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Gedanken und Erfahrungen über das Leben, seinen Sinn oder Unsinn. Wie kann ich mir und meinen Mitmenschen begegnen. Die Arbeitswelt im Call Center des 21. Jahrhunderts. Reisen in eine andere Welt bewusst wahrnehmen und beobachten.
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Seitenzahl: 58
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Anni Taint
Kurze Geschichten to go
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Wer oder was bin ich?
Elefanten können weinen
Die Farben des Lebens
Schloßwegstraße
Sie haben ihr Ziel erreicht…
Welche Macht herrscht über mich?
1 Gramm Salz
Urlaubsplanung mal anders
Before I die
Ein Tag
Ein besonderer Kuss
Strandruhe
Tödliche Gefahr
Das Fundament
Das Sicherste im Leben
Meerblick
Stille Gedanken
Zeitlos
Keine Freunde
Selbstwert
Hypochonder
Religion
Balance
Vorbilder
Felix
Anna
Alleinsein
Langsam
Tanzen
Das Büdchen
Ein Juwel
Lächeln
Frau S
Endlichkeit
Namen
Veränderung
Das Nest
Der Mann und sein Pudel
Flirten bis der Arzt kommt
Fußball-WM 2014
Zwischen den Zeilen
Skurriles
Natürlicher Verstand
Kundenservice
Telefonie
Arbeitsplatz
Empathie
Ziele
Time is not important
Impressum neobooks
Kurze Geschichten,
Ich bin das, was mein Körper und mein Geist mir ermöglichen zu sein.
Nicht mehr und nicht weniger.
Folglich ist es klug seinen Körper und seinen Geist zu pflegen.
In der Zeitung lese ich, dass ein Inder seinen Elefanten über 50 Jahre lang gequält und misshandelt hat bis ihn Tierschützer in ihre Obhut nahmen. Sie pflegten ihn, gaben ihm artgerechte Nahrung und versorgten seine offenen Wunden. Als ein Tierpfleger ihm die schweren Eisenketten und Eisenringe, die an seinen Füßen befestigt waren abnahm, sah er in die Augen des Elefanten. Dicke Tränen rannen aus seinen Augen über die raue Haut, die zu einem Rinnsal anschwollen. Über 50 Jahre lang hatte der Elefant mit diesen Eisenfesseln Tag und Nacht leben müssen, bis er just in diesem Moment von der Qual erlöst wurde. Er war frei und lebte fortan mit anderen Elefanten, die ihn in ihre Gemeinschaft liebevoll aufnahmen, in freier Wildbahn.
Ich denke nach, eine schöne Geschichte, die mich sehr berührt und mir zeigt, dass die Freiheit das höchste Gut ist, sowohl für den Menschen als auch für Tiere.
Doch es gibt Menschen, die mit dieser Freiheit nichts anfangen können. Sie sprengen sich in die Luft für einen Gott, den keiner kennt und ringen um die Sinnhaftigkeit ihres Lebens. Sie geben ihr Leben, ihre Freiheit, in die Hände Anderer, die über sie bestimmen.
Doch was kann schöner sein, als über sich selbst zu bestimmen.
Um seinen Sinn im Leben zu finden, braucht man sich nicht in die Luft sprengen. Es reicht, ein guter Mensch sein zu wollen.
Mehr Sinn kann man seinem Leben gar nicht geben.
Herr Grün kommt mir im Park entgegen. Er lächelt, wie immer, und ich schenke ihm ebenfalls ein Lächeln. Er umarmt mich kurz und wir tauschen Allgemeinheiten aus. Manchmal ruft er mir auch zu:“ Da kommt die Liebe meines Lebens.“ Er hat mir einmal erzählt, dass er vier Monate im Koma lag und danach nichts mehr konnte. Er hat aber alles wieder gelernt, Lesen, Schreiben, Rechnen und sogar irgendwann einen Job bei einer renommierten Bank bekommen. Jetzt ist er im Ruhestand und geht abwechselnd mit seinen zwei Hunden im Park spazieren.
Blau ist auch schön. Ich stelle mir vor ich liege auf dem Rücken im tiefblauen Meer, schwerelos, und schaue in den hellblauen Himmel.
Mein Mann ist Rot, denn er liebt mich nach vielen Ehejahren immer noch sehr. Ich mag rote Rosen und seine Nähe, denn Rot ist auch warm, wenn mir kalt ist.
Die gelbe Sonne lässt uns überhaupt erst Farben erkennen und macht unser Leben bunt.
Meine Freundin ist Lila, denn sie ist sehr kreativ und überaus künstlerisch talentiert. Sie macht die verrücktesten Dinge, z.B. hat sie ein Zechenkleid in Form einer Skulptur gestaltet oder näht bebilderte Kunst-Taschen.
Meine Arbeit im Call-Center für Business Travel ist oft Grau, da sie keine Freiräume lässt und die Arbeitsdichte enorm ist. Die Gespräche mit den Kunden und ihnen helfen zu können gleichen dies wieder etwas aus. Aber wenn ich einen grauen Tag hatte, weiß ich Grün, Rot, Blau… umso mehr zu schätzen.
Meine Hobbies sind bunt, genauso wie die Natur. Am buntesten ist das Rote Meer beim Schnorcheln.
Welche Farben hat dein Leben?
Nein, sage ich, diese Straße gibt es in unserem Stadtteil nicht. Es gibt die Schloßstraße, die Schloßwiese, den Schloßgarten und die Schloßaue. Sie hätten einen Termin für eine Wohnungsbesichtigung in der Schloßwegstraße, sagt der Mann in seinem deutsch. Er und seine Frau kommen aus Kroatien. Er zeigt mir seinen Zettel. Kurzentschlossen wähle ich mit meinem Handy die Telefonnummer, die dort steht. Ich frage die Frau am anderen Ende der Leitung nach der Straße und sage ihr, dass die Herrschaften für die Wohnungsbesichtigung gleich bei ihr sind. Schloßwiese 38 lautet die richtige Adresse. Ich sage dem Mann, dass wir zusammen gehen können, da ich auch in dieser Straße wohne.
Er ist Koch und sucht eine kleine Wohnung. Wir reden über dies und das. Er fragt mich, ob ich schon einmal in Kroatien war, was ich verneine. Ich erzähle von unserem tollen Stadtteil und dass es eine Brauerei gibt mit einem schönen Biergarten und dass dort das Bier sehr gut schmeckt. Er trinkt keinen Alkohol, sagt er mir. Ob ich katholisch bin. Ja, sage ich, aber ich bin nicht religiös. Ich frage sie noch, ob ich sie bis zum Haus Nr. 38 begleiten soll, da ich jetzt zu Hause angekommen sei. Nein, sagen sie, dass sei nicht nötig, da ich von der Arbeit komme, bin ich bestimmt froh endlich zu Hause zu sein. Sie bedanken sich beide mit Handschlag bei mir und ich freue mich, dass ich helfen konnte und wünsche ihnen viel Erfolg bei der Wohnungssuche.
Menschen Aufmerksamkeit schenken und dabei noch zu helfen ist das größte Geschenk, das wir einem Mitmenschen machen können.
Schön wäre es, denke ich und fahre zum 3.Mal über die Rheinbrücke. Diesmal wieder in Richtung Rheinhausen. Mitten auf der schönen alten roten Eisenbrücke, bei 28°C und dichtem Verkehr spricht die Frauenstimme aus dem Navigationsgerät wieder mit mir:“ Sie haben ihr Ziel erreicht.“ Welches Ziel? Hier auf der Rheinbrücke bestimmt nicht. Mein Ziel ist ein Bad-und Sanitärgeschäft. Mein Instinkt sagt mir, dass mein Navi spinnt. „ Frau“ kann sich auf die Technik einfach nicht verlassen. Meine bessere Hälfte gab mir die Adresse, um ein Ersatzteil abzuholen. Ich bin wütend und belustigt zugleich. Ich hätte auch im Rhein oder in der Walachei landen können. Das ist alles schon passiert und eigentlich gar nicht lustig.
Die Aussicht von der Brücke über die weite Rheinaue ist schön. Der breite Fluss schlängelt sich umgeben von großen Wiesen Richtung Nordsee. Menschen liegen auf den Wiesen und genießen den Sommertag am Wasser.
Ich entscheide mich nach Hause zu fahren. Ich ärgere mich, da ich mir normalerweise die Strecke auf der Karte nochmal ansehe bevor ich losfahre, um eine grobe Orientierung zu haben. Warum habe ich diesmal nicht auf mich gehört? Auf mein Bauchgefühl und meinen Instinkt?
Einmal auf die Technik verlassen und schon ist man verlassen, steht mitten auf einer Brücke zwischen LKWs und PKWs im Stau.
