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Dieses Buch beschreibt, hier und da mit einem kleinem humorvollen Augenzinkern, die Geschichte eines Menschen, der mit seinen zum teil traumatischen Erlebnissen in seiner Kindheit und Jugend, irgendwie klarkommen musste. Und dann noch erwachsen werden, ein gestandener Mann sein...tja ob es geklappt hat? Lest doch selbst...
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Seitenzahl: 192
Veröffentlichungsjahr: 2020
Marco Richter
Lenins Sohn
Vom Looser zum ( Lok-) Führer
© 2020 Marco Richter
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-05405-9
Hardcover:
978-3-347-05406-6
e-Book:
978-3-347-05407-3
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Titelfoto: Kohlekarikatur von Marco Richter also von mir selbst und im Besitz von mir selbst.
1 Lebe mit i…Liebe
2 …Und so ging alles los
3 Die erste Lüge…
4 So ein Gesülze…
5 Schulzeit…einem Hammerstart folgt eine schwere Zeit…
6 Mit dem Essen war das so eine Sache…
7 Der Anfang der Hoffnung war ein „Stripped“ und zwar von Depeche Mode
8 Lokführer, Offizier, Spion oder Metzger…
9 Lehrjahre sind keine Herrenjahre…
10 Vater werden ist nicht schwer…
11 Vom Romantiker zum Stalker…
12 Ron Jeremy, FC Bayern und ein Geist brachten mir das Leben zurück…
13 Erst kam Anfüte und Lukas, aber das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss… Silvia mein Eheweibchen…
14 …Ich hatte nur gerade eben mal ein bisschen Glück…
15 Da wo ich bin, ist vorne, denn jetzt bin ich Lokführer…
16 Nachwort…
1. Lebe mit i….Liebe
Es war ein Frühlingstag im April, um genau zu sein ein Montag, Montag der 22.04.1974. Die
Woche beginnt an diesem Tag. Genauso beginnt auch mein Leben an diesem Tag. Welch Ironie, Lenin ist auch am 22.04 geboren und nun ich. Ich, der Sohn von dem Mann, der in seinem Umkreis, wegen seiner verblüffenden Ähnlichkeit mit dem großen kommunistischen Anführer der Oktoberrevolution in Russland des Jahres 1917, lästernd oder liebevoll Lenin genannt wird. Was für eine Bürde, was für eine Ehre, was für eine Last, was für eine Aufgabe, aber vor allem: was für ein Schicksal! Was wird nur aus diesem Leben einmal werden? Ein Revolutionär, vielleicht wie Lenin oder ein überfleißiger Fabrikarbeiter, wie meine Mutter, hoffentlich mit dem gleichen ansteckenden und unglaublich mitreisenden Humor, oder ein Lokführer, der Traum eines jeden kleinen Jungen. Naja, soviel kann ich jetzt schon sagen, ich bin, nach einem harten Weg, auf dem ich den Humor meiner Mutter immer im Gepäck hatte und der Revoluzzer immer in mir schlummerte, dann am Ende doch Lokführer geworden. Der Traum des kleinen Jungen ist am Ende Wirklichkeit und kein Traum mehr. Tja, im Grunde könnte ich das jetzt hier schon beenden. Der Anfang ist erzählt und das Ende auch...hm, was aber fehlt ist die Geschichte dazwischen. Zwischen G wie Geburt T wie Triebfahrzeugführer, liegt noch der Buchstabe L, wie LEBEN. Ok, und wie Liebe. Das ist eine Geschichte wie ich vom G zum T gekommen bin und zwischen drin ist mein L. L wie Leben oder Liebe. Leben, war da wirklich dazwischen, nicht immer einfach, aber es war zumindest ein Leben. Und was ist mit L wie Liebe. Naja Liebe habe ich immer gesucht beim L wie leben. Hatte oft das Gefühl, dass das i im Leben fehlt. Genau das ist es! Das i in meinem Leben fehlt. Also muss ich es vielleicht selbst einfügen. Wenn mir es schon keiner einfach so gibt. Cool, jetzt funktioniert es. Mit einem i im Leben, wird es dass, was ich oft vermisste: Lieben. Vielleicht muss ich ja wirklich alles selber machen. Sogar das i in mein Leben einfügen.... Aber ich merke es klappt. Jetzt wo ich selbst liebe gebe und somit das i selbst eingefügt habe, so dass ich lebe, ist mein Leben vollkommen, jetzt ist es nämlich Liebe. Perfekt!
Oliver Kahn sagte einmal " Wenn Du aufhörst etwas zu werden, fängst Du an nichts mehr zu sein...." . Dieser Spruch leitet mich genauso durch mein Leben, wie der meiner Oma " Marco, vielleicht wirst du nie der größte, beste oder schönste Mensch der Welt, aber eines gebe ich Dir mit auf deinen Weg, gib Dir immer Mühe, wenigstens ein kleines bisschen Mensch zu sein..."
Das versuche ich nun. Mit dem Humor meiner Mutter, den Gedanken des Revoluzzers Lenin, dem Fleiß eines Arbeiters, der Motivation von Oliver Kahn und der Erfahrung und Güte meiner Großmutter, versuche ich meinem Leben die Vollkommenheit zu geben. Damit mit i aus Leben, lieben wird. Somit das, was sich jeder Mensch wünscht. Das Leben ist nur perfekt mit i. .... Liebe!
2. ….Und so ging alles los
Es war einmal.... So geht meist alles los oder besser gesagt, so ging alles los.
Die DDR der frühen siebziger Jahre, die Reisefreiheit konnte man eigentlich nicht als solche bezeichnen. Es war sehr eingeschränkt, wie eigentlich viel im Leben einer jungen Arbeiterfamilie in den siebziger Jahren in der DDR. Einen Hoffnungsschimmer gab es aber doch. Der Geist. Der Geist war ziemlich frei, ähnlich freizügig wie der Umgang mit
Sexualität, FKK und Sport, konnte man sich doch bilden. Man durfte doch lesen und studieren was das Zeug hält. Die Bibliotheken waren offen und frei, und kostenlos zugänglich. So trug es sich zu, dass meine Mutter ein Buch über die Reisen und Abenteuer eines gewissen Marco Polo in Hände bekam. Die Geschichten über diesen Mann scheinen spannend geschrieben gewesen zu sein, denn Sie hat sie sprichwörtlich, förmlich verschlungen. Naja, kann man auch irgendwie verstehen. Da ist die Rede von jemand der die ganze Welt gesehen und bereist hat, also das, wovon eigentlich jeder junge Mensch so träumt, und das nicht nur in der DDR. Die Welt bereisen, Abenteuer erleben, andere Menschen und Kulturen kennen lernen, sich Wissen aneignen usw.... Und dann ist da die Rede von diesem Mann, der das Alles erlebt hat und dem es nach Wissen und Freiheit dürstet. Zu dem ein Italiener, dem quasi dolce Vita und Amore praktisch in die Wiege gelegt wurde, und dass nur allein mit seiner Geburt. Dann hat der noch diesen vielsagenden und wunderschön anzuhörenden Namen: Marco. Wow..., Marco, das klingt doch schon wie Italien, wie Freiheit, wie Abenteuer. Fast wie ein Orgasmus bei dem er gezeugt wurde, mit M wie ein sinnliches " Mmmmhhh..." am Anfang und mit o wie das genüssliche und befriedigende " oooahh" am Ende. Hammer, und dann durfte dieser Mann auch noch die ganze Welt sehen und bereisen und erleben. Also einfacher gesagt, frei sein. Alles das was ein junger DDR-Bürger in den frühen siebziger Jahren nicht hatte und sich so sehr wünschte. Vielleicht sogar sich danach sehnte. Jetzt hatte meine Mutter diese spannende Idee. Fast schon ein bisschen revoluzzerhaft, wie der große Lenin, sich gegen das System auflehnend. Wenn sie mal Kinder haben sollte, dann sollten sie, anders wie sie selbst, einmal die ganze Welt sehen dürfen, reisen, Abenteuer und Liebe erleben dürfen. Einfacher gesagt, frei sein. Deshalb nahm sie sich vor falls eines ihrer Kinder ein Junge sein sollte, möchte sie ihm eben diesen wohlklingenden Namen, dieses weltberühmten Italieners geben. Marco! Und so geschah es dann auch. Am 22.04.1974. Ein Montag. Die Woche beginnt genauso wie mein
Leben. Ein Klapsgeräusch ist zu hören im spärlich eingerichteten Kreissaal des Krankenhauses, im kleinen verschlafenen Örtchen Rodewisch, im romantisch malerisch gelegenen heimatverbundenen Vogtland. Doch anstatt dem zu erwartenden Babygeschrei, war fast so etwas wie ein leises Krächzen zu hören. "Ist irgendwas nicht in Ordnung mit dem Baby?" fragt meine Mutter erschöpft die Hebamme. Ein fast gerührtes und beruhigendes
Lächeln gleitet der Hebamme durchs Gesicht. "Nein, Frau Richter, mit dem Kind ist alles in Ordnung. Es ist ein Junge. Herzlichen Glückwusch! Er scheint Humor zu haben oder sich zu freuen auf die Welt zu kommen. Weil das Geräusch was er gemacht hat, war ein Lächeln, so sieht es zumindest aus. So etwas habe ich in meiner langen Karriere ja noch nie erlebt. Irgendwie süß. Wie soll er den heißen?" In voller Erlösung und von der Geburt erschöpft, seufzt meine Mutter " Marco, Marco soll er heißen" " Aaah Marco, wie Marco Polo? " fragt die immer noch von meinem Lächeln fasziniert grinsende Hebamme. Noch so eine
Revoluzzerin die dieses Buch gelesen hat, dachte meine Mutter. " Ja, Marco, wie Marco Polo.
Bitte! " Und meine Mutter grinste verschmitzt zurück, mit einem Augenzwinkern, welches die Hebamme schmunzelnd entgegennahm.
3. Die erste Lüge….
An die ersten zwei drei Jahre kann ich mich nicht so richtig erinnern. Aber das liegt ja bekanntlich in der Natur der Sache. Kaum ein Mensch kann sich an die ersten Jahre bis zum Kindergarten erinnern. Auch ich nicht, trotz des großen Namens, und der Bürde Lenins Sohn zu sein und des Humors meiner Mutter.
Die Kindheit und die Jugend sind ja bekanntermaßen der Kindergarten und die Schule des
Lebens eines späteren Erwachsenen. In dieser Zeit ist man ja auch im Kindergarten und in der Schule. Es soll der Charakter und das Wissen für das zukünftige Sein, Wirken und Leben sich angeeignet werden. Die Vorbereitung für die Aufgaben des Lebens, nämlich Höhen und Tiefen irgendwann einmal selbst zu überstehen und zu lernen damit umzugehen, Niederlagen zu verarbeiten und Erfolge richtig einzuordnen. Das alles ohne das immer jemand kommt und dich in den Arm nimmt und tröstet nur weil Du ein Auweh hast, krank bist, beleidigt bist, dich ungerecht behandelt fühlst oder Scheiße gebaut hast. Das alles auch ohne das immer jemand kommt und sagt fein gemacht nur weil du mit sieben Jahren dir endlich selber alleine die Schnürsenkel zubinden kannst, ne Eins in Mathe hast, einen Wettkampf in deiner Sportart gewonnen, wo du täglich trainiert hast, dein eigenes Zimmer, was du selbst verdreckt hast aufräumst oder auch nur einfach ehrlich bist und in Demut einsichtig. Klar, das alles wäre auch schon mal ein Lob wert, vor allem gerade als Kind. Aber ist das alles nicht auch irgendwie normal, auch ohne extra Lob oder Zusammenschiss? Fragen über Fragen. Man kann da auch geteilter Meinung sein und irgendwie hat doch auch jeder bei dieser Frage irgendwo recht und soll sich seine eigene Meinung bilden. Hier nun die Geschichte wie es mir erging.
Ich war gerade fünf Jahre alt geworden, in der Stadt auf dem Feuerwehrplatz war der alljährliche Rummel aufgebaut zum Frühlingsfest. Eine Schulfreundin meiner älteren Schwester Claudia hat bei uns geklingelt. Ich höre ihre süße Kinderstimme fragen: " Darf die
Claudi mit auf den Rummel kommen? ". Ich vernehme ein jubelndes " Jaaaa!!!" aus der
Küche wo Claudia noch beim Essen sitzt. Meine Eltern willigen ein und sagen:" hier zwei
Mark für Autoscooter, Losbude und Zuckerwatte". Meine Mutter drückt ihr 4 Mark in die
Hand. Ungläubig und verdutzt schaut Claudia sie an. Mama sagt " zwei für Dich und zwei für Marco, den nehmt Ihr mit und Passt auf Ihn auf! Ist das klar?... .Ob das klar ist will ich wissen?!" raunzt meine Mutter sie bestimmend an. Die Kotze stand meiner Schwester sichtlich ins Gesicht geschrieben. " Ja...och menno, muss das sein?" Es musste sein gab meine Mutter ihr deutlich zu Verstehen. Ich wusste gar nicht was los war als meine Schwester mich anrempelnd in unserem Kinderzimmer aufsuchte und mir Blicke zu warf, die mich nichts Gutes ahnen ließen. Ich wusste ja nicht was dieser Rummel ist, ich war noch nie bei so etwas. Irgendwie ängstlich und doch auch ein bisschen in Vorfreude, ohne zu wissen was mich erwartet zog ich mir meine Sandalen an. Ich grinste meine Schwester an. Sie dachte ich würde sie verhöhnend auslachen, dabei habe ich mich nur gefreut was mit ihr zu machen. Ich merkte schon das ihre Freude sich in Grenzen hielt, habe es aber nicht so richtig verstanden. Sie war doch bis dahin sonst immer so lieb zu mir, hat sich um mich gekümmert, mit mir gespielt, gelacht und mich vor den bösen großen Jungs aufm Spielplatz vorm Haus beschützt. Naja was solls. Ich habe mich gefreut. Hab meine Schwester bis dahin abgöttisch geliebt.
Wir gingen los. Ich suchte mit meiner Hand die Hand meiner Schwester. Wir haben das doch bis dahin immer so gemacht, wenn wir zusammen irgendwo hingegangen sind. Ich bemerkte das die zwei Mädels irgendetwas flüsterten und sich leise irgendetwas ins Ohr zu sagen hatten. Irgendwie wurde es immer komischer, es war zu spüren das irgendetwas in der Luft lag. Plötzlich hielten wir an. Meine Schwester beugte sich zu mir, lies meine Hand los und drückte mir mit ihrer anderen Hand 2 Mark in die Hand. Ich war verdutzt, kapierte nicht recht was jetzt los war. Auf einmal ehe ich mich versah, rannten die zwei Mädchen, hämisch lachend, los. Ich realisierte die Situation nicht so schnell. Stand da, brauchte ein bisschen. Aber so langsam dämmerte es mir, meine Schwester spielte ein falsches Spiel und wollte mich nicht dabeihaben. Ihre Freundin war auf einmal wichtigere als ich...ja aber ich, ich war doch noch nirgendswo alleine. So langsam spürte ich, dass mir das Wasser langsam in die Augen stieg. Ich sah vor Tränen kaum etwas, fing mit schluchzen an. Jetzt erst rannte ich in völliger Panik und fast todesängstlich in die Richtung, in welche die zwei Mädchen rannten. Ich hatte keine Chance und außerdem hatte ich sie schon längst aus den Augen verloren. Was jetzt? Ich wurde immer hektischer und fing vor Verzweiflung bitterlich und laut an, zu weinen. Eigentlich war es schon ein regelrechtes Schreien. Ich lief total verheult orientierungslos umher. Ich hörte laute Musik und fröhliches Kindergeschrei. Ich lief total verschüchtert und ein bisschen ängstlich in die Richtung dieser verlockenden Geräusche. Die Musik und das laute und fröhliche Kindergeschrei kam immer näher. Da sah ich ihn, diesen mysteriösen " Rummel ". Dieses Ding, welches meiner Schwester plötzlich so viel wichtiger war als ich. Ich staunte nicht schlecht und irgendwie konnte ich jetzt meine Schwester verstehen. Das war schon ein spannendes Ding dieser Rummel. Diese Musik und der Anblick von sich drehenden Karussellen, wo voller Freude und Glück kreischende und quiekenden
Kinder darauf saßen und sich in lustigen Spielzeugautos oder auf lebensechten Spielzeugtieren, bei lustiger lauter Musik und mit Klingelgeräuschen, im immer wiederkehrenden Kreisen transportieren ließen. Ich wollte das auch und lief schnurstracks auf das erste leuchtende, klingelnde, sich drehende etwas, welches in meiner Blick- und Laufrichtung war. Ich sah die fröhlichen und vor Freude, Glück und Spaß, lachenden Kinder und wollte mich genauso fühlen. Habe ich doch gerade erst schmerzliche die Erfahrung gemacht, dass sich die Welt nicht nur um mich dreht. Ein letzter Schluchzer mit Tränen in den Augen wich einem schniefendem Nase abputzen, ohne Taschentuch und einem Blick, welchen die meisten kennen, wenn sie Kinderaugen bei der Bescherung an Weihnachten beobachten. Endlich stand dieses Ding still, dieses " Karussell ". Die Kinder stiegen von ihren Fahrzeugen und Reitmöglichkeiten und vielen ihren Eltern oder Geschwistern freudestrahlend in die Arme. Ich nahm all meinen Mut zusammen und stieg in ein Feuerwehrauto ein. Wow, ich war sprachlos und interessiert zu gleich. Der Entdeckerdrang trieb mich dazu, sämtliche Knöpfe und Hebel an diesem Gefährt sowie diese kleine goldene Glocke zu betätigen, welche so ein schon schrilles lautes Achtungsklingeln erzeugte. Frei nach dem Motto " Hey, Platz da. Ich bin auch hier. Seht her ich kann das auch.". Dann realisierte ich zu alledem noch dieses Fahrzeug was ich nur aus Kinderbüchern und als kleines Spielzeug kannte, und ich wusste wenn das in echt draußen vorbei fährt, dann sitzen da nur starke Männer drin. Richtige, große, starke Helden, welche Menschen retten und bei allen Leuten höchstes Ansehen genießen. Wow, und jetzt ich. Plötzlich war ich der Größte. Dann bemerkte ich, dass das alles wie extra nur für mich auf Kindergröße angepasst war. Ich fühlte mich wie im Märchen und ich war die gute Hauptfigur. Oh... jetzt gings los. Das Karussell begann sich gemächlich zu drehen. Es wurde aber immer schneller. Hui...was für ein Spaß. Ich lachte laut auf vor Freude und Glück. Gar nicht gedacht, dass ich heute noch so etwas Tolles erleben durfte. Dann kam ein freundlicher lustiger Mann zu mir aufs Fahrzeug aufgesprungen und hielt seine Hand auf. Ich verstand nicht ganz. Dann fiel mir ein ich hatte ja noch die zwei Mark. Ich gab ihm das große Geldstück. Er nahm es, kramte irgendwie in seiner Hosentasche rum und lies eine Menge kleine Geldstücke, welche ich kaum mit meiner kleinen Kinderhand auffangen konnte in die selbige fallen. Dann zwinkerte er mir zu und verschwand zum nächsten Passagier dieses lustigen Dings, mit dem Namen Karussell. Unbeeindruckt von dessen, dass ich gelernt habe, dass man für viele Sachen, meistens die, welche einem Spaß und Freude bringen, Geld braucht, fühlte ich mich so wohl, wie ich es an diesem Tag nicht mehr für möglich gehalten hätte. Hammergeiles Gefühl. Die Zeit schien still zu stehen für einen Moment. Aber so lang war dieser Moment nun auch wieder nicht. Das Karussell wurde immer langsamer und hielt schließlich an. Ich erinnerte mich an meine Beobachtungen vom Anfang und wusste ich muss da jetzt leider wieder aussteigen. Während ich das realisierte und auch tat, sah ich schon das nächste Objekt der Begierde. Ein Karussell mit Eisenbahn und zwar so richtig mit Lokomotive und Hängern. Wahnsinn. Ich kannte das bisher nur wenn ich mit meinen Eltern oder mit meinem Großvater, väterlicherseits, Ausflüge machten. Ich wartete den richtigen Moment ab bis das Karussell still stand, um dann sofort und zielstrebig mich mit meinen kleinen Kinderbeinchen in die Lok zu schwingen. Haha, jetzt war ich am Ziel, jetzt war ich der Lokführer, der große Mann der dies Lok führt, steuert und bedient, um die Leute, welche in den angehängten Wagen saßen an den Ort ihrer Begierde zu transportieren. Au ja, das wollte ich gern auch machen, wenn ich mal groß und alt genug dafür bin, um im richtigen Leben genau das zu tun. Ich nahm mir vor das Vorhaben, gleich wenn ich zu Hause bin, meinen Eltern kundzutun. Ich legte mir in Gedanken schon die Worte zurecht: " Papa, Papa, wenn ich mal groß bin, werde ich Lokführer und fahr dich dann in die Arbeit, weil du doch so krank bist. " Mein Vater litt zu der Zeit an einer psychischen Erkrankung, welche bei ihm körperliche Krampfanfälle bei Überbelastung, egal welcher Art, hervorrief, ausgelöst vermutlich durch einen Vergiftungsanschlag auf ihn durch die Stasi, während seiner Zeit bei der Armee in der DDR. Diese Anfälle schockierten mich jedes mal. Ist doch klar, wenn so ein kleiner Junge seinen Vater sieht, wie es ihn ohne Vorwarnung auf den Boden wirft und vor Schmerz und Krämpfen gekrümmt auf dem Boden umherwälzt und im Raum
herumschleudert. Ich stand jedes Mal, wie angewurzelt zur Salzsäule erstarrt da. Ich vermute schon, dass mich diese Erlebnisse auch ein bisschen traumatisiert haben. Kaum hatte ich so vor mich hingeträumt, war die kleine Karussellrundreise schon zu Ende und ich musste wieder aussteigen, der nächste Junge stand schon da und wollte rein, vermutlich mit ähnlichen Gedanken. Ich sah eine kleine Menschentraube mit Kindern und Erwachsenen die vor einem kleinen Stand standen. Dort war ein Mann in weißer Kochkleidung zu sehen, welcher Holzstäbe in so einen lustigen Apparat hielt und darin herumrührte und wie von Zauberhand bildete sich um diesen Holzstab eine weiße Wattewolke. Er übergab diesen Wolkenstab einem Kind, welches schon erwartungsvoll ganz vorn in der Schlange stand. Das Kind fing sofort an mit weit geöffnetem Mund, mit der Zungenspitze irgendwie Teile von der Watte abzureißen. Ich stellte mich auch hinten an der Schlange an und wartete darauf auch endlich an der Reihe zu sein. Jetzt war es soweit. Der Mann fragte mich: " Na, auch ne Zuckerwatte? ". Ah, Zuckerwatte heißt das Zeug. Ich antwortete ihm erwartungsvoll und bejahend mit einem Nicken. Er verlangte dafür das größere meiner zwei letzten Geldstücke und überreichte mir diesen Zuckerwattestab.
Hmm...war das lecker, aber irgendwie kam in meinem Mund scheinbar Nichts so richtig an, weil der Zucker sich sofort auflöste, aber trotzdem schmeckte ich etwas. Für mich war das Alles irgendwie wie Zauberei im Zirkus. Dann erblickte ich einen Stand wo ich sofort erkannte was es da gab, Eis. Ich nahm mein letztes Geldstück und hoffte, dass das reicht. Ich lief hin, reckte dem Verkäufer das Geld hin. Der schmunzelte und gab mir so ein kleines Waffelschälchen mit so einem kleinen spitzen Häufchen Softeis in zwei Farben. Gelb mit Vanilleeis und braun mit Schokoeis. Lecker. Ich schmatzte genüsslich das Eis in mich hinein ohne darauf zu achten ob überhaupt alles in meinem Mund landet oder in einem größeren Umkreis um meinen Mund herum verteilt wird. Nach diesen Augenblicken des vollkommenen Glückes kam so langsam wieder die Ernüchterung. Das Geld war alle und wie jetzt weiter? Meine Schwester hab ich immer noch nicht gefunden, und wo bin ich hier....? Wie komm ich nur hier wieder weg und am liebsten nach Hause. Überall sind Leute und es kam mir irgendwie so vor als würden sie immer größer werden und mich alle übersehen. Ich fühlte mich wie ein winzig um nicht zu sagen winzigst kleiner Käfer der ängstlich hin und her lief um nicht von den riesigen Elefanten, in deren Gehege sich der Käfer befand, niedergetrampelt und zerquetscht zu werden. Irgend wie, in sich immer weiter steigernder Panik, entfernte ich mich mehr und mehr von diesem Ort, der auf diesen anscheinend spannenden und fröhlichen Namen " Rummel " hört. Was soll ich nur machen? Ich fing wieder mit winseln an. Es steigerte sich immer mehr, über ein tiefes Schluchzen bis es schließlich in ein völlig hysterisches Geschrei ausartete. Aufgeregt und hilfesuchend lief ich ziellos umher. Ich wusste ja auch nicht wohin. Ich war ja noch nie allein irgendwo und so wusste ich ja auch nicht wie ich von da wieder weg, also nach hause kommen sollte. Heulend und immer lauter schreiend ging ich in irgendeine Richtung. Vor lauter Tränen in den Augen konnte ich nicht mal etwas sehen. Da spürte ich plötzlich wie behutsam eine Hand mich an der Schulter berührte. Durch die Tränen in den Augen erkannte ich verschwommen die Umrisse einer älteren Frau. " Na...Du bist doch der kleine Richter? Ich bin die Lehrerin von der Claudia. Deine Schwester heißt doch Claudia?" Schluchzend und ein bisschen Rotz schniefend nickte ich bejahend. " Ja, was ist denn los mit Dir? Warum Weinst Du denn? " " Ich weiß nicht wie ich heim komme, ich hab mich verlaufen und meine Schwester ist weggerannt und hat mich alleine gelassen....Ich will nach Hause zu meiner Mama!" Rief ich zu ihr mit immer lauter weinender Stimme. "Och das ist Doch nicht so schlimm" sagte Die Frau zu mir." Ich weiß wo ihr wohnt. Soll ich Dir helfen? Ich kann dich nach Hause begleiten, wenn Du willst." "Jaaa..."weinte ich ihr entgegen" Ich will zu meiner Mama!!!" Sie nahm mich liebevoll an die Hand und ging mit mir nach Hause. So langsam kam mir die Umgebung immer bekannter vor. Und da waren wir endlich. Wir standen vor der Hausnummer 42 der Sorgaer Straße in der Weltberühmten Maschendrahtzaunstadt Auerbach. Sie Drückte die
