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Das Buch ist eher ein Sachbuch mit biografischen Aspekten. Es gibt daher keine Handlung im eigentlichen Sinne, nur einen Erfahrungsbericht und ganz viele interessante Fakten. Ich schreibe dabei nicht nur über meine Erfahrung als neurodivergenter Mensch, sondern auch für andere, die in derselben Lage sind. Ich habe mich dabei an den Diagnosen Autismus und ADHS entlang gehangelt und als Ergebnis AuDHS beschrieben. Es sind Übungen enthalten, die ich selbst gemacht habe, Diskussionen, die ich führe, aber auch einfach Erfahrungsberichte als "Referenzdatensätze". Ich habe mich bemüht, Fakten mit Beispielen zu belegen und verständlich zu schreiben.
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Seitenzahl: 237
Veröffentlichungsjahr: 2025
Aline S. Sieber
Kleckselkind
Mein Leben mit AuDHS
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
ADHS und Autismus-die Dichotomie
ADHS
Autismus
Eigentlich alles ganz normal, oder?
Die bösen, bösen Reize
Gesundheit
Diagnostik
Wesentliche Bestandteile der Diagnostik für Autismus-Spektrum-Störungen
Hilfestellungen für Arztbesuche & Co.
Krankenhausaufenthalte
Komorbiditäten
Autismus und Migräne
Hochbegabung und Autismus
Aphantasie
Körpergefühl
Dress out loud – radikale Sichtbarkeit
Privatautonomie
Das Spezialinteresse
Arbeit
Flexibler Modus und Sicherer Modus
Erleichterungen auf Arbeit:
Erleichterungen bei der Teilhabe / Autismus im Alltag
Mein idealer Tagesablauf
Identität, Anziehung und Neurodivergenz
Beziehungen
Soziales
Kommunikation
Was ist Masking und warum machst du das?
Innere Unruhe - Social Anxiety
Verkehr
Routine?
Vorbilder und Neurodivergenz in den Medien
Erholungsphasen & Schlaf
Was sind Shutdowns und Meltdowns?
Autistischer Burnout
Wie komme ich wieder raus aus dem Burnout?
Burnout (Autismus) vs. Bore-Out (ADHS) – vorbeugende Maßnahmen
Burnout vs. Depression
Selbstwertgefühl
Behindert, oder was?
Unterstützung
Therapie
Schlusswort
Literaturverzeichnis
Hobbies und Obsession
Impressum neobooks
Meine Motivation, das alles niederzuschreiben, war primär der Versuch, mich selbst zu ordnen. Beim Herausfinden, dem Entstehen der Vermutung, dass es Autismus sein könnte oder ADHS oder sogar beides, ist in mir ein Drang laut geworden, zu recherchieren. Tiefgehend und immer weiter. Man könnte sagen, Autismus - AuDHS - ist mein neuestes Spezialinteresse. Schon bei der Recherche ist mir aufgefallen, dass ich mich mit anderen Menschen, die beide Diversitäten hatten, besser identifizieren konnte als mit Menschen mit Autismus oder ADHS allein. Lustigerweise habe ich als Teil der Selbstdiagnostik häufiger gefunden das viele Menschen mit Autismus Autismus zu ihrem Spezialinteresse machen. Auch damit stand ich nicht allein da. Gemeinsamkeiten wie diese machen die Erfahrung einfacher. Charlotte Suhr hat in ihrem Buch „Nicht falsch, nur neurodivergent“ geschrieben, dass sie hier keinen Plan hat, keinen Lösungsansatz, sondern einfach nur ein Fallbeispiel mit dem Namen Charlotte Suhr der Literatur hinzufügen möchte. Mir geht es da ganz ähnlich. Ich möchte aber auch meiner Familie und meinen Freunden die Möglichkeit geben, mich zu verstehen. Ganz eigennützig möchte ich auch nicht immer erklären, wie es mir gerade geht. Manchmal fällt mir das nicht so leicht - und öfters weiß ich es auch gar nicht. Deswegen bin ich froh, es aufgeschrieben zu haben. Das Aufschreiben ist eine Möglichkeit für mich, die Information aus meinem Kopf herauszulassen und dort für Ordnung zu sorgen. In meinem Kopf sind immer viele Informationen gleichzeitig. Ich bin mir bewusst das nur ein gewisser Teil davon verarbeitet werden kann - und wird. Gleichzeitig möchte ich aber nicht, dass der Rest in Vergessenheit gerät. Also ist das Aufschreiben auch eine Möglichkeit für mich, mich zu erinnern.
Bei diesem Text handelt es sich um eine Datensammlung. Ich will mehr wissen, mehr verstehen, für mich selbst Lehren aus dem Gefundenen ziehen und diese auch gern teilen, in der Hoffnung, dass jemand anders das genauso hilfreich findet wie ich. Freilich weiß ich nicht, ob das alles die ultimative Wahrheit ist, oder auch nur, was zu Autismus und was zu ADHS gehört, weil sich einige Punkte wirklich schwer auseinanderhalten lassen.
Ich sammle Zitate, die mir gefallen und belege Fakten immer dann, wenn ich mich erinnere, wo sie herkommen. Ich bin kein Mediziner oder Therapeut, ich will nur zum Nachdenken anregen – und vielleicht zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema.
Es ist ein Selbstfindungsversuch zum Mitlesen.
Eine kurze Entschuldigung vorab: Ich neige zu blumiger Sprache und Metaphern. Ich hoffe, es ist trotzdem verständlich.
Sowohl ADHS als auch Autismus bergen Symptome, die in der Gesellschaft nicht unüblich sind. Ich habe einmal gelesen, ADHS sei eine sehr nachempfindbare Störung, weil so viele Menschen sich mit Vergesslichkeit, Unordnung und Konzentrationsschwierigkeiten herumschlagen. Ich denke, das ist beim Autismus genauso. Man zeige mir die Person, die sich noch in einer sozialen Situation unwohl gefühlt hat, oder denjenigen, der wahrhaft gern telefoniert. Ich glaube, deswegen ist es gleichzeitig schwer und einfach, es jenen zu erklären, die noch nie davon gehört haben – oder sich noch nicht tiefer mit der Materie beschäftigt haben. Es ist eine Frage der Intensität. Wie schwer fällt es wirklich? Wie sehr stört es mich wirklich? Das Nachempfinden ist letztlich durch die eigene Erfahrung begrenzt. Ich denke, nur ein neurodivergenter Mensch kann wahrhaft nachfühlen, wie sehr das Neonlicht in den Augen brennt oder die Geräusche des Geschirrspülers in der Küche ablenken.
Haben Sie schon einmal jemanden getroffen, der sich nach Routine sehnt, aber ständig nach Neuem sucht, der Struktur braucht, aber mit Aufmerksamkeit zu kämpfen hat und gleichzeitig zurückhaltend und impulsiv abenteuerlustig wirkt?
Wenn Ihnen das paradox erscheint, dann willkommen in der komplexen Welt der AuDHS – wo Autismus und ADHS nebeneinander existieren. (Dashnaw 2024) Die Diagnose von AuDHS ist alles andere als einfach. Die sich überschneidenden Merkmale können sich gegenseitig verdecken und so zu diagnostischer Verwirrung führen. Beispielsweise kann die Hyperaktivität bei ADHS zugrunde liegende autistische Merkmale verschleiern oder umgekehrt. [...]
Man könnte meinen, AuDHS sei selten, doch Studien zeigen, dass es überraschend häufig vorkommt:
Etwa 20–50 % der Menschen mit Autismusdiagnose erfüllen auch die Kriterien für ADHS (Rommelse et al., 2010).
Etwa 50–70 % der Menschen mit ADHS weisen möglicherweise autistische Züge auf, auch wenn keine formelle Diagnose vorliegt (Antshel et al., 2016). (Dashnaw 2024)
Irgendwo habe ich zum Thema AuDHS gelesen: Autismus ist meine Art, zu leben, während ADHS ist mein Belohnungssystem kontrolliert.
Es ist noch immer so, dass die Kombination aus Autismus und ADHS besonders spät gefunden und diagnostiziert wird. Zunächst kommt es häufig vor, dass erst einmal eine der beiden Störungen gefunden wird, und später die andere. Es ist aber auch oft so, dass die Diagnostik erst einmal in eine andere Richtung geht. Ggf. nicht in die richtige. Das ist nicht grundlos so.Autismus und ADHS zu haben - AuDHS kann dazu führen, dass man nach außen hin neurotypisch wirkt, weil sich einige Dinge ausbalancieren, oder man, je nach Situation, Symptome von beidem zeigt (Chris 2023; Karen 2025) .
Historisch betrachtet ging man davon aus, dass Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Autismus nur männliche Kinder betreffen (Vincenti et al., 2023). Da Frauen nicht in die Forschung einbezogen wurden, basieren die Diagnosekriterien auf männlichen Patienten, was zu einer Unterdiagnose bei Frauen führt (Driver & Chester, 2021; Peng & Watts, 2023). Dies ändert sich, da immer mehr Frauen von diesen Erkrankungen erfahren und diagnostiziert werden (Chester, 2019). Dennoch stehen Frauen vor erheblichen Herausforderungen, darunter lange Wartelisten, mangelnde Unterstützung, sexistische Diagnosekriterien und die Belastung, mit Fehldiagnosen, schlechter psychischer Gesundheit und der Verinnerlichung negativer Wahrnehmungen über ihren Charakter fertig zu werden (Bargiela et al., 2016; Beck et al., 2020; Vincenti et al., 2023). Die späte Diagnose von Autismus und ADHS bei Frauen ist ein dringendes Problem der öffentlichen Gesundheit mit Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung, die Forschung, das öffentliche Bewusstsein und die (geschlechtsspezifischen) Lebenserfahrungen mit beiden Erkrankungen. (Craddock 2024, Einleitung)
Bei mir ist das in etwa in sozialen Settings so, dass ich recht viel rede. Es ist mir aber auch schnell zu viel, wenn andere viel reden und ich zuhören muss. Ich bin offen für Neues und auch gespannt - aber gleichzeitig sind neue Situationen gruselig und ich ziehe bekannte vor. Ich mag es, Dinge immer gleich und immer gleichzeitig zu tun, denke aber nicht daran, es auch so umzusetzen. Das Gedankenkarussell ist auch immer an, oft auch nachts. Während ich jemanden zuhöre, schweife ich in Gedanken ab und denke angestrengt über das nächste Thema nach. Draußen fliegt eine Wespe vorbei und ich bekomme nichts mehr mit von der Welt.Wichtige Entscheidungen werden je nach Tagesform impulsiv getroffen oder aber stundenlang überlegt. Für kleine Entscheidungen brauche ich paradoxerweise am allerlängsten.Es gibt Tage, da fühle ich mich wie beim Dauersprint - alles geht ganz schnell hintereinander. Andere Tage ist die Geschwindigkeit da, aber die Konzentration nicht - mein Gehirn ist wahnsinnig schnell, verliert aber nach 2 Sekunden schon das Interesse und springt dadurch von Thema zu Thema. Gleichzeitig Autismus und ADHS zu haben, heißt für mich, dass ich soziale Interaktion sowohl meide als auch brauche und mich darin wohlfühle. Damit bin ich nicht allein, ich habe es schon mehrfach gelesen oder gehört. (Purple Ella 2022, 3:18)
Denken auf autistisch ist sehr rational. Ein Schritt nach dem anderen, und immer mit der Logik im Hinterkopf. Es ist aber auch meist nicht intuitiv. Der Denkprozess kostet Energie, so wie andere Sachen. Ich argumentiere quasi die ganze Zeit in meinem Kopf mit mir selbst. Sam (Samantha Stein 2023b) erklärt dazu in zwei Videos, wie Autismus und ADHS sich gegenseitig verstecken. Sie führt dazu zum Beispiel an, dass sie spontane Entscheidungen trifft (ADHS), dann aber meist im Nachhinein sehr gut rationalisieren kann, warum die Entscheidung die einzig richtige war (Autismus). Deswegen sieht es, von außen betrachtet so aus, als wäre die Entscheidung gut durchdacht und geplant gewesen, obwohl sie das in Wirklichkeit gar nicht war. Samantha Stein (Samantha Stein 2023a) sagte in einem ihrer Videos, Autismus und ADHS sind beides Seiten von uns, die zufrieden gestellt werden müssen. Der Autist muss aber etwas mehr gestreichelt werden, weil er empfindlicher ist. Das fand ich sehr schön formuliert und einprägsam.
Ich bin Autist, also möchte ich gern in einer ordentlichen Umgebung leben und räume viel auf. Ich habe aber auch ADHS - die Unordnung wird manchmal so sehr zum Hintergrundbild, dass ich sie nicht mehr wahrnehme.
Das gemeinsame Vorhandensein von ADHS und Autismus ist erst seit dem DSM 5 diagnostizierbar. Vorher war die klinische Welt der festen Überzeugung, dass ein Vorliegen von einer der beiden Entwicklungen die andere ausschließt. Die Psychologie entwickelt sich dahingehend immer weiter fort. So ist es auch bei Autismus. Während ich einen unter einer ICD 11 Diagnose einfach nur „Autismusspektrumstörung“ hätte, bin ich nach dem ICD 10 Asperger-Autist. DSM 4 unterschied bei der Jetzigen Diagnose ADHS damals unter
einer Aufmerksamkeitsdefizit -Hyperaktivitätsstörung
im Mischtypus
im Unaufmerksamen Typus und
im Hyperaktiv Impulsiven Typus.
ICD-10 kennt immerhin die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung, Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität und die hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens( (Krause und Krause 2003) S.6). Das bedeutet keinesfalls, dass die Störung oder der Neurotyp an sich damals anders war heute, vielmehr weiß man jetzt mehr über seine Ausprägung und Verbreitung.
Im Gegensatz zu Autisten habe ich meist keine Probleme mit Pausen und unstrukturierten Zeiten. Das liegt, so würde ich rückblickend sagen, zum großen Teil daran, dass ist sie mir selbst strukturiere. Christine Preißmann beschreibt in ihrem Buch, dass viele Autisten dabei aber häufig Schwierigkeiten haben. Hilfreich kann es dabei sein, den Ablauf von Ausflügen oder Ähnlichem vorab detailliert zu erläutern. Die Möglichkeit der Pausen in einem ruhigen separaten Raum einzuräumen oder aber Aktivitäten wie gemeinsame Ausflüge oder Klassenfahrten freiwillig wahr zu nehmen. (Preißmann, 2012, Vgl. S.31) kommunikativen Missverständnisse sind mir allerdings ein Begriff. Ich weiß jetzt nur wann ein Mensch etwas das er gesagt hat zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr meint. Seine einmal geäußerte Meinung ist damit unumstößlich. Nein die zieht mich immer damit drauf wörtliche Witze zu machen die ich dann missverstehe. Frau brecht man empfiehlt unverständliche verhältnisweisen zunächst zu hinterfragen. Missverständnisse können dazu führen, dass der Autist im besten Wissen und Gewissen gehandelt hat. Ich selbst merke nicht, wenn ich falsch liege, insofern mich niemand darauf aufmerksam macht. Ein stilles Ärgern darüber ist also in meinen Augen immer kontraproduktiv. In Sachen Konzentration und Aufmerksamkeit geht es auch mir so, dass ich leicht abgelenkt werde durch Hintergrundgeschehen. Wenn in einem Raum der Fernseher läuft, kann ich keiner Konversation mehr folgen. In einem Klassenraum kann das aber auch eine umherfliegende Biene sein, ein interessantes Regal im Biologiezimmer oder eine Experimentierstation im Physikkabinett. Sowohl Unterforderung als auch Überforderung im schulischen Hintergrund sind meinen Erfahrungen nach häufig. Das Variiert oft von Fach zu Fach es hängt davon ab, in welchem Gebiet die Stärke des jeweiligen Menschen liegt. Ist man gut im Erkennen von Regelmäßigkeiten, so fallen Mathematik, Physik, Chemie und vielleicht Biologie leicht. Oft ist man aber auch fasziniert von Sprache und Worten. Letzteres ist mein Steckenpferd. Lernerfolge in Deutsch und Fremdsprachen liegen nahe. Ein Nachteilsausgleich muss in meinen Augen immer von der jeweiligen Person und deren Stärken und Schwächen abhängen. Besonders imponiert hat mir die Idee Frau Preißmanns, verkürzte Aufgabenstellungen zu formulieren (Vgl.S.35, Preißmann, 2012). Diese sind oft in meiner Erinnerung oft unübersichtlich oder lassen Spielraum zur Interpretation. Auch eine Konkretisierung wäre in meinen Augen wünschenswert. Wichtig finde ich zu erwähnen - und hier zitiere ich Frau Preißmann erneut - dass ist sich bei einem Nachteilsausgleich nicht um eine Reduzierung des Anforderungsniveau handelt, sondern lediglich um ein Ausgleichen der Behinderung.
ADHS und Autismus sorgen gemeinsam dafür, dass ich fasziniert vom Lernen neuer Fakten bin und oft auch die Erste in meinem Umfeld, die etwas ausprobiert. Ich verliere aber auch wieder die Lust daran und suche mir ein anderes, neues Lieblingsthema. Ich denke, ich bin weniger eingeschränkt von Vorurteilen und gesellschaftlichen Erwartungen, insbesondere, wenn ich dahinter keine Gründe erkennen kann. Ich bin nicht kindisch, ich weiß einfach nur, wie man Spaß hat und erlauben ihn mir auch. Ich bin nonkonformistisch und habe kein Problem damit, auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Ich vertrete meine Meinung klar und eindeutig (und erwarte dasselbe von anderen).
ADHS es ist eine neuropsychologische Entwicklungsstörung. Die Dopaminregulierung ist hier beeinflusst. Bei Tieren führt sowohl zu viel als auch zu wenig Dopamin zu Hyperaktivität (Krause und Krause 2003) (S.22). Dopamin wird im Gehirn verstoffwechselt. Auffällig und dadurch beeinflusst sind bei ADHS die Aufnahme und die Verarbeitung von Information. Besonders bekannt ist, das schwierig länger Aufmerksamkeit aufrechterhalten werden kann. Es kommt zu impulsiven Fehlern, Auslassungsfehlern und längeren Reaktionszeiten (S.23). Interessant fand ich auch, dass ADHS bei Jungen häufiger vorzunehmen scheint. Es wird ein Zusammenhang mit der Vererbung über das X-Chromosom vermutet, von denen Jungen ja zumeist nur eines haben. Für mich entnehme ich daraus, dass, wenn ich Kinder habe, eine Vererbung meiner Neurodivergenz doch recht wahrscheinlich ist. Spannenderweise sind sowohl Autismus als auch ADHS bei Jungen häufiger diagnostiziert. Es liegt aber auch viel daran, dass die Forschung und Definition beider Störungen sich an jungen, weißen, männlichen Probanden orientiert hat. Ich glaube, es fehlt nach wie vor an Verständnis, die Dunkelziffer wird hoch sein. Meine These sehe ich darin bestärkt, dass seit einer Ausweitung der diagnostischen Standards auch mehr Mädchen und erwachsene Menschen diagnostiziert werden (konnten).
ADHS wird als Erstdiagnose im Erwachsenenalter noch selten in Erwägung gezogen, es sei denn, Angehörige schildern Hinweise und frühere Schulzeugnisse enthalten ebensolche. (Krause und Krause 2003, S. 59) Meine Grundschulbeurteilungen enthalten Aussagen wie „Bei längeren Arbeitsphasen muss die Ausdauer noch gestärkt werden.“ Und „manchmal ist sie verträumt und verspielt und verpasst dabei die Aufgabenstellung“. Oder auch „sie braucht viel Zeit beim Lösen ihrer Aufgaben“. Am besten fand ich im Nachhinein „Eine Steigerung ihrer Leistung wäre möglich, wenn sie dem Unterricht mit anhaltender Aufmerksamkeit folgen und konzentrierter arbeiten würde. Damit wäre auch insgesamte eine Verbesserung ihres schriftlichen Arbeitstempos möglich.“
Die diagnostischen Fragestellungen waren für meine Familie schwer greifbar, unklar war bei vielen, auf welchen Zeitraum in meinem Leben sie sich beziehen können. Nachdem die Kriterien ursprünglich dafür entwickelt wurden, ADHS im Kinder- und Jugendalter zu diagnostizieren, ist mir auch klar, warum. Einige Kriterien sind dabei nämlich von außen beobachtbar, andere sind eher schwierig.
Das Verlieren von Gegenständen in etwa kann sich in beide Altersklassen finden. Herumzappeln aber nur, wenn der Erwachsene häufig in Situationen ist, in denen Stillsitzen erwartet wird. Eine Art innerer Antrieb, eine Getriebenheit, das Hasten von Aufgabe zu Aufgabe, um die innere Unruhe herauszulassen, könnte ich wiederum als Kind nicht mehr zurückempfinden. Hohe Ablenkbarkeit ist wiederum ein Symptom, dass ich zurückverfolgen kann - jetzt aber eher intern, durch die Reizoffenheit. Ich denke, meine Kollegen würden dazu sagen, dass ich immer sehr konzentriert bei der Sache bin (Vgl.S.60 f.).
Mir fällt etwas zur Termintreue ein. Als Kind und Jugendlicher ist man größtenteils "mit". Man ist mit den Eltern, Großeltern oder Freunden unterwegs. Je größer die Gruppe, desto wahrscheinlicher das Zuspätkommen - so in meiner Erfahrung. Als Familie sind wir meistens erst aus dem Haus gekommen, wenn wir schon da sein wollten. Wenn man dann aber Termintreue allein angeht, ist man auf sich selbst gestellt - und das das erste Mal. Natürlich will man dann pünktlich sein. Das Bestreben war bei mir oft so, dass ich 15 Minuten vor Beginn irgendwo war. Oft ist mir dann aber eingefallen, dass ich noch etwas tun möchte - Essen, Toilettenbesuch etc. Durch die Verzögerung war ich dann oft eine Minute vor Beginn wieder da. Jetzt, einige Jahre nachher, habe ich eine Freundin, die immer grundsätzlich erst losläuft, wenn wir uns schon treffen wollen, weil sie weiß, dass ich zu spät komme...
Häufig liegt das daran, dass ich die Zeit, die ich für Dinge brauche, nicht gut einschätzen kann, und oft denke, ich kann ja "mal schnell noch" 5 Mails schreiben, 4 Anrufe tätigen und mich noch verabschieden und schaffe trotzdem noch den Zug. Inzwischen schaffe ich den Zug die Hälfte der Zeit, fange aber 20 Minuten vorher an, Aufgaben zu beenden.
Wenn ich aber selbst einlade, stört mich, dass die anderen Menschen zu spät kommen (wenn 11 Uhr gesagt ist, kommt der erst 11:05h). Ich erkenne mich wieder bei der fehlenden Feinmotorik - meine Schwester war schon immer besser darin als ich, Ausmalbilder innerhalb der Linien zu befüllen oder glatt auszuschneiden (Vgl.S.85). Innerhalb meiner Familie werden Dinge, die Feingefühl erfordern, daher an andere Familienmitglieder vergeben.
Gesunde Ernährung und ausreichend Sport und Bewegung werden allgemein empfohlen. Weiterhin gibt es sehr wahrscheinlich eine Verbindung zwischen Glutamat und Auffälligkeiten im Zusammenhang mit ADHS. Es ist aber so, dass das auch neurotypischen Menschen empfohlen wird. Es ist in meinen Augen sehr logisch, dass das, was dem Körper zugeführt wird, auch Auswirkung auf seine Funktion hat. Ebenso wenig überraschend finde ich, dass Bewegung empfohlen wird - wenn man in die Vergangenheit zurückblickt, sieht man eindeutig, dass die Evolution uns nicht zu Dauersitzern erkoren hat.
Für mich fühlt es sich an wie Leben im Perpetuum mobile. Entweder ich höre nicht auf, mich zu bewegen, oder meine Gedanken tun es. In meinem Kopf fahren die Gedanken mit verbundenen Augen Achterbahn. Ich weiß nicht, wohin die Reise geht und werde mitgerissen, mal hierhin, mal dahin – die ganze Zeit mit einem unguten Gefühl im Bauch. Das Gefühl wird aber nur noch schlimmer, wenn die Achterbahn einmal anhält.
Das Gehirn macht etwa 20% des Energieverbrauches des Körpers aus, so habe ich gelesen. Ich habe das Gefühl, bei mir sind das durch die enorme Geschwindigkeit 30%. Das ist natürlich wissenschaftlicher Schwachsinn, aber es würde immerhin erklären, warum ich so viel esse. Unzusammenhängend, aber passt gerade: Ich habe auch gelesen, dass es gut ist, mit neurologischen Besonderheiten besonders in Krisenzuständen leicht verdauliche Kohlenhydrate zu essen, damit das Gehirn schnell mit Energie versorgt wird.
Gesund sollte es natürlich trotzdem sein. Das passt mir gut in den Kram – jetzt habe ich (mir selbst gegenüber) eine Rechtfertigung für meine Vorliebe für Kartoffeln und Mischbrot.
Die ADHS-Diagnose kam für mich nicht gänzlich unerwartet, aber überraschte mich doch etwas mehr als der Autismus. Ich bin ein Zappelphilipp. Stillsitzen oder -stehen sind nicht meine Stärken. Ich denke auch - bedauere etwas - dass mir das ADHS die Detailverliebtheit des Autismus raubt, ich bin meistens zufrieden mit 90%igem Erfolg. Egal, ob das bei der Aufgabenerfüllung oder bei Hobbies ist. Wenn der Großteil der Aufgabe erfüllt ist, finde ich keine Fehler oder Lücken mehr - oder aber sie sind mir egal und ich kann mich dann nicht mehr motivieren, die letzten 10% zu leisten. Wenn ich vergesslich bin, werde ich in der Regel entweder belächelt oder aber ermahnt. Ich muss meine Termine im Kalender eintragen UND daran denken, auch reinzugucken, sonst vergesse ich, dass ich welche hatte. Und das mehrmals am Tag. Nur, weil ich eine Information einmal gesehen habe, heißt das nicht, dass ich sie aufgenommen habe. Manchmal kommt es mir vielmehr so vor, als weigere sich mein Kopf, die Information überhaupt aufzunehmen. Ich nehme Informationen auch ganz anders auf als andere. Ein Beispiel: Ich gehe ins Bad und wasche mir die Hände. Vor mir ist dabei der Spiegel. Ich schaue kurz in den Spiegel und stelle dabei erfolgreich fest, dass ich noch da bin. Ich sehe meine Augenringe. Ich merke nicht, dass meine Haarfrisur sich schon zur Hälfte aufgelöst hat. Ich gehe wieder zurück. Meine Schwester fragt, ob ich mich denn gar nicht angeschaut habe. Nein. Habe ich nicht. Ich hätte mich bewusst dafür entscheiden müssen, mich anzuschauen.Meine ADHS-Diagnose beurteilt mein Verhalten wie folgt:
Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen, die kognitiven Einsatz verlangen
Tendenz zum Wechsel von Tätigkeiten ohne vorherige Beendigung
Desorganisierte, mangelhaft regulierte und überschießende Aktivität
Widersprüchlich ist auch, dass ich einerseits viel kognitive Stimulation benötige, dadurch aber auch schnell ermüde.
Ich denke, die Schulzeit habe ich vor allem deshalb so gut gemeistert, weil ich schon immer gern neues gelernt und liebend gern gelesen habe. Meine Lehrer lobten früh meinen „umfangreichen Wortschatz“ und meine Beiträge in dem Gebiet, dem ich besonderes Interesse entgegenbrachte – das war damals der Sachunterricht. Jedes Zeugnis bis zur Klasse vier ermahnte mich aber wegen meiner Langsamkeit.
Autismus-Spektrum-Störungen sind in der aktuell gültigen Fassung der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten (ICD10) von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den „Tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“ (F84) zugeordnet und als medizinische Diagnosen definiert. Es wird zwischen „Frühkindlicher Autismus“ (F84.0), „Asperger-Syndrom“ (F84.5) und „Atypischer Autismus“ (F84.1) unterschieden. Die Unterscheidung fällt in der Praxis jedoch immer schwerer, da zunehmend leichtere Formen der einzelnen Störungsbilder diagnostiziert werden. Daher wird häufig der Begriff der „Autismus-Spektrum-Störung“ (ASS) als Oberbegriff für das gesamte Spektrum autistischer Störungen verwendet. (autismus Deutschland e.V. 2018, S. 2)
Menschen mit Autismus können soziale und emotionale Signale nur schwer einschätzen und haben ebenso Schwierigkeiten, diese auszusenden. (...) Im Bereich der Kommunikation sind die
Entwicklung des Sprachgebrauches und Sprachverständnisses gleichermaßen betroffen. Dadurch sind wechselseitiger Gesprächsaustausch, Flexibilität im Sprachausdruck und in der Sprachmelodie ebenso wenig ausgeprägt wie die Ausprägung begleitender Gestik, durch welche die sprachliche Kommunikation betont oder ihr Sinn unterstrichen werden würde.
Die Besonderheiten im Verhalten sind charakterisiert durch eingeschränkte, sich wiederholende und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten. (...) Das Asperger-Syndrom (F84.5) unterscheidet sich von anderen Autismus-Spektrum-Störungen in erster Linie dadurch, dass oft keine Entwicklungsverzögerung bzw. kein Entwicklungsrückstand in der Sprache oder der kognitiven Entwicklung vorhanden ist (autismus Deutschland e.V. 2018, S. 2)
Es gibt Theorien, die die Entwicklung von Autismus z.B. an die Nutzung von Glyphosat knüpfen. Das ist aber nicht nachgewiesen. Es ist allerdings anerkannt, dass beide Neurotypen/ Störungen genetische Ursachen haben. Warum aber auch neurodivergente Menschen aus Familien ohne vorherige Neurodivergenz kommen, ist nach meiner Recherche bisher nicht geklärt. Es unterstützt freilich die These, dass Autismus eine ganz natürliche Entwicklung ist und daher keine Krankheit im eigentlichen Sinne. Der Autist leidet nicht an seinem Autismus, in der Regel leidet er darunter, dass seine Umwelt ihn nicht versteht (und er sie nicht), weil sie konstant „aneinander vorbeireden“. So meine laienhafte Beschreibung. Aus dem englischen Sprachraum (in meiner Wahrnehmung besonders aus den USA) herübergeschwappt kommt "ein moderne[r] Ansatz, der sich im deutschsprachigen Raum allmählich zu etablieren beginnt: Autismus ist keine seltene schwere Behinderung, sondern vielmehr ein relativ häufiges Phänomen mit einem breiten Spektrum von geistig behindert bis hochbegabt, mit milden bis hin zu ausgeprägten Formen." (Girsberger 2024, Buchbeschreibung). Thomas Girsbergers Beschreibung fand ich hier besonders schön, daher findet es hier Einzug.
Auch wenn Autismus in der „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ als Krankheit bezeichnet ist, ist die Diagnose „Autismus“– im rechtlichen Sinne –nicht beschränkbar auf den Begriff der Krankheit. Die Autismus-Spektrum Störung ist in ihren Auswirkungen eine Behinderung, wenn die Voraussetzungen des § 2 SGB IX vorliegen. (Christian Frese, Geschäftsführer und Justiziar von autismus 2022, S. 2)
Autismus wird sehr oft als eine Behinderung dargestellt, als eine Unfähigkeit (des Gehirns), die Welt so zu sehen, wie allistische (nicht-autistische Menschen) - und eine daraus resultierende Unfähigkeit, so zu handeln wie allistische Menschen. Es fühlt sich aber nicht so an, als würde etwas fehlen (GenericArtDad, 2024). Die intensive-Welt-Theorie sagt stattdessen, dass wir zu viel haben. Einen Überschuss an Informationsverarbeitung. Der Überfluss an einströmenden Informationen und Gefühlen überlastet das Gehirn, bis es keinen "Arbeitsspeicher", keine Kapazität mehr dafür hat. Je mehr Eindrücke und Informationen, desto schwieriger wird die Verarbeitung. Dadurch werden die anderen Prozesse gestört, bis hin zum Einstellen der Funktion. Ich habe irgendwo gelesen, dass im Erwachsenenalter beim Entwicklungsstadiums des Gehirns zwischen Autisten und Allisten kein Unterschied mehr besteht. Geht man davon aus, dass das autistische Gehirn länger braucht, um sich zu entwickeln, so spricht das für erlernte Verhaltens – und Denkweise. Diese ist dem allistischen Gehirn eher möglich oder der Entwicklungsweg sogar vorgegeben, während autistische Gehirne diesen absichtsvoll beschreiten müssen.
Spontane Entscheidungen fallen mir oft schwer. Weil ich erst alle wesentlichen Punkte abwägen muss, um zu entscheiden ob ich etwas tue oder will, bin ich langsam. Meist hat mein Umfeld aber nicht die Geduld für diesen Entscheidungsprozess. Manche Leute stellen Suggestivfragen, um mir die Entscheidung zu erleichtern. Das lenkt mich allerdings zusätzlich ab, ich kann nicht mehr denken. Also entscheide ich mich häufig, ohne dazu bereit zu sein. Und muss mich dann, wenn ich zu Ende darüber nachgedacht habe, umentscheiden. Das ist eine der Eigenschaften, die meine Mutter am wenigsten an mir schätzt.Alle Menschen haben Angst vor dem Unbekannten. Diese Angst ist der Auslöser für viele Dinge; Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung nicht zuletzt. Ich würde aber sagen, dass für Autisten das Unbekannte eher anfängt. Deswegen können auch geringe Veränderungen oder Neuerungen schwierig sein. Im Zusammenhang mit Gefühlen macht sich das bemerkbar, indem unbekannte Gefühle Angst machen können (S. 114, Preißmann, C., 2012). Zudem ist es nicht nur schwierig herauszufinden was man gerade fühlt, sondern sich auch auszudrücken. Das kann seltsam förmlich anmuten oder gefühllos auf eine Art, die man erst neurotypischer Mensch nicht gewohnt ist (ebenda). Ich möchte aber bestärken, dass Autisten deswegen kann nicht gefühllos sind. Im Gegenteil. Orion Kelly meinte in einem Short auf YouTube, dass Autismus ist, wie das Leben in Extremen. Man fühlt nichts oder ganz, ganz viel.
Beim Lesen meines eigenen Befundes dachte ich mir: Das klingt aber schon alles ziemlich verheerend, habe ich das so gesagt? Woher kommt denn diese Information? Oder auch: Das hätte ich jetzt aber anders formuliert.
Aber die Realität ist ja wohl, dass der Befund nur einen Kurzabriss bieten kann und auch bei Weitem nicht in der Lage ist, alles abzudecken, was in meinem Leben so passiert. Da steht eben nicht: Wenn Situation A, dann B und wenn Situation aber A+, dann B+, sondern einfach nur wenn A, dann B. Es ist das Gegenteil einer Berufskrankheit, es ist eher eine Wesenskrankheit, dass ich alles fast immer zu ungenau finde. Da lobe ich mir doch wissenschaftliche Texte, die sind meistens klarer. Der Befund ist ja auch nur ein Mittel zum Zweck, es sollte mir daher wohl egal sein, was drinsteht. Aber ich überlege, ob ich das so meiner Familie zum Lesen geben sollte. Am Ende werde ich es aber wohl doch tun.
Die Gründe für die Zunahme der Diagnosen aus dem Bereich der Autismus-Spektrum-Störungen sind demnach vielfältig. Zum einen handele es sich um ein relativ „junges“ Krankheitsbild: Auch wenn grundlegende Arbeiten bereits Anfang und Mitte des vergangenen Jahrhunderts veröffentlicht wurden (zum Beispiel Kanner, Asperger), so fanden sie erst mit der Übersetzung ins Englische Mitte der 1980er und 1990er Jahre zunehmende Resonanz in breiten ärztlichen und psychotherapeutischen Kreisen (vdek-Verband der Ersatzkassen e.V. & Trapp 2023).
Laut dem Centers for Disease Control Abbildung : statista rise autism.jpeg (Felix Richter 2024)
and Prevention (=Zentren für Krankheitskontrolle über Vorbeugung) (CDC) ist die Autismus-Prävalenz unter US-amerikanischen Kindern in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Während im Jahr 2000 bei 6,7 von 1.000 Kindern eine Autismus-Spektrum-Störung (ASD) diagnostiziert wurde, war diese Zahl im Jahr 2020 auf 27,6 von 1.000 Kindern gestiegen. Das bedeutet, dass in den USA derzeit jedes 36. Kind mit ASD diagnostiziert wird, gegenüber jedem 150. Kind vor 20 Jahren. (Felix Richter 2024)
Die Diagnoseraten von Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) variieren weltweit erheblich. Laut Daten des World Population Review zählen Singapur (1.460), Japan (1.450) und Australien (1.160) zu den Ländern mit den höchsten Diagnoseraten für Autismus im Kindesalter pro 100.000 Kinder, während China (638) und Brasilien (606) zu den Ländern mit den niedrigsten Diagnoseraten zählen. Diese Unterschiede in der Diagnose können durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, wie etwa den Zugang zu Gesundheitsdiensten, Diagnosemethoden und das öffentliche Bewusstsein. (Anna Fleck 2025)
Abbildung : 34227.jpeg (Anna Fleck 2025)
