Jenseits der Magie - Tom Felton - E-Book

Jenseits der Magie E-Book

Tom Felton

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Beschreibung

Der britische Schauspieler Tom Felton, bekannt vor allem als Draco Malfoy aus den Harry-Potter-Filmen, blickt in seiner Autobiografie hinter die Kulissen einer der größten Filmproduktionen der letzten Jahrzehnte, und erzählt offen und mit seinem ihm eigenen Humor, wie es war, auf der Leinwand aufzuwachsen und Teil der Welt der Zauberer von Hogwarts zu sein. Er berichtet von dem Spagat, zwischen Dreharbeiten und Presseterminen immer wieder in ein normales Leben und in eine normale Schule zurückzukehren, und wie die Dreharbeiten im Mittelpunkt eines weltweiten Popkultur-Phänomens und gestandener Filmstars wie Alan Rickman und Maggie Smith wirklich waren. Von Freundschaften, die er in den zehn Jahren der Filmreihe schloss und die bis heute bestehen, von den Höhen und Tiefen des Ruhms und von der ungewohnten Realität des Erwachsenenlebens nach Abschluss der Harry-Potter-Dreharbeiten. Ein unterhaltsames wie erhellendes Buch mit tollen Einblicken in die magische Welt der Harry-Potter-Filmproduktion aus Sicht eines Protagonisten.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 335

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Ich widme dieses Buch den Muggeln,die mich so weit gebracht haben.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort von Emma Watson

1 Peinlich, peinlich (Teil 1) oder Dracos erster Konflikt mit dem Gesetz

Eine „Heldentat“ offenbart, wie schwierig für Tom die Balance zwischen normaler Kindheit und dem Leben als Kinostar ist.

2 Meine Muggelfamilie oder Der Hänfling des Rudels

Tom stellt seine Familie vor: drei aufgeweckte Brüder, eine verständnisvolle Mutter und ein immer zu Scherzen aufgelegter Vater.

3 Erste Auditions oder Mother Goose!

Erste Bühnenauftritte lassen noch sehr zu wünschen übrig, doch der Weg zu professionellen Auditions ist bereitet.

4 Der Zauber des Entstehungsprozesses oder James Bond und der orangefarbene Vokuhila

Tom ergattert seine erste große Filmrolle, begegnet 007 und bekommt die erste von vielen schrägen (Film-)Frisuren verpasst.

5 Meine Brüder haben es bereits satt oder Premiere mit Hindernissen

Der erste Gang über den roten Teppich wird von den Eskapaden der Brüder überschattet.

6 Anna und der König oder Clarice und Hannibal

Tom reist nach Malaysia und blamiert sich vor zwei Hollywoodstars.

7 Die Potter-Auditions oder Als Draco Hermine begegnete

Tom bekommt die Rolle von Draco, obwohl er nichts über Harry Potter weiß und der jungen Emma Watson die kalte Schulter zeigt.

8 Die Leseprobe oder Drei Küsse auf den Hintern

Die Potter-Besetzung trifft sich zum ersten Mal, und Tom bekommt eine anzügliche Nachricht von Peeves.

9 Draco und Darwin oder Wie Malfoy zu seinem fiesen Grinsen kam

Tom lernt von seinem Großvater, hochnäsig auf die Gryffindors herabzublicken.

10 Peinlich, peinlich (Teil 2) oder Gregory Goyle und der explodierende Kakao

Die Slytherin-Freunde führen wahrlich nichts Gutes im Schilde.

11 Ein Tag am Set oder Das Wurstbrot von Severus Snape

Eine Tour durch die Leavesden Studios – und Snape erfüllt Muggeln ihre Wünsche.

12 Fans oder Wie man (k)ein Arschloch ist

Tom wird in die verrückte Fanwelt eingeführt und lernt, Menschen empathisch zu begegnen, die ihn als Teil ihres Lebens betrachten.

13 Wie man auf einem Besen reitet oder Die Wespen und das Weichei

Tom gerät bei seiner ersten Flugstunde in Schwierigkeiten, und Madam Hooch rettet ihn.

14 Das Beste aus beiden Welten oder Der Besenreiter

Tom versucht, abseits von Harry Potter ein normales Leben zu führen, und merkt, dass das gar nicht so einfach ist.

15 Verwandlungsschwierigkeiten oder Maggie und der Tausendfüßler

Ein masturbierender Pavian richtet Chaos am Set an, und ein freiheitsliebender Tausendfüßler stört eine Verwandlungsstunde.

16 Hermine oder Das Huhn und die Ente

Tom spricht über seine Freundschaft mit Emma Watson.

17 Die Weasleys bei der Arbeit oder Golf spielen mit Gryffindors

Tom schockiert den jungen Rupert Grint, während die Phelps-Zwillinge eine wahrhaft magische Idee haben.

18 Draco und Harry oder Zwei Seiten derselben Medaille

Über die Freundschaft mit Daniel Radcliffe und den großen Respekt, den Tom ihm entgegenbringt.

19 Ein Nasenstüber oder Crabbe, Hagrid und der gruselige Gummi-Tom

Einige der Schauspieler am Harry-Potter-Set werden vorgestellt.

20 Ein freundliches Wort von Dumbledore oder Ein bisschen frische Luft schnappen

Dumbledore fährt im Ferrari vor, und Tom führt ein unorthodoxes Motivationsgespräch.

21 Alan Rickmans Ohrläppchen oder Wehe, ihr tretet auf meinen verdammten Umhang!

Alan versetzt die Todesser in Angst und Schrecken, und Tom verrät, was er von der Crème de la Crème gelernt hat.

22 Peinlich, peinlich (Teil 3) oder Der schlechteste/beste Aufpasser der Welt

Toms Bruder definiert die Regeln am Set neu, und Draco kommt gerade noch einmal mit einem blauen Auge davon.

23 Auf die Malfoy-Art oder Eine Umarmung von Voldy

Tom findet eine zweite (Zauber-)Familie und sinniert über seine Zusammenarbeit mit Du-weißt-schon-wer.

24 Alles hat einmal ein Ende oder Das Mädchen aus der Großen Halle

Wie die Harry-Potter-Dreharbeiten enden und eine Beziehung beginnt.

25 Jenseits der Magie oder Allein im La-La-Land

Tom zieht nach Los Angeles und findet heraus, dass das Leben in Hollywood ganz anders ist, als er es sich vorgestellt hat.

26 Die Ballade vom Barney’s Beanery oder Wenn ich ein reicher Mann wäre

Der absolute Tiefpunkt – und drei Zufallsbekanntschaften, die zeigen, was im Leben wirklich wichtig ist.

27 Sinnvoll genutzte Zeit oder Versionen meiner selbst

Tom gesteht sich einige Wahrheiten über sich selbst ein und setzt seine neu gewonnenen Erkenntnisse in die Tat um.

Nachwort

Tom denkt über die Bedeutung von Geschichten im Allgemeinen nach – und im Besonderen.

Danksagung

Vorwort

von Emma Watson

Gibt es in Ihrem Leben auch einen Menschen, der Ihnen das Gefühl gibt, gesehen zu werden? Jemanden, der irgendwie alles mitbekommt, was bei Ihnen abläuft? Jemanden, der wirklichweiß, wie es Ihnen geht, was Sie durchmachen, ohne dass Sie darüber ein Sterbenswörtchen verlieren müssen?

Für mich ist dieser Mensch Tom Felton.

Wie Sie später erfahren werden, stand unsere erste Begegnung unter keinem guten Stern. Ich muss bei unserem ersten Zusammentreffen eine launische und wahrscheinlich ziemlich nervige Neunjährige gewesen sein, die Tom wie ein Hündchen hinterherlief und verzweifelt versuchte, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Doch wie er es selbst so anschaulich und liebevoll schildert, tat das unserer Freundschaft keinen Abbruch. Im Gegenteil. Sie entwickelte sich zu einer dauerhaften Verbindung. Zum Glück.

Wenn man die Harry-Potter-Geschichten auf einen Grundgedanken reduzieren könnte (ich weiß, das ist wirklich viel verlangt), dann wäre es sicherlich der Wert von Freundschaft. Dass man ohne sie nichts wirklich Bedeutendes erreichen kann. Freundschaft ist das A und O unserer menschlichen Existenz, und ich bin so dankbar dafür, dass Tom an jedem wichtigen Wendepunkt meines Lebens für mich da war, mich unterstützt und verstanden hat. Unsere Freundschaft hat es mir ermöglicht, einige der schwierigsten und emotional belastendsten Momente meines Lebens durchzustehen.

Aber es geht hier nicht um mich, in diesem Buch geht es um Tom. Er hat ein unbeschreiblich großes Herz. So etwas ist mir sonst noch nie begegnet, außer vielleicht bei seiner Mutter, Sharon. Das muss das Felton-Gen sein. Sie werden in diesem Buch viel über Toms Bruder Chris lesen, der am Harry-Potter-Set Stammgast war und zu den witzigsten Menschen zählt, die mir je begegnet sind. Die ganze Familie ist außergewöhnlich, und Tom, der jüngste von vier Brüdern, hat ihre Herzlichkeit und Bodenständigkeit geerbt.

Was ich damit ausdrücken möchte: Wenn Sie Tom begegnen, dann begegnen Sie dem echten Tom. Das ist längst nicht bei allen Schauspielerinnen und Schauspielern der Fall. Die große Mehrheit von uns schlüpft in der Öffentlichkeit ebenfalls in eine Rolle. Als ob ein Schalter umgelegt worden wäre: Man gibt sich in solchen Augenblicken ausgesprochen professionell, spielt seine Rolle extrem gut. Und niemandem fällt auf, dass es sich dabei nicht um das wahre Ich der jeweiligen Person handelt, sondern um eine Fantasiefigur. Das ist bei Tom anders. Tom ist immer Tom. Er legt keinen Schalter um. Da gibt es keinen Schalter. „What you see is what you get.“ Er ist unglaublich nett zu seinen Fans und zur gesamten Harry-Potter-Community. Seine besondere Gabe, die mir das Gefühl gibt, gesehen zu werden, wirkt bei jedem. Ja, er hat einen Fiesling gespielt. Und vielleicht wirkt er auch manchmal wie ein Fiesling. Aber glauben Sie mir: Er ist alles andere als das. Er ist kreativ, sensibel und hat ein großes Herz. Ein Mensch, der allem und jedem mit Liebe begegnet.

Sokrates sagte, ein ungeprüftes Leben sei nicht lebenswert. Wenn ich sehe, wie ehrlich Tom in diesem Buch über sein Leben und seine Erfahrungen reflektiert, fällt mir wieder auf, dass er eine ganz erstaunliche Fähigkeit zur Selbstreflexion besitzt. Er ist fähig, über sich selbst zu lachen, aber auch jene Momente wieder aufleben zu lassen, die für ihn schwierig oder schmerzhaft waren. Er ist auf einer Reise zu sich selbst, und, genau wie Sokrates, kann auch ich nur mit den Menschen etwas anfangen, die sich auf eine solche Reise begeben. Aber Tom ist schon einen Schritt weiter als die meisten: Er lässt uns, seine Leser, an dieser Reise teilhaben. Das ist unglaublich selbstlos, besonders in einer Welt der sozialen Medien und Instant News mit ihrer polarisierenden Meinungsmache. Es heißt schon etwas, sein Ich so offenzulegen, wie er es tut. Wir alle sehnen uns nach einem echten, wahrhaftigen, geprüften Leben – Tom lebt es!

Wie Tom fällt es auch mir immer schwer, anderen unsere Verbindung zu erklären. Über 20 Jahre lang stehen wir uns schon sehr nahe – auf diese ganz besondere Art. Und ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft man mir schon gesagt hat: „Sicher wart ihr im Suff schon zusammen im Bett, wenigstens einmal!“, „Ihr habt euch bestimmt schon geküsst!“ oder „Da muss was zwischen euch sein!“ Aber das, was zwischen uns ist, geht viel tiefer. Es ist eine der reinsten Arten von Liebe, die ich mir vorstellen kann. Wir sind Seelenverwandte, und wir konnten uns immer aufeinander verlassen. Das wird immer so bleiben, da bin ich mir sicher. Schon der Gedanke daran berührt mich zutiefst. Manchmal bedaure ich es sehr, in einer Welt zu leben, in der Menschen so rasch Urteile fällen, zweifeln oder Absichten hinterfragen. Nicht so Tom. Ich weiß, dass er nie an meinen guten Absichten zweifeln wird, selbst wenn ich einen Fehler gemacht habe. Ich weiß, dass er mir immer glauben wird. Auch wenn er nicht die ganze Geschichte kennt, wird er darauf vertrauen, dass ich nichts Böses beabsichtigt und mein Bestmögliches gegeben habe. Das ist wahre Freundschaft, und von jemandem so wahrgenommen und geliebt zu werden, gehört zu den größten Geschenken, die ich im Leben bekommen habe.

Eine unserer Gemeinsamkeiten ist unsere Liebe zur Sprache. Und die Frage, wie man sie benutzt, um sich besser auszudrücken. Tom, du bist ein Dichter. Die Art und Weise, wie du denkst und das in Worte fasst, ist wunderschön, charmant, witzig und warmherzig. Ich freue mich so, dass du dieses Buch geschrieben und mit uns geteilt hast. Es ist ein Vergnügen und ein Geschenk zugleich. Die Welt kann glücklich sein, dass es dich gibt, und noch glücklicher bin ich. Denn ich habe dich zum Freund.

„Hut ab“, du mein Seelenverwandter. Und herzlichen Glückwunsch.

Emma Watson

London, 2022

1PEINLICH, PEINLICH (TEIL 1)oderDRACOS ERSTER KONFLIKT MIT DEM GESETZ

Ich sage es ganz offen: Das Folgende gehört nicht zu den Dingen in meinem Leben, auf die ich besonders stolz bin. Tatsächlich weiß meine Mum bis heute nichts von dieser Geschichte.

Tut mir leid, Mum.

Ein geschäftiger Samstagnachmittag in einer englischen Kleinstadt. Kunden hasten durch die Geschäfte, und Trauben von Teenagern ziehen durch die Einkaufszentren, um das zu tun, was Teenager halt so tun. Niemand achtet auf den blassen, mageren vierzehnjährigen Jungen mit gebleichten Haaren, der hier mit seiner Clique herumlungert. Besagter Junge, das bin ich. Und es tut mir aufrichtig leid, sagen zu müssen, dass wir nichts anderes als Unfug im Kopf hatten.

Manch einer wird jetzt denken – und das zu Recht –, dass ich mit meiner auffälligen hellblonden Frisur gut beraten gewesen wäre, jeglichen Trouble zu „vermeiden“. Dass ich sicher keinen Ärger bekommen wollte. Aber normale Teenager tun eben nicht immer das, was richtig – und schon gar nicht das, was „vernünftig“ ist. Und ich versuche gerade mit aller Kraft, genau das zu sein: ein ganz normaler Teenager.

Was nicht immer ganz einfach ist, wenn dein Alter Ego ein Zauberer ist.

• • •

Das Ganze spielte sich noch ziemlich zu Beginn meiner Zaubererkarriere ab, irgendwann zwischen dem ersten und dem zweiten Harry-Potter-Film. Das Objekt unserer Aufmerksamkeit befand sich im HMV-Plattenladen von Guildford in Surrey – damals ein ziemlich angesagter Ort zum Abhängen. Es war völlig normal, dass die Kids CDs aus den Hüllen nahmen, unter der Jacke verschwinden ließen und aus dem Laden schlenderten – eine ständige Herausforderung für das arme Sicherheitspersonal, das durch die Gänge tigerte und nach verdächtigen Subjekten Ausschau hielt. An besagtem Samstag hatte meine Clique jedoch Anspruchsvolleres im Visier als simple CDs: und zwar eine DVD „für Erwachsene“, deren Altersgrenze keiner von uns auch nur annähernd erreichte. Ich zucke noch heute zusammen, wenn ich daran zurückdenke. Und wenn ich ehrlich sein soll: Auch damals zuckte ich innerlich zusammen, aber das zeigte ich natürlich nicht. Ich versuchte, zu den coolen Kids zu gehören. Selbst die abgebrühtesten Jungs schreckten vor einer Tat dieses Kalibers zurück, die extrem peinliche Folgen haben konnte.

Deshalb meldete ich mich freiwillig.

Verehrte Leserschaft, mit Dickens’ Artful Dodger hatte ich wenig gemeinsam. Meine Handflächen wurden feucht, mein Puls raste. Betont lässig betrat ich den Laden. Am schlauesten wäre es gewesen, das Objekt der Begierde zu lokalisieren, die Scheibe einzustecken und so schnell wie möglich zu verschwinden. Ein echter Slytherin hätte das getan. Ich leider nicht. Anstatt sie schnell und geschickt verschwinden zu lassen, schlich ich ewig um die DVD herum. Ich bin sicher fünfzigmal den Gang hoch und runter getigert, während meine Haut vor Angst kribbelte. Ich fragte sogar irgendeinen Kunden, ob er die DVD für mich kaufen würde, damit ich den coolen Kids einen Erfolg vorgaukeln könnte. Das lehnte der gute Mann entschieden ab, und so nahm ich meine Wanderung zwischen den Regalen wieder auf.

Hoch und runter …

Hoch und runter …

So ging das bestimmt eine Stunde lang. Ganz sicher gab es keinen einzigen Aufpasser, dem ich mittlerweile nicht aufgefallen wäre. Ob sie erkannten, dass es sich bei dem unbegabtesten Ladendieb der Welt um den Jungen aus den Harry-Potter-Filmen handelte, weiß ich nicht. Aber eines weiß ich: Meine Frisur war total auffällig und schräg. Wie ein Leuchtsignal, das man schlichtweg nicht übersehen konnte.

Ich wünschte, ich hätte mich nicht gemeldet. Wie dumm von mir. Aber jetzt konnte ich nicht kneifen und den Laden mit leeren Händen wieder verlassen. Also holte ich schließlich tief Luft und nahm die Sache in Angriff. Ich tat, als würde ich zur Decke hochschauen, fummelte mit verschwitzten, ungeschickten Fingern den Diebstahlschutz ab, holte die silberne Scheibe aus ihrer Plastikhülle, ließ sie in meine Tasche gleiten und ging rasch in Richtung Ausgang.

Ich hatte es getan! Ich sah meine Kumpel draußen stehen und schickte ihnen ein wissendes Grinsen. Ich konnte ihre Aufregung förmlich spüren.

Und dann … die Katastrophe!

Ich war kaum über die Schwelle getreten, als mich drei bullige Wachmänner einkreisten. Mein Magen krampfte sich zusammen, als sie mich höflich, aber bestimmt in das Geschäft zurückbegleiteten. Es wurde ein Spießrutenlauf quer durch den Laden. Mit gesenktem Kopf, alle Augen auf mich gerichtet, hoffte ich verzweifelt, dass mich keiner erkennen würde. Damals waren die Filmfiguren noch nicht so berühmt, aber möglich wäre es schon gewesen. Sie führten mich in eine kleine Kabine ganz hinten und forderten mich mit strenger Miene auf, meine Taschen zu leeren. Verlegen übergab ich ihnen die DVD und bat sie – nein, ich bettelteförmlich darum –, nicht das zu tun, was diese jämmerliche Geschichte noch zehnmal schlimmer machen würde. „Bitte“, sagte ich, „‚bitte sagen Sie meiner Mum nichts.“ Würde sie davon erfahren, wäre die Demütigung schlicht unerträglich.

Sie haben es ihr nicht gesagt. Aber sie stellten mich vor die Wand, holten eine Polaroidkamera hervor und machten ein Sofortbild von meinem Gesicht. Die Aufnahme pinnten sie an die Wand, reihten mich somit ein in die Galerie skrupelloser Diebe, die in dem Plattenladen schon lange Finger gemacht hatten. Und sie erteilten mir lebenslanges Hausverbot. Ich dürfe nie wieder einen Fuß in einen HMV setzen.

Das hatte ich auch nicht vor. Mit hochroten Wangen machte ich mich schnellstmöglich vom Acker, ohne mich noch einmal umzudrehen. Meine Kumpel hatten beim Anblick der Wachmänner sofort das Weite gesucht. Also nahm ich allein den Zug nach Hause und verschanzte mich dort.

• • •

Wie lange das Polaroid des hellblonden Tom wohl bei HMV an der Wand hing? Wer weiß, vielleicht hängt es immer noch dort. Noch Wochen danach hatte ich Angst, dass Warner Brothers oder die Presse von meiner Dummheit Wind bekommen würden. Ich hatte keinem ein Sterbenswörtchen davon erzählt. Aber was, wenn jemand mich auf dem Steckbrief erkannte? Würde ich dann gefeuert? Würden Harry, Ron und Hermine im nächsten Film von einem anderen Draco terrorisiert werden? Würde mich mein peinlicher Gesetzesverstoß zum allgemeinen Gespött machen?

Wie gesagt, ich strengte mich wirklich sehr an, ein ganz normaler Teenager zu sein. Und meistens ist mir das, trotz allem, was sich in der Zukunft noch ereignen sollte, auch ganz gut gelungen. Aber wenn man im Licht der Öffentlichkeit aufwächst, ist die Linie zwischen normal und leichtsinnig hauchdünn. Und diese Linie hatte ich an jenem Samstagnachmittag eindeutig überschritten. Der junge Tom Felton war zwar kein Draco Malfoy. Aber er war auch kein Engel. Vielleicht ist das der Grund, warum ich die Rolle überhaupt bekam. Das zu beurteilen, überlasse ich anderen.

• • •

Ach ja, wir haben es nie geschafft, die DVD anzuschauen.

2MEINE MUGGELFAMILIEoderDER HÄNFLING DES RUDELS

Draco Malfoy, die Figur, für deren Darstellung ich bislang die meisten Lorbeeren einheimste, war ein Einzelkind und wuchs in einer herzlosen, brutalen Familie auf. Der Unterschied zu meiner eigenen Familie hätte größer nicht sein können. Eng miteinander verbunden, liebevoll, chaotisch und im Bedarfsfall immer zur Stelle – meine Familie war der Mittelpunkt meiner frühen Jahre. Ich bin der jüngste von vier Söhnen, und bevor ich Mum und Dad hier vorstelle, will ich von meinen drei Brüdern erzählen. Sie haben mich stark beeinflusst, jeder auf seine Art. Ohne sie wäre ich sicher ein ganz anderer geworden.

Meine Brüder würden vergnügt kundtun, dass ich der Hänfling der Mannschaft war. Auf jeden Fall haben sie mich immer so genannt. (Ich denke, das war scherzhaft gemeint; wie das unter Brüdern halt so ist.) Jedenfalls bin ich der Jüngste von uns vieren. Jonathan, Christopher und Ashley waren sozusagen Serienproduktion, drei Jungs innerhalb von vier Jahren. Danach hat sich meine Mum sechs Jahre lang erholt, bis ich dann am 22. September 1987 das Licht der Welt erblickte. Von diesem Moment an hatte ich drei ältere Brüder, die mich vom Sofa schubsten und darauf achteten, dass ich die Fernbedienung nicht in die Finger bekam. Drei ältere Brüder, die mich liebevoll schikanierten. Die witzelten, dass ich nicht deshalb als Nachzügler gekommen sei, weil es meine Eltern noch mal wissen wollten, sondern weil ich der Sohn des Milchmannes sei. (Sie waren – und sind – viel größer als ich, alle über 1,80 m und gebaut wie ein Kleiderschrank.) Um es auf den Punkt zu bringen: Da waren drei ältere Jungs, die mir unmissverständlich klarmachten, wo mein Platz war – vielleicht nicht das Schlechteste für ein Kind, das einmal eine Zaubererkarriere einschlagen wird.

Meine Brüder nannten mich nicht nur „Hänfling“. Wenn sie gut drauf waren, fiel auch mal der Kosename „Wurm“. Aber das war alles halb so schlimm. Alle drei hatten während meiner ungewöhnlichen Kindheit einen sehr positiven Einfluss auf mich, wenn auch auf unterschiedliche Weise.

Jonathan, den wir Jink nennen, ist der Älteste. Er ging mit gutem Beispiel voran und machte mir damals klar, wie cool es ist, sich für Kunst zu begeistern. Jink war derjenige, bei dem ein Oasis-Poster an der Wand hing und der eine schwarze Stratocaster – oder zumindest ein billiges Imitat davon – besaß. Er stand auf Musik, Gesang und Schauspiel – Beschäftigungen, zu denen die meisten Kinder nicht gerade ermuntert werden. Das wäre bei mir wahrscheinlich ähnlich gewesen, hätte es Jink nicht gegeben. Als ich noch sehr klein war, spielte er Theater, und meine Familie wohnte natürlich seinen Aufführungen bei. Alle Schauspieler waren noch Kinder, allerhöchstens im Teenageralter. Klar: Das waren keine wirklich glanzvollen, professionellen Inszenierungen. Jink ist übrigens heute Chiropraktiker – da wurde ein Talent verschwendet, wie er immer wieder beteuert. Aber er ist nichtsdestotrotz ein unglaublich kreativer Typ. Ich weiß noch, dass ich ihn in mehreren Musicals gesehen habe: South Pacific, West Side Story,Guys and Dolls und – unvergesslich – Der kleine Horrorladen. Als ich da mit großen Augen im Publikum saß, habe ich etwas Wichtiges und Prägendes gelernt: dass nichts Seltsames daran ist, auf einer Bühne zu stehen. Und dass es ganz offensichtlich Spaß macht. Meinen großen Bruder in einer Theaterrolle zu erleben, hat mich davon überzeugt, dass es vollkommen okay ist, Schauspieler werden zu wollen. Egal was andere davon halten.

Gut gemacht, Jink!

Und das bringt uns zu Bruder Nummer zwei, Chris. Das absolute Gegenteil. „Schauspielern ist öde, Bro! Tanzen? Hau bloß ab!“

Chris ist der Zweitälteste von uns. Sich ein knallrosa Kostüm anzuziehen und die gute Fee zu spielen: für ihn genauso undenkbar, wie fliegen zu können. Was schade ist, denn er würde in einem Ballettröckchen tipptopp aussehen. Während Jink etwas sensibler auf die emotionalen Befindlichkeiten seiner Mitmenschen reagiert, ist Chris eben einfach Chris. Deshalb verwundert es vielleicht ein wenig, dass Chris der Bruder war, der mir während der Potter-Jahre am nächsten stand. Der Bruder, der auf mich aufpasste, der mich erdete und mich als Jugendlicher am stärksten beeinflusste. Zweieinhalb Potter-Filme lang war er mein Betreuer. Tatsächlich hieß das lediglich, dass er mit mir im Wohnwagen schlief und das kostenlose Catering am Set ausgiebig nutzte – dazu später mehr. Was ich damit andeuten will, ist, dass er seine Pflichten als Aufpasser nicht immer ganz ernst nahm. Ziemlich oft verließen wir den Set um 20 Uhr und fuhren schnurstracks in einer Stunde zu unserem Anglersee. Dort bauten wir unser Zelt auf, warfen die Schnur aus und genossen die Nacht beim Angeln. Morgens um sechs rollten wir die Schnüre auf, packten zusammen, kehrten (leicht schmutzig) an den Set zurück und erzählten den Leuten von Warner Brothers, ich hätte die Nacht brav zu Hause geschlafen. Wem also Draco manchmal ziemlich blass vorkam: Es lag nicht ausschließlich an den Maskenbildnern.

Es gab eine Zeit, da glaubte ich – und ich denke, auch die meisten anderen –, dass Chris einmal der berühmteste Felton werden würde. Warum? Weil er einer der vielversprechendsten Karpfenangler Englands war. Diese Karpfenangler bilden eine eingeschworene Community, und darin war Chris definitiv jemand, den man im Auge behalten musste. Er schaffte es mehrmals auf die Titelseiten der Anglermagazine Carp Talk und Big Carp, weil er tolle Fische in bekannten Seen gefangen hatte, was mein Ansehen bei den Angelfanatikern unter meinen Altersgenossen deutlich steigerte. Sie bewunderten ihn ungemein, und weil er mein Bruder war, galt ich ebenfalls als cool. Da auch ich ihn bewunderte, gingen wir in unserer Freizeit so gut wie immer angeln. Es war sicher hart für ihn, als Potter unser Leben auf den Kopf stellte: Eben noch einer der besten Angler Großbritanniens, betrachtete ihn jeder plötzlich nur noch als Draco Malfoys Bruder und rief: „Los, rauf auf den Besen, Alter!“ Aber Chris nahm es gelassen. Und für mich war er der große Held meiner Kindheit. Zumal er mich mit jeder Menge Musik bekannt machte – Bob Marley, The Prodigy, Marvin Gaye, 2Pac –, Musik wurde eine meiner großen Leidenschaften. Aber auch andere, nicht ganz so unschuldige Hobbys habe ich ihm zu verdanken. Dazu kommen wir noch. Vom Angeln jedoch waren wir regelrecht besessen.

Dank Chris war ich Stammgast bei den Bury Hill Fisheries in Surrey und hatte dort, als es mit den Potter-Filmen gerade losging, sogar einen Wochenendjob. Der brachte mir etwas zusätzliches Taschengeld ein, und als Bonus durfte ich kostenlos angeln. Meistens musste ich auf dem Parkplatz helfen. Jeden Samstag und Sonntag war ich also um sechs Uhr morgens zur Stelle und wies den erwartungsfrohen Anglern auf dem winzigen Gelände ihren Platz zu. Die blond gebleichten Malfoy-Haare versteckte ich unter einer Fischermütze. Anschließend schnappte ich mir ein Schinkensandwich und drehte meine Runden um den See, bewaffnet mit einer braunen Ledertasche voller Münzen, um den Anglern ihre Tickets zu verkaufen.

Der Gewissenhafteste aber war ich nicht. Einmal weilte ich in Chris’ Wohnung, um einen hochkarätigen Boxkampf anzuschauen, der im Vereinigten Königreich morgens um vier Uhr übertragen wurde. Ich war total aufgeregt und schaffte es, bis zum Beginn des Kampfes wach zu bleiben. Gerade als es losging, fiel der kleine zwölfjährige Tom in den Tiefschlaf. Mein Bruder weckte mich zwei Stunden später und schickte mich zur Arbeit. Ich kam dort an, wurde dann aber ein zweites Mal geweckt, diesmal von meinem Boss, der mich unter einem Baum schlafend fand. Die Angler hatten sich ohne mich arrangiert, und der Parkplatz war ein einziges Chaos.

Sorry, Boss.

Man könnte meinen, die Kunden am Angelsee hätten es etwas seltsam gefunden, sich von Draco Malfoy sagen zu lassen, wo sie ihren Allradwagen abstellen sollen und wie viel sie dafür zu berappen hätten. Aber es gelang mir weitgehend, unerkannt zu bleiben. Die paar Male, bei denen das anders war, kann ich an einer Hand abzählen. Diese Angler waren ein besonderer Menschenschlag, alles grantige ältere Männer (jedenfalls kam es mir damals so vor). Von denen hätte mich sowieso keiner erkannt und, ganz klar, die Anzahl an Mädchen, die an einem Samstag in aller Frühe aufstehen, um Karpfen zu angeln, war begrenzt. Ab und zu tauchte ein Journalist auf, um etwas über mein Leben als Muggel zu schreiben. Und gelegentlich war sich auch der Besitzer des Angelsees nicht zu schade, mich für Werbezwecke einzusetzen. Aber im Großen und Ganzen konnte ich meinen Job in aller Ruhe erledigen. Und er machte mir Spaß, nicht wegen der 20 Pfund bar auf die Kralle, die ich am Ende meines Arbeitstages bekam, sondern weil ich gratis angeln konnte. Das war für Chris und mich das Wichtigste. Fische waren unsere Leidenschaft, keine Frage. Und noch mehr fuhren wir auf alles ab, was damit zusammenhing: den Mond, die Sterne, die Nähe zur Natur, die Angelruten, die Rollen, das Zelten und natürlich die Knödel. Das sind Köder, ungefähr so groß wie eine Murmel, die man selbst in der Küche zusammenschmurgelt und mit ekligen Aromen tränkt, zum Beispiel Tintenfischleber oder Monsterkrabbe – Zutaten, die man eher im Zaubertrankunterricht verorten würde. Wir haben unsere Knödel natürlich auch selbst hergestellt und meine Mum mit dem Gestank und dem Küchenchaos zur Verzweiflung getrieben. Wir schworen ihr, „alles“ später wieder sauber zu machen, und zischten ab zu unserem geliebten Angelsee.

Mein dritter Bruder, der mir altersmäßig am nächsten steht und mit dem ich in mancherlei Hinsicht den größten Teil meiner Kindheit verbracht habe, ist Ash. Anders als meine beiden älteren Brüder besuchte er eine Zeit lang mit mir zusammen dieselbe Schule (und ich will es mal so ausdrücken: Es kann ganz nützlich sein, einen älteren Bruder vor Ort zu haben, vor allem wenn er so gebaut ist wie Ash damals). Ash und ich hatten einen ähnlichen Sinn für Humor. Stundenlang haben wir uns zusammen Die Simpsons oder Beavis und Butt-Head angeschaut. Selbst heute rede ich mit ihm eher mit der Stimme von Beavis als mit meiner eigenen. Manchmal mussten wir uns regelrecht zusammenreißen, wenn wir unter Leuten waren. Wir haben auch zusammen Sport getrieben. Nachdem wir Space Jam gesehen hatten, nervten wir unseren Dad so lange, bis er im Garten einen Basketballkorb anbrachte. Und nach Mighty Ducks – Das Superteam wollten wir eine Zeit lang unbedingt Eishockeyspieler werden. Ash hat ein großes Herz, kann über dieselben Dinge lachen wie ich und ist einer der nettesten Typen überhaupt. Aber als er in die Pubertät kam, litt er unter großen Stimmungsschwankungen, was so weit ging, dass er irgendwann nicht mehr zur Schule gehen und sogar das Haus nicht mehr verlassen wollte. Er konnte sich einfach nicht so akzeptieren, wie er war, und das führte schließlich zu langen Klinikaufenthalten. Ich weiß noch, dass ich ihn oft nach der Schule in einer Klinik in Guildford besuchte. Ich würde jetzt gern sagen können, dass ich bei diesen Besuchen ein Vorbild in Sachen Einfühlungsvermögen und Geduld war. Aber vermutlich war ich zu jung, um wirklich verstehen zu können, was mit meinem Bruder los war. Woran ich mich erinnere: dass ich meine Mum fragte, wann wir endlich wieder gehen könnten. Als es Ash besser ging und er nach Hause durfte, konnten wir Gott sei Dank wieder zusammen lachen. Aber seine Schwierigkeiten im Teenageralter waren leider ein Vorbote für die psychischen Probleme der Felton-Brüder, mich eingeschlossen. Dazu später mehr. An dieser Stelle nur so viel, dass wir in dieser Hinsicht alle vorbelastet sind und dass man manchen Problemen einfach nicht entkommen kann. Irgendwann holen sie dich ein.

So sieht das also aus: drei ältere Brüder, jeder auf seine Weise mit mir verbunden. Mir ist schmerzlich bewusst, dass die Potter-Geschichte auch in ihrem Leben unauslöschliche Spuren hinterlassen hat. In gewisser Hinsicht werden sie für immer Draco Malfoys Brüder bleiben. Aber mir ist auch bewusst, dass jeder Einzelne von ihnen einen ganz bestimmten Einfluss auf den kleinen Tom hatte. Jink: Kreativität und die Lust am Schauspielern. Chris: Liebe zur Natur und Bodenständigkeit. Ash: Sinn für Humor und die Vorahnung, dass es kein Licht ohne Schatten gibt. Das alles sind wichtige Lektionen fürs Leben. Und auch wenn ich für sie der Wurm war, der Hänfling des Rudels, wäre ich ohne sie nicht der Mensch, der ich heute bin.

• • •

Wie so viele Kinder fiel auch ich von einer Begeisterung in die andere. Einer meiner größten Vorteile im Leben war, dass ich eine Mutter hatte, die mich zu allem ermunterte, aber nie zu großen Druck auf mich ausübte, bei einer Sache zu bleiben.

Wir verlebten eine sorgenfreie Kindheit, die wir in einem freundlichen Haus mit dem Namen Redleaf verbrachten. Es lag gegenüber einer Farm in der Grafschaft Surrey. Ein fröhliches, quirliges, gemütliches Heim. Wir hatten nie viel Geld. Der Höhepunkt der Woche war stets der Trip zum Garagenflohmarkt in Dorking, wo man für 20 Pence schon gut einkaufen konnte, und wenn man 50 Pence in der Tasche hatte, war man glücklich.

Mein Dad war ein hart arbeitender Bauingenieur und wird mir sicher verzeihen, wenn ich sage, dass er im Umgang mit Geld extrem vorsichtig war. Ich habe miterlebt, wie er in den Secondhandläden handelte! Natürlich musste ich deswegen auch in meinem ganzen Leben nie Hunger leiden, aber ich glaube, dass seine Sparsamkeit in späteren Jahren zu Spannungen in der Ehe führte. Wenn meine Mum sagte: „Ich finde, wir sollten Tom eine Geige kaufen. Er will Geigespielen lernen“, dann antwortete mein Vater, durchaus verständlich: „Wir haben ihm doch eben erst einen Hockeyschläger gekauft. Ist er mit Hockey schon durch?“

Und ja, höchstwahrscheinlich war ich mit Hockey durch. Ich war schon weiter, hatte etwas anderes Interessantes entdeckt, wie eine Elster, die von jedem funkelnden Objekt angezogen wird. Damit habe ich meinen Dad zur Verzweiflung getrieben. Meine Mum aber fand jede neue, auch noch so vorübergehende Leidenschaft spannend und wollte meinen Enthusiasmus auf keinen Fall bremsen. Nie hat sie mich auch nur im Geringsten kritisiert oder verurteilt, wenn die neueste Begeisterung wieder wie üblich verpuffte, hat mit keiner Wimper gezuckt, als ich drei Monate, nachdem sie die Geige gekauft hatte, den Unterricht schwänzte und mich stattdessen in der Jungentoilette versteckte, um mich mit meinem coolen neuen Jo-Jo zu beschäftigen. Ich hätte es verstanden, wenn mir mein Dad die Geige um die Ohren gehauen hätte. Aber Mum wurde nie müde, mich zu allem zu ermuntern, was einen Jungen wie mich zu fesseln vermochte, ohne mich jemals dazu zu zwingen, bei etwas zu bleiben, wenn etwas Neues mich längst mehr begeisterte.

Nicht dass Dad sich nicht interessiert hätte. Im Gegenteil. Er war ein geschickter Bastler, und wenn wir uns etwas wünschten, versuchte er, es für uns herzustellen. So baute er uns einen perfekten Basketballkorb, stellte ein Hockeytor auf und zimmerte sogar eine Skateboardrampe im Garten, nachdem er sich eingehend erkundigt hatte, wie wir sie uns genau vorstellten. Oft konnte man ihn noch um Mitternacht im Schuppen finden, die Säge in der Hand, um die erstaunlichsten Dinge für uns zu basteln, oft aus Materialien, die er sich von der örtlichen Mülldeponie besorgt hatte.

Aber es gab auch Dinge, die er nicht selbst machen konnte – oder die wir nicht in seiner Do-it-yourself-Version haben wollten. Wir wollten das glänzende Modell mit dem Logo, das alle unsere Freunde hatten. Und es blieb Mum überlassen, diese Objekte der Begierde zu finanzieren. Sie hatte also nicht nur vier Jungs zu versorgen (fünf, wenn man Dad dazuzählte), sondern fand auch noch die Zeit, diverse Jobs zu übernehmen, um das nötige Kleingeld ranzuschaffen. Sie arbeitete für den Immobilienmakler des Ortes, füllte Supermarktregale auf und ging nachts Büros putzen, zusammen mit ihrer Freundin Sally. „Tante“ Sally gehörte zu meinem Leben, und eine Zeit lang war sie auch meine Betreuerin am Set. All das nahm Mum auf sich, damit ich ein neues Jo-Jo bekam oder Ash den Basketball mit dem Air-Jordan-Schriftzug anstatt das Billigteil, das bei Woolworth nur ein Fünftel des Preises kostete. Was immer ich mir in den Kopf setzte – Mum tat ihr Bestes, um es mir zu ermöglichen.

Fazit: Meine Mum hat einen Riesenanteil daran, dass ich heute da bin, wo ich bin, wenngleich sie mich nie dazu gedrängt hat, Schauspieler zu werden. Ich hätte mich genauso gut für eine Karriere als Geiger entscheiden können, als Eishockeykeeper oder Jo-Jo-Artist. Egal welches Ziel ich mir letztendlich in den Kopf gesetzt hätte, eines ist sicher: Meine Mum hätte mir geholfen, es zu erreichen.

Dad war und ist der Spaßvogel des Rudels. Er achtet darauf, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, und findet immer eine Gelegenheit, um ein Späßchen zu machen oder sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Denkt man Del Boy, Blackadder und Basil Fawlty zusammen, dann hat man Dad. Diesen Zug habe ich von ihm geerbt und bis heute Tag beibehalten. In meiner Branche trifft man ständig neue Leute und muss versuchen, rasch das Eis zu brechen. Und so versuche ich, die Leute mit einer kleinen humorvollen Bemerkung zu entwaffnen, und spiele kurz den Clown – das habe ich von meinem Dad gelernt.

Als Ingenieur hatte er mit großen Bauprojekten auf der ganzen Welt zu tun, weshalb er ab und zu für längere Zeit unterwegs war. Als ich älter wurde, wurden diese Auslandsaufenthalte häufiger. Seine Abwesenheit machte sich noch stärker bemerkbar, als er und Mum sich trennten. Sie waren 25 Jahre verheiratet, und ich habe sie als liebevolles Paar in Erinnerung, besonders während unserer jährlichen Campingurlaube. Ich weiß noch, dass sie sich „Honigbär“ und „Liebling“ nannten. Später sehe ich mich auf der Treppe sitzen und ganz andere Töne vernehmen – nicht dass sie stritten, aber von der früheren Nähe war nichts mehr zu spüren.

Ich weiß noch, wie mich meine Mutter ungefähr zu der Zeit, als ich den ersten Harry-Potter-Film drehte, zur Schule fuhr und ganz sachlich sagte: „Dein Vater und ich lassen uns scheiden.“ Ohne Drama und Geschrei, sondern typisch britisch, völlig pragmatisch. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir das damals besonders viel ausgemacht hätte oder dass ich wütend geworden wäre, als Mum sagte, Dad hätte eine andere. Ich war damals erst zwölf und wahrscheinlich mehr mit der Frage beschäftigt, welches Mädchen ich an dem Tag auf dem Spielplatz anbaggern würde.

Danach wohnte Dad während der Woche irgendwo anders und kam an den Wochenenden nach Hause, die Mum dann bei ihrer Schwester – meiner Tante Lindy – verbrachte. Ein ungewöhnliches Arrangement, denke ich, das ein paar Jahre lang beibehalten wurde. Aber für uns Teenager war es super, denn es bedeutete, dass wir uns am Wochenende so ziemlich alles erlauben konnten. Wenn Mum da war, konnte man im Umkreis von einer halben Meile kaum eine Zigarettenschachtel in die Hand nehmen, ohne dass sie rief: „Was habt ihr Jungs jetzt schon wieder vor?“ Mit Dad war alles ein bisschen lockerer. Ich weiß noch, wie er an einem Samstag nachts um drei Uhr die Treppe herunterschlurfte, als ich und ein paar Kumpel in der Küche Pfannkuchen backten. „Was zum Teufel macht ihr da?“, fragte er.

„Äh, Pfannkuchen.“

Er zuckte mit den Schultern. „Okay“, murmelte er. Dann lächelte er und stapfte wieder hoch ins Bett.

Die Scheidung meiner Eltern hat mich nicht so belastet, wie das vielleicht bei anderen Kids der Fall gewesen wäre. Ich wollte nicht, dass sie zusammenblieben und litten, nur weil sie dachten, es sei besser für mich. Wenn sie getrennt glücklicher waren, sollte es mir recht sein. Auch als Mum und ich von Redleaf, dem einzigen Zuhause, das ich jemals hatte, in eine viel kleinere Sozialwohnung umzogen, war ich nur froh, dass sie jetzt glücklicher zu sein schien. Und als sie den Umzug dann noch dadurch versüßte, dass sie sich damit einverstanden erklärte, Sky TV zu abonnieren, war für mich alles in Butter. Schon erstaunlich, was einem als Kind wichtig erscheint.

Ich glaube, ich kann mit Recht sagen, dass Dad meine frühen Kontakte zur Filmindustrie misstrauisch beäugte. Ihn trieb nicht so sehr die Sorge um, was es mit mir machen würde, ein Kinderstar zu sein. Ich glaube, er hatte einfach Angst, dass ich nicht mehr genügend Zeit mit normalen Leuten verbringen würde, mit Muggeln, wenn man es so formulieren will. Im Nachhinein verstehe ich diese Befürchtung. Er hatte unglaublich hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo er war. Mit 26 Jahren hatte er vier Söhne – und wusste, was ein Pfund wert war. Es war ihm wohl sehr wichtig, dass auch wir das begriffen. Ihm lag daran, dass wir seine unglaublich strenge Arbeitsethik verstanden und übernahmen. Es muss schon seltsam für ihn gewesen sein, als ich mit der Schauspielerei schon in ganz jungen Jahren mein eigenes Geld verdiente, ohne dafür so hart arbeiten zu müssen wie er. Vielleicht fühlte er sich seiner Vaterrolle beraubt. Es ist nur natürlich, dass man sich in so einer Situation etwas zurückzieht.

Aber das äußerte sich manchmal auf eine Art, die ich nur schwer ertragen konnte. Bei der Premiere zum vierten Potter-Film saß ich zwischen Mum und Dad, und als der Abspann lief, neckte er mich mit den Worten: „Na ja, viel gesehen von dir hat man nicht gerade.“ Seine mangelnde Begeisterung hat mich damals verletzt, aber im Nachhinein sehe ich das anders. Von seinen Freunden und Arbeitskollegen habe ich erfahren, wie Dad über mich redete, wenn ich nicht dabei war. Ich weiß jetzt, dass er sehr stolz auf mich war. Ich weiß inzwischen auch, dass es für britische Männer typisch ist, sich mit emotionalen Äußerungen sehr zurückzuhalten und nicht zu sagen, was man wirklich denkt. Ich glaube nicht, dass Dads Ablehnung dem Filmbusiness gegenüber bedeutete, dass er nicht stolz auf mich war oder mich nicht mehr mochte. Ich glaube, er wusste nur nicht, wie er es mir sagen sollte. Er versuchte, mit einer außergewöhnlichen Situation fertig zu werden, und das war sicher nicht einfach.

Dank meiner Schauspielerei erlangte ich schon als Kind ein ungewöhnliches Maß an Unabhängigkeit. Aber auch Dad hat einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen. Als ich neun Jahre alt war, hat er mich auf eine Geschäftsreise nach Amsterdam mitgenommen. Ich weiß noch, dass wir in einem Straßencafé an einem großen Platz saßen und er zu mir sagte: „Also dann, geh los.“ Ich hatte kein Geld und wusste nicht genau, wo wir waren. Aber er war fest davon überzeugt, dass man mich dazu ermuntern müsse, mich aus eigener Kraft durchzuschlagen. Damals habe ich sein Verhalten als Gleichgültigkeit interpretiert, aber heute erkenne ich, dass das ein wichtiger Schritt in meiner Entwicklung war. Er musste damit rechnen, dass ich mich verirre. Aber irgendwie würde ich schon zurückfinden. Er wusste, dass ich vielleicht in ein Sex-Museum gehen und gleich wieder hinausgeworfen werden würde, aber das wäre ja auch nicht weiter schlimm. Ich würde vielleicht hinfallen, aber dann würde ich auch lernen, wieder aufzustehen. All das sollten wichtige Lektionen für mich sein. Für mein späteres Leben. Ich bin meinem Dad sehr dankbar für diese frühen Lehren – und für alles andere, was er für mich getan hat.

In den folgenden Jahren fand ich mich dann als Teil einer ganz anderen Familie wieder. Einer Zaubererfamilie. Aber meine Muggelfamilie war so wie die meisten Familien: liebevoll, kompliziert, gelegentlich fehlerbehaftet, aber immer für mich da. Und neben Basketbällen und witzigen Pointen hat sie mir in ihrer unglaublichen Großzügigkeit etwas geschenkt, an das es mir sehr leicht hätte mangeln können, als mein Leben so eine unerwartete Wendung nahm: Sie schenkte mir ein gesundes Maß an Normalität.

3ERSTE AUDITIONSoderMOTHER GOOSE!

Ich wurde Draco Malfoy, weil meine Mum einen Glassplitter im Fuß hatte.

Das bedarf der näheren Erläuterung.

Ein Wunderkind war ich nicht. Klar, ich lernte von meinem älteren Bruder Jink, dass es völlig in Ordnung war, sich für kreative Beschäftigungen aller Art zu interessieren. Klar, meine Mum hat mich immer bei allem unterstützt, was mir zu einem bestimmten Zeitpunkt interessant erschien. Aber von Natur aus war ich eher begeisterungsfähig als talentiert.

Das ist keine falsche Bescheidenheit. Als Sänger war ich nicht unbegabt. Alle Felton-Brüder sangen im Kirchenchor von St. Nick in Bookham (auch wenn ich der Vollständigkeit halber erwähnen sollte, dass Chris rausgeschmissen wurde, weil er an einem Kiosk Süßigkeiten geklaut hatte). Und eine angesehene Chorschule wollte mich, das engelhafte Kerlchen, das ich war, aufnehmen. Aber als das Angebot kam, brach ich in Tränen aus, weil ich die Schule nicht wechseln und meine Freunde nicht verlassen wollte. Wie immer tröstete mich Mum, ich solle mir deswegen keine Gedanken machen – aber von Zeit zu Zeit erwähnt sie dieses Angebot dann doch. Wie Mütter eben so sind. Meinen ersten großen Auftritt hatte ich also nicht als Schauspieler, sondern als ich an einem Weihnachten das Solo von „O Little Town of Bethlehem“ in der Kirche St. Nick sang.