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Für mich gab es im Hinblick auf Mütter eine einfache Rechnung: Mutter + Baby = fehlende Spontaneität, eintönige Gespräche über Kinder, durchwachte Nächte und konfliktgeladene Partnerschaften. Sollte ich jemals Mutter werden, würde ich alles anders machen. Doch ich hatte die Rechnung ohne mein Baby gemacht. "Ich bin Mutter, nicht neurotisch!" ist mein erstes Buch - ein Buch, das sich an alle Frauen dieser Welt richtet: an Nachwuchsplanende, an bereits Schwangere, an Mütter und nicht zuletzt an die Frauen, die nicht im Geringsten etwas mit Kinderplanung am Hut haben. Denn sie alle haben eine Meinung: über Mütter und deren Kinder. Bei dieser Thematik denkt jeder, er habe die Weisheit mit Löffeln gefressen. Auch ich dachte das, ehe ich von der autarken TV-Redakteurin zum delegierenden Muttertier in Funktionsklamotte mutierte.
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Seitenzahl: 246
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Mangal Greß
Ich bin Mutter, nicht neurotisch!
Ein Buch von Mutter zu Müttern und für die,
Ich bin Mutter, nicht neurotisch!
Mangal Greß
Copyright: © 2014 Mangal Greß
Lektorat: Jana de Blank, Berlin
Cover: Oscar Ruzicka, München
published by: epubli GmbH, Berlin
www.epubli.de
ISBN 978-3-7375-2412-4
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Sensation Schwangerschaft
Der Moment, in dem sich alles ändert
Der Kreis der Eingeweihten
Grüße aus dem Mutterleib
Enzyklopädie Schwangerschaft
Schwangerschaftskauderwelsch
Liest du schon oder bleibst du noch ruhig?
Die Schwangerschaft ist kein Wunschkonzert
Die Klagelieder der Schwangerschaft
Zipfel oder Schnecke
Es ist, wie es ist
Nicht nur ein Name
To-dos in der Schwangerschaft
Für jede Schwangere der richtige Kurs
Das Wie und Wo der Entbindung
Die Frau an meiner Seite
Guten Rutsch!
Auftakt zur Entbindung
3,2,1... meins!
Von der Schwangeren zur Mutter
Willkommen im Baby-Zirkus oder „Irgendwas ist immer“
Veränderung auf allen Wegen
Aller Anfang ist schwer
Mit Baby allein zu Haus
Andere Zeiten
Unterwegs mit Baby
Was werden wohl die anderen denken?
Besuch von Freunden
Ich bin dann mal weg
Wenn das Zuhause zur Betriebsstätte wird
Generationenkonflikt
„Oma“ kannst du vergessen
Verziehen gilt nicht
Damals und heute
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Schlaf, Kindlein, schlaf!
Wenn die Nacht zum Tag wird
Schlafen nach Babys Gusto
Gehirn, wo bist du?
Auf leisen Sohlen
Warum ausruhen, wenn man auch arbeiten kann?
Einschlafwache
Das Kind in unserem Bett
Babys Schlafrhythmus
Getakteter Alltag
Rubensfigur und Mickey-Mouse-Stimme
Gut Ding will Weile haben
Ein Hoch auf Mutters Stimme
Ich, du und wir alle
Und ewig klingt das Stimmbändchen
Let me entertain you
Mütter – die wundersamen Wesen
Kinderwagenkarawane
High Heels vs. Funktionsklamotten
Wenn der Spielplatz zum Laufsteg wird
Dein Name, deine Garderobe, dein Status
Spielplatztheater
Manege frei!
Supermütter, Ökosnobs oder einfach nur Mütter
Supermütter
Lästertanten
Ökosnobs
Die Coolen
Mein eigen Fleisch und Blut
Kinderlos und glücklich
Ich weiß genau, was du denkst
Mitteilungsbedürfnis
Was ich sage, mein ich nicht
Veränderte Freundschaft
Langweiliger Windelalltag
Gestörte Kommunikation
Kein Durcheinander, nur freie Entfaltung
Zu Gast bei kinderlosen Freunden
Väter sind auch nur Menschen
Früher war damals
Platzverweis
Prellbock Mann
Wenn Mann es mal gut meint
Dass du auch ja alles richtig machst!
Nie mehr allein!!!
Der schiefe Haussegen
Du verstehst mich nicht!
Probieren geht über Studieren
Kumpel Papa
Was nochmal war Sex?
Du machst mich fertig
Bitte eine Extraportion Geduld und Nerven
Rock’n’Roll
Unvollendete Handlungen
Kinderwagenfahrten mit Geschrei
Klein, aber laut
Wenn der Geduldsfaden reißt
Schlimmer geht immer
Frau Hamster und die Spielzeuge von morgen
Her damit!
Spielzeug bis zum Sankt Nimmerleinstag
Dein gekauftes Spielzeug kannst du stecken lassen
Pink ist Trumpf
Eine Babymütze voll Erinnerungen
Der ganz normale Wettbewerb unter den Familien
Die Sorge über den Entwicklungsstand
Familie ohne Makel
Jetzt sind wir am Zug!
Dein ist mein ganzes Herz
Schutzengel Mutter
Das kranke Kind
Muttertier
Allzweckwaffe Mutter
Wenn ich dir einen Rat geben darf
Die meistgehörten Ratschläge
Die Osteopathin
Die Krankengymnastin
Die Ratschläge anderer Mütter
Viele Experten und keine Lösung
Spezialkräfte
Hafer- und Bananenblues
Kaufen oder selber machen?
Nun iss doch!
Mama, du kannst einpacken!
Der erste Urlaub
Wolken, Windeln, Wutanfälle
Der erste Abend im wohlverdienten Urlaub
Sonne, Strand und Sand mit Kind
Urlaub mal anders
Aus den Augen, fest im Sinn
Babysittersuche
Krippenplatzsuche
Die Krippen-Eingewöhnung
Die Nanny
Allein, allein
(Rück-)Blick in die Zukunft
Die Liste
Alles für die Eltern
Nachwort
Danksagung
Als kinderlose Frau hatte ich eine sehr klare Meinung in Bezug auf Mütter und ihr für mich teilweise nicht nachvollziehbares Verhalten ihren Kindern gegenüber.
Ich lehnte mich mit meiner Meinung allerdings nicht weit aus dem Fenster.
Ich lehnte mich eigentlich gar nicht aus dem Fenster.
Genauer gesagt, baumelte ich aus dem Fenster.
Ausbrüchen von Unverständnis wie „Sobald ihr Baby schreit, rennt sie sofort“ folgten Belustigungen: „Wenn sie mit ihrem Sohn redet, macht sie das immer in dieser hohen Mutter-Babysprache, in der alles auf „i“ endet. Hast du Kacki gemacht?“
Oft ärgerte ich mich aber auch über diese anderstickende Spezies namens Mutter: „Ich kam gerade aus dem Geschäft, als mir eine Armada von Kinderwagen entgegensteuerte. Es war nicht so, dass ich eine Wahl gehabt hätte. Ich musste zur Seite springen, sonst hätten sie mich allesamt überrollt. Und das hätten diese Latte-Macchiato-Tanten bei ihrem lauten Geplapper noch nicht einmal mitbekommen!“
Mütter waren oftmals ein rotes Tuch für mich. Sie bewegten sich mit einer Selbstgefälligkeit durch die Stadt, annehmend, dass ihnen jeder untertänigst Platz machen würde. Als sei es etwas Besonderes, ein Kind geboren zu haben. Ja, als hebe sie diese Leistung auf eine höhere Gesellschaftsstufe.
Diese Leistung vollbrachte doch aber jede gebärfähige Frau! Also warum daraus einen so großen Wirbel machen?
Außerdem empfand ich viele Mütter als verkrampft oder, um es mal salopp zu formulieren, ich empfand sie als „unlocker“.
Es war, als hätten sie einen imaginären Zirkel in ihr Kind gestochen, um das nun alles kreiste.
Entspannte Kinderlose, so meine Beobachtung, wurden oft zu unentspannten Personen, die in vielerlei Hinsicht nur noch von ihren Babys sprachen und die Gesellschaft anderer kinderreicher Paare oft der der Kinderlosen und Singles vorzogen.
Die spontanen Treffen verschwanden und wurden durch feste Termine ersetzt, die oft dem Schlaf- und Essrhythmus des Kindes angepasst wurden.
Auch die Gespräche sowie deren Inhalte änderten sich: Oft konnten die Mütter nur noch mit einem Ohr zuhören, während sie mit dem anderen Ohr dem sinndezimierten Gequake ihres Kindes Beachtung schenkten. Augenkontakt gab es ebenso wenig, sodass ich mich genauso gut mit meinem Wasserglas hätte unterhalten können.
Mit ihrem Verhalten machten Mütter meiner Meinung nach keine gute Werbung dafür, selbst Mutter werden zu wollen. Ihr Leben mit Kind wirkte für mich nicht unbedingt nachahmenswert.
Ich schätzte mein unabhängiges Leben. Und in diesem Leben hatte ich wenige Berührungspunkte mit Kindern. Luden uns zum Beispiel Freunde mit Kindern ein, war ich immer froh und erleichtert, wenn sich andere Erwachsene mit den Kindern der Gastgeber beschäftigten. Es war nicht so, dass ich Kinder nicht mochte. Ich riss mich nur nicht um sie.
Sicher, es gab Kinder, die ich nett fand. Sie waren freundlich, liebenswert, wissbegierig und smart. Und dann gab es die andere Sorte Kinder: nervige Kinder, bestimmende Kinder – und auch den Altklugen konnte ich überhaupt nichts Sympathisches abgewinnen.
Als ich meinen Mann kennenlernte und sich abzeichnete, dass die Beziehung zwischen uns immer ernster wurde, kam irgendwann auch das Thema Nachwuchs auf.
Mein Mann ist liebevoll, verantwortungsbewusst, geduldig und kinderlieb. Eigenschaften, die mich wissen ließen, dass er ein großartiger Vater wäre.
Ich selbst tat mich noch etwas schwer, mich als Mutter zu sehen. Was würde ich wohl für eine Mutter sein? Zumindest keine Glucke, so viel war sicher. Abschreckende Beispiele für ein solches Verhalten hatte ich in meinem eigenen Umfeld genug.
Selbst während meiner Schwangerschaft betonte ich immer wieder, wie wichtig auch andere Gesprächsinhalte seien und dass sich bei mir sowohl jetzt als auch nach der Entbindung nicht alles um das Thema Baby drehen sollte.
Mir gefiel es, dass andere mich ob meiner Lässigkeit lobten und mir dafür dankten, dass meine Gesprächsthemen nicht ausschließlich um Schwangerschaftshormone, Windeln und Kitas kreisten.
Den Zustand, schwanger zu sein, sprich: ein Kind zu erwarten, und dennoch für mich allein zu sein, genoss ich sehr. Es war genau der Mittelweg zwischen kinderlos und kinderreich. Ein guter Kompromiss.
Sich für ein Baby zu entscheiden, kann auf unterschiedlichen Wegen passieren. Entweder der Kinderwunsch bestand schon immer oder man ist sich der Entscheidung unsicher und lässt es darauf ankommen. Oder aber eine Schwangerschaft war von Anfang an nicht geplant.
Ist der Befund dann erst einmal da, ist man (und frau) also entweder glücklich, überfordert oder ratlos. Oder alles zusammen.
Apropos Befund: Können sich Frauen oft rückblickend nicht oder kaum mehr an den Entbindungsschmerz oder auch die Anfangsmonate mit ihrem Säugling erinnern, so gibt es eine Sache, die frau immer im Gedächtnis behalten wird: den Zeitpunkt, an dem sie erfuhr oder bemerkte, dass sie schwanger ist.
Am Anfang des Jahres 2012 beschlossen mein Mann und ich, Eltern zu werden. Ich setzte die Pille ab und dann ließen wir es gemütlich angehen.
Wir machten uns keinerlei Druck. Zu oft hatten wir in unserem Bekanntenkreis gesehen, was es bedeutete, sich unter Druck zu setzen: Da wurden fruchtbare Tage errechnet, Temperaturen gemessen und Ehemänner angerufen, um sie für den Sex nach Hause zu zitieren.
Manch ein Ehemann musste sich dabei wie ein Zuchthengst gefühlt haben und vermutlich vermissten die Männer in dieser Situation zum ersten Mal in ihrem Leben die Romantik.
Manchen Männern verging die Freude an Sex sogar regelrecht. Meine Freundin Nina zum Beispiel war so verbissen, ein Kind zu bekommen, dass ihr Mann sie nur in bestimmten Stellungen „beglücken“ durfte. Sie hatte gelesen, dass bestimmte Stellungen die Wahrscheinlichkeit erhöhten, schwanger zu werden. Als sie mir dann noch erzählte, dass sie nach dem Samenerguss ihres Mannes ihren Körper in die „Kerzen“-Stellung brachte, damit der Samen auch sicher nicht mehr aus ihr herausfloss, war ich mir sicher: Diesen Quatsch mache ich nicht mit.
Sollte es nicht klappen, so sagte ich immer, wollte ich neben unserem Hund Milow gerne einen weiteren bellenden Vierbeiner haben.
Im Frühjahr gingen wir mit einem befreundeten Pärchen essen. Dem Restaurant eilte ein sehr guter Ruf voraus und wir freuten uns auf den gemeinsamen Abend mit unseren Freunden. Nachdem wir mit einem Aperitif angestoßen hatten, wählten wir unser Essen. Wir alle nahmen die gleiche Vorspeise: Thunfisch-Carpaccio.
Kaum hatte der Kellner die Bestellung aufgenommen, begann meine Freundin Nora von ihren Kindern zu erzählen. Was für Fortschritte sie machten, welche Wörter sie schon aussprechen konnte und wie schwierig es wäre, der Kleinen das Töpfchen nahezubringen.
Während Nora also von ihrem Alltag berichtete, schlangen sich Arme um mich. Die Arme der Furcht.
Würde ich auch so werden? Nur noch vom eigenen Kind und dessen Stuhlgang erzählen? Spürte Nora denn nicht, dass ich für solche Themen gar nicht empfänglich war? War ich am Ende vielleicht gar nicht für das Muttersein gemacht?
Am nächsten Morgen erwachte ich mit leichten Magenschmerzen. Auch mein Mann klagte über ein seltsames Magendrücken. Als die Schmerzen mittags noch immer nicht verschwunden waren, erkundigte ich mich bei Nora. Auch meine Freundin und ihr Mann litten unter Magenschmerzen und sogar Durchfall.
Empört wählte ich die Telefonnummer des Restaurants und beschwerte mich über die Qualität des Essens. Der Restaurantleiter entschuldigte sich bei mir und versprach, der Ursache auf den Grund zu gehen.
Am nächsten Tag wurde ich wütend, denn meine Bauchschmerzen hielten immer noch an. Auf der Suche nach Solidarität fragte ich meinen Mann nach seinem Befinden und war überrascht. Ihm ging es wieder gut. Erneut erkundigte ich mich bei Nora, aber auch sie konnte von keinerlei Schmerzen oder unangenehmen Toilettengängen mehr berichten. Auch ihr Mann nicht.
Na toll, dachte ich, und rief wegen meiner Magenschmerzen gleich meinen Hausarzt an.
Wenige Stunden später lag ich auf dem Behandlungstisch, mit einer Nadel in meiner Vene und mit eingegeltem Bauch. Der Arzt wanderte mit dem Schallkopf des Ultraschallgerätes auf meinem Bauch, an meinen Nieren und der Milz entlang.
„Keinerlei Auffälligkeiten“, konstatierte er schließlich. „Schwanger sind Sie aber nicht, oder?“
Ich sah in an, als hätte ich das Wort zum ersten Mal gehört. „Ich denke nicht, nein. Also, ich hab zwar die Pille am Anfang des Jahres abgesetzt, aber ich hab nicht das Gefühl, schwanger zu sein.“
Der Internist schaute mich kurz an – dennoch lang genug für mich, seinen Gesichtsausdruck zu verstehen: „Gott, ist die blöd.“
„Gut, ich nehme Ihnen jetzt gleich mal Blut ab und schicke es noch heute ins Labor. Sollten Sie schwanger sein, werden wir das auch hiermit gleich herausfinden.“
Noch am selben Nachmittag rief mein Internist mich an: „Sie sind schwanger.“
„Wie bitte?“, fragte ich.
„Sie sind schwanger.“
„Wirklich?“
„Das sagen die Werte, ja. Herzlichen Glückwunsch.“
Nachdem ich aufgelegt hatte, setzte ich mich erst einmal. Ich war schwanger. „Ich bin schwanger!“, tönte es immer wieder in meinem Kopf. Ich war also nicht mehr allein.
Neugierig und dennoch ungläubig schaute ich auf meinen Bauch. Das ist jemand drin.
Was ich in diesem Moment fühlte, war eine Mischung aus ganz vielen Emotionen – und doch waren diese Emotionen irgendwie nicht greifbar. Ich war schwanger.
Als mein Mann am Abend von der Arbeit nach Hause kam, war ich vorbereitet: Nachdem ich mich von der Überraschungsbotschaft erholt hatte, ging ich glücklich-benommen in die Stadt, kaufte in einer kleinen Kinderboutique lilafarbene Söckchen mit weißen Pünktchen und eine wunderschöne Karte aus handgeschöpftem Papier, in die ich die Neuigkeit mit einem Satz feierlich eintrug: „Herzlichen Glückwunsch, du wirst Vater!“
„Hallo Schatz, wie war dein Tag?“, fragte ich meinen Mann, als er noch vor der Eingangstüre stand und sich die Schuhe auszog. In der Hand hielt ich das kleine Päckchen mit den Babysocken und der Karte.
Ich zitterte vor Aufregung. Wie würde er wohl reagieren?
„Lang“, sagte er lachend, zog seinen Mantel aus und küsste mich zur Begrüßung auf den Mund.
„Ich muss dir übrigens was erzählen!“ Ich versuchte, ganz beiläufig zu klingen.
„Sehr gerne. Aber ehe du mir was erzählst, muss ichdir was berichten. Heute ist nämlich etwas ganz Großartiges passiert.“
Ich starrte ihn ungläubig an. Normalerweise kam er nach Hause und ich erzählte ihm immer zuerst von meinem Tag.
Ich habe bis heute keine Ahnung, was er mir damals erzählte. Wir saßen an unserem Esstisch, und obwohl ich ihn ansah, fummelte ich die ganze Zeit unter dem Tisch an dem kleinen Päckchen herum.
Als er fertig war, stellte ich höflicherweise ein paar Fragen, die mich aber sofort auffliegen ließen.
„Das habe ich dir doch gerade erzählt. Hast du mir überhaupt zugehört?“, fragte er amüsiert.
„Nur ein bisschen“, log ich. „Schau mal, das habe ich für jemanden gekauft, der ein Baby erwartet.“
Da wir damals in unserem Bekanntenkreis tatsächlich sehr viele Schwangerschaftsverkündungen hatten, nahm er das Päckchen unbefangen entgegen und packte es aus. „Süß!“, sagte er und hielt die winzigen Söckchen in seiner Hand. „Für wen sind die?“
Ich reichte ihm die Karte. Ich weiß nicht, wie lang er diesen einen Satz ansah, aber es kam mir vor wie Stunden. Als er aufblickte, hatte er Tränen in den Augen. Dann stand er von seinem Stuhl auf. „Ist das schön! Wir werden Eltern! Herzlichen Glückwunsch auch dir!“, lachte er und drückte mich fest an sich.
Nun wurden also auch wir Eltern. Ich konnte es immer noch nicht glauben.
Viele Frauen warten sicherheitshalber die ersten drei Monate ab, bevor sie mit der neuen Botschaft in die Welt ziehen.
Auch ich wählte mit Bedacht, wem ich wann von meiner Schwangerschaft erzählte. Das hatte aber vor allem einen Grund: Ich wollte nicht hysterisch-fröhlich wirken. Ich war schließlich eine entspannte Schwangere. Eine, die sich ob ihres neuen Untermieters nicht zum Zentrum der Gespräche machen wollte.
Keiner sollte sich in meiner Gegenwart so vorkommen, als sei sein eigenes Leben todlangweilig. Zu gut kannte ich diese Gespräche, in denen eine Schwangere von nichts anderem mehr erzählte als von 4D-Ultraschallbildern, Rückschmerzen, Babykleidung etc.
Diese Euphorie hatte immer etwas von einem neuen Lebensabschnitt, einer Veränderung. Logischerweise.
Doch konnte man selbst zu diesem Zeitpunkt keine Veränderungen in seinem Leben aufweisen, so kam man sich vor wie eine zum Stehen gekommene Murmel, die keinen Antrieb mehr hatte, weiterzurollen. Schwangere brachten einen unbewusst dazu, sein eigenes Leben kritisch zu hinterfragen.
Meine Familie wurde als erstes eingeweiht. Meine Eltern freuten sich riesig, schließlich wurden sie das erste Mal Großeltern.
Es blieb nicht aus, dass meine Mutter in meiner Heimatstadt Menschen traf, die mich schon von klein auf kannten, und schon bald hatte sich die Botschaft meiner Schwangerschaft über diesen Kanal in Windeseile verbreitet.
Plötzlich riefen Freundinnen an, mit denen ich schon jahrelang keinen Kontakt mehr gehabt hatte: Wie gerne sie mich sehen wollten und wie es denn so schwanger liefe.
Nun ja. Es lief rund.
Ich war ob meiner Schwangerschaft von einer normalen Frau zu einer wahren Sensation aufgestiegen und ich fragte mich: War denn eine Schwangerschaft wirklich etwas so Besonderes? Hatte ich irgendetwas nicht mitbekommen?
Sofort fielen mir etliche Situationen in meinem Leben ein, in denen ich mir so einen Beifall geradezu herbeigesehnt hatte. Dass es lediglich eines einzigen Abends mit meinem Mann im Bett bedurfte, um so einen Applaus zu ernten, überraschte und überforderte mich.
Überall, wo ich auftrat, wurde ich beglückwünscht. Die Glückwünsche der anderen Frauen gingen auch oft mit deren persönlichen Schwangerschaftsgeschichten einher. Meist endeten diese mit einer detailliert beschriebenen Entbindungsstory.
Wörter wie Damm- und Notkaiserschnitt oder Presswehen rannen aus den Mündern der schon Erfahrenen. Es war, als freuten sie sich geradezu, endlich ihre persönlichen Erfahrungen wiedergeben zu können.
Die Zeit verging wie im Fluge und ich ertappte mich – neben meiner Entspanntheit – dabei, dass auch ich plötzlich Ultraschallbilder meines Untermieters durch die Gegend schickte. Was war schon dabei? Andere veröffentlichten solche Bilder sogar auf irgendwelchen Plattformen im Netz! Dagegen war das Herumschicken von diesen persönlichen Aufnahmen innerhalb des Verwandten- und Freundeskreises ja reiner Kindergarten.
Jeder, der schon einmal ein 4D-Bildchen seines ungeborenen Babys in der Hand hatte, weiß um die Faszination, die mit Aufnahmen dieser Art einhergeht.
Ja, ich weiß, auch hier gibt es unterschiedliche Meinungen.
„4D-Ultraschallbilder! Lass das lieber! Das Schallen soll auch gar nicht gut fürs Baby sein. Wegen der Lautstärke.“
Andere argumentieren so: „Ist irgendwie abartig, ein Bild von einem ungeborenen Baby zu machen.“
Oder auch: „Ich mag mich überraschen lassen. Ich halte nichts von diesem neumodischen Quatsch!“
Als mir mein Gynäkologe anbot, ein 4D-Ultraschallbild von meinem Baby anfertigen zu lassen, siegte meine Neugier. Und obwohl es sich anfühlt, als stalke man sein eigenes ungeborenes Kind, überwältigte mich diese Aufnahme.
Und so entwickelten sich die Gynäkologengänge zu meinen persönlichen 4D-Events. Je mehr Zeit verging, desto deutlicher wurden die Gesichtskonturen meines Kindes. Für mich ein wahres Wunder.
Mein Bauch wölbte sich zunehmend und ich konnte bald nicht mehr die Gewichtsanzeige meiner Waage sehen. Auch schien es, als bräuchte ich einen Gehwagen, damit ich nicht vornüberstürzte. Nun war auch bald dem letzten Skeptiker bewusst, dass ich schwanger und nicht faul war.
Die Monate schritten voran und kam mir auf der Straße eine Mutter mit ihren Kindern entgegen, wurde ich oft angelächelt.
Sobald man schwanger ist, geben einem erfahrene Frauen gerne Tipps rund um das Thema Schwangerschaft. Diese Tipps können alles sein: wertvoll, hilfreich, unbrauchbar – oder aber ganz einfach verwirrend. Und plötzlich findet man sich in einem Dschungel der undefinierbaren Wörter wieder.
Die Welt der Schwangerschaft hat ihre eigene Sprache, die es zu verstehen gilt: Angefangen bei Vaporisator über Stillkissen und Stilleinlagen bis hin zu Pre-Milch, Active Windeln, Movement Sensor Pad, Milchportionierer, Cool Twister, Maxi-Cosi, PEKIP, Pucken etc. pp.
Ob ich denn schon einen Vaporisator hätte, fragte mich zum Beispiel eine Bekannte, die vor Kurzem ein Kind bekommen hatte. Den könne sie mir nur wärmstens empfehlen. Einen Besuch bei Google später konnte ich antworten: „Nein, ich habe noch keinen Dampfsterilisator.“
Als ich bei meiner Freundin Maja war, verschwand diese im Bad und kam kurz darauf mit einem kleinen braunen Fläschchen zurück: „Hier, wenn du magst. Ich hab es nicht lang benutzt.“
„Was ist das?“, fragte ich und nahm ihr das leicht ölige Fläschchen ab.
„Dammöl!“
„Dammöl?“, fragte ich irritiert.
„Ja, damit massierst du dir den Damm. Die Stelle zwischen Scheide und Poloch. Die Beschreibung hab ich leider nicht mehr. Kannst du im Internet nachlesen.“
Es war reine Höflichkeit, dass ich das Fläschchen nicht auf der Stelle fallen ließ. Warum sollte ich denn meinen Damm massieren? Und vor allem: Wie?
Zu Hause schaute ich mir im Internet aufmerksam und gleichermaßen überrascht den Beipackzettel und damit die Handhabung des Öls an. Sodann setzte ich mich auf die Toilette und wendete an, was ich gelernt hatte. Es war sehr befremdlich und vor allem: Wenn es zu einem Kaiserschnitt käme, hätte ich dann monatelang meinen Damm umsonst massiert? Was hätte ich davon außer der Erinnerung an eine verrenkte Körperhaltung?
Das Stolpern über mir unverständliche Begriffe wollte nicht aufhören. Als mir eine schwangere Bekannte meines Bruders erzählte, dass sie bei ihrem Baby nicht ausschlösse, es bei Unruhe zu pucken, fragte ich mich, ob diese Anwendung wohl etwas mit der Stubenfliege Puck gemeinsam habe.
Ob ich mir vorstellen könne, mein Kind später auch zu pucken?
Als ich zugab, nicht im Geringsten zu wissen, was sie eigentlich meinte, klärte sie mich auf.
Wenn Babys schlafen, könne man hin und wieder sehen, wie ihre Arme plötzlich nach oben schnellten. Als ob sie sich erschrecken würden. Der sogenannte Moro-Reflex. Und oft wachten die Babys wegen dieser ruckartigen Bewegung auf und schrien. Bei besagtem Pucken, einer speziellen Einwickeltechnik, würde das Baby mit einer Decke oder speziellen Pucksäcken so eingewickelt, dass es sich nicht mehr bewegen könne. Die Arme würden dabei unter der Decke an den Körper angelegt und festgewickelt. Hinterher sähe das Baby aus wie eine kleine unbewegliche Made. Der Vorteil dieser Methode: Durch das stramme Einwickeln verhelfe man dem Baby zu einem entspannten Schlaf.
Zu Hause machte ich mich schlau und las viele Artikel über das sogenannte Pucken. Es stellte sich heraus, dass diese Technik sehr umstritten war.
Befürworter sagten, dass das enge Einwickeln den Moro-Reflex unterbinde. Diesen Reflex, auch Klammerreflex genannt, besitzen Jungtiere, die von ihren Eltern am Körper getragen werden. Drohen die Jungen herunterzufallen, greifen sie sofort im Fell der Eltern nach und halten sich fest. Evolutionsbiologen führen diese Reaktion beim Säugling darauf zurück, dass menschliche Babys früher ebenfalls aktive Traglinge waren.
Die Gegner hielten dagegen, dass das Kind nur aufgrund von Resignation aufhöre zu schreien. Diese Resignation wiederum sei das Ergebnis von Wut, aus der gewickelten Enge befreit werden zu wollen.
Langsam mutierte auch ich immer mehr zur Wissenden. Als ich meiner Bekannten Gaby von meinen Recherchen zum Thema Pucken erzählte, war sie unbeeindruckt und riet mir zur Gelassenheit. Sie selbst habe während ihrer Schwangerschaft nicht einen einzigen Ratgeber gelesen.
Und schon bald wurde mir bewusst, dass schon in der Schwangerschaft zwei Gruppierungen aufeinandertrafen: die wissbegierig Lesenden gegen die „Ich hör lieber auf meinen Instinkt“-Fraktion.
Die eine Fraktion verschlingt wirklich jeden Elternratgeber. Motivation dieser Lesedynamik sind entweder Neugier, Angst oder einfach das dringende Bedürfnis, sich auf das Unsichere so gut wie möglich vorzubereiten. Die Elternratgeber sind für diese Menschen eine Art Betriebsanleitung.
Die andere Fraktion ist der Meinung, keinen dieser Ratgeber zu brauchen, bedingt durch unerschütterliche Selbstsicherheit oder Lesefaulheit.
Wie bei allen anderen Themen rund um die Schwangerschaft und um das Mutterdasein kann das Thema Pro bzw. Contra Elternratgeber zu einer richtig gefühlsgeladenen Diskussion werden. „Ich bin der Meinung, dass man das einfach alles instinktiv richtig macht!“ wird übertrumpft von „Ach, genau darüber hab ich neulich etwas gelesen. Neueste Studien zeigen, dass das völlig veraltet ist. Man hat da sogar spezielle Tests durchgeführt.“
In diesem Meinungskrieg gewinnt niemand. Jede Fraktion belächelt die andere.
Während meiner Schwangerschaft habe ich viel gelesen. Ich gehörte jener Fraktion an, die sich tatsächlich möglichst viel Wissen aneignen wollte, bevor das Mysterium Baby das Licht der Welt erblickt. Ich genoss es zum einen, mich mit den neuen Themen meiner zukünftigen Welt vertraut zu machen, zum anderen hatte ich das Gefühl, zumindest ein wenig vorbereitet zu sein. Je mehr ich las, desto mehr erfuhr ich über Bonding, Pucken, Entbindungsmöglichkeiten und viele andere Themen. Und desto unsicherer wurde ich.
Über jedes Thema, so schien es, schlugen sich Experten und Mütter die Köpfe ein. Es war nicht leicht, sich in diesem Dschungel eine eigene Meinung zu bilden.
Gerade dann, wenn man noch kein Kind hat, ist es, als würde man eine theoretische Abhandlung darüber lesen, wie man am besten eine Geige stimmt: Solange man selbst keine Geige hat, ist das Nachvollziehen schwierig.
Dennoch reihte sich ein Buch nach dem anderen in mein Bücherregal, denn irgendwie hatte jede Schwangere oder Mutter einen tollen Buchtipp.
„Das musst du lesen! Das ist so toll geschrieben!“, tönte es immer wieder in meinem Ohr.
Also kaufte ich. Denn nicht zu vergessen: Schon hier kamen die – wie ich sie bis heute nenne – „Korrekturkäufe“.
„Nee, das ist nicht so gut“, urteilte eine Freundin über ein frisch gekauftes Buch. „Das, was ich habe, ist viel besser. Das steht alles noch einmal ganz detailliert beschrieben drin. Über das, was du hast, gibt es auch ziemlich kontroverse Meinungen, habe ich mal gelesen.“
Auch tätigte ich gerne Zukunftskäufe: „Das Buch wirst du echt brauchen. Da wird das Verhalten des Kindes in jedem einzelnen Monat seines Lebens beschrieben. So toll! Wenn du dich dann z.B. wunderst, warum dein Kind so anhänglich oder launisch ist, schaust du einfach im entsprechenden Alterskapitel nach und dann erfährst du es. Also, bei uns hat das meistens immer genau gepasst!“
„So ein Scheiß!“, erwiderte meine Freundin Maja, als ich ihr von diesem Buch erzählte. „Das hat bei uns nur ganz selten zugetroffen!“
Zu spät, ich hatte das Buch bereits gekauft, denn ohne es zu wissen, hatte ich eine weitere Schwelle übertreten. Eine Schwelle, der sich keine Mutter entziehen kann: die Schwelle zum mütterlichen Kaufrausch.
Aber jetzt zurück zu meinem neugewonnenen Wissen: Wenn ich früher Müttern bei ihren Gesprächen zuhörte, hielt ich den Austausch von diesen mir nichtssagenden Fachbegriffen immer für eine stolze Zurschaustellung ihrer Schwangerschaft. So, wie es manchmal in Gesprächen unter Experten zu beobachten ist: diese leicht überhebliche Art der Kommunikation. Wissend, dass niemand oder nur sehr wenige Ausgewählte ihrem Gespräch folgen können.
Das Frappierende: Auch man selbst wird früher oder später zu solch einem Experten.
Und ehe man sich versieht, unterhält man sich selbst ganz fachmännisch über
Oft hatte ich den Eindruck, dass die Schwangerschaft per se gerne zur Schau gestellt wurde.
Da waren Frauen, die ihren Bauch rieben, Frauen, die ob der permanenten Übelkeit klagten, Frauen, die nichtschwangeren Frauen ungefragt ausführlichst erzählten, wie es sich als Schwangere anfühlte, und Frauen, die über nichts anderes mehr sprachen als über ihre Schwangerschaft.
Innerlich fragte ich mich bei diesen Frauen, wie furchtbar das Ganze wohl noch werden würde, wenn das Kind erst einmal da war. In Gedanken sah ich diese Freundschaften schon verblassen.
Als ich schwanger war, hatte ich lautstark keine Dinge zu beklagen. Zwei Wochen lang anhaltende Kopfschmerzen, Zahnfleischbluten, juckender Ausschlag, Sodbrennen, gelegentliche Verstopfung, massive Wassereinlagerungen und eine daraus resultierende Gewichtszunahme in Lichtgeschwindigkeit waren offensichtliche Begleiterscheinungen, deren Erwähnung unnötig war.
„Mach dir nichts draus“, so unsere Nachbarin. „Du bekommst bestimmt ein Mädchen. Wenn man ein Mädchen erwartet, ist das normal. Die klauen einem in der Schwangerschaft die Schönheit.“
Sehr amüsant waren allerdings die Reaktionen meiner Freundinnen.
„Du siehst toll aus!“
„18 Kilo Wassereinlagerung? Echt? Du, das sieht man dir aber wirklich nicht an!“
Oder: „Mensch, süß siehst du aus! Das bisschen Mehrgewicht steht dir!“
Männer waren da oft weniger zurückhaltend. Unser Freund Olaf, den wir schon ein halbes Jahr nicht mehr gesehen hatte, kündigte damals seinen Besuch an. Als ich ihm die Tür öffnete, kam anstelle einer herzlichen Begrüßung ein geschocktes „Oje! “ über seine Lippen.
Es war nicht so, dass mir mein Umfang nicht bewusst war. Ich war eine der Schwangeren, die im sechsten Monat schon so aussahen, als stünden sie kurz vor der Entbindung. Wenn Leute irrtümlich glaubten, dass es bald losginge, und ich ihnen erzählte, dass ich eigentlich noch etwas Zeit hätte, folgte ein peinlich berührtes Schweigen.
Immer wieder schoss ich Fotos von meinem runden Gesicht und meinen Elefantenbeinen. Diese Ausmaße wollte ich festhalten, denn selbst ich war beeindruckt, wie ich in dick aussah.
Vielleicht macht das das Klagelied der Schwangeren aus: Manche Frauen möchten jedem mitteilen, dass sie schwanger sind. Und da kommt der gesprächigen Frau manchmal sogar ein morgendliches Über-die-Toilette-Beugen gelegen.
Andere Frauen erklären aus Selbstschutz, warum sie so blutleer aussehen, um damit die eventuelle Sorge auszuräumen, es handle sich um eine Krankheit.
Eine Bekannte erzählte ihren Kolleginnen im zweiten Monat nur widerwillig von ihrer Schwangerschaft, nachdem sie Gerüchte über eine mögliche Bulimie vernommen hatte.
Der Inhalt der Klagelieder lässt also schnell erkennen, warum frau sie anstimmt, und der Schwangerschaftsverlauf hat viele Gesichter. Bei manchen Frauen fordert er beispielsweise das eine oder andere Büschel Haare, was für Betroffene immer mit der panikerfüllten Hoffnung einhergeht, dass die Haare nach der Entbindung wieder nachwachsen. Ich spreche auch hier aus Erfahrung.
Es gibt allerdings auch noch ein anderes Thema, das gerne mit folgender Frage eingeleitet wird: „Lasst ihr euch sagen, was es wird?“ Viele Paare hören diese Frage zu Beginn der Schwangerschaft sehr häufig.
Wenn man nun meint, dass an dieser Frage nichts auszusetzen sei, dann ist man entweder nicht schwanger oder einfach sehr gelassen. Denn diese Frage zu beantworten, hat schon so manchen Streit unter Freunden oder sogar unter den Paaren selbst heraufbeschworen. Diese Frage teilt schwangere Paare nämlich in fünf Gruppierungen:
die Geheimnisvollen, die das Wissen um das Geschlecht ihres Kindes bis zur Entbindung für sich bewahren,
die Spirituellen, die fühlen, was es wird,
die „Es kommt, wie es kommt – Hauptsache, es ist gesund“-Vertreter,
das „Das erfahren wir ja dann bei der Entbindung“-Lager und
die „Hoffentlich wird es das, was wir uns wünschen“-Fraktion.
Ich habe mich in meiner Schwangerschaft oft gefragt, warum manche Paare so ein Geheimnis aus dem Geschlecht ihres Kindes machen.
„Wir sagen es erst, wenn es auf der Welt ist“, so der beliebte Satz der ersten Gruppierung.
