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Drei kurze Geschichten, die sich allesamt im amerikanischen Westen abspielen. Im 19. Jahrhundert verschlägt es ein Ehepaar von der amerikanischen Ostküste in den wilden Westen. Dort stoßen die beiden Jungvermählten auf unvorstellbares Grauen. Ein abenteuerlustiges Pärchen gerät auf einem Kletterausflug in Mesa Verde in dämonische Geschehnisse. Alte Legenden der Ureinwohner erweisen sich als real. Eine junge Frau versucht ihr Glück als Rodeo-Reiterin in Texas und begegnet dort einem mysteriösen Fremden, der sie allerdings zu kennen scheint.
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Seitenzahl: 67
Veröffentlichungsjahr: 2014
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A. C. Greeley
Kleine Schattenwelten
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Never Summer - die andere Seite
Wasserkind
Leere Sättel
Impressum neobooks
A. C. Greeley
Unsicher blickte Mrs. Annabelle Johnson um sich. Hier in den Never Summer Mountains hatte sie das Gefühl, am falschen Ort zu sein.
Spring Valley in Massachusetts schien ihr unerreichbar weit weg, und sie spürte ein leises Bedauern, als sie an ihre Heimatstadt dachte. Dort war sie aufgewachsen, in einem schönen, großen Haus mit vier Geschwistern und liebevollen Eltern.
Seufzend nahm sie den Holzeimer und fischte Wasser aus dem Colorado. Sie hoffte, dass ihr Mann bald wieder hier war, damit er am Brunnen weiterbasteln konnte, denn das Wasser aus dem Fluss zu holen, war ziemlich schwierig.
Der Nachmittag war zwar wunderschön, dennoch war hier alles anders. Fremd, wild und unheimlich. Zumindest fand Annabelle das.
Hätte sich die politische Lage an der Ostküste durch den Krieg der Union gegen die Konföderierten nicht zugespitzt, wären sie womöglich im Osten geblieben.
Nachdem ihr Vater gestorben war, hatten ihr Mann Peter und sie allerdings beschlossen, in den Westen zu gehen.
Es hatte so gut geklungen! Fruchtbare Felder, grüne Wälder und genügend Wasser. Womöglich sogar irgendwann mal ein bisschen nach Gold schürfen! Zumindest hatte Pete, ihr Ehemann, sich das so vorgestellt. Er hatte gemeint, dass die Gegend um den Colorado-River sehr gut geeignet für die Goldsuche sei. Angeblich häuften sich hier die Funde, und wer wusste schon, ob nicht auch sie eines Tages in den Genuss des gelben Metalls kommen würden. Sie rang sich ein kleines Lächeln ab, denn ihr Ehemann war immer schon enthusiastisch und abenteuerlustig gewesen. Er schien sich vor nichts und niemanden zu fürchten und die Aussicht auf das Gold schien ihm einen weiteren Anreiz zu liefern, in den noch eher unbekannten Westen zu gehen.
In der Zwischenzeit hatte sie sich daran gewöhnt, den schweren Eimer hoch zu dem selbstgebauten Blockhaus zu schleppen, das ihr Mann vor wenigen Tagen erst fertig gestellt hatte.
Sie musterte den unregelmäßig gebauten Zaun, der besonders die wilden Tiere davon abhalten sollte, sich dem Haus zu nähern. Solange sie im Planwagen geschlafen hatten, hatte die ganze Nacht ein Feuer gebrannt, doch das war nicht mehr notwendig. Sie würde im nächsten Frühjahr Karotten und Rote Rüben anbauen, womöglich auch ein paar Salate, und dann würde der Zaun vor Hirschen und anderen vegetarischen Räubern schützen.
Heute war Annabelle von einer gewissen Unruhe erfüllt. Bei jedem Geräusch zuckte sie nervös zusammen und immer wieder schweifte ihr Blick zu der anderen Seite des Flusses. Ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken.
Dort, zwischen einigen Bäumen konnte sie die Silhouette der verkommenen Häuser der verlassenen Stadt Rugby erkennen, die im tiefen Schatten verborgen waren.
Es waren nur wenige Häuser und der Ausdruck Stadt war wohl etwas übertrieben, dennoch schien es, als ob die Sonne ausgerechnet dort nicht hinscheinen wollte. Ob sie sich jemals an diesen Anblick gewöhnen würde?
Ihr Mann hatte es wiederum als ein Abenteuer empfunden, dort am anderen Ufer eine verlassene Stadt zu haben.
Natürlich hatten auch die Frauen in Greeley allerhand Unsinn erzählt. Zum Beispiel das die Stadt Rugby verflucht war, weil dort angeblich verlorene Geister nach einem Minenunglück herumirrten. Doch Annabelle wollte sich davon nicht beirren lassen. Auch nicht von den seltsamen Mythen, die sich um diesen Fluss rankten. Immerhin befanden sie sich in einer Gegend, wo die Wilden lebten, und die hatten ja Unmengen an seltsamen Geschichten und Legenden auf Lager.
Sicher dienten die seltsamen Geschichten dazu, die Weißen fernzuhalten. Ein äußerst geschickter Schachzug, wie Annabelle empfand. Die hysterischen Stadtfrauen hatten es dennoch geschafft, sie ins Grübeln zu bringen und das ärgerte sie.
Als ihr Mann sie dann endlich aus Greeley abgeholt hatte, war sie fast bereit gewesen, zurück an die Ostküste zu fahren. Doch er hatte auf ihre Bedenken hin, laut aufgelacht.
»Bells, diese Frauen kennen die Wildnis doch gar nicht. Sie kennen nur den Komfort der Stadt und haben den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als über die sogenannten Wilden herzuziehen und sich blutrünstige Schauergeschichten auszudenken.«
Dann hatte er sie auf den Mund geküsst und sie auf den Wagen gehoben. Die Erinnerung daran zauberte ein kleines Lächeln auf ihr Gesicht. So war Pete einfach, realistisch und praktisch denkend, außerdem hatte er viel Ahnung von dem Überleben in der Wildnis. Sie vertraute ihm rückhaltlos.
An einen Tag wie heute beschlich sie trotzdem ein ungutes Gefühl. Ihr Mann war heute sehr früh aufgebrochen, um zu jagen, denn sie brauchen noch Fleisch für den kommenden Winter. Hoffentlich war ihm nichts zugestoßen, immerhin war die Gegend noch ziemlich fremd und es gab Pumas, Bären und Wölfe in Mengen.
Gedankenverloren ging sie zu einem ausgehöhlten Baumstamm, worin sie das Fleisch räucherte. Sie öffnete die kleine selbstgebastelte Tür und kontrollierte, ob es noch genügend qualmte, denn sie musste noch ein paar Tage abwarten, bis das Fleisch soweit war, dass sie es am Dachboden zu den anderen Vorräten hängen konnte. Ihr Mann hatte gesagt, dass Walnussholz das Beste für die Räucherung war, weil das Fleisch damit bei jedem Wetter halten würde.
Jedenfalls mangelte es hier in den Wäldern nicht an Holz, Wild und Kräutern. Sie mussten nur dafür sorgen, dass sie genügend Vorräte lagernd hatten, wenn der Winter tatsächlich kam. Immerhin war die Gegend berüchtigt für Schneestürme.
Als sie ihren Holzeimer wieder hob und sich auf den Weg zurück zum Haus machte, hatte sie auf einmal das Gefühl, als ob die Sonne verschwunden war. Irritiert blickte sie zum Himmel, doch er strahlte nach wie vor im schönsten Blau.Seltsam ...
Ohne es sich erklären zu können, blickte sie erneut zu den verfallenen Häusern, doch auch dort schien sich nichts geändert zu haben.Oder doch?Waren die Schatten nicht ein wenig dichter, das Licht ein wenig schwächer geworden?
Nein, das war unmöglich. Es gab keinen Grund dafür, denn der Nachmittag war noch immer traumhaft schön.
Weil sie fürchtete, dass sie sich doch zu sehr von dem Geschwätz der Damen hatte beeindrucken lassen, straffte sie ihre Schultern und ging mit raschen Schritten zum Haus hoch, wo sie den Eimer bei der Kochstelle abstellte.
Wenigstens hatte sie bereits ihren Ofen und konnte so Essen vorbereiten.
Ihr Mann hatte hunderte von Steinbrocken herauf geschleppt, und den Kamin gebaut, damit sie nicht mehr im Freien kochen musste. Alle Steine hatte er mit einer dicken Schicht Lehm verschmiert, damit der Rauchfang nicht brennen konnte.
Die Brotlaibe hatte sie schon fertiggebacken und sie lagen fein säuberlich in weißem Leinen gehüllt im Regal.
Im tiefen Topf schmorte eine dicke Suppe mit Wildentenfleisch und schmackhaften Kräutern.
Sie kostete ein wenig und beschloss noch ein paar der wilden Rüben hineinzuschneiden, die sie gestern ausgegraben hatte.
Hier gab es wirklich genügend Nahrung. Doch sie hatte erst lernen müssen, wo sie danach suchen musste, während ihr Mann sich bereits hervorragend auskannte.
Sie rührte ein paar Mal im Topf um und fegte den Holzboden sauber, während sie ständig unruhig zum Fenster hinaussah. Hier unten hatten sie sogar Glasscheiben. Nur oben, wo sie schliefen, hatten sie Holzläden. Das genügte auch völlig.
Wo blieb er nur so lange? Unruhig lief sie auf und ab, denn sie war es nicht gewöhnt, dass er so spät vom Jagen zurückkehrte.
Als sie nichts mehr zu tun hatte, um sich abzulenken, schnappte sie sich eine Laterne und ging ins Freie. Der Himmel begann bereits die Farben der herannahenden Dämmerung anzunehmen und flache Wolken zogen vorüber.
Natürlich hatte sie nicht vor, sich weit vom Haus zu entfernen, aber sie wollte sich zumindest ein bisschen umschauen. Womöglich war ihr Mann schon in der Nähe, und sie konnte ihm entgegen gehen.
Während sie noch unschlüssig vor dem Haus stehen blieb, erkannte sie auf einmal den Lichtschimmer. Es war ein flackendes Licht, wie von einer Lampe.
