Jay und Zain - Alisa Kevano - E-Book

Jay und Zain E-Book

Alisa Kevano

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Beschreibung

Elite-Soldat Jay will während seines Trainingsaufenthalts in Berlin eigentlich nur einen ruhigen Abend in einer Bar verbringen. Doch als er dem charismatischen Barbesitzer Zain zur Hilfe eilt, ahnt er nicht, dass dieser Abend sein Leben verändern wird. Zain träumt von seinem eigenen Restaurant, will persische Tradition mit moderner Küche verbinden. Aber plötzlich häufen sich mysteriöse Zwischenfälle, die seine Existenz bedrohen. Was als zarte Annäherung zwischen zwei Männern beginnt, wird zu einem gefährlichen Spiel um Leben und Tod. Können zwei Menschen aus völlig verschiedenen Welten eine gemeinsame Zukunft finden, wenn jeder Schritt in Richtung Nähe ihr Leben gefährdet?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Jay und Zain

Herz in der Schusslinie

Alisa Kevano

© 2025

likeletters Verlag

Inh. Martina Meister

Legesweg 10

63762 Großostheim

www.likeletters.de

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten.

Autorin: Alisa Kevano Bildquelle: Midjourney

ISBN: 9783689490195

Teilweise kam für dieses Buch künstliche Intelligenz zum Einsatz.

Dies ist eine frei erfundene Geschichte. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Inhaltsverzeichnis

Eine folgenreiche Nacht

Wiedersehen

Der erste Abend

Gefährliche Nähe

Unter Druck

Der Plan

Zwölf Stunden

Konfrontation

Aufräumarbeiten

Leopard & Wolf

Eine folgenreiche Nacht

Der Bass der Musik vibrierte durch Zains Körper, während er routiniert Eiswürfel in den Cocktailshaker gleiten ließ. Ein schneller Blick auf die Uhr über der Bar – kurz nach elf. Der Laden war gut gefüllt für einen Freitagabend, die Luft schwer vom Geruch nach Alkohol und verschiedenen Parfüms.

«Einen Caipi und zwei Gin Tonic», rief Sara vom anderen Ende der Bar herüber. Ihre kurzen blauen Haare leuchteten im gedämpften Licht. Zain nickte ihr zu und begann, die Getränke vorzubereiten.

Seine Bewegungen waren präzise, fast schon automatisch nach drei Jahren hinter dieser Bar. Das Phoenix war sein zweites Zuhause geworden, aber bald würde sich das ändern.

Der Gedanke an sein eigenes Restaurant ließ sein Herz schneller schlagen. Gestern hatte er endlich den Mietvertrag für den Laden in der Bergmannstraße unterschrieben. Die alte Pizzeria würde in vier Monaten seinen Traum beherbergen – vorausgesetzt, er bekam die Finanzierung auf die Reihe. Morgen würde er die letzten Unterlagen für die Bank fertigstellen.

«Hey Süßer, noch nen Kurzen!» Die raue Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Der bullige Typ am Ende der Bar hob sein leeres Glas. Zain kannte den Typen nicht, aber er hatte ihn schon den ganzen Abend im Auge behalten. Zu laut, zu aufdringlich, zu betrunken.

«Tut mir leid, ich glaube, Sie hatten genug für heute.» Zain hielt seine Stimme ruhig und professionell, während er die Gin Tonics fertigstellte.

«Ach komm schon, nur noch einen!» Der Mann lehnte sich über die Bar, sein Atem nach Whiskey stinkend. «Du kannst doch nem Gast nicht das Trinken verweigern.»

«Kann ich, muss ich sogar.» Zain schob die fertigen Drinks zu Sara hinüber und wandte sich dann wieder dem Mann zu. «Ich rufe Ihnen gerne ein Taxi.»

Der Gast knurrte etwas Unverständliches und ließ sich zurück auf seinen Barhocker fallen. Zain entspannte sich ein wenig, behielt ihn aber im Blick. Solche Situationen konnten schnell eskalieren, das hatte er in den letzten Jahren oft genug erlebt.

«Schöne Location hier», sagte plötzlich eine neue Stimme. Zain drehte sich um und sein Blick traf stahlblaue Augen. Der Mann, der da an seiner Bar saß, war neu hier, das hätte er sich gemerkt. Militärisch kurze blonde Haare, kantiges Gesicht, breite Schultern unter einem schlichten schwarzen T-Shirt. Er strahlte eine ruhige Autorität aus, die Zain sofort faszinierte.

«Danke», erwiderte er und musste sich zwingen, nicht zu lange zu starren. «Was darf’s denn sein?»

Bevor der Fremde antworten konnte, krachte ein Glas zu Boden. Der betrunkene Gast von eben war aufgesprungen, sein Barhocker lag umgekippt hinter ihm.

«Du kleine Schwuchtel verweigerst mir also das Trinken?», brüllte er durch den Raum.

Die Musik schien plötzlich leiser, alle Gespräche verstummten. Zain spürte, wie sich sein Magen zusammenzog.

Das würde keine gute Nacht werden.

Jay hatte eigentlich nur einen ruhigen Drink gewollt, einen Moment der Normalität nach zwei Wochen intensivem Training. Seine Muskeln schmerzten noch vom heutigen Nahkampftraining, und sein Kopf war voll mit Einsatzplänen und Taktiken.

Als er das Phoenix entdeckt hatte, schien es genau richtig – keine überfüllte Touristenkneipe, keine angesagte Szene-Location.

Einfach eine gut geführte Bar mit gedämpftem Licht und einer Atmosphäre, die Anonymität versprach.

Doch kaum hatte er den attraktiven Barkeeper mit den dunklen Locken und den bernsteinfarbenen Augen entdeckt, war es mit der Ruhe vorbei. Etwas an der Art, wie sich der Mann hinter der Bar bewegte, zog seinen Blick magisch an. Präzise, kontrolliert und trotzdem mit einer natürlichen Eleganz.

Und jetzt stand dieser Idiot da und brüllte homophobe Beleidigungen durch den Raum.

Jay beobachtete, wie sich die Muskeln im Nacken des Barkeepers anspannten.

Trotzdem blieb dessen Stimme ruhig: «Ich denke, Sie sollten jetzt gehen.»

«Ach ja?» Der Betrunkene taumelte zwei Schritte auf die Bar zu. «Und wer will mich dazu zwingen? Du und deine kleine Tussi mit den blauen Haaren?»

Besagte ‚Tussi‘ griff bereits nach ihrem Handy, vermutlich um die Polizei zu rufen.

Der Barkeeper schüttelte kaum merklich den Kopf. Er wollte die Situation offenbar selbst entschärfen.

«Niemand muss hier irgendjemanden zwingen», sagte er in einem Ton, als würde er mit einem störrischen Kind reden. «Sie gehen jetzt einfach nach Hause, schlafen ihren Rausch aus, und morgen ist die Sache vergessen.»

«Vergessen?» Der Mann lachte bellend. «Ich vergesse nicht, wenn mir so einer wie du auf der Nase rumtanzt!»

Jay bemerkte die subtile Veränderung in der Körperhaltung des Betrunkenen eine Sekunde, bevor es passierte. Jahre des Kampftrainings hatten ihn gelehrt, die Anzeichen zu lesen.

Der Mann holte aus, seine Hand zur Faust geballt.

Ohne nachzudenken, glitt Jay von seinem Barhocker. Seine Hand schloss sich um das Handgelenk des Angreifers, noch bevor dessen Faust ihr Ziel erreichen konnte. Mit einer fließenden Bewegung drehte er den Arm des Mannes auf dessen Rücken, gerade fest genug, um ihm zu zeigen, dass Widerstand zwecklos war.

«Der Mann hat gesagt, Sie sollen gehen», sagte Jay leise, aber mit einer Autorität in der Stimme, die keinen Widerspruch duldete. «Ich schlage vor, Sie hören auf ihn.»

Der Betrunkene versuchte, sich loszureißen, aber Jays Griff war wie Stahl. Nach einem kurzen Moment des Kampfes erschlaffte er.

«Schon gut, schon gut», murmelte er. «Ich geh ja schon.»

Jay ließ ihn los und der Mann stolperte Richtung Ausgang, nicht ohne noch einen hasserfüllten Blick zurückzuwerfen.

Ein paar Gäste klatschten verhalten, dann ging der normale Barbetrieb wieder weiter.

«Danke», sagte der Barkeeper und sah Jay direkt an. «Das hätte böse enden können.»

«Keine Ursache.» Jay kehrte zu seinem Platz zurück. «Ich bin Jay.»

«Zain.» Ein kleines Lächeln umspielte Zains Mundwinkel. «Was darf’s denn nun sein? Geht aufs Haus.»

«Whiskey, pur.» Jay hielt dem intensiven Blick stand. «Aber ich bestehe darauf, zu zahlen. Immerhin bist du hier der Geschädigte, nicht ich.»

Zain zuckte mit den Schultern, aber sein Lächeln wurde breiter.

«Wie wäre es mit einem Kompromiss? Der erste Drink geht aufs Haus, den zweiten darfst du bezahlen.»

«Deal», sagte Jay und spürte, wie sich die Anspannung der letzten Minuten langsam löste.

Der Vorfall hatte ihn mehr aufgewühlt, als er zugeben wollte – nicht wegen der potentiellen Gefahr, damit konnte er umgehen. Aber die Beleidigungen des Betrunkenen hatten einen Nerv getroffen. Sie erinnerten ihn daran, warum er in seiner Einheit schwieg, warum er sein Privatleben strikt von seinem Beruf trennte.

Zain stellte ein Glas vor ihm ab, bernsteinfarben wie seine Augen. Ihre Finger berührten sich kurz bei der Übergabe. Eine kleine, unschuldige Berührung, die trotzdem einen elektrischen Schauer durch Jays Körper jagte.

«Auf einen ruhigeren Rest des Abends», sagte Zain und hob kurz seine Wasserflasche zum Toast.

Jay nippte an seinem Whiskey und hoffte, dass der Abend alles andere als ruhig werden würde.

Die Bar leerte sich langsam. Sara hatte sich vor einer halben Stunde verabschiedet, nachdem Zain darauf bestanden hatte, dass er die letzte Stunde auch alleine schaffte.

Jetzt war es kurz vor zwei, nur noch eine Handvoll Gäste saß verstreut an den Tischen.

Und Jay.

Er war geblieben, hatte seinen zweiten Whiskey so langsam getrunken, als wollte er jeden Tropfen auskosten. Während des Bedienens der letzten Gäste waren sie ins Gespräch gekommen. Zain hatte von seinen Restaurantplänen erzählt, von seiner Vision einer modernen persischen Küche mit deutscher Note.

«Meine Mutter würde sich im Grab umdrehen, wenn sie wüsste, dass ich ihre Rezepte verfeinere», sagte Zain und lehnte sich an die Bar.

Die letzte Gruppe Gäste hatte gerade bezahlt.

«Aber manchmal muss man Traditionen ein bisschen aufbrechen, um sie am Leben zu erhalten.»

«Klingt, als hättest du dir das gut überlegt.»

Jay drehte sein leeres Glas zwischen den Fingern. Seine Hände waren schwielig, vermutlich vom Training. Zain konnte seinen Blick kaum von ihnen lösen.

«Seit Jahren träume ich davon. Die Bar… » Er machte eine umfassende Geste. «Das Phoenix ist toll, Sara mehr eine Freundin als meine Chefin. Aber ich wollte immer mehr.»

«Warum ausgerechnet Berlin?»

«Weil die Stadt so ist wie ich – ein bisschen von allem, nirgendwo ganz zu Hause und trotzdem genau da, wo sie sein soll.» Zain lachte. «Sorry, das klang weniger kitschig in meinem Kopf.»

«Nein, ich verstehe das.» Jay sah sich in der nun leeren Bar um. «Manchmal braucht man einen Ort, der einen einfach man selbst sein lässt.»

Da war etwas in seiner Stimme, eine unterschwellige Sehnsucht, die Zain nur zu gut kannte. Er hatte sie oft genug in seiner eigenen Stimme gehört.

«Und du?», fragte er vorsichtig. «Was verschlägt einen… » Er stockte, unsicher wie er fortfahren sollte.

«Einen Soldaten?», half Jay aus. «KSK, um genau zu sein. Aber das behältst du für dich, okay?»

Zain pfiff leise durch die Zähne. Kommando Spezialkräfte. Das erklärte einiges – die Bewegungen vorhin, die natürliche Autorität, die kontrollierte Kraft.

«Keine Sorge, ich bin gut im Geheimnisse bewahren.» Er griff nach Jays Glas. «Noch einen?»

Jay zögerte. «Eigentlich sollte ich… »

«Du solltest», unterbrach Zain ihn sanft, «mir erlauben, dir noch einen einzuschenken. Immerhin hast du mir heute den Abend gerettet.»

Ihre Blicke trafen sich über die Bar hinweg. Die Musik war leiser geworden, nur noch ein sanfter Beat im Hintergrund. Durch die großen Fenster drangen die Geräusche des nächtlichen Berlins, ein Gewirr aus Straßenlärm und Gesprächen vereinzelter Passanten.

«Einen noch», sagte Jay schließlich. «Aber dann muss ich wirklich los. Morgen früh geht’s zurück zur Basis.»

Zain nickte und griff nach der Flasche mit dem guten Whiskey, den er normaler weise nicht ausschenkte. Seine Finger zitterten leicht, als er eingoss.

Die Luft zwischen ihnen schien zu knistern.

«Wie lange bleibst du in Berlin?», fragte er, während er das Glas hinüber schob.

«Nur heute Nacht.» Jay nahm einen Schluck. Seine Augenbrauen hoben sich anerkennend ob des besseren Whiskeys. «War eigentlich nur für das Training hier. Morgen früh geht der Zug.»

«Schade.»

Das Wort war Zain herausgerutscht, bevor er es zurückhalten konnte.

Jay stellte sein Glas ab. Seine Hand blieb auf dem Tresen liegen, nur Zentimeter von Zains Hand entfernt. «Ja», sagte er leise. «Ist wirklich schade.»

Die Spannung zwischen ihnen war jetzt fast greifbar. Zain spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Er müsste nur seine Hand ein kleines Stück bewegen…

Das Klirren von Glas ließ sie beide zusammenzucken. Der letzte verbliebene Gast hatte sein Bier umgeworfen.

«Ich kümmere mich drum», sagte Zain schnell und trat einen Schritt zurück. Die intensive Atmosphäre des Moments zerbrach wie eine Seifenblase.

Als er mit Lappen und Kehrblech zurückkam, hatte Jay sein Glas geleert. Seine Miene war wieder distanziert, professionell. Der kurze Einblick in den Mann hinter der Fassade war verschwunden.

«Ich sollte gehen», sagte er und zog seine Jacke an. «Danke für die Drinks.»

«Gern geschehen.» Zain versuchte, seine Enttäuschung zu verbergen. «Pass auf dich auf.»

Jay nickte nur und wandte sich zum Gehen. An der Tür hielt er kurz inne, drehte sich aber nicht um. Dann war er verschwunden, verschluckt von der Berliner Nacht.

Zain starrte noch lange auf die Stelle, wo er gestanden hatte. Der Abdruck von Jays Glas auf dem Tresen war der einzige Beweis, dass dieser Abend keine Einbildung gewesen war.

Jay stand vor seinem Hotelzimmer und starrte auf die Zimmernummer, als könnte sie ihm Antworten auf die Fragen geben, die in seinem Kopf kreisten.

231.

Drei simple Ziffern, die ihm seltsam verschwommen erschienen. Vielleicht hätte er den letzten Whiskey doch nicht trinken sollen. Oder vielleicht hätte er noch einen trinken sollen, noch eine Stunde bleiben sollen, noch…

Er schüttelte den Kopf und schloss die Tür auf. Das Zimmer war kühl und unpersönlich, wie Hotelzimmer es immer waren. Seine Sporttasche lag noch genauso auf dem Bett, wie er sie heute Nachmittag hingeworfen hatte. In vier Stunden würde schon sein Wecker klingeln.

Mit mechanischen Bewegungen ging er ins Bad, putzte sich die Zähne, wusch sich das Gesicht. Im Spiegel sah er müde aus, die Augen leicht gerötet.

Das intensive Training der letzten Wochen hatte Spuren hinterlassen. Oder waren es die Ereignisse des Abends, die ihm anzusehen waren?

Zain.

Allein der Gedanke an den Barkeeper ließ seinen Puls schneller werden. Diese bernsteinfarbenen Augen, die Art wie sich seine Locken im Nacken kräuselten, sein Lächeln… Jay stöhnte und ließ sich aufs Bett fallen.

«Reiß dich zusammen, Jespersen», murmelte er in die Dunkelheit.

Er konnte sich keine Ablenkung leisten, nicht jetzt, wo die wichtigsten Übungen des Jahres anstanden. Seine Einheit zählte auf ihn, und er hatte sich geschworen, nie zuzulassen, dass sein Privatleben seinen Dienst beeinflusste.

Sein Handy vibrierte. Eine Nachricht von seinem Teamführer: «Zugverbindung für morgen bestätigt. 0830 Berlin Hbf.»

Die Realität seiner Welt holte ihn wieder ein. In der Basis gab es keine Bars mit gedämpftem Licht, keine geheimnisvollen Barkeeper mit Träumen von eigenen Restaurants, keine elektrisierenden Momente über teurem Whiskey.

Und doch… Als er die Augen schloss, sah er Zain vor sich, wie er sich über die Bar lehnte, wie sich ihre Hände fast berührten.