Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Mit einem schweren Traktor fuhr Patrik Bogenstedt auf der Kreisstraße zwischen Aichelau und Ödenwaldstetten auf der Schwäbischen Alb. Sein Beschluss stand fest, er wollte seinen lange gehegten Plan, aus der Justizvollzugsanstalt Rottenburg zu fliehen, in die Tat umsetzen. Die Gelegenheit war günstig, denn sein Job in der Außenstelle Maßhalderbuch erlaubte ihm gewisse Freiheiten. Bis sein Verschwinden festgestellt wurde, wäre er längst über alle Berge. Getrieben vom Gefühl der Rache, hatte er nächtelang dieses Vorhaben ausgearbeitet. Nun war er auf dem Weg nach Reutlingen, um sich seinen früheren Komplizen Steiner vorzuknöpfen, der ihn verpfiffen und um seinen Anteil betrogen hatte. Patrik Bogenstedt wusste schon, wo er untertauchen konnte, ohne dass ihm die Polizei auf die Spur kam. Allerdings konnte er noch nicht wissen, dass er dort Besuch bekommen würde…
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 249
Veröffentlichungsjahr: 2016
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Werner Kehrer ist in Reutlingen geboren und lebt mit seiner Familie in Metzingen-Neuhausen. Seit 2007 schreibt er Krimis mit dem Kriminalhauptkommissar Gerhard Meininger als leitendem Ermittler, der diesmal einen geflohenen Strafgefangenen im Reutlinger Stadtgebiet verfolgt. Werner Kehrer verbindet seine passenden Plots mit einem genauen Blick auf seine schwäbischen Mitmenschen.
Werner Kehrer
Holzmichels Tod
Ein Schwaben-Krimi
Oertel+Spörer
Dieser Kriminalroman spielt an realen Schauplätzen.
Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden.
Sollten sich dennoch Ähnlichkeiten mit lebenden oder
verstorbenen Personen ergeben, so sind diese rein zufällig
und nicht beabsichtigt.
© Oertel+Spörer Verlags-GmbH+Co. KG 2016Postfach 16 42 · 72706 Reutlingen
Alle Rechte vorbehalten.Titelbild: fotolia ©Alberto Masnovo
Gestaltung: PMP Agentur für Kommunikation, Reutlingen
Satz: Uhl + Massopust, Aalen
ISBN 978-3-88627-771-1Besuchen Sie unsere Homepage und informieren
Sie sich über unser vielfältiges Verlagsprogramm:
www.oertel-spoerer.de
Auf diesen Augenblick hatte Patrik Bogenstedt drei lange Jahre gewartet. Er befuhr die Kreisstraße von Aichelau nach Ödenwaldstetten mit einem schweren Traktor und zwei vollgeladenen Anhängern, um in Kleinengstingen das soeben gedroschene Getreide abzuliefern. Er war erst vor Kurzem von der Justizvollzugsanstalt Rottenburg in den offenen Vollzug nach Maßhalterbuch auf die Alb verlegt worden, weil er sich während seines Haftaufenthaltes mustergültig verhalten hatte. Eigentlich durften nur die zivilen Angestellten die Traktoren der Domäne fahren, aber ausgerechnet während der Erntezeit hatte sich einer der jungen Fahrer ein Bein beim Fußballspielen gebrochen.
Da Bogenstedt im Besitz eines Lastwagen-Führerscheines war, wurde er kurzerhand als Fahrer verpflichtet. Die Domäne Maßhalterbuch befand sich zwischen den Orten Aichelau und Ödenwaldstetten auf der Schwäbischen Alb. Die Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Rottenburg betrieb dort Viehhaltung und Ackerbau, nebenher gab es auch noch einen Hofladen. Auf der Domäne arbeiteten vorwiegend Strafgefangene, deren Strafe sich dem Ende entgegen neigte oder die sich durch besonders gute Führung und Kooperation in einem Resozialisierungsprogramm hervorgetan hatten. Ein solcher Inhaftierter war Patrik Bogenstedt. Er hatte vom ersten Tag seiner Inhaftierung an alle ihm zugeteilten Arbeiten ohne Murren übernommen. Aufgrund seines erlernten Berufs als Landschaftsgärtner war er außerdem für die Arbeit auf der Domäne mehr als geeignet. Er war wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er und ein Komplize hatten ein illegales Wettbüro in der Reutlinger Innenstadt überfallen und einen großen Geldbetrag erbeutet. Während des Überfalls kam es zu einer Schießerei, bei der einer der überfallenen Italiener tödlich getroffen wurde. Patrik hatte zwar auch geschossen, aber, und da war er sich ganz sicher, niemanden getroffen. Sein Komplize Martin Steiner, der ihn zu dem Coup überredet hatte, war für den Tod des Mannes verantwortlich.
Bogenstedt hatte Steiner in einer Kneipe in der Nähe des Reutlinger Hauptbahnhofs kennengelernt. Steiner erzählte Patrik Bogenstedt die Geschichte von dem illegalen Wettbüro und wie leicht man an dessen Geld kommen konnte. Tagelang wurde der Überfall geplant. Und dann an einem Sonntagabend, nach dem letzten Bundesligaspiel, war es so weit. Bogenstedt und Steiner stürmten mit vorgehaltenen Waffen in das Wettbüro und verlangten die Herausgabe der Tageseinnahmen. Da zog plötzlich einer der Anwesenden ebenfalls eine Waffe und schoss auf die Eindringlinge. Bogenstedt wurde an der Hüfte getroffen und schoss zurück, ebenso wie Steiner, der den gegnerischen Schützen getroffen hatte. Das dadurch entstehende Chaos nutzte Steiner und packte das herumliegende Geld in eine Plastiktüte. Bei der anschließenden Flucht trennten sich die beiden. Bogenstedt konnte gerade noch die elterliche Wohnung erreichen, ehe er sich in ärztliche Behandlung begeben musste. Das auf ihn abgefeuerte Projektil hatte wohl den Hüftknochen gestreift und war dadurch abgewiesen worden, so hatte er nur eine tiefe Fleischwunde. Er log den Arzt an, in dem er behauptete, er sei beim Heckenschneiden von der Leiter gestürzt und dabei in einen Eisenpfosten gefallen. Nachdem die Wunde versorgt worden war, machte er sich sofort auf den Heimweg, um die Beute und die Waffen in einer Grube, die im Boden eines Gartenhäuschens auf einem Grundstück in Eningen eingelassen war, zu verstecken. Nachdem der an der Schießerei beteiligte Italiener verstarb, waren die Betreiber des illegalen Wettbüros gezwungen, die Polizei zu rufen. Ein Zeuge, der sich zufällig in der Nähe aufgehalten hatte, gab zu Protokoll, dass er bei einem der Täter eine stark blutende Wunde gesehen hatte. So dauerte es nicht lange, bis sich der Arzt, der die Wunde von Bogenstedt versorgt hatte, bei der Kriminalpolizei in Reutlingen meldete. Für alle Fälle bastelte sich Bogenstedt ein Alibi, in dem er die Hecke des Nachbarn etwa bis zur Hälfte zurückschnitt, sodass der sich dahinter befindliche Zaun, der tatsächlich aus nach oben spitz zulaufenden Stahlpfosten bestand, zum Vorschein kam. Aufgrund seiner Verwundung bereitete ihm diese Arbeit große Schmerzen. Aber genutzt hatte es ihm dann doch nicht. Der ermittelnde Kriminalbeamte, ein gewisser Kriminalhauptkommissar Meininger, glaubte ihm von Anfang an kein Wort. Vor allem deshalb, weil er von anonymer Seite verpfiffen worden war: Ein Anrufer teilte der Polizei sämtliche Details des Überfalls mit. Das konnte nur Steiner gewesen sein.
Bogenstedt leugnete von Anfang eine Tatbeteiligung. Die Indizien sprachen aber gegen ihn, sodass er schließlich zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Den Namen seines Komplizen hatte er nie verraten, sodass sich dieser noch immer auf freiem Fuß befand. Zu gegebener Zeit wollte sich Bogenstedt an Steiner rächen. Dieser Zeitpunkt war nun gekommen. Immer wieder spielte er seinen Fluchtplan durch. Er wollte mit dem Traktor so schnell wie möglich nach Reutlingen kommen. Das barg ein großes Risiko, denn solch ein Ungetüm sah man nicht alle Tage durch die Innenstadt fahren. Als zweite Möglichkeit zog er in Betracht, die Maschine irgendwo in der Nähe einer Bushaltestelle abzustellen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiterzukommen. Auch da blieb er sicherlich nicht unbemerkt, denn er trug einen ungepflegten Vollbart und lange Haare, die er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte.
Kurz vor der Abladestelle stauten sich schon die wartenden Landwirte mit ihrer Ernte. Er stellte sich hinten an, wie die Tage zuvor. Da er mehrere Fahrten zu machen hatte, koppelte er, wie am Vortag, die beiden Anhänger ab und fuhr wieder zurück zur Domäne. Die Kollegen der benachbarten Höfe hängten die beiden Anhänger einfach an ihre an und gaben dem Disponenten der Abladestelle wie immer Bescheid. Doch dieses Mal bog er nicht nach links zur Domäne ab, sondern rechts in Richtung Reutlingen. Bis er dort war, rechnete er sich eine Fahrzeit von etwa einer drei viertel Stunde aus. Kurz vor dem großen Kreisverkehr nahe der Station Lichtenstein bemerkte er, dass ihm ein Polizeifahrzeug folgte. Ihm wurde plötzlich heiß und kalt. Sollten seine Fluchtpläne schon nach wenigen Metern scheitern? Er fuhr weiter bis zur ehemaligen Gaststätte Lichtenstein und bog dann ab zum Traifelberg. Das Polizeifahrzeug fuhr weiter und ließ ihn unbehelligt. Er atmete einmal tief durch. Dann bemerkte er ein abgestelltes Mountainbike im Hinterhof der ehemaligen Gaststätte und ihm kam eine Idee. Er fuhr ein paar Meter weiter, stellte den Motor des Traktors ab und beobachtete das Haus. Niemand schien anwesend zu sein. Also stieg er vom Traktor ab und ging vorsichtig durch den Zaun zu dem Gebäude. Zu allem Glück hing am Fahrrad auch noch ein Helm mit einer Sonnenbrille. Er schnappte sich kurzerhand das Fahrrad und den Helm und radelte die ehemalige Trasse der Zahnradbahn hinab ins Echaztal.
Hartmut Gauger stand am Rande eines großen Getreideackers und wartete auf die Abholung der letzten zwei mit Weizen beladenen Anhänger. Er hatte den Mähdrescher weggeschickt, nachdem dieser mit dem Abernten des riesigen Getreidefeldes fertig gewesen war. Sein Fahrer Bogenstedt sollte, wie er es schon in den vergangenen Tagen praktiziert hatte, sofort nach dem Abliefern der ersten Fuhre zurückkommen. Gauger wurde langsam nervös, denn am Horizont türmten sich schon ungeheure Wolkenberge auf, die darauf hindeuteten, dass in Kürze ein Gewitter zu erwarten war. Zuvor musste das Korn aber in der Annahmestelle in Kleinengstingen abgeliefert sein. Immer wieder blickte er auf seine Armbanduhr. Da es Strafgefangenen nicht erlaubt war, ein Handy zu besitzen, konnte er Bogenstedt nicht auf diese Weise erreichen.
»Der wird doch keinen Unfall gebaut haben«, murmelte Gauger vor sich hin. Erst im letzten Jahr war ein Traktorfahrer tödlich verunglückt, weil er vermutlich zu schnell in eine Kurve gefahren war. Auch er hatte Getreide in zwei Anhängern angehängt, so wie Bogenstedt. Gauger riskierte durch seine Erlaubnis, den Strafgefangenen den Traktor fahren zu lassen, seinen Job, denn die Vorschriften über die Beschäftigung von Strafgefangenen im offenen Vollzug untersagten dies ausdrücklich. Ob er wohl schnell hinüber nach Kleinengstingen fahren sollte, um zu sehen, was geschehen war? Noch fünf Minuten wollte er warten. Oder nein, er konnte ja auch bei der Annahmestelle anrufen. Also wählte er die Nummer und wartete auf eine Antwort. Niemand hob ab. Klar, da hatte jetzt, in der Hochsaison der Getreideernte, keiner Zeit ans Telefon zu gehen. Die Bauern warteten ungeduldig in Reih und Glied und wollten so schnell wie möglich abgefertigt werden. Also blieb nur noch die Möglichkeit, ins Auto zu steigen, um nach Kleinengstingen zu fahren. Auf der ganzen Strecke dorthin kam ihm kein Traktor entgegen. Vor der Abladestelle bot sich ihm das erwartete Bild. Eine schwere Zugmaschine stand dort hinter der anderen und wartete auf das Abladen der eingebrachten Ernte. Etwas abseits entdeckte Gauger die beiden Anhänger, die Bogenstedt hierher transportiert hatte. Von dem Traktor und seinem Fahrer allerdings war nichts zu sehen. Gauger stieg der kalte Schweiß hoch, der Kerl sollte doch nicht etwa getürmt sein? Er fragte einen der umstehenden Bauern, ob sie den Fahrer gesehen hätten.
»Jo, den hau i gsea. Der hot seine Kärra abgschdellt und isch no do vorna Richtung Honau pfiffa!«, sagte einer der jungen Kerle, die hauptsächlich in Unterhemden und weiten Hosen dastanden und Zigaretten rauchten.
»Kann einer von euch kurz zu uns nach Maßhalterbuch fahren und meine beiden letzten Anhänger holen, bevor es regnet?«
»Kommt drauf o, was dabei rausschprengt?«, sagte einer und machte ein eindeutiges Zeichen.
»Darüber lässt sich sicherlich reden, das ist kein Problem. Hauptsache, der Weizen ist versorgt.«
»Soll i oder willsch du?«, fragte einer der jungen Männer den anderen.
Der zuckte nur mit der Schulter. Also stieg der Angesprochene in seinen Traktor und startete ihn.
»Mo isch des Feld genau?«, fragte er durch die geöffnete Fahrertür.
Gauger erklärte dem Fahrer den Standort der beiden Anhänger. Dieser nickte nur und fuhr davon. Gauger konnte es nicht glauben, dass dieser Bogenstedt abgehauen sein sollte. Der Gefangene war ihm von der Leitung der JVA persönlich empfohlen worden. Bogenstedt integrierte sich in die Gemeinschaft auf der Domäne sofort und ohne Probleme, er erledigte alle Arbeiten zu Gaugers vollster Zufriedenheit. Deshalb überging Gauger ohne Bedenken die Vorschriften. Dass er jetzt so von Bogenstedt enttäuscht wurde, ärgerte ihn maßlos. Schweren Herzens rief er im Polizeipräsidium in Reutlingen an, um die Flucht von Bogenstedt anzuzeigen.
In der Dienststelle im Kriminalkommissariat Reutlingen saß Kriminalhauptkommissar Gerhard Meininger an seinem Schreibtisch und telefonierte mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Reutlingen. Er hatte einen Brief bekommen, in dem er aufgefordert wurde, die erst kürzlich in seinem Garten errichtete Geschirrhütte wieder abzubauen, da er sie nicht bei der Behörde beantragt hatte. Das ärgerte ihn mächtig, denn all seine Nachbarn hatten eine solche Hütte im Garten stehen und niemand hatte sich darüber bisher mokiert. Gut, er wusste, dass dies genehmigungspflichtig ist, aber sein Nachbar, der mit handwerklichem Geschick gesegnet war, hatte ihm geraten, das eben nicht zu tun. Meininger dachte gar nicht daran, die Hütte wieder abzubauen, er hatte dort seinen Rasenmäher und alle anderen Gartengeschirre gelagert. Vor allem seiner Frau erleichterte diese Hütte das Rasenmähen, denn nun musste sie nicht mehr den schweren Mäher aus der Garage wuchten. Also versuchte er, mit ein bisschen Nachdruck den Beamten der Unteren Naturschutzbehörde milde zu stimmen, damit dieser die Abrissverfügung zurücknahm. Der Mann ließ sich aber nicht erweichen und verschanzte sich hinter der Landesbauordnung. Er wies den Kriminalhauptkommissar sogar auf seine Gesetzestreue hin, was Meininger natürlich auf die Palme brachte. Was hatte ein Verbrechen mit der Errichtung einer Geschirrhütte zu tun? Er hätte den näselnden Beamten am anderen Ende der Leitung am liebsten den Hals umgedreht. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, legte Meininger einfach auf und fluchte dann laut: »So ein Bockseckel!«
Dass er sich zu einem solchen Gefühlsausbruch hinreißen ließ, kam bei ihm ganz selten vor. Nicht nur bei der Polizei, sondern auch bei den Landratsämtern wurden Aufgabengebiete zusammengelegt. So war das Landratsamt Reutlingen auch in Tübingen für das Baurecht auf landwirtschaftlich genutzten Flächen zuständig. Kriminalhauptkommissar Gerhard Meininger kannte den zuständigen Beamten aus Tübingen recht gut, sodass er von diesem kein so stures Verhalten erwarten konnte. Der Reutlinger Beamte hingegen war eine harte Nuss, was den Kriminalhauptkommissar aber nicht beeindruckte. Der nächste Schritt ging dann eben über den Vorgesetzten von diesem Schröder, wie der sture Beamte aus Reutlingen hieß. Er wollte gerade wieder mit seinen Kollegen über den Fall diskutieren, das kam eine Meldung auf seinen Monitor:
DER INHAFTIERTE PATRIK BOGENSTEDT IST AUS DER DOMÄNE MASSHALTERBUCH ENTFLOHEN!
»Habt ihr das auch gelesen?«, fragte der Kriminalhauptkommissar in die Runde.
»Der Name sagt mir etwas«, antwortete sein Kollege und langjähriger Gefährte, Kriminalkommissar Christian Fromm.
»Patrik Bogenstedt, geboren am 23. November 1990. Verurteilt zu fünf Jahren Haft wegen des Überfalls auf ein illegales Wettbüro, bei dem …«
»Ja, ja ich weiß es schon, danke!«, unterbrach Meininger Max Rilling, der nach seinem Kommissarslehrgang wieder zu seiner alten Dienstelle nach Reutlingen zurückgekehrt war. Er ging mit seinem Ehrgeiz und seiner Besserwisserei den Kollegen zuweilen mächtig auf den Geist.
»Der ist mit einem Fendt-Traktor unterwegs, steht in der Fahndungsmeldung. Das ist so ein haushohes Ungetüm mit dreihundert PS, der ist doch sicherlich nicht zu übersehen«, sagte Kriminalhauptmeister Willi Früh, der aus Sonnenbühl stammte und sich mit Landmaschinen auskannte.
»Das war doch dein Fall, Kollege Gerhard. Hat der Kerl dir damals nicht gedroht, dass er sich, wenn er wieder raus kommt, an dir rächen wollte?«, fragte Kriminalhauptmeister Carsten Dombrowski.
»Wenn ich vor jedem Ganoven, den ich in Haft gebracht habe, Angst haben müsste, dann könnte ich keine Nacht mehr ruhig schlafen. Ich hoffe, dass die Kollegen von der Streife Zeit gefunden haben, zu seiner letzten Adresse zu fahren, um den dort abzufangen. Wo soll der sonst hinfahren?«
»Letzte gemeldete Adresse war: Der schöne Weg 121«, mischte sich Rilling wieder ein.
Der Kriminalhauptkommissar verdrehte die Augen. Der Kerl ging ihm auf die Nerven mit seiner Schnelligkeit.
»Du Schlaumeier hättest doch schon längst bei der Streife anrufen können und fragen, ob jemand von denen dort hingefahren ist«, wies Kriminalhauptkommissar Meininger seinen Kollegen an.
»Ist auch schon geschehen. Hab ich auf der Schule gelernt, Schnelligkeit ist ein Trumpf bei der modernen Verbrechensbekämpfung«, antwortete Rilling schlagfertig.
»Ja und? Ist jemand vor Ort?«
»Nein, die Kollegen sind gerade bei einer Auseinandersetzung in der Carl-Zeiss-Straße.«
»Na klasse. Der Ganove kann nun in aller Ruhe zu Hause seine Klamotten wechseln und sich aus dem Staub machen! Also mach dich auf den Weg, Klugscheißer!«, schimpfte Meininger mit seinem Kollegen.
Es lief recht gut bergab mit dem Mountainbike. Nach kurzer Zeit und wenig körperlichem Zutun hatte Patrik Bogenstedt die Ortsgrenze von Lichtenstein-Unterhausen erreicht. Die Ortschaft wollte er so schnell wie möglich hinter sich lassen, denn er fiel mit seinem Outfit sicherlich auf. Während der Haft hatte er sich nicht mehr rasiert und auch die Haare nicht mehr geschnitten: Er sah aus, als käme er aus dem Urwald. Und dann noch die Arbeitsklamotten aus der Haftanstalt. Zum Glück war der Radweg nach Reutlingen sehr gut beschildert, sodass er keine großen Umwege fahren musste, weil er sich nicht auskannte. In Pfullingen angekommen, fuhr er die Große Heerstraße und dann die Eisenbahnstraße weiter in Richtung Reutlingen. Zu dieser Tageszeit begegneten ihm nur wenige Menschen und er hatte den Eindruck, dass ihn niemand beachtete. Im Westen hörte man schon das grollende Donnern eines herannahenden Gewitters. Wenig später befuhr er die Bollstraße und danach überquerte er die Bundesstraße 313, um ans Südportal des Achalmtunnels zu gelangen. Nun musste er nur noch einen kurzen Anstieg zum Wohnhaus seiner Eltern am Schönen Weg bewältigen. Den legte er aber zu Fuß zurück, denn nun verließen ihn seine Kräfte. Er hatte zwar in der JVA an Fitnessgeräten trainiert, aber das war kein Vergleich zum Fahrradfahren. Er spürte, wie sich in den Oberschenkeln Krämpfe ankündigten. Durch Schütteln der Beine versuchte er, seine Muskulatur aufzulockern.
Immer wieder blickte er um sich. Ob Gauger sein Verschwinden schon bemerkt hatte? Wenn ja, bestand die Möglichkeit, dass die Polizei ihn schon vor dem Haus seiner Eltern erwartete. Deshalb hatte er sich vorgenommen, nicht durch den Haupteingang ins Haus zu gehen, sondern über den Hintereingang durch den Garten. Dann musste er zuerst einmal die Lage peilen. Wenn sein Vater zu Hause war, konnte er sicher sein, dass dieser sofort die Polizei verständigen würde. Seit er auf die schiefe Bahn geraten war, hatte sein Vater mit ihm gebrochen. Das war auch nicht einfach für den Herrn Diplom-Kaufmann für Im- und Export, Alfred Bogenstedt, einen kriminellen Sohn zu haben. Alfred Bogenstedt stammte aus einer alten Kaufmannsfamilie aus Lübeck. Er war in den Siebzigerjahren nach Reutlingen gekommen, um in Tübingen zu studieren. Dabei lernte er bei einer Studentenparty seine Frau Ulla kennen. Aus dieser Beziehung entstand Patrik, den der Vater nie haben wollte und der für ihn eine Belastung darstellte. Alfred Bogenstedt wurde Geschäftsführer in einem Reutlinger Unternehmen und war sehr viel in Südamerika unterwegs. Das hieß, dass die Mutter ihren Sohn allein aufziehen musste. Mit dieser Aufgabe war sie aber überlastet, weil es noch schönere Dinge wie etwa Tennis und Reisen in ihrem Leben gab, die für sie wichtiger waren, als sich um ihren Sohn zu kümmern. Er wurde in einen Kinderhort gebracht und dann in ein Internat geschickt, von dem er kurze Zeit später verwiesen wurde. Am Ende hatte er keinen Schulabschluss und schlug sich als Gelegenheitsarbeiter durch. Sein Vater verweigerte ihm schließlich die finanzielle Unterstützung. Dann kam es, wie es kommen musste. Der erste Einbruch galt einer Tankstelle. Die Beute war recht bescheiden, etwa hundert Euro Wechselgeld. Aber, er sammelte dabei erste Erfahrungen im Einbrechen. Es lief eine Weile ganz gut, bis er eines Nachts bei einem weiteren Bruch von einem Anwohner gestellt und verprügelt wurde. Das sollte ihm fortan nicht mehr passieren, schwor er sich. Deshalb legte er sich eine Waffe zu. Das war zwar ein uraltes Ding, aber es machte doch gehörig Eindruck. Irgendwann einmal tauchte dann die Polizei am Schönen Weg auf. Sie durchsuchten das gesamte Haus. Patrik Bogenstedt wurde verhaftet und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Sein Vater warf ihn aus dem Haus. Anschließend lebte er für einige Zeit auf der Straße. Seine Mutter traf ihn gelegentlich und versorgte ihn mit Geld. Wenn dies sein Vater erfahren hätte, hätte er sie bestimmt grün und blau geschlagen. Alfred Bogenstedt konnte äußerst gewalttätig werden, vor allem, wenn Alkohol im Spiel war. Dabei nahm er auf niemanden Rücksicht, auch nicht auf seine Frau.
Patrik Bogenstedt stand am Zaun des elterlichen Grundstücks und beobachtete die Umgebung und das Haus. Nichts regte sich, außer dem Grollen des Donners war nichts zu hören. Niemand schien zu Hause zu sein. Er lehnte das Fahrrad hinter einen Busch an eine Bank und ging vorsichtig, immer einen Busch oder eine Staude als Deckung nutzend, in Richtung des Garteneingangs der Villa. Er wusste, wo seine Mutter den Schlüssel für die Tür hinterlegt hatte und fand ihn auch prompt. Vorsichtig drehte er ihn im Schloss und öffnete anschließend die Tür. Dabei versuchte er, so wenig wie möglich Lärm zu machen. Als die Tür weit genug geöffnet war, schlüpfte er hinein. Der Raum, der als Abstellkammer genutzt wurde, roch muffig. Die nächste Tür führte zu einem Gang, der die Kellerräume verband. Anschließend folgte das Treppenhaus. Dieses wurde von einem Bewegungsmelder überwacht, der mit der Alarmanlage verbunden war. Der Schaltkasten der Alarmanlage befand sich in der Stromverteilung neben der Treppe. Wurde ein Alarm ausgelöst, so hatte man dreißig Sekunden Zeit, einen Code über die Tastatur im Sicherungsschrank einzugeben. Ansonsten lief bei einem Sicherheitsunternehmen in Reutlingen eine Meldung auf, und die Polizei wurde umgehend verständigt. Patrik Bogenstedt kannte den Code natürlich. Er glaubte kaum, dass sein Vater diesen nach seinem Rausschmiss geändert hatte. Er trat also auf den Gang und ging sofort zum Sicherungskasten. Als er die Türen geöffnet hatte, erlebte er eine Überraschung. Die Alarmanlage war stillgelegt. Das machte ihn stutzig. War das Haus etwa in seiner Abwesenheit verkauft worden? Oder waren etwa beide Eltern verstorben? Nein, das konnte nicht sein, denn er hatte doch erst vor Kurzem mit seiner Mutter telefoniert und da war alles noch in Ordnung. Er horchte in das Treppenhaus hinein. Nichts war zu hören. Wenn seine Mutter anwesend wäre, würde irgendwo ein Radio dudeln. Also war sie wohl nicht da. Sein Vater war tagsüber nie zu Hause. Der kam, wenn überhaupt, sehr spät am Abend. Er schlich sich durch das Treppenhaus nach oben in das Dachgeschoss, wo sich sein ehemaliges Zimmer befand. An jedem Treppenabsatz hielt er inne und horchte. Die letzte Treppe vor seinem Zimmer knarrte auffällig. Dieses Geräusch hatte ihn schon mehrfach verraten, wenn er spät in der Nacht von seinen Ausflügen zurückkam. Dann musste er immer anderntags seinen Eltern Rede und Antwort stehen. Er öffnete vorsichtig die Tür zu dem Raum. Auch die Tür quietschte, als wäre sie schon lange nicht mehr geölt worden. Als er sich im Zimmer umsah, erlebte er eine Überraschung: Alle Möbel waren verschwunden, es lag nur noch Gerümpel wild durcheinander. Auch der Schrank, in dem sich seine Kleider befanden, war nicht mehr da. Das war natürlich ein großer Fehlschlag. Er hatte fest damit gerechnet, seine Kleider wiederzufinden, um sich seiner Anstaltskleidung entledigen zu können. Er stand still und überlegte. Seine Mutter hatte ihm doch bei ihrem letzten Besuch in Rottenburg Hemden und eine Hose mitgebracht, also konnte doch seine Wäsche nicht weggeworfen worden sein. Dann sah er die Schiebetüren des Kniestocks. Er stieg über alte Stühle und abgestellte Elektrogeräte, um an die Türen zu kommen. Er musste einige Kraft aufwenden, um die Tür beiseitezuschieben. Dahinter waren mehrere blaue Müllsäcke gelagert. Im Ersten waren alte Mäntel seiner Mutter, im zweiten Handtücher. Langsam wurde ihm mulmig in der Magengegend. Er überlegte schon nach einer Alternative, wie er an andere Kleider kommen wollte. Dann aber, im letzten der Säcke, fand er seine alten Hosen und ein paar Hemden. Weiter unten sogar Unterwäsche und Socken. Erleichtert atmete er auf.
»Hast du gefunden, was du suchst?«, hörte er die Stimme seiner Mutter.
Zu Tode erschrocken fuhr er herum. Er starrte seine Mutter an, die in der Tür stand.
»Bist du getürmt?«, fragte sie.
Er war unfähig zu antworten, sondern schüttelte einmal den Kopf und nickte dann wieder.
»Draußen vor dem Haus steht ein Auto, da sitzen zwei Polizisten drin. Es wird nicht lange dauern, bis sie klingeln. Ich lenke sie ab, dann kannst du durch den Keller abhauen!«, sagte sie mit fester Stimme.
»Äh, ja! Ja! Ist er auch da?«, fragte Patrik Bogenstedt und stopfte die Kleider in einen Rucksack.
»Nein! Dein Vater liegt im Krankenhaus, er hat eine schwere Herzoperation hinter sich!«, antwortete die Mutter.
Diese Tatsache quittierte Patrik Bogenstedt mit gewisser Genugtuung. Nun konnte er seinen Plan umsetzen, sich vorübergehend in einer der vielen Wohnungen, die sein Vater über die Jahre erworben hatte, einzuquartieren. Alfred Bogenstedt führte keine vorbildliche Ehe. Er hinterging seine Frau, wenn er nur konnte. Zu dem Zweck hatte er sich in der ganzen Stadt kleine, meist zwei Zimmer umfassende Wohnungen eingerichtet. Diese befanden sich meist in größeren Wohnanlagen und eher in den oberen Stockwerken. So konnten nur wenige Mitbewohner von Alfred Bogenstedts Treiben mitbekommen. Nun lag er also im Krankenhaus und musste für seinen Lebenswandel büßen. Patrik küsste seine Mutter auf die Stirn, dann machte er sich auf den Weg in den Keller.
Die Kriminalhauptmeister Früh und Rilling fuhren die Beethovenstraße hinauf und bogen an deren Ende in den Schönen Weg ein. Hier reihte sich Villa an Villa.
»Wenn du mal da oben wohnst, dann hast du es geschafft!«, sagte Willi Früh zu seinem Kollegen.
Der zuckte nur mit den Schultern und antwortete nicht. Die Straße zog sich unterhalb des Scheibengipfels der Achalm sehr in die Länge.
»Es müsste eines der letzten Häuser sein, bevor es wieder hinuntergeht nach Eningen«, meinte Max Rilling, der auf seinem Smartphone einen Routenplaner eingeschaltet hatte. Kurz nach dem Reutlinger Weinberg verlangsamte Früh die Fahrt und schaute auf die angebrachten Hausnummern. Bei der Nummer 119 hielt er an.
»Das nächste Haus müsste es sein. Also, ich sehe mal keinen Traktor stehen«, sagte Rilling.
»Wie geht es denn da weiter?«
»Kurz nach dem Haus macht die Straße einen Bogen und geht nach rechts bergab. Das ist dann die Straße mit dem Namen Betzenried.«
»So wie es aussieht, ist das Haus schon lange nicht mehr renoviert worden.«
Kriminalhauptmeister Willi Früh parkte das Dienstfahrzeug in einer Parkbucht eines Wochenendgrundstückes und stellte den Motor ab.
»Ob da noch jemand wohnt?«, fragte Willi Früh.
»Hm!«, brummte sein Kollege nur und gähnte.
»Mal wieder spät in die Falle gekommen, was?«
»Weißt du was? Ich geh mal den Weg weiter und schau mir das Grundstück von der anderen Seite an«, sagte Max Rilling und wollte gerade aussteigen.
»Warte mal, da kommt ein Auto. Vielleicht haben wir Glück und der Kerl kommt gerade!«, meinte Kriminalhauptmeister Früh und duckte sich, um nicht sofort gesehen zu werden.
Ein betagtes Mercedes-Coupé aus den Achtzigerjahren fuhr langsam vorbei und hielt vor dem Gebäude. Eine Frau stieg aus und öffnete ein Garagentor, das mit lautem Kreischen aufging. Anschließend fuhr die Frau in die Garage hinein, wobei sie einige Versuche benötigte, um nicht an der Wand zu streifen. Rilling machte ein schmerzverzerrtes Gesicht, als er das Prozedere beobachtete.
»Manche Leute sollten einfach den Führerschein abgeben, wenn sie die Dimensionen ihres Autos nicht mehr einschätzen können!«, sagte er leise.
»Wenn die Frau nicht mehr Auto fahren kann, ist sie hier oben wie von der Welt abgeschnitten. Das musst du auch mal so sehen! Mir geht es auf der Alb doch genau so! Wir haben keinen Laden mehr, keinen Bäcker, keinen Metzger. Wo sollen die alten Leute denn einkaufen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind?«
»Sollen wir hinübergehen und uns mal in dem Haus umsehen?«, fragte Max Rilling.
»Wenn die uns reinlässt!«
Also verließen beide Kriminalbeamte das Fahrzeug und gingen die paar Meter hinüber zum Haus.
Kriminalhauptmeister Willi Früh drückte den Klingelknopf aus Messing, der bestimmt schon mehr als fünfzig Jahre auf dem Buckel hatte. Es dauerte einige Zeit, bis jemand zur Haustür kam.
»Sie wünschen?«, fragte Ulla Bogenstedt mit zittriger Stimme.
»Guten Tag, sind Sie die Frau Bogenstedt?«, fragte Max Rilling.
»Ja, das bin ich. Was wünschen Sie?«
»Wir hätten gerne Ihren Sohn gesprochen, der ist doch da, nicht?«
»Äh, der ist verreist! Wer sind Sie denn und was wollen Sie von ihm?«
Die beiden Beamten holten ihre Dienstausweise aus der Tasche und hielten sie der Frau unter die Nase.
»Polizei? Aber der Patrik ist doch … Sie wissen schon!«
»Ist er nicht mehr! Er ist heute mit einem Traktor geflohen. Und nun denken wir, dass er sich bei Ihnen gemeldet hat. Hat er bei Ihnen im Haus noch ein Zimmer oder einen anderen Raum, in dem er persönliche Dinge gelagert hat?«
»Nein, die hat mein Mann alle wegbringen lassen. Mein Mann, müssen Sie wissen, liegt im Krankenhaus, da komme ich gerade her.«
»Können wir uns im Haus ein wenig umschauen?«
»Ich dürfte Sie ja nicht ohne richterliche Verfügung hereinlassen, das wissen Sie. Aber bevor Sie wieder mit einer ganzen Mannschaft anrücken, wie seinerzeit, meinetwegen!«, sagte sie verärgert und machte Platz.
Kriminalhauptmeister Willi Früh folgte seinem Kollegen nicht ins Haus, sondern ging links am Haus vorbei hinunter in den Garten. Dieser machte einen ziemlich ungepflegten Eindruck. Einige der Büsche wuchsen wild ineinander, sodass man kaum erkennen konnte, wo das Grundstück anfing und wo es endete. Am hinteren Gebäudeteil entdeckte Früh eine Tür, zu der er über eine ziemlich rutschige Treppe gelangte. Er probierte, ob sich die Tür öffnen ließ, aber sie war zugesperrt. Er untersuchte die Umgebung nach einem eventuell hinterlegten Schlüssel. Dabei hob er alte Übertöpfe für Zierpflanzen an, durchsuchte abgestellte Gartenschuhe. Dann sah er sich die Gehwegplatten genauer an. Eine davon war vor Kurzem erst bewegt worden. Er hob die Platte leicht an und siehe da, ein in einem Kunststoffbeutel versteckter Schlüssel kam zum Vorschein. Willi Früh steckte den Beutel mit dem Schlüssel ein und ging wieder zurück zu seinem Kollegen. Dieser hatte bei der Besichtigung des Hauses keinen Erfolg gehabt. Früh ahnte, dass der gesuchte Patrik Bogenstedt längst über alle Berge war. Auf der Rückfahrt zum Kriminalkommissariat grübelte er über etwas nach, was ihm beiläufig aufgefallen war, es fiel ihm aber nicht mehr ein.
Patrik Bogenstedt hatte es gerade noch geschafft. Kurz nachdem er den Hinterausgang zugesperrt und den Schlüssel wieder im Versteck deponiert hatte, tauchte dieser Bulle auf und untersuchte, ob die Tür sich öffnen ließ. Bogenstedt musste sich hinter einem Busch auf den Boden werfen, um nicht entdeckt zu werden. Zu seinem Glück verschwand der Mann gleich darauf wieder. Bogenstedt setzte sich auf sein Fahrrad und fuhr eilends in Richtung Eningen davon. Nach etwa hundert Metern bog er rechts ab und fuhr einen steil abfallenden Weg hinunter. An einer Kreuzung, in deren Mitte ein Baum gepflanzt war, bog er wiederum rechts ab. Dann folgte er ein paar Meter einem Feldweg. Hinter dem CVJM
