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Mutters 'Vertellekes' strahlen viel vom Leben einer längst vergangenen Zeit aus, vom Leben auf dem Dorf und in der Stadt; von der Möglichkeit der Lebensgestaltung, die abhängig war von der Stellung in der Geschwisterreihe; vom Leben der einfachen Leuten in der Zeit der Weimarer Republik, der Zeit der Machtübernahme durch die Nazis, der Zeit des 2.Weltkriegs .....und von der Solidarität einer Dorfgemeinschaft.
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Seitenzahl: 61
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Titelbild / S.2:
Familie Hansmann
ca. 1920
Von links nach rechts:
Lina, eigentlich Caroline Thiele geb. Hansmann
Anton
Elisabeth Hansmann, geb Hillebrandt
Franziska Breidenbach geb. Hansmann, Mutter von Lieschen
Josef, Erbe des Hofes
Mariechen. eigentlich Maria Kellerwirth geb. Hansmann
Wilhelm Hansmann
Franz, später der ‚Luchte‘ genannt
Anna Lange geb. Hansmann
Vorwort
Hantünges
Die Familie meines Vaters/Urgroßeltern
Die Großeltern/Meilwes
Tante Mariechen
Tante Franziska
Tante Anna
Tante Lina
Onkel Josef
Anton, mein Vater
Onkel Franz ‚Luchte‘
Die Familie meiner Mutter
Felix
Johanna, meine Mutter
Onkel Franz
Tante Luise
Tante Mia
Wie das Leben so spielt
Tante Finchen
Hochzeit
Die 1. Wohnung
Die Wohnung in der Blücherstr.
Einkaufen
Weihnachten
Besuch
Feste
Spielen auf der Straße
Arbeiten im Waisenhaus
Lesen
Ferien in Oesdorf
Versorgung durch Oesdorf
Oesdorf
Leben in Oesdorf
Versorgung in Oesdorf
Schule in Oesdorf
Auswirkung der Nazizeit in Oesdorf
Kriegszeiten in Bochum
Nachkriegszeit
Nachbetrachtung
Mutters Vertellekes sind ein sehr privater Rückblick auf die Familie Hansmann und Co., deren Geschichte in Oesdorf, einem kleinem Dorf im nordöstlichen Zipfel des Sauerlandes, wurzelt.
Unsere Mutter Marianne Mehring, geb. Hansmann, hat ihre „Vertellekes“ in den vergangenen Jahren in einer blauen DIN A 5 Ringbuchkladde aufgeschrieben und gesammelt.
Dolf und Kathrin haben im Jahr 2000 „Mutters Vertellekes“ in den PC gebracht und - soweit sie konnten - mit noch erhaltenen Familienfotos ergänzt. So entstand eine lebendige Familiengeschichte – die ganz intim für den engen Familienkreis gedacht war.
Inzwischen wächst aber die nächste Generation heran und so haben wir uns entschlossen, die Vertellekes noch einmal zu überarbeiten. Einige Beschreibungen von Familienverbindungen führten für diese Generation zu weit, andere Fakten und Tatsachen mussten für die Kinder der heutigen Zeit erklärt werden.
Wir hoffen, dass Mutters Vertellekes viel vom Leben einer längst vergangenen Zeit ausstrahlen, vom Leben auf dem Dorf und in der Stadt; von den Möglichkeiten der Lebensgestaltung, die abhängig waren von der Stellung in der Geschwisterreihe; vom Leben von einfachen Leuten in der Zeit der Weimarer Republik, der Zeit der Machtübernahme durch die Nazis, der Zeit des 2.Weltkriegs und von der Solidarität einer Dorfgemeinschaft.
Doch nun lassen wir Mutter erzählen:
Oesdorf und Hantünges, das gehört ganz eng zusammen und hat in meinem Herzen einen Platz ganz oben.
Hantünges, das ist der Name des Haus, aus dem unsere Familie stammt. Die Namen der Häuser waren in Oesdorf geläufiger als die Familiennamen. Leider weiß keiner mehr, wie alt das Haus ist, es ist ein typisches Niederdeutsches Hallenhaus.
Grundriss des Hofes
(aus der Erinnerung – nicht maßstabsgetreu)
Es steht ziemlich am Anfang des Dorfes unterhalb der Kreisstraße. Heute ist das die Heitemeyerstraße, benannt nach einem früheren Pastor, der sich dafür eingesetzt hat, dass die Straße durchs Dorf führt und damit Anschluss an die ländliche Versorgung hatte.
Das Haus war auf alle Fälle eher da als die Straße. Hantünges, das könnte aus dem Vornamen „Han“ (Johannes) und „Tün“ (Anton) entstanden sein.
Der echte Familienname „Hansmann“ soll von Marsberg ins Haus gekommen sein. So hieß wohl der Schreiner, der die schöne Holzwand in Hantünges Stube angebracht hatte: einen Kleiderschrank (Schaps), drei kleine „Schäpkes“ untereinander und anschließend die Tür zur Kammer, geschlossen in einer Wand. Über der Tür befand sich noch ein Bord für Gesang- und Gebetbücher. Zum Nachreifen von Obst eignete es sich auch. Der Kleiderschrank hatte zwei Türen und innendrin Holzhaken und große Knöpfe, um die Kleider aufzuhängen.
Unten im Schrank konnte auch so einiges aufbewahrt werden, so z.B. Tante Lieschens Puppenwagen, ein Sportwagen aus schwarzem gedrechselten Holz mit kleinen Eisenrädern. Nach langem Betteln wurde er herausgeholt und auch die Puppe mit Lederbalg, der leider der Haarschmuck fehlte.
In Hantünges Stube befand sich auch ein großer Sauerländer Ofen. Er war aus Gusseisen und hatte schön verzierte Platten. Eine Klappe (Doppeltürchen) konnte geöffnet werden. Sie war zum Aufwärmen und Warmhalten von Speisen und Kaffee. Der Ofen wurde von der Deele aus geheizt. Im Winter diente er gleichzeitig als Räucherofen. Oben unter dem Balken hingen Schinken, Speck und Würste.
Auch Nachbarn und Verwandte brachten ihr Schlachtgut nach Hantünges zum Räuchern. So war Hantünges Deele auch ein echter „westfälischer Himmel“. Holzbalken, Treppe und Brüstung zu den Bühnen wurden gleichzeitig mitgeräuchert. Das war weniger schön. Hantünges Schweinestall, der hinter dem Hauptgebäude lag, soll mal früher eine Schmiede gewesen sein.
Josef Hansmann und
Maria Theresia, geb. Meyer.
Die Uroma stammte aus Meerhof und war im Haushalt von Pastor Adami angestellt. Adami war vor der Säkularisierung Mönch im Kloster Dalheim. Von ihm hatte sie wertvolle Dinge geschenkt bekommen: Silberbesteck, ein riesengroßes Tischtuch aus Damastleinen mit großen Servietten usw. Später – so wurde erzählt - hätte er sie auch oft noch besucht. Dann hätte ein schönes Pferd vor Hantünges Haus gestanden.
Es wurde gemunkelt, Pastor Adami wäre der Vater von Maria Theresia??????? Nur der Himmel weiß etwas Genaues……
Das Ehepaar hatte sieben Kinder:
Josef (*? +?)
Johannes (* vor 1850 +? Alter 46 Jahre)
Georg (*? + 1920)
Franziska (* vor 1850 + 1913)
Maria (+? +?)
Katharina (* vor 1852 +?)
Wilhelm (mein Großvater) (*17.12.1852 +28.2.1930)
Der älteste Sohn Josef hat studiert. Das war sicherlich eine große Leistung für einen Hof, denn Bargeld war immer rar. Die Eltern wünschten wohl, dass er Priester würde. Josef hat aber umgesattelt und ist Bauingenieur geworden. Später war er Regierungsbaumeister. Er lebte in Guben, Wittenberg und Berlin.
Er hatte zwei Söhne, Teuto und Jürgen Jürgen wurde später sogar Regierungsbaurat.
Johannes ist schon mit 46 Jahren gestorben. Er hat viel getrunken und war nicht verheiratet.
Georg und Franziska haben auch nicht geheiratet und sind im Haus geblieben. Die Tante Franziska – ‚Pa‘ genannt - hatte einen Bräutigam aus Meerhof und ist schon von der Kanzel verkündet worden. Warum alles in die Brüche gegangen ist, weiß ich nicht.
Georg hat alle Vierteljahre getrunken, er war ein ‚Quartalssäufer‘.
Die Leute im Dorf kannten das schon und sagten dann: ‚Georg hat das Fest. ‘
Maria hat in ‚Bökers‘ geheiratet.
Katharina hatte in ‚Hüffers‘ geheiratet, eigentlich hießen sie ‚von Rüden‘. Sie hatte schon als junges Mädchen Rheuma und war zur Kur in Bad Meinberg. Das muss bestimmt eine kostspielige Angelegenheit gewesen sein, es gab ja noch keine Versicherungen. Die Eltern Hansmann hatten dem Brautwerber abgeraten, Katharina zu heiraten, weil sie nicht gesund sei.
Die Ehe kam aber doch zustande und sie bekamen zwei Söhne, Johannes und Christian.
Katharina war dann nachher wirklich so krank, dass sie wieder nach Hause gehen musste. Bei Hüffers - nur Männer - konnte sie keiner pflegen.
Die schwere Krankheit hatte ihre Knochen so verbildet und gekrümmt, dass sie nicht in den Sarg passte, als sie starb. Man musste ihre Knochen brechen!
Johannes hatte eine Hasenscharte und hat nicht geheiratet. Er war ein armer, geduldeter Onkel auf dem Hof seines Bruders. Ich habe ihn noch gut gekannt.
Christian hatte eine ziemlich große Familie. Er durfte nur bei Mädchen Pate werden, weil damals keiner seinem Sohn den Namen ‚Christian‘ geben wollte.
So ändern sich die Zeiten.
Der jüngste Sohn Wilhelm, geb. 1852, war mein Großvater. Er hat Elisabeth Hillebrand,
