Kerbfibel - Uwe Schmedemann - E-Book

Kerbfibel E-Book

Uwe Schmedemann

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Beschreibung

Kerb - was ist das eigentlich? Das Dialektwort "Kerb" steht im Südhessischen für "Kirchweih". Die Kerbfibel geht den Fragen auf den Grund, woher diese Tradition stammt und wie sie in Dietzenbach gefeiert wird. Der Autor Uwe Schmedemann zeigt die historischen Quellen auf und erzählt, wie sich diese über die Zeit gewandelt und etabliert haben. Die Kerbfibel ist als Ratgeber für amtierende "Kerbborsche und Kerbmädscher" verfasst und dient ihnen als Wegweiser, Hintergrundwissen und Zeitplan. Doch auch für diejenigen, die schon immer einmal mehr über die Kerbtradition erfahren wollten, lohnt sich ein Blick hinein.

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Seitenzahl: 53

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Vorwort

Hallo liebes Kerbmädsche, hallo lieber Kerbborsch,

dieses Handbuch soll dich über die Ditzebäscher Kerb informieren und dir helfen, die Kerb bestmöglich zu erleben. Du wirst erfahren, was man von dir als Kerbborsch bzw. Kerbmädsche erwartet bzw. was dich erwartet. Zudem erfährst du etwas über unsere Geschichte, unsere Rituale und Symbole und wie der Kerbverein dir helfen kann. Du findest Informationen und Tipps zur Durchführung der Rituale und einen Zeitplan zur möglichst reibungslosen Organisation.

Die enthaltenen Infos, Regeln und Tipps sollen dich leiten, aber nicht fesseln. Unsere Vorgänger haben leider wenig bis nichts Schriftliches hinterlassen, weshalb dieses Handbuch auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Im Gegenteil – es soll auch durch eure Erfahrungen und Erlebnisse möglichst erweitert werden.

Jeder Jahrgang formte unsere Tradition aufs Neue, adaptierte sie in die Gegenwart und interpretierte sie neu. Du wirst Teil dieser Tradition werden und sie wahrscheinlich nie in deinem Leben vergessen.

Ich wünsche Dir viel Spaß bei deiner Kerb und beim Schmökern.

Dein Uwe Schmedemann aka Parre Zottel

Ein großer Dank geht an meine Familie, den Vorstand des Kerbvereins Dietzenbach e.V. und alle, die mich bei diesem Projekt tatkräftig unterstützt haben.

Mein Jahrgang

Jahrgang:

_____________________________________

Kerbtermin:

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Unser Kerbspruch:

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Kerbbobb:

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Kerbparre:

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Fahnenträger:

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Bembelträger:

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Kerbborsche/

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Kerbmädscher:

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_____________________________________

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Kerbvadder: Kerbmodder:

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Kerbzentrale:

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Inhalt

Vorwort

Mein Jahrgang

Teil 1 – Kerb? - Worum geht’s hier?

1 Was ist Kerb?

2 Die Kerbborsche

3 Der Kerbverein

4 Kerbveranstaltungen

5 Unsere Rituale

5.1 Das Binden des Kerbkranzes

5.2 Kerbbobb bauen

5.3 Kerbbaum holen und stellen

5.4 Kerbansprache und Taufe der Kerbbobb

5.4.1 Kerbansprache

5.4.2 Taufe der Kerbbobb

5.4.3 Einsegnung

5.5 Frühstück einholen

5.6 Kneiptour

5.7 Weckruf

5.8 Kerbgottesdienst

5.9 Sängerfrühschoppen

5.10 Kerbschoppen im Gemeindehaus

5.11 Kerbverbrennung mit Grabrede und Leichenschmaus

5.12 Nachkerb

Teil 2 - Wie macht ihr das?

6 Was passiert vor der Kerb?

7 Titel und Ämter - Wer macht was?

7.1 Kerbparre oder Seelsorger

7.2 Kassenwart

7.3 Bembelträger oder Mundschank

7.4 Fahnenträger

7.5 Gefolge (ehemals)

7.5.1 Zischeunern

7.5.2 Bär und Dompteuse

7.6 Das 1. Dietzenbacher Baumstellregiment

8 Ehrenämter

8.1 Kerbmodder und Kerbvadder

8.2 Ehrenkerbborsch und Schirmherr

8.3 Kerbgode

8.4 Kerbkantor

8.5 „Alt“-Kerbborsch

8.5.1 Kerbanwärter

9 Vorbereitungen

9.1 Sponsoren / Geld

9.2 Presse / Öffentlichkeitsarbeit

9.3 Singstunden und regelmäßige Treffen

9.4 T-Shirts

9.5 Gruppenfoto

9.6 Kleidung

9.6.1 Kerbtracht

9.6.2 Jahrgangspullis

9.7 Fahne anfertigen

9.8 Bembel besorgen

9.9 Kerbbobb bauen

9.10 Kerbkranz binden

9.11 Kerbschmuck

10 Kerbzeit

10.1 Kerbbaum holen und aufstellen

10.2 Kerbansprache

10.3 Frühstück einholen (ehemals)

10.4 Kneiptour

10.5 Weckruf

10.6 Sängerfrühschoppen

10.7 Kerbschoppe

10.8 Kerbverbrennung

10.9 Leichenschmaus

11 Nachkerb

12 Kerbbaum fällen

13 Terminplaner

Anhang

1 Die wichtigsten Kerbregeln

2 Die wichtigsten Lieder

2.1 Dietzenbacher Kerblied

2.2 Dietzenbacher Kerblied (Ditzebäscherisch)

2.3 Kennst Du das Dorf im Wiesengrün (Dietzenbach Lied)

3 Trinksprüche

TEIL 1 – KERB? - WORUM GEHT’S HIER?

1 Was ist Kerb?

Kerb ist in unserer Region der Ausdruck für Kirchweih (Kirwe, Kerwe, Kirb…). Kurz gesagt, wir feiern alljährlich den Geburtstag unserer Kirche, der Christuskirche an der Darmstädter Straße.

Die Christuskirche wurde im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt, zwischen 1753 und 1754 um einiges größer wieder aufgebaut und am 27. Oktober 1754 eingeweiht. Die erste Erwähnung der Kirchweih lautet folgendermaßen:

„Als die Kirche den 27t Okt. 1754 eingeweyhet worden, ist sowohl in dem Pfarr als in des Kirchen Ältesten Hanß Michel Knecht Hauß wegen der Frembten, an Victualien und Wein aufgegangen und an Zehrung gekostet 27 fl 34 Kr.“ 1

Federzeichnung von Hans Schmandt

Dieser 27. Oktober ist unser sogenannte Kerbleger. Um diesen Tag wurde die Kerb begangen. Irgendwann später wurde der Kerbleger auf den 28. Oktober verlegt. Dieser Tag ist der Gedenktag an die Apostel Simon und Judäa. Das war früher gang und gäbe. So wurde dem Kirchgeburtstag noch mehr Glanz verliehen.

Verkündung der evangelischen Christuskirche vom 28.1.2013:

„Die Dietzenbacher Kerb wird alljährlich am Wochenende nach dem 28. Oktober begangen. Fällt der 28. Oktober auf einen Sonntag, wird die Kerb am Wochenende des 28. Oktober begangen.“

Unsere heutige Kerb geht von Freitag bis Dienstag um den sog. Kerbleger. Der Kerbleger ist der Kerbsonntag.

2 Die Kerbborsche

Die Feier der Kirchweih – die Kerb – und Kerbborsche sind in Dietzenbach eine jahrhundertealte Tradition. Junge (fast) volljährige Männer finden sich zusammen, um noch einmal vor dem nächsten Lebensabschnitt (Militär, Beruf, Studium, …) so richtig auf die Pauke zu hauen und den Ort auf den Kopf zu stellen. Man könnte es fast mit einer Art Übergang zum „Erwachsenwerden“ vergleichen. Früher – ich rede hier vom 17. Jahrhundert – wurden die Kerbborsche auch Kirmesknechte oder Kirbknechte genannt. Es waren Männer, die während des Kirchweihfestes vom Schultheißen angeheuert wurden, um auf der Kirchweih für Ordnung zu sorgen. Daraus entwickelte sich der Brauch. In den nächsten Jahrhunderten haben die Kerbborsche sich mehr und mehr zu einem lustigen Haufen entwickelt, der während der Kerb für Unterhaltung und Spaß sorgt. Sie liefen musizierend und singend durch den Ort und die schönen Wirtshäuser. Auch ihre späteren Lebenspartnerinnen fanden die meisten über die Kerb. Man kann es sich heute fast nicht mehr vorstellen, aber die Kerb war bis in die 1960er Jahre das Fest der Feste in Dietzenbach. So viel erstmal zu der trockenen Geschichte. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, fragt beim Kerbverein nach.

Heute im 21. Jahrhundert steht bei den Kerbborsche und Kerbmädscher die Wahrung der Tradition, Ehrenhaftigkeit, das soziale Miteinander und der Spaß im Vordergrund. Diese Werte geraten immer mehr in Vergessenheit, doch ihr habt die Chance, diese Werte als Jahrgang neu zu entdecken. Oft wird in diesem Zusammenhang der Ausdruck „Burschenschaft“, der aber einen etwas negativen Touch hat, benutzt. Wichtig ist: Ihr, die Borsche und Mädscher, seid eine Sozialgemeinschaft, die zusammenhält und durch dick und dünn geht. Und das weit über die Kerbzeit hinaus.