Die Braut erhofft sich eine Zusatzportion Glück, wenn sie etwas Neues, etwas Altes, etwas Geborgtes und etwas Blaues trägt. Sie glaubt, das Schicksal damit
im positiven Sinne zu beeinflussen und ein glückliches, erfülltes Eheleben zu führen, wenn sie alle Elemente aus dem bekannten Spruch in ihrem Äußeren vereint.
Aus dem alten England stammend wurde der Hochzeitsbrauch eines Tages nach Amerika
getragen und gelangte schließlich durch zahlreiche Hollywood-Filme auch zu uns in den deutschsprachigen Raum.
Das Alte ist das Symbol für die Vergangenheit der Braut, den Bezug zur Familie.
Etwas Neues bedeutet den Start ins Eheleben, steht für Optimismus und die Hoffnung auf gemeinsames Glück mit dem Bräutigam.
Etwas Geliehenes oder Geborgtes bekommt die Braut traditionellerweise von einer Freundin, die bereits glücklich verheiratet ist. Dieses Glück ,borgt´ die Braut sich von ihr in der Hoffnung, es auf ihr eigenes Eheleben zu übertragen.
In alten Zeiten stand das Blaue für Reinheit und Treue und war daher bei Hochzeiten eine sehr beliebte Farbe. In England hieß es damals: ,Married in blue, love ever true´.“
„Aha, wieder etwas gelernt“, sagte Rieke und alle drei grinsten.
„Aber denkt ihr nicht, dass so ein Strumpfband für mich zu sexy ist? Ich fühle mich da sicher unwohl. Wer weiß, was Benno sagen wird? Er ist halt von der alten Schule.“
„Ach, dem erklären wir das schon. Auch er kann ja noch dazu lernen. Mir kommt er recht aufgeschlossen vor.“
Rieke holte eine kleine, mit Muscheln beklebte Schatulle. „Schaut, die habe ich mir einmal in Rimini gekauft. Früher hat man von überallher so Trödel heimgebracht. Aber jetzt weiß ich das erste Mal, wozu ich das Ding verwenden kann. Ich werde da mein schönes Strumpfband hineinlegen. Hier ist es gut verwahrt und Benno sieht es nicht gleich, wenn er zu mir kommt. Sind ja noch vier Wochen bis zur Hochzeit.“ Die drei Frauen verabredeten für den nächsten Tag einen Einkaufsbummel in der „City“ von Heringsdorf, denn die Braut in spe benötigte ein Hochzeitskleid.
Stella und Heike fuhren zurück ins Café ,Strandflieder‘, machten mit Lars noch schnell klar Schiff, sperrten ab und dann ging es auf ins Hotel ,Lachmöwe‘, das Lars´ Eltern gehörte. Er bewohnte dort derzeit noch das Dachappartement mit Heike. Die neue Wohnung über dem Café in Heringsdorf wurde gerade renoviert. Danach würden sie dort einziehen und das tägliche Pendeln fiele weg.
Stella war für mehrere Tage auch im Hotel untergekommen. Danach würde sie wieder zu Ferdinand nach Hiddensee fahren. Sie war von ihrem Chef für einige Wochen beurlaubt worden, da der mit Herzinfarkt im Allgemeinen Krankenhaus in Wien lag. Das alteingesessene Schuhgeschäft, das er betrieb, war derzeit geschlossen. Wie es aber auf Dauer weitergehen würde, stand in den Sternen.
Am Abend setzten sich die drei jungen Leute noch mit Ilse, Lars´ Mutter zusammen und erzählten von Rieke und ihrem späten Glück. Benno hatte Ilse ja schon kennengelernt. Sie hatte den alten Herrn mit seiner Sissi damals gleich ins Herz geschlossen. Er liebte seine weiße Perserkatze innig und war überglücklich, als er sie ins Heim hatte mitnehmen dürfen.
Ilse erzählte, dass es damals bei ihrer Hochzeit diesen englischen Brauch mit dem Strumpfband noch nicht gegeben habe. Aber junge Leute müssen eben mit der Zeit gehen. Spontan erklärte sie, dass sie am nächsten Tag zum Einkaufsbummel nach Heringsdorf gern mitkommen würde.
*
A
m nächsten Tag in „Heringsdorf City“: Die drei Damen holten Rieke vom Heim ab. Ilse und sie waren sich sofort sympathisch. Rieke hatte sich bereits einige Geschäfte überlegt, wo sie hinschauen wollte. Im Vorfeld hatte sie auch schon angerufen und dort ihr Kommen angekündigt. Ihr schwebte ein Jackenkleid vor. So hatte man das früher genannt. Es sollte elegant in einer gedeckteren Farbe und später noch weiterhin tragbar sein.
Das Kleeblatt betrat also das erste Geschäft und wurden von der Inhaberin überschwänglich begrüßt. Sofort brachte sie die vorbereiteten Kleider herbei, eines in Pink knielang, eines in Orange in Mini und eines mit Leo-Muster, das unten einen Zipfelsaum hatte.
Riekes Gesicht wurde immer länger. Sie war leicht irritiert. So wollte sie eindeutig nicht heiraten.
„Wann kommt denn nun das junge Fräulein?“, fragte die Verkäuferin etwas pikiert. „Sie soll sich ja selber ein Bild von unserer exquisiten Mode machen.“
„Ich verstehe nicht“, war Rieke verdutzt. „Wie meinen Sie das?“
„Na ja, die Braut! Wo ist die Braut? Das junge Mädchen? Ich meine, es ist ja lieb, dass die Omas und Tanten mitkommen, aber die Braut soll schon
auch bei der Anprobe dabei sein. Schauen Sie! Ich habe auch Schuhe in Leoprint hergerichtet und zu dem pinken Kleid tolle High Heels mit Strass. Zu dem Ensemble in Orange passen diese Boots am besten.“
Rieke verstand die Welt nicht mehr. „Was soll ich denn mit all diesen Kleidern? Die passen doch gar nicht zu mir.“
„Deswegen frage ich ja, wann das junge Fräulein kommt, damit wir endlich mit der Anprobe beginnen können.“
Da lachten die vier Kundinnen herzlich auf und zerkugelten sich schier. Heike, Stella und Ilse zeigten unisono auf Rieke und diese japste daraufhin vollmundig: „Ich bin das junge Fräulein!“
Die Boutiquebesitzerin räusperte sich peinlich berührt: „Oh, da hat meine Verkäuferin gestern am Telefon wohl etwas falsch verstanden. Ich bringe Ihnen sofort passende Kleider. Nehmen Sie gern auf der Sitzgarnitur Platz. Mein Lehrmädchen serviert Ihnen sofort Erfrischungen. Bitte geben Sie mir zehn Minuten, dann bringe ich alles in Ordnung. Mein Gott, ist mir das unangenehm. Ich fasse es nicht!“
Während sie nach hinten ins Lager ging, murmelte sie beschämt vor sich hin. Rieke und Ilse lachten noch immer.
„Na ja, aber das Kleid in Pink wäre gar nicht so übel gewesen“, meinte die Braut kichernd. „Aber mein armer Benno wäre wahrscheinlich aus allen Wolken gefallen. Nein, das darf ich ihm nicht antun. Aber ihr zwei jungen Hüpfer könntet so was noch anziehen. Wie gefallen euch denn die Kleider?“
„Na ja, ich weiß nicht recht“, antwortete Stella zögerlich. „Das sind nicht so ganz meine Farben. Ich suche mir lieber auf Hiddensee etwas Passendes.“
Mittlerweile war die Chefin mit mehreren Modellen aus dem Lager gekommen. Das erste war sehr elegant in Beige. Rieke probierte es sofort an. Leider stellte sich jedoch heraus, dass es gar nicht zu ihrem weißen Haar passte. Es machte sie zu blass.
Die zweite Robe war rot. Rieke schlüpfte auch da hinein. Sie fühlte sich aber irgendwie nicht wohl darin. Es war einfach nicht ihr Stil.
Das dritte Ensemble war dunkelblau. Das Kleid selbst hatte kurze Ärmel und am Oberteil ein gitterartiges Muster aus silberner Borte. Darüber gab es dann noch ein passendes Jäckchen. Das Ganze sah wirklich hübsch aus. Rieke schlüpfte hinein und strahlte über das ganze Gesicht: „Mädels, was sagt ihr? Ich glaube, das ist mein Kleid!“
Heike nickte zustimmend, Stella klatschte in die Hände und Ilse stieß einen anerkennenden Pfiff aus.
Die Damen kamen überein, dieses wunderschöne Stück zu kaufen.
Dann sah sich Ilse auch gleich um und fand ein hellgraues Kostüm mit einer dunkelblauen Bluse. Beides stand ihr ausnehmend gut zu Gesicht. Die Bluse hatte am Hals eine große Schleife, die ihr ungemein schmeichelte.
„Oder sollte ich doch lieber das orangefarbene Kleid nehmen?“, grinste sie übermütig.
Heike und Stella wollten ihre Sachen ein andermal kaufen. Für heute reichte es ihnen.
Ilse lud nach dem positiven Einkaufserlebnis noch alle in ein kleines Fischlokal ein. So ein erfolgreicher Vormittag musste gebührend gefeiert werden. Das hatten sie sich jetzt verdient.
Dann brachten sie Rieke wieder zurück ins Heim, wo Benno schon sehnsüchtig auf seine große Liebe wartete. Neugierig versuchte er, einen Blick auf die Einkäufe zu erhaschen. Rieke versteckte jedoch alles gleich im Kasten. Es soll ja Unglück bringen, wenn der Bräutigam das Brautkleid vor der Hochzeit sieht. Das gilt auch für alte Menschen. Gemeinsam wurde noch Kaffee getrunken, dann machten sich die Einkaufsberaterinnen auf den Heimweg.
„Benno, Rieke, wir müssen noch über die Feier sprechen. Das erledigen wir in den nächsten Tagen.
Seid Ihr einverstanden?“, meinte Heike noch zum Abschied.
„Ja, wir überlegen auch und dann bringen wir alles auf einen Nenner. So machen wir das!“, erwiderte das alte Pärchen glücklich. Eine Hochzeitsfeier will schließlich wohl geplant sein. Es müssen jede Menge Listen geschrieben werden: mit den Gästen, die eingeladen werden, mit den Besorgungen, die zu machen sind. Die Termine mit dem Fotografen und dem Standesamt sollten auch beizeiten fixiert werden.
Rieke brummte der Kopf. Sie war auf alle Fälle sehr, sehr froh, dass Ilse, Heike und Stella ihr hilfreich zur Seite standen. Allein würde sie das niemals schaffen.
Stella musste wieder zurück nach Hiddensee, aber Heike und sie hatten vereinbart, dass sie die Vorbereitungen via Computer gemeinsam bewerkstelligen wollten. Heute geht ja alles auch online.
*
S
tella kam müde auf dem Gut an. „Ferdinand, da bin ich wieder! Ich habe dich so vermisst. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie anstrengend ein Einkaufsbummel sein kann, wenn man eine Braut beraten darf.“
„Ach, komm her, mein Schatz. Du hast uns auch so sehr gefehlt. Seppi wollte vor lauter Gram gar nicht richtig fressen. Aber ich kenne ein paar Tricks und letztendlich hat es dann doch geklappt. Schau, da kommt er schon angetrippelt!“ Und mit einem Satz hüpfte der Hund Stella in den Arm. Sie musste sich dazu aber hinunterbeugen, denn Seppi war als Dackel nicht sehr groß. Dementsprechend kurz waren seine Beinchen. Er freute sich überschwänglich über die Heimkehr seines Frauchens.
„Du bist mein Herzilein! Komm her, lass dich drücken.“ Der kleine Kerl japste und quiekte vor lauter Freude.
„Mein Schatz, wenn es dir recht ist, dann nehmen wir das Abendessen heute drinnen zu uns. Es wird jetzt abends doch schon kühl und der Wind hebt sich auch. Es ist außerdem Regen vorausgesagt. Ich habe dem Koch schon Bescheid gegeben.“
Stella ging noch schnell in ihr Zimmer und packte ihre kleine Reisetasche aus. Gott sei Dank konnte sie bei ihren Besuchen auf Usedom im Hotel ,Lachmöwe‘ nächtigen. Das war praktisch, außerdem war sie dann immer in Heikes Nähe.
Für Seppi holte sie eine kleine Gummibiene aus der Tasche. Die quietschte, wenn der Hund hineinbiss. Er liebte seine Spielsachen über alles. Und als er jetzt den hohen Ton hörte, sauste er auch gleich herbei und nahm sein Präsent in Empfang. Er tapste damit sofort nach nebenan in Ferdinands Schlafzimmer. Seit Stella jetzt jede Nacht drüben bei ihm schlief, stand auch Seppis Körbchen dort. Da hinein verzog sich der Hund nun gemütlich und spielte hingebungsvoll mit seinem neuen Gummitier.
Am Abend gab es schließlich geräucherten Aal mit Kren und Senfsauce, diversen Salaten und frischem Brot. Dazu tranken sie fruchtigen Weißwein und Wasser.
Ferdinand berichtete Stella, dass er nächste Woche auch nach Usedom eingeladen war. Lars und er sollten mit Benno einkaufen gehen. Der alte Herr benötigte ebenfalls Hilfe beim Aussuchen und die jungen Männer wollten ihm die Bitte nicht abschlagen. Stella war einverstanden. Sie wollte hierbleiben, denn eine Alpakastute würde bald fohlen und sie wollte mit einem Stallarbeiter dann dabei sein und helfen.
Als das Abendessen vorbei war, gingen sie trotz des starken Windes noch vors Haus und betrachteten die Sterne. Der Sturm hatte alle Wolken weggeblasen, der Himmel war dunkelblau und sternenklar. Regen würde es also wohl nicht geben.
Ferdinand erklärte Stella die verschiedenen Sternbilder wie Orion, die Zwillinge und den Stier. Hier auf der Insel war die Lichtverschmutzung noch nicht so fortgeschritten wie in Wien. Man sah Sterne, die konnte man in einer Großstadt gar nicht ausmachen. Der Anblick war wunderschön und Stella wurde es ganz warm ums Herz.
„Ach Ferdinand, wie wird es mit uns weitergehen? Jetzt bin ich schon vier Wochen bei dir und mit meinem Chef ist noch immer alles beim Alten und nicht geklärt. Er kann mir nichts dazu sagen, was seinen Gesundheitszustand betrifft. Stell dir vor, er hat sogar schon über den Verkauf des Geschäftes nachgedacht.
Für mich ist es gut, denn dann bin ich zu Riekes und Bennos Hochzeit noch da. Wäre doch schade, wenn ich nur bei der Planung mitmache und danach heimfahren muss.“
„Schau, mein Schatz! Es wird sich bestimmt alles fügen. Sollte er wirklich verkaufen, dann werden wir eine Lösung finden. Hab keine Angst! Ich stehe dir in jedem Fall zur Seite. Wir lösen das Problem gemeinsam. Ich hätte dich sehr gerne immer hier bei mir, das weißt du ja. Komm, lass uns jetzt zu Bett gehen. Seppi wartet schon. Ich glaube, wir hören heute eine kleine Nachtmusik von ihm. Er malträtiert sein neues Gummibienchen nach Strich und Faden.“
Nachdem sie sich an dem Sternenhimmel satt-gesehen hatten, gingen sie zurück ins Haus. Im letzten Moment erhaschte Stella noch einen Blick auf eine Sternschnuppe. Schnell wünschte sie sich etwas. Aber das war geheim und wurde nicht verraten!
Sie gingen also zu Bett und nahmen Seppi sein Quietschentchen weg, damit wenigstens in der Nacht Ruhe herrschte. Da es schon recht kühl war, kuschelten sie sich eng zusammen und wärmten sich gegenseitig. Ferdinands Streicheln war anfänglich sanft und zärtlich. Es wurde aber, da er keinen Widerstand verspürte, allmählich leidenschaftlich und fordernd. Stella antwortete auf seine Bewegungen mit ihrem Körper und ließ sich ganz fallen. Sie genoss seine Berührungen und stöhnte leise. Dann begann auch sie, Ferdinand zu liebkosen, und die Lust ergriff beide mit voller Wucht. Sie liebten sich lange und innig und schliefen schließlich aneinandergeschmiegt, erschöpft und glücklich ein.
