Immortal with your love - Sara Hill - E-Book
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Immortal with your love E-Book

Сара Хилл

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Beschreibung

Ein gefallener Vampir. Eine Frau mit einem gefährlichen Geheimnis. Und ein Verlangen, das stärker ist als jede Vernunft.

Er sollte sie nur entführen. Doch als Ricardo, gefürchteter Vampir und rechte Hand eines dunklen Imperiums, die Ärztin Sam in seiner Gewalt hat, bricht er alle Regeln und trifft eine folgenschwere Entscheidung. Er verschleppt sie an einen Ort, den nicht einmal seine engste Vertraute kennt. Denn Sam könnte der Schlüssel zu einem Wissen sein, der das Schicksal eines jeden Vampirs verändern wird: Wie schafft es Ricardos Erzfeind und uralter Vampir Tonio dem Tod durch Sonnenlicht zu entgehen?

Während Sam sich weigert, ihm das zu geben, was er will, gerät Ricardo selbst in ein anderes, gefährlicheres Spiel: das seiner eigenen Gefühle. Warum lässt ihn diese Frau nicht los? Warum beginnt sein totes Herz ausgerechnet in ihrer Nähe wieder zu schlagen?

Unfassbar fesselnd und unglaublich spicy: Band 3 der neuen Dark-Romantasy-Reihe von Sara Hill.

Bitte beachte: Die Bücher dieser Reihe enthalten explizite Darstellungen von Gewalt und Sex.

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Seitenzahl: 433

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Grußwort des Verlags

Über dieses Buch

Titel

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Über die Autorin

Weitere Titel der Autorin

Impressum

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Über dieses Buch

Ein gefallener Vampir. Eine Frau mit einem Geheimnis. Und ein Verlangen, das stärker ist als jede Vernunft.

Er sollte sie nur entführen. Doch als Ricardo, gefürchteter Vampir und rechte Hand eines dunklen Imperiums, die Ärztin Sam in seiner Gewalt hat, bricht er alle Regeln und trifft eine folgenschwere Entscheidung. Er verschleppt sie an einen Ort, den nicht einmal seine engste Vertraute kennt. Denn Sam könnte der Schlüssel zu einem Wissen sein, der das Schicksal eines jeden Vampirs verändern wird: Wie schafft es Ricardos Erzfeind und uralter Vampir Tonio dem Tod durch Sonnenlicht zu entgehen?

Während Sam sich weigert, ihm das zu geben, was er will, gerät Ricardo selbst in ein anderes, gefährlicheres Spiel: das seiner eigenen Gefühle. Warum lässt ihn diese Frau nicht los? Warum beginnt sein totes Herz ausgerechnet in ihrer Nähe wieder zu schlagen?

Unfassbar fesselnd und unglaublich spicy: Band 3 der neuen Dark-Romantasy-Reihe von Sara Hill.

Bitte beachte: Die Bücher dieser Reihe enthalten explizite Darstellungen von Gewalt und Sex.

SARA HILL

IMMORTALWITH YOURLOVE

Prolog

Genua 1573

»Dein Fieber ist noch schlimmer geworden.« Ricardo kniete neben dem ärmlichen Lager seiner schlafenden Schwester auf dem festgetretenen Lehmboden und strich ihr die dunklen Strähnen von der schweißnassen Stirn.

Wenigstens hatte er sie dazu bringen können, etwas zu essen. Das gab ihr vielleicht ein wenig Kraft. Um ihn herum hustete und stöhnte es. Der süße Geruch von Fäulnis lag in der Luft, erschwerte das Atmen. Auch einige der anderen, die mit ihnen in diesem Keller hausten, waren krank. Viele schliefen in zu Hängematten umfunktionierten Säcken, die Ärmsten unter ihnen mussten mit den Lagern auf dem Boden vorliebnehmen. Der gierige Vermieter hatte so viele Menschen, wie es ging, hier hineingestopft. Durch winzige Öffnungen drang gerade so viel Mondlicht in den Raum, dass man mehr schlecht als recht etwas erkennen konnte.

Verflucht, Amara musste aus diesem verdammten Loch raus, aber es war die einzige Unterkunft, für die Ricardo Geld aufbringen konnte, und das gelang ihm mehr schlecht als recht, denn er war bereits seit Wochen im Verzug. Er gab fast alles Geld, das er einnahm, für Amaras Medizin aus. Sie zitterte wie ein neugeborenes Kätzchen, doch mehr Decken als das mottenzerfressene Laken und seinen Umhang besaß er nicht. Es gab auch keine Möglichkeit, den Keller zu beheizen. Selbst wenn es diese gäbe, könnte sich niemand hier das Holz leisten.

»Ich denke, du solltest dich langsam von ihr verabschieden, denn sie wird nicht mehr lange auf dieser Erde weilen, mein Freund. Wahrscheinlich ist es für sie besser so.« Giovanni legte tröstend eine Hand auf Ricardos Schulter.

»Hätte ich sie nur nicht dazu überredet, nach dem Tod unserer Eltern mit mir in diese Stadt zu gehen«, erwiderte er, ohne den alten Mann anzusehen. Zärtlich fuhr er mit den Fingerspitzen über Amaras heiße Wange. Sie glühte förmlich.

Verflucht, er musste etwas tun.

»Nein, noch gebe ich nicht auf. Sie ist jung, sie kann es überstehen.« Ricardo sah zu seiner Schwester. »Meine süße Kleine, ich muss dich für eine Weile allein lassen«, sagte er rau, zog seinen Umhang, den er über das Laken gelegt hatte, bis zu ihrem Kinn, und erhob sich. Ihm mussten die Wolltunika und die Beinlinge reichen. Er sah zu Giovanni, dessen wettergegerbtes Gesicht davon zeugte, dass er einst zur See gefahren war. Doch nun, alt und schwach, konnte er die schwere Arbeit auf Schiffen nicht mehr verrichten und war dazu gezwungen, mit Betteln seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

»Gib auf sie acht.« Ricardo blickte in Giovannis lichtblaue Augen.

»Du weißt, ich werde sie hüten, als wäre sie mein eigen Fleisch und Blut«, erwiderte der Mann, und Ricardo nickte.

Auch wenn sich hier unten im Höllenloch jeder selbst der Nächste war und die anderen, sobald jemand starb, die Leiche fledderten, wusste er, dass er sich auf Giovanni verlassen konnte.

Er überprüfte den Dolch, der an seinem Gürtel hing. In dieser schäbigen Gegend musste man sich jederzeit verteidigen können. Ricardo nahm die steinernen Stufen, die zu Tür führten. Als er den Keller verließ, stieß er gegen einen Leib.

»Da bist du ja. Ich wollte gerade zu dir.« Der feiste Vermieter packte ihn mit beiden Pranken unsanft am Kragen. »Wo ist mein Geld, ich hab gesehen, wie du mit Essen zurückgekehrt bist?«, schrie er. Im Schein, der aus dem Fenster über ihnen zur Straße drang, leuchtete sein Gesicht so rot wie ein Hahnenkamm.

»Herr, ich bin gerade unterwegs, um meinen Lohn zu holen. Gebt mir etwas Zeit. Morgen früh werde ich Euch bezahlen«, erwiderte Ricardo. Sein Herz hämmerte bis zum Hals. Wenn er jetzt mit Amara auf der Straße landete, war dies ihr Todesurteil.

Der Mann gab ihn frei. »Nun gut, ich bin kein Unmensch. Doch wenn ich mein Geld morgen früh nicht erhalte, dann werfe ich euch beide raus.« Er nahm die Stufen, die zur Tür über dem Keller führten.

Ricardo blickte ihm hinterher, bis er im Haus verschwunden war, dann machte er sich auf den Weg. Ein Regentropfen traf Ricardos Wange. Schwarze Wolken krochen über die Stadt, verdeckten den vollen Mond, und es wurde zu dieser späten Stunde noch düsterer, als es die Nacht eh schon mit sich brachte. Regen fehlte ihm noch.

Ein weiterer Tropfen landete auf seiner Nase, während er der Gasse folgte und in eine breitere Straße gelangte. Es roch nach Fäkalien, die der Regen in einen schlammigen Brei verwandeln würde. Die hohen Häuser schmiegten sich eng zusammen, als würden sie sich gegenseitig festhalten wollen.

Ein Blitz erhellte den Platz, den Ricardo in diesem Moment betrat. Er steuerte die Apotheke an, Donnergrollen begleitete ihn. An der mit Schnitzereien verzierten Tür angekommen, klopfte er, doch es tat sich nichts. Daher hämmerte er energischer gegen das Holz, die Tür wurde entriegelt und aufgerissen.

»Was ist?«, blaffte der Apotheker, der ein Nachtgewand trug, während die Tropfendichte zunahm und Ricardos lange Strähnen sich langsam mit Wasser vollsogen.

»Herr, ich brauche dringend das Mittel gegen Fieber für meine Schwester«, bettelte Ricardo. Normalerweise war er trotz seiner Armut ein stolzer Mann, doch für seine Schwester würde er im Staub herumkriechen, wenn er ihr damit half.

»Hast du Geld?«, fuhr ihn der Apotheker an.

»Ich habe das, was ich heute für meine Arbeit erhalten habe, für Essen ausgegeben, aber morgen werde ich wieder etwas verdienen, dann kann ich Euch bezahlen«, flehte Ricardo.

»Dann komm morgen wieder.« Der Mann schlug die Tür zu, und der Regen wurde stärker.

»Bitte, Herr.« Ricardo trommelte mit der Faust gegen die Tür. Heiße Tränen vermischten sich mit kaltem Regen.

»Verschwinde!«, schrie der Mann, der dahinter im Trockenen stand.

Verzweifelt sank Ricardo auf die Knie, hob das Gesicht dem Himmel entgegen. Schwere Tropfen prasselten auf ihn hernieder, während ein Blitz aufleuchtete. Das folgende Donnergrollen ging ihm durch Mark und Bein. Bei Gott, er würde das Geld auftreiben, koste es, was es wolle.

Er erhob sich. Heute waren einige Schiffe im Hafen eingelaufen, und er hatte beim Entladen geholfen. Die Seeleute bekamen meist ihre Heuer, wenn sie Landgang hatten. Was bedeutete, dass die Hafenspelunken voller Kerle mit Münzen in den Taschen waren. Wenn er nicht mit redlicher Arbeit an das Geld für Amaras Medizin gelangte, dann würde er es eben stehlen.

Zielstrebig steuerte Ricardo den Hafen an. Diebstahl barg so einige Risiken in sich, wie, die Hand abgehackt zu bekommen, wenn man erwischt wurde, oder Schlimmeres. Zum Glück war er äußerst geschickt. Dennoch war Stehlen meist seine letzte Wahl, wenn er an Geld kommen wollte. Denn falls er doch gefasst werden sollte, gab es niemanden, der sich um Amara kümmerte.

Der Regen hatte mittlerweile seine Kleidung durchdrungen und erreichte die Haut. Die eisige Nässe ließ ihn zittern, und endlich betrat er die Hafenstraße, die sich am Wasser entlangzog. Sein Blick glitt über den Wald aus Masten in der Lagune. Es waren offensichtlich noch mehr Schiffe eingelaufen. Musik und lautes Gelächter drangen zu ihm.

In dieser Schenke tobte anscheinend das Leben. Hier würde er auf viele betrunkene und dadurch unachtsame Seeleute treffen, die er um ihre Geldbörsen erleichtern konnte. Seine Schwester würde heute ihre Medizin bekommen, und mit diesem Vorsatz trat er ein.

Der Geruch nach Pfeifenrauch und Schweiß schlug ihm entgegen. Die Tische waren bis auf den letzten Platz besetzt. Dirnen schäkerten mit den Männern, hofften, einen guten Preis für ihre Dienste herausholen zu können. Die Spielleute gaben alles, heizten mit ihrer wilden Musik die ganze Stimmung auf. Eine der Dirnen tanzte auf dem Tisch, angefeuert von den Gästen. Die Flammen der Leuchter, die den Raum erhellten, schienen im Takt mitzuzucken.

Langsam schritt Ricardo an den Tischen vorbei in Richtung Theke, hinter der ein kahlköpfiger Mann stand, der selbst einmal zur See gefahren sein könnte. Tätowierungen zierten die massigen Oberarme. Seinem Auftreten nach zu urteilen, handelte es sich bei dem Kerl um den Wirt dieser Absteige. Mit dem war sicherlich nicht gut Kirschen essen, wenn er einen Dieb in seiner Schenke erwischte.

Während Ricardo den Raum durchmaß, sondierte er die Umgebung, suchte nach einem oder mehreren geeigneten Opfern.

»Noch mehr Bier!«, schrie einer, und die Schankmaid eilte zu ihm.

Ricardo schnappte sich im Vorbeigehen von den Feiernden unbemerkt einen Krug, der nahe an der Tischkante stand. Damit erreichte er die Bar.

»Kann ich etwas für dich tun?«, fragte der Wirt.

»Danke, ich habe noch ein wenig«, erwiderte Ricardo und hob den Krug hoch. Er drehte sich um und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Theke.

»Wo zur Hölle ist mein Bier?«, brüllte der Mann, dessen Krug jetzt in Ricardos Besitz gewandert war. Er rammte die Faust in den Oberarm seines Nachbarn.

»He.« Der Angegriffene rieb sich die getroffene Stelle. »Du Idiot hast es wohl ausgetrunken! Bestell dir einfach ein neues und halt’s Maul«, keifte er zurück.

Keiner schenkte Ricardo Beachtung, der einen kräftigen Schluck nahm, während sein Blick weiter den Raum nach leichter Beute durchsuchte.

»Na, mein Hübscher, suchst du nach Gesellschaft?« Eine Dirne strich ihm über den Oberarm und präsentierte ihr gut gefülltes Mieder.

»Nicht heute«, gab Ricardo zurück, ohne sie weiter zu beachten.

»Wenn es dir an Geld fehlt, würde ich für so einen ansehnlichen Burschen, wie du einer bist, eine Ausnahme machen. Zwischen all den widerlich stinkenden Seeleuten mal was Schönes zu haben, das käme mir gelegen«, gurrte sie.

Jetzt traf sein Blick auf ihren. Eigentlich war sie ganz hübsch, stellte er fest. »Deshalb bin ich nicht hier«, gab er dennoch zurück.

»Wie schade.« Sie fuhr mit der Zunge aufreizend langsam über ihre Lippen, als die Tür geöffnet wurde.

Die Personen, die eintraten, zogen die Aufmerksamkeit der gesamten Schenke auf sich. Sogar die Dirne, die auf dem Tisch getanzt hatte, hielt inne, und die Instrumente verstummten. Ein elegant gekleideter Mann in Begleitung einer feinen Dame schritt anmutig durch den Raum. Die beiden waren hier so fehl am Platz wie Kaninchen in einem Wolfsrudel. Keiner wollte ihren Weg kreuzen, die Menschen traten ehrfürchtig zurück.

Die Haut der Frau war so weiß wie feinster Alabaster. Sie musste von Adel sein, wie auch der Mann an ihrer Seite. Ihr zartrosa Kleid, auf das der samtene, mit Pelz verbrämte Umhang einen Blick erlaubte, war über und über mit goldenen Stickereien verziert.

Der edle Herr neben ihr stolzierte, wie in gehobenen Kreisen üblich, gleich einem bunten Hahn in Pluderhosen und verschiedenfarbigen Strümpfen herum. Auch seine blaue Samtjacke, die bis zu den Knien reichte, war mit Pelz gesäumt. Das seidene Wams kostete wahrscheinlich mehr, als Ricardo mit seiner Arbeit in einem Jahr verdiente.

Sein Blick kehrte zu der Frau zurück. Ihre Lippen waren kirschrot, die Augen fast schwarz. Sie schien noch sehr jung zu sein, bewegte sich dennoch außerordentlich selbstsicher, als gehörte ihr die Welt. Was sie wahrscheinlich auch tat.

»Ich sehe schon, wonach dir der Sinn steht. Doch eines kann ich dir versichern: Diese Dame ist unerreichbar für dich«, flüsterte ihm die Dirne ins Ohr, die noch immer neben ihm stand.

»Nun, warum ist es hier so still? Feiert doch weiter … Die Getränke gehen auf mich«, sagte der Edelmann, worauf die Musikanten wieder zu spielen begannen und die Leute begeistert grölten. Als er neben Ricardo an die Theke trat, öffnete er die Börse, die an seinem Gürtel hing, um einige Goldstücke herauszuholen und sie auf die Theke zu legen. »Keiner soll heute die Schenke durstig verlassen«, meinte er dazu.

»Das ist sehr großzügig.« Der Wirt ergriff hastig die Münzen, um sie in seinem Gewand verschwinden zu lassen. »Was möchtet Ihr, Herr?«

»Einen Becher deines besten Rotweins«, erwiderte der Mann, und der Wirt machte sich sogleich daran, den Wunsch seines gut betuchten Gastes zu erfüllen.

Zufrieden blickte sich der Edelmann in dem Raum um, in dem nun wieder das Leben tobte. Er musterte die feiernden Menschen, als würde er unter ihnen nach jemand Bestimmtem suchen. Interessiert betrachtete Ricardo dessen Profil und kam nicht umhin festzustellen, dass etwas Raubtierhaftes von ihm ausging. Als wäre ein Wolf auf der Jagd. Das Gesicht war glatt rasiert wie bei einem Jüngling, doch der Kerl war bei Weitem kein Jüngling mehr.

Auch Ricardo war nicht sonderlich auf Gesichtsbehaarung erpicht. Daher schabte er sie mit seinem Dolch ab, was aber nicht so gut funktionierte, ein Barbiermesser wäre die weitaus bessere Wahl gewesen. Das blonde Haar des Fremden war für diese Region eher ungewöhnlich, aber er sprach Italienisch wie ein Einheimischer, schien aus keinem anderen Land zu stammen. Doch vielleicht täuschte dies, und er hatte die Sprache nur gut gelernt.

Die Frau an seiner Seite hingegen war mit Sicherheit Landsmännin. Ricardos Blick wanderte an dem gut gebauten Leib des Mannes herab. Seine weite, leicht geöffnete Jacke offenbarte, dass er keine Waffe am Gürtel trug, nur die Geldbörse. Wie leichtsinnig. An der gefüllten Börse blieb Ricardos Blick regelrecht kleben. Mit dem Inhalt könnte er Amara eine bessere Unterkunft ermöglichen und sie sogar von einem Arzt untersuchen lassen. Für den edlen Herren wäre ihr Fehlen wahrscheinlich nur ein kleines Ärgernis. Wer so viel Gold mit sich am Gürtel herumtrug, besaß mit Sicherheit noch mehr.

»Was haben wir hier für einen hübschen Burschen?« Die Edeldame trat vor Ricardo. »Sieh her, Nero«, sagte sie, während ihr Blick fest auf ihn gerichtet war.

In ihren Augen lag ein gewisses Feuer, das im Gegensatz zu ihrem unschuldigen Gesicht stand. Das dunkelbraune Haar unterstrich ihre Blässe. Zweifelsohne war dies die schönste Frau, die Ricardo jemals in seinem Leben zu Gesicht bekommen hatte.

»Kann ich ihn haben?« Diese Frage war offensichtlich an ihren Begleiter gerichtet, obwohl die Dame Ricardo noch immer ihre Aufmerksamkeit schenkte.

»Werte Dame, Ihr könnt mich nicht besitzen«, erwiderte der.

»Jeder hat seinen Preis. Nenn mir deinen.« Jetzt gesellte sich der edle Herr, den sie Nero genannt hatte, hinzu.

Unwillkürlich sah Ricardo zu dem mit Gold gefüllten Säckchen, und sein Gegenüber legte die Hand darauf.

»Die Börse ist dein, wenn du ohne Fragen mit uns kommst«, sagte der Mann.

»Oh bitte, begleite uns. Wir werden zusammen viel Spaß haben«, meldete sich die junge Dame begeistert zu Wort.

»Welche Art von Spaß schwebt Euch denn vor?«, fragte Ricardo misstrauisch. Die beiden waren irgendwie seltsam.

»Spaß, den du niemals wieder vergessen wirst.« Die Dame kam ihm ganz nahe.

Ihre samtige Stimme verursachte ihm eine Gänsehaut. Sie presste aufreizend ihre Brüste an ihn und glitt mit der Hand über seine Brust in Richtung Hosenbund, und kurz bevor sie sein bestes Stück erreichte, hielt sie inne.

Verunsichert sah er zu ihrem Begleiter, erwartete, geschlagen zu werden, doch dem Mann schien ihr Gebaren nichts auszumachen. In Ricardos Kopf kreisten die Gedanken. Morgen früh erwartete der Vermieter sein Geld. Dann wäre ein Sack voller Goldmünzen bei dem Unterfangen, für Amara einen Arzt zu besorgen, äußerst hilfreich, und die Aussicht auf eine bessere Unterkunft ließ Ricardos Herz höherschlagen.

So, wie es aussah, wollte ihn die Dame mitnehmen, um sich mit ihm zu vergnügen. Manchmal verlangte es die feinen Herrschaften, da sie ihrer Tristesse zu entkommen versuchten, nach einem Straßenköter, wie er einer war. Davon hatte er schon gehört. Vielleicht brachte der Kerl, der bei ihr war, im Bett nichts recht zuwege? Es könnte ihn schlimmer treffen. Die Frau, die ihn wollte, war wunderschön, und ihr Anblick scheuchte Schmetterlinge in seinem Magen auf.

»Ich werde Euch folgen, bezaubernde Dame.« Er ergriff ihre kühle Hand und hauchte einen Kuss darauf.

»Nero, findest du ihn nicht charmant?«, wandte sie sich an ihren Begleiter und hakte sich bei Ricardo unter.

»Lass uns gehen«, meinte der Mann und schritt voran. Die Dame und Ricardo folgten ihm.

Als sie in die Nacht auf die Straße traten, ließ ihn die regenkalte Luft erschaudern. Ganz tief in ihm gab es eine kleine Stimme, die ihn anbettelte, den Fremden nicht zu folgen, aber es ging um Amara. Für sie würde er alles tun, sogar, sich zu prostituieren.

Ricardo hob die Lider. Die Jacht schaukelte im sanften Wellengang wie eine Kinderwiege. An diese Nacht, die so weit in der Vergangenheit lag, hatte er schon so lange nicht mehr zurückgedacht. Er fuhr sich mit seiner Hand über die bloße Brust, bis er sein totes Herz erreichte. In jener Nacht hatte es zum letzten Mal geschlagen.

Kapitel 1

»Wie schmecken die Fettuccine?«, fragte Ward.

Sam stach in die flachen Nudeln und wickelte sie mithilfe des Löffels auf die Gabel. »Hervorragend«, erwiderte sie.

»Unser wievieltes Date ist das jetzt? Das zwanzigste? Wir sollten langsam mal einen Schritt weitergehen.« Ward lachte und ergriff den Stil des Weinglases.

»Das hättest du wohl gern.« Sam schob sich die Nudeln in den Mund und deutete mit der Gabel auf ihn. »Sind sie noch da?«, fragte sie, nachdem sie hinuntergeschluckt hatte, und Wards Blick ging zum Fenster, vor dem sie saßen. Von Sam sahen die Beobachter nur die Rückseite.

»Sie haben sich keinen Fingerbreit wegbewegt. Sie sitzen schon den ganzen Abend im Wagen, um uns zu überwachen. Die müssen Blasen wie Ochsen haben.« Er lachte und trank.

»Es sind trainierte Jäger. Observieren und Informationen-Sammeln gehört zu ihren Hauptaufgaben.«

»Ich dachte, Köpfe-Abschlagen gehört zu ihren Hauptaufgaben«, erwiderte Ward amüsiert.

Das Grinsen stand ihm wirklich gut, und Sam fragte sich, warum sie nicht auf ihn abfuhr. Der Mann war eigentlich ihr Typ. Er hatte ein schönes Lächeln, dazu warme braune Augen, und er war ziemlich gut in Form. An seinen breiten Schultern könnte man sich hervorragend anlehnen. Oje, was dachte sie da?

»Ich hätte nie geglaubt, dass ich mal ihr Zielobjekt sein würde«, erwiderte Sam und wischte die dummen Gedanken beiseite. Verdammt, sie hatte wahrlich andere Probleme. Sie aktivierte die Selfiekamera des Handys, hob es hoch und versuchte, den Wagen der Jäger zu sehen.

»Nun, du bist ja nicht das eigentliche Zielobjekt. Sie hoffen, durch dich an Angel ranzukommen, weil du ihre beste Freundin bist«, gab ihr Gegenüber zurück und prostete ihr zu.

»Bist du sicher, dass die noch im Auto sitzen? Draußen ist es verflucht dunkel, und die laufen in schwarzer Kampfkleidung herum. Die können sich nahezu unsichtbar machen, wenn sie wollen.« Egal, wie sie das Smartphone drehte, der Wagen erschien nicht auf dem Display.

»Sehr sicher. Also, meine Liebe, es ist Zeit für den Rollentausch.« Wards Blick traf auf ihren, und sie nickte.

Sam schaltete das Handy ab, legte es auf den Tisch, nahm anschließend die Serviette vom Schoß, deponierte sie neben dem Teller und erhob sich, um auf die Toilette zu gehen. Auch die Handtasche ließ sie zurück. Im Waschraum des Damenklos wartete eine junge Frau, die wirklich ihre Schwester sein könnte.

»Hi, ich bin Raja. Dass du Sam bist, brauche ich nicht lange zu fragen. Unsere Ähnlichkeit ist verblüffend«, begrüßte sie Sam.

»Ich finde es super, dass du mir hilfst«, gab sie zurück.

»Ward erzählte mir, dass deine Familie total streng ist, und sie dir fast keine Luft zum Atmen lassen.« Ihr Gegenüber betrachtete Sam mit mitleidvollem Blick. »Das kenne ich. Zum Glück sind meine Leute in Indien und nicht hier. Es war eine große Sache, sie dazu zu bringen, dass ich im Ausland arbeiten darf. Aber trotzdem wollen sie einfach nicht loslassen und schicken mir ständig Bilder von potenziellen Ehemännern.« Raja verdrehte die Augen.

Eine nervige Familie? Ja, Sams Situation könnte man so interpretieren.

»Gehen wir in die Toilettenkabinen und tauschen die Klamotten?«, meinte Raja.

Gesagt, getan.

»Ich hoffe, du magst Fettuccine«, sagte Sam, als sie den Pullover auszog.

»Klar, ich mag jede Art von Pasta.« Raja hängte ihr Shirt über die Kabinenwand, und Sam ergriff es, um es überzuziehen.

Ein paar Minuten später kam Sam als Raja aus der Kabine, und ihre Helferin stand vor dem Spiegel, um ihr langes schwarzes Haar wie Sams zu flechten.

»Ich helfe dir«, meinte Sam und stellte sich hinter sie.

»Ehrlich, ich freu mich auf das Essen mit Ward. Er ist so ein Sahneschnittchen. Das ist doch in Ordnung? Zwischen euch läuft nichts? Er hat das zumindest gesagt.« Rajas Blick traf im Spiegel auf Sams.

»Nein, wir sind nur Freunde«, gab sie zurück.

Daraufhin lächelte ihr Double. »Das wird ein super Date.«

Nachdem Sam mit Rajas Haar fertig war, zog sie noch deren Jacke an und die Kapuze über den Kopf.

»Ach ja, in der Jacke ist ein Prepaid-Handy. Das ist für dich. So, dann geh ich mal auf unseren Platz zurück.«

»Pass auf, dass sie dein Gesicht nicht sehen können«, warnte Sam noch, dann verließ Raja den Waschraum. Einige Sekunden später trat Sam ebenfalls vor die Tür. Der Kellner empfing sie.

»Hier entlang«, sagte er und führte sie in Richtung Küche. Doch er öffnete die Tür davor, hinter der sie Treppen in einen Keller erwarteten. Der Mann machte das Licht an.

»Ich habe einige Horrorfilme gesehen, die so angefangen haben«, witzelte Sam hinter ihm.

Sie passierten Regale, in denen die verschiedensten Vorräte lagerten. Hier unten war es ziemlich kühl, ideal, um Ware frisch zu halten.

»Wenn Zombies auf Kartoffeln stehen, sind sie hier richtig«, meinte der Mann trocken, und Sam musste grinsen.

Da sollte noch mal einer sagen, Italiener hätten keinen Humor. Sie folgten einem Gang, der von einer ziemlich schwachen Glühbirne beleuchtet wurde.

»Was die meisten nicht wissen: Viele der Keller in der Stadt sind miteinander verbunden. Das war während der Prohibition äußerst hilfreich«, erklärte der Kellner.

Alfredo hieß er, jetzt fiel es Sam wieder ein. Tatsächlich gelangten sie zu einem Durchgang, der offensichtlich in den Keller des Nachbarhauses führte. »Folgen Sie dem Flur bis zum Ende, so gelangen sie zu einer Treppe.«

Er ließ sie allein. Sam befolgte seine Anweisungen, passierte mehr oder weniger aufgeräumte Kellerabteile und fand schlussendlich die Treppe. Ein paar Minuten später verließ sie das Haus, als wäre sie eine x-beliebige Bewohnerin. Im dunklen SUV gegenüber saßen Dylan und Myles. Aha, dann waren die beiden mal wieder an der Reihe. Sie gehörten zu den Jägern, die Noah aus New Orleans mitgebracht hatte. Bei der nächsten Routineuntersuchung würden sie was erleben. Sie schenkten ihr keinerlei Beachtung, sondern starrten auf den Rücken ihres Doubles, das wirklich sie sein könnte. Wieder einmal hatte Wards Plan exzellent funktioniert, doch es wurde immer schwerer, die Jäger auszutricksen.

***

Ricardo lag im Bett und starrte zur Decke. Sanfte Wellen stießen gegen den Rumpf der Jacht. Obwohl man sämtliche Bullaugen fest verschlossen hatte, wusste er, dass es draußen dunkel war, denn er konnte die Nacht spüren. Kiana erwartete seinen Rückruf. Wenn er einwilligte, würde sich alles ändern. Aber zuerst brauchte er einen Plan.

Lautes Gestöhne drang aus den anderen Kabinen zu ihm. Wie es aussah, waren die anderen voll bei der Sache. Bald würden sie den Menschenvorrat aufgebraucht haben. Ein leises Seufzen entwich ihm. Monate verbrachten sie bereits auf diesem Schiff, hatten sich darauf verkrochen. Aber vor Kurzem waren sie in der Nähe von New York vor Anker gegangen. Veronica hatte trotz des Desasters vom letzten Mal ihre Rachepläne noch nicht aufgegeben.

»Ricardo, wo zur Hölle bleibst du?«, rief sie.

Wäre sein Vampirgehör nicht so verdammt empfindlich, hätte er gar nicht mitbekommen, dass sie nach ihm verlangte. Doch leider hatte er es, und sie wusste, dass dem so war. Damals, als er sie in dem alten Mönchskloster besucht hatte, vermochte er sich ihr nicht zu entziehen, und nachdem ihn Nero enttäuscht hatte, hatte er sie befreit. Doch ihre Rachegelüste waren zur Gefahr geworden, und der Clan hatte sich entzweit. Trotzdem war da etwas an ihr …

»Ricardo, beweg deinen Arsch hierher«, brüllte sie so laut, dass sogar ein Mensch sie gehört hätte.

Wieder seufzte er und rutschte an den Rand des Bettes. Dann wollte er mal sehen, welchen Wunsch er ihr erfüllen konnte.

Er trat vor den Wandschrank und öffnete ihn. Früher war alles einfacher gewesen, und wieder kehrten seine Gedanken zu der schicksalhaften Nacht in Genua zurück.

»Hier sind wir«, meinte der Begleiter der hübschen Dame, und sein Blick glitt zu einem edlen Palazzo.

Aus den vielen Fenstern drang Lichtschein auf die Straße. Offensichtlich besaß der Hausherr genügend Geld, um jedes einzelne Zimmer im Gebäude zu erleuchten. Sie erreichten das eisenbeschlagene Portal aus dunklem Holz, das von Säulen gesäumt wurde. Diese trugen ein Dach, dessen Mittelpunkt ein Wappen zeigte – von Rittern flankiert.

Wäre Ricardo ein edler Herr, wüsste er das Wappen wahrscheinlich einem Adelshaus zuzuordnen. Doch als Mann, dessen Stand noch unter dem eines Hundes lag, interessierte er sich nicht für solcherlei Dinge. Dennoch beeindruckte ihn der Anblick. Wer hier lebte, schien weit oben angesiedelt zu sein. Vielleicht konnte er eine noch bessere Entlohnung herausholen?

Alle Fenster zierten kleine Giebel. Die im unteren Geschoss wurden von gefiederten Fratzen bewacht, die wahrscheinlich böse Geister abschrecken sollten. Etwas in seinem Bauch hoffte, dass sie ihren Dienst nach Kräften erfüllten.

»Gefällt es dir?«, fragte die Frau, die noch immer bei Ricardo untergehakt war.

»Es ist überwältigend«, erwiderte er. Wieder flüsterte eine innere Stimme, er solle die Beine in die Hand nehmen, und der unangenehme Druck in seinem Bauch nahm zu.

Der edle Begleiter der Frau öffnete das Portal, und sie betraten eine Vorhalle.

Nun gab ihn die Dame frei. »Komm.« Sie nahm ihn bei der Hand und zog ihn die Stufen hoch, die in einen großen Innenhof führten, den Arkaden säumten.

Ricardo wusste bei so viel Pracht gar nicht, wo er zuerst hinsehen sollte. All die mit prunkvollen Stuckverzierungen eingerahmten Türen standen im gesamten Untergeschoss offen, und was sich in den Räumen abspielte, ließ ihn erröten.

Im ersten Raum, den sie passierten, ritt eine leicht bekleidete Frau einen Mann, der auf dem Boden lag und einer anderen, die über seinem Gesicht kniete, die Scham leckte. Die Szenerie in dem Zimmer auf der gegenüberliegenden Seite war auch nicht viel züchtiger. Hastig wandte Ricardo den Blick ab, starrte geradeaus. Über sich hörte er einen Schrei.

»Helft mir!«, rief eine Frau und beugte sich über das Geländer. Sie trug nur ein Mieder, das ihre Brüste entblößte. Im nächsten Moment war ein Mann hinter ihr.

»Wo willst du hin?«, fragte er mit dunkler Stimme, packte sie unsanft.

Er schien an Ort und Stelle in sie einzudringen, während sie schluchzte. Ihm waren die Zuschauer, die im Innenhof standen, offensichtlich egal. Ricardo konnte die Augen von den beiden nicht abwenden. Die Maid hörte einfach nicht auf zu weinen. Während der Mann in sie stieß, küsste er ihre Schulter, dann biss er zu, und Ricardos Herz beschleunigte seinen Schlag. Er wich zurück, doch die Hand seines Gastgebers stoppte ihn.

»Das ist nur ein Spiel zwischen den beiden«, flüsterte er Ricardo ins Ohr.

»Herr, Ihr seid zu Hause.« Zwei sehr leicht bekleidete Mägde liefen ihnen entgegen. Sie trugen nur Mieder und Unterrock. Wobei auch ihre Brüste blank lagen.

»Ist das hier ein Bordell?«, fragte Ricardo rau.

»Nein, dies ist unsere Art zu leben«, erwiderte der Mann geheimnisvoll.

»Hier geht es lang.« Seine Begleiterin zog Ricardo weiter zu der Treppe gegenüber. Obwohl sie so eine zierliche Person war, besaß sie ungewöhnlich viel Kraft. Er konnte nicht anders, als ihr zu folgen. »Dies hier ist mein Zimmer«, verkündete sie, als sie im oberen Stock eine Tür erreichten, die geschlossen war.

Die Dame öffnete sie und ließ Ricardo den Vortritt. Der Raum wurde von Kerzenleuchtern illuminiert, im Kamin brannte ein Feuer. Die Decke über ihm war mit Gemälden verziert, goldene Stuckrahmen trennten sie voneinander.

»Wie heißt Ihr?«, wollte Ricardo wissen.

Die Maid zog ihn zum großen Bett mit den geschnitzten Bettpfosten, die einen Himmel trugen.

»Nenn mich Maria«, erwiderte sie knapp. »Nun zieh dich aus«, befahl sie, und Ricardo folgte ihrer Aufforderung.

Zu seiner Erleichterung befanden nur sie beide sich in dem Raum. Ihr Begleiter war nicht mitgekommen. Als Ricardo nackt vor ihr stand, begutachtete sie ihn wie ein Pferd auf dem Markt.

»Du bist wirklich äußerst wohlgestaltet«, stellte sie fest und glitt mit dem Finger über seine Brust.

Ihre zarte Berührung sorgte dafür, dass sein Glied sich regte, und als sie es mit ihrer Hand umschloss, bäumte es sich regelrecht auf, obwohl ihre Haut außergewöhnlich kühl war. Maria bewegte die Hand, und Ricardo keuchte auf. Er wankte, griff nach etwas und packte den Vorhang.

»Ich dachte, ich soll Euch Vergnügen bereiten«, stöhnte er.

»Das ist wahr.« Abrupt nahm sie die Hand von seinem Gemächt.

Seine Beine zitterten, und er musste sich am Bettpfosten festhalten. Aus was auch immer die Vorhänge gefertigt waren, so einen feinen Stoff hatte er noch niemals zuvor angefasst.

»Hilf mir dabei, mein Gewand auszuziehen«, befahl sie, und er kam ihrem Wunsch nur zu gern nach.

Was unter den Lagen an Stoff zum Vorschein kam, ließ ihn den Atem anhalten. Das enge Mieder hatte diese wohlgeformten Brüste zusammengequetscht. Sie löste das dunkle Haar, und es floss über ihre Schultern.

»Seid Ihr ein Engel?«, fragte Ricardo ehrfürchtig, überwältigt von so viel Schönheit. Er konnte es kaum fassen, dass sie mit ihm den Beischlaf vollziehen wollte.

»Nein, ich bin weit davon entfernt, ein Engel zu sein.« Sie trat näher. »Küss mich«, forderte sie ihn auf, und er wollte ihren Wunsch zu gern erfüllen.

Ricardo senkte sein Haupt, bis seine Lippen die ihren berührten. Sie öffnete leicht den Mund für ihn, um seine Zunge zu empfangen. So musste das Paradies schmecken. Zart legte sie ihre kühlen Hände auf seine Brust, die er zu gern mit seinem Körper wärmen wollte. Sie schob ihn in Richtung Bett, bis er das Gleichgewicht verlor und sich hinsetzen musste. Zwischen seinen Beinen blieb sie stehen. Er hob ihr sein Gesicht entgegen, das sie zart mit den Fingerspitzen berührte.

»Wünschst du dir das ewige Leben?«, fragte sie mit einer dunklen Stimme, die sein Herz schneller schlagen ließ.

»Natürlich, uns erwartet die Ewigkeit, wenn wir von dieser Welt gehen«, antwortete er.

»Nein, ich meine, willst du auf dieser Welt ewig leben?« Sie fuhr mit den Fingern durch sein Haar.

»Wir alle müssen einmal gehen, so lautet Gottes Wille.«

»Gottes Wille.« Maria lachte. »Ich lebe in einer Welt, in der mich sein Wille nicht erreichen kann«, gab sie amüsiert zurück, dann senkte sie ihren Kopf und fand seine Lippen.

Ricardo schlang die Arme um sie, presste ihren kühlen Leib an seinen Körper, und wieder hatte er das Gefühl, vom Paradies zu naschen. So musste der Apfel geschmeckt haben, den Eva vom Baum der Erkenntnis pflückte. Süß und verboten. Sein Glied stand jetzt stramm und wartete ungeduldig darauf, in sie eintauchen zu können. Maria löste sich von ihm.

»Was ist denn das?«, fragte sie und sah nach unten. »Da kann ich ja nicht anders …« Sie bestieg ihn, wie ein Reiter sein Pferd, senkte die Hüften und nahm ihn in sich auf.

Ricardo erzitterte voller Wonne.

»Fühlst du dich gut?«, flüsterte sie in sein Ohr.

»Ja, es ist wundervoll«, hauchte er.

»Ich will mich auch gut fühlen«, sagte Maria. Ihre Lippen flatterten über seinen Hals. Noch immer bewegte sie ihr Becken nicht, und der Drang, in sie hineinzustoßen, wurde fast übermächtig. Aber er hielt sich zurück. Sie war die adlige Dame, er nur ein Hund. Sie musste es ihm gestatten.

»Darf ich mich bewegen?«, fragte er heiser.

»Wenn du in mich stoßen möchtest, brauche ich eine Kleinigkeit von dir.«

»Ich gebe Euch alles«, erwiderte er. Ihr sinnlicher Mund liebkoste weiter seinen Hals, dann spürte er Schmerz. Bevor er darüber nachzudenken vermochte, was diesen verursacht haben könnte, hallte Jetzt stoß in mich! durch seinen Kopf, und er umfasste ihre Hüften, bewegte die seinen. Was auch immer sie mit seinem Hals machte, es steigerte seine Lust immens.

Ricardo atmete schwer vor Wonne. Jedes Mal, wenn er tief in sie eintauchte, hatte er das Gefühl, sein Schwanz würde vor Lust explodieren. Aber er wollte noch nicht kommen, denn er genoss das Liebesspiel mit dieser zarten und edlen Dame zu sehr, um es jetzt schon enden zu lassen. Ihr leises Stöhnen verzückte ihn über die Maßen, und er wurde praller. Noch immer war sie mit seinem Hals beschäftigt. Doch sein vernebelter Verstand wollte nicht darüber nachdenken, was sie da machte. Es war unglaublich stimulierend, das reichte. Sie ließ von ihm ab, und er wollte fast protestieren. Aber das stand ihm nicht zu.

»Wenn ich dir die Unsterblichkeit schenken wollte, würdest du sie annehmen?«, flüsterte Maria in sein Ohr. Ihre Stimme war so dunkel, dass er zu fantasieren glaubte.

»Ja, das würde ich«, erwiderte er, während er heftiger in sie stieß.

»Dann soll es so sein«, gab sie zurück.

Aus den Augenwinkeln bemerkte er eine Bewegung, doch er war dem Himmel schon zu nahe, um sich damit zu beschäftigen. Hinter sich hörte er ein Rascheln, die Matratze wurde niedergedrückt. Dann strichen Hände über seinen Rücken.

»Er passt wirklich gut zu uns«, sagte eine Männerstimme.

Ricardo kannte sie, es war die des edlen Herrn, der ihn zusammen mit Maria in dieses Haus gebracht hatte. Was war hier los? Obwohl er der Ekstase schon so nah war, hielt er inne. Sein Schwanz pulsierte voller Gier, wollte sich weiter in die enge Feuchte rammen. Trotzdem machte er nicht weiter, sondern hob die Lider. Er sah Marias Gesicht vor sich, die ihn anlächelte, während ein zweites Paar Hände über seinen Körper glitt. Am liebsten wäre er aufgesprungen und davongelaufen, doch er brauchte die Entlohnung. Maria umrahmte sein Gesicht mit ihren Händen.

»Du musst dich entspannen«, flüsterte sie und presste ihre Lippen auf seine.

Der Kuss ließ ihn alles vergessen. Es gab nur noch sie und ihn. Da durchzuckte ihn ein brennender Schmerz, als würden glühende Nägel in seinen Hals getrieben werden, und ihm wurde das Leben regelrecht herausgesaugt. Maria bewegte das Becken, und der Schmerz verwandelte sich in Wonne. Mit ihren kreisenden Hüften entfachte sie seine Wollust aufs Neue, und dieses Mal wollte er es zu Ende bringen. Die Berührung durch das zusätzliche Paar Männerhände wurde ihm immer angenehmer.

Aber je heftiger er in sie stieß, desto schwächer fühlte er sich. Seine Arme konnten den Frauenkörper nicht mehr halten und sackten auf die Matratze, während der Oberkörper nach hinten gegen einen Leib sank. Als sein Schwanz vor Lust zersprang und er seinen Samen in sie spritzte, schmeckte er etwas Metallisches. Einen weiteren – letzten – Herzschlag später, wurde die Welt schwarz.

»Ricardo, komm zurück«, flüsterte eine männliche Stimme.

Vor ihm, in der schwarzen Finsternis, flammte ein Licht auf, das ihn fast magisch anzog.

»Denk an Amara«, hallte es durch die Dunkelheit, und jetzt drehte er sich in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war.

»Amara«, flüsterte er.

»Komm zurück, und du kannst sie retten«, versprach die Stimme.

Blinzelnd hob Ricardo die Lider, über ihm war ein bestickter Betthimmel. Er fühlte sich irgendwie seltsam, und in seiner Brust war es so ruhig. Zögernd legte er die Hände darauf, doch er fühlte nichts. Sein Herz schien nicht mehr zu schlagen, aber er lebte. Was zum Teufel war hier los?

»Nero, du hast es geschafft, er ist zurückgekommen«, sagte Maria neben ihm begeistert.

Ihre Stimme war so laut, als würde sie direkt in sein Ohr brüllen, und es war so unglaublich hell. War denn bereits Tag? Außerdem vernahm er lautes Gelächter und Gestöhne. Fast könnte man meinen, sie trieben es direkt neben ihm. Und da war noch etwas: ein schier unstillbarer Durst. Er hatte das Gefühl, in sengender Hitze stundenlang gearbeitet und dabei nichts getrunken zu haben.

Zwischen all dem Krawall hörte er etwas, das die anderen Geräusche abebben ließ. Bumm-bumm. Ein schlagendes Herz, das in seinen Ohren wie liebliche Musik klang, dazu umschmeichelte ein wundervoller Duft seine Nase, der ihm versprach, den quälenden Durst zu löschen. Er drehte sich auf die Seite und blickte auf eine der leicht bekleideten Maiden, die ihn und seine Gastgeber empfangen hatten. Sie sah ihn mit angsterfüllten Augen an, gab jedoch keinen Laut von sich.

»Ich dachte, nach dem Aufwachen hast du Durst, daher habe ich etwas für dich vorbereitet.« Der Mann namens Nero trat in sein Blickfeld. Er strich mit den Fingerspitzen über die Wange der Frau. »Noch mehr Spaß macht es, wenn sie schreien, wimmern und sich wehren. Aber deine Ohren sind noch sehr empfindlich, und du kannst auch deine Kräfte noch nicht kontrollieren, daher habe ich sie ruhiggestellt«, erklärte er.

Das Herz der Frau beschleunigte, intensivierte ihr Aroma. Ricardos Eckzähne pulsierten vor Verlangen, und er konnte nicht anders. Er beugte sich über die Frau und stieß sie in ihre Kehle. Warmes Blut sprudelte in seinen Mund, während er ihr das Leben aussaugte.

Erst als der letzte Tropfen seine Kehle herunterrann, ließ er von ihr ab. Leblose Augen starrten ihn an, doch er verspürte kein Mitleid mit ihr. Das war ihm ausgetrieben worden, während er im Kellerloch dabei zusehen musste, wie die Leiche eines frisch Verstorbenen auf grausamste Art gefleddert worden war. Die Leute hatten auch dessen Körperteile, denen – getrocknet – Heilkräfte zugeschrieben wurden, verkauft. Ricardo spürte das Leben der Maid in sich, deren Blut er aufgenommen hatte. Es war berauschend. Er hatte das Gefühl, neugeboren worden zu sein. Euphorie durchströmte ihn, er wollte mehr davon. Energisch setzte er sich auf. Sah von Nero zu Maria.

»Was ist mit mir geschehen?«, fragte er

»Du bist jetzt einer von uns.« Maria nahm neben ihm Platz, strich mit dem Finger über seine bloße Brust und stoppte in Höhe des Herzens. »Nero hat dich gewandelt. Mir gelingt dies noch nicht so recht, und ich wollte unbedingt, dass du einer von uns wirst. Du bist mein Geburtstagspräsent. Ich wurde vor vielen Jahren am heutigen Tag gewandelt. Von nun an können wir immer zusammen feiern«, erklärte sie weiter, und Ricardo schenkte Nero seine Aufmerksamkeit.

»Was bedeutet ›einer von uns‹?«, wollte er wissen.

»Die Jäger, unsere Feinde, bezeichnen uns als Dämonen. Doch ich sehe uns eher als Untersterbliche, die weit über den Menschen stehen. Wir sind schneller, stärker und unwiderstehlich für sie. Aber wir haben auch Schwächen, die Sonne kann uns schaden. Außerdem endet unsere Existenz, wenn wir den Kopf verlieren oder Feuer ausgesetzt sind. Geht man all diesen Dingen aus dem Weg, können wir ewig leben«, erwiderte Nero. »Und wir trinken das Blut der Menschen. Du solltest sie von jetzt an als Vieh betrachten, das nur dazu da ist, uns zu ernähren«, fügte er hinzu. »Nagt dieser Umstand an deinem Gewissen?«, fragte er herausfordernd.

Ricardos Blick streifte die tote Maid, ehe er zu Nero zurückkehrte. »Nicht im Geringsten. Ich hielt Menschen bereits für Tiere, als ich selbst noch ein Mensch war. Kann jeder zum Vampir werden?«, wollte er wissen.

»Nicht jeder, es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.« Nero verschränkte die Arme vor der Brust.

»Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, wenn der Mensch an einer tödlichen Krankheit leidet?«, erkundigte sich Ricardo weiter.

»Du meinst deine Schwester? Ich habe sie in deinen Gedanken gesehen. Das dürfte kein Problem sein, da sie dein Blut in sich trägt.«

»Dann lass uns gehen.« Ricardo rutschte neben Maria an den Rand des Bettes. Obwohl er nackt war, fror er nicht.

»Noch nicht.« Sie nahm seine Hand. »Der Morgen bricht an, und Sonnenlicht ist tödlich für uns.«

Kapitel 2

Sam nahm die U-Bahn. Mittels der Kapuze verbarg sie ihr Gesicht, damit die unzähligen Überwachungskameras nicht sie erfassten. Denn die Jäger konnten sie anzapfen.

Ein paar Stationen vor ihrem endgültigen Ziel stieg sie aus und überwand den Rest der Strecke zu Fuß, bis sie ein Stadthaus erreichte. Sie nahm die Stufen zur Haustür, klingelte bei Faraday und wurde ins Haus gelassen. Im Flur ging sie die Treppe hinauf, und als sie den ersten Stock betrat, öffnete sich eine Tür. Schnell schlüpfte sie in die Wohnung, und Angel machte die Tür hinter ihr wieder zu.

»Ich komme mir wie James Bond vor«, meinte Sam, als sie sich zu ihrer Freundin umdrehte.

»Eher wie Jean Bond.« Angel lachte. »Komm, setz dich. Ich mach dir einen Tee.« Sie dirigierte Sam an der Küchenzeile vorbei zum gemütlichen Wohnzimmer.

»Irgendwie finde ich noch immer, dass das hier alles nicht so recht zu dir passt«, meinte Sam, als sie sich auf das Blümchensofa setzte.

»Daher ist es die perfekte Tarnung.« Angel stand hinter ihr in der Küche.

»Wo ist eigentlich mein Patient?«, erkundigte sich Sam.

»Hier bin ich.« Tonio trat aus dem Schlafzimmer. Er nahm auf dem Sessel Platz.

»Wie ist es dir in den letzten Tagen ergangen?«, wollte Sam wissen.

»Sehr gut. Ich muss das Zeug nun alle zwei Tage nehmen. Drei Tage würde ich es auch aushalten, aber dann spüre ich, wie der Vampir immer mehr die Oberhand gewinnt.«

»Irgendwelche Nebenwirkungen?«, fragte Sam weiter und erhob sich, um zu ihm zu gehen.

»Nein, nichts. Es ist alles bestens«, gab Tonio zurück, während sie dessen Handgelenk ergriff. Sie ertastete seinen Puls. Das Herz schlug gleichmäßig. Sam zog das Handy aus der Jacke und aktivierte den Timer.

»Dein Herz schlägt etwas langsam«, meinte sie und gab ihn frei.

»Und sein Appetit ist riesig, und das in jeglicher Hinsicht«, meldete sich Angel amüsiert zu Wort.

»Menschliche Nahrung bereitet dir also keine Probleme.« Sam blickte wieder zu Tonio.

»Ich mag Pancakes am liebsten.« Der schöne Mann grinste. Was ihm zu gut stand. Sam konnte absolut nachvollziehen, warum Angel sich in dieses Gesicht verliebt hatte.

»Komm, zieh deine Jacke aus, setz dich und mach es dir gemütlich«, forderte Angel sie auf, während sie eine dampfende Tasse, in der ein Teebeutel hing, auf den Couchtisch stellte.

»Dass du mal der häusliche Typ sein würdest …« Sam entledigte sich der Jacke, die sie auf das Sofa legte, dann nahm sie Platz und deponierte das Smartphone auf dem Tisch. Damit sie es im Blick hatte. Denn wenn mit Wards Plan irgendwas schieflief, würde er sie so warnen.

»Lass dich nicht täuschen. Meine Knarren sind mir noch immer das Liebste.« Angel setzte sich auf die Armlehne von Tonios Sessel.

»Deine Knarren sind dir das Liebste …«, hakte der mit einem verschnupften Unterton nach.

»Du kommst natürlich vor meinen Knarren.« Sie lachte, und er legte besitzergreifend einen Arm um ihre Taille.

»Ihr seid zu süß. Davon bekomme ich fast Zahnschmerzen.« Sam ergriff die Tasse, nahm den Faden des Teebeutels und ließ ihn auf und ab hüpfen. »Na, dann werde dir mal etwas Blut abzapfen«, sagte sie zu Tonio.

Angel holte verpackte Kanülen, Nadeln und den Stauschlauch aus dem Badezimmer. Sam hatte die Utensilien hier deponiert, weil sie die Sachen, wie heute, nicht immer mitbringen konnte.

»Es wird mir wie immer ein Fest sein.« Er verzog missmutig das Gesicht. Ein Vampir, der es hasste, wenn man ihm Blut abnahm, das war schon ziemlich witzig.

»Zeig mir mal deine Arme«, forderte ihn Sam auf, und er tat es. Sie entschied sich für den rechten und legte den Stauschlauch um den Oberarm.

»Hier, Papiertücher.« Angel stellte einen geöffneten Karton auf den Tisch. »Mein Held, du bist ja so tapfer«, merkte sie mit einer gehörigen Portion Ironie in der Stimme an, als Sam mit der Nadel durch die Haut stach und Tonio wegschaute.

»Wenn ich richtig rechne, müssten deine Einheiten noch bis Ende des Monats reichen«, überlegte Sam, und Tonio nickte nur. Sie hatte ihm genügend abgezapft, zog ein Tuch aus dem Karton. »Drück das darauf, bis es zu bluten aufhört«, sagte sie, als sie es Tonio reichte, und er befolgte ihre Anweisungen. »Wie geht es Jaden? Ich würde ihn gern selbst wieder mal untersuchen.«

Sam sicherte die Blutprobe und verstaute sie in ihrer Jackentasche. Die gebrauchte Nadel wickelte sie in ein weiteres Papiertuch.

»Das nehme ich«, meinte Angel. »Wir schicken ihm, wie von dir angeordnet, seinen Mittelvorrat regelmäßig zu, und bei unserem letzten Kontakt vor ein paar Tagen gab er an, dass er hervorragend damit zurechtkomme. Maria ist mittlerweile richtig rund geworden und wäre für Jäger jetzt einfache Beute. Daher ist es notwendig, dass die beiden so weit weg wie möglich von hier untergetaucht sind«, beantwortete Angel Sams Frage, während sie die Nadel zum Mülleimer in der Küche brachte.

»Ich hoffe, dass Maria, wo immer sie auch sind, unter ärztlicher Beobachtung steht. Ein Kollege, der nichts von den besonderen Umständen weiß, dürfte sie für eine ganz normale Sterbliche halten.« Sam sah von Angel zu Tonio.

»So, damit wäre der Routine-Check-up erledigt und wir kommen zum gemütlichen Teil. Was läuft im Bunker?«, fragte Angel.

»Nun ja, das Übliche. Die Jäger spüren Vampire auf und töten sie.« Sams Blick streifte kurz Tonio, der jedoch keine Miene verzog. »Im Moment ist es ziemlich ruhig, denn die Blutsauger, sorry, Tonio, scheinen sich verkrochen zu haben.«

»Ist das alles?« Angels Blick traf auf Sams. »Wie ergeht es dir? Machen sie Druck?«

»Sie beobachten mich zwar, aber sie haben keine Beweise dafür, dass ich dir geholfen habe. Da ich Ärztin bin, bin ich unverzichtbar und kann meinen Dienst wie bisher verrichten. Es wird nur immer schwieriger, sich ihnen zu entziehen. Ich komme nicht mehr in das Labor meines Freundes und muss das Heilmittel heimlich in dem des Jägerbunkers herstellen.«

»Die Jäger dürfen so eine mächtige Waffe keinesfalls in die Hände bekommen. Das würde unweigerlich zu einem Krieg führen. Nicht jeder Vampir will, dass seine Kräfte abgeschwächt werden, um wie ein Mensch leben zu können. Ich bin mir sogar sicher, dass die meisten mit ihrem Dasein sehr zufrieden sind und dafür kämpfen werden, es nicht zu ändern. Glaub mir, ein offener Krieg zwischen Vampiren und Jägern würde unzähligen unschuldigen Opfern das Leben kosten. Die meisten Normalsterblichen wollen gar nicht wissen, dass es blutgierige Monster wirklich gibt und sie nicht nur Legenden sind«, sagte Tonio eindringlich.

»Das weiß ich nur zu gut. Glaubt mir, ich bin äußerst vorsichtig«, gab Sam zurück und nahm einen Schluck Apfeltee.

***

»Wo bleibst du denn?« Sebastian riss die Kabinentür auf. »Funktioniert dein Gehör nicht mehr?«, raunzte er Ricardo an. Der zog an der Manschette seines schwarzen Hemdes, dann an der zweiten.

»Was gibt es denn so Wichtiges?«, fragte er gelangweilt.

»Das musst du dir selbst ansehen«, meinte der Vampir, und Ricardo folgte ihm aus der Kabine.

Jetzt war er doch neugierig geworden. Wenn das Zusammentreffen wieder damit endete, dass Veronica neue Rachepläne gegen ihren Ex-Mann schmieden wollte, dann würde er viel lieber wieder schlafen gehen. Sie überwanden, begleitet von Stöhnen und verzweifeltem Wimmern, den engen Flur. Da hatten einige mächtig Spaß, die anderen eher nicht.

Am Ende des Gangs erreichte sie die Treppe und nahmen die Stufen, gelangten so in eine Art Wohnzimmer, in dem sich Veronica aufhielt. Wie auch in den Schlafkabinen herrschte hier der pure Luxus. Alles, was vergoldet werden konnte, war vergoldet worden. Zierleisten, Stuck, überall glitzerte es. Der Sonnenkönig hätte seine wahre Freude daran gehabt. Ricardo musste es wissen, er hatte einige Zeit in Versailles gelebt. Es gab eine große Sofalandschaft, doch Veronica saß mit Timothy am Esstisch, an dem noch weitere acht Personen Platz fanden.

Neben Sebastian hielten sich noch andere Vampire des Clans auf. Da wäre Maurice, der in Paris als Stricher auf der Straße gelebt hatte und an Syphilis verreckt wäre, hätte Ricardo ihn nicht gefunden und Nero dazu überredet, ihn zu wandeln. Oder Charles, ein verarmter englischer Adliger, der damals nur noch den Dreck unter seinen Fingernägeln besessen hatte, und Lola, eine Hure aus Marseille. Sie war noch immer wunderschön, als Unsterbliche umso mehr, und sie hatte mit ihren blonden Locken und den strahlend blauen Augen schon zu Lebzeiten Männer ins Unglück gestürzt.

Er hätte, als er sie vor über hundert Jahren Nero vorstellte, bereits wissen müssen, dass ihre Loyalität flexibel war. Ricardo verdankte sie es, ein ewiges Leben in Saus und Braus führen zu können, und musste nicht das Schicksal ihrer Huren-Kolleginnen teilen, die elendig zugrunde gegangen waren.

Nero hatte schon immer eine Schwäche für den Abschaum der Menschheit gehabt und diesen über die Jahrhunderte in ganz Europa eingesammelt. Jetzt, da ihn die Jäger eliminiert hatten, folgten die Unsterblichen Veronica. Sein Blick glitt zu ihr. Sie war wunderschön, und die vielen Stunden mit ihr, als sie in der Zelle saß und er davor, hatte er als sehr angenehm empfunden. Dazu war sie bewundernswert gerissen. Aber …

»Da bist du ja endlich«, begrüßte sie ihn unwirsch, als er neben sie an den Tisch trat, und er ließ den Gedanken fallen.

Sogar in ihrem Zorn sah man ihr ihre adlige Abstammung an. Das dunkle Haar trug sie hochgesteckt, so präsentierte sie ihren schlanken Hals. Die Haltung war perfekt. Adlige Frauen hatten Ricardo schon immer angesprochen. Im weißen Hosenanzug war sie ganz die Businessfrau.

»Was ist?«, fragte er barsch, denn wie man in den Wald hineinrief … Jetzt musterte sie ihn.

»Du bist wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden«, erwiderte sie schnippisch. »Und du siehst in dem schwarzen Hemd und der Hose wie ein Totengräber aus.«

»Hast du mich nur herzitiert, um über meinen Modegeschmack zu streiten?« Ricardo verschränkte die Arme vor der Brust, sein Blick streifte Timothy, der auf einer Laptoptastatur herumtippte.

»Ich glaube, Nero hast du mehr Respekt entgegengebracht«, zischte sie, und Ricardo schnaubte laut.

»Vielleicht sollte ich ihn mal zu meinem Schneider mitnehmen«, schlug Charles vor.

»Damit ich in so einem affigen grauen Anzug mit rosa Hemdchen und Lackschuhen wie du herumlaufe? Nein danke«, erwiderte Ricardo, ohne sich umzudrehen.

»Es ist eine Maßanfertigung«, meckerte Charles.

»Geschenkt«, knurrte Ricardo.

»Du bist heute wieder unglaublich schlecht gelaunt.« Lola strich sanft über seinen Arm. Der tiefe Ausschnitt ihres blauen Kleides zeigte mehr von ihren prallen Brüsten, als er verbarg. »Hast du vielleicht Hunger, kleiner Brummbär?«, trällerte sie.

»Schieb ab und belästige jemand anderen mit deinen Möpsen«, fuhr er sie an.

»Arschloch.« Sie stapfte davon.

»Was ist das nur für eine Ausdrucksweise? Einmal Hure, immer Hure?«, stichelte Ricardo.

»Fick dich!«, herrschte sie ihn an.

»Bist du jetzt fertig damit, Beleidigungen zu verteilen?« Veronica blickte zu ihm auf und hob die schmalen Brauen wie eine strenge Lehrerin.

»Ich hätte da das ein oder andere noch auf Lager.«

»Schluck es runter!«, erwiderte Veronica in herrischem Ton und drehte sich zu Timothy. »Zeig es ihm.«

Neros letzte Schöpfung und jetzt Veronicas bevorzugter Betthase drehte den Laptop in Ricardos Richtung. Darauf war Tonio auf dem Beifahrersitz zu sehen, hinter dem Lenkrad erkannte er die blonde Jägerin. Die beiden schienen von einer Überwachungskamera aufgenommen worden zu sein.

»Dein Ex-Mann, wie interessant. Hast du wieder einen glorreichen Racheplan, der uns fast das Leben kosten wird?«, fragte Ricardo gelangweilt.

»Das wurde an einer Mautstelle aufgenommen, und zwar tagsüber«, erklärte sie.

Jetzt wurde Ricardo stutzig. »Ist das sicher?«, hakte er nach.

»Absolut sicher«, bestätigte Timothy. »Laut Zeitstempel war es um die Mittagszeit. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass Sonnenstrahlen ins Auto fallen. Einer streift Tonios Arm.« Er vergrößerte das Bild. »So, wie es aussieht, hat er mit der Jägerin einen Ausflug in die Hamptons gemacht.«

»Da raucht nichts. Wie ist das möglich?« Ricardo sah zu Veronica.