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Eine Fernsehserie über bekannte Persönlichkeiten aus dem Norden unseres Landes zu produzieren, war die Idee von Gerd Hausotto. Gemeinsam mit dem Offenen Kanal Kiel und einem Team, das von der Idee sehr angetan war, wurde der Plan 2012 umgesetzt. In mehr als acht Jahren haben sich über 280 Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Wirtschaft, Sport, Medien und Unterhaltung bei Gerd Hausotto auf dem gelben Sofa zu der Sendung »Lass mal schnacken!« eingefunden und aus ihrem Leben erzählt. Über die vielen Erfolge und besonderen Erlebnisse einiger, nach dem Zufallsprinzip ausgesuchter Gäste, rekapituliert dieses Buch. Mit der Unterstützung des Herausgebers Gerd Hausotto fasste die Publizistin Irene Thies aus Schönberg die hier vorliegenden Texte zusammen. Einige der Gäste hatten viel, andere weniger zu erzählen -- aber alle haben uns ein Stück des Weges begleitet, haben unsere Heimat und unser schönes Land bunter gemacht und mit vielen kleinen und großen Handlungen geprägt. Unsere Aufzeichnungen dienen nicht nur als »Begleitheft« zu den Sendungen, die unter www.lassmalschnacken.de jederzeit abrufbereit sind, sondern auch als Erinnerung an viele wertvolle Momente für Gast und Gastgeber in schriftlicher Form.
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Seitenzahl: 223
Veröffentlichungsjahr: 2020
Andresen, Jan Malte
Bantzer, Günther
Baumgarten, Hinnerk
Berghoff, Dagmar
Böttger, Gottfried
Brauner, Jo
Bruhn, Kirsten
Clinton, Ernest
Delling, Gerhard
Dentler, Markus
Derkowski, Gerrit
Engholm, Björn
Henkel, Heike
Henze, Holger
Holdorf, Willi
Hrubesch, Horst
Justus, Oleg
Kämpfer, Ulf
Karasek, Daniel
Köhler-Kaeß, Jan
Kohrt, Uwe
Kramer, Hans-Heiner
Krützfeld, Rosemarie
Kubicki, Wolfgang
Momsen, Werner
Müller, Egon
Nagel, Peter
Paul, Sylvia
Qian, Wei
Scholz, Bianca
Schwichtenberg, Tina
Seeler, Uwe
Simonis, Heide
Süverkrüp, Fritz
van Thom, Fred
von Tiedemann, Carlo
Tietjen, Bettina
Volquartz, Angelika
Zenker, Erich
Zipner, Helmut
Eine Fernsehserie über bekannte Persönlichkeiten aus dem Norden unseres Landes zu produzieren, war die Idee von Gerd Hausotto. Gemeinsam mit dem Offenen Kanal Kiel und einem Team, das von der Idee sehr angetan war, wurde der Plan 2012 umgesetzt. In mehr als acht Jahren haben sich über 280 Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Wirtschaft, Sport, Medien und Unterhaltung bei Gerd Hausotto auf dem gelben Sofa zu der Sendung Lass mal schnacken! eingefunden und aus ihrem Leben erzählt.
Über die vielen Erfolge und besonderen Erlebnisse einiger, nach dem Zufallsprinzip ausgesuchter Gäste, rekapituliert dieses Buch. Mit der Unterstützung des Herausgebers Gerd Hausotto fasste die Publizistin Irene Thies aus Schönberg die hier vorliegenden Texte zusammen. Einige der Gäste hatten viel, andere weniger zu erzählen – aber alle haben uns ein Stück des Weges begleitet, haben unsere Heimat und unser schönes Land bunter gemacht und mit vielen kleinen und großen Handlungen geprägt.
Unsere Aufzeichnungen dienen nicht nur als »Begleitheft« zu den Sendungen, die unter www.lassmalschnacken.de jederzeit abrufbereit sind, sondern auch als Erinnerung an viele wertvolle Momente für Gast und Gastgeber in schriftlicher Form. Wenn diese kleinen »Erinnerungsstücke« bei den Lesern Anklang finden, werden gern weitere folgen.
Ein besonderer Hinweis für den geneigten Leser: Manche Interviews liegen bereits einige Jahre zurück, entsprechen also nicht der Aktualität, sondern bilden die Zeit vor der Aufnahme des Interviews ab.
Gerd Hausotto und Irene Thies
Im September 2020
Schleswig-Holsteiner im Herzen ...
Moderator
Dass dieser, in Schleswig-Holstein heimisch gewordene, Moderator und Journalist zu den bekanntesten seiner Zunft gehört, hat er sich durch sein Können und vor allem seiner immer guten Stimmung in vielen Jahren erarbeitet.
Meine erste Radiosendung entstand nahe meiner Geburtsheimat Baden-Baden. Damals kamen die Privatradios auf und neben vielen kleinen Sendern auch Radio Merkur. Die gaben einem Jungen, der ein bisschen Talent, viel Lust und Engagement zeigte, die Chance, sich auszuprobieren. Die Sendung hieß Guten Morgen und ich durfte Grüße verlesen. Damit begann alles. Bei einem anderen kleinen Sender im Badischen habe ich ein Volontariat gemacht, dann moderiert und Nachrichten gesprochen. Das war dann die Ausbildung zum Redakteur.
Nicht nur durch meinen aus Schleswig-Holstein stammenden Vater gab es immer einen starken Willen, nach Schleswig-Holstein zu ziehen, das Land begeisterte mich schon immer. Ich bewarb mich bei dem, damals noch recht neuen, großen Sender mit den drei Buchstaben (RSH) und bekam eine Absage. Liebe Grüße noch einmal an Carsten Köthe, der bei meinem Bewerbungsgespräch dabei war. Wir sollten nie Kollegen werden. Stattdessen Mitbewerber: Ich habe es einfach bei anderen Privaten versucht und hatte Glück, denn so kam ich zum zweiten Privatsender, der gerade begann: dem heutigen delta radio.
Wie kamst du nach Kiel ...
Ich war im Laufe der Zeit beim WDR in Köln und beim NDR2 in Hamburg, später nur noch in Hamburg. Dann endlich kam Kiel. Dieses Mal wurde ich gefragt, weil dort jemand gebraucht wurde, der morgens früh moderiert. Das habe ich sehr gerne gemacht. Ich wurde damals als »Schleswig-Holsteins bester Wecker« bezeichnet. Mein Chef war stolz darauf, war es doch seine Erfindung, die die Hörer gut annahmen. Da war ich schon bekannt und die Leute sagten »Moin Malte« oder »da ist ja der Wecker«, wenn sie mir auf der Straße begegneten. Ich war zufrieden und erfolgreich und konnte dazu beitragen, dass der NDR wieder Marktführer wurde. Das war eine spannende Arbeit, da ich tatsächlich die Änderungen des Senders in einer sehr entscheidenden Phase mitgestalten durfte.
Dann kam das Schleswig-Holstein Magazin dazu ...
Ich habe bereits 1999 im Schleswig-Holstein Magazin in Kiel Nachrichten verlesen, das war noch in meiner Hamburger Zeit und ich war im Fernsehen. Ich habe mir ganz schlimme Anzüge gekauft, das erinnere ich und auch, dass ich morgens und abends an- bzw. abgereist bin, ich wohnte ja in Hamburg. Die Zeiten haben sich entwickelt und dann kam das Schleswig-Holstein Magazin.
Es gab die Pläne für ein neues Studio und eine neue Form der Moderation, nicht mehr ein Moderator allein, sondern zwei führten durch die Sendung. Ein Platz war noch frei und der Sender suchte passend zu Gabi Lüeße einen Partner. Es ging dabei auch um die optisch zueinander passenden Größen und die Wahl fiel auf mich und meine 1,90 m. Tatsache ist, dass ein stattlicher Mann neben einer großen Frau auf dem Bildschirm kleiner aussieht, das machte mir schon zu schaffen...! Meine Bekanntheit wuchs und oft wurde ich auf der Straße angesprochen.
Die Idee mit dem Taxifahren und dem Sammeln für einen guten Zweck...
Das, kann ich tatsächlich sagen, war meine Idee. Ich habe jedes Jahr so eine Tour gemacht. Mein Ziel, und auch das meiner Kollegen ist es, immer mal wieder rauszugehen, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, das Land und seine Menschen besser kennenzulernen. Dabei geht es mal nicht um »Promis« sondern um ganz alltägliche Begegnungen, die sich in Radio und Fernsehen widerspiegeln sollen. Wenn du mit dem Mikro zu den Menschen gehst, sind sie immer ein bisschen skeptisch und verhalten. Meine Überlegung war, wo triffst du Menschen, die bereit sind, frei zu reden und vielleicht auch ihr Herz auszuschütten, frei von der Leber.
Da fielen mir erst nur Arzt oder Pastor ein - und dann der Taxifahrer. Die Menschen, die da einsteigen, vergessen ganz schnell, dass da wirklich mehrere Mikrofone sind. Natürlich haben wir im Vorfeld das Einverständnis eingeholt. Es ergeben sich sofort Gesprächsthemen, beispielsweise über das Ziel der Fahrt oder allgemein über Dinge, die den Fahrgast gerade beschäftigen. Es funktioniert und darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich habe einen Taxi- und einen Personenbeförderungsschein gemacht und Taxiunternehmen vor Ort gefragt, ob sie mitmachen. Wir ersetzen die Kosten und so kann der gesamte Erlös einem guten Zweck zufließen. Für eine bestimmte Zeit fahre ich jeden Tag in einem anderen Ort, daraus entstehen viele schöne Begegnungen.
Und das Ding mit dem Weltrekord ...
Das ist schon lange her. Der Chef hatte die Idee, mal etwas Besonderes zu machen, worüber die Leute reden. Geld für Werbung war nicht da und ich wurde gefragt, ob ich die längste Radiosendung Deutschlands machen wolle. Der Rekord lag damals bei 63 Stunden. Wir haben 69 geplant und zwar dort, wo in einer schönen Umgebung immer viele Menschen sind und zugucken können, wie der Moderator langsam müde wird. Unsere Idee war der Sophienhof, leider wurde das nichts und letztlich kam die Sendung aus einer Kneipe in Wenningstedt auf Sylt. Da war wenig Laufkundschaft und nichts zu gucken. Ich sendete vor mich hin. Du darfst pro Stunde nur fünf Minuten Schlaf sammeln. Irgendwann habe ich im Haus des Wirts zweieinhalb Stunden Pause gemacht und dann ging es weiter. Ich habe den Rekord geschafft und die längste Radiosendung gemacht. Dumm nur, dass zwei Monate später ein Sender in Rheinland-Pfalz den Rekord gebrochen hat und die sich für das Buch der Rekorde angemeldet hatten!
Wie sieht die Zukunft aus ...
Ich tanze auf so vielen Hochzeiten und fühle mich wohl dabei. Es gibt keine besonderen Dinge, die ich tun möchte. Was mir wichtig ist: Viele gemeinsame Jahre mit meiner Frau und meine Kinder heranwachsen zu sehen!
Interview aufgezeichnet im April 2018
In Marburg studiert – in Kiel verliebt
Politiker
An sein erfolgreiches Leben, interessante Tätigkeiten und schwierige Aufgaben erinnert sich der überzeugte Demokrat, Historiker und Politiker sehr detailliert. Von seiner heutigen Beschäftigung berichtet er voller Stolz.
Nach meinem Kriegseinsatz wurde ich überzeugter sozialistischer Demokrat. Schon als Student für Rechts- und Staatswissenschaften interessierte ich mich für Kommunalpolitik. Mein großes Vorbild war seinerzeit Andreas Gayk, der Oberbürgermeister von Kiel. Niemand hat ihn wirklich gut gekannt. Ich bin ihm, als ich Oberkreisdirektor war, im Landkreistag in Kiel begegnet, daraus ist meine Bewunderung für ihn als Sozialdemokraten und gleichzeitig für die Stadt Kiel erwachsen. Wir haben im damaligen Hotel Astor getagt, was mich wegen seiner modernen Technik nachhaltig beeindruckte. Als man mich 1965 fragte, ob ich mich für die vakante Stelle des OB in Kiel bewerben wolle, sagte ich zu. Es war eine gute Entscheidung, die ich nie bereut habe. Ich erinnere noch, dass die umliegenden Landräte damals sehr erstaunt waren, dass ich so viel über Landwirtschaft wusste, das war ein wichtiges Thema.
Endlich in Kiel und die Olympiade stand bevor ...
Den OB habe ich 15 Jahre lang gemacht. Danach fühlte ich mich ausgebrannt und leer. Nach diesem Amt war ich einige Jahre Präsident der Stiftung Hilfswerk Berlin. Diese Stiftung entstand 1946 in einer Zeit großer Not, um soziale Hilfe zu leisten. Sie unterhielt unter anderem fünf Feriendörfer in Bayern. Hier konnten sozial schwache Personen einen sehr günstigen Erholungsurlaub machen. Für eine Zeit übernahm ich zusätzlich auch die kaufmännische Verwaltung dieser Feriendörfer. Mein großes Engagement diente schon immer dem Sport. Und dann bekam ich die Chance, für Kiel die Olympia-Bewerbung zu organisieren. Dazu mussten wir als Abordnung nach München, um dort vor dem Nationalen Olympischen Komitee unsere Ideen vorzutragen, Mitbewerber war Lübeck. Wir erreichten, dass Kiel die Segelregatta durchführen durfte, worüber wir uns alle sehr freuten und auf der Rückreise gemeinsam mit den Lübeckern feierten.
Welche städtebaulichen Veränderungen ergaben sich aus dieser Entscheidung...
Mit dieser olympischen Segelregatta haben wir in Sachen Infrastruktur einen Sprung über Jahrzehnte der Entwicklung binnen kurzer Zeit schaffen müssen. Die Olympischen Spiele gaben Kiel einen großen Schub für Stadtentwicklung und Anbindung an das überregionale Verkehrsnetz. Da gab es endlich den Autobahnanschluss, die zweite Brücke über den Kanal, die ausgebaute Straße nach Schilksee und nicht zu vergessen die Kiellinie, mit der wir erreichten, dass die Menschen entlang der ganzen Förde wandern konnten. Das war alles sehr schön. Kiel mauserte sich von einer Provinzstadt zu so etwas wie einer »Metropole«.
Ich erinnere in der Folge ein Gespräch mit dem Landrat Jacobsen vom Kreis Rendsburg-Eckernförde. Wir haben über gemeinsame Ziele nachgedacht, so beispielsweise darüber, dass die Straße bis Strande weitergeht und bis zum Grünen Jäger. Als politische Begründung gab ich ihm auf den Weg, dass die Fahrer der olympischen Segelyachten sowie die Gästeboote genügend Liegeplätze und entsprechende Hotelbetten vorfinden müssen. Viele Gäste würden in Eckernförde übernachten und von dort zu den Spielen nach Schilksee fahren. Wir mussten alle »ja« sagen zu Olympia. Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Segelregatta war die Straße bis zum Grünen Jäger fertig und gleich von Beginn an beliebt, weil man so leichter und schneller zu den Badeorten an der Eckernförder Bucht kommt.
Welche Tätigkeiten lagen vor der Zeit als OB von Kiel ...
Ich komme ja aus Nordrhein-Westfalen. In Marburg hatte ich seinerzeit Rechtswissenschaften studiert. Es wurde Ende der 50er Jahre ein Pressereferent für den Ministerpräsidenten des Landes NRW Fritz Steinhoff gesucht. Es gab viele Bewerbungen, aber keiner konnte überzeugen. Mein damaliger Oberstadtdirektor riet mir, weil er mich fördern wollte, mich für diese Position zu bewerben. Ich fuhr in die Staatskanzlei, hatte ein sehr nettes Gespräch und bekam den Posten. Wir haben uns gut verstanden. Es war eine aufregende Zeit. In der Folge war ich Oberkreisdirektor des Landkreises Herford. Auch dort übernahm ich wichtige und schöne Aufgaben. Nach einigen Jahren kam dann Kiel ins Spiel.
Gab es in der Vergangenheit ein Ereignis, an das Sie sich besonders gerne erinnern...
Oh ja, das war eindeutig die Abschlussfeier der Segelregatta der Olympischen Spiele in Kiel 1972. Es waren Segelregatten der Superlative. Präsident Avery Brundage war sowohl zur Eröffnungsfeier als auch erstmalig zur Abschlussfeier in Kiel und hat uns alle sehr gelobt. Drei Lotsenchöre sangen Sailing Home. Ich bin noch heute ergriffen, wenn ich daran zurückdenke.
Interview aufgezeichnet im Dezember 2015
Kolleginnen nennen ihn den »Brad Pitt des Nordens«
Moderator
Einen Moderator vom roten Sofa auf das gelbe einzuladen, ist schon etwas Besonderes. Die Aufzeichnung dieser Sendung mit Cola light, Kaffee und Bockwurst ergab ein kurzweiliges Gespräch.
Die ersten Schritte ...
Geboren in Hannover, habe ich gemeinsam mit meinem älteren Bruder eine tolle Jugend erlebt. Ich erinnere unsere vielen Spiele im Garten und überhaupt ganz viel in der Natur. Meine Eltern hatten eine Drogerie, in der wir Jungs ab und zu aushalfen. Ich war am liebsten an der Kasse, weil ich dort mit den Kunden Gespräche führen konnte. Schon damals war die Begegnung mit anderen Menschen für mich von großem Interesse.
In verschiedenen Sportarten habe ich mich ausprobiert und kam relativ früh zum Golfspiel. Als Caddie fing ich an, was mir viel Spaß machte und mit vierzehn begann ich selbst zu spielen. Es ist bis heute eine meiner großen Leidenschaften geblieben. Es ist nicht so, dass ich Golfen als elitären Sport betrachte, vielmehr ergeben sich bei einem Spiel oft so viele interessante Gespräche, bei denen man die Menschen sehr gut kennengelernt.
Der Berufswunsch war Tierarzt oder Schauspieler...
Ja, ich habe generell eine große Affinität zu Tieren. Wir hatten zuhause immer einen Hund und andere Kleintiere. Wenn wir mit unserer riesigen Dogge zum Tierarzt gingen, war ich immer gerne dabei und beobachtete alles genau. Dennoch kam ich von dieser Berufsvorstellung ab, als wir in der Grundschule eine Theater-AG bekamen. Nun wollte ich Schauspieler werden. Das gefiel mir kurzfristig – aber auch zu meiner heutigen Tätigkeit gehört eine gewisse Begeisterung fürs Rampenlicht. Nach der Schule wollte ich ursprünglich Zeitsoldat werden, wie mein großer Bruder. Ich hatte auch die entsprechende Tauglichkeit und dachte, es sei alles in trockenen Tüchern. Dann gab es eine Nachuntersuchung und meine Tauglichkeit reichte aufgrund einer Fiebererkrankung in meiner Kindheit plötzlich nur noch für den normalen Wehrdienst. Den absolvierte ich in Buxtehude und Lüneburg.
Eine Ausbildung hatte ich dann aber immer noch nicht, aber einen Freund, der beim NDR arbeitete. Was er so erzählte, gefiel mir sehr, diesen Weg wollte ich ebenfalls nehmen. Er riet mir, vorher eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren, weil sich das als Grundlage für einen Moderatorenjob sehr gut eignen würde. So begann ich ein Jurastudium in Hannover und hatte schon nebenbei kleine Jobs beim Hörfunk. Durch einen anderen Kollegen durfte ich bei dem Privatsender FFN reinschnuppern und durch eine Golfplatzbekanntschaft bekam ich die Chance, mich erfolgreich für ein Praktikum bei Hit-Radio Antenne zu bewerben. Das gefiel mir ausnehmend gut. Zu meinem Studienfach Jura nahm ich Geschichte und Politik dazu. Nebenher jobbte ich zum Geldverdienen in einem Laden für Golf-Equipment.
Nachdem ich eine Zeit als freier Mitarbeiter bei Radio Antenne tätig war, bekam ich das Angebot für ein Volontariat. Ich habe dann alles andere beendet und mich darauf konzentriert. Es war aufregend und schön und ich habe schon redaktionell gearbeitet. Mehr als acht Jahre machte ich die Morgenschau bei Radio Antenne, nebenbei erste Erfahrung im Fernsehen bei einem Reise-Verkaufssender. Mein Traum war inzwischen aber, im TV zu moderieren.
2006 war das Glücksjahr beim NDR in Hamburg ...
Das ging nicht so schnell. Ab 2004 habe ich beim NDR-Regionalprogramm Niedersachsen gearbeitet, eine großartige Zeit, in der eine Anfrage aus der Zentrale in Hamburg kam. Beim ersten Vorstellungsgespräch ging es noch um die Nachmittagssendung. Dann aber bemerkte der Redaktionsleiter, dass er mich früher immer morgens im Radio gehört hatte. Daraufhin bekam ich die Chance, mich bei DAS! auszuprobieren. Und zwar erfolgreich, was aber leider auch bedeutete, mich entscheiden zu müssen. Also habe ich 2006 komplett nach Hamburg gewechselt. Das ist ein tolles Fernsehformat mit besten Arbeitsbedingungen und den beiden unglaublich sympathischen Kolleginnen Bettina Tietjen und Inka Schneider.
Wie viel Zeit benötigt man für die Vorbereitung und wer sucht die Gäste aus...
Also die Sendung beginnt um 18:45 Uhr. Um 12:00 Uhr treffen wir uns zu einer ersten Konferenz im Team. Die Recherche zu jedem Gast in allen zur Verfügung stehenden Medien ist sehr wichtig, da muss man aktuell sein. Das dauert schon einige Stunden. Gott sei Dank habe ich ein brillantes Kurzzeitgedächtnis. Wir haben 350 Gäste im Jahr mit einem riesigen logistischen Aufwand. Dafür gibt es eine eigene Redaktion. Einmal wöchentlich stimmen wir uns im Team ab und unterhalten uns über die Gäste. Natürlich kann jeder, auch ich, Wünsche zu Personen äußern, darüber wird gemeinsam abgestimmt. Oft gibt es ja auch besondere Aktionen, die während der Sendung mit oder über den jeweiligen Gast geplant werden, es ist schon eine gemeinsame große Anstrengung.
Gibt es besondere Sendungen, an die man gerne zurückdenkt...
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich einige sehr schöne Sendungen hatte. Dazu zählt in jedem Fall die mit Peter Weck. Ein großartiger Mann, fast 85 Jahre alt, liebevoll und nett. Wir hatten ein ganz intensives Gespräch über den Tod allgemein und den seiner Frau. Solche Gespräche haben eine wunderbare, ganz eigene Atmosphäre. Na gut, es gab auch andere Sendungen wie die mit Katja Riemann, die wahrlich nicht gut liefen, weil sie offenbar keine Lust zum Reden hatte. Im Gegensatz dazu war das Gespräch mit dem österreichischen Tatortkommissar Harald Krassnitzer einfach großartig. Wir haben spontan die Planung über den Haufen geworfen, uns intensiv über seine Leidenschaft für Weine unterhalten; und dabei auch das eine oder andere Glas verköstigt. Einfach ein netter Kerl mit vielen Geschichten. So etwas mache ich gerne: einfach ein Gespräch mal laufen zu lassen.
Die Highlights deines Lebens ...
Ohne das Stereotyp »Geburt des Kindes« zu bemühen, muss ich nachdenken, ich glaube das kommt noch. Ich würde gerne heiraten und das am Gardasee, weil es mir dort super gut gefällt und die Menschen dort ein ganz anderes Lebensgefühl haben. Ja, jetzt fällt mir etwas ganz besonders Schönes ein: Ich durfte in der WIN-STONgolf-Anlage in Schwerin beim European-Senior-Turnier mitmachen. Dabei spielt ein Amateur mit einem gestandenen Profi. Das ist einfach beeindruckend und lehrreich und zeigt, dass auch wir gute Amateure mit unserem Können noch weit weg sind von den Profis.
Interview aufgezeichnet im August 2015
Erste deutsche Nachrichtensprecherin
Moderatorin
Über ihre Tätigkeiten im Ausland und einen überraschenden Anruf vom NDR berichtet Dagmar Berghoff lebhaft und interessant.
Nach der Schulzeit habe ich ein Jahr in England und ein Jahr in Frankreich verbracht, um die jeweilige Sprache besser zu lernen. Zurück in Deutschland zog es mich zur Schauspielschule in Hamburg. Das war mein großer Traum. Anders als heute gab es nicht viele Möglichkeiten, sich an Schauspielschulen zu bewerben. Wenn ich bei der Aufnahmeprüfung durchfiel, war der Traum vorbei. Dann wäre ich zurück nach Paris gegangen, wo ich mich sehr wohlgefühlt habe und hätte als Sekretärin für Deutsch, Englisch und Französisch gearbeitet. Ich wusste seit ich 14 Jahre alt war, dass ich, auch gegen den Willen meiner Eltern, Schauspielerin werden wollte. Im Streit bin ich von zuhause weggegangen und erst nach bestandener Prüfung zurückgekehrt. Um das alleine finanziell durchzuhalten, hatte ich viele Jobs, unter anderem als Postbotin, in einer Käsefabrik oder in einer Bar. Ich bekam ein erstes Engagement am heater in Münster.
Ungefähr zeitgleich suchte der Südwestfunk eine Hörfunksprecherin und Fernsehansagerin und fragte bei mir an. Ich fand das spannend und habe mein Engagement in Münster zurückgestellt, um bei Funk und Fernsehen zu lernen, da ich keine journalistische Ausbildung hatte. Ich habe Sendungen gemacht, teilweise bis zu vier Stunden. Darauf musste ich mich vorbereiten. Um über die jeweiligen Themen Bescheid zu wissen, musste ich Andere fragen oder in einer Bibliothek recherchieren. Computer gab es damals noch nicht. Learning by Doing war die Devise und so erlernte ich den Journalismus.
Ich wurde die erste Tagesschausprecherin. Am 16. Juni 1976 war meine erste Sendung. Dass dies schon so lange her ist, empfinde ich gar nicht. Meinen ersten Tag kann ich noch so lebhaft erinnern, zumal danach meine erste Pressekonferenz stattfand. Da waren so ungefähr fünfzig Fernsehteams, Radioreporter, Fotoreporter und alle redeten durcheinander: »Wie fühlen Sie sich, Fräulein Berghoff?« (Da war diese Anrede noch üblich.) »Sind Sie liiert?« Alle wollten alles wissen. Ich fand das amüsant und aufregend, so etwas vergisst man einfach nicht. Erst hinterher erfuhr ich, dass Karl-Heinz Köpcke als damaliger Chef entschieden hatte, Werner Veigel mit ins Studio zu bestellen für den Fall, dass ich dem Ganzen nicht gewachsen war.
Wie erfuhren Sie davon, dass eine Frau als Tagesschausprecherin gesucht wurde...
Davon wusste ich nichts, erst als Herr Köpcke mich ansprach, habe ich davon gehört. Damals hatten bereits zwanzig Frauen vorgesprochen. Es war eine witzige Geschichte: Ich war Moderatorin beim NDR. Die Sendung hieß Von neun bis halb eins. Plötzlich sagte der Techniker: »Da ist Karl-Heinz Köpcke für dich«. Das war damals so ähnlich, als wenn jemand heute sagte, »da ruft dich Hollywood«. Ich war einigermaßen perplex, als er meinte, ich habe eine ganz schöne Stimme und fragte, ob ich auch einigermaßen aussehe. Ich war fünf Jahre lang die überregionale Fernsehansagerin beim Südwestfunk gewesen und habe beispielsweise Report Baden-Baden und andere große Sendungen angesagt. Ich sprach also bei ihm vor und er meinte dann: »Natürlich wusste ich, wie Sie aussehen, ich verlasse mich doch nicht nur auf eine nette Stimme!«
Karl-Heinz Köpcke war eigentlich gegen eine Frau als Tagesschausprecherin
Die ersten Reaktionen waren alle sehr positiv, sowohl bei der Presse als auch bei den Zuschauern. Karl-Heinz Köpcke war von seinem Chef dazu verdonnert, eine Frau zu suchen. Nach seiner Meinung war eine Frau nicht in der Lage, Nachrichten zu lesen, weil sie zu emotional sei. »Die weint oder bricht zusammen, wenn sie manche Dinge sieht – die kann das gar nicht!« Im Lauf der Zeit musste er jedoch feststellen, dass ich das dann doch sehr gut machte. Nach Karl-Heinz Köpcke wurde Werner Veigel Chefsprecher. Als er schwer erkrankte, bekam ich diese Position. Nach mir kam Jo Brauner und dann Jan Hofer. Mit beiden bin ich bis heute gut befreundet. Ich habe vor allem das Glück, gesund zu sein, deswegen macht mir auch das Altern keine Probleme.
Sie arbeiten weiterhin für das Fernsehen ...
Ich habe ab 1995 etwa vierzig Ausgaben Wunderschöner Norden gedreht. Da sind wir durch ganz Norddeutschland, dem Sendegebiet des NDR, gereist. Danach folgte Heimat in der Ferne, wo wir deutsche Auswanderer im fernen Ausland besuchten. Unsere Ziele waren damals Costa Rica, USA, China, Jordanien, Marokko, Tahiti und viele weitere. Zehn bis zwölf Tage waren wir vor Ort. In der Regel berichteten sie, dass sie jetzt mehr arbeiten müssten als in Deutschland. Dafür sind sie aber durchweg selbständig, mal mehr mal weniger erfolgreich. Vorher schon moderierte ich mit Max Schautzer zusammen neun Jahre lang das ARD Wunschkonzert. Eine sehr schöne Zeit und ein sehr lieber Kollege.
Besondere Engagements...
Zehn Jahre lang war ich Schirmherrin von terre des hommes, einer Kinderhilfsorganisation. Heute engagiere ich mich im Freundeskreis des Israelitischen Krankenhauses, an dem mein Mann Chefarzt war und unterstütze diverse soziale Einrichtungen in Hamburg.
Highlight Ihres Lebens...
Ganz eindeutig meine Heirat mit Peter Matthaes und das Leben mit ihm!
Interview aufgezeichnet im August 2016
Eine Legende, ein Visionär und Macher
Musiker
Unglücklicher Geburtstag ...
Ich hatte das Pech, am 21. Dezember geboren worden zu sein, so empfand ich das meine ganze Kindheit hindurch. Wenn die Verwandten kamen, hieß es immer: »Hier ist das Geschenk, für Weihnachten gleich mit«, oder: »Das Geschenk gibt’s zu Weihnachten, heute nur eine Kleinigkeit!« Deswegen feiere ich seit meiner Jugend meinen Geburtstag immer gerne richtig groß. Ich bin jetzt 65 geworden, da haben wir gleich zwei Tage gefeiert. Ich bin in Hamburg geboren und habe mich ganz früh mit dem Virus des Jazz infiziert. Mit drei Jahren stand ich immer im Garten meiner Großeltern und hörte von nebenan so fremde Töne, die in unserem Haus nie erklangen. Mein Vater war Arzt, spielte klassische Geige, meine Mutter war Ärztin und spielte klassische Querflöte. Die Töne von nebenan konnte ich erst viel später dem Jazz zuordnen.
Als ich vier Jahre alt war, wurde mein Vater als Oberarzt an die Frauenklinik nach Kiel gerufen und wir zogen nach Kiel in die Knorrstraße. Ich erinnere noch sehr genau, dass wir immer in den alten Bunkern spielten, das war gefährlich, aufregend und toll! Die Wohnung wurde zu klein, als meine Großeltern, die in Chemnitz lebten, 1953 beim Volksaufstand flohen und zu uns kamen. Wir zogen in die Holtenauer Straße. Hier erinnere ich die ersten Hausmusikabende und meine Faszination für die die kleinen schwarzen Punkte auf den Notenblättern.
Erste Schritte zum Klavier...
Ich habe mir selbst ein System zusammengebaut und meiner Mutter zu Weihnachten Variationen über Hänschen klein geschenkt, selbst aufgeschrieben, obwohl ich noch nie Klavierunterricht hatte. Da war ich fünfeinhalb Jahre alt. Das Erstaunen meiner Eltern war groß und sofort fiel die Entscheidung: Der Junge muss Klavierunterricht bekommen! Den bekam ich auch bei einer richtigen Klavierlehrerin vom alten Schlag. Ich bin ihr bis heute dankbar, weil sie mir wirklich in kleinen Schritten das Klavierspielen nahebrachte. Es war eine tolle Zeit. Ich wurde in der Goethe-Schule eingeschult und bekam ab sofort Klavierunterricht zuhause. Mit sieben Jahren spielte ich erstmals öffentlich, die Stücke von damals kann ich noch heute. Meine Mutter hatte den Programmzettel meines ersten Konzertes aufgehoben, auf dem war die Reihenfolge der Auftretenden verzeichnet. Justus Frantz war dabei und der Schauspieler Hans Peter Korff.
Ich wechselte zur Kieler Gelehrtenschule, bis wir wieder nach Hamburg zogen, weil mein Vater dort eine eigene Praxis eröffnete. Nun ging ich zu einem humanistischen Gymnasium. Das war Anfang der 60er Jahre und hier kamen völlig neue Musiktöne auf mich zu: Elvis und die Beatles – ich war mit meiner Klassik natürlich ganz weit hinten! Die neue Musik faszinierte mich und ich begann, sie nachzuspielen – natürlich auch, um bei den Mädels zu punkten.
Und dann kam der Konfirmandenunterricht...
Da war ich 13 und in dieser Zeit gab es auch im Konfirmandenunterricht immer viel Musik. Das war ja eigentlich Boogie-Woogie oder Blues. Es gefiel mir, und ich übte natürlich auch zuhause. Meinem Vater gefiel das nicht, weil er meinte, dass sei keine Kulturmusik und so etwas wolle er in seinem Haus nicht hören. Fortan büxte ich allabendlich aus, weil im Gemeindehaus auch ein Klavier stand. Hier übte ich die halbe Nacht, das war die Musik, die ich für die richtige hielt! Oben im Gemeindesaal probte der Posaunenchor, mit zwei der Mitglieder gründete ich 1963 meine erste Jazzband: die Churchyard Jazzband. Wir waren glücklich mit dieser Musik. Natürlich übte ich nebenher auch über meine gesamte Schulzeit die Klassik weiter. Die Jazz-Pop-Gruppe Leinemann entstand 1969. Ungefähr zu meiner Abiturzeit eröffnete in Hamburg das Onkel Pös Peu à Peu, eine Musikkneipe vom Feinsten. Das wurde mein zweites Zuhause. Hier lernte ich später Otto Waalkes kennen, damals als Rock Gitarristen, und auch Udo Lindenberg. Er kam seinerzeit von der Doldinger-Band. Im Onkel Pös vermischte sich alles. Eine Zeit lang wohnte ich zusammen mit Udo Lindenberg in einer alten Abbruchvilla, dort entstand die Idee zum Panikorchester
