Hommage an Robert Sutterlütti - Aaron Brüstle - E-Book

Hommage an Robert Sutterlütti E-Book

Aaron Brüstle

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Beschreibung

Unserem Lehrer Robert Sutterlütti wollen wir mit diesem Büchlein ein Denkmal setzen. Eine Hommage zu seinem zehnjährigen Todestag. Auf dass die Erinnerung bleibt. Eine hochspannende Geschichte aus Vorarlberg.

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Seitenzahl: 49

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Impressum

Hommage an Robert Sutterlütti

Aaron Brüstle, Dominik Schobel, Thomas Grahammer

© 2020 aardom-Verlag

Alle Rechte vorbehalten.

 

Aaron Brüstle

Kontaktdaten (Belvederegasse 14-16/Top 24, 1040 Wien;

[email protected])

 

ISBN: 9783967999303

 

Hommage an Robert Sutterlütti zu seinem 10. Todestag

von seinen Schülern Aaron J. Brüstle, Dominik Schobel und Thomas Grahammer

Ich muss mich verabschieden.

Verabschieden von meiner über alles geliebten Mutter, meiner Mama.

Verabschieden von euch, meinem Vater, meinen Brüdern.

 

Verabschieden von meinen Träumen und Wünschen, verabschieden von einem Stern.

Verabschieden von einer Zeit der Freude und des Glücks.

 

Verabschieden von einer Zeit des Kämpfens,

verabschieden von einer Zeit der Hoffnung,

verabschieden von einer Zeit des Verlierens.

 

Nun muss ich loslassen und gehen.

 

Aus der Mappe “Gedichte Robert ca. 1973/74”. Zu dieser Zeit war Robert 17 Jahre alt.

 

Robert Sutterlütti im Jahr 1991

Landesarchiv, Trentiner Forschergruppe

Fotograf Helmut Klapper (cc)

 

Drei Schüler verabschieden sich:

 

Unser Lehrer Robert Sutterlütti hatte viele Facetten. Dieser Lehrer hat uns sehr geprägt. Auch wegen ihm wurde Aaron Journalist und Dominik und Thomas Lehrer. Unserem Lehrer Robert Sutterlütti wollen wir mit diesem Büchlein ein Denkmal setzen. Eine Hommage zu seinem zehnjährigen Todestag. Auf dass die Erinnerung bleibt. Eine hochspannende Geschichte aus Vorarlberg.

 

Lieber Robert Sutterlütti, vielen Dank für alles.

 

Möge die Erinnerung auch nach zehn Jahren bleiben.

 

 

Aaron Johannes Brüstle, Dominik Schobel, Thomas Grahammer

 

Vorwort

 

Die Geschichte, die Sie lesen werden - und ich lege Ihnen nahe, sie zu lesen - ist keine lustige Geschichte. Sie ist stellenweise nur schwer zu verkraften. Doch ihre Tragik ist nur ein Teil der Geschichte. Sie enthält traurige und heitere Momente. Sie schafft es hoffentlich auch, unseren Lehrer, einen Lehrer wie ihn jeder haben sollte, so zu zeigen, wie er gewesen ist. Wie er gelacht hat, wie er sich für eine gerechte Sache eingesetzt hat, wie er gewirkt hat - und wie sehr dieser freigeistige, eigenwillige, visionäre Lehrer unser Leben beeinflusst hat.

 

 

Erinnerungen

 

Seine Mutter Mercedes sagte mir am Telefon: “Wissen Sie, einmal, als Robert gesehen hat, dass die Kinder müde sind, da ist er mit ihnen aus dem Klassenzimmer gegangen und sie haben zusammen vor der Schule eine Schneeballschlacht gemacht. Die Kinder hatten schon einen langen Tag hinter sich und konnten den Stoff gar nicht mehr aufnehmen. Da hatte Robert die Idee mit der Schneeballschlacht.”

 

Die Episode beschreibt Robert sehr gut: Er war unternehmungslustig, unangepasst und auch immer für einen Spaß mit seinen SchülerInnen zu haben.

Er hat mit uns Theater gespielt, uns zu Kulturveranstaltungen kutschiert, Geschichten erzählt und brachte uns die Welt der Literatur näher. Er war ein Lehrer, wie ihn jeder Mensch haben sollte. Bei ihm haben wir gern gelernt, haben uns geschätzt gefühlt, haben über den Schulstoff hinaus die Welt besprochen und wahrscheinlich - die Erinnerung ist schon verschwommen - aber wahrscheinlich haben auch wir einmal mit ihm eine Schneeballschlacht ausgefochten, so wie die müden Kinder in der Geschichte. Es muss ein Winter vor über elf Jahren gewesen sein.

 

Eine Weihnachtsgeschichte fällt mir auch ein. Für mich war sie lustig, für meinen Freund Lukas wäre sie nicht so amüsant gewesen. Es war der 24. Dezember. Kurz vor Heiligabend klingelte das Telefon. Ich hob ab: “Aaron Brüstle am Telefon.” 

Da hörte ich Roberts Stimme, gehetzt sprach er in den Hörer: “Aaron, gut, dass ich dich erwische.” (Er hatte am Haustelefon angerufen.) 

“Ich möchte dir die Note der Deutschschularbeit mitteilen.” (Diese Schularbeit hatten wir bereits vor drei Monaten geschrieben). “Du hast ein Sehr gut.” 

Ich jubilierte: “Danke Herr Professor Sutterlütti! Da werde ich schöne Weihnachten haben!”

Leider kam da noch etwas: “Bitte, warte noch, bitte, könntest du deinem Mitschüler Lukas mitteilen, dass er ein Nicht genügend hat. Ich konnte ihn leider nicht erreichen. Du triffst ihn doch heute abend sicher vor der Höchster Kirche.” Missmutig stimmte ich zu. Natürlich ohne die Absicht, meinem Freund auf diese Weise den Abend zu verderben. Dass er einen Fleck hatte, würde er noch früh genug erfahren. “Danke und auf Wiederhören, Aaron”, sagte mein Lehrer. Er hielt inne und bevor er auflegte wünschte er mir noch: “Frohe Weihnachten! Auch an Lukas!”

Ich stellte mir vor, wie mein Lehrer mit dem Kugelschreiber unsere Klassenliste durchging und nun alle Höchster abgehakt hatte. Was mir nicht in den Kopf ging, war, warum teilt er uns unsere Noten gerade am 24. Dezember mit? Und dazu auch noch die Fünfer? 

 

Etwa in dieser Zeit (wir gingen in die fünfte Klasse des Gymnasiums) bildete sich in mir der Verdacht, dass sich “Sjute” (so lautete sein Spitzname bei uns SchülerInnen) nicht ausschließlich mit seiner Lehrtätigkeit am Bundesgymnasium Lustenau beschäftigte. Diese Zerstreutheit musste ihre Ursache in einer anderen Tätigkeit haben. Weil uns zu dieser Zeit auch Briefe von Sjute mit Grüßen aus Osteuropa erreichten, folgerten wir, dass er ein Ostspion sei. Ich hatte eine lebhafte Fantasie zu jener Zeit, aber ich hätte nicht falscher liegen können. Während unserer Schulzeit sind wir jedenfalls nie darauf gekommen, was er tat, sein Leben neben der Schule blieb ein Arkanum,  nie haben wir wirklich gewusst, was er alles trieb. Es gab nur vage Vermutungen, Spekulationen und Ahnungen - lauter bodenlose Fantastereien, befeuert durch die häufigen Ortswechsel Sjutes, der in den Ferien stets an einem anderen Ort urlaubte (“agitierte?”) und dem wir teils anmerkten, dass er in Gedanken woanders war (“welche Pläne schmiedete er?).

 

Auch zehn Jahre später weiß ich nur Bruchstückhaftes. Manches ist mir klarer geworden, durch die Recherche für dieses Büchlein. Durch den Kontakt mit seiner Familie und seinen Weggefährten. Meine Achtung vor Robert ist noch gewachsen. 

 

Während ich mir einbilde, dass ich manches nun klarer sehe, verschwinden die Erlebnisse der Jugendzeit langsam im Dunkeln der Vergangenheit. Ein Nebel hat sich bereits über viele gemeinsame persönliche Erlebnisse gelegt. Die alle schon über zehn Jahre her sind. 

 

Der 7. Dezember 2009