Ich bin ein Eritreer - Berhane Kidane - E-Book

Ich bin ein Eritreer E-Book

Berhane Kidane

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Beschreibung

Berhane Kidanes erstes Buch Ich bin ein Eritreer beruht auf Erinnerungen an seine Heimat. Er erzählt darin zunächst von seiner Kindheit und Jugend, die er in einer dörflichen Umgebung verbrachte, in der die Menschen noch weitgehend in überlieferten Traditionen verwurzelt waren. Langsam wurde ihm jedoch klar, wie sein Volk von der Kolonialherrschaft gespalten und unterdrückt wurde. Und schon während seiner Jugend machten sich die ersten Anzeichen des kommenden Krieges bemerkbar, in dem die Eritreer 30 Jahre lang für ihre Unabhängigkeit kämpften. An diesem Roman ist besonders bemerkenswert, daß der Autor trotz seiner vielen schwierigen Erlebnisse keinen Haß loswerden will, sondern auf erzählerische Weise Land und Leute beschreibt. Seine Texte illustriert er mit eigenen Bildern, die auch schon ausgestellt wurden. Berhane Kidane dürfte der erste eritreische Buchautor sein, der in deutscher Sprache veröffentlicht.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Ich bin ein Eritreer

TitelseiteKURZE INFORMATIONEN ÜBER DIE GEOGRAPHISCHE UND GESCHICHTLICHE SITUATION ERITREASEritrea liegt in Nordostafrika.MEINE KINDHEIT IM HOCHLAND UND TIEFLANDHAUSBAU IM HOCHLANDDIE KÜCHE MEINER MUTTERDIE HERSTELLUNG VON GEGENSTÄNDEN AUS NATUR-MATERIALIENNATUR-HEILVERFAHRENMEINE ERSTE ERFAHRUNG MIT EINEM ARZTALLTAGSLEBEN IM DORFTASFEI - MEIN FREUNDMIT MEINER MUTTER IN ASMARA ODER DIE ENTDECKUNG VON ARM UND REICH SCHWARZ UND WEISSMIT MEINEM ESEL UNTERWEGSMEIN ERSTER SCHULTAGEINE PRÜGEL-ORGIEALS „HAGERESEB“ IN DER STADTSCHULEENTFREMDUNGSERSCHEINUNGENIM PRIESTER-SEMINARDIE ANFÄNGE EINER REVOLUTIONÄREN BEFREIUNGSBEWEGUNGJAHRE DES WIDERSTANDS ALS MITGLIED DER UNTERGRUNDBEWEGUNGTRADITIONELLE HOCHZEITSRITEN UND -GEBRÄUCHEIM ABSEITSKRIEGSJAHREKLAGELIED DER MUTTER ERITREAAN EINEN HELDEN DER EPLF GEDICHTLITERATUR ZU ERITREAImpressum

Berhane Kidane

ICH BIN EIN ERITREER

ERINNERUNGEN AN DIE HEIMAT

Ich danke meiner Co-Autorin

GERTRUD TÜRK

MAUER VERLAG

Wilfried Kriese

Zeichnungen: Berhane Kidane

Edition Mauer Verlag 2018

ISBN 9783868123937

Erstveröffentlichung 1993

Alle Rechte vorbehalten

KURZE INFORMATIONEN ÜBER DIE GEOGRAPHISCHE UND GESCHICHTLICHE SITUATION ERITREAS

Eritrea liegt in Nordostafrika.

Es wird im Osten vom Roten Meer, im Norden und Westen vom Sudan, im Süden von Äthiopien und Djibouti begrenzt.

Das Land erstreckt sich über 120 000 km2 und hat eine Bevölkerung von ca. 3,5 Millionen.

Die Hauptstadt heißt Asmara. Sie liegt im sogenannten Hochland, einem Hochplateau, das etwa 2000 m hoch ist.

In dieser Gegend ist das Klima angenehm mild, etwa gleichbleibend 20 - 25 Grad C warm.

Hier wachsen vor allem Weizen, Mais und Gerste, deswegen wird das Hochland auch die Kornkammer Eritreas genannt.

Zu meiner Jugend waren weite Flächen des Hochlands noch mit dichten Wäldern bedeckt. Aber allmählich wurden diese in Richtung Tiefland zu abgeholzt.

Dieses Tiefland befindet sich im Nordosten und im Westen Eritreas.

Das Klima ist hier heiß und feucht; es herrschen ständig Temperaturen um 40 Grad C.

Hier gedeihen Kokospalmen, Erdnüsse, Trauben, Zitrusfrüche, Baumwolle und Kaffee neben unseren besonderen Getreidearten Sorghum und Hirse.

In den wilden und teilweise unzugänglichen Dschungelgebieten lebten damals noch Schlangen und Hyänen, Wölfe, Füchse und vielerlei Wildkatzen.

Unsere Hauptflüsse heißen Barka, Mareb, Anseba, Lebka, Aligede und Felket.

Die meisten von ihnen sind während der Sommermonate Dezember bis März ausgetrocknet.

Von Juni bis September haben wir in der Regel eine Regenzeit.

Während im Tiefland die Menschen meist als Nomaden oder Seminomaden mit Rindern und Kamelen von Weideplatz zu Weideplatz ziehen, lebten die Menschen meiner Jugendzeit im Hochland vor allem als seßhafte, aber arme Kleinbauern. Es gab aber auch schon Industriearbeiter.

In religiöser Hinsicht waren die Menschen etwa je zur Hälfte Christen und Muslime.

Von 1889 - 1941 war Eritrea eine italienische Kolonie, von 1941 - 1952 englisches Protektorat.

1952 ignorierten die Vereinigten Nationen die Unabhängigkeitsbestrebungen Eritreas und föderierten das Land zwangsweise mit Äthiopien.

10 Jahre später wurde diese Resolution von Äthiopien einseitig außer Kraft gesetzt:

Eritrea wurde 1962 unter Haile Selassie von Äthiopien annektiert.

Seit 1961 existierte in Eritrea offiziell eine Freiheitsbewegung, das Eritreen Liberation Movement (ELM), die nach Jahren des friedlichen Widerstands einen bewaffneten Kampf für die Nationale Unabhängigkeit begann.

Später bildete sich zusätzlich die Eritreen Liberation Front (ELF), die bald mit der ELM in Konflikt geriet.

Nach kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden miteinander rivalisierenden Bewegungen entstand schließlich 1970 die heutige EPLF - die Volksfront zur Befreiung Eritreas - der es am 24. Mai 1991 gelang, nach dreißigjährigem Krieg Eritrea zu befreien.

MEINE KINDHEIT IM HOCHLAND UND TIEFLAND

 

Ich bin in Hochland geboren.

Die ersten zehn Jahre meines Lebens verbrachte ich im engen Kontakt mit meinen Eltern und Geschwistern, mit den Menschen aus meiner Dorfgemeinschaft, mit meinen Haustieren und mit der Natur, die mich überall umgab.

Im Rückblick erscheint es mir, daß ich diesen Abschnitt meiner Kindheit in einem beinahe paradiesischen Zustand verbracht habe.

Ich war glücklich.

In den Erinnerungen, die am weitesten zurückreichen, sehe ich mich, wie ich mit unseren Haustieren unterwegs bin, auf von Mensch und Tier ausgetrampelten Pfaden, die immer dicht am Rand des Dschungels entlang führten, der wild und voller Geheimnisse lockte.

Wir Kinder durften ihn jedoch nur in Begleitung von Erwachsenen betreten, da er damals noch von Löwen, Hyänen und giftigen Schlangen bevölkert war.

Den angemessenen Umgang mit der Natur, den Pflanzen und Tieren unserer unmittelbaren Umwelt lehrte man uns spielerisch:

Ich lief meinem Vater nach, wenn er aufbrach, um seine Felder zu bestellen, seine Tiere zu hüten, seine Bäume zu fällen und seine Feuer zu entzünden und beobachtete ihn bei seinen Verrichtungen. Ich lernte von ihm, wie ich eine Schlange von einem dürren Ast unterscheiden, mich vor ihrem giftigen Biß schützen und mir im Notfall eine Wunde aussaugen konnte.

Er lehrte mich, die Skorpione zu fürchten und den wilden Affen, die zu Hunderten in den Baumwipfeln über unseren Köpfen herumturnten, zu vertrauen.

Ich beobachtete meinen Vater bei der Rebhuhnjagd und fühlte mich sehr stolz, als er mir eines Tages meine erste Steinschleuder bastelte und mir beibrachte, jene Vögel zu schießen, aus denen meine Mutter eine so köstliche Mahlzeit zubereitete.

Mein Vater war Bauer.

Er lebte vom Ertrag seiner Felder und von Kühen, Schafen und Ziegen, die gemeinsam mit uns Menschen unser Haus bewohnten.

Diese Tiere mußte man täglich auf die Weide treiben. Wenn während der Regenmonate Mai, Juni, Juli und August das Gras im Hochland knapp war, zog unsere gesamte Familie einschließlich aller Tiere für diesen Zeitraum ins Tiefland.

Dort wuchs auch dann üppiges, grünes Gras, wenn im Hochland sowohl Menschen als auch Tiere kaum mehr Nahrung finden konnten.

Eine der ersten, ganz deutlichen Erinnerungen aus den Tagen meiner frühen Kindheit betrifft eine Tagesreise vom Hochland ins Tiefland:

Während ich noch schlaftrunken und in der Morgenfrische leicht frierend mit meinem Vater vors Haus trat, unsere Kühe, Schafe und Ziegen vor Aufregung muhten, brüllten und meckerten, traf meine Mutter im Haus die letzten Vorbereitungen, indem sie allerlei Geräte, Töpfe und Pfannen bündelte, die mein Vater dann ins Freie trug und später auf den Rücken unseres Esels band.