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Als viertes von fünf Kindern in einfachsten Verhältnissen geboren, wächst Schwill als Waisenkind in Kinderheimen auf, kommt sogar in ein Heim für Schwererziehbare. Er ist eine richtige Berliner Göre, und das ist genau das, was ein Team der DEFA für den Film »Alarm im Zirkus« sucht. Die Wahl fällt auf den kleinen Kerl. Vom Film kommt Schwill nicht mehr los. Ob große oder kleine Rollen, jeder gibt er unverkennbares Profil und Seele. In seinen Erinnerungen erzählt er aus der turbulenten Berliner Nachkriegszeit, wartet mit amüsanten Anekdoten aus der Welt vor und hinter der Kamera auf und verschweigt auch weniger glanzvolle Momente seines Lebens nicht.
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Seitenzahl: 243
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Impressum
ISBN eBook 978-3-360-50091-5
ISBN Print 978-3-360-01952-3
© 2015 (2008) Verlag Das Neue Berlin, Berlin
Umschlaggestaltung unter Verwendung eines Fotos von Sandra Bergemann
Die Bücher des Verlags Das Neue Berlin
erscheinen in der Eulenspiegel Verlagsgruppe.
www.eulenspiegel-verlagsgruppe.de
Die Fotos stammen aus dem Privatarchiv des Autors.
Ernst-Georg Schwill
Is doch keene
Frage nich
Erinnerungen eines Schauspielers
Mit einem Nachwort von Wilfried Pröger
Das Neue Berlin
Es war ein grauer Novembertag, glaube ich, oder war es ein sonniger Maitag? Wir hatten gerade einen neuen Leichenfund im Köpenicker Forst zu drehen gehabt und noch das Laub und den Modder an den Detektivschuhen kleben, als mich Dominic Raacke beim Mittagessen im Catering-Hänger fragte: »Sag mal, Ernste, du bist doch einer aus dem tiefsten Osten. Wie war das denn so bei euch?«
Ich, der Milieu-Ossi in der Tatortreihe bei ARD, zog die Stirn kraus. Was sollte ich Urberliner da sagen. Nicht nur kannte Raacke den Osten nicht, er war ja noch nicht mal aus Berlin, wo also beginnen! In drei Sätzen zwischen Minestrone und Kasslerkotelett! Beim Schmatzen und Plappern der Techniker und Komparsen, die sich durch ihre Drehpause lümmelten. Is doch keene Sache nich!
Ich hab dann ein bisschen länger nachgedacht, wie sich das für einen verlässlichen Mitarbeiter des Kriminalkommissariats und des Filmteams gehört. Jetzt bin ich fertig damit und fange am besten mal ganz von vorn an. Und zwar ganz tief im Osten, wie das in Raackes Frage formuliert war.
Kinderzeit
Wer nie sein Brot mit Tränen aß
Ich musste als Kind immer bei meiner großen Schwester schlafen, in einer kleinen Stube. Meine Mutter und die drei anderen Geschwister schnarchten im Wohn-Schlafzimmer. Hunger hatten wir im Krieg oft, besonders abends.
Meistens ging das so: Meine Mutter sagte zu mir, hier haste ’ne Stulle, nu geh ins Bett, da isst du nicht so schnell. Manchmal hab ich meine Stulle zweimal gegessen, im Dunkeln, damit es keiner sieht. Das war das beste Mittel gegen den ständigen Hunger. Ich kaute Biss für Biss durch und legte jeden Bissen in meine Hand. Beim ersten Durchkauen gingen die Signale vom Magen ans Gehirn – jetzt kommt was. Den durchgekauten Happen aus meiner kleinen Hand hab ich dann zum zweiten Mal gegessen, das war ein wonniges Gefühl. Ich hab unbewusst meinen Magen und mein Gehirn beschissen. Und so wurde ich manchmal satt.
Bei fünf Gören, zwei Mädchen und drei Jungs, hatte meine Mutter jeden Tag die Sorge, wie kriege ich die Bande bloß satt, drei oder vier große Kartoffeln reichten nicht für alle. Da wurden eben drei Liter Wasser aufgesetzt und zum Kochen gebracht. Die rohen Kartoffeln wurden ins Wasser gerieben, eine Prise Salz dazu, bis das Wasser trübe wurde, so als würde man einen Schuss Milch ins Wasser kippen. Das ganze nannte sich Funzelsuppe. Und wenn wir mal reich waren, gab es noch eine Süßstoffpille dazu.
Einmal gab es Kartoffelsuppe mit Wurst – also ein Leckerbissen dabei. Ich hatte einen Bock, weil die Suppe so plörrig war. Ich wollte und wollte sie nicht essen. Meine Mutter drohte mir, die Wurst wegzunehmen, wenn ich nicht esse, bockig wie ich war. Ihr müssen die Haare zu Berge gestanden haben, bei meinem unwilligen Herumrühren in der Suppe. Nee, ich blieb bei meiner Meinung, die Suppe war zu dünne. Und schwupp – weg war die Wurscht. Ick heulte. Meine Mutter: Du bleibst so lange sitzen, bis die Suppe dick ist! Die Suppe wurde tatsächlich langsam dick, ich musste sie essen ohne Wurst und nun war sie aber auch noch kalt. Nee, wat ick da jeheult habe!
Ich als Puppe
In dem Berliner Haus, in dem wir wohnten, Zehdenicker Straße 16, lebten viele Kinder. Allein bei uns Schwills waren es fünf. Rechne ich linken und rechten Seitenflügel und hinten das Quergebäude dazu, müssen wir so um die zwanzig Kinder gewesen sein. Über das Vorderhaus mit seiner Beletage weiß ich eigentlich gar nichts, das war für uns tabu. Da wohnten die Vornehmen, die Reichen, die wollten mit dem gemeinen Volk vom Hinterhof nichts zu tun haben. So stellte sich das damals für mich dar.
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