Irische Tagebuchbriefe - Karola Balzer-Joyce - E-Book

Irische Tagebuchbriefe E-Book

Karola Balzer-Joyce

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Beschreibung

Das Buch "Irische Tagebuchbriefe" beschreibt Irland in der Zeit des ausgehenden 20. Jahrhunderts, eine Zeit, in der der „Keltische Tiger“ noch nicht seinen Einzug gehalten hatte. Es ist nicht nur die Liebeserklärung an einen Mann, sondern auch eine Hommage an Irland, das die Autorin liebt und dem sie trotz des unglücklichen Ausgangs ihrer Liebesgeschichte nie den Rücken gekehrt hat.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 48

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhaltsverzeichnis

Der Traum

Vorwort

Connemara

Irish garden

The Bogs of Shanaheever

Die Bucht von Tralee

Cead mile failte

Connemara-Pony-Show

Mayo – God help us

Christmas eve

Mary

Geburtenkontrolle – birth control

Veränderung

Das stille Tal

Meinen Irlandfreunden

Der Traum

Du hast ihn geträumt,

den Traum deines Lebens

von Liebe,

von Kindern

in freier Natur.

Vom Segen durch Arbeit,

vom Wohlstand aus Kargheit,

vom Glück,

frei zu sein.

Ein Traum war es nur.

Vorwort

Immer wieder wurde ich von Lesern, die dieses kleine Büchlein gern gelesen haben, gefragt, ob es noch im Handel erhältlich sei.

Aufgrund dieses Interesses habe ich mich zu einer Neuauflage entschlossen, obwohl inzwischen viel Zeit zwischen damals und jetzt verflossen ist.

Nachdem ich aus Irland weggegangen war und auch nachdem ich das Buch geschrieben hatte, hat sich in Irland und in unserem Leben viel verändert.

Der »keltische Tiger« ist über das Land hinweggefegt und hat es deutlich verändert zurückgelassen.

Während seiner Zeit habe ich mich oft gefragt, ob er die »irische Seele« mit sich gerissen hat.

Jetzt, wo wieder so etwas wie Normalität eingekehrt ist, spüre ich, dass sie überlebt hat.

Allerdings erinnern im ganzen Land halb fertige Häuserruinen neben bombastischen, überdimensionalen neuen Anwesen an die Zeit der Hochkonjunktur und anschließenden Finanzkrise und erinnern mich an die vielen halb verfallenen Cottages der Auswanderer bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Shanaheever Farm und Loughauna Cottage konnten noch gut verkauft werden.

Die Hügel um das Cottage jedoch liegen jetzt einsam und verlassen. Es gibt keine Schafe mehr, die das Land beweiden.

Der dort geplante Windpark konnte wegen Finanzierungsstopp nicht errichtet werden. Das Gatter, das nur dazu da war, die Tiere auf dem Gelände zu halten, ist mit einem schweren Vorhängeschloss verschlossen und einem abschreckenden Schild „STRICTLY NO ENTRY, TRESSPASERS WILL BE PROSECUTED“ versehen.

Das kleine Cottage verfällt und ist dem Vandalismus preisgegeben.

Das sehe ich wie ein Symbol für unser Leben: Aufbau – Erhalt – Verfall.

Mein Gefühl für Connemara ist nicht mehr dasselbe.

Wenn ich dort bin, dauert es lange, bis ich »mein Irland« in mir wiederfinde.

Wenn ich in meinem jetzigen Haus am Kamin sitze, in die karge, wilde Landschaft sehe und dem Wind lausche, werde ich langsam entspannter.

Aber ich weiß: Ich kann nun gehen.

Connemara

Klar blauer Himmel

schärft die Konturen der Berge.

Licht wechselt mit Schatten

über Heide und feucht braunem Moor.

Silberne Seen schimmern wie Augen

in Tälern und Senken.

In der Stille

blökt einsam ein Schaf.

 

Lieber Tom,

in diesem Herbst sind es nun schon vierzehn Jahre, seitdem ich Dich und Irland verlassen habe und nach Deutschland zurückgekehrt bin. Doch noch immer sind Du und Dein Land mir so nah wie zu Beginn unserer Geschichte, die sieben Jahre gedauert hat.

Keiner außer Dir ist meinem Herzen so nahe gekommen, keinem habe ich so lange nachgeweint, keiner füllt meine Träume nach so langer Zeit noch immer.

Mit diesen Briefen an Dich versuche ich, noch einmal meine Gefühle und Empfindungen und gleichzeitig das Leben in Irland zu meiner Zeit, aus meiner Sicht aufzuzeichnen.

Dabei bin ich mir sicher, dass eine Verbindung zwischen uns für immer bestehen wird, auch wenn wir jetzt getrennte Wege gehen.

Weißt Du noch, wie alles begann?

Mitten in den Bergen Connemaras, den zwölf Bens, am See Lough Auna liegt das einsame kleine Cottage. Es stand zum Verkauf. Frank, der letzte Sohn einer großen, kinderreichen Familie, lebte dort allein. Vor Einsamkeit war er dem Alkohol verfallen. Er wollte nach Clifden, in die menschliche Nähe des Nonnenklosters, in einen Wohnwagen ziehen.

Ich kaufte das Cottage sofort.

Grau und verloren lag es inmitten der unberührten Natur. Es hatte ein festes Dach, trockene Außenwände und für das Trinkwasser eine Quelle, gleich neben dem Haus.

Im See hinter dem Haus sprangen Forellen. Die Wasseroberfläche veränderte sich mit jedem Wetter. Mal peitschte der Sturm sprühende Schaumkronen über den See, mal spiegelten sich in absoluter Stille die braunen, unbewaldeten Hügel wie eine Fata Morgana aus der Tiefe. Nur ein einziger, windzerzauster Buchsbaumstrauch stand an einen schiefen Pfahl gelehnt, der einmal zur Umzäunung des Grundstückes gedient hatte.

Nirgends wuchs ein Baum. Alles war kahlgefressen von den rings um das Haus lautlos grasenden Schafen. Nur ab und zu wurde diese Lautlosigkeit vom kurzen, hellen Jubilieren einer aufsteigenden Lerche unterbrochen oder vom aufgeregten Pfeifen einer schwanzwippenden Bachstelze, die vom Dach herunter das Haus beäugte, oder vom leisen Platschen einer springenden Forelle im See.

Leben kam in das Tal durch meine Freunde und mich. Bald nach dem Kauf versuchten wir, Farbe in das Haus zu bringen. Frank hatte beim Kauf zu mir gesagt: »All it needs is a little bit of paint« – »Es braucht nur etwas Farbe«. Die Farben hatte uns Maresas Vater aus seinem Malergeschäft vermacht. Franks alter Küchenschrank wurde knallrot angestrichen und mit Bauernblumen beklebt, die Borde über den Kaminen schwarz wie die Türrahmen, ihre Füllungen und die Wände weiß und die Küchenborde grün.

Wir schrubbten alle Holzdielen und bearbeiteten sie mit Wachs. Dann entfachten wir ein großes Feuer, um alles Gerümpel, das Frank zurückgelassen hatte, zu verbrennen.

Da sahen wir uns zum ersten Mal. »«»«

Du hattest den Feuerschein gesehen und gingst los, um zu sehen, ob auf Deinem Land, das um das Cottage lag, alles in Ordnung war.

Damals wusste ich noch nicht, dass Du alles Land um Lough Auna von Frank gekauft hattest und das Cottage, das ich erworben hatte, das Letzte im Tal war, was Dir noch nicht gehörte.

In Clifden erzählte man sich, Du seist einer der reichsten Farmer in der Gegend.

Was wusste ich damals, was das in Connemara bedeutet. Connemara – mit seinen kleinen, von vielen Steinmauern gesäumten Farmen, dem kargen Land mit viel zu vielen Schafen.