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Im Kühlschrank von Albert Klusemann verschwinden Sachen. Geräusche in der Nacht. Sind es Ratten? Einbrecher? Verliert er den Verstand? Er muss Gewissheit haben und installiert eine Überwachungskamera.
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Seitenzahl: 23
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Friedhelm Rudolph
Klusemanns Angst
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Klusemanns Angst
Impressum neobooks
Die Kaffeemaschine röchelte. Albert Klusemann stellte die Vase mit den Maiglöckchen auf den Frühstückstisch, strich eine Falte aus der Tischdecke und schaute mit Befriedigung auf die Küchenuhr. Punkt sieben Uhr.
Etwas drückte ihn am Hals. Er richtete den Krawattenknoten, schluckte zur Probe, fühlte keinen Widerstand.
Er ging hinüber zum Kühlschrank, öffnete ihn – und verkniff sich einen Fluch. Mit einem Blick sah er: Wieder fehlte etwas. Diesmal ein Stück von der Salami und der Rest Greyerzer.
Er wühlte in seinem Gedächtnis, konnte sich nicht erinnern, beides herausgenommen oder gar gegessen zu haben. In Gedanken versunken, setzte sich an den Tisch und vergaß, mit dem Frühstücken zu beginnen.
Hatte er Erinnerungslücken? Griff das Eremitenleben nach seinem Verstand? War SIE zurückgekehrt? Eine schwelende Angst bohrte in seinem Magen.
Albert Klusemann stand auf, holte die Kaffeekanne aus der Maschine und schenkte sich ein. Er schaute in die Tasse. Die aufsteigenden Dämpfe und der Geruch des Kaffees beruhigten ihn. Nein, ausgeschlossen. Warum sollte SIE wiederkommen?
Er setzte sich, die Stuhlbeine schrappten über den Fußboden. Er nahm eine Scheibe Brot aus dem Korb, richtete sie aus auf dem Teller, wog das Messer in der Hand. Er fühlte sich gut, der Tag war gefüllt mit seinen Studien und dem Tagesgeschäft, und die Pension vermehrte sich auf dem Bankkonto.
Er öffnete den Margarinetopf, wollte mit dem Messer hineinfahren, hielt inne. Die Geräusche in der Nacht. Ratten? Hatte er es mit Ratten im Haus? Vor drei Jahren hatte er Ratten im Haus. Das bleibt nicht aus, wohnt man für sich am Ortsrand, am Wald, aus dem im Winter die Rehe in den Garten kommen und durch die Terrassentür hereinschauen. Die Ratten hatten unter der Rückseite des Schuppens ein Nest gebaut, schlichen eines Tages ins Haus. Er hatte das Nest zu nicht entdeckt. An die Spitzmäuse auf dem Dachboden hatte er sich gewöhnt. Er ließ sie gewähren. Sie richteten keinen Schaden an, suchten im Winter ein Plätzchen ohne Frost und Schnee. Doch Ratten ...! Igitt! Er nahm sich vor, gleich nach dem Frühstück in den Keller zu gehen, ans Regal unter der Treppe, unteres Regalbrett, rechts außen. Dort lagen zwei Rattenfallen. Er wollte sie entrosten und aufstellen. Ein Marder oder Waschbär konnte es nicht sein. Die Ritzen boten ihnen nicht genug Platz zum Hindurchschlüpfen.
