Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Langgerde - hochdeutsch Langwieden- Mein Zuhause
Lebenserinnerungen von Gisela Schwarz, geb. Höh
Das E-Book Langwieden wird angeboten von Books on Demand und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Geschichte, Heimat, Biografie, Kindheit, Erinnerung
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 164
Veröffentlichungsjahr: 2023
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Vorwort
Lebenserinnerungen von Gisela Schwarz, geb. Höh
Rückschau
Meine Kindheit
Im Sommer, wenn Heu gemacht wurde
Wenn das Getreide gemäht wurde
Im Sommer
Als mein Bruder Karl auf die Welt kam
Mein erster Schultag
Unsere Schule
An Pfingsten
Meine Mutter konnte schön malen
Muttertag
Unserer Lehrer ging mit uns auch in die Kartoffeln
Beim Schlitten fahren
Die Dreschmaschine
Im Winter
An Weihnachten
Onkel Ludwig war der Nikolaus
Die Geschichte von unserem Gänschen
Wie wir spielten
Der Lauterer Babbe hatte uns einen Schweinestall hergerichtet
Als wir Masern hatten
Karl kam erst später auf die Welt
Wir spielten auch viel mit den Kindern im Dorf
Als Volker Eier suchte
Als ich mit fünf Jahren Rad fahren lernte
Unser Pferd Lisa
Unser Garten
Unsere Ferkelzucht
Von meiner Schwester Heidi
Von dem Verkauf der Kartoffeln
Als meine Mutter Lungenentzündung hatte
Familie Eicher
Von unserem Knecht
Von unseren Nachbarn, der Familie Lutz
Wie meine Mutter zum Lautrer Babbe kam
Mit 19 wollte sie von zu Hause weg
Wie meine Mutter meinen Vater kennenlernte
Als Mutti noch in der Schule war
Unsere Verwandten von Papa
Mein Vater
Als Papa den Unfall hatte
Von der Kerwe
Papas Verwandte
Meine Verwandten aus Kaiserslautern
Die Lautrer Kerwe
Wenn Mutti melkte, war ich auch oft dabei
Im Zimmer stand ein hoher gusseiserner Ofen
Von unserem Hof und wie wir dort spielten
Wenn die Ziege zum Bock musste
Wie früher die Kartoffeln von Hand gesetzt wurden
Kiefers Heuaufzug
Als wir noch unseren alten Hof hatten
Unser Land
Der Bunker im Wald
Als ich bei Iris zu Hause war und wir spielten
Wie wir Kinder die Fastnacht feierten
Von Onkel Ludwigs Obstbäumen
Die steinerne Tränke im Hinterhof
Als wir vier Wochen in Ilvesheim waren und unsere Eltern sich scheiden lassen wollten
Als unsere Oma zu uns zog und wie sie starb
Als meine Eltern sich scheiden ließen und Karola auf die Welt kam
Als Papa in Maikammer Arbeit annahm
Als ich mit Heidi auf dem Sommerfest war
Als Heidi und Volker mich nicht mitnahmen
Von Familie Antoni, die bei uns wohnte
Von Muttis Stiefbruder Dieter
Als ich in Käfertal bei Mannheim zu Besuch war
Als Heidi überfallen wurde
Als Heitze Knecht zugreiflich wurde
Das Badezimmer in Onkel Ludwigs Haus
Als ich mondsüchtig war
Der Arztbesuch in Kaiserslautern
Als ich noch klein war
Als ich in Martinshöhe Brot kaufte
Als ich in Lautern Eier verkaufen musste
Onkel Hans las gerne Abenteuerbücher
Onkel Hans Eltern im Krieg in Prag
Als Karl und ich nachts Mutti suchten
Als ich Seebodes Ursel Gesellschaft leistete
Als ich bei der Schmidte-Tante war
Als Ilse Rudi heiratete
Familie Zerfas
Von Familie Koplin und Familie Pagels, die als Flüchtlinge nach Langwieden kamen
Meine Freundschaft mit Erika Burkhardt
Von Familie Laufer
Als wir Läuse hatten
Von Familie Arms (Höh)
Wie wir im Eck auf der Straße spielten
Arbeiten im Haus
Als Kurt aus Weselberg mich abholte
Familie Strauß
Im Haus vom Onkel
Karola war ein liebes Mädchen
Als ich im Krankenhaus arbeitete
Als Volker den Christbaum klaute
Als Volker sich in den Finger hackte
Meine neuen Schuhe
Unser Garten, der Truthahn und die Zicklein
Als Onkel Hans sich die Augen verletzte
Mein Bruder Karl und seine Verletzungen
Als Karl in Kur war
Der Tag des Waldes
Die schönen Lieder, die uns unser Lehrer gelernt hat
Die guten und die schlechten Seiten von unserem Lehrer
Das Frühlingsgedicht
Von Ostern und den Nestern
Als ich in St.Ingbert und Brebach in Ferien war
Bei unserem Lehrer lernten wir
Was es bei uns zu essen gab
Wenn wir Schlachtfest hatten
Im Frühjahr, wenn das Gras gewachsen war
Al sich die Kühe hütete
Als das Unwetter kam
Von den Erdäpfeln
Auf dem Weg zur Spick
Peter-Schnapp-Männchen
Wenn im Sommer die Pferde eingespannt wurden
Wenn Jauche gefahren wurde
Der Mist wurde auch von Hand geladen
Vom Dreschflegen
Wenn das Getreide gemäht wurde
Von den Disteln
Beim Rüben ausmachen
Rummelbooze
Die Zeit, wo wir Kinder im Sommer Heidelbeeren pflückten
Im Winter machte unser Vater als Stricke
Unser Lehrer Seebode hatte einen Taubenschlag
Mutti erzählte auch, wie es vor dem Krieg in Kaiserslautern war
Als Mutti von unserer Oma die Kasse bekam
Vor Weihnachten
Als Kinder haben wir auch noch gebetet
Als ich noch ganz klein war
Wenn wir Kinder im Dorf waren und spielten
Die Zeit nach dem Krieg
Frau Heinz und ihre Tochter Karla
Die Fahrt nach Prag
Bei Theo Stahl in Langwieden
Frau Alma Keller
Die Taufe von meinem Bruder
Im Schulhof stand ein großer Lindenbaum
Ein Verwandter von mir, Kurt Höh aus Weselberg
Früher und heute haben Kiefers schon immer viele Katzen gehabt
Diese Woche war ich bei Frau Erna Schneider-Lauer
Die Christbaumspitze von Kiefers Baum
Von Kiefers Enten
Unsere Verwandten von Hütschenhausen
Bei Ilse Beck
Als ich aus der Schule kam und bei Frau Hoffmann anfing
Als ich in der Rosenthal arbeitete
Als ich in Krefeld bei Familie Schwarzfeld arbeitete
Als ich auf den Rohrhof kam
Als ich bei der Elte arbeitete
Ich wollte Krankenschwester werden
Als ich das Tanzbällchen machte
Als ich Lernschwester wurde
Als ich Robert kennen lernte
Als mein Bruder Karl bei der Bundeswehr krank wurde
Ich muss oft an meinen Vater denken
Der Lichtbildervortrag in der Schule und das Kino Kiefers
In Kiefers kleinem Sälchen
Wir bekamen schon früh ein Fernsehgerät
Ich erinnere mich noch, dass wir einmal in Landstuhl im Kino waren
Ich musste als das Kerchebläädche austragen
So gab es noch viele Schicksale in Langwieden
An Weihnachten, als die Besitzer der Apotheke in Urlaub waren
Ein Sohn blieb noch übrig: Ernst Stahl
Gegenüber war Ottos Wohnhaus und ein Stall
Das nächste Haus im Unterdorf waren Kellers
Ihr Bruder Kurt heiratete Alma Schuhmacher
Im letzten Haus Richtung Gerhardsbrunn wohnte Familie Silcher
Frau Silcher wusch manchmal im Bach ihre Wäsche
Familie Jenet
Das Haus von Schneider (Hansfels)
Die Langwiedener hatten eine Wanderbühne
Familie Kiefer hatte schon damals eine Wirtschaft
In Kiefers wohnten noch zwei Tanten
Otto von der Wirtschaft Schuhmacher / Werner Neu
Früher hatten Kiefers die Post
Gegenüber von Kiefers wohnte Rudi Beck
Gegenüber der Schule
Langwieden besitzt eine schöne Kirche
In Martinshöhe gibt es keine evangelische Kirche
Als ich konfirmiert wurde
In der Mitte des Dorfes stand ein großer Lindenbaum
Frau Müller machte damals das Milchhaus
Damals in den 50er Jahren
Der erste Mai
Die Flüchtlingsfamilien
Familie Jung, Junior Alfred
Familie Gilcher
In dem alten Haus wohnten Familie Leichnitz
Die Post in Langwieden war im Eck
Das Haus von Nickolay befand sich vor der Familie Stahl
Familie Laufer befand sich unter der Post
Vor Laufers wohnte Ida Erhard
Bei Familie Hugo Neu
Schmitte Ilse (jetzt Beck)
Als 1954 die Deutschen Weltmeister wurden
In Kiefers war damals die Kerwerede und Musik
Familie Ernst Scherer hielten immer viele Schweine
Die Landwirtschaft bei Uwe Mang
Familie Leib
Mein Vater suchte sich dann Arbeit bei der Gärtnerei Dengel
Der Nebenerwerbslandwirt Rolf Heintz
Wo früher Familie Lutz wohnte, ist auch vieles anders
Familie Jenet
Frau Seebode
Von Familie Jenet
An der steinernen Brücke
Meine letzte Geschichte
Langsam komme ich zum Schluss
Für die Viele Hilfe die ich hatte, möchte ich mich herzlich bedanken.
Bei meiner Tochter Christine, die mir diese Zeilen abdruckte.
Bei meinem Sohn Andreas und seiner Frau Steffi, die mir die vielen Bilder und Zeilen kopierten.
Bei Birgit, meiner Schwiegertochter, die mir half, das Geschriebene zu ordnen.
Bei Ilse Beck, Dorle Kiefer, Erna Schneider-Lauer, Karla Blinn und vor allem Theo Stahl, bei Lorle Donayre, die mir die Bilder Aussuchten von früher und mir zur Kopie gaben. Auch bei Erna und Otto Gilcher, die mir halfen, die Namen von den Gefallenen in Langwieden aufzuschreiben. Auch vom Theater spielen berichteten sie mir, wie die Stücke hießen und wer alles mitgespielt hat. Auch die Namen von den Bergen, die ich nicht mehr wusste.
Bei allen recht herzlichen Dank.
Zuletzt möchte ich mich bei Herbert Glück bedanken für die Bilder und die Zeit, die er mir opferte, nachdem er von seiner Kur zurückkam. Auch bei Ottmar Braun, der mir die Bilder von meiner Urgroßmutter ablichtete und mir behilflich war, diese Bilder zu ordnen.
Sowie bei meinem Sohn Günther, der mir die Bilder von Herbert Glück ablichtete und mit mir da hin fuhr.
So konnte ich die Bilder zum Abschluss bringen und einordnen.
Diese in einfacher Spache gehaltene Erzählung meiner Kinder- und Jugendzeit soll zum Ausdruck bringen, welch schöne und freudige, aber auch leidvolle Jahre ich erlebte.Seit vielen Jahren befasste ich mich mit dem Gedanken, meine Erlebnisse in der Nachkriegszeit niederzuschreiben und meinen Kindern, Enkeln und Lesern zu übermitteln.
Meine Tochter Christine ermunterte mich dazu, als ich anfing zu schreiben, ich solle nur weitermachen. Für meine Kinder sind meine Erlebnisse sehr interessant. Sie lesen nach und nach die Abschnitte und fragen, wie es früher war.Als ich von der Heuernte schrieb, wie es damals war, wollten sie alles genau wissen.
Eigentlich bin ich erst in dem reiferen Lebensabschnitt, als ich auch ein bischen zur Ruhe kam dazu gekommen davon zu erzählen und zu schreiben. Die Aufarbeitung der Vergangenheit brachte mich immer wieder in emotionale Empfindungen. Von glücklichen und wehmütigen
Erinnerungen hin- und hergerissen, erlebte ich dabei meine Kindheit und Jugend –sozusagen- ein zweites Mal.
In solchen gefühlsbetonten Momenten stiegen mir Tränen in die Augen. Bei der Aufzeichnung schmerzlicher Erlebnisse, die jahrzehntelang drückend auf mir lasteten, empfand ich eine gewisse Erleichterung, denn ich schrieb mir manches „von der Seele“.
Die nachfolgenden Seiten erzählen von meinen unterschiedlichen Erlebnissen, als ich glücklich in meinem Elternhaus aufwuchs und mich glücklich und geborgen fühlte, aber auch von schwierigen Situationen, als wir unseren Hof verkaufen mussten. Was ich danach erlebte, als sich meine Eltern scheiden ließen, die Familie auseinanderbrach und ich keinen Kontakt mehr zu meinem Vater hatte.
Die Zeit, als ich zwei Jahre in Krefeld im Haushalt war, das hat mir schwer zu schaffen gemacht. Ich hatte Heimweh und verlor auch meine Gesellschaft. Danach das eine Jahr als Kindermädchen auf dem Rohrhof, wo ich nicht versichert war. Diese Erlebnisse sollen dem Leser näherbringen, wie es damals eigentlich war.
Nach vielen Jahren halte ich Rückschau und will einige Erinnerungen meiner Jugend erzählen, die ich in meinem Geburtsort Langwieden und anderswo erlebte. Ich spreche heute noch von „zu Hause“, wenn ich von meinem Elternhaus erzähle. Es sind keine herausragenden Geschichten, sondern nur kleine Kindheits- und Jugenderlebnisse, heitere und glückliche, aber auch ernste und unerfreuliche, wobei ich die letzteren nicht noch einmal erleben möchte. Mein Heimatort ist das schöne Dörfchen Langwieden. Das Örtchen liegt auf der Sickinger Höhe, umringt von Bergen mit Weiden. Herrlich waren die grünen Weiden anzusehen, auf denen die Kühe grasten. Umringt von Wald, der Ruhe und Gleichmäßigkeit ausstrahlte. Die Erde auf der Höhe ist auch fruchtbar und es gab viele wogende Kornfelder. An meine frühe Kindheit denke ich sehr gerne zurück. Es war eine sehr schöne Zeit auf dem Bauernhof meiner Eltern und Großeltern. Umgeben von Ackerflächen und Wiesen lag unser Hof in landschaftlich schöner Gegend. Langerde heißt das Dörfchen. In der Mitte steht eine schöne alte schlichte Kirche. Damals waren zwei Wirtschaften da, Schuhmachers und Kiefers. Dann gab es noch die Schule mit dem Schulgarten, eine Schmiede, den Kolonialwarenladen und die Post im Eck. Es gab auch einen Bürgermeister, damals Herr Lutz. Die Berge, der Resberg und kleinere Hügel nutzten wir im Winter um Schlitten zu fahren, sowie die Kesselwiesen, wenn sie zugefroren waren um Schlittschuh zu laufen.
Langwieden liegt in einem Tälchen, umringt von Bergen. Der eine Berg in Richtung Landstuhl heißt Spick. Der andere Berg Richtung Martinshöhe heißt Resberg, der zieht sich bis Ausgang Richtung Gerhardsbrunn. Am Ende des Dorfes geht ein Feldweg zum Füllengarten. Jetzt befindet sich dort ein Fußballplatz von der Gemeinde und dem damaligen Bürgermeister Toni Pfaff entstanden.
Als ich noch in der Schule war, übten wir da für die Bundesjugendspiele. Wir mussten aber für die Spiele nach Martinshöhe zum Sportplatz gehen. Erika Burghard war immer die Beste. Der Taubenkopf ist der Berg, der Richtung Wald und Friedhof liegt, sowie die Stelle, an der Tierarzt Guth gebaut hat. Seine Frau starb voriges Jahr im Herbst. Er Anfang des Jahres, was sehr tragisch für deren Söhne ist. Vor ein paar Jahren entstand auch ein Spielplatz oberhalb des Dorfgemeinschaftshauses auf der Hofstadt. Dabei haben viele Freiwillige mitgeholfen. Der Platz ist sehr schön geworden und ist vor allem nicht in der Nähe einer Straße.
In der Mitte des Dorfes fließt ein kleiner Bach, der kommt aus dem Tälchen zwischen dem Altersgarten und den Kesselwiesen vor dem Berg. Er fließt in Richtung Bruchmühlbach. In diesem Tälchen befindet sich auch ein Bombenloch. Es gibt in Langwieden viele Wege zum Spazieren gehen. Der Weg zum Wald kann man am Friedhof vorbei wieder am Wald entlang zurückgehen. Man kommt dort wieder aus dem Wald und ist wieder auf dem Weg, der Richtung Eck geht. Außerdem gibt es noch viele Feldwege, die ich als Kind mit meinen Eltern ging.
Gisela Schwarz, geb. Höh
Als ich 1944 am 30. Dezember auf die Welt kam
Wir gehörten zu dem Standesamt Lambsborn und da mein Vater im Krieg war, so übernahm die Hebamme diese Aufgabe undmusste mich in Lambsborn anmelden. Als sie unterwegs war, musste sie ein paar Mal in den Graben gehen, um den Tieffliegern auszuweichen. Sie sollte mich mit dem Namen Annelie anmelden. Für die Behörde war der Name aber nicht vollständig. Die Hebamme sagte : „Nein, unter diesen Umständen komme ich nicht ein zweites Mal.So nahm denn die Hebamme einfach den Namen meiner Mutter und ich wurde als Gisela eingetragen. Je älter ich werde, ich bin jetzt 65 Jahre alt, sehe ich meiner Mutter immer mehr ähnlich. Ich glaube aber, dass ich mehr zur Familie Höh gehöre, vor allem wegen meines Gerechtigkeitssinnes.
Ich bin in Langwieden, mit noch 3 Geschwistern aufgewachsen. Meine Eltern hatten einen Bauernhof, wo wir recht frei und glücklich aufwuchsen. Meine Mutter war aus Kaiserslautern und wollte aufs Land. Sie war erst 19 Jahre als sie heiratete. Papas Mutter, unsere Oma Katharina, lebte auch mit uns zusammen. An Opa Karl kann ich mich nicht mehr erinnern. wenn meine Eltern auf dem Feld waren, versorgte uns Oma. Da war immer was los, denn meine 2 älteren Geschwister und ich liefen immer von einem Zimmer durch das andere. Unsere Oma hatte ihre Not uns zu bändigen.
Im Sommer, wenn Heu gemacht wurde, nahmen uns die Eltern mit. Zu Fuß ging es dann den Berg hoch, mit dem Rechen auf dem Rücken, in die Maulschbach, das war noch hinter dem Artamshof. Wenn wir Durst hatten, suchten wir uns einen Strohhalm und tranken aus der Quelle. Wir mussten uns dabei auf den Boden legen, das war eine herrliche Erfrischung. Wir waren noch zu klein, um Heu zu wenden, denn das wurde alles von Hand gemacht. Wenn das Heu geholt wurde, waren wir auch dabei. Unsere Lisa und der Rapp (unsere Pferde) wurden eingespannt. Auf den Leiterwagen kam der Wießbaum und Stricke. Wenn das Heu geladen war, kam der Wießbaum in die Mitte auf das Heu, dann wurden die Stricke mit den Löffeln zusammengezogen. Da waren extra Löcher, wo die Löffel hineinkamen und gedreht wurde. Das Heu wurde mit einer Heugabel auf den Wagen gegabelt und dann aufgesetzt. Es musste immer hinterher gerechelt werden. Wenn die Wiese bergig war, mussten mit Gabeln der Heuwagen gehalten werden. Ging es bergab, musste auf und zugedreht werden. Mit den Eisenreifen kam es manchmal zum Rutschen. Zu Hause wurde das Heu auf den Pferdestall gegabelt und wir Kinder mussten es zusammentreten. Das war ganz schön anstrengend und heiß.
Wenn das Getreide gemäht wurde, waren wir auch dabei. Erst wurde angemäht, die Garben wurden mit Strohseilen gebunden. Mit dem Binder wurden die Garben gebunden. Dann wurden sie aufgesetzt, ich glaube es waren immer 7 Stück (Kasten). Wenn es Regen gab, setzten wir uns in die Kasten. Wenn der Wagen mit den Garben voll war, durften wir uns darauf setzen. Das habe ich heute noch in Erinnerung. Das war so schön, man konnte alles überblicken und roch so gut. Dasselbe war mit dem Heu. Wenn ich heute Heu rieche kommt mir die Erinnerung. Einmal kamen meine Eltern sehr spät vom Heu holen nach Hause. Da war ihnen das Heu umgekippt. Meine älteren Geschwister machten mir Angst. Sie sagten, sie kommen nicht mehr! Ich heulte bitterlich, bis meine Eltern wiederkamen.
Im Sommer gingen wir immer Heidelbeeren pflücken im Mielfeld. Das war oberhalb des Friedhofes. Einmal wurden wir vom Gewitter überrascht, wir schafften es gerade noch, bis zum Schulhaus, das war der reinste Wolkenbruch. Es gab Heidelbeerkuchen, oder wir aßen sie mit Milch und Zucker. Einmal gingen wir mit der ganzen Familie Sonntags-Heidelbeeren pflücken. Mein Vater hatte einen Eimer mitgenommen, der wurde vollgemacht. Das war so schön, als wir durch den lichten Wald gingen und die Sonne schien, das roch so gut. Unsere Oma war immer zu Hause, sie konnte nicht gut gehen. Sie richtete meistens das Essen, da machte sie öfters einen Einbrenn (Mehl und Butter). Da rührte sie mit dem Kochlöffel so lange, bis es braun wurde. Wenn es Zwetschgenkuchen gab, oder Pfannkuchen, stellte sie sie immer auf die Fensterbank im anderen Zimmer.
Sonntags gingen wir oft spazieren. Wir gingen über das Feld. Wenn es windig war, konnte man die Getreidefelder sehen, die sich im Wind wogen. Auch viele Rapsfelder blühten und strahlten im kräftigen Gelb
Als mein Bruder Karl auf die Welt kam, schlief ich bei Oma. Ich hörte was schreien, da sagte sie, das ist Nestor unser Hund. Ich staunte nicht wenig, als ich am Morgen meinen kleinen Bruder Karl sah. Mich nannten alle Mausje. Auch Kurt Keller nannte mich so. Er war mein Pate und ein lieber Mann. Erst als ich in die Schule kam, war ich dann die Giesel.
Mein erster Schultag ist mir noch gut in Erinnerung. Ich habe mich an den Beinen gebrennnesselt, da habe ich geschrien! Die großen Mädchen machten mir Wasser auf die Beine. Im Vorhäuschen vor dem Schulsaal war ein Wasserbecken, an dem holten sie Wasser und kühlten meine Beine.
Unsere Schule
Wir waren zusammen 8 Klassen in einem Saal. Als es ans Lesen ging, nahm ich die Sache nicht so ernst und lachte! Meine Mutter brachte mich zum Lauterer Babe. Der brachte mir das Lesen mit einer Handbürste bei. Ich las: „Was Ursel gerne tut, ein Blümlein pflanzen, ein Tänzchen tanzen usw. aber waschen nein, das mag sie nicht.“ Dabei heulte ich bittere Tränen und tat mir so leid! Aber von nun an konnte ich lesen, aber gut.
