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Katia Mann - Gefährtin eines grossen Dichters, Biografie
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Biografie, Katia Mann, Gefährtin eines großen Dichters
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Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2016
Helga I. Jungo-Fallier
Katia Mann – Gefährtin eines grossen Dichters
Biografie
ISBN:978-3-8495-9411-4 (Paperback);
978-3-8495-9412-1 (Hardcover);
978-3-8495-9413-8 (e-Book)
© Helga Ida Jungo-Fallier
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
Alle Rechte sind vorbehalten
Helga I. Jungo-Fallier, 1940 in Bielefeld, Nordrhein-Westfalen, geboren, wuchs mit zwei Schwestern und einem Bruder auf. Nach dem Gymnasium und der Handelsschule war sie als Sekretärin im väterlichen Ing.-Büro für Kunststofftechnik tätig; später in der Werbe- und Modebranche. 1968 zog es sie nach München. Dort arbeitete sie als Assistentin in der Flugzeugbranche, anschliessend im grössten Versicherungskonzern Europas.
Seit dem Jahr 1979 wohnt Helga I. Jungo-Fallier in Küsnacht am Zürichsee in der Schweiz. Von 1982 bis 1985 war sie am MRS-Institut für Frauenbildung und Frauenförderung, Zürich, tätig. Nebenberuflich belegte sie dort 6 Semester „Deutschsprachige Literatur vom Barock bis zur Gegenwart“.
Seit den 80-er Jahren veröffentlicht Helga I. Jungo-Fallier Lyrik, Kurzprosa und Reflexionstexte in Zeitschriften, Zeitungen und Leserbriefen. Im Jahr 1988 gründete sie einen Literaturkreis, der sich neben den deutschsprachigen Schriftstellern vorwiegend dem Thema „Frausein“ widmet; ausserdem beschäftigt sie sich intensiv mit bildender Kunst.
…denn gute Geschichten müssen vergangen sein, wie Thomas Mann im „Zauberberg“ schreibt. Je vergangener, desto besser.
Diesen Text entnehme ich dem Vorwort zum Buch von
Alex Capus „Patriarchen – Zehn Portraits“
notiert in Paris, 21. Januar 2006
Biografie
„Wenn irgendein Nachleben mir, der Essenz meines Seins, meinem Werk beschieden ist, so wird sie mit mir leben. Solange Menschen meiner gedenken, wird ihrer gedacht sein. Die Nachwelt, hat sie ein gutes Wort für mich, ihr zugleich wird es gelten, zum Lohn ihrer Lebendigkeit, ihrer aktiven Treue, unendlichen Geduld und Tapferkeit.“ Diese Worte sprach Thomas Mann anlässlich des 70. Geburtstags seiner Frau Katia.
Was ist das für eine Frau, diese Katia Mann, geborene Pringsheim, geboren 1883, die über ein halbes Jahrhundert an der Seite Thomas Manns gelebt und gewirkt hat? Sie hielt alles nur denkbar Unangenehme von ihm fern, damit er sich ganz ohne Störungen seiner dichterischen Arbeit widmen konnte. T.M. war schon ein erfolgreicher, unabhängiger Schriftsteller, als er Katia Pringsheim begegnete. Allerdings wusste er damals nicht, dass er sie schon von irgendwoher kannte, und zwar von einem entzückenden Kinderbildnis, genannt „Kinderkarneval“, des berühmten Münchner Hofporträtisten Fritz August Kaulbach aus dem Jahre 1889. Der 14jährige Thomas hatte dieses Pierrotbild in Lübeck aus einer illustrierten Zeitschrift herausgeschnitten, da es ihm so sehr gefallen hat, und mit Reissnägeln an seinem Pult befestigt. Er hat damals das kleine sechsjährige Mädchen am linken Ende der Reihe gern und oft betrachtet. Das Bildnis zeigte die fünf Kinder der Pringsheim, die anlässlich eines Kindermaskenballs als Pierrots und Pierrette verkleidet waren. Die Mädchen trugen weisse Kostüme mit schwarzen Pompons, die Buben mit Pluderhosen, Katia natürlich mit Röckchen. Im Band „meine ungeschriebenen Memoiren der Katia Mann“ ist dieses Bildnis neben vielen anderen Porträts und Familienaufnahmen abgebildet. Beim mehrmaligen Betrachten dieser Bilder bin ich immer wieder fasziniert von dem Zauber und der Ausstrahlung, die von diesem Gesicht ausgehen, sei es als junges Mädchen oder Frau. Sie selbst schildert es in ihren Memoiren so, dass „sie es gar nicht gewusst hätte, da ihre Mutter eine so berühmt schöne Frau gewesen sei. Und niemand aus ihrer Familie die Freundlichkeit gehabt hätte, es ihr zu sagen.“
Im Palais des Geheimrates Prof. Pringsheim an der Arcisstrasse in München begegnete Thomas Mann dann staunend dem Original, und für ihn gab es nach dem lustigen Abenteuer nur eines: „Diese oder keine!“ Er schrieb ihr im Sommer 1904 sehr schöne, leidenschaftliche Briefe, die sie natürlich sehr beeindruckten. Besonders bewegte Katia sein Brief, in dem er sie bat: „Seien Sie meine Bejahung, meine Vollendung, meine Erlöserin, meine – Frau:“ Im September desselben Jahres verlobten sie sich, am 11. Februar 1905 heirateten sie. Die Hochzeitsreise führte die beiden im Februar 1905 nach Zürich. Der Aufenthalt im Hotel „Baur au Lac“ mit seinen uniformierten Liftboys war ganz nach dem Geschmack des Dichters. Ihr gefiel es weniger. Die Biografen Inge und Walter Jens führen es in ihrem Werk ‚Das Leben der Katharina Pringsheim’ so aus: „Wenn bei Frau Thomas Mann keine Hochgefühle aufkamen, lag das aber kaum am Zürcher Winterschlaf. Problematischer gestaltete sich der eheliche Beischlaf – im Notizbuch des Schriftstellers finden sich Adressen von Ärzten, die auch in diskreteren Regionen Bescheid wussten.“ Neun Monate nach dem attraktionslosen Honeymoon kam Erika, das erste von sechs Kindern, zur Welt.
Katia war im blühenden Alter von 21 Jahren. Katias Vater, Professor der Mathematik an der Universität München, war nicht gerade begeistert, dass sie einen Schriftsteller heiraten wollte. Er fand es als etwas „Unseriöses“, lieber wäre ihm ein junger Gelehrter, noch besser ein Universitätsprofessor, gewesen. Während ihre Mutter gleich für eine Heirat mit Thomas Mann war. Hatte sie zudem bei einem Besuch im Buchladen Buchholz, als sie nach Büchern von T.M. fragte, erfahren: „Ja, der! Der wird mindestens so weit gehen wie Gottfried Keller. Das kann ich Ihnen sagen“. Dieser Ausspruch war doch sehr ermutigend für ihre Eltern.
Auch ich habe über acht Jahre in München, im Stadtteil Schwabing, gelebt und kann sehr gut nachvollziehen, dass Thomas Mann sich in dieser bayrischen Landeshauptstadt sehr wohl gefühlt hat.
Katias Vater hatte eigentlich ganz andere Pläne mit ihr. Sie hatte nämlich als erstes Mädchen am Wilhelms Gymnasium in München – zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Klaus – das Abitur bestanden. Sie studierte Mathematik an der Universität, laut eigenen Aussagen vier oder sechs Semester. An der Universität hörte sie auch Vorlesungen über Experimentalphysik bei Wilhelm Conrad Röntgen.
Ausser ihrem Vater erwartete ihre Grossmutter mütterlicherseits, die bekannte Frauenrechtlerin, Hedwig Dohm, von ihrer begabten Enkelin, dass sie eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen würde. Sie war nicht gerade begeistert, als sie von der ehelichen Bindung hörte. Denn sie wusste, Katia lernte leicht, war intelligent und gehörte in der Schule zum oberen Durchschnitt. Ihre Grossmutter war für sie die erste Schriftstellerin, die sie gekannt hat. Hier sei angemerkt, dass Katia Mann in ihren Memoiren allerdings von „ihrem ersten Schriftsteller“ spricht! Sie schrieb Romane wie „Der Frauen Natur und Recht“ und war eine leidenschaftliche Vorkämpferin für Frauen, die damals leider noch nicht viele Rechte besassen. Wie dem Leser sicherlich bekannt sein wird, gab es damals nicht einmal Gymnasien für Mädchen. In die Fussstapfen Hedwig Dohms stieg Katia nicht ein. Dies übernahm später überraschenderweise Katias Tochter Elisabeth, die zuerst in Amerika mit ihrem Werk „Ascent of Woman“, das 1965 in deutscher Sprache unter dem Titel „Aufstieg der Frau, Abstieg des Mannes?“ erschien, grosses Aufsehen erregte. Einige Kapitel dieses Buches befassen sich mit der Revolution der Frauen und ihrem Aufstieg. Am Rande sei vermerkt, dass Hedwig Dohm sicherlich hellauf begeistert gewesen wäre, wenn sie gewusst hätte, dass ihre Urenkelin sich speziell für die Rechte der Frauen einsetzen würde.
Die Quintessenz dieses Buches war die Feststellung Elisabeth Manns:
„Alles Denken, Fühlen und Handeln ist auf das Wohl der Gemeinschaft gerichtet. Die Familie selbst bleibt bestehen und pflegt alles, was das Dasein schön und liebenswert macht“. Klingt das nicht fast auch wie eine Liebeserklärung an ihre Mutter? Thomas Mann jedenfalls wusste, dass die Begegnung mit Katia für seine ganze Zukunft entscheidend war.
Hatte nicht Katia erst gezögert, monatelang, Widerstände gezeigt, weil sie nicht daran dachte, so früh zu heiraten. Sie sagte zu Thomas: „wir kennen uns ja noch gar nicht genug“. Gewiss war er ein liebenswerter, beharrlicher und seltsamer Freier, aber Katia wusste sehr wohl, wenn sie sich für ihn entschied, dass sie eine schwierige Aufgabe übernahm. Bisher hatte sich Thomas nicht viel um Frauen gekümmert und sich fast nur der Kunst bedient! Elisabeth Mann berichtet, „als sie „Königliche Hoheit“ zum ersten Mal gelesen habe, wusste sie genau, dass das Buch, als der Prinz um Imma wirbt, weitgehend übereinstimmt mit der Geschichte meiner Eltern – auf stilisierte Art“. Was sagte er der Prinzessin doch in „Königliche Hoheit“: „Das soll fortan unsere Sache sein: beides, Hoheit und Liebe – ein strenges Glück!“
Thomas Mann erwähnt in seinem ersten Lebensabriss ‚Im Spiegel’: „Glanz umgibt mich. Nichts gleicht meinem Glücke. Ich bin vermählt, ich habe eine ausserordentlich schöne junge Frau – eine Prinzessin von einer Frau, wenn man mir glauben will, deren Vater königlicher Universitätsprofessor ist und die ihrerseits das Abiturientenexamen gemacht hat, ohne deshalb auf mich herabzusehen.“
