Liebe auf den zweiten Blick - Lynsay Sands - E-Book

Liebe auf den zweiten Blick E-Book

Lynsay Sands

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Beschreibung

Genauso charmant, genauso prickelnd, genauso unterhaltsam wie die Argeneaus - Lynsay Sands ist unschlagbar! Ohne ihre Brille ist Clarissa Crambray so gut wie blind. Dennoch verbietet die Stiefmutter ihr, eine zu tragen, aus Angst, sie könnte sonst keinen Ehemann finden. Durch ihre Tollpatschigkeit hat Clarissa schon viele Männer in die Flucht geschlagen. Nur der Draufgänger Adrian Montfort, Earl of Mowbray, scheint sich daran nicht zu stören ...

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LYNSAY SANDS

LIEBE AUF DEN

ZWEITEN BLICK

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Beate Darius

Inhalt

1

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Impressum

1

London, England, 1818

»›Die Liebe ist ein Fieber … in meinem Blut.‹«

Igittigitt. Clarissa drehte sich der Magen um, als diese Worte schwülstig im Raum schwebten. Es war mit Abstand das gruseligste Gedicht, das Lord Prudhomme seit seiner Ankunft im Stadthaus ihres Vaters heraustrompetet hatte.

War er wirklich erst eine Stunde da? Ihr kam es wie eine gefühlte Ewigkeit vor. Und statt mit ihr den üblichen kleinen Spaziergang zu machen, hatte der nicht mehr ganz taufrische Lord einen Gedichtband durch die Luft geschwenkt und Clarissa gönnerhaft vorgeschlagen, er könne ihr doch zur Abwechslung etwas Schönes vorlesen. Im Prinzip hatte sie ja gar nichts dagegen, wenn er ihr nur etwas Unterhaltsames geboten hätte und nicht diese grässlichen Schmachtfetzen. Und ganz nebenbei hätte sie es sehr begrüßt, wenn er dabei nicht so tun würde, als erwiese er ihr einen Riesengefallen.

Clarissa ließ sich nichts vormachen. Ihr war klar, woher der Wind wehte. Der Lord hoffte, größere Katastrophen zu verhindern, indem er sie dekorativ aufs Sofa verbannte, während er ihr geballte Scheußlichkeiten aus seinem angestaubten Gedichtband vorlas. Offensichtlich hatte der ältliche, steife Prudhomme es satt, dass ihr dauernd irgendwelche Missgeschicke passierten.

Sie konnte ihm das nicht wirklich zum Vorwurf machen; er hatte sich bisher immer vorbildlich verhalten. Um ehrlich zu sein, wie ein Heiliger. Er hatte deutlich mehr Verständnis und Rücksichtnahme gezeigt als ihre anderen Verehrer. Mit einem milden Lächeln ging er großzügig darüber hinweg, wenn sie seine kurzen strammen Schenkel zuweilen für ein Tischchen hielt und ihre Teetasse darauf abstellte. Er biss gequält die Zähne zusammen und schwieg taktvoll, wenn sie ihm beim Tanzen vors Schienbein trat oder bei gemeinsamen Spaziergängen über seine Füße stolperte. Heute aber hatte er sich wohl fest vorgenommen, von alledem verschont zu bleiben. Leider Gottes ließ die Lektüre erheblich zu wünschen übrig, und Clarissa langweilte sich halb zu Tode. Lieber wäre sie im Park blindlings über die erstbeste Picknickdecke gestolpert und der Länge nach in die Torte, sann sie dumpf.

»›Sie verleiht mir Flügel wie die einer Taube.‹« Lord Prudhommes Stimme bebte … ob vor Pathos oder vor Altersschwäche, das vermochte die junge Frau nicht zu sagen. Der Mann war schätzungsweise alt genug, um ihr Großvater zu sein. Dummerweise war das für ihre Stiefmutter völlig nebensächlich. Lydia hatte John Crambray hoch und heilig versprochen, dass seine Tochter eine gute Partie machen werde. Dafür würde sie sorgen, und wenn sie dabei einen Herzinfarkt erlitt, hatte sie getönt. Mittlerweile war Lord Prudhomme allerdings der Letzte, der von Clarissas spärlichen Verehrern noch übrig geblieben war. Er machte ihr hartnäckig weiter den Hof, wodurch sich das Herzinfarktrisiko ihrer Stiefmutter vorläufig in Grenzen hielt. Allerdings bekam Clarissa Gänsehaut bei der Vorstellung, diesen Dumpfbeutel heiraten zu müssen, der sich nun ungelenk auf den Boden kniete, wild mit den Armen ruderte und ihr dabei ewige Liebe versprach.

»›Ich schwöre meiner‹ … ähm … ›meiner‹ Lady Clarissa …«, Lord Prudhomme stockte mitten in seinem Gefasel. »Bitte, meine Liebe, rücken Sie doch die Kerze ein wenig näher heran. Ich kann das Wort nicht richtig lesen.«

Clarissa kniff die Augen zusammen und spähte in die Richtung des widerlichen Ehekandidaten. Sie nahm Prudhomme bloß als Schatten wahr, eine dunkle Kugel mit einem runden roten Klecks als Gesicht, umrahmt von einer bauschig silberweißen Wolke … das mussten seine Haare sein.

»Die Kerze, Mädchen«, sagte er ungeduldig, und der charmante Galan war mit einem Mal wie weggewischt.

Clarissa peilte die Kerze an, die neben ihr auf dem Tisch stand, griff mit tastenden Fingern danach und hielt sie ihm gehorsam näher hin.

»So ist es erheblich besser.« Der Lord nickte zufrieden. »Also, wo war ich noch gleich? Ah ja. ›Ich schwöre meine ewige …‹« Er stockte abermals, und seine Nasenflügel blähten sich wie die Nüstern eines Ackergauls. »Finden Sie nicht, dass es hier verbrannt riecht?«

Clarissa reckte ihr Näschen in die Luft und schnupperte. Bevor sie jedoch den Mund öffnen und seine Vermutung bestätigen konnte, entfuhr seiner Lordschaft ein gellender Schrei.

Sie fuhr erschrocken zusammen und beobachtete fasziniert, wie der massige Kugelschatten wild durchs Zimmer trudelte. Hektisch mit den Armen um sich rudernd, erweckte es den Anschein, als wollte der Lord sich selber ohrfeigen. Sie hatte keine Ahnung, was plötzlich in ihn gefahren war, bis er sich das buschige weiße Dings vom Kopf herunterriss und damit immer wieder gegen sein Bein schlug. Sie blinzelte von dem rosigen Ei, das wohl sein Kahlkopf war, zu seinen rudernden Armen, und begriff, dass sie die Kerze zu nah an sein Gesicht gehalten und dabei seine Perücke in Brand gesteckt hatte.

»Ach du grüne Neune.« Clarissa stellte behutsam die Kerze auf den Tisch, ließ sie jedoch erst los, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass der Halter auch wirklich auf der Tischplatte stand. Um dem Ärmsten zu helfen, hechtete sie zu ihm, verschätzte sich jedoch in der Entfernung und hätte den stämmigen kleinen Lord um ein Haar über den Haufen gerannt.

»Fort mit Ihnen, verschwinden Sie!«, gellte Prudhomme und schob sie unsanft von sich.

Clarissa plumpste zurück in ihren Sessel und blinzelte milde verwirrt zu ihm hin.

Dann schwenkte ihr Blick abrupt zur Tür, da sie Stimmen hörte. Anscheinend kam jemand zu Hilfe.

Mehrere kamen zu Hilfe, schloss sie, als sie verschwommen eine bunt gewürfelte Truppe im Türrahmen wahrnahm. Offenbar war die gesamte Dienerschaft auf Prudhommes Gekreisch aufmerksam geworden und sofort angerückt. Zweifellos war ihre Stiefmutter auch dabei, mutmaßte Clarissa und seufzte beklommen, als alle schockiert schwiegen. Leider sah sie zu schlecht, um beurteilen zu können, ob man sie nachsichtig oder vorwurfsvoll musterte.

Prudhommes Miene konnte sie sich indes bildhaft vorstellen. Er schäumte vor Zorn und machte seiner Verärgerung verbal Luft. Seine Worte überschlugen sich nachgerade vor Wut. Clarissa schnappte den einen oder anderen Satzfetzen auf; »ungeschickter Trampel«, »verdammtes Weibsstück« und »eine Gefahr für die Menschheit« war noch das Harmloseste.

Mitten in seiner Schimpftirade sah sie schemenhaft, wie er den Arm hob und ausholte. Die junge Frau erstarrte vor lauter Entsetzen, dass er sie schlagen könnte. Sicher war sie sich indes nicht, weil sie keine Brille trug. Als seine Pranke nah genug vor ihrem Gesicht schwebte, dass sich Clarissas letzte Zweifel verloren, war es zu spät, sie hätte einer schallenden Ohrfeige nicht mehr ausweichen können.

Zum Glück ging einer der Diener geistesgegenwärtig dazwischen und vereitelte den Schlag. Clarissa nahm verschwommen ein buntes Handgemenge wahr, hörte Prudhomme fluchen und Ffoulkes, ihren Butler, schnaufen. Dann verzogen sich die verwaschenen Silhouetten in Richtung Tür.

»Ihr Verhalten ist unerhört! Schande über Sie, Lord Prudhomme!«, rief Clarissas Stiefmutter, ihre Stimme voller Abscheu, während sie den anderen folgte. An der Tür blieb der wogende Berg fliederfarbener Seide kurz stehen und meinte einlenkend: »Ich hoffe doch sehr, dass Sie Clarissa das kleine Missgeschick verzeihen können. Glauben Sie mir, sie hat die Kerze bestimmt nicht absichtlich an Ihre Perücke gehalten.«

Clarissa verkroch sich unglücklich seufzend in ihrem Sessel. Unfassbar, aber ihre Stiefmutter schien weiter fest entschlossen, sie mit diesem Kotzbrocken zu verkuppeln. Grundgütiger, sie hatte seine Perücke angekokelt! Und er hatte versucht, sie zu schlagen! Ob ihre Stieftochter bei einem gewalttätigen Ehemann landete, kümmerte Lydia demnach herzlich wenig. Ihre Stiefmutter schreckte offensichtlich vor nichts zurück.

»Clarissa?«

Das junge Mädchen setzte sich abrupt auf und blinzelte ängstlich zu dem lilafarbenen Schattengespenst. Aha, Lydia war noch einmal zurückgekehrt. Die Tür knallte hinter ihr ins Schloss.

»Wie konntest du nur!«

»Ich hab’s doch nicht absichtlich gemacht, Lydia«, jammerte Clarissa. »Das Ganze wäre nicht passiert, wenn ich bloß meine Brille tragen dürfte, aber das möchtest du ja nicht. Ich wäre anmutiger und hätte bestimmt mehr Verehrer, wenn ich meine …«

»Niemals«, schnitt Lydia ihr das Wort ab. »Wie oft hab ich dir schon gesagt, dass Brillenschlangen keinen Mann abbekommen? Ich weiß, wovon ich spreche. Besser ein bisschen ungeschickt, als mit einem hässlichen Nasenfahrrad herumzulaufen.«

»Ich hab seine Perücke angezündet«, rief Clarissa fassungslos. »Von wegen ein bisschen ungeschickt … das ist bestimmt keine Lappalie. Es hätte böse ausgehen können für ihn. Er hätte sich schlimme Verbrennungen zuziehen können.«

»Stimmt, hat er aber gottlob nicht«, sagte Lydia bemerkenswert gelassen.

Clarissa versagte sich ein Aufstöhnen. Sie wusste genau, wenn ihre Stiefmutter diesen gefährlich ruhigen Ton anschlug, war mit ihr nicht gut Kirschen essen.

2

»Mowbray, lange nicht gesehen, altes Haus. Was führt dich denn in die Stadt?«

Lord Adrian Montfort, der Earl of Mowbray, richtete seinen Blick von den tanzenden Paaren auf seinen Cousin, der neben ihn getreten war: Reginald Greville war hochgewachsen, blond und ungemein gut aussehend. Er und Greville waren früher die allerbesten Freunde gewesen, doch zeitliche und räumliche Distanz hatten das Band der Freundschaft ein wenig gelockert – und nicht zuletzt auch der Krieg mit Frankreich, sinnierte Adrian bitter.

Anstelle einer Antwort bedachte er seinen Cousin mit einem verhaltenen Grinsen, ehe er den Blick abermals den eleganten Paaren auf der Tanzfläche zuwandte. »Und, genießt du die Ballsaison, Greville?«, meinte er schließlich.

»Aber sicher. Frisches Blut. Neue Gesichter.«

»Neue Opfer«, versetzte Mowbray trocken, worauf Reginald lachte.

»Das auch.« Reginald war bekannt dafür, dass er mit Vorliebe unschuldige junge Mädchen verführte. Einzig sein Titel und sein Vermögen bewahrten ihn davor, aus der Stadt verbannt zu werden.

Adrians Lippen verzogen sich erneut zu einem knappen Grinsen. »Verblüffend, dass du die Jagd anscheinend nie satt bekommst, Reg. Für mich sehen die jungen Dinger alle gleich aus. Ich könnte schwören, es sind dieselben Debütantinnen wie in der letzten Saison und in der davor … und so weiter.«

Sein Cousin schüttelte milde schmunzelnd den Kopf. »Es ist zehn Jahre her, seit du das letzte Mal in London warst. Die Debütantinnen von damals sind entweder verheiratet und haben Kinder, oder sie sind auf dem besten Weg, alte Jungfern zu werden.«

»Die Gesichter mögen sich ändern, aber die Spatzenhirne der Damen bleiben die gleichen«, meinte Adrian schulterzuckend.

»Du schlimmer Zyniker«, schimpfte Reg. »Du klingst ja wie ein alter Mann.«

»Älter«, korrigierte Adrian. »Älter und weiser.«

»Nein, bloß alt«, beteuerte Reg lachend, dabei glitt sein Blick über die anwesenden Gäste. »Im Übrigen sind dieses Jahr ein paar überaus reizende Geschöpfe mit im Rennen. Die Blonde da zum Beispiel, oder die Brünette, die neben Chalmsly steht.«

»Hmmm.« Adrian blickte zu den beiden Frauen. »Korrigier mich, wenn ich falsch liege, aber ich möchte wetten, dass die Brünette keinen Funken Grips im Hirn hat. Genau wie Lady Penelope, die du verführt hast, als ich das letzte Mal hier war.«

Bei der Feststellung weiteten sich Regs Augen vor Verblüffung.

»Und was die Blonde angeht«, fuhr Adrian fort, während er die besagte Dame taxierte und ihren berechnenden Blick auffing, »die kommt aus einem betuchten Elternhaus, hat Geld wie Heu und sucht einen Ehemann mit einem hochkarätigen Titel. So ähnlich wie Lily Ainsley. Auch eine von deinen Eroberungen.«

»Eiskalt erwischt«, räumte Reginald leicht ertappt ein. Sein Blick ging abermals zwischen den beiden Damen hin und her, dann lachte er grob. »Jetzt hast du mir komplett den Spaß verdorben. Eigentlich wollte ich einer oder beiden den Hof machen. Aber du hast mir die ganze Sache vermiest.« Er zog nachdenklich die Stirn in Falten. »Hey, ich kenne da eine Frau, die sich garantiert nicht in irgendeine Schublade stecken lässt.«

Seine Miene hellte sich auf. Er packte Adrian am Arm und zog ihn auf die andere Saalseite.

»Da«, sagte er auftrumpfend. »Das Mädchen in dem mimosengelben Batistkleid. Das ist Lady Clarissa Crambray. Ich wette, die hast du noch nie gesehen.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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