Immer geradeheraus - Jörg Dahlmann - E-Book

Immer geradeheraus E-Book

Jörg Dahlmann

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Beschreibung

Jörg Dahlmann war fast 40 Jahre im deutschen Fernsehen als Fußball-Kommentator tätig, arbeitete u.a. für ZDF, Sat1, Sport1 und Sky. Seinen Kultstatus beim Publikum verdankt er seinem außergewöhnlichen Reportage-Stil, seine z.T. preisgekrönten Reportagen, wie über Otto Rehagels legendären Wechselfehler oder das Jahrhundert-Tor von Jay-Jay Okocha, werden hunderttausendfach im Internet abgerufen. Mit seiner ureigenen Art polarisierte Dahlmann aber auch immer wieder und wurde zuletzt wegen zweier zu salopper Sprüche beim Sender Sky ausgemustert. In seinem Buch erzählt er von den sportlichen und persönlichen Highlights in seinem Reporterleben, von magischen Fußballmomenten und besonderen Begegnungen in der glitzernden Welt des Profisports. Er berichtet von Machtkämpfen und Intrigen hinter den Kulissen des TV-Geschäfts und scheut sich nicht, Ross und Reiter beim Namen zu nennen, wenn es um Lob und Kritik geht. Und natürlich schreibt er über seinen unrühmlichen Abgang als Fernsehjournalist und das, was man Cancel Culture nennt, geht dabei mit den eigenen Fehlern offen und ehrlich um.

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Seitenzahl: 458

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Für Lara, Marlon und Stella

INHALT

Vorwort: Immer geradeher

1Skyfall – der bekloppte Sushi-Rauswurf

2Vom DJ zum Harry Hirsch – journalistische Anfänge

3Locker vom Hocker (Studium)

4Jetzt geht’s los (Lehrjahre beim ZDF)

5Abenteuer Pay-TV (Premiere bei Premiere)

6Wild und bekloppt – Sat.1 ran.

7Abenteuerliche Quickies (tm3 und La-Ola-Events)

8Bäumchen wechsle dich (zurück im Kirch-Imperium Premiere, DSF, Sat.1)

9Spot an – der Job vor der Kamera (Sport1)

10Alle schlechten Dinge sind drei (dreimal Diagnose Krebs)

11Zwischen Eichen und Palmen (Leben zwischen Deutschland und Mallorca)

12Der Sexismus- und Rassismuswahnsinn

Dank

Mit Einwürfen von Carsten Schmidt, Sophia Thomalla, Béla Réthy, Rolf Töpperwien, Thomas Herrmann, Reinhold Beckmann, Michael Pfad, Ulli Potofski, Johannes B. Kerner, Friedhelm Funkel, Winfried Schäfer, Felix Magath, Joachim Löw, Alfred Draxler, Oliver Kahn, Uli Hoeneß, Arnd Zeigler, Wolff C. Fuss, Dieter Hecking, Reiner Calmund.

VORWORT

IMMER GERADEHERAUS

Ja. Immer geradeheraus. Wäre es nicht schön, wenn wir immer sagen dürften, was wir denken? Was wir fühlen? Was wir empfinden? Aber na klar: Das Leben verlangt Diplomatie. Würden wir immer raushauen, was uns gerade in den Sinn kommt, hätten wir alle Riesenprobleme. In der Familie, im Freundeskreis, beim Job, überall. Man muss auch mal drüber wegsehen und schweigen können.

Im Beruf des Reporters ist „immer geradeheraus“ jedoch erstrebenswert. Möglichst so reden, wie der Schnabel gewachsen ist. Authentisch, atmosphärisch. Aber das bleibt in der Realität graue Theorie. Hat man als Fußballkommentator eine sprachliche „Schere im Kopf“? Mit dieser Frage wurde ich in der Vergangenheit immer wieder konfrontiert. Nein, hätte ich früher geantwortet. Ja, würde ich heute antworten. Hätte ich nicht den Satz „Für eine Kuschelnacht mit Sophia Thomalla würde ich mich auch auf die Bank setzen“ ausgesprochen und für Japan das Synonym „Das Land der Sushis“ benutzt, mir wäre viel unangenehme Aufmerksamkeit ersparen geblieben.

Aber da sind wir schon bei einem wichtigen Punkt à la „früher war alles besser“. Bevor es soziale Medien gab, gab es zumindest „weniger Schere im Kopf“. Einerseits ist es gut, richtig und wichtig, dass man sich der Auswirkungen der Sprache bewusst ist. Und auch der Verantwortung. Höchstes Gebot ist, dass die Sprache nicht diskriminierend ist. Andererseits schränkt es uns immer mehr ein. Der Interpretationsspielraum von Worten ist größer geworden.

Ursprünglich dachte ich darüber nach, das Buch „Sushis und Luschis – sollen sie mich doch rauswerfen“ zu nennen. „Sollen sie mich doch rauswerfen“ ist ein Zitat aus einer Reportage über den Frankfurter Dribbelkünstler Jay-Jay Okocha, als ich die Sendezeit für meinen Spielbericht eigenmächtig aufgrund der Begeisterung über das Wahnsinnstor überzog. Aber Sushis und Luschis?! Na ja, Sushis ist schnell erklärt. Darüber bin ich nach einer unfassbaren Aktion meines ehemaligen Arbeitgebers Sky gestolpert. Der Sender plante meine öffentliche Hinrichtung. Warum alles anders kam, dazu später mehr.

Aber Luschis?

Die werden in diesem Buch immer wieder eine Rolle spielen. Vor allem im Bereich des Fernsehens. Und ich werde dem ein oder anderen in diesem Buch einen Luschi-Orden verleihen. Natürlich werden sich die Betroffenen darüber nicht sehr freuen. Aber vielleicht dient der Titel manchen ja als Motivation, es besser zu machen.

Das Buch gibt einen kleinen Einblick in die Welt des Sport-Fernseh-Journalismus. Es handelt von Macken, verrückten Erlebnissen, Erfahrungen. Man erfährt, wie man Sportreporter wird beim TV. Und man erfährt, wie gerade oder wie link so manch einer im Geschäft ist.

Gleich im ersten Kapitel geht es um beides: um Sushis und Luschis. Die Geschichte eines lächerlichen und peinlichen Rauswurfs.

SKYFALL – DER BEKLOPPTE SUSHI-RAUSWURF

Wo soll ich anfangen? Am besten mit dem Beruf Fußballreporter. Ein Traumjob! Wer kann schon von sich behaupten, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben?

Es gibt aber ein Problem: Jeder glaubt, diesen Beruf besser machen zu können. Nur der Job des Bundestrainers steht vielleicht noch mehr in der Kritik. Auch da hat ja jeder mehr Ahnung als die Herbergers, Schöns oder Löws dieser Welt. Ernst Huberty, der Vater aller Reporter, pflegte zu sagen: Wenn du 50 Prozent der Zuhörer hinter dir weißt, wenn dich 50 Prozent der Zuhörer mögen, dann ist das eine Riesenquote.

Sportreporter spalten. Man mag sie oder man mag sie nicht. Gott sei Dank habe ich es nie erlebt, dass man mich bedroht hat, wie es beispielsweise Marcel Reif widerfahren ist. Im Stadion in Dortmund stimmten sie, ich kann mich erinnern, Sprechchöre gegen ihn an. Na klar, Marcel spielt in einer anderen Liga als ich.

Oder nehmen wir Werner Hansch, die Stimme des Ruhrpotts. Für die Dortmunder war er Schalker, für die Schalker Dortmunder.

Auch Fritz von Thurn und Taxis musste einiges über sich ergehen lassen, ehe er auf die alten Tage zum Kultreporter avancierte und #fritzlove ein viel beachteter Hashtag wurde. Auch Gerd Rubenbauer, Heribert Faßbender, Béla Réthy, Steffen Simon mochte bzw. mag man oder eben nicht. Es sind Reporter, die polarisieren. Das Gleiche gilt sicherlich auch für mich. Ich polarisiere. Je sais!

Dabei ist Polarisieren aus meiner Sicht nicht unbedingt etwas Negatives. Wer polarisiert, ist immerhin nicht austauschbar, nicht verwechselbar, schafft eine Marke. Wenn Reif, Hansch & Co. „on air“ sprachen, wusste jeder Hörer sofort, woran er war. Bunt ist besser als grau.

Meine jüngere Geschichte bei Sky beginnt 2017. Carsten Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung, und der leider inzwischen verstorbene Redaktionsleiter Burkhard Weber fragten mich (ich war bei Sport1 in Lohn und Brot), ob ich zurück zu Sky kommen wolle. Sie wollten mehr Emotionen in die Berichterstattung bringen. Ich zögerte nicht und sagte zu. Gleichzeitig kamen auch die Kollegen Frank Buschmann, der ganz gewiss für Emotionen und fürs Polarisieren steht, sowie Hansi Küpper und Newcomer Florian Schmidt-Sommerfeld zum Sender aus Unterföhring.

Einwurf

Jörg ist ein informierender und – das zeichnet ihn besonders aus – unterhaltender Kommentator. Ich mag seinen Stil. Er ist unverwechselbar und durch Okocha und Rehhagel für immer in den Geschichtsbüchern des deutschen TV-Journalismus verewigt.

(Carsten Schmidt, zwischen 1999 und 2015 Sportchef Sky und zwischen 2015 und 2019 Vorsitzender der Geschäftsführung Sky Deutschland GmbH)

Das war der Auftrag an mich von Schmidt und Weber. Sei verrückt, ermunterten sie mich, sei bekloppt, sei emotional, ecke ruhig mal an! Sei einfach so, wie wir dich schätzen. Ich erhielt einen gut dotierten Vertrag, wesentlich höher als der der meisten Kollegen. Das wusste ich damals nicht. Es war mir eh immer egal, was mein Nebenmann verdient. Da kenne ich keinen Neid. Jeder ist auf diesem Gebiet seines eigenen Glückes Schmied.

Sei bekloppt und verrückt: Okay, verstanden. Der Sender dachte sich wohl, wenn wir den Buschmann und den Dahlmann in der Sky-Konferenz zusammen auf die Menschheit loslassen, dann ist das doppelt verrückt. Oje, oje! Buschi kommentierte Wolfsburg gegen Dortmund und ich Mainz gegen Hannover. Am Samstag, 19. August 2017, 15:25 Uhr, ging die Konferenz auf Sendung. Buschi und Dahli waren berauscht vor Glück, in der heiligen Original-Sky-Konferenz, dem Klassiker aller Klassiker, zu kommentieren. Was zur Folge hatte, dass wir zusätzlich übertrieben. Andererseits war es die uns gemäße, etwas andere Art, Spiele zu kommentieren.

Erstes Shitstürmchen

Die Kollegen der Onlineredaktionen aber kannten keine Gnade, spitzten ihre Griffel und stampften ihre Texte in die Computer, bis Blut an ihren Fingerkuppen klebte. Sie hatten kaum ein gutes Wort für uns übrig, dafür viel Unverständnis, womit ich die netteste Umschreibung gewählt habe. Es war ein medialer Shitstorm, der über uns hinwegfegte. Wooosh!

Gut war, dass sowohl Weber als auch Schmidt gelassen reagierten. Ihr Feedback lautete sinngemäß: Macht euch nichts draus, das legt sich schon. Sie mussten uns natürlich verteidigen, sonst hätten sie sich ins eigene Fleisch geschnitten. Aber ich glaube, sie waren wirklich überzeugt von uns. „Jootes Jefühl“, wie der Rheinländer sagt. Ja, damals hatte Sky noch starke, charismatische Führungskräfte …

Frank Buschmann begegnete dem Shitstorm sowieso gelassen. Er hatte schon so seine Erfahrungen mit sozialen Medien gesammelt. Ich in dieser Form allerdings überhaupt noch nicht. Sport1 sendete ja weitestgehend unter dem öffentlichen Radar. Also trat ich die Flucht nach vorne an und äußerte mich öffentlich: Ich sei bestürzt über die Vehemenz der Reaktionen, nehme die Kritik durchaus ernst und gelobe, meinen Stil zu hinterfragen. Leere Worte, Herr Dahlmann, wie sich später rausstellen sollte.

Burkhard Weber, der mich wie gesagt stützte, ging es alsbald an den Kragen. Er wurde als Redaktionschef geschasst. Etliche meiner Kollegen waren froh, weil Burkhard sehr streng und aus ihrer Sicht auch verletzend sein konnte. Ich selbst kann das nicht bestätigen. Unser Verhältnis war stets von gegenseitiger Achtung geprägt.

Weber hatte, als ich 2017 zu Sky zurückkam, ein internes Problem: Es gab einen Reporteraufstand. Der Sender forderte immer mehr von uns: Livekommentare, hier eine Zusammenfassung, dort noch eine Zusammenfassung und am Ende eine weitere, längere Zusammenfassung. Die Mehrarbeit wurde selbstredend nicht honoriert, die Kollegen fühlten sich ausgebeutet und organisierten sich. Auch ich wurde gefragt, ob ich mich dem Protest anschließen wolle. Aber ich war ja gerade erst zurückgekehrt und bat – ebenso wie Hansi Küpper – um Verständnis, an der Soli-Aktion nicht teilzunehmen. Der Protest hatte freilich andere als die erhofften Auswirkungen. Geschätzte und verdiente Kollegen wie Michael Born, Klaus Veltman, Holger Pfandt, Ulli Potofski und Martin Groß hatten in der Folgesaison unter einigen Strafmaßnahmen zu leiden und wurden wie Schuljungen abgestraft.

Und dann passierte dies: Burkhard Weber, nach seiner Entlassung sehr enttäuscht, die seelischen Wunden waren noch frisch, ging eine Woche nach Beginn seiner Zwangsarbeitslosigkeit in Unterföhring zum Bäcker Kistenpfennig, um Brötchen zu holen bzw. Semmeln, wie man ja in Bayern sagt. Er verließ die Bäckerei, als ihm plötzlich schwindelig wurde und er sich auf eine Mauer setzen musste, wo er verharrte. Das Ganze endete im Krankenhaus, wo er geröntgt wurde. Die Horrordiagnose: tennisballgroßer Tumor im Kopf.

Es folgte eine Operation, bei der der Tumor entfernt wurde, anschließend eine Chemotherapie. Ich besuchte Burkhard in seiner Wohnung in Unterföhring. Menschen, die mir mal geholfen haben, vergesse ich nie. Burkhard sah sehr schlecht aus, die Haare waren ihm weitestgehend ausgefallen. Ein beklemmender Anblick. Aber noch hatte er Hoffnung. Er schimpfte über Sky, bezeichnete die Männer, die seine Arbeit interimsmäßig übernommen hatten, als unfähig. Vor allem seinem Nachfolger Mario Nauen traute er die Rolle nicht zu. Wie recht er haben sollte!

Scheinbar auf dem Weg der Besserung brach bei einer Nachuntersuchung eine neuerliche Hiobsbotschaft über ihn herein. Der Tumor war nachgewachsen. Schlimmer noch: Die Ärzte hielten ihn für nicht mehr operabel. Burkhard hatte bald kein Gefühl mehr in der gesamten linken Körperhälfte und war schließlich halbseitig gelähmt. Er, den ich als so taffen Menschen kannte, weinte, sprach mir gegenüber offen von Suizid. Ich versuchte ihn zu motivieren, weitere Ärzte zu konsultieren, zur Not in den USA, die sich möglicherweise an eine weitere OP wagen würden.

Er tat es nicht und zog in seine alte Heimat nach Köln zurück, wo er zusammen mit Ulli Potofski lange Zeit bei RTL gewirkt hatte, unter anderem für Anpfiff. Nur wenige Tage nach dem Umzug erreichte mich die traurige Nachricht, dass Burkhard verstorben sei. Eine bittere, tieftraurige Geschichte.

Der Anfang vom Abstieg

Mario Nauen wurde Redaktionsleiter. Das war – Pardon – der Untergang der Redaktion, na ja, zumindest deren Abstieg. Ein Mann ohne Charisma, vor allem ohne Führungsqualitäten. Er war nicht etwa böse oder gemein. Einfach nur unfähig, wenn ich das mal so behaupten darf. Eine Fehlbesetzung für einen so wichtigen Job in der Schaltzentrale des Senders.

Möglicherweise aufgrund von Zwängen (Scheinselbstständigkeit, Ansprüche auf Festanstellung etc.) wurden wir Reporter (fast alle sind wir freie Mitarbeiter) vom Redaktionsleben abgeschnitten. Es gipfelte darin, dass Freie nicht mal mehr den Kopierer benutzen durften.

Klingt komisch. Aber man muss ja nicht alles verstehen. Was viel schlimmer war: Es gab null Kontakt mehr zur Redaktionsleitung. Feedback ebenfalls nahezu null Komma null. Wir bekamen keine Infos über redaktionelle Pläne, über Sendungsinhalte, sondern wurden online über unsere Einsätze informiert, hatten diese zu erledigen und danach wieder zu verschwinden. Ob es gut war oder schlecht, oder irgendwas dazwischen – keinerlei Feedback. Ein redaktionelles Desaster. So etwas hatte ich in über 35 Jahren als Journalist nicht mal ansatzweise erlebt.

In vier Jahren gab es nur zwei- oder dreimal ein schriftliches Dossier. Manuel Baum, einst erfolgreicher Trainer in Augsburg und später weniger erfolgreich auf Schalke, hatte von Sky den Auftrag erhalten, alle Reporter zu bewerten. Er pickte sich ohne Vorwarnung einen Kommentar heraus, um ihn (meistens) zu zerpflücken. Das machte er mit der Arbeit der Kollegen, und mit meiner natürlich auch.

Diese Baum-Dossiers wanderten dann auch zu den Redaktionschefs, die sich das genüsslich durchlasen (vermutlich). Das Problem an den Baum’schen Beurteilungen: Sie waren in Fußballlehrerdeutsch geschrieben (abkippender Sechser, Spieler, die drei Meter höher standen als der Gegner, ballferne Zehner und dergleichen mehr). Ist ja alles okay. Für Trainer und Spieler. Aber wenn du als Reporter mit diesem Scheiß ankommst, tippt sich fast jeder Fußballfan an die Stirn, selbst wenn er dich eigentlich mögen sollte.

Was Manuel Baum völlig fehlte, war journalistisches Know-how. Und Feeling. Wann sage ich was und warum und wie? Zu einem Kommentar gehört nun einmal nicht nur Fußballlehrerfachwissen, sondern auch journalistisches und emotionales Feingefühl, das ihm völlig fremd schien. Ich glaube auch, dass diese fachliche Klugscheißerei der Grund seines Scheiterns auf Schalke (und auch am Ende in Augsburg) war. Dieses Ich-bin-so-klug-und-weiß-immer-alles-besser geht vielleicht mal kurzfristig, geht vielen aber – Baum wird diesen Ausdruck jetzt nicht verstehen – auf den Sack.

Warum hat Klopp so einen Erfolg? Er ist ein absoluter Fachmann wie Baum. Aber darüber hinaus hat er Fußballerdeutsch gelernt. Salopp formuliert: Klopp weiß zum Beispiel, was im Fußball Muschis (nicht sexuell gemeint) sind.

Womit wir wieder bei Mario Nauen wären. Wie gesagt, ich will ihm nichts Böses. Aber leider macht er einen Job, den er nicht kann. Als Redaktionsleiter musst du den Kontakt zu deinen Reportern halten. Aber Kommunikation ist leider nicht seine Stärke, obwohl Sky ja ein Kommunikationsunternehmen ist. Das sollte er später mehrfach beweisen.

Der Fall Mainz 05

In der jüngsten Sky-Zeit gab es, soweit ich richtig sehe, vier Fälle, in denen es zu Reibungen kam. Wobei der erste Fall, wenn ich mich recht erinnere, von der Sky-Redaktionsleitung unkommentiert blieb. Aber es gab Ärger mit einigen Fans von Mainz 05. Hintergrund: Bei einer Partie der Mainzer hatte ich gesagt, es würden mehr Spieler mit kongolesischen Wurzeln auf dem Platz stehen als Rheinland-Pfälzer. Damals machte ich erste Erfahrungen mit Rassismusvorwürfen.

Vorweg: Ich bin NULL Rassist. Ich verabscheue Rassismus. Das war einfach nur ein Fakt, dass mehr Spieler mit kongolesischen Wurzeln in der Startelf standen als Rheinland-Pfälzer. Schließlich ist es ja auch kein Rassismus, wenn man mitteilt, dass Energie Cottbus als erste Bundesligamannschaft ohne einen Deutschen spielte.

Aber beim Thema Rassismus und nationale Identität haben gerade wir Deutschen so unsere Probleme. Das ging sogar so weit, dass neulich eine Dame bei N24 forderte (ich hoffe, es war ein Fake-Video), dass man als Deutscher die schwarz-rot-goldenen Flaggen bei Länderspielen zu Hause lassen und mit einfarbigen Fahnen wedeln solle. Dadurch könne übertriebener Nationalismus eingedämmt werden.

Ich selbst bin nur halber Deutscher. Meine leider verstorbene Mutter stammte aus den Niederlanden, aus Nimwegen genauer gesagt. Ich war elf Jahre mit einer dunkelhäutigen Kubanerin liiert. Und ich habe an dem Projekt des deutsch-ghanaischen Journalisten Kwamena Obu Mensa Odum „Kein Platz für Rassismus“ als Botschafter teilgenommen. Und ich habe mich zusammen mit Ex-Profi George Mbwando (unter anderem Alemannia Aachen und FC Ingolstadt) für Projekte von Aids-Waisen in Simbabwe engagiert.

Aber der Vorwurf des Rassismus stand im Raum. Einige Hater im Mainzer sozialen Netz hatten mich auf dem Kieker. Unschön von der Pressesprecherin der Nullfünfer war, dass sie den Hatern in vorauseilendem Gehorsam recht gab. Sie traute sich einfach nicht, Schwachsinn aus dem Fanbereich die Stirn zu bieten. Na ja, das Thema erledigte sich dann irgendwann.

Der Fall Holstein Kiel

Holstein Kiel gegen VfL Bochum war eine in jeder Hinsicht bemerkenswerte Partie. Einerseits, weil es einen der kuriosesten Elfmeter in der Geschichte des deutschen Fußballs gab. Der Kieler Michael Eberwein, zuvor noch nie eingesetzt im Team der Schleswig-Holsteiner, wärmte sich hinter der Torauslinie auf. VfL-Stürmer Ganvoula schoss aufs Tor, aber circa acht Meter links vorbei. Eberwein sah das und stoppte den Ball, noch ehe dieser die Auslinie überschritten hatte. VAR Florian Heft informierte Schiedsrichter Timo Gerach darüber aus dem Kölner Keller. Gerach zog daraufhin Gelb für Eberwein und gab – obwohl der Schuss von Ganvoula weit am Tor vorbeiging – Elfmeter für VfL Bochum. Extrem kurios. Die Regel kannte kaum jemand, ich nicht und auch nicht Jugendnationaltrainer Christian Wück, der als Gast im Sky-Studio war. Aber darum ging es gar nicht bei der Beschwerde. Es ging darum, dass ich Hintergründe über die Trainersuche bei Holstein Kiel erzählt hatte. Ole Werner war zunächst als Interimstrainer für den gefeuerten André Schubert eingesetzt worden. Man wollte abwarten, wie Ole Werner – der parallel noch seinen Fußballlehrerschein in Bad Hennef machte – sich schlagen würde. Gleichzeitig verhandelte Kiel heimlich mit Markus Kauczinski, der zwar beim FC St. Pauli noch auf der Payroll stand, aber faktisch frei war. Doch diese Info aus topinformierter Quelle schmeckte dem Präsidenten Schneekloth natürlich nicht, schwächte sie doch Werners Position. Blöderweise saß nun Schneekloth in der Fernsehkommission, die für die Rechtevergabe zuständig war, und übte via „kurzer Dienstweg“ zu Sky Druck aus. Schneekloth beherrscht wirklich das Einmaleins der Hinter-dem-Rücken-Politik. Nicht mit dem Kritisierten sprechen, sondern direkt mit dem Vorgesetzten. Das liebe ich (Ironie!). Er ging also direkt meinen Chef Carsten Schmidt an und, ist doch klar, sagte ihm durch die Blume, dass solche Reportagen wie von mir die Aussichten, an neue Rechte zu kommen, nicht gerade verbessern würden.

Die Folge des kurzen Dienstwegs: Der Sky-Zweitliga-Chef Stefan Deckert beschwerte sich bei mir, das ginge so nicht, und – da er mir mangelnde journalistische Recherche nicht vorwerfen konnte – hielt mir vor, ich hätte Kiels Neumanager Uwe Stöver als „supersachlichen Aktentyp-Manager“ bezeichnet. Okay, das war wohl tatsächlich too much von mir. Aber auch kein Drama. Zudem meldete sich Redaktionsleiter Mario Nauen bei mir, was mir wie eine Fata Morgana vorkam. Schließlich hatten wir so gut wie nie Kontakt. Die erste richtige Kommunikation gab es jetzt. Dass ich mit dem Verärgern von Schneekloth den Kampf um die Bundesligarechte verschlechtern würde, trieb ihn dazu, mir mit einer Abmahnung zu drohen. Abmahnung? Abmahnung für einen freien Mitarbeiter? Ich weiß gar nicht, ob das rechtlich möglich ist. Aber gut: Es war eine miserable Vorstellung des Redaktionschefs. Eine typische „Luschi-Story“.

Ich versuche immer, mich bei Streitsituationen in die Lage des Gegenübers zu versetzen. Wie würde ich als Chef reagieren? Nun, ich würde Tacheles reden. Ich würde meinem Mitarbeiter reinen Wein einschenken. Schneekloth ist wichtig für Sky, weil er stimmberechtigt ist bei der Vergabe der für Sky lebenswichtigen Bundesligarechte. Und deswegen dürfe man ihn nicht verärgern.

Aber mit unabhängigem Journalismus hat das nichts mehr zu tun. Das ist Einschüchterung à la Bananenstaat. Schlimm. Aber leider die Realität.

Der Fall Sophia Thomalla

Den zweiten engeren Kontakt mit Nauen gab es nach dem Pokalspiel zwischen Union Berlin und dem Zweitligisten SC Paderborn. Ich kommentierte dieses Spiel für die Sky-Konferenz. Im Tor ließ Union-Trainer Urs Fischer statt des etatmäßigen Keepers Andreas Luthe erstmals in einem Pflichtspiel Loris Karius ran. Karius war nach den Erlebnissen mit dem FC Liverpool (unglückliches Finale in der Champions League gespielt und von vielen als Sündenbock für Liverpools Finalschlappe hingestellt) und in Istanbul nun in Berlin gelandet. Dort lebte auch seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Sophia Thomalla.

Ich erzählte die Geschichte von Karius und sagte sinngemäß, dass er sich das sicherlich anders vorgestellt hatte, als nur Ersatzkeeper bei Union zu sein. Aber immerhin: Wenn er nach Hause käme, wäre ja seine Liebste dort. Und dann den Satz: „Na ja, für eine Kuschelnacht mit Sophia Thomalla würde ich mich auch auf die Bank setzen.“

Ja, war so dahergeredet von mir. Dass dieser Satz mein Leben verändern sollte, war mir zu jenem Zeitpunkt nicht klar. Auch bei den Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen nach getaner Arbeit war der Satz kein Thema.

Erst am nächsten Morgen rief mich mein Kollege Wolff Fuss an: „Weißt du eigentlich, was bei Twitter abgeht? Du bist in der Top Ten der Twitter-Trends.“ In netter Gesellschaft mit Angela Merkel, Donald Trump und Jens Spahn. Aha.

Ganz ehrlich, ich wusste zu Beginn des Telefonats mit Wolff immer noch nicht, warum. Mein zweiter Gedanke war, das kann nichts Gutes bedeuten, weil bei Twitter seltenst Nettigkeiten ausgetauscht werden. Wolff erklärte es mir und sprach von einem unglaublichen Shitstorm. Die Twitter-Gemeinde hatte sich eingeschossen. Ich stand im Fadenkreuz der Moralapostel.

Es half nichts. Ich machte mich an die Arbeit und bereitete mich auf die Pokalpartie des Folgetages Mainz 05 gegen den VfL Bochum vor. Doch dazu sollte es nicht kommen. Der Pressesprecher von Union Berlin rief mich an und meinte, es sei ein sexistischer Spruch gewesen. Ich wies dies zurück. Und Loris Karius sei auch angefressen, meinte er. Okay ich nahm es zur Kenntnis und nahm mir vor, mich bei Loris zu entschuldigen. Ich checkte Twitter und sah, dass auch hier nun der Begriff Sexismus auftauchte.

Die Bild trat kräftig aufs Pedal und hetzte mir eine – sagen wir mal – emanzipierte Kollegin auf den Hals. Ich überlegte: Spreche ich mit ihr oder nicht. Es war klar, in welche Richtung es gehen würde. Ich entschloss mich, mit der Dame zu reden, um Schadensbegrenzung zu betreiben.

Sie schrieb von „Altherrenhumor“ und fauchte über mich ab. Der Vorwurf des Sexismus stand weiter im Raum. Altherrenhumor kann sein. Vielleicht ist der Spruch tatsächlich der eines alternden Mannes. Aber den Sexismus-Vorwurf hielt ich für überzogen. Wenige Tage später druckte übrigens die gleiche Zeitung ein Foto von Thomalla im Schnee und kommentierte das mit „Sophia, du heiße Schnecke“.

Das war ja hochinteressant. Ich schrieb der forschen Autorin und fragte sie, ob denn nicht die „heiße Schnecke“ viel sexistischer und auch abwertend für eine Frau sei? Ob die Bild-Redaktion da nicht im Glashaus säße, wenn sie mir Sexismus vorwerfe und eine gestandene Frau als „heiße Schnecke“ bezeichnete? Na, was glauben Sie, habe ich wohl eine Antwort von der Journalistin bekommen? Natürlich nicht. Ich habe von ihr nie wieder ein Sterbenswörtchen gehört.

Die Springer-Kolleg(inn)en haben in diesem Fall – wie ich finde – nicht fair gearbeitet. Wobei ich Bild generell in einem anderen Licht sehe als mancher Kritiker. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Fakten immer stimmen müssen und keinen Spielraum lassen. Die Redaktion achtet penibel darauf, wie ich in den Jahren, in denen ich für bild.de Onlineberichte kommentierte, erfahren durfte. Außerdem glaube ich, dass die Sportchefs Brügelmann, Straten und Draxler seriöse Journalisten sind, die versuchen, die Ware zwar boulevardesk, aber fair an die Leserschaft zu bringen. Da kann sich manch andere Zeitung ähnlicher Couleur eine Scheibe abschneiden. Von allen dreien habe ich eine hohe Meinung.

Zweierlei Maß

Sexismus und Medien, das ist ein weites Feld. Florian Eckl, ein Kollege von DAZN, sagte bei der Partie Barcelona gegen Huelva bei einer vergebenen Chance von Coutinho: „Es ist wie beim dritten Date. Beide wissen genau, es wird jetzt passieren. Nur, dass er hier den nicht reinhämmert.“ Auf Youtube kursiert der Kommentar als „Der beste Spruch, den ein Moderator je gebracht hat.“ Und Bild titelte: „So kam es zum Kult-Spruch des DAZN-Sprechers.“ Kult also! Ich überlege kurz, was wäre passiert, wenn ich den Spruch gemacht hätte?

Unterm Strich möchte ich behaupten, dass meine „Kuschelnacht“ aus meiner Sicht harmlos ist. Nicht vergleichbar mit sexuellen Anzüglichkeiten oder gar Übergriffen. Ich bin kein Harvey Weinstein. Dennoch drosch an diesem Tag die Empörergemeinde voll zu. Für manchen, dem mein Kommentatorenstil nicht gefällt, sicherlich eine wunderbare Gelegenheit, sich der Beschimpfungspolonaise anzuschließen. Twitter ratterte. Auch in der Redaktionsstube in Unterföhring.

Ich bekam einen Anruf von Sky. Mario Nauen, der Redaktionsleiter höchst persönlich, war am Apparat. Auf laut gestellt für die Mithörer, wer immer das war. Im verbalen Gepäck die Info, dass man mich aus dem heutigen Kommentar rausnehme. Es gab kein Gespräch, keine Erklärung, warum, wieso, weswegen, sondern ich wurde ohne Prozess zum Schafott geführt. Eine pädagogische Nullnummer der Führungskraft. Das löse man bitte geschickter.

Es gab eine vorbereitete Pressemitteilung, die mir nicht schmeichelte, die ich aber mündlich billigte. Bild schrieb süffisant „Sky spart sich Dahlmann“, die anderen Medien zogen nach. Ich stand am Pranger. Vor allem die klickgeilen Onlineplattformen tobten sich aus. Seltsam und eine neue Erfahrung, dass auch Onlineplattformen wie focus.de, welt.de, spiegel.de Bild in Sachen Boulevardjournalismus toppen können. Na ja, es zählen Klicks, denn die bringen das Geld. So läuft das Geschäft. Die Überschrift muss reißen. Und danach noch ein bisschen Müll hinterherkippen.

Aber dann geschah etwas, was mich fast noch mehr erstaunte. Nach der Empörungswelle kam eine zweite Welle. „Was soll denn daran Sexismus sein?“, hieß es, warum hat „Sky keine Eier in der Hose und stellt sich schützend vor Sie“?

Sophia Thomalla lachte sich schlapp

Das Lustigste war Sophia Thomalla selbst. Ich wollte mich bei ihr entschuldigen, falls der Spruch sie verletzt hätte, und nahm Kontakt zu ihr auf, zunächst über Instagram, später telefonierten wir. „Hi, hier ist Sophia“, begann sie das Gespräch und brach sofort das Eis. Sie habe den Spruch zunächst gar nicht mitbekommen und sich dann köstlich amüsiert. „Ich fand ihn lustig. Schließlich ist er ja sogar ein Kompliment für mich“, lachte sie. Ach ja, und das mit Loris solle ich nicht so ernst nehmen. Er rege sich nicht so sehr über den Spruch auf, sondern sei sauer darüber, dass er bei seiner ersten Partie für Union drei Tore kassiert und seine Mannschaft das Spiel verloren habe.

Später wurde Sophia Thomalla auch von Bild befragt und nannte die Diskussion um meinen Spruch „Kinderkacke“. Eine bemerkenswerte Frau, die sich gerne als Vamp inszeniert, nach dem Motto „Ich bin dir sowieso überlegen“. Sie erzählte mir von ihren eigenen Erfahrungen mit den sozialen Medien: „Ich bin doch die Queen of Shitstorms.“ Dabei lachte sie wieder. Die Empörergemeinde schien sie eher zu amüsieren.

Auch bei Loris entschuldigte ich mich persönlich. Wie seine Lebensgefährtin war er total cool. Er meinte lediglich, so etwas gehöre nicht in eine Fußballreportage. Ja, dieser Meinung kann man durchaus sein. Ich glaube, den Spruch an sich empfand er nicht als sehr schlimm. Er ärgerte sich eher, dass er bei Union kaum eine Chance bekam.

Einwurf

Moin,

man kennt mich aus Film, Funk und Fernsehen. Ich bin Schauspielerin, Moderatorin, Werbegesicht und Investorin und übrigens auch Feministin. Ich weiß, viele wollen mir das abstreiten – ist aber dennoch so. Auch kennt man mich dafür, auch mal Aussagen zu treffen bezüglich gesellschaftsrelevanter, politischer oder sozialer Themen, die polarisieren und nicht immer allen „geschmeckt“ haben. Und ich bin mir sicher: Vielen wird auch mein Beitrag hier nicht „schmecken“ …

Ich war mir anfangs nicht ganz sicher, ob ich dem Beitrag überhaupt zustimmen soll. Nicht weil ich nicht wusste, was ich schreiben soll. Sondern weil ich die Notwendigkeit zur Aufklärung bis heute nicht verstehe. 

Ich bin, wie man vielleicht weiß, begeisterter Fußballfan, habe mir auch das besagte Spiel, um das es geht (Union Berlin gegen SC Paderborn), angeschaut und muss ehrlicherweise zugeben, dass ich den Spruch über meine Person und meinen damaligen Partner gar nicht wirklich mitbekommen habe, weil ich mich ausschließlich auf das Eigentliche konzentriert hatte: den Sport.

Erfahren habe ich davon erst, als ich ungefähr tausendmal auf Twitter erwähnt wurde, dem Sprachrohr der Möchtegern-Intellektuellen. Mein Telefon glühte.

Jörg Dahlmann hatte gesagt: „… hat den Vorteil, dass er zu Hause kuscheln kann mit seiner Sophia Thomalla. Aber für so eine Kuschelnacht mit Sophia würde ich mich auch auf die Bank setzen.“ Hurra! Twitter-Deutschland hatte mal wieder etwas gefunden, an dem es sich ergötzen konnte. „Sexismus!“, schrie das Netz. Es gibt jemanden, den man stürzen kann? Da ist man sofort dabei. Hauptsache der eigene Tweet wird über hundertmal retweetet und zweihundertmal gelikt. Der Internet-Erfolg des frustrierten Mannes – fünf Minuten Fame (wenn überhaupt) und das war’s. Und wenn man ganz viel Glück hat, wird man in einem Onlinemagazin zitiert. Aber auch nur dann, wenn der Tweet besonders lustig oder herabwürdigend war … intellektuell verpackt natürlich. Um den eigentlichen „Vorwurf“ Sexismus ging es dann sehr schnell nicht mehr. Nur die gefühlt Letzte, die gefragt wurde, was sie davon hält, war ironischerweise ich.

Ich habe mir den Ausschnitt immer und immer wieder angeschaut und bis heute nicht begreifen können, warum diese Sätze Grund genug waren, Jörg Dahlmann von seinem Job zu befreien. Weil er jetzt gern mit mir gekuschelt hätte? Oder weil er privat mit beruflich vermischte? Oder wollte man ihn so oder so loswerden und hatte nur auf den entscheidenden Moment gewartet, ihn abzusägen? 

Alle drei Erklärungen sind für mich absurd.

Ich glaube, der eigentliche Grund war, dass sich der Arbeitgeber Sky von ein paar Twitter-Usern so unter Druck gesetzt gefühlt hat, dass sie die Reißleine zogen, um weiteren Negativkommentaren aus dem Weg zu gehen. Und Sky ist nicht der Ersten und Einzige, der sich der „Meinung“ beugt. Man wählt den Weg des geringsten Widerstands. Warum jemanden halten und Kritik für einige Tage ernten, aber zumindest Rückgrat zeigen, wenn man auch nach 30 Jahren Beschäftigungsverhältnis einfach so jemanden austauschen kann? Wie ich finde, eine sehr schwache Nummer von Sky.

Aber worum ging es denn nun wirklich? Ach so, was ich denn von dem Kommentar an sich halte, den Jörg Dahlmann über mich sagte. Nun, ich persönlich fühlte mich eher geschmeichelt, muss ich zugeben. Und das sage ich als Frau.

Ja, und da wären wir wieder bei der Thematik, die ich damals bei Hart aber fair schon ausdiskutieren konnte und für meine Meinung teilweise hart und nicht immer fair einstecken musste. Denn anscheinend kann man keiner Dame mehr ein (in diesem Fall auch noch von mir dankend angenommenes) Kompliment mehr machen, ohne dafür hart auf die Schnauze zu fallen. Der eigentliche Sexismus ist für mich, dass ständig Leute über meinen Kopf hinweg entscheiden wollen, was mir zu gefallen hat und was nicht. Als wäre ich nicht in der Lage, die Situation für mich selber einschätzen zu können, weil ich ja eine Frau bin und man mich angeblich beschützen muss. Und DAS ist der eigentliche Sexismus. Wenn mir was nicht passt, dann sage ich das auch, keine Sorge. Und dann auch so, dass sich so mancher gewünscht hätte, er könne die Zeit zurückdrehen und das Gesagte ungesagt machen.

Ich sage es hier deutlich noch einmal: Es war okay für mich!

Abschließend muss ich leider feststellen, dass es mittlerweile keine wirklich vernünftige Debattenkultur mehr gibt. Alles ist immer nur noch schwarz oder weiß. Alle werden für ihre Aussagen sofort und insbesondere online niedergemacht, an den Pranger gestellt und, wie hier geschehen, sogar aufgrund einiger Twitter-Kommentare vom Dienst suspendiert. Es geht immer mehr um Bestrafung, immer weniger um die eigentliche Aussage. Wenn man sich dann im Nachhinein öffentlich entschuldigt, falls etwas missverstanden wurde, dann bekommt man es doppelt und dreifach auf die Ohren. Denn die Leute spüren, dass ihre „Kritik“ etwas bewirkt. In den Menschen kommt das Gefühl der Macht auf, nur weil sie einen Internetzugang haben.

Auch Jörg Dahlmann hat sich zwei Tage später bei mir persönlich entschuldigt. Wir haben telefoniert. Es war mir unangenehm, dass ich eine Entschuldigung annehmen musste, für die ich keinen Anlass sah. Es war trotzdem eine nett gemeinte Geste. 

Beim nächsten Treffen gebe ich ihm ein Pils aus. Oder zehn. Ich bin emanzipiert. Ich kann das.

(Sophia Thomalla, Schauspielerin, Moderatorin, Model)

Zweite Welle „Pro Dahlmann“

Also: Erste Storm-Welle im Shit-Modus. Offensichtlich nutzten viele Zuschauer, die einfach meinen Reporterstil nicht mögen, die Gelegenheit zu motzen. Die zweite Welle schwappte vor allem über meinem Instagram-Account zusammen und war überwiegend positiv und #prodahlmann. Viele Beobachter knöpften sich vor allem den Sender vor, weil der sich den Hatern nicht entgegengestellt habe. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass dies Wochen später zu meinem endgültigen Aus führen würde.

Das Ergebnis des Kuschelspruchs war, dass die Redaktionsspitze nicht mehr hinter mir stand. Einer meiner Förderer, Carsten Schmidt, war inzwischen bei Hertha, der andere, Burkhard Weber, war gefeuert und anschließend verstorben. Und nun hatten die Spaßbefreiten das Sagen. Es gibt sie eben, die Sachlichen. Überspitzt formuliert: Lachen nicht erlaubt, Lächeln nicht erwünscht. Den Mund zu einem umgekehrten U geformt.

Schon einige Tage zuvor (VOR der Thomalla-Geschichte) hatte mir die Redaktionsleitung eröffnet, nach dem auslaufenden Vertrag im Sommer nicht mehr mit mir weiterarbeiten zu wollen. Argumentiert wurde mit dem Verlust an Rechten (kein Sonntag mehr, der Freitag war ohnehin schon nicht mehr bei Sky, keine Champions League am Dienstag mehr, keine Champions League am Mittwoch, die Europa League war ebenfalls weggefallen, zudem würde Sport1 das Topspiel der 2. Liga am Samstagabend übertragen). Wir waren zu viele Reporter. Am Ende der Saison trennte man sich auch noch von Holger Pfandt, Sven Haist und Tom Bayer. Auch Michael Born ging. Andere Kollegen wie Jonas Friedrich und Wolff Fuss fanden zusätzliche Jobs bei anderen Sendern. Auch eine Abgangswelle bei den Moderatoren gab es: Esther Sedlaczek und Jessica Castrop verließen den Sender ganz, Sebastian Hellmann teilweise.

Eiteitei-Journalismus

Ein weiterer Abgang ist typisch für Sky. Ecki Heuser wurde kein neuer Vertrag gegeben. Er war dem Sender zu unbequem. Immer wieder hatte es angeblich Beschwerden von Vereinen gegeben, dass er zu forsch fragen würde. Aber was heißt das schon? Er hakt nach. Er lässt sich nicht abspeisen. Er ist Journalist und kein Weichei. Klar, manchmal überzieht er auch. Wie beispielsweise im Interview mit Marco Reus, als er ihn in Sachen fehlender Mentalität löcherte. Aber unter dem Strich zeigt er klare Kante in einer Branche, die immer glattgebügelter wird. Stromlinienförmig. Weichgespült. Sky bevorzugt belanglose Eiteitei-Interviews. Hauptsache, nirgendwo anecken!

Zurück zur geplanten Trennung im Sommer: Diese war wie gesagt VOR der Thomalla-Story verkündet worden. So teilte ich es auf Nachfrage hin auch den Medien mit. Wider besseres Wissen mutmaßten dennoch viele von ihnen: Hat der Rauswurf mit dem Thomalla-Spruch zu tun? Tja, so geht Journalismus. Wo man früher davon sprach, dass Geschichten nicht „kaputtrecherchiert“ werden dürften, gilt heute: Egal, was er sagt, wir schreiben trotzdem, was wir wollen. Ist doch klar: Ein lasziv-provokantes Foto von Sophia Thomalla bringt mehr Klicks als mein Ü60-jähriger „Drömmelkopf“.

Was ich später erfahren habe: Wegen des Thomalla-Spruchs überlegten die Verantwortlichen damals, ob sie mich nicht sofort rauswerfen sollten. Ich wiederhole noch einmal: „Für eine Kuschelnacht mit Sophia würde ich mich auch auf die Bank setzen.“ Meine Güte, der Spruch ist geschmäcklerisch. Aber eine nicht tolerierbare Entgleisung? Es gibt immerhin auch solche (vor allem Fußballer), die den Spruch gelungen oder sogar ausgesprochen gut fanden.

Ich weiß genau, was die Berufs- und Hobby-Empörer jetzt denken: Ja, hat der denn nichts gelernt? Doch, habe ich. Vor allem, wie diese Moralapostel mit dem Wort Toleranz umgehen. Und mir ist jetzt klar, dass der ideologische Kampf um die Meinungsfreiheit inzwischen die Verwendung von Begriffen und Wörtern erfasst hat. Zu den angeblichen Skandalen um Sushi, Pizza, Quotenschwarzer, Vergasen werde ich später noch Stellung beziehen.

Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang einen Herrn, der mir über Xing mitteilte, er würde bei der Volkshochschule Kuschelkurse anbieten. Er fordere Menschen auf, sich auch durch Körperlichkeit zu zeigen, dass sie einander mögen. Er lud mich ein, einen solchen Kuschelkurs zu besuchen. Sophia Thomalla dürfe ich ebenfalls mitbringen. Großartige Idee! Und sehr lustig.

Es kommt regelmäßig vor, dass man als Kommentator kritisiert wird. Natürlich. Jeder Fan sieht das Spiel vor allem aus der Sicht seines Vereins. Und selbstverständlich ist die Kritik nicht immer unberechtigt. Ich versuche mich selbstkritisch mit meiner Arbeit auseinanderzusetzen. So zum Beispiel mit meiner Kommentatorenleistung nach der Partie zwischen dem Hamburger SV und dem SV Sandhausen. Weltstadt gegen Provinz. Aufstiegskandidat gegen Abstiegskandidat.

Sandhausen durchlitt eine Durststrecke, hatte mehrere Spiele hintereinander verloren und dabei auch schlecht gespielt. Es sprach alles für die Mannschaft von Daniel Thioune, dem damaligen Trainer des HSV. Doch auf dem Feld dann die große Überraschung: Sandhausen, das bereits in der Saison zuvor die Aufstiegsträume der Hamburger zerstört hatte, spielte erneut den Spielverderber. Ballbesitz, Torschüsse, gelungene Aktionen – bei allen statistischen Werten lagen die Underdogs aus der Kurpfalz vorne. Aber dann geht der HSV durch ein halbes Eigentor in Führung. Spiel auf den Kopf gestellt. Mein Kommentar: „Die eigentlich bessere Mannschaft liegt hinten.“ Nach der Pause ändert sich das Bild nicht: Powerplay von Sandhausen, wie ich es von dieser Mannschaft selten erlebt habe. Dem HSV gelingt fast nichts, aber er schießt ein zweites Tor (wieder ein halbes Eigentor der Sandhäuser). Die HSV-Fans sind megaerleichtert, aber ich – und das war ein Fehler – reite auf den Unzulänglichkeiten des Dinos rum. Am Ende gewinnt der HSV klar mit 4:0. Jetzt wäre die Effizienz der Hamburger zu loben gewesen, stattdessen lobe ich das couragierte Spiel der Sandhäuser.

Viele HSV-Fans reagierten über diese einseitige Perspektive verärgert. Verständlicherweise! Was tun? Verstecken, verkriechen? Nein. Ich ging in die Offensive, suchte via Instagram den Kontakt zu einer HSV-Fangruppe und bot ein Live-Streaming an. Das kam dann auch am gleichen Tag zustande, und es ergab sich ein toller direkter Austausch zwischen Reporter und Fanbasis. Ich gestand ein, dass ich einen schlechten Tag erwischt und das Spiel nicht objektiv genug bewertet hatte. Der überwiegende Teil der Zuhörer, so schien es mir, fand meine Entschuldigung gut.

Der Fall Sushi

Es war der 7. März, und es sollte mein letzter Arbeitstag bei Sky werden. Zweitligaspiel Erzgebirge Aue gegen Hannover. Ein ganz normales Spiel. Auf der rechten Außenbahn von 96 agiert der Japaner Sei Muroya. Er versucht einen Torschuss, scheitert jedoch. Und da sage ich den Satz, der mir zum Verhängnis wurde: „Es wäre das erste Tor für ihn in Deutschland gewesen. Das letzte hat er im Land der Sushis geschossen.“ Der Begriff „Land der Sushis“ als Synonym für Japan.

Alles in Ordnung, sollte man denken. Dass dieser Satz zu meiner Entlassung führen würde, war mir zu diesem Zeitpunkt in keiner Weise bewusst. Auch nach dem Spiel witterte ich noch kein Unheil.

Mein Kollege Frank Buschmann, der im Gegensatz zu mir auf Twitter unterwegs ist, berichtete später, es hätte an diesem Tag seitens der Twitter-Gemeinde einige wenige gegeben, die gemotzt hätten. Aber das war wohl im üblichen Rahmen gewesen, das normale Fett, das Reporter nach ihrer Arbeit abbekommen.

Am späten Abend, kurz vor dem Schlafengehen, schaute ich noch mal auf mein Handy, um bei bild.de die Nachrichten des Tages abzurufen, Merkel, Spahn, Trump … und – huch – MEIN Konterfei! Was war denn nun schon wieder los?

Überschrift: „Wegen Sushi-Spruch – wieder Fanärger für Sky-Reporter Dahlmann“. Es waren Kollegen aus der Hannover-Redaktion (Florian Krebs und Lars Beike), die diesen Artikel verfasst hatten. Es wurden Twitter-User zitiert: „Rassismus ist unerträglich“, „Widerlich“ „Sky, ihr müsst handeln“. Ich bin eigentlich pro Bild. Die Redaktion achtet meiner Beobachtung nach penibel auf Fakten. Aber in diesem Fall war der Bericht eindeutig tendenziös. Und letzten Endes ein Brandbeschleuniger für meinen Rauswurf.

Die Überschrift suggerierte, mit mir gebe es ständig „Ärger“, und die Autoren brachten mich mit Rassismus in Verbindung.

So geht unseriöser Boulevardjournalismus.

Und zum Begriff „Fanärger“: Sind ein paar Twitter-Hater DIE Fans? Ist das seriös, wenn man ein paar Negativlinge für alle Fans in die Überschrift nimmt? Da sich ja – wie sich später herausstellte – die meisten Fußballanhänger auf meine Seite schlugen, hätte es eigentlich „Fansupport für Dahlmann“ heißen müssen.

Hannover 96 unterstellte mir auf Nachfrage von Bild ausdrücklich KEINEN Rassismus (wobei ich mir von Seiten des Vereins noch deutlichere Worte gewünscht hätte; Trainer Kenan Kocak übrigens, mit dem ich sprach, ebenfalls).

Bild nutzte die Twitter-Windböe, das Böchen, um Sophia Thomalla verbal aus dem Gebüsch zu zerren und ein laszives Foto von ihr zu drucken. Nicht ich erzeuge Klicks, nicht Sky, nicht Sushi, nein, Sophia Thomalla ist es, die die Leute reizt, auf den Artikel zu gehen. Die Kombination „Sex“ (im weitesten Sinne) und „Fußball“ zieht allerbestens.

Die Hetzjagd war eröffnet. Ich hatte den Mechanismus schon einmal erwähnt: Bild gibt eine Story vor, die anderen schreiben ab. So war es hier wieder. Die Onlineplattformen schnupperten Klicks, wobei die „harmlosere“ Bild-Version noch einmal verschärft wurde.

tonight.de: „Neuer Shitstorm nach Sushi-Spruch“; Mopo: „Sky-Reporter sorgt mit Sushi-Spruch für Ärger“; rp-online.de: „Jörg Dahlmann erntet für Sushi-Spruch Shitstorm“; t-online.de: „Land der Sushis – Neuer Wirbel um Fußball-Kommentator Jörg Dahlmann“; express.de: „Sky: Jörg Dahlmann wird im Kommentar erneut Rassismus unterstellt“; sportbuzzer.de: „Land der Sushis. Rassismus-Vorwurf gegen Sky-Kommentator Dahlmann“; heute.at: „Sushi-Spruch von Sky-Reporter sorgt erneut für Ärger“; focus.de immerhin: „Jörg Dahlmann: Sky-Reporter wehrt sich gegen Rassismus-Vorwürfe“. Am schlimmsten von allen: Der Westen. Autor: ein gewisser Daniel Sobolewski. Überschrift: „Sky: Zuschauer können es nicht fassen! Jetzt laufen sie Sturm – es reicht!“

Im Text legte dieser Autor aus der Funke-Medien-Gruppe noch mal nach. Er schrieb: „Im Netz wurde Jörg Dahlmann Rassismus vorgeworfen und Sky aufgefordert, den langjährigen Kommentator sofort rauszuwerfen.“

Seine Vorstellung von fairem, ausgewogenem Journalismus sah so aus, dass er einige Twitter-Hater zitierte: „Der gehört entlassen. Ich fordere die fristlose Kündigung von Dahlmann. Es ist einfach nur ekelhaft. Ich könnte kotzen. Widerlich rassistisches Gelaber von Dahlmann.“

Weil aus dem Artikel von Sobolewski fast schon Blut tropfte (weswegen man ihn eigentlich nicht als einen solchen bezeichnen dürfte), schrieb ich dem Chefredakteur von Der Westen und seinem Stellvertreter und bat um Überprüfung. Glauben Sie, ich hätte eine Antwort erhalten?

Diese Art von Berichterstattung ist ekelhaft. Das sind Leute, die unseren Beruf zerstören.

Japaner(innen) stolz auf Sushi

Die Angriffe standen im Raum, und Bild konnte sich nun wieder von der guten Seite zeigen. Ich glaube, dass sich Matthias Brügelmann, Alfred Draxler und Walter Straten persönlich für mich einsetzten. Unter der Überschrift „Dahlmann attackiert Sky“ veröffentlichten sie meine Argumente und gaben mir Gelegenheit, mich öffentlich zu äußern.

„Es geht hier nicht darum, ob man mich mag als Reporter oder nicht mag, es geht hier um einen schlimmen Vorwurf. Habt bitte Verständnis, dass da die Emotionen bei mir hochkochen und ich auch von Sky enttäuscht bin.“ Ich erklärte: „Dass sich manch einer dem Diktat dieser (Twitter-)Hater beugt, macht mich sehr traurig. Es ist ein Sieg der ‚sozialen Hater‘ über den freien Journalismus. Die Trennung ist nicht okay und nicht fair.“

Zahlreiche Japanerinnen und Japaner meldeten sich bei mir.

taikaisebastianhirose schrieb: „Japan ist das Land des Sushi. Wir sehen nicht, was an Ihrer Aussage falsch ist. Die Japaner lachen über Leute, die sich aufregen. Ich freue mich, dass Sie japanisches Essen lieben und es als Synonym für Japan verwenden.“

Aya1000rr: „Sushi ist der ganze Stolz der Japaner. Es ist definitiv das Land des Sushi. Dies ist keine Diskriminierung.“

Yukikohmm: „Als Japanerin habe ich gar kein Problem, was Sie gesagt haben. Ich komme aus dem Land des Sushis.“

Shintaroooogram: „I am also Japanese. I agree with this comment.“

Fuyumi.matsumoto: „I cannot find any problem to say ‚land der sushi’. Most of my friends think so too.“

Je_mappele_bond: „Die Vorwürfe sind einfach schwachsinnig.“

siasia1214: „Japan ist das Land der Sushi. Das ist ein Kompliment für Japaner.“

mmff5m: „Ich bin Japaner. Japan ist ein Sushi-Land.“

Robertnotwanakno: „Lieber Herr Dahlmann, wer in ‚Land der Sushis‘ Rassismus statt einer liebevoll gemeinten Hommage an ein Land anhand eines kulinarischen Merkmals sieht, ist einfach nur dumm.“

Dies nur ein Auszug. Die Sky-Geschäftsführung und Redaktionsleitung, Charly Classen und Mario Nauen, interessierten sich indes nicht dafür, was Japanerinnen und Japaner denken. Sie unterstützen mich in keiner Weise. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, die Situation zu entschärfen. Aber das Gegenteil geschah: Nauen rief mich an, um mich zu feuern. Rumms, weg! Die Reaktion war ein Totalversagen von Sky.

Der erbärmliche Rauswurf

Ich fragte Nauen nach seiner Meinung, ob der Ausdruck rassistisch sei. Aber er wich aus. Ein Luschi, wie er im Buche steht, wenn Sie mich fragen. Wenn er wenigstens jetzt mal – wie Oli Kahn sagen würde – Eier gezeigt hätte. Hat er aber nicht. Für einen Redaktionschef eine erbärmliche Vorstellung.

Das Oberdreiste: Gemeinsam mit Kommunikations-Boss Dirk Böhm versuchte Nauen, mich zu einer „gemeinsamen Presseerklärung“ zu überreden. Sky stehe für Diversität und Vielfalt, dagegen hätte ich verstoßen. Mit anderen Worten: Ich sollte indirekt bestätigen, dass der Spruch rassistisch sei. Eine Frechheit, eine bodenlose Unverschämtheit. Mein Anwalt Christoph Schickhardt betonte, dass ihm Ähnliches nie zuvor untergekommen sei.

Charly Classen, Executive Vice President Sports, ich nenne ihn mal Sportchef, gab ebenfalls eine traurige Figur ab, verpasste die Chance, die Entscheidung, mich zu feuern, zu revidieren. Wegen eines Harmlosspruchs. Auch war er dafür verantwortlich, was an Fehlinterpretationen durchrutschte. Und er ist verantwortlich für den Redaktionschef, von dem ich – ich denke, das geht aus den Zeilen mehr als deutlich hervor – keine hohe Meinung habe. Eine Jungfrau ist da zum Kinde gekommen. Aber der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf. Das muss auch Charly Classen wissen.

Jetzt wird es kurios. Schlaumeier hatten herausgefunden und dies im Netz verbreitet, dass, wenn ich Land DES Sushis gesagt hätte, alles gut gewesen wäre. Mit Land DER Sushis könnten indes die japanischen Menschen gemeint sein.

Aha. Ja, das stimmt sogar. Aber DER Sushis ist eben auch der Plural für die Köstlichkeiten. Der Duden verrät: Genitiv Singular DES Sushis und Genitiv Plural DER Sushis. Dass behauptet wird, ich hätte die Japaner herabgewürdigt, indem ich sie als Sushis tituliert habe, ist schlichtweg eine bösartige Unterstellung.

Man komme mir nicht mit dem moralischen Zeigefinger, ich hätte auf die Sprachfeinheiten achten müssen. Wenn ich live kommentiere, gehe ich nicht alle Bedeutungsmöglichkeiten durch. Es war für mich schlicht und einfach ein Synonym für Japan. Man kann sich gerne mit Vorurteilen und Rassismus auseinandersetzen und sollte dies auch unbedingt tun; man kann meinen Fall aber auch zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, was die Empörer dazu treibt, sich zu Moralaposteln aufzuschwingen und ob dies nicht vom Kern der Sache eher ablenkt.

Eltons Video ging durch die Decke

Moderator Elton meldete sich mit einem Video auf Instagram zu Wort, indem er in eben diesem Sinne kommentierte: „Moin, Moin. So, jetzt muss ich doch noch mal was sagen. Und zwar beschäftigt mich doch tierisch etwas, denn ich bin auch Moderator – so eine Art zumindest –, und der Rauswurf von Jörg Dahlmann bei Sky hat mich dann doch etwas beschäftigt. Ich finde es echt sehr, sehr fragwürdig, warum der Mann wegen des Ausdrucks ‚Japan – Land des Sushis‘ rausgeschmissen wird. Gut, man mag ihn oder mag ihn nicht. Seine Art, wie er kommentiert, ist manchmal etwas flapsig, bisschen frech, aber es ist auch etwas anders. Der Buschmann kommentiert manchmal etwas lautstark, die anderen sind halt langweilig und deswegen finde ich das eine Frechheit. Was darf man denn sonst nicht sagen? Frankreich – Land von Baguette und Croissants, Italien – Land der Pizza und der Spaghetti … Er hat ja nicht gesagt ‚Spaghettifresser‘ bzw. ‚Reisfresser‘, ‚Schlitzaugen‘.“

Eltons Video wurde gepostet bei Bild. Für mich war es so was wie ein Sechser im Lotto plus Zusatzzahl, wie ihn Lottofee Franziska Reichenbacher samstags im Ersten nicht süßer hätte verbreiten können. Über 96 000 Menschen sahen sich Eltons Video allein auf seinem Account bei Instagram an, zusätzlich Hunderttausende bei Bild, Express oder anderen Medien, die nun nachzogen. Eine Welle der Zustimmung schwappte übers Land. Selbst Barbara Schöneberger und – lustigerweise – Sophia Thomalla bekundeten ihr Unverständnis über Sky.

Widerstand aus der Redaktion

Montags gab es eine Redaktionssitzung. Die Bosse wollten den Rauswurf rechtfertigen und danach am liebsten zur Tagesordnung übergehen. Aber – und da ziehe ich alle Hüte vor meinen Kollegen – einige standen auf und geigten den Verantwortlichen die Meinung. Wolff Fuss, Kai Dittmann, Patrick Wasserziehr, Frank Dammann, Michael Florian, Florian Schmidt-Sommerfeld, Frank Buschmann – sie und einige andere protestierten gegen die Entscheidung. Ich führte bemerkenswerte Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen wie Esther Sedlaczek und Martin Groß. Aus Singapur bekam ich einen Anruf von Topmanager Utz Claassen, aus Peru von Ex-Premiere-Produktionschef Holger Timmreck. Der von mir sehr geschätzte CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, der bekannt ist für seine basisnahe Denkweise, war auf meiner Seite: „Unmöglich von Sky.“

Sport-Bild-Redakteur Steven Jörgensen befragte kurze Zeit später die Kollegen Marcel Reif, Béla Réthy, Marco Hagemann und Tom Bartels. Alle vier stärkten mir den Rücken. Fantastische Reaktion. Reif: „Für mich ist das absurd. Ich verstehe nicht, dass sich ein Sender so treiben lässt.“ Auch Florian König von RTL meldete sich. Obwohl ich wenige Berührungspunkte mit ihm habe, wollte er seinem Unmut über die Entscheidung Luft verschaffen.

Jetzt stand Sky im Abseits. Der Sender wollte mich vorführen, mich öffentlich an die Löwen verfüttern, und nun kam seine Fehlentscheidung als Bumerang zurück. Und wie reagierte man? Ähnlich, wie es Angela Merkel im Frühjahr gemacht hat: Aussitzen, nur keinen Fehler zugeben, bloß nicht sich selbst reflektieren.

Und wer aus der Führungsetage übernimmt die Verantwortung, dass auf der eigenen Internetseite vom „Sushi-Bomber“ die Rede ist? Elton hatte aufgedeckt, dass bei den Derby-Highlights zum Durchklicken Shinji Kagawa als „Der Sushi-Bomber“ bezeichnet wird. Aber dazu gab es von Sky keine Stellungnahme. Natürlich nicht. Fehler machen, schweigen, aussitzen.

Warum verlieren Leute in Führungspositionen regelmäßig ihren Anstand? Für mich ist es null Problemo, Fehler zuzugeben. Aber je höher die Etage des Büros, desto schwieriger, mal einen Bock einzugestehen. Nicht einmal der Hauch einer Entschuldigung kam im Nachklang.

BamS-Interview ärgerte Sky

Die Geschichte geht noch weiter. Bild am Sonntag-Reporterin Lisa de Ruiter bat mich um ein Interview. Man hatte eine Doppelseite Ende Juli 2021 dafür vorgesehen. Das Interview war ausgesprochen fair. In diesem Interview nannte ich Ross und Reiter bei Sky, erhob den Vorwurf, dass das Management „allerfeinstes Mobbing“ mit mir betrieben hätte, dass es „traurig und unprofessionell“ gehandelt hätte, als es sich von Twitter-Hatern leiten ließ.

Die Antwort von Sky ließ nicht lange warten. Gegenüber dpa teilte der Sender mit: „Die wiederholten Äußerungen von Jörg Dahlmann entsprechen nicht den Tatsachen und sind als klar diffamierend einzustufen. Ganz entschieden weisen wir den Vorwurf des Mobbings zurück sowie dass Sky Jörg Dahlmann jemals mit Rassismus in Verbindung gebracht habe.“

Diffamierend? Aha! Durfte ich nicht sagen, dass die Führungsriege seit dem Ausscheiden von Carsten Schmidt meiner Ansicht nach schlechte Arbeit leistete? Ist das schon diffamierend?

Was ich nicht verstehe: Warum erkundigen sich die Sky-Macher nicht selbst bei Japanerinnen und Japanern, wie diese den Ausdruck bewerten? Die Meinung der Ostasiaten würde den Leuten in der Redaktionsspitze eben nicht in die Karten spielen. Also machen sie es in Unterföhring wie die berühmten Affen: Ohren zu, Augen zu.

Ferner hieß es in der Pressemitteilung von Sky: „In der Vergangenheit haben zahlreiche Gespräche zwischen Sky und Jörg Dahlmann stattgefunden, die einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sprache zum Thema hatten. Jörg Dahlmann, der regelmäßig vor einem Millionenpublikum kommentierte, hat leider kein Bewusstsein dafür gezeigt, dass er als Multiplikator eine entsprechende Verantwortung trägt. So hat sich Sky nach dem letzten Vorfall übereinstimmend klar dazu entschieden, den bereits auslaufenden Vertrag mit sofortiger Wirkung zu beenden.“

So, so. Der Begriff „Land der Sushis“ war also ein Vorfall? Hallo? Nichts dazugelernt, Sky? Und dass mit mir zahlreiche Gespräche über den verantwortungsvollen Umgang mit der Sprache geführt wurden, ist eine maßlose Übertreibung. Ganze zweimal gab es ein Gespräch, in dem ich die Wichtigkeit der Sprache natürlich nicht geleugnet habe (da lügt Sky): Nach dem Fall „Kiel“ zum ersten Mal, nach dem Fall „Thomalla“ zum zweiten und letzten Mal. Sonst gab es keine Gespräche. In fast vier Jahren. Da hat der ein oder andere Kollege sicherlich eine höhere Trefferquote. Das ist also absoluter Mumpitz. Aber wenn Fakten nicht mehr helfen, müssen ein paar Fantasien unterstützend zur Seite stehen.

In einem Gastbeitrag für den Focus meinte CDU-Politiker Wolfgang Bosbach: „In Deutschland kann jeder sagen, was er möchte. Aber trauen wir uns das überhaupt noch?“ Und er stellt (auch in Richtung Sky) die Frage: „Muss man jeden gleich öffentlich fertigmachen?“ Neben dem „Fall Dahlmann“ nennt er auch das Beispiel der RTL-Moderatorin Katja Burkard. Sie bezeichnete die vielen Umzüge einer Frau als „Zigeunerleben“. Das hat der Nichtrassistin von Seiten vieler Hatern trotz ihrer öffentlichen Entschuldigung Riesenprobleme bereitet. Bosbach schreibt ferner über den Begriff „alte weiße Männer“ und fragt, was passieren würde, wenn man von „jungen schwarzen Frauen“ spräche, um schließlich jede dieser abwegigen Kategorisierungen zu verurteilen.

Was mich an der Sache besonders ärgert: Es bleibt immer etwas hängen. Wenn ein potenzieller Arbeitgeber über mich nachdenkt, wird zwangsläufig die Frage auftauchen: „War da nicht mal irgendwas mit Rassismus?“ Kurz gegoogelt, und tatsächlich … Dass ich ein Opfer von Sky-Dilettanten war, steht da nicht. Ach ja, und noch etwas enttäuscht mich. Ich bin seit Jahrzehnten im Verband Deutscher Sportjournalisten. Ich hatte meinen Regionalverband gebeten, aus seiner Sicht Stellung zu beziehen. Leider keine Antwort. Keine Hilfe.

VOM DJ ZUM HARRY HIRSCH – JOURNALISTISCHE ANFÄNGE

Ein Kreuzworträtsel. Es begann mit einem Kreuzworträtsel. Meine erste journalistische Arbeit. Was bitte schön ist daran journalistisch, wird sich manch einer fragen. Vermutlich auch zu Recht. Journalismus ist ein nicht geschützter, sehr dehnbarer Begriff. Ich lege ihn an dieser Stelle sehr weit aus und bezeichne das Kreuzworträtsel einfach als den Anfang meiner journalistischen Tätigkeit.

Schon vorher hätte ich gerne etwas geschrieben. Für die Schülerzeitung des Ratsgymnasiums in Gladbeck. Aber ich traute mich nicht. Mangelndes Selbstbewusstsein, gepaart mit einer Portion Scham. Also musste ein Kreuzworträtsel her. Ich war vielleicht 15 Jahre alt, als ich das Rätsel entwickelte. Veröffentlicht wurde es in den Lamberti-Nachrichten.

Nun findet man die Lamberti-Nachrichten nicht zwischen der WAZ oder den Ruhr-Nachrichten. So hieß die Pfarrzeitung der katholischen Gemeinde St. Lamberti im Zentrum von Gladbeck. Gladbeck, das später traurige Berühmtheit als Tatort eines der schlimmsten Geiseldramen der deutschen Geschichte erlangen sollte (bei den Namen Degowski und Rösner dürften bei vielen noch heute die Alarmglocken klingen). Die Artikel der Lamberti-Nachrichten wurden auf eine Matrix geschrieben, abgezogen, händisch Seite für Seite zusammengefügt und am Ende oben links getackert. Für 50 Pfennig konnte man sie am Wochenende nach den Messen erwerben.

Chefredakteur war mein Freund und Mitschüler Thomas Felder, der sich vorzugsweise mit geschichtlichen und politischen Themen befasste. Andere Mitarbeiter behandelten kirchliche Themen. Aber das war alles nicht mein Ding.

Mein Ding war Sport! Vorzugsweise die Ballsportarten wie Basketball, Handball, Fußball. Ich selbst hatte bei Preußen Gladbeck auf dem Ascheplatz mittrainiert, fand aber mehr Gefallen an Basketball. Vor allem im Winter war es angenehmer, indoor zu spielen, als sich draußen den Hintern abzufrieren.

Zwischen Pfarrteam und Straßenkicks

Dennoch gründete ich selbst eine Fußballmannschaft, und zwar in der Pfarrei. Fast alle katholischen Pfarreien hatten Auswahlmannschaften, die dann untereinander auf Stadtebene gegeneinander antraten. In unserer Mannschaft war ich Kapitän, wie auch in der Klassenmannschaft. Ich spielte in der Schulmannschaft sowie in einer Straßenmannschaft. Querstraße und Hermannstraße in Gladbeck-City hatten ein schlagkräftiges Team zusammen.

Meine Position war die des zentralen Stürmers. Ausgereifte Technik war für mich ein Fremdwort, auch Schnelligkeit fehlte mir. Dribbeln konnte ich auch nicht. Ich war indes früh ein begeisterter Anhänger des One-Touch-Fußballs (den Begriff gab es damals natürlich noch nicht). Wobei der One-Touch eher ein Zwang war. Ich sah lieber zu, dass der Ball schnell wieder verschwand.

In der Straßenmannschaft spielten wir mal auf Asche, mal mit einem Tennisball auf kleine Tore auf dem Schulhof des Ratsgymnasiums, aber am liebsten auf Rasen. Wir hatten einen Platz im nahen Nordpark ausgewählt, wo Jacken und Pullover als Pfosten dienten. Das Problem: Die seitliche Abgrenzung zu einer Seite war ein Teich. Und so landete das Leder – und daraus war der Ball damals wirklich noch – oft im Wasser. Wir haben mehr gefischt als Fußball gespielt. Mit Stöcken und Ästen versuchten wir, das Objekt unserer Begierde wieder auf den Rasen zu bringen. Manchmal mussten uns Touristen in den Ruderbooten helfen. Oder auch der Wind.

Die Bildung der Mannschaften verlief immer gleich. Die beiden Besten hießen Wegmann und Wegmann. Bernd, der Ältere, genannt „Fuchs“, und Klaus, der Wendigere, nur einfallslos Klausi genannt. Die beiden Brüder waren immer die Kapitäne. Per Tip-Top, so nannten wir es, wurde gewählt. Aus einer gewissen Entfernung ging man Fuß für Fuß aufeinander zu. Wer als Letztes seinen Fuß in die Lücke stellen konnte, durfte mit der Wahl der Mitspieler im ABBA-Verfahren beginnen. Klar, dass der mit dem kleineren Fuß (also Klaus) Vorteile besaß. Aber das hinterfragten wir nicht.