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Band 3 der fünf Isabelle-Romane: Isabelle hat in der Festungsstadt Les Baux, im Herzen der Provence, Zuflucht gefunden, nachdem ihr Mann endlich freigekommen ist. Gerade erst hat sie die Romanze mit Nicolas Stiefbruder beendet und beginnt wieder an ihr Glück zu glauben, da trifft sie erneut ein Schicksalsschlag: Nicolas stürzt vom Pferd und verletzt sich dabei tödlich. Isabelle ist geschockt und zieht sich ganz in sich selbst zurück. "Marie Cordonniers Romane heben sich nicht nur durch das weniger übliche Set sondern dadurch von der Masse ab, dass die Autorin es wie kaum eine andere versteht, Stimmung zu erzeugen und dem Leser zu vermitteln. Deswegen wirken ihre Romane immer glaubwürdig. Außerdem sind sie so spannend wie unterhaltsam – aber immer ernsthaft", schreibt eine Leserin.
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Seitenzahl: 324
Veröffentlichungsjahr: 2013
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____________BsB____________
BestSelect BookDigital Publishers
___ Letzte von der Autorin durchgesehene Fassung___
ISBN 978-3-86466-209-6
© 2013 Alle Rechte bei Bestselectbook.com
Buch 1_Isabelle
Buch 2_Geliebte Isabelle
Buch 4_Isabelle und der König
Buch 5_Die Macht der Liebe
___Prolog _Seite 05___
___Ende 240___
Der Blick der jungen Frau glitt über die weite Ebene von Crau, ohne in Wirklichkeit etwas wahrzunehmen. Sie stand einfach da und starrte aus dem Fenster. Völlig verloren an ein Elend, das jenseits allen Empfindens und Begreifens lag. Nichts erreichte sie mehr. Schon gar nicht die bedrohlichen Neuigkeiten, die der Herold am gestrigen Markttag, auf den Stufen der Kirche von St-Vincent, den erschreckten Bürgern von Les Baux verkündet hatte.
Was kümmerte es sie noch, dass König Ludwig XI. in seinem fernen Schloss von Plessiz-les-Tours endgültig die Geduld mit dem rebellischen Süden verloren und die Schleifung der Festung von Les Baux angeordnet hatte? Wer ahnte denn schon, dass sie hinter diesen Mauern, deren Tage nun plötzlich gezählt sein sollten, das Licht der Welt erblickt hatte? In einem Kerker zwar, aber immerhin als Tochter eines lebenslustigen Königs und einer bezaubernden, leichtsinnigen Gräfin, deren Mann diesen Treuebruch fürchterlich rächte.
Es schienen Märchen aus vergangenen Tagen zu sein. Sie gehörten zum Gestern, so wie Liebe, Hass, Furcht und Vertrauen. Sie vermochte die Angst der Leute von Les Baux um die Zukunft ihrer Stadt nicht zu teilen. Sie hatte keine Zukunft mehr.
Ihr glattes, unbewegtes Gesicht, das sich unter dem düsteren Schleier in makelloser Schönheit versteckte, zeigte indes keine Spur dieser Hoffnungslosigkeit. Durchscheinend blass, aber seidig spannte sich die Haut straff über die edle, kleine Nase, die ausgeprägten Wangenknochen und das zierliche, feste Kinn. Der weich geschwungene Mund war fest zusammengepresst, und lange, dunkelgoldene Wimpern beschatteten Augen von der Farbe frühlingsgrüner Weiden. In ihrer Reglosigkeit hätte sie ebenso gut eine Statue sein können. Ein schwarzes Marmorbild, denn sie war von Kopf bis Fuß in schwarze Stoffbahnen gehüllt. Das Obergewand aus leichter Wolle reichte bis zum Knie, und die matten Taftfalten des Untergewandes bewiesen, dass die Trägerin in bescheidenem Wohlstand lebte, wenngleich es nicht zu Spitzenbesatz und Stickereien reichte.
Auch das Kabinett, in dem sie stand, zeugte von bürgerlichem Wohlergehen, von Bequemlichkeit und einem gutgeführten Haushalt. Es passte zu ihrer Rolle als Isabelle Belfort, der angeblichen Witwe eines Handelsmannes aus Aix-en-Provence, die mit ihrer Familie vor nicht ganz einem Jahr Wohnsitz in Les Baux genommen hatte.
Mit welch gutgläubigem Vertrauen in das Morgen war sie dieses neue Leben angegangen! Wie hatte sie nur je annehmen können, der blindwütigen Macht ihres Schicksals zu entgehen? Die Andeutung eines bitteren Lächelns kräuselte ihre Mundwinkel, um sofort wieder zu verschwinden wie ein Tropfen, der nur kurz die spiegelnde Oberfläche eines Teiches in Bewegung brachte.
Das höfliche Kratzen eines Fingernagels an der Türfüllung unterbrach die Stille des Raumes. Sie hörte es nicht. Versunken in ihren Schmerz, nahm sie auch das Öffnen der Pforte nicht zur Kenntnis.
»Isabelle!«Giselle de Paradou unterdrückte einen Seufzer. Auch sie war in schmuckloses, tiefes Schwarz gewandet. Tiefe Falten und Schatten der Erschöpfung unter ihren gütigen Augen waren Zeugen schlafloser Nächte und zahlloser Tränen. Obwohl sie schon längst die Mitte ihres Lebens überschritten hatte, war sie erst in den vergangenen Tagen wirklich gealtert.
»Isabelle, ich bitte dich! So begleite mich doch wenigstens in die Kirche!« Ein stummes, hartnäckiges Schütteln des Kopfes. Die Gräfin stützte sich auf die geschnitzte Lehne eines Stuhles und versuchte noch einmal den Panzer zu durchdringen, in den sich ihre Schwiegertochter nun seit Tagen hüllte. Den weder die Liebe ihrer beiden Kinder noch die Sorge der Menschen durchbrach, denen sie alles bedeutete. »Willst du nicht beten für ihn?«, flüsterte sie heiser. »Das macht ihn auch nicht wieder lebendig, Mutter!« Endlich ließen die grünen Augen vom Horizont ab und betrachteten die gebeugte, alte Edeldame, deren verwüstete Züge die Spuren einstiger Schönheit trugen. Einer Schönheit, die sie an ihren Sohn weitergegeben hatte. An Nicolas de Paradou, jenen Mann, den Isabelle trotz aller Missverständnisse und Schwierigkeiten geliebt hatte. »Du lästerst den Herrn, Isabelle!«, versuchte die Gräfin ihre Autorität geltend zu machen. »Nur in Gott finden wir Trost und Halt.« »Wenn Ihr Trost in Gebeten findet, so lasst Euch nicht auf halten, Mutter!« Isabelles Stimme klang rau wie die zu hart gespannte Saite einer Laute, die sie sonst so gut zu spielen verstand. »In mir selbst ist keine Demut. Nur Zorn. Ich vermag nicht den Kopf unter diesen Willen zu beugen, den Ihr als gottgewollt preist!« »Isabelle!« Mit zwei schnellen Schritten war Giselle de Paradou an ihrer Seite und griff nach ihrer Hand. »Es ist Sünde, einen Menschen so zu lieben, dass man mit Gott zu rechten beginnt!« Isabelle spürte das freudlose Lachen in ihrer Kehle, aber es kam nicht heraus. Sie hatte kein Recht, dieser Mutter, die mit ihr litt, den Trost zu verweigern. Sie erwiderte den Druck der Finger. »So betet für mich mit, Mutter!«, murmelte sie und drehte den Kopf wieder zum Fenster. Die Gräfin zögerte, aber dann gab sie Isabelle frei. Seit Jahren an das stürmische, auf brausende Temperament der jungen Frau gewöhnt, erschreckte sie die tränenlose Lähmung, die Isabelle befallen hatte. Aber sie begriff, dass es sinnlos war, weiter in sie zu dringen. Isabelle vernahm das leise Rascheln der Röcke, das Einrasten des eisernen Türschlosses. Ein kühler Luftzug bewegte die Falten ihres Musselinschleiers, dann war sie wieder allein im Raum. Allein. Vor nur drei Tagen hatte dieses schlichte Wort eine völlig neue, grauenvolle Bedeutung für sie bekommen. Welcher Dämon nur zwang sie, sich jeden Herzschlag dieses letzten Tages wieder und wieder zu vergegenwärtigen? Wenn sie aus dem Fenster sah, erblickte sie nicht die steinige Ebene von Crau, sie machte sich auch nicht die Mühe, das Meer zu ahnen, das irgendwo hinten in dem verschwindenden Dunst liegen musste. Sie sah nur Nicolas de Paradou vor sich. Den stolzen, schönen, manchmal auch arroganten Edelmann, der bei dem verzweifelten Versuch, eine Revolution zu verhindern, fast sein Leben verloren hätte. Ihr war es gelungen, ihn zu retten. Wenn er auch für den König in Paris tot war. Für sie, Isabelle, lebte er. Unter fremdem Namen, älter und reifer geworden durch die Leiden im Kerker, die neben einer leichten Steif heit des rechten Beines nur Narben in seinem Stolz hinterlassen hatten. Weniger unbeugsam, verständnisbereiter und toleranter, hatte er sich zähneknirschend darin gefügt, für die Welt den Haushofmeister der Witwe Belfort zu spielen. Isabelle hatte weder seinen Sarkasmus noch seine Herrschsucht vermisst. Im Gegenteil, die Zufriedenheit und Harmonie, das goldene Glück, das sie nach der Geburt ihrer Tochter empfand, waren nur durch diese tief greifende Änderung seines Charakters erst möglich geworden. Sie hatte sich mehr und mehr in Sicherheit gewiegt und das Böse für immer gebannt geglaubt. Die ängstliche Spannung, mit der sie die Ihren umsorgte und beschützte, wich einer ruhigen Gelassenheit. Nur so war es zu verstehen, dass sie ihre Besorgnis mit einem Achselzucken abgetan hatte, als Nicolas ihr erklärte, dass die wenigen braven Gäule in ihrem Stall wahrhaftig nicht die Bezeichnung Reittier verdienten. Sie gönnte ihm den Ausflug zum Pferdemarkt von ganzem Herzen. Aber würde er berücksichtigen, dass er mit seinem verletzten Bein nicht mehr der geschickte Reiter von früher sein konnte? Trotzdem unterließ sie es, das Thema zu erwähnen. Er war so unternehmungslustig gewesen, gutmütig und voller Zärtlichkeit. Sie hatte sich tiefer in die Decken des breiten Bettes gekuschelt, in dem er sie leidenschaftlich geliebt hatte, ehe er aufbrach, und ihn mit einem Kuss auf den Weg geschickt. Am Nachmittag kehrte er zurück. Auf einer Trage aus roh gezimmerten Holzbrettern. Pierre, der Mann ihrer Kinderfrau Babette, der ihn begleitet hatte, brachte vor Entsetzen kaum einen zusammenhängenden Satz heraus. Isabelle musste sich das meiste zusammenreimen. Aber die Geschichte war einfach genug, und sie passte zu Nicolas de Paradou. Zelter und ruhige Braune als »Weiberpferde« abtuend, hatte er sich selbstverständlich einen schwarzen, unberechenbaren Hengst in den Kopf gesetzt. Trotz der Warnung des Besitzers bestand er darauf, das Tier auf der Stelle zu reiten. Er wurde abgeworfen und prallte mit der Stirn voll gegen einen der großen Steinblöcke, die weniger geschickte Kunden des Marktes verwendeten, um in die steifen Sättel zu klettern. Er musste sofort tot gewesen sein. Sich aus den schützenden Armen ihrer Schwiegermutter befreiend, öffnete Isabelle den Mantel, in den das zerschmetterte Haupt gnädig gehüllt worden war. Der Anblick dessen, was von ihrer Liebe blieb, traf sie in seiner ganzen grauenvollen Hoffnungslosigkeit. Während sie mit sanften Fingern eine unverletzte Stelle seiner Wange ein letztes Mal berührte, erstarb jedes Gefühl in ihr. Danach bewegte sie sich, sprach, atmete, hörte und war doch nur eine leere, steife Hülle. Nicht eine einzige Träne verschaffte ihr Erleichterung. Schließlich mied sie sogar ihre beiden Kinder, die das leblose, starre Gesicht ihrer Mutter nur erschreckte. Sicher, Nicolas lebte in seinem kleinen Sohn weiter. Das Haus Paradou hatte seinen Erben, aber war das von Bedeutung? Was half es dem stämmigen Kerlchen schon, Nachkomme eines Adelsgeschlechtes zu sein, das der König mit Acht und Bann belegt hatte? Und wer tröstete das entzückende kleine Mädchen mit den goldschwarzen Augen, das seinen Vater nie kennen lernen würde? Lieber Himmel, es war nichts Göttliches in der Sinnlosigkeit, mit der Nicolas ums Leben gekommen war. Es war eher die blindwütige Rache eines ungerechten Schicksals, das sie für immer besiegt zu haben glaubte. Ein Streich von ätzender Bösartigkeit, der keinen Raum für Illusionen mehr ließ. Das Grab auf dem Friedhof dieses verfluchten Ortes, der ihr vom ersten Schrei ihres Lebens an kein Glück gebracht hatte, war alles, was blieb. Das Grab eines Edelmannes, das nicht einmal seinen richtigen Namen trug. War es die Rechnung für die bittersüße Liebe, der Fabienne ihr Leben verdankte? Fabio Tornabuoni, Nicolas’ Stief bruder, der als Il Terzo seinen Teil zu Nicolas’ Flucht aus dem königlichen Kerker beigetragen hatte1), war in seine Heimat zurückgekehrt. Die verbotene Leidenschaft, die sie zusammengeführt hatte, gehörte der Vergangenheit an. Sie, die so viel Liebe für zwei Männer empfunden hatte, deren tragische Ähnlichkeit sie mehr als einmal genarrt hatte, war nun jenseits aller Empfindungen. Das Weinen eines Babys klang aus dem Garten zu ihr herauf. Nur ein Laut, aber doch ein Band, das sie mehr als jede eiserne Kette daran hinderte, Nicolas zu folgen. Zum ersten Male fragte sie sich, was nun werden würde? Wenn die Mauern von Les Baux fielen, verloren auch sie ihr Zuhause. Wohin sollte sie sich wenden? Eine Witwe von 23 Jahren, die für zwei kleine Kinder, eine Schwiegermutter und wenige, treue Diener zu sorgen hatte? Plötzliche Mattigkeit ließ sie taumeln, und sie sank auf ein samtüberzogenes Taburett. Mit einer mechanischen Geste zog sie den schwarzen Rock zurecht. Ihr war kalt, obwohl die drückende Hitze eines Hochsommertages draußen vor dem Fenster gloste. Aber die Kälte kam aus ihrem Inneren, ließ das Blut erstarren und flog über die Haut.
War es nicht an der Zeit, dass sie sich in ihr Los ergab? Wenigstens darum betete, dass sie hier, vergessen von allen, mit den Ihren irgendwann so etwas wie Ruhe fand?
Fünfzehn Tage danach, am 30. August 1483, starb König Ludwig XI. von Frankreich in seinem Schloss Plessiz-les-Tours. Sein letzter Befehl war, dem Reich den Frieden zu erhalten, bis der 16-jährige Erbe des Thrones, Karl, die Regierung übernehmen konnte.
Babette brachte die Neuigkeit vom Markt mit, und trotz der tiefen Trauer, die das Haus umfangen hielt, war ein gemeinsames Aufatmen spürbar. Eine Erleichterung, der sich auch Giselle de Paradou nicht verschließen konnte, auf deren Schultern wieder die Last einer Verantwortung ruhte, deren sie längst ledig zu sein geglaubt hatte.
Ein Hauch von Sommerkräutern folgte ihr wie eine Wolke, während ihre langen Röcke die trockenen Gräser und Wildkräuter berührten, die den Boden der geräumigen Halle bedeckten. Pierre, Babettes Mann, hatte sie auf den Wiesen vor der Stadt gemäht und sich dabei gefragt, ob diese Vorbereitungen für die kältere Jahreszeit überhaupt einen Sinn hatten. Würden sie den kommenden Winter noch in Les Baux verbringen können?
Die Gräfin trug den Duft von Pierres Ernte in das kleine Kabinett Isabelles. Es war einer der wenigen Räume des Hauses, der einen Teppich zum Schutz gegen die fußkalten Steinböden besaß. Wie üblich, saß die junge Frau auf der schmalen gepolsterten Bank in der Fensternische und schaute in die Ferne.
Obwohl sich der Kopf mit der schwarzen Schleierhaube in ihre Richtung drehte und ein leiser Gruß sie willkommen hieß, hatte die Ältere den Eindruck, dass Isabelle durch sie hindurchsah. Mehr und mehr sorgte sie sich um Seele und Geist ihrer Schwiegertochter, aber sie versuchte, sich ihre Bedenken nicht anmerken zu lassen. Endlich gab es einmal wieder eine freudige Botschaft!
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