Keine Angst vor dem Gesundwerden - Philipp Sperl - E-Book

Keine Angst vor dem Gesundwerden E-Book

Philipp Sperl

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Beschreibung

Philipp ist 24 Jahre alt, gerade erst Vater geworden und erhält die Diagnose: Krebs! Aufgeben ist für ihn keine Option. Der Jung-Papa stellt sich der Krankheit und auch der Herausforderung einer Chemotherapie. Ohne Angst, aber fast immer mit dem nötigen Respekt, kämpft er sich durch. Woche um Woche. Neben Therapie und Nebenwirkungen gibt es aber auch positive Augenblicke, die ihm Kraft geben und bestärken, immer nur ein Ziel vor Augen: wieder gesund zu werden!

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Seitenzahl: 94

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Dieses Buch widme ich den wichtigsten Menschen in der Zeit meiner Krankheit:

Meiner unglaublich starken Frau Sabrina, meiner hinreißenden Tochter Lena-Sophie und meinem Freund, Leidensgenossen und Motivator Alfred. Ihr seid der Grund, warum ich heute noch am Leben bin.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Pre-Chemo

Sommer 2014

Herbst 2014

Winter 2014

Chemotherapie

Erster Zyklus – Hochdosierte Chemotherapie

Zweiter Zyklus – Niedrigere Dosierung

Dritter Zyklus – Umstellung Frühling 2015

Dritter Zyklus – Klappe: die zweite

Vierter Zyklus – Zweite Hälfte der

Fünfter und sechster Zyklus – Ein Ende in Sicht

Abschluss-Untersuchung (Staging) Sommer 2015

Post-Chemo

Zukunft

Schlusswort

Einleitung

Dieses Buch soll dazu dienen, mir Geschehnisse, die ich durchlebt habe, erneut in Erinnerung zu rufen, sie zu verarbeiten und manches auch für mich neu zu interpretieren und zu verstehen. Ich hoffe natürlich, dass derjenige, der diese Zeilen gerade liest, sich verstanden fühlt, Hilfe oder Motivation findet oder zumindest einen Einblick in einen Lebensabschnitt erhält, der nicht dem geplanten optimalen Verlauf entsprach.

Ich habe keinerlei Tagebücher geschrieben. Leider. Alles was hier zu lesen ist, sind die Eindrücke, die mir im Hinterkopf geblieben sind und vermutlich auch immer dort sein werden. Momente, die ich aus Gesprächen mit meinem nahen Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis wieder aufgefrischt habe. Vorfälle, die ich meiner Krankengeschichte entnommen habe. Ereignisse, die ich in sozialen Netzwerken festgehalten oder anderen Orts vermittelt habe.

Nicht jeder Augenblick kann im Nachhinein zeitlich genau eingeordnet werden, aber ich kann dem Leser versichern, mein Bestes gegeben zu haben, eine möglichst chronologische Reihenfolge einzuhalten, damit ein Gefühl für diese – meine – Geschichte vermittelt werden kann.

PRE-CHEMO

Sommer 2014

Mein Name ist Philipp, ich bin 24 Jahre jung, arbeite bei der Wiener Polizei und bin Hobbykraftsportler. Ich habe meiner Frau Sabrina dieses Jahr im April das Ja-Wort gegeben. Kurz vor unserer Hochzeit, zwei Tage davor – um genau zu sein –, haben wir erfahren, dass wir Eltern werden. Für uns beide ist es das erste Kind.

Wir sind in eine gemeinsame Wohnung gezogen, eine verhältnismäßig große Genossenschaftswohnung. Viele Zimmer, geräumiger Balkon. Ein Ort um eine Familie zu behausen und sich wohl zu fühlen. Für einen durchschnittlichen Menschen eigentlich schon fast luxuriös. Wir hatten immerhin drei Schlafzimmer. Ich kenne nur wenige Leute in meinem Alter, die sich ein Gästezimmer leisten konnten und wollten. Wir hatten eines. Auch wenn es nach und nach zu einem Abstellraum wurde.

Ich hatte ein familientaugliches Auto und auch ein Motorrad. Beides war in unserer Wohnhausanlage, in der Garage, untergebracht. Man „leistet sich ja sonst nichts“ und schließlich sollte auch der Fuhrpark gut dastehen. Man konnte sagen, das Leben meinte es gut mit uns.

Weniger aus gesundheitlichen, aber mehr aus ästhetischen Gründen habe ich mich in diesem Sommer entschlossen, eine Diät zu machen. Ich fühlte mich unwohl. Ich bin ein groß gewachsener Mann, knapp zwei Meter groß und wog zum damaligen Zeitpunkt etwa 115 Kilogramm. Mein Ziel war es unter 100 Kilo Körpergewicht zu kommen. Die Schwangerschaft hat nicht nur bei meiner Frau, sondern auch bei mir den Bauch wachsen lassen. Also war meine Diät nachvollziehbar, denn in meinem Bauch wuchs schließlich kein neues Leben heran.

Ich plante meine Diät mit wenig Kohlenhydraten, wenig Fett, einem angemessenen Kaloriendefizit und zusätzlich zweimal die Woche Kraftsport. Ein Ganzkörpertraining. So sah mein Konzept aus und ich war von größter Motivation geleitet, es auch genau so umzusetzen. Die Unterstützung meiner Frau war mir dafür gewiss. Es konnte also nur funktionieren. Es ist wichtig, dass ich diese Diät erwähne und in diesen Bereich etwas abschweife, auch wenn das Kernthema ein anderes ist. Es trägt definitiv zu einem besseren Verständnis des Laufes der Geschichte bei.

Meine Diät lief gut. Ich wurde bewundert für meine Disziplin. Ich war stolz und zufrieden, denn das Körpergewicht sank, der Bauchumfang nahm ab und mein Wohlfühlvermögen stieg an. So konnte es weitergehen. Und so ging es tatsächlich auch weiter. Nach einigen Wochen lag mein Körpergewicht unter 100 Kilogramm. Das Ziel war erreicht, könnte man jetzt sagen. So wirklich zufrieden war ich dann aber doch nicht. Meine Form war noch nicht ideal. Ich feilte also an meiner Diät und meinem Training. Interessanterweise hatte ich bereits einen für mich unerklärlichen Punkt erreicht, an dem ich essen konnte, so viel ich wollte und weiter abnahm. Ich machte weniger Sport, da ich durch das Kaloriendefizit relativ müde war, aber dennoch: ich nahm ab. Die Fortschritte waren nicht rasant, aber das Gewicht sank und sank. Ich hatte dabei keine Hintergedanken. Ich bin jung, kräftig, mache Sport und hatte nie gröbere gesundheitliche Beschwerden. Wer hätte da Hintergedanken? Ich jedenfalls nicht.

Es ist Mitte August. Ich bin arbeiten. Meinen Dienst verrichte ich in einem Wachzimmer im 20. Wiener Gemeindebezirk. Die Kollegen sagen mir mittlerweile, ich würde krank aussehen. Ich schiebe es auf die Gewichtsabnahme und die Tatsache, dass ich mit 20 Kilo weniger schlicht ungewohnt aussehe. Natürlich, ich war ja beinahe ein anderer Mensch. Ich hatte meine Körpermasse schließlich um ein Fünftel reduziert. Da sieht man gleich mal anders aus.

Während eines Dienstes kommt es zu einem Einsatz mit Widerstand, sprich Gewalt gegenüber den einschreitenden Polizisten. In diesem Fall war ich einer der betroffenen Polizisten. Es würde zu lange dauern, detailliert über diesen Einsatz zu schreiben, aber ich bin überzeugt, meine Funkwagenpartnerin und ich haben an diesem Tag ein Leben gerettet. Ein Mann ging mit einem Schraubenzieher auf mich und meine Kollegin, anstelle seines ursprünglichen Opfers, los. Er war jünger, größer und kräftiger als ich. Wir hatten zunächst keinerlei Verstärkung. Es war ein Tag mit vielen Einsätzen und wir waren kurzzeitig auf uns allein gestellt. Das ist Schicksal. Das Ergebnis des Einsatzes war, dass meine Partnerin und ich mit Prellungen zur Kontrolle ins Krankenhaus mussten. Bei mir wurden starke Rippen- und Schädelprellungen festgestellt. Das ist wichtig für den weiteren Verlauf der Geschichte. Jedenfalls – keine Sorge: Der Täter wurde von uns festgenommen und wurde seiner Strafe zugeführt.

Nach diesem Vorfall war ich vier Wochen mit Schmerzen im Krankenstand, bevor ich wieder meinen Dienst antreten konnte. Der Einstieg verlief problemlos, ohne jegliche Furcht oder Sorge, ohne Einschränkungen und ohne weitere körperliche Beschwerden. Die Stimmen in meinem Umfeld wurden aber lauter. Ich wirkte schwächer und sah nach wie vor krank aus. „Wie bitte? Ich bin ein Halbgott!“ Zumindest, wenn es nach meiner eigenen Wahrnehmung ging. Ein Herkules sozusagen. Ich bin meinem Schönheitsideal jeden Tag eine Spur näher und soll krank oder schwach sein? Nein! Ich sicher nicht!

Ich machte Überstunde um Überstunde und halste mir jeden Stress auf, den man sich aufhalsen konnte. Ich wollte mehr Geld verdienen und musste dafür klarerweise auch mehr arbeiten. Zusätzlich wollte ich mich so gut es ging, um meine schwangere Frau kümmern. Sie hatte ja nicht mehr viel Zeit, bis sie unser gemeinsames Kind zur Welt bringen sollte. Eine Tochter. Die Vorfreude auf den Familienzuwachs und das Leben zu dritt war enorm.

In dem ganzen Stress, den ich mir selbst bereitete, bemerke ich dann aber doch, dass es an einigen Stellen zu zwicken begann. Wobei „Zwicken“ der falsche Ausdruck dafür ist. Ich hatte krampfartige Schmerzen im Rippenbereich. Vorwiegend an der rechten Seite, hin und wieder auch an beiden Seiten. Müsste ich die Schmerzen genauer beschreiben, würde ich sagen, es fühlte sich ein wenig wie ein Korsett an, das jemand immer enger und enger zieht. Unangenehm in jedem Fall. Die Schmerzen waren manchmal derart stark, dass ich sogar vom Dienst abtreten musste. Ich konnte mich kaum konzentrieren und war klarerweise auch körperlich dadurch eingeschränkt.

Meine Grundeinstellung bei solchen Sachen war:

„Das kam von selbst. Das wird von selbst wieder gehen!“

In diesem Fall war es irgendwie anders. Ich versuchte zwar, es mir selbst als mögliche Nachbeschwerden meiner zuletzt erlittenen Prellungen einzureden, so wirklich überzeugt war ich davon jedoch nicht.

Herbst 2014

Die Schmerzen ließen nicht nach und schlussendlich ging ich dann doch zu meinem damaligen Hausarzt. Er meinte, es würde wohl eine Grippe sein, die ich da ausbrüte. Gliederschmerzen wären da ganz normale Symptome. Ich hatte keinen Schnupfen, keinen Husten. Aber Gliederschmerzen?

„Nun gut“, dachte ich mir. „Dann sehen wir uns mal an, wie sich das weiter entwickelt.“

„Spoiler Alarm“ Es wurde natürlich keine Grippe daraus. Mein Vertrauen in den Hausarzt sank von Tag zu Tag mehr. Die Grippe ließ auf sich warten und die Schmerzen wurden weder seltener noch schwächer. Ich beschloss, auf Nachdruck meiner Familie, allen voran meine schwangere Frau, zu einer anderen Allgemeinmedizinerin zu gehen. Die von mir ausgewählte Ärztin kannte mich bereits von Kindesbeinen an. Von oben bis unten. Sie hatte seit jeher keine Mühe gescheut und nahm sich für jeden Patienten die notwendige Zeit. Die Wartezeiten waren dementsprechend länger, aber das nahm ich in Kauf, damit diese verfluchten Schmerzen endlich aufhörten.

Die Zeit verging wie im Flug und wir hatten mittlerweile November. Ohne Termin oder Vorankündigung begebe ich mich zur erwähnten Ärztin. Nach geraumer Zeit im Wartezimmer werde ich aufgerufen und in den Untersuchungsraum gebeten. Freundliche Begrüßung, ein oberflächliches Gespräch über die Familie und das alltägliche Leben – als wäre ich jede Woche hier. Man fühlt sich wohl. Zurück zum Thema: Meine Rippenschmerzen. Gut. Wir machen ein Blutbild und dann schauen wir weiter. Es könnte eine Lungenentzündung sein oder vielleicht die Nieren. Ein Steinchen oder eine Kolik. Vorab jedoch muss ein Blutbild her, sonst ist das ein bloßes Rätselraten.

Ich kümmerte mich darum, begab mich in ein Labor und ließ mir Blut abnehmen. Sowie der Befund abholbereit war, stand ich wieder bei meiner Ärztin auf der Matte. Freundliche Begrüßung. Floskeln. Es wurde ernst. Einer der Werte ist erschreckend hoch. C-Reaktives Protein, der Entzündungswert. Sogar zu hoch, um eine Lungenentzündung zu diagnostizieren. Es würde quasi nicht im Verhältnis stehen, meint meine Ärztin. Wir bleiben bei der Idee mit der Niere. Die befindet sich ungefähr dort in der Gegend, wo ich die Schmerzen habe. Das klingt nach einem wahrscheinlichen „Kandidaten“. Kurz darauf erhalte ich eine Überweisung in ein Röntgenzentrum, zwecks Ultraschalluntersuchung der Nieren, wie auch zu einem Urologen.

Winter 2014

Der Termin der Ultraschall-Untersuchung stand an. Ich begab mich in das Röntgenzentrum meines Vertrauens, um die Nieren genauer betrachten zu lassen. Ich mache meinen Oberkörper frei und positioniere mich auf einer Liege. Neben mir sitzt ein kompetent wirkender Arzt auf seinem Hocker. Ein kühles Gel wird im Bereich der Rippen aufgetragen und der Arzt beginnt mit der Untersuchung. Er ist einfühlsam und penibel genau. Beide Nieren werden untersucht. Die Nebennieren. Alles wird durch den Arzt kommentiert und möglichst anschaulich erklärt. Ich muss zugeben, ich finde mich am Bildschirm nicht zurecht und weiß nicht, welche Organe da zu sehen sind, geschweige denn, ob sie gesund wären. Der Arzt jedenfalls kennt sich aus. Da ist nichts. Kein Steinchen. Nichts, was als Ursache meiner Schmerzen in Frage kommen würde. Dieses vorläufige Ergebnis seiner Untersuchung stellt den Arzt überhaupt nicht zufrieden und so wird der gesamte Bauchbereich durchgesehen.

„Aha, hm. Da könnte etwas sein. Die Milz ist stark vergrößert, etwa eineinhalbmal so groß, wie sie sein sollte. Die Lymphknoten sehen ebenfalls vergrößert aus. Da ist ein ganzes Paket vergrößerter Lymphknoten. Das könnte tatsächlich die Ursache sein. Ihr Befund wird geschrieben. Verdacht auf Lymphom. Danke, Sie dürfen weiter…“ Einige