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Micha Wirth ist Lehrer und lebt in einem kleinen Häuschen direkt am Steinhuder Meer. Als er bemerkt, dass sein Wassergrundstück nachts von einem Liebespaar betreten wird, wird er neugierig und installiert eine Kamera. Durch Zufall lernt er die Eindringlinge kennen, zwei Studenten, die auf einem Campingplatz am Meer zelten. Hals über Kopf verliebt sich Wirth in die junge Studentin Uschi, die ganz im Sinne der 68-er erzogen wurde. Natürlich bleibt die Beziehung nicht frei von Konflikten.
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Seitenzahl: 164
Veröffentlichungsjahr: 2025
Klaus Melcher
Im Strudel
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Impressum neobooks
Kennen Sie das Steinhuder Meer, den mit 29,1 Quadratkilometern größten Binnensee Niedersachsens? An seinem Südufer liegen die Orte Steinhude und Großenheidorn, an seinem Nordufer Mardorf.
Vor allem Steinhude ist touristisch erschlossen, und an schönen Sommertagen ist dort der Bär los, wie man so schön sagt.
Tausend Parkplätze gibt es dort, viele Stellplätze für Wohnmobile, einige Hotels. Viele Restaurants und Aalräuchereien.
Mardorf, gegenüber, schläft zwar nicht gerade seinen Dornröschenschlaf, vor allem an Sonn- und Feiertagen sind die wenigen Parkplätze überlastet, und die Radfahrer bestimmen die Regeln auf dem Promenadenweg, der sich von der ‚Neuen Moorhütte‘ bis zum ‚Seehotel‘ fünf Kilometer lang direkt am Seeufer erstreckt. Aber sonst ist es eher beschaulich.
Hier, am Nordufer, habe ich vor zwei Jahren ein kleines Wochenendhäuschen gekauft, nur durch die Promenade, die mitten durch das Grundstück verläuft, vom Wasser getrennt, so dass ich im Prinzip zwei Grundstücke habe, eins, auf dem das Haus steht, und eins direkt am Wasser, weitgehend ungepflegt, moorig.
Nutzen kann ich den ‚Wassergarten‘, wie ich dieses kleine Fleckchen genannt habe, nicht, obgleich es über die Reste eines Bootsstegs verfügt und einen gepflasterten Pfad, der zu ihm führt. Ich segle nicht und treibe auch sonst keinen Wassersport, und wenn ich mal ins Wasser gehen möchte, hier ist der See sehr verschlammt. Hier zu baden, ist wirklich keine Freude.
Aber irgendjemand scheint meine Abneigung gegen den ‚Wassergarten‘ nicht zu teilen. Letztens bei meinem Inspektionsgang, den ich in unregelmäßigen Abständen mache, habe ich eine im Gebüsch versteckte Decke und ein kleines Schlauchboot mit zwei Paddeln entdeckt. Und sofort war mein Jagdfieber erwacht.
So muss sich ein Jäger fühlen, der auf eine frische Spur trifft und sich dann nächtelang auf den Hochsitz begibt.
Nur, ich war kein Jäger, hatte nicht einmal einen Waffenschein, hatte auch kein Gewehr, hatte auch keinen Hochsitz, aber die nötige Vorstellungskraft.
Ich inspizierte genau den Zaun, der wirklich an einigen Stellen heruntergetreten und kaum noch Zaun zu nennen war, sah mir das Schloss an der Pforte an, das eingerostet schien und sicher sich nicht öffnen ließ, so verliebt die Besucher auch sein mochten. Denn dass es sich um Verliebte handeln musste, war mir sofort klar. Wer außer Verliebten nahm es in Kauf, von Mücken gestochen zu werden, denn hier in dem Morast war offensichtlich ein Eldorado für diese Plagegeister.
Zwei Tage lag ich auf der Lauer, auf meiner Terrasse, immer mit einem Fernglas vor den Augen, kaufte mir dann ein Nachtsichtgerät, angeblich aus alten NVA-Beständen.
Gerade wollte ich meine Observation todmüde abbrechen, als sich auf dem Promenadenweg etwas rührte. Es konnten ganz harmlose Spaziergänger sein, die sich noch um diese Zeit hier herumtrieben, aber verdächtig waren sie schon.
Und tatsächlich, ich meinte Stimmen zu hören, eine männliche und eine weibliche, und einzelne Worte wie „Scheiße, die haben den Zaun repariert“ und „Was machen wir jetzt?“
Gerade wollte ich mich freuen, da hörte ich wie eine Drahtschere oder ein ähnliches Gerät sich an meinen eben erst reparierten Zaun heranmachte und Ihn mit wenigen Schnitten in seinen Urzustand versetzte. Und schließlich, wie die beiden über den Zaun stiegen und sich entfernten. Ich habe heute noch das obszöne Lachen der jungen Frau im Ohr.
Obgleich, so obszön klang es gar nicht, es klang eher wie das Lachen vieler Mädchen, die, ein wenig beschwipst, ihren Freund zu irgendetwas animierten.
Es klang nach verführerischem Locken, nach Sehnsucht und irgendwann nach Begeisterung.
Unerträglich auf meiner kleinen Terrasse. Und ich sah nichts. Die Blätter der Bäume nahmen mir jede Sicht.
Ich hätte von meinem Hausrecht Gebrauch machen können, hätte jetzt noch, mitten in der Nacht, mein Grundstück inspizieren können, eine starke Taschenlampe besaß ich und eine Gaspistole ebenfalls, aber auf einmal hatte ich keine Lust mehr.
Stattdessen ging ich ins Bett, niedergeschlagen, frustriert.
Natürlich inspizierte ich am nächsten Morgen den Zaun und den ‚Wassergarten‘ sehr genau, fand auch das Schlauchboot an der zu erwartenden Stelle, darin einen Zettel, mit einer etwas ungelenken Schrift geschrieben: „Danke, dass Sie uns nicht gestört haben!“
Vielleicht können Sie sich vorstellen, wie ich mich gefühlt habe, ertappt, verhöhnt, von irgendwelchen Rotzgören.
Am nächsten Tag jedenfalls fuhr ich nach Hannover und kaufte eine ‚Naturepar Wildkamera‘, „eine hochleistungsfähige Überwachungskamera, speziell entwickelt für die Erkundung im Freien und die Beobachtung von Wildtieren. Diese Wildkamera, die aus Island stammt, verfügt über eine sehr empfindliche PIR-Bewegungserkennungsfunktion, die Bewegungen in der Umgebung schnell erfasst und schnelle Benachrichtigungen sendet, sodass keine spannenden Momente verpasst werden. Die außergewöhnliche Batterielebensdauer wird durch Solarladung verbessert, was eine kontinuierliche Nutzung über 365 Tage ermöglicht und es ideal für langfristige Überwachung in abgelegenen Gebieten macht, während die lästige Notwendigkeit häufiger Batteriewechsel entfällt.
In Bezug auf die Bildqualität bietet Naturepar Bilder mit bis zu 14MP hoher Auflösung, und die hervorragenden Nachtsichtfunktionen ermöglichen klare Bilder bei schwachem Licht, was den Benutzern die Möglichkeit gibt, die Freude an der Beobachtung voll auszukosten. Die Kamera hat eine schnelle Auslösezeit von nur 0,3 Sekunden, was sicherstellt, dass flüchtige dynamische Szenen erfasst werden und die Wahrscheinlichkeit verringert wird, wichtige Bilder zu verpassen. Noch beeindruckender ist, dass Naturepar die 4K-Videoaufnahme und verschiedene Speicheroptionen unterstützt, einschließlich Cloud-Speichertechnologie, die die Flexibilität und Sicherheit bei der Datenverarbeitung erheblich verbessert.
Mit einer IP66 wasserdichten Bewertung bleibt die Kamera zuverlässig und langlebig unter schwierigen Wetterbedingungen und bewältigt leicht leichten Regen, starken Schneefall oder intensives Sonnenlicht. Darüber hinaus unterstützt sie 4G SIM-Karten für die Echtzeit-Videomonitoring, sodass Benutzer Aufnahmen jederzeit und überall ansehen können, was den Komfort erheblich verbessert.“
Ganz verstand ich zwar nicht die Beschreibung, aber der Fachmann versicherte mir, dass ich wohl die beste Wahl getroffen hätte.
Vor allem wichtig waren mir die extreme Empfindlichkeit, die Echtzeitüberwachung und die schnelle Reaktion der Kamera. Und dass sie durch eine Solarzelle gespeist werden sollte, fand ich auch interessant, dann fiel die ewige Kontrolle der Batterien weg.
Aber erst einmal musste ich sie installieren, und das war schwieriger als gedacht. Die Kamera selbst war nicht das Problem. Sie musste an einer Stelle platziert werden, an der die Bewegungssensoren bei jeder Bewegung ansprangen und von der gleichzeitig der gesamte ‚Tatort‘, wie ich den Ort des Geschehens getauft hatte, erfasst wurde.
Bei zwei Bäumen, die sich optimal für die Beobachtung eigneten, störten aber benachbarte Äste die freie Sicht. Ich musste sie absägen.
Also erst einmal nach Neustadt fahren und in einem Baumarkt eine Leiter und eine Säge besorgen.
Haben Sie schon einmal eine Leiter auf sumpfigem Boden an einen Baum angestellt?
Nein?
Es ist sicher kein Geheimnis, dass die Holme im Schlamm versinken, nicht beide gleichzeitig, auch nicht sofort. Die Leiter verändert sich mit jeder Sprosse, die Sie hinaufklettern, sie schwankt von links nach rechts und wieder zurück. Sie haben einfach keinen festen Stand, und ein Brett, auf das Sie die Leiter stellen könnten, hilft auch nicht. Auch das Brett findet keine feste und gleichmäßige Unterlage.
Langsam begann ich zu verzweifeln, den ganzen Tag hatte ich zugebracht und war noch keinen Schritt weiter. Und langsam bekam ich Hunger, und es begann auch noch dunkel zu werden.
Frustriert packte ich meine Sachen zusammen und räumte sie in den kleinen Schuppen neben meinem Haus. Und ich hatte mir diesen Abend wirklich anders vorgestellt, als er jetzt werden würde. Nichts würde daraus werden, dass ich bei einer Flasche Wein im Kerzenschein auf meiner Terrasse sitzen würde, mir auf meinem Notebook den Echtzeit-Stream von dem Liebespaar ansehen und hoffentlich genießen würde.
Natürlich war mir klar, dass ich furchtbar enttäuscht sein könnte, weil dieses Paar absolut nicht meinem Geschmack entspräche. Aber das hatte ich einkalkuliert und hatte mich auch schon damit abgefunden. Immerhin würde mir die prickelnde Erwartung bleiben.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, Sie haben sich auf irgendetwas gefreut, vielleicht ein Bild, das Sie erwarten, und plötzlich erfahren Sie, es wird nicht an dem versprochenen Tag geliefert werden, sondern viel später. Erst sind Sie maßlos enttäuscht, sind sauer, dann, je länger sie vertröstet werden, stinksauer, bis Sie endlich die Lust auf dieses Bild nicht mehr nachvollziehen können. Sie sind nur noch stinkig.
Und so ging es mir, obgleich die Erfüllung meiner Erwartung nur um einen Tag herausgeschoben war.
Morgen würde ich der verdammten Leiter einen festen Boden unter die Holme setzen. Und ich wusste schon, wie. Aber jetzt war es zu spät und dunkel. Und in dem Schuppen gab es kein Licht.
Am nächsten Morgen verzichtete ich auf das Frühstück. Ich ging gleich in den Schuppen, kramte unter all dem Gerümpel, das ich von dem Vorbesitzer geerbt hatte, eine alte Palette und ein Schalbrett hervor, fand auch Hammer und einige rostige Nägel und machte mich an die Arbeit.
In der Nacht hatte ich nämlich die Konstruktion einer sicheren Basis für die Leiter im Geiste entworfen, und sie war tatsächlich umsetzbar. Ich verkürzte die Palette um zwei Bretter, nagelte das Schalbrett darauf, darauf nagelte ich kleine Holzstücke als Leiterstützen, und fertig war die ganze Geschichte.
Einfach, werden Sie sagen. Aber man musste erst darauf kommen.
Stolz wie ein Spanier trug ich meine Konstruktion in den ‚Wassergarten‘, setzte sie auf die Stelle unter den Baum, dessen Ast abgesägt werden musste, legte die Leiter an und bestieg sie vorsichtig. Sie hielt.
Der Tag war gerettet!
Auch bei dem zweiten Baum war die Arbeit nicht mühevoller. Und die Kamera war dann auch nach weniger als einer halben Stunde angebaut.
„Guten Tag, Herr Nachbar, schön, dass Sie sich auch mal um Ihr Wassergrundstück kümmern. Viel ist es ja nicht mehr wert, nachdem man es durch den Promenadenweg abgeschnitten hat, aber man muss das Beste daraus machen.“
Mein Nachbar von der Linken hatte mir aufmunternd auf die Schulter geklopft, froh, dass jetzt weniger Laub in seinen Wassergarten wehen würde. Und die wilden Brombeeren würden sicher nicht mehr auf sein Grundstück ranken und dort Wurzeln schlagen, ein ständiger Zankapfel zwischen uns, und ich war erst etwas mehr als zwei Jahre hier.
Im Haus angekommen, installierte ich erst einmal die Software auf meinem Notebook, alles lästige Tätigkeiten, von denen ich nicht viel verstand, die aber ungeheuer wichtig waren.
Was die alles wissen wollten!
Den ganzen Nachmittag verbrachte ich damit. Ich wollte ja nicht unterbrechen. Weiß der Himmel, was dann alles verschwunden wäre. Ich traute inzwischen niemandem mehr, ganz besonders nicht den Isländern.
Gerade noch rechtzeitig vor dem Dunkelwerden beseitigte ich alle Spuren meiner Aktivität, obgleich das Paar eigentlich wissen könnte, wie viel Mühe ich mir mit ihm gegeben hatte.
Auf einmal verspürte ich ihn doch, diesen fast schmerzenden Hunger.
Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen, war um sieben Uhr aufgestanden und hatte bis fast zwanzig Uhr gearbeitet, ohne einen Bissen zu mir genommen zu haben.
Ich schlug mir sechs Eier in die Pfanne, dazu ein kühles Bier, und meine Mahlzeit konnte endlich beginnen.
Gerade hatte ich den letzten Bissen in den Mund gesteckt, da begann sich auf meinem Monitor etwas zu regen. Ein junges Paar bewegte sich über den Plattenweg auf das Wasser zu, eng umschlungen, verliebt, wie es schien. Immer wieder reckte sie sich zu ihm auf, um ihm einen Kuss zu geben, das Spiel hatte sie wohl schon länger mit ihm getrieben, denn er konnte es kaum erwarten, ihr die Bluse und die Jeans auszuziehen, und sie nicht, ihm die Kleider vom Leibe zu reißen.
Und da standen sie auf einmal da, nackt in ihrer vollen Schönheit.
Nun, auf ihn, zugegeben, einen durchaus ansehnlichen Kerl, hätte ich gerne verzichten können, aber sie war wirklich ein sehr erfreulicher Anblick. Sie war schlank, hatte eine ausgesprochen hübsche Figur, lange, schlanke, wohlgeformte Beine, einen süßen Busen und süßen, knackigen Po, hatte blonde Haare und, wenn ich das richtig sah, eine traumhafte Haut, die samten in dem Mondeslicht glänzte.
Sie hatten sich bei den Händen gefasst, zogen sich aneinander, man spürte fast ihre Erregung, als sich ihre Körper berührten.
Verdammt, so deutlich wollte ich es doch gar nicht sehen!
Aber die Kamera hatte kein Erbarmen mit mir.
Sie zog ihn hinunter auf den Steg. Sie wollten doch nicht auf dem morschen Holz?
Was, wenn sie sich einen Splitter in ihre wundervolle Haut riss?
Er muss wohl Ähnliches gedacht oder gesagt haben, denn plötzlich unterbrachen sie ihr Spiel, er zog aus dem Gebüsch die Decke hervor und breitete sie auf dem Steg aus.
Gott sei Dank!
Wie ich mit ihr litt, als dieser Kerl sich auf sie wälzte. Sah er nicht, dass sie Schmerzen hatte?
Natürlich konnte es auch Lust sein, weshalb sie sich wand, aber für mich, den objektiven Betrachter, waren es eindeutig Schmerzen.
Gerade überlegte ich, ob ich ihr nicht zur Hilfe kommen sollte, da verließen sie ihr Lager, zogen das Schlauchboot aus seinem Versteck und ließen sich hineingleiten.
Daran hatte ich nicht gedacht, dass sie meinen Blicken entzogen sein würden, wenn sie auf dem Wasser mit ihrem Boot wären. Auf der anderen Seite: Was sollte da schon passieren? Zwei Menschen mittleren Gewichts in einem kleinen Schlauchboot, das jederzeit kentern konnte. Schmusen war möglich, Küssen auch. Aber sonst?
Zufrieden lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück und schenkte mir noch ein Glas Wein ein.
Knapp eine Viertelstunde waren sie auf dem Wasser, zwei Glas Wein hatte ich in der Zwischenzeit getrunken, dann kamen sie endlich wieder. Verliebt, wie mir schien. Nichts hatte sich geändert. Ich würde in der Nacht darüber nachdenken, ob ich das Schlauchboot nicht seeuntüchtig machen würde.
Und wenn ja, wie.
Ich gestehe, ich spürte immer wieder diesen Stachel in mir. Eigentlich gab es keinen Grund, ich kannte die beiden nicht, ich war ihnen noch nie, zumindest wissentlich, begegnet, aber ich betrachtete das Mädchen als eine Art Eigentum, das mir dieser Kerl unter meinen Augen nahm, in dem er sich unter meinen Augen, in meinem ‚Wassergarten‘ austobte.
Ich glaube, ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich sage, ich habe in dieser Nacht wenig geschlafen. Immer wieder schossen mir Bilder durch den Kopf, die ich gesehen hatte, von dem schönen Mädchen, verführt von dem Kerl, und ich sah es, spürte es fast in meinen Armen.
Und dann kam die Ernüchterung: Ich lag alleine in meinem Bett, das für zwei Personen ausreichend Platz geboten hätte.
Können Sie nachvollziehen, wie elend ich mich fühlte?
Ich könnte das Schlauchboot anstechen, so dass es irgendwo auf dem Steinhuder Meer versinken würde. Dann würde der Kerl vielleicht ertrinken, aber das Mädchen auch, es sei denn, es wäre eine gute Schwimmerin.
Soviel ich auch grübelte, ich fand keine Möglichkeit, ihn außer Gefecht zu setzen, ohne das Mädchen zu gefährden. Und wenn das gelänge, wäre immer noch die Frage, ob ich der Typ des Mädchens wäre.
Nun sah ich ganz passabel aus, hatte einen muskulösen Körper, trainierte auch regelmäßig jeden Donnerstag in der Muckibude, mit sichtbarem Erfolg, wie ich ganz ohne Eitelkeit sagen möchte. Ich war auch nicht blöde, war in meinen Kreisen ein doch recht interessanter Unterhalter, vertrat meine Meinung, die es wert war, angehört zu werden. Also durchaus ein ansehnlicher Vertreter meines Geschlechts.
Aber wohl doch ohne die notwendige Phantasie.
Und dann kam mir der Zufall zu Hilfe.
Ein Verrückter, ein Skate-Bord-Fahrer, der in der ganzen Saison auf der Promenade seine Kunststücke zeigte, mal rückwärtsfuhr, Pirouetten drehte, in die Luft sprang, war vor meinem Grundstück verunglückt, nicht schlimm, er hatte sich einfach auf die Klappe gelegt.
Recht so, schadet ihm gar nichts, dachte ich noch, da sah ich sie, ich erkannte sie gleich wieder. Es gab keinen Zweifel, sie waren es.
Sie kümmerten sich um den Verrückten, der mir zum ersten Mal sympathisch war.
Ich stand auf, ging von meiner Terrasse hinunter auf den Promenadenweg, fragte, ob ich helfen könnte.
Ja, dieser Mann wäre gerade auf seinem Skate-Bord verunfallt, ob ich einen Krankenwagen rufen könnte. Sie würden hier so lange warten.
Natürlich wehrte sich der Verrückte gegen einen Krankenwagen, verließ leicht blessiert die Unfallstelle, aber die beiden nahmen mein Angebot gerne an, sich zu mir auf einen kleinen Drink auf meine Terrasse zu setzen.
Sie mussten das Grundstück wiedererkannt haben, auch wenn sie es nur bei Dunkelheit gesehen haben sollten, aber sie wirkten kein bisschen befangen.
Wir unterhielten uns nett, machten Scherze, plauderten über dies und jenes, sie waren Studenten, die ihren ersten gemeinsamen Urlaub auf einem der Campingplätze am Meer verbringen wollten, fühlten sich frei, ungebunden, auch wenn sie seit über einem Jahr ein Paar wären.
„Besitzansprüche gibt es bei uns nicht. Die passen gar nicht in die Zeit.“
„Klingt nach Kommune 1“, antwortete ich Fritz, wie der junge Kerl hieß. Und Uschi, seine Freundin, schmiegte sich an ihn, wie ich es schon viele Male auf dem Bildschirm gesehen hatte.
„Aber ihr seid nicht Fritz Teufel und Uschi Obermaier? Dafür seid ihr noch zu jung.“
Wir lachten, unbeschwert, auch ein wenig beschwipst. Vor allem Fritz schien plötzlich müde geworden zu sein.
„Er hat vorhin einen Joint gezogen. Denk dir nichts dabei, wenn er raucht und anschließend Alkohol trinkt, dann kippt er irgendwann um. Das kenne ich schon.“
Uschi machte es sich noch bequemer in ihrem Gartensessel, legte ihre Füße auf einen freien Stuhl und öffnete ein Stück ihre Jeans-Jacke.
„Mein Gott, ist das warm bei dir, du hast doch nichts dagegen?“
Sie war aufgestanden und zog sich ihre Jacke aus und die Jeans gleich mit. Und da stand sie in all ihrer Schönheit, wie ich sie vom Bildschirm kannte.
Sie setzte sich auf meinen Schoß, ganz selbstverständlich, und als ich einen Augenblick Atem holte: „Du magst doch?“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, hatte sie mir das Hemd ausgezogen und den Gürtel und die Hose geöffnet.
Nun war ich von dem Angebot hoch erfreut, hatte es mir nicht im Traum vorstellen können, doch ich war kein Freund von Quickies. Für mich gehörte noch immer die Umarmung, die körperliche Berührung zur Liebe, und das sagte ich auch Uschi. Sie nahm es hin, wartete, bis ich mich ausgezogen hatte, fasste mich bei der Hand, zog mich hinunter auf die Rasenfläche und öffnete ihre Schenkel.
So hatte ich mir die erste Begegnung mit Uschi nicht vorgestellt. Ich hatte mich in die Situation von Fritz hineinversetzt, liebkost, in wilder Umarmung. Warum, zum Teufel, sollte ich mit dem Ersatz abgespeist werden, dem Kaffeesatz?
„Was ist mit dir? Sag, was ist mit dir?“
Ich stand auf, angewidert von beiden, beide waren offenbar bekifft. Ich ging ins Haus, ließ die beiden im Garten liegen, schloss die Terrassentür, putzte mir nur noch ganz schnell die Zähne, nicht aus Hygienegründen, sondern um den schalen Geschmack loszuwerden.
Als ich am nächsten Morgen auf die Terrasse trat, waren die beiden nicht mehr da, und ich überlegte ernsthaft, ob ich mir das gestern nur eingebildet oder in der Nacht geträumt hatte. Es gab auch keinen Hinweis auf die beiden.
Die Gläser hatte ich schon in der Nacht weggeräumt und in den Spüler gestellt. Und da ich nicht an jedem Tag ihn benutze, sondern das Geschirr sammle, bis er voll ist, wusste ich wirklich nicht, ob ich gestern Besuch hatte oder nicht.
Die nächsten Tage verliefen voller Ungewissheit. Einmal weil ich mir nicht vorstellen konnte, alles nur geträumt zu haben, und ich meinte mich auch sehr deutlich daran zu erinnern, das Mädchen gespürt zu haben. Ich sah noch ihren herrlichen Körper, fühlte noch ihre sanfte Haut, ihr festes Fleisch, spürte noch ihren knackigen Po und ihre Brüste, die sich an mich drängten.
Sogar ihren Namen wusste ich noch. Uschi wie Uschi Obermaier, und meinen kleinen Scherz hatte ich noch in Erinnerung.
Andererseits war die Situation in der vergangenen Nacht so unwahrscheinlich, dass ich mich weigerte, sie anzuerkennen.
Und dann noch mein Abgang.
