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Begeben Sie sich auf eine emotionale Reise durch drei berührende Erzählungen, die die Kraft der Liebe und den Mut zur Veränderung ins Zentrum stellen. In "Liebe hinter den Wolken" zieht Yanik nach Kastellburg, um der Hektik Berlins zu entfliehen und sich seinen Forschungen zu widmen. Doch die Begegnung mit dem charmanten Motorradrestaurator Mark stellt sein Leben auf den Kopf. Ihre aufkeimende Romanze muss sich gegen die Schatten der Vergangenheit und innere Zweifel behaupten. "Meeresrauschen des Herzens" entführt Sie in das malerische Küstendorf Meerlicht, wo der Meeresbiologe Christian Winter auf den Fischer Ralph König trifft. Ihre tiefgehende Verbindung gerät durch Sabotage und Widerstände im Dorf in Gefahr. In "Die grünen Felder der Hoffnung" treffen in Grünsleben zwei Welten aufeinander: Der Immobilienmakler Fritz Müller und der Umweltschützer Colin Weber. Was als erbitterter Konflikt um ein Bauprojekt beginnt, entwickelt sich zu einer bedeutungsvollen Beziehung. Doch ihre Liebe wird auf die Probe gestellt, als sie gegen einen skrupellosen Geschäftsmann und für den Erhalt eines Naturreservats kämpfen.
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Seitenzahl: 158
Veröffentlichungsjahr: 2024
Hinter dem Liebeshorizont
Gay Romance Sammelband
Alisa Kervano
© 2024
likeletters Verlag
Inh. Martina Meister
Legesweg 10
63762 Großostheim
www.likeletters.de
Alle Rechte vorbehalten.
Autorin: Alisa Kervano Bildquelle: Midjourney
ISBN: 9783689490096
Teilweise kam für dieses Buch künstliche Intelligenz zum Einsatz.
Dies sind frei erfundene Geschichten. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Yanik und Mark
Liebe hinter den Wolken
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Epilog
Christian und Ralph
Meeresrauschen des Herzens
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Epilog
Colin und Fritz
Die grünen Felder der Hoffnung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Epilog
Yanik Richter lenkte seinen Wagen langsam durch die schmalen, von Bäumen gesäumten Straßen Kastellburgs, als die ersten Sonnenstrahlen des Morgens über die sanften Hügel krochen. Er hatte seine letzten Jahre in der hektischen Umgebung von Berlin verbracht, wo die Unberechenbarkeit des Wetters oft durch das geschäftige Stadtleben überschattet wurde.
Nun, als neuer Leiter des Wetterobservatoriums, sehnte er sich nach der Ruhe und der Möglichkeit, seine Forschungen in einer Umgebung zu vertiefen, die noch von der Natur geprägt war.
Der Wagen hielt vor einem charmanten, zweistöckigen Gebäude, das sein neues Zuhause werden sollte. Es lag am Rande der Stadt, mit einem weiten Blick über das Tal, wo die Morgennebel wie weiße Schleier über den Wiesen tanzten. Yanik stieg aus, streckte sich und atmete tief ein. Die frische Luft war erfüllt von dem Duft nach feuchter Erde und frühmorgendlichem Tau.
Während er die kühle Morgenluft einatmete, überkam ihn eine tiefe Sehnsucht. Er dachte an seinen Vater, einen hartnäckigen Meteorologen, dessen Leidenschaft für das Wetter ihn schon früh geprägt hatte.
In diesen stillen Momenten des Alleinseins ließ Yanik zu, dass die Erinnerungen und die leise Trauer um seinen kürzlich verstorbenen Vater ihn erfüllten, fest entschlossen, sein Erbe mit Stolz weiterzuführen.
Er verbrachte den Vormittag damit, seine bescheidenen Habseligkeiten auszupacken und das Haus einzurichten. Das Gebäude war alt, mit knarrenden Holzböden und großen Fenstern, die einen ungestörten Blick auf den Himmel boten – perfekt für jemanden, der sein Leben den Wolken widmete.
Nachdem er sich eingerichtet hatte, beschloss Yanik, die Stadt zu erkunden. Kastellburg war bekannt für seine gut erhaltene Altstadt, die reich an Geschichte und Kultur war.
Die Straßen waren von malerischen Fachwerkhäusern gesäumt, die Geschäfte boten handgefertigte Waren an – von rustikalem Brot bis zu kunstvoll gefertigtem Schmuck.
Yanik stolperte unerwartet über ein Protestplakat, das gegen die jüngsten umweltschädlichen Maßnahmen der Stadtregierung gerichtet war. Dieses Schild löste in ihm einen inneren Konflikt aus, denn er war sich bewusst, dass seine Arbeit im Observatorium möglicherweise nicht allen in der Gemeinschaft gefallen würde.
Bestimmt, mehr darüber zu erfahren und vielleicht sogar eine Brücke zu schlagen, notierte er sich, das Thema bei der nächsten Stadtratssitzung anzusprechen.
Während seines Spaziergangs erreichte Yanik den Marktplatz, der das Herzstück der Stadt bildete. Ein kleiner Wochenmarkt war im Gange, und die Stände quollen über von lokalen Produkten: frisches Obst, Gemüse, Käse und Blumen. Die Verkäufer, meist ältere Leute mit wettergegerbten Gesichtern, begrüßten ihn freundlich, neugierig auf das neue Gesicht in ihrer Mitte.
An einem der Stände hielt Yanik inne, um ein paar Äpfel zu kaufen. Die Verkäuferin, eine ältere Dame mit einem warmen Lächeln, fragte ihn nach seinem Anliegen in Kastellburg. Als er erklärte, dass er der neue Leiter des Wetterobservatoriums sei, leuchteten ihre Augen auf.
«Oh, das ist wunderbar! Wir könnten wirklich jemanden gebrauchen, der etwas über das Wetter hier versteht. Manchmal weiß man gar nicht, was man anziehen soll, wenn man morgens aus dem Haus geht», lachte sie.
Ihr Lachen war ansteckend, und Yanik fand sich schnell in einem angeregten Gespräch über die lokalen Wetterkapriolen wieder. Es war genau die Art von Verbindung zur Gemeinde, die er sich erhofft hatte.
«Und, haben Sie irgendwelche Wetterweisheiten, die ein Neuankömmling wie ich kennen sollte?», fragte Yanik mit einem schiefen Lächeln.
Die Verkäuferin lachte herzlich und antwortete: «Oh, mein Lieber, hier sagt man, dass wenn die Krähen zu tief fliegen, man besser den Regenschirm nicht vergessen sollte! Aber erzählen Sie, was führt einen Wetterforscher in unser kleines Städtchen?»
«Nun, ich wollte dem Trubel der Großstadt entkommen und sehnte mich nach etwas Ruhe», sagte er lächelnd.
«Ruhig ist es hier auf jeden Fall», antwortete ihm die Verkäuferin, ebenfalls lächelnd.
Dieser herzliche Austausch gab Yanik das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.
Nachdem er den Vormittag damit verbracht hatte, die Stadt zu erkunden und ein wenig von der lokalen Atmosphäre zu schnuppern, beschloss Yanik, sich eine kurze Pause zu gönnen.
Gerade als Yanik sich auf den Weg machte, fiel ihm eine kleine Menschenmenge auf, die sich um einen aufgebrachten Ladenbesitzer versammelte. Der Mann diskutierte heftig über die neuesten städtischen Vorschriften, die kleine Geschäfte wie seinen benachteiligen würden. Yanik, der immer ein Interesse daran hatte, lokale Angelegenheiten zu verstehen und wo möglich zu unterstützen, beschloss, sich der Diskussion anzuschließen und mehr über die Herausforderungen zu erfahren, mit denen die lokale Geschäftswelt konfrontiert war. Dies vertiefte nicht nur sein Verständnis für Kastellburg, sondern öffnete auch eine Tür zu einer möglichen neuen Rolle als Vermittler und Unterstützer in der Gemeinschaft.
Er erinnerte sich an ein charmantes kleines Café, das er früher am Tag auf dem Marktplatz gesehen hatte, und entschied sich, dorthin zurückzukehren. Das Schild über der Tür verkündete «Lenas Café», benannt nach der Besitzerin, einer Frau, die offensichtlich nicht nur gutes Essen und Kaffee, sondern auch eine warme, einladende Atmosphäre zu schätzen wusste.
Das Café war innen gemütlich eingerichtet, mit Vintage-Möbeln und kleinen, liebevoll dekorierten Tischen. An den Wänden hingen Kunstwerke, die vermutlich lokale Künstler darstellten, und die Atmosphäre war lebendig mit dem Summen von Gesprächen und dem Klirren von Kaffeetassen. Yanik wählte einen Tisch in der Ecke, von wo aus er das bunte Treiben beobachten konnte.
Kaum hatte er Platz genommen, kam eine freundliche Bedienung, um seine Bestellung aufzunehmen.
«Ein Cappuccino, bitte», sagte Yanik und schaute sich weiter um. Während er auf seinen Kaffee wartete, zog ein Stapel Flyer auf einem Nebentisch seine Aufmerksamkeit auf sich. Es waren Ankündigungen für verschiedene lokale Events, einschließlich der bevorstehenden historischen Fahrzeugausstellung. Yanik nahm einen der Flyer und las interessiert die Details.
Die Bedienung brachte ihm seinen Cappuccino. «Sie sind neu in Kastellburg, oder?», fragte sie lächelnd. Yanik nickte. «Ja, ich leite ab nächsten Monat das Wetterobservatorium. Ich bin heute erst angekommen.»
«Na dann, willkommen in Kastellburg! Ich bin Lena und das hier ist meine kleine Wohlfühloase.»
«Wohlfühloase passt gut», sagte Yanik, «ich fühle mich tatsächlich sehr wohl hier. Ich bin übrigens Yanik.»
Lena nickte ihm lächelnd zu und ging dann zurück zum Tresen.
In diesem Moment betrat Mark das Café. Seine Hände waren noch leicht mit Öl beschmutzt, Zeichen eines Vormittags, der tief in der Arbeit verbracht wurde. Mark sah sich um, als er den Raum betrat, und seine Augen blieben kurz an Yanik haften, der die Flyer las.
Er näherte sich dem Tresen, wo seine Schwester Lena Bestellungen aufnahm.
«Hey, Lena», begrüßte Mark sie kurz und küsste sie auf die Wange. «Kann ich einen Kaffee bekommen? Ich brauche eine Pause.»
«Klar, setz dich», antwortete Lena und nickte in Yaniks Richtung. «Vielleicht möchtest du dich zu dem neuen Herrn im Ort setzen? Er ist der neue Leiter des Wetterobservatoriums. Ich glaube, ihr könntet interessante Gesprächspartner sein.»
Mark zögerte einen Moment, dann nickte er und nahm seinen Kaffee entgegen, bevor er sich zu Yanik an den Tisch setzte.
«Hi», begann er etwas unsicher. «Lena meint, wir sollten uns kennenlernen. Ich bin Mark Kramer.»
Yanik sah auf, überrascht und erfreut über die Gesellschaft.
«Yanik Richter», erwiderte er und reichte Mark die Hand. «Schön, dich kennenzulernen.»
Das Gespräch begann etwas zögerlich, da beide Männer ihre anfängliche Unsicherheit überwanden. Yanik erzählte von seiner Arbeit und seinem Umzug nach Kastellburg, und Mark sprach über die Motorräder, die er restaurierte.
«Motorräder, hm? Das klingt faszinierend», bemerkte Yanik, ehrlich interessiert. «Ich kenne mich zwar nicht gut aus, aber ich kann die Kunst und die Geschicklichkeit dahinter sicherlich schätzen.»
Mark lächelte, ermutigt durch Yaniks Interesse.
«Vielleicht möchtest du ja mal vorbeikommen und dir die Werkstatt ansehen. Ich kann dir einiges zeigen, was dich vielleicht überraschen wird.»
«Das klingt großartig», erwiderte Yanik. «Ich würde das Angebot gerne annehmen.»
Als Yanik und Mark sich weiter unterhielten, wurde ihre anfängliche Zurückhaltung durch eine wachsende Neugier aufeinander ersetzt. Der Klang ihrer Stimmen mischte sich harmonisch in das lebhafte Treiben des Cafés.
«Also, Yanik, was hat dich dazu gebracht, dich auf das Wetter zu spezialisieren? Das klingt nach einer ziemlich spezifischen Leidenschaft», fragte Mark, während er seinen Kaffee umrührte.
Yanik lachte leicht.
«Ich war schon als Kind fasziniert von den Wolken und Stürmen. Wetter ist so dynamisch und unvorhersehbar. Es hat irgendwie etwas Poetisches, findest du nicht? Abgesehen davon war mein Vater bereits Meteorologe und hat mich vermutlich angesteckt. Und wie steht es mit dir? Motorräder sind ja auch kein alltägliches Hobby.»
Mark nickte, während er einen Schluck Kaffee nahm.
«Das stimmt. Es begann eigentlich mit meinem Großvater. Er hatte eine alte Werkstatt, und ich habe dort als Junge viel Zeit verbracht. Motorräder waren unsere gemeinsame Sprache. Aber erzähl mir, was findest du poetisch am Wetter?»
«Es ist die Art, wie es die Umgebung transformiert», erklärte Yanik, seine Augen leuchteten vor Begeisterung. «Ein Sturm kann die Welt um uns herum dramatisch verändern, und dann, nach dem Regen, sieht alles irgendwie neu und frisch aus. Es gibt eine ständige Erneuerung und Veränderung, die ich faszinierend finde.»
Mark lächelte, beeindruckt von Yaniks Sichtweise.
«Das klingt fast so, als würdest du das Wetter malen, nicht studieren.»
«Vielleicht ist das mein unerfüllter Traum – ein Maler des Himmels zu sein», scherzte Yanik. «Und deine Motorräder – was fasziniert dich am meisten an der Restauration?»
«Es ist die Herausforderung, denke ich», antwortete Mark nachdenklich. «Jedes Motorrad hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Macken und Geheimnisse. Sie wieder zum Laufen zu bringen, ihnen neues Leben einzuhauchen, das hat etwas unglaublich Befriedigendes. Es fühlt sich an, als würde ich die Zeit zurückdrehen und gleichzeitig in die Zukunft schauen.»
«Das klingt wirklich beeindruckend. Ich muss zugeben, dass ich nie viel über Motorräder nachgedacht habe, aber die Art, wie du darüber sprichst, macht es wirklich interessant», sagte Yanik, sichtlich beeindruckt.
Mark lächelte breiter.
«Na dann, wie wär’s? Willst du nicht mal vorbeischauen und dir die Werkstatt ansehen? Ich könnte dir ein paar Projekte zeigen, die ich gerade in Arbeit habe.»
Yanik nickte begeistert.
«Das würde ich sehr gerne machen. Ich hab sowieso noch ein paar Tage frei. Es wäre eine tolle Abwechslung zum Himmel beobachten.»
Beide lachten, und das Gespräch vertiefte sich weiter. Sie tauschten Gedanken über alles Mögliche aus, von ihren Lieblingsbüchern bis hin zu Musik und Filmen, die sie gerne sahen. Es war, als hätten sie eine seltene Art der Verbindung gefunden, die sie trotz ihrer unterschiedlichen Welten zusammenbrachte.
Als sie schließlich ihre Kaffeebecher abstellten, hatten sie nicht nur mehr über ihre jeweiligen Leidenschaften gelernt, sondern auch eine offene Einladung füreinander ausgesprochen, in die Welt des anderen einzutauchen.
Nach ihrer Begegnung im Café trennten sich die Wege von Yanik und Mark, doch die Nachwirkungen ihres Gesprächs und der unerwartete Funke der Verbindung blieben in ihren Gedanken präsent. Yanik spazierte langsam zurück zu seinem neuen Zuhause, den Kopf voller Gedanken über das tiefe Gespräch mit Mark. Er hatte nicht erwartet, in dieser kleinen Stadt jemanden zu treffen, der so faszinierend und doch so unterschiedlich von ihm war.
Während er durch die ruhigen Straßen von Kastellburg ging, betrachtete Yanik den sich ständig verändernden Himmel. Die Reflexionen über Marks Sichtweise auf seine Arbeit – das Wiederherstellen alter Motorräder als eine Art Zeitreise und Zukunftsplanung – faszinierten ihn.
Es gab eine überraschende Parallele zu seiner eigenen Arbeit mit den Wettermustern, ein unerwarteter gemeinsamer Nenner ihrer scheinbar so verschiedenen Berufe.
«Vielleicht gibt es in der Art, wie wir beide die Welt sehen, mehr Gemeinsamkeiten, als ich anfangs dachte», murmelte Yanik vor sich hin, erfüllt von einer neuen Wertschätzung für Marks Kunstfertigkeit.
In der Zwischenzeit hatte Mark die Werkstatt erreicht, seine Gedanken kreisten noch immer um das Gespräch. Er wischte sich mechanisch die öligen Hände an einem alten Tuch ab und lehnte sich nachdenklich gegen die kühle Metalltür seines Arbeitsraums.
Die tiefsinnige Diskussion über Natur, Technik und Kunst hatte unerwartete Gefühle in ihm geweckt, Gefühle, die er seit seiner letzten ernsthaften Beziehung mit Linda nicht mehr gespürt hatte.
«Es ist seltsam», dachte er, «solche Gefühle hatte ich zuletzt bei Linda… das kann doch nicht sein, Yanik ist ein Mann… »
Mark schüttelte ungläubig den Kopf, verwirrt über die Intensität seiner eigenen Reaktionen. Linda war lange ein fester Bestandteil seines Lebens gewesen, und ihre Trennung hatte eine Leere hinterlassen, die er oft zu ignorieren versuchte. Die Begegnung mit Yanik hatte jedoch etwas in ihm berührt, das er nicht ganz definieren konnte.
«Er sieht die Welt auf eine so einzigartige Weise», dachte Mark. «Nicht viele Menschen haben ein solches Auge für das Detail oder eine solche Leidenschaft für das Unberechenbare.»
Mark war beeindruckt von Yaniks Offenheit und der Leichtigkeit, mit der er seine Gedanken zum Ausdruck brachte. Dies machte ihn neugierig auf Yaniks Welt, auf das, was über den Wolken lag, die er bisher so oft ignoriert hatte. Der Gedanke, dass er vielleicht mehr über Yanik erfahren wollte, ließ ihn zögern. Es war eine seltsame, neue Art von Neugier, eine, die ihn dazu brachte, seine eigenen Gefühle und Annahmen über sich selbst in Frage zu stellen.
Yanik fühlte eine Mischung aus Neugier und Aufregung, als er sich der alten umgebauten Scheune näherte, die Mark als seine Werkstatt nutzte.
Während er den Weg zur Werkstatt entlangging, konnte Yanik nicht umhin, über seine Entscheidung nachzudenken, sein gewohntes Leben in der Stadt aufzugeben. Der Umzug nach Kastellburg war ein Sprung ins Ungewisse, doch die Möglichkeit, tief in die Natur eingebettete Phänomene zu erforschen und echte Verbindungen fernab der Großstadt Hektik zu knüpfen, gab ihm ein Gefühl von Freiheit, das er lange vermisst hatte.
Der frische Geruch von Herbstlaub mischte sich mit dem schwachen Duft von Öl und Metall, der aus der offenen Tür wehte. Mark hatte ihn eingeladen, einen Tag in der Werkstatt zu verbringen, und Yanik war begierig darauf, mehr über Marks Welt zu erfahren.
Als er eintrat, wurde er von einer beeindruckenden Anordnung von Werkzeugen und Motorradteilen begrüßt, die sorgfältig organisiert und präsentiert waren. Mark stand inmitten einer halb zusammengebauten Maschine, die Hände tief in den Motorraum eines klassischen BMW Motorrads vergraben.
«Ah, du bist da!», rief Mark, als er Yaniks Reflexion im blanken Chrom eines nahegelegenen Motorradtank sah. Er wischte sich die Hände an einem alten Lappen ab und kam ihm mit einem breiten Lächeln entgegen. «Freut mich, dass du gekommen bist. Ich hoffe, du bist bereit, dir die Hände schmutzig zu machen.»
Yanik lachte und schüttelte den Kopf.
«Ich fürchte, meine Erfahrungen beschränken sich auf theoretische Modelle und Computerberechnungen, aber ich bin bereit zu lernen.»
Mark führte ihn durch die Werkstatt und erklärte die verschiedenen Projekte, an denen er arbeitete. Jedes Motorrad hatte seine eigene Geschichte, die Mark mit einer Leidenschaft erzählte, die Yanik tief beeindruckte. «Dies hier ist eine seltene R69S von 1960. Sie war in ziemlich schlechtem Zustand, als ich sie bekam, aber sie wird wunderschön sein, wenn sie fertig ist.»
Yanik folgte Mark zu einem Arbeitstisch, wo einige Motorteile ausgelegt waren.
«Möchtest du versuchen, diesen Vergaser zusammenzubauen?», fragte Mark, eine Augenbraue hochziehend. «Ich zeige dir, wie es geht.»
Mit Marks geduldiger Anleitung begann Yanik, die Teile zu montieren. Es war eine sorgfältige, fast meditative Tätigkeit, und Yanik fand schnell Gefallen daran. Das Zusammenfügen der präzisen Metallteile zu einem funktionierenden Ganzen hatte etwas zutiefst Befriedigendes.
«Du hast ein gutes Gefühl dafür», bemerkte Mark, als sie den zusammengebauten Vergaser betrachteten. «Es ist nicht anders als bei deiner Arbeit, oder? Es geht darum, zu verstehen, wie die Teile zusammenpassen, um das große Ganze zu sehen.»
Yanik nickte, den Vergleich betrachtend.
«Ja, es ist ähnlich. Ob es sich um Wolken oder Motorräder handelt, wir versuchen, Chaos in Ordnung zu bringen, nicht wahr?»
Das Lachen, das sie teilten, war ein Beweis für ihre wachsende Verbindung. Sie verbrachten den Rest des Morgens damit, weiter an der Maschine zu arbeiten, wobei Mark Yanik in die Feinheiten der Motorradrestauration einführte. Yanik war fasziniert von der Präzision und Sorgfalt, die Mark in seine Arbeit steckte.
Als die Mittagszeit näher rückte, schlug Mark eine Pause vor.
«Ich denke, es ist Zeit für eine Stärkung. Was hältst du von einem späten Frühstück? Es gibt ein kleines Diner nicht weit von hier, das die besten Pfannkuchen in der Stadt macht.»
Yanik, der sich in der angenehmen Gesellschaft und der fesselnden neuen Erfahrung wohl fühlte, stimmte gerne zu. Während sie die Werkstatt abschlossen und sich zum Diner aufmachten, spürte er eine tiefe Zufriedenheit. Nicht nur, dass er neue Fähigkeiten erlernt hatte, er hatte auch einen Freund gefunden, dessen Gesellschaft er wirklich genoss.
Nachdem sie die gemütliche Werkstatt hinter sich gelassen hatten, führte Mark Yanik zu einem kleinen, lokal beliebten Diner, das sich durch seine rustikale Einrichtung und warme, einladende Atmosphäre auszeichnete. Während sie dort saßen, umgeben von den leisen Gesprächen anderer Gäste und dem Klirren von Geschirr, genossen sie ihre Mahlzeit und planten den weiteren Tagesverlauf.
«Ich muss sagen, dass das wirklich interessant war, heute Morgen», sagte Yanik, während er einen Schluck Kaffee nahm. «Ich hatte keine Ahnung, dass so viel Detailarbeit in der Restaurierung eines Motorrads steckt.»
Mark lächelte über den dampfenden Teller hinweg.
«Und ich dachte immer, Wetter wäre nur Wetter. Aber du siehst es fast wie eine Kunstform, nicht wahr?»
«Genau das ist es für mich», erwiderte Yanik. «Und da du heute Morgen einen Einblick in meine Welt bekommen hast, wie wäre es, wenn ich dir heute Nachmittag zeige, was ich tue? Es gibt eine Wetterstation nicht weit von hier, und es sieht nach einem interessanten Tag für Beobachtungen aus.»
Mark nickte interessiert.
«Das klingt großartig. Ich habe ehrlich gesagt noch nie eine Wetterstation von innen gesehen.»
Der Nachmittag fand sie auf einer kleinen Anhöhe außerhalb von Kastellburg, wo das neue Wetterobservatorium eine panoramische Aussicht über die umgebende Landschaft bot.
Die moderne Einrichtung stand in starkem Kontrast zu der alten Werkstatt, war aber in ihrer eigenen Weise faszinierend. Große Bildschirme zeigten Echtzeit-Daten von Wind, Temperatur und Niederschlag, während verschiedene Instrumente und Geräte die Umgebung überwachten.
Yanik führte Mark zu einer hochmodernen Wetterradaranlage.
«Dieses Gerät kann die Entwicklung von Stürmen über Hunderte von Kilometern verfolgen», erklärte er. «Wetter ist dynamisch und immer in Bewegung – ähnlich wie die Geschichte eines restaurierten Motorrads, das wieder zum Leben erwacht.»
Während Yanik sprach, berührte er unabsichtlich Marks Arm, um seine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Bildschirm zu lenken. Mark sah ihm in die Augen, und ein Moment des Schweigens entstand, in dem ein beiderseitiges Verständnis zu spüren war.
Mark, beeindruckt von der Technologie und der Komplexität der Datenanalyse, nickte.
