Vampir à la carte - Lynsay Sands - E-Book

Vampir à la carte E-Book

Lynsay Sands

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Beschreibung

Cale Valens gehört zu den ältesten Vampiren der Familie Argeneau. Die Suche nach seiner Seelengefährtin hat er schon lange aufgegeben. Bis er die Restaurantbesitzerin Alexandra Willan trifft, die augenblicklich sein Herz erobert. Um sie für sich zu gewinnen, lässt er sich von ihr als Koch anheuern. Dabei hat er seit zweitausend Jahren keine feste Nahrung mehr zu sich genommen ...

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LYNSAY SANDS

VAMPIR À LA CARTE

Roman

Ins Deutsche übertragen

von Ralph Sander

1

Cale hob eben die Hand, um anzuklopfen, da ging die Tür bereits auf, und ein großer Kerl mit kurzem dunklen Haar stand ihm gegenüber. Er hielt einen Telefonhörer am Ohr und sah ihn prüfend an.

»Cale Valens?«

»Ja«, antwortete er. Ihm war klar, dass die Wachen vorn am Tor längst im Haus Bescheid gegeben hatten, um sein Kommen anzukündigen.

»Komm rein.« Der Mann machte einen Schritt zur Seite, um ihn durchzulassen, drückte auf eine Taste an seinem Telefon, um das Gespräch zu beenden, und hielt ihm dann die Hand hin. »Ich bin Justin Bricker, aber die meisten nennen mich einfach nur Bricker.«

Cale schüttelte die dargebotene Hand und trat ein paarmal kräftig auf die Fußmatte vor der Tür, um seine Stiefel so weit wie möglich vom Schnee zu befreien. »Mir wurde gesagt, ich soll mit Garrett Mortimer sprechen.«

»Ja, ich weiß. Die Jungs am Tor haben mich schon vorgewarnt, aber Mortimer ist momentan mit Sam in der Garage.« Bricker schloss hinter ihm die Tür und drehte sich zu ihm um, während er mit dem Telefon herumfuchtelte. »Ich wollte sie anrufen, um ihnen Bescheid zu geben, dass du hier bist, aber da meldet sich niemand. Ich hoffe, das bedeutet, dass sie mittlerweile auf dem Weg hierher sind.«

»Du hoffst?« Cale zog seinen Wintermantel aus braunem Leder aus.

»Ja, richtig. Es könnte nämlich auch sein, dass sie in einer von den Zellen hängen geblieben sind«, erläuterte Bricker grinsend, während er ihm den Mantel abnahm und ihn schnell in den Schrank neben der Haustür hängte. »Die beiden sind erst seit … acht oder neun Monaten Lebensgefährten und können die Finger noch nicht so richtig voneinander lassen.« Er führte Cale durch den Flur zum rückwärtigen Teil des Hauses. »Komm mit, ich gebe dir eine Blutkonserve, während du auf sie wartest.«

Cale folgte ihm und rief sich ins Gedächtnis, was sein Onkel Lucian ihm über diese Leute gesagt hatte. Mortimer und Bricker waren früher als Vollstrecker gemeinsam auf die Jagd nach abtrünnigen Vampiren gegangen, aber jetzt leiteten sie gemeinsam dieses Vollstrecker-Hauptquartier. Bricker war der jüngere von beiden und unterstützte Mortimer bei der Arbeit, der nun die Befehlsgewalt über alle anderen Vollstrecker hatte.

»Einen Beutel oder zwei?«, wollte Bricker wissen, als sie eine große Küche mit Wandschränken und einer Kochinsel in der Mitte betraten.

»Einer genügt«, murmelte Cale.

Der jüngere Unsterbliche öffnete eine Kühlschranktür, die den Blick freigab auf einen großen Vorrat an Blutkonserven, aber es befanden sich auch einige Lebensmittel für Sterbliche darin. Der Anblick hatte etwas Beunruhigendes an sich, da Cale seit über tausend Jahren keine Sterblichennahrung mehr zu sich genommen hatte und in seinem Kühlschrank ausschließlich Blut aufbewahrte. Unwillkürlich drängte sich ihm die Frage auf, ob es eigentlich hygienisch war, rohes Fleisch und Gemüse Seite an Seite mit Blut zu lagern.

»Null positiv okay?«, fragte Bricker, während er die Beutel durchsuchte.

»Ja, das ist gut.« Ganz gleich, ob es nun hygienisch war oder nicht, er hatte auf jeden Fall Hunger.

»Hier.«

Cale murmelte ein Dankeschön und wartete ein paar Sekunden, bis seine Fangzähne ausgefahren waren, um sie in den durchsichtigen Kunststoffbeutel zu drücken.

»Nimm doch Platz«, forderte Bricker ihn auf und zog mit einem Fuß für sich selbst einen Barhocker unter der Kochinsel hervor, damit er sich hinsetzen konnte. Dann drückte er selbst auch einen Beutel gegen seine Fangzähne.

Cale zog einen zweiten Hocker hervor, damit er ebenfalls Platz nehmen konnte. Kaum saß er jedoch, hörte er, wie im Nebenzimmer eine Schiebetür geöffnet und wieder geschlossen wurde. Er folgte Brickers erwartungsvollem Blick zu der gegenüberliegenden geöffneten Tür, durch die es allem Anschein nach ins Esszimmer ging. Das Ende eines Eichentischs war zu sehen, doch derjenige, der durch die Schiebetür in diesen Raum gelangt war, ließ sich noch nicht blicken. Dann aber waren zwei Stimmen zu hören, die mühelos bis zu ihnen in die Küche drangen, und Cale musste feststellen, dass er ungewollt eine private Unterhaltung mit anhörte.

»Und du bist dir sicher, dass du dafür bereit bist, meine Liebe?«, fragte ein Mann in ernstem Tonfall.

»Ja, natürlich bin ich mir sicher«, antwortete eine Frau, die aber nach Cales Eindruck gar nicht so überzeugt klang. Er rätselte, wer sie wohl war und wofür sie bereit sein mochte.

Offenbar war dem Mann ihre Unsicherheit nicht entgangen. »Wirklich, Sam? Es sind jetzt erst acht Monate und …«

»Ich weiß«, unterbrach sie ihn. »Und es tut mir auch leid, dass ich das so lange vor mir hergeschoben habe. Es ist ja nicht so, als würde ich dich nicht lieben, Mortimer. Ich liebe dich wirklich, aber …«

»Aber du willst dich nicht von deinen Schwestern trennen müssen«, beendete der Mann verständnisvoll den Satz für sie.

Unwillkürlich zog Cale die Augenbrauen hoch, als er die Namen hörte. Mortimer war derjenige, mit dem er sich treffen sollte, aber das Gleiche galt auch für Sam. Sie musste eine Schwester namens Alex haben, und Tante Marguerite hatte so eine »Ahnung«, dass diese Alex womöglich die Frau war, auf die er schon sein ganzes Leben wartete. Cale machte sich deswegen allerdings keine großen Hoffnungen, dass sie mit ihrer Meinung richtigliegen könnte. So alt wie er war, hatte er sich längst damit abgefunden, wohl niemals eine Lebensgefährtin zu finden. Für ihn sah es so aus, als ob er bis in alle Ewigkeit Single bleiben würde. Allerdings wollte er auch nicht unhöflich sein, und das war auch so ziemlich der einzige Grund, weshalb er sich bereit erklärt hatte, diese Alex kennenzulernen.

Da ihn interessierte, wer sich hinter den Stimmen verbarg, rutschte er auf seinem Hocker ein Stück zur Seite, doch das half auch nicht viel. Sie mussten an der Tür stehen geblieben sein, durch die sie hereingekommen waren, und offenbar waren sie in dem Glauben, dass niemand sie hören konnte. Er sah zu Bricker, weil er erwartete, dass der irgendein Geräusch machte, um die zwei wissen zu lassen, dass sie nicht allein waren. Doch der jüngere Unsterbliche schien sogar gebannt den Atem anzuhalten, um bloß nicht zu verpassen, was sie als Nächstes sagen würden.

Cale beschloss daraufhin, mit seinem Hocker ein Stück nach hinten zu rutschen, damit die beiden im Nebenzimmer auf sie aufmerksam wurden, doch was die Frau dann sagte, ließ ihn gerade noch rechtzeitig innehalten.

»Es hat nichts mit Jo und Alex zu tun.«

Cale rührte sich nicht, da er hoffte, mehr über diese Alex zu erfahren.

»Das war nur ein Vorwand, Mortimer. Allerdings einer, von dem ich selbst so gut wie überzeugt war«, räumte die Frau ein und seufzte dabei entschuldigend. »Aber nachdem Jo Nicholas begegnet war, hat sie mir etwas gesagt, wodurch mir klar geworden ist, dass es nicht der wahre Grund war.«

»Und was hat sie dir gesagt?«, wollte Mortimer wissen.

»Sie sprach davon, dass mir nach der Wandlung durch dich immer noch gut zehn Jahre Zeit bleiben, für die beiden Lebensgefährten zu finden. Sie sagte, ich hätte in Wahrheit nur Angst, und ich glaube … nein, ich weiß, sie hat recht.«

»Wovor hast du denn Angst, Sam?«, erkundigte sich Mortimer, dessen Besorgnis nicht zu überhören war. »Vor den Schmerzen bei der Wandlung?«

»Nein … obwohl … das ist ein Thema für sich«, räumte sie ein und grinste schief, ehe sie in einem ernsten Tonfall fortfuhr: »Ich hatte Angst davor, dass du eines Morgens aufwachst und dir klar wird, dass ich … na ja, dass ich bloß ich bin, und mehr nicht.«

»Wie soll ich das verstehen? Ich weiß doch, wer du bist, Sam. Was …«

»Das weiß ich ja, aber … es ist vielleicht albern, trotzdem … ich bin intelligent, ich bin tüchtig, und ich bin insgesamt ganz nett, aber ich bin nicht …« Sams Stimme klang verlegen, als sie fortfuhr: »Na ja, ich bin nicht der Typ sexy, verruchter Vamp. Ich bin keine Frau, die für einen Mann wie dich bis in alle Ewigkeit attraktiv sein kann.«

»Honey, du bist wunderschön. Ich …«

»Ich sehe aus wie Olivia Öl, Mortimer!«, platzte es in einem aufgebrachten Tonfall aus ihr heraus, als sei das eine nicht zu übersehende Tatsache.

Cale zog den inzwischen geleerten Blutbeutel von den Zähnen und sah ratlos zu Bricker, dann fragte er tonlos: »Olivia Öl?«

Auch Bricker nahm den Plastikbeutel vom Mund und antwortete genauso gedämpft: »Popeyes Freundin.« Als Cale keine Anzeichen erkennen ließ, dass nun für ihn alles klar war, verdrehte Bricker die Augen und fügte hinzu: »Das ist eine Comicfigur. Dunkle Haare, große Augen und so dürr wie eine Bohnenstange. Sam ist …«

»Honey, ich habe Augen im Kopf. Ich weiß, dass du wie Olivia Öl aussiehst.«

Bricker, der in seinen Ausführungen unterbrochen worden war, stieß einen leisen Fluch aus und kniff einen Moment lang die Augen zu. Dann sah er zur Tür und murmelte zynisch: »Ihr alten Kerle habt es wirklich drauf. Sehr charmant.«

Cale hätte ihm gern widersprochen, denn auch wenn er selbst sich seit einer Ewigkeit nicht mehr für Frauen interessiert hatte, wusste sogar er, dass Mortimer genau das Verkehrte gesagt hatte. Der begriff in diesem Augenblick anscheinend auch, was ihm da rausgerutscht war, da er stammelnd zu retten versuchte, was noch zu retten war: »Ich will damit sagen, dass du für mich wunderschön bist. Ich liebe dein Lächeln und die Art, wie deine Augen funkeln, wenn dich etwas amüsiert, und …«

»Und trotzdem sehe ich aus wie Olivia Öl.« Sams Tonfall verriet, dass sie nicht davon beeindruckt war, wie der Mann seinen Versprecher wiedergutzumachen versuchte.

»Nicht wirklich.« Mortimers Tonfall zeugte nicht gerade davon, dass er von seinen Worten überzeugt war. Doch das änderte sich, als er fortfuhr: »Hör mal, Honey, ich will damit sagen, dass ich dich nicht durch eine rosarote Brille betrachte. Meine Liebe beruht nicht auf irgendeiner oberflächlichen Wunschvorstellung von dir, und ich werde auch nicht eines Tages aufwachen und feststellen, dass du knubbelige Knie hast.«

»Knubbelige Knie?«, rief sie verständnislos.

»Ich … nein!«, beteuerte er hastig und hörte sich an wie kurz vor einer Panikattacke. »Deine Knie sind natürlich nicht knubbelig. Ich wollte damit nur sagen, dass ich genau weiß, wie du aussiehst. Du bist die Frau, die ich will, und nicht irgendeine alberne Traumfrau wie Jessica Rabbit!«

»Jessica Rabbit?«, wiederholte Sam ungläubig. »Du hast von Jessica Rabbit geträumt? Von einem Zeichentrickkaninchen?«

Cale zog verblüfft die Augenbrauen hoch. In seinem langen Leben hatte er von vielen Dingen geträumt, aber ganz sicher noch nie von einem Zeichentrickkaninchen.

»Natürlich nicht als Kaninchen«, murmelte Mortimer etwas betreten. »Und auch nicht als Zeichentrickfigur. Ich habe eigentlich nicht … ich will damit sagen, dass ich mit ihr nie etwas hätte anfangen wollen. Sie stand nur für den Typ Frau, von der ich dachte, ich würde eine von dieser Art heiraten.«

»Vollbusig und sexy, meinst du?«, gab Sam zurück.

»Ganz genau«, bekräftigte Mortimer und klang erleichtert.

Cale musste nicht erst Brickers frustriertes Stöhnen hören, um zu wissen, dass das wohl die dümmste Antwort gewesen war, die ein Mann in einer solchen Situation geben konnte. Dunkle Haare und große Augen, dazu eine Figur wie ein Besenstiel, das entsprach zumindest nicht seiner Vorstellung von vollbusig und sexy.

»Mortimer, ich bin weder vollbusig noch sexy«, fuhr Sam ihn an. »Wenn du das haben willst, warum sollst du dann den Rest der Ewigkeit mit mir verbringen?«

»Honey, du bist sexy. Du bist intelligent, und eine Frau mit Köpfchen ist sexy.«

»Ganz sicher«, konterte Sam in einem Tonfall, der alles andere als Zustimmung signalisierte.

»Lieber Himmel!«, rief Bricker plötzlich und sprang von seinem Hocker auf, um ins Esszimmer zu gehen.

Cale erhob sich ebenfalls und folgte ihm nach nebenan. Er betrat dicht hinter ihm den Raum und betrachtete interessiert das Paar, das sie beide überrascht musterte.

Brickers Beschreibung passte auf Sam, sie hatte dunkles Haar und große Augen, und so spindeldürr wie eine Bohnenstange war sie auch. Aber zugleich war das auch die unattraktivste Weise, sie darzustellen. Sie hatte dunkles Haar, allerdings nur in dem Sinn, dass sie nicht hellblond war. Es wies mittelbraune ebenso wie rötliche Töne auf, die zusammen ein Kastanienrot ergaben. Und was ihre Augen anging, konnte Cale nur sagen, dass er große Augen bei einer Frau schon immer als sehr anziehend empfunden hatte, doch in ihrem Fall beherrschten sie das schmale Gesicht der jungen Frau. Vermutlich hätten sie sogar ausgesprochen attraktiv ausgesehen, wenn Sam wenigstens ein paar Kilo mehr auf den Rippen gehabt und ihre Wangen etwas rundlicher gewirkt hätten. Genau genommen hätte sie davon profitiert, wenn nicht nur ihr Gesicht etwas rundlicher gewesen wäre. Sie war dicht davor, von einem Arzt als ausgemergelt bezeichnet zu werden. Unwillkürlich fragte er sich, ob sie nicht womöglich an einer Erkrankung der Schilddrüse litt.

Sein Blick wanderte weiter zu Garrett Mortimer, aber von ihm konnte er sich kaum einen Eindruck verschaffen, außer dass er helles Haar und einen muskulösen Körper vorweisen konnte. Alles Weitere rückte in den Hintergrund, da Bricker vor dem Paar stehen blieb und sie beide anherrschte: »Um Himmels willen, was ist eigentlich mit euch los? Sam, du liebst Mortimer, und er liebt dich. Und genau das versucht er dir zu sagen, bloß ist er zu dämlich dazu, es in die richtigen Worte zu verpacken. Aber er liebt dich und will dich so, wie du bist!« Fassungslos schüttelte er den Kopf. »Das solltest du inzwischen eigentlich wissen, verdammt noch mal. Ihr beide treibt es seit Monaten wie die Karnickel, und ihr lasst in keiner Weise erkennen, dass das allmählich mal nachlässt!«

»Bricker!«, ächzte Sam und lief rot an, als ihr Blick voller Entsetzen zu Cale wanderte.

Vermutlich wäre ihre Reaktion nicht ganz so heftig ausgefallen, wenn sich in dem Moment kein Fremder in ihrer Mitte befunden hätte.

»Oh, richtig«, murmelte Bricker und drehte sich mit einem leisen Seufzer zu Cale um, da er wohl einen Augenblick lang den Besucher vergessen hatte. »Sam, Mortimer, das ist Cale Valens. Cale, Garrett Mortimer und Sam Willan.«

»Cale«, sagte Mortimer bedächtig und hielt ihm die Hand hin. Auf einmal konnte er ihn zuordnen. »Der Sohn von Martine Argeneau.«

»Richtig.« Cale schüttelte höflich die dargebotene Hand, dann sah er wieder zu Sam. Zu seinem Erstaunen hatte sich ihre Verlegenheit größtenteils wieder verflüchtigt, und an deren Stelle war ein hellwaches Interesse getreten, das seiner Person zu gelten schien.

»Sind Sie Single, Mr Valens?«, fragte sie, als sie vortrat, um ihm ebenfalls die Hand zu geben.

Cale stutzte angesichts dieser sehr direkten Frage, sah aber dann zu Bricker, da der abrupt auflachte.

»Wie ich sehe, hat dein Einverständnis, dich wandeln zu lassen, sich nicht auf deine Entschlossenheit ausgewirkt, Alex mit einem Unsterblichen zu verkuppeln«, meinte Bricker amüsiert an Sam gewandt. Und an Cales Adresse fügte er warnend hinzu: »Pass lieber auf. Nächstes Wochenende wird sie eine Dinnerparty geben und euch beide miteinander bekannt machen.«

»Warum denn auch nicht?«, ging Sam trotzig dazwischen. »Man kann nie wissen. Vielleicht passen sie ja zueinander.«

»Schatz«, warf Mortimer seufzend ein. »Die Chancen, dass Alex die mögliche Lebensgefährtin für einen Unsterblichen ist, sind äußerst gering. Es ist schon erstaunlich genug, dass Jo sich als Nicholas’ Lebensgefährtin entpuppt hat. Ich weiß nicht, ob man ausrechnen kann, wie astronomisch gering die Aussichten sind, das drei Schwestern allesamt Lebensgefährtinnen sind und …«

»Ach, red doch nicht«, unterbrach sie ihn entschieden. »Außerdem kann es nichts schaden, sie miteinander bekannt zu machen. Alex würde eine gute Unsterbliche abgeben. Sie ist klug, erfolgreich, und sie arbeitet schon jetzt immer nachts. Ich werde sie anrufen und fragen, ob sie zum Abendessen herkommen kann.« Sam wandte sich zum Gehen, doch Mortimer bekam ihren Arm zu fassen und hielt sie zurück.

»Wie wär’s, wenn wir erst mal herausfinden, warum Cale eigentlich hier ist? Dann werden wir auch erfahren, ob er überhaupt Zeit hat, um zum Abendessen zu bleiben«, schlug er ruhig vor.

Sam zögerte nur kurz, bevor sie sich wieder an Cale richtete. »Können Sie zum Abendessen bleiben?«

Als er nickte, grinste sie strahlend und eilte davon.

»Danke, dass du ihr den Gefallen tust«, sagte Mortimer seufzend, während sie ihr hinterhersahen, wie sie den Raum durchquerte.

Cale zuckte mit den Schultern. »Ich tue weniger ihr einen Gefallen als Marguerite.«

»Marguerite?« Sam blieb in der Tür zur Küche stehen und wirbelte herum, wobei ihre Augen noch etwas größer zu werden schienen, was anatomisch kaum möglich war.

Verdutzt nahm Cale zur Kenntnis, dass die Frau von irgendeiner Gefühlsregung nahezu überwältigt wurde, die er nicht deuten konnte. Eben wollte er ihre Gedanken lesen, um sich Klarheit zu verschaffen, da lenkte Mortimer ihn ab, als er mit tiefer, aber genauso erschrockener Stimme wie Sam fragte: »Marguerite?«

Schließlich sah Cale zu Bricker, der ihn so wie Mortimer mit unverhohlener Neugier betrachtete. Er verzog den Mund und gestand: »Marguerite hat es sich aus irgendeinem Grund in den Kopf gesetzt, dass ich mich mit Sams Schwester Alex treffen soll.«

»Tatsächlich?«, hauchte Sam und kam auf ihn zu.

Unbehaglich trat er von einem Fuß auf den anderen, als er zugab: »Ja, sie scheint zu glauben, dass wir zueinander passen … ich gehe zwar davon aus, dass sie sich irrt, aber es kann nicht schaden, wenn ich Marguerite den Gefallen tue und mich mit Alex treffe.«

»Ich lasse sie sofort herkommen!«, erklärte Sam entschieden, wirbelte erneut herum und war aus der Küche verschwunden, bevor irgendjemand etwas sagen konnte.

Ein belustigtes Schnauben ließ Cale zu Bricker schauen. »Du machst doch Witze, oder?«, fragte der jüngere von beiden.

»Inwiefern?«, entgegnete Cale und setzte eine finstere Miene auf. Er mochte es nicht, wenn man sich über ihn lustig machte, denn das war genau das, was der junge Mann tat, der ihn zudem mit einer sonderbaren Mischung aus Mitleid und Neid ansah.

»Insofern, als du davon ausgehst, dass Marguerite nicht richtigliegt«, erklärte Bricker und klopfte ihm auf die Schulter. »Kumpel, wenn Marguerite so ein ›Gefühl‹ hat, dass du der Richtige für Alex sein könntest, dann seid ihr damit schon so gut wie ein Paar. Das ist genau das, was Marguerite macht. Sie findet einen Lebensgefährten für alles und jeden, wenn sie es irgendwie hinkriegen kann. Jedes Paar, das in den letzten Jahren zueinandergefunden hat, wurde von ihr zusammengebracht.«

»Jedes Argeneau-Paar«, berichtigte Mortimer ihn mit Nachdruck. »Bei Sam und mir hatte sie ihre Finger nicht im Spiel.«

»Na ja, Wetten würde ich darauf nicht abschließen«, konterte Bricker ironisch. »Vermutlich hat sie Lucian vorgeschlagen, uns genau diesen Auftrag auf dem Land zu erteilen, weil sie gehofft hat, dass einer von uns zu einer der Schwestern passt.«

Mortimer verdrehte die Augen angesichts dieser Überlegung. »Sie kann nichts von der Existenz der Schwestern gewusst haben. Ich glaube, sie ist sogar noch nie in Deckers Cottage gewesen.«

»Ach, hat er dir das nicht gesagt?«, fragte Bricker amüsiert.

»Was denn?« Mortimer sah ihn ein wenig argwöhnisch an.

»Marguerite hat ihm geholfen, dieses Cottage zu finden. Da er immer so viel zu tun hat, hat sie ihm die Arbeit abgenommen und sich in der Gegend nach Häusern umgesehen, die zum Verkauf standen. Und so hat sie ihm das Cottage gleich neben dem von Sam und ihren Schwestern vorgeschlagen, weil das das schönste war.«

»Oh Gott«, stöhnte Mortimer auf.

Bricker musste erneut lachen, während Cale nur interessiert zwischen den beiden hin und her sah. »Ist sie tatsächlich so gut darin, Lebensgefährten für Unsterbliche zu finden?«

»Das kann man wohl sagen«, versicherte Bricker ihm. »Wenn Marguerite also glaubt, dass Alex die Richtige für dich ist, dann ist die Sache schon entschieden. Sieht so aus, als wären deine Tage als Junggeselle gezählt, mein Freund. Ich wette, du kannst es gar nicht erwarten.«

Cale zog ein nachdenkliches Gesicht bei diesen Worten und entgegnete ein wenig steif: »Nicht jeder von uns fühlt sich einsam und will unbedingt eine Lebensgefährtin haben. Einige von uns führen auch so ein relativ glückliches und ausgefülltes Leben.«

»Aber klar doch«, sagte Bricker und meinte das genaue Gegenteil.

Cales Miene blieb finster, aber er ritt nicht weiter auf dem Thema herum. Warum sollte er sich die Mühe machen? Es stimmte sowieso nicht.

»Sie wollen mich wohl auf den Arm nehmen.« Alex Willan starrte den Mann, der vor ihrem Schreibtisch stand, ungläubig an. Peter Cunningham – oder Pierre, wie er lieber genannt werden wollte – war ihr Chefkoch – ein kleiner, bärtiger Mann mit Glupschaugen. Er hatte sie schon immer an ein Wiesel erinnert, doch so deutlich wie in diesem Augenblick war ihr das noch nie zu Bewusstsein gekommen. »Sie können nicht einfach so kündigen. Das neue Restaurant wird in zwei Wochen eröffnet.«

»Ja, ich weiß.« Er nickte betrübt. »Aber sehen Sie, Alexandra, er bietet mir ein kleines Vermögen an …«

»Das ist mir klar, schließlich will er mich auf diese Weise ruinieren«, herrschte sie ihn an.

Peter zuckte gleichmütig mit den Schultern. »Na ja, wenn Sie sein Angebot überbieten …«

Argwöhnisch kniff Alex die Augen zusammen. Ihr war nicht entgangen, dass er »überbieten« gesagt hatte. Nicht »gleichziehen« oder »annähern«, nein, er wollte noch mehr haben. Das kleine Monster war tatsächlich ein Wiesel ohne einen Funken Loyalität im Leib … aber sie brauchte ihn.

»Wie viel?«, fragte sie knapp und musste sich zum Weiteratmen zwingen, als er seine Antwort hinmurmelte. Großer Gott! Das war das Dreifache von seinem jetzigen Gehalt und das Doppelte von dem, was sie sich leisten konnte … was er natürlich ganz genau wusste.

Das war eine völlig utopische Summe, kein Koch verdiente so viel, und er war es auch nicht wert. Zugegeben, Peter war gut, aber nicht so gut. Es ergab keinen Sinn, dass Jacques Tournier, der Eigentümer des Chez Joie, ihm ein solches Gehalt zahlen wollte. Doch dann durchschaute Alex auf einmal seinen Plan. Jacques stellte ihn ein, damit sie ohne Chefkoch dastand. Er würde ihn zwei oder drei Wochen bei sich beschäftigen, also lange genug, um sie in Schwierigkeiten zu bringen, und dann würde er Peter unter irgendeinem Vorwand feuern.

Alex setzte zum Reden an, um ihn zu warnen, worauf er sich da einließ, doch sein überheblicher Gesichtsausdruck hielt sie davon ab. Peter war schon immer ein selbstsüchtiger Mistkerl gewesen. Es war schon schlimm genug gewesen, als er noch Souschef gewesen war, doch in der kurzen Zeit seit seiner Beförderung zum Chefkoch war sein ohnehin aufgeblähtes Ego auf mindestens das Zehnfache angeschwollen. Nein, überlegte sie und seufzte. Er würde ihr kein Wort glauben, sondern es als Geschwätz abtun.

»Ich weiß, Sie können das nicht bezahlen«, sagte er mit einer verlogenen Mitleidsmiene. Dann fügte er gar nicht mehr so mitfühlend an: »Geben Sie es einfach zu, dann muss ich hier nicht meine Zeit vergeuden und kann gehen.«

Alex presste wütend die Lippen zusammen. »Wenn Sie es doch von vornherein wussten, warum haben Sie sich dann überhaupt die Mühe gemacht, mich darauf anzusprechen?«

»Sie sollten nicht den Eindruck gewinnen, ich sei durch und durch illoyal. Hätten Sie den Betrag überboten, wäre ich geblieben.«

»Wie nett von Ihnen«, konterte sie sarkastisch.

»De rien«, gab er zurück und ging zur Tür.

Fast hätte Alex ihn gehen lassen, aber ihr Gewissen gewann die Oberhand. Ob er ihr nun glauben würde oder nicht, war ihr egal. Sie musste wenigstens versuchen ihn zu warnen, dass er dabei war, sich selbst ein Bein zu stellen. Wenn Jacques ihn erst einmal gefeuert hatte – was sie nicht eine Sekunde lang bezweifelte –, würde Peter mit einem Makel behaftet sein. Jeder in der Branche würde dann wissen, dass er erst bei ihr gekündigt hatte und dann von Jacques vor die Tür gesetzt worden war. Selbst diejenigen, die nicht durchschauten, dass Jacques ihr mit diesem Manöver eins auswischen wollte, würden davon überzeugt sein, dass er einen guten Grund gehabt hatte, Peter nach so kurzer Zeit schon wieder zu entlassen.

Alex hatte kaum angefangen, ihren Verdacht auszusprechen, da schüttelte er schon den Kopf. Dennoch ließ sie sich nicht abhalten und sprach das aus, was ihr Gewissen ihr diktierte. Als sie geendet hatte, bedachte er sie mit einem abfälligen Grinsen.

»Ich wusste, Sie würden sich darüber ärgern, Alexandra, aber es macht mich traurig, wenn ich höre, was für eine alberne Theorie Sie da entwickelt haben. Tatsache ist, dass ich mich hier schon seit einiger Zeit unter Wert verkaufe. Ich habe mir in der letzten Zeit den Ruf erarbeitet, ein außergewöhnlich guter Koch zu sein, seit ich in Ihrer Küche tätig bi…«

»Zwei Wochen«, korrigierte sie ihn ungeduldig. »Ich habe Sie erst vor zwei Wochen zum Chefkoch befördert. Und Sie kochen noch immer nach meinen Rezepten, nicht nach irgendeinem Ihrer eigenen, angeblich so brillanten Rezepte. Da dürfte Ihnen doch klar sein, dass es einfach nur lächerlich ist, wenn jemand Ihnen ein solches Gehalt bezahlen würde, damit …«

»Nein, ich finde es gar nicht lächerlich. Ich bin brillant. Jacques hat mein Potenzial erkannt und weiß, dass ich es wert bin, meiner Leistung entsprechend bezahlt zu werden. Sie sehen das offenbar anders, Sie haben versucht, mich mit einem Taschengeld abzuspeisen. Jetzt bekomme ich das Gehalt, das mir zusteht, und ich werde endlich die Früchte meiner Arbeit ernten können.« Mit verbissener Miene fügte er dann noch hinzu: »Und Sie werden mich nicht dazu bringen, bei Ihnen zu bleiben, indem Sie mir solche albernen Geschichten auftischen.«

Mit einem beleidigten Schnauben machte Peter auf dem Absatz kehrt und stürmte hoch erhobenen Hauptes aus ihrem Büro.

Alex schüttelte den Kopf und schloss die Augen. Am liebsten hätte sie dem Mann in diesem Moment einen Schwall übelster Beschimpfungen hinterhergeschickt. Vermutlich würde es ihr Genugtuung bereiten, wenn der Moment gekommen war, dass er von seinem hohen Ross gestoßen wurde. Das Dumme daran war nur, dass sie ohne Chefkoch bereits vor ihm zu Boden gehen würde.

Fluchend begann sie ihr Adressregister zu durchforsten. Vielleicht konnte ja ein alter Freund von der Kochschule für ein paar Tage aushelfen. Aber wenn sie nicht schnellstens jemanden fand, der Peters Platz einnahm, dann war sie ruiniert.

Eine Stunde später war Alex im Register beim Buchstaben W angelangt, und noch immer gab es keine Aussicht auf eine Lösung für ihr Dilemma. Das Telefon klingelte und riss sie aus ihren Gedanken. Verärgert über diese Störung, riss sie den Hörer vom Apparat und zischte ein »Hallo?«, während sie mit der freien Hand weiter in ihrem Adressregister nach einem möglichen Retter suchte.

»Ich habe jemanden, den du kennenlernen solltest.«

Alex stutzte angesichts dieser sonderbaren Begrüßung, und erst mit Verspätung dämmerte ihr, dass es die Stimme ihrer Schwester war, die da aus dem Hörer drang. Als ihr das klar wurde, seufzte sie leise. Das konnte sie jetzt so überhaupt nicht gebrauchen. Sie war es leid, sich von Sam einen Mann nach dem anderen vorstellen zu lassen, mit dem sie sie verkuppeln wollte. Das ging jetzt schon seit acht Monaten so.

Es war schon nervtötend gewesen, als ihre jüngere Schwester Jo auch noch Single war, aber nachdem die inzwischen Nicholas gefunden hatte, konzentrierte sich Sam voll und ganz auf Alex, damit sie auch noch einen Mann abbekam. Das alles wäre vermutlich halb so schlimm gewesen, wenn einer von den Kandidaten, die Sam anschleppte, sich auch nur ansatzweise für sie interessiert hätte. Aber jeder von ihnen hatte sich ihr nicht mehr als ein paar Sekunden gewidmet, nur um sie von da an völlig zu ignorieren.

Dieses Verhalten hatte ihr Selbstbewusstsein so unterhöhlt, dass sie zu fasten begonnen hatte, um ein paar Kilo abzunehmen. Außerdem hatte sie ein Fitnessprogramm in Angriff genommen, obwohl das zu den Dingen zählte, denen sie nicht das Geringste abgewinnen konnte. Und um auch noch den letzten denkbaren Grund für diese rigorose Ablehnung vonseiten der Männer auszuschließen, hatte sie zu neuem Make-up gegriffen und ihren Kleidungsstil geändert.

Sich erneut eine Abfuhr einzuhandeln war wirklich das Letzte, was sie jetzt brauchen konnte, doch Alex wusste auch, dass Sam es nur gut meinte. Also zwang sie sich, Geduld aufzubringen, und sie schaffte es, in einem Tonfall mit ihr zu reden, dem man ihre Gereiztheit nur ansatzweise anmerkte. »Sam, Schätzchen, mein Chefkoch hat gerade eben gekündigt, und mir bleibt nur noch eine Stunde, um Ersatz aufzutreiben, bevor die ersten Gäste zum Abendessen auf der Matte stehen. Ich habe jetzt wirklich keine Zeit, mich von dir verkuppeln zu lassen.«

»Oh, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er der Richtige ist, Alex«, beharrte sie.

»Kann ja sein, aber wenn er nicht gerade ein Weltklassekoch ist, habe ich keinen Bedarf«, sagte Alex mürrisch. »Ich muss jetzt Schluss machen.«

»Aber das ist er!«

Alex hielt inne, kurz bevor sie den Hörer auf die Gabel legte, und nahm ihn wieder ans Ohr. »Was ist er?«

»Ein Koch«, antwortete Sam, jedoch in einem Tonfall, der es eher nach einer Frage als nach einer Aussage klingen ließ. Jedenfalls genügte es, um Alex argwöhnisch werden zu lassen.

»Tatsächlich?«

»Ja.« Nun klang Sam überzeugender.

»Wo hat er denn zuletzt gearbeitet?«, fragte sie skeptisch.

»Ich … ich weiß nicht so genau. Er ist aus Europa.«

»Aus Europa?« Das hörte sich für Alex schon interessanter an. In Europa gab es einige hervorragende Kochschulen. Sie selbst hatte so eine besucht.

»Ja«, beteuerte Sam. »Deswegen bin ich ja auch so davon überzeugt, dass er der Richtige sein dürfte. Er liebt das Kochen genauso wie du.«

Nachdenklich trommelte Alex mit den Fingern auf den Schreibtisch. Irgendwie war dieser Zufall zu schön, um wahr zu sein, dass Sam ihr genau in dem Moment einen Chefkoch vorstellen wollte, in dem sie händeringend einen suchte. Andererseits hatte sie in den letzten Monaten genug Pech erlitten, weshalb sie zur Abwechslung ruhig einmal Glück haben konnte. Schließlich fragte sie: »Wie heißt er?«

»Valens.«

»Noch nie gehört«, murmelte sie, doch schon im nächsten Moment wurde ihr bewusst, wie dumm diese Äußerung eigentlich war. Sie konnte nicht jeden einzelnen Chefkoch namentlich kennen, der irgendwo in Europa arbeitete. Tatsächlich kannte sie nur ein paar aus ihrer Zeit an der Kochschule, und dann natürlich die, die weltbekannt waren.

»Hör zu, er ist Koch, und du suchst einen Koch. Da kann es doch nicht schaden, wenn du dich mit ihm triffst, oder?«, fragte Sam. »Ich schwöre dir, du wirst es nicht bereuen. Ich glaube ehrlich, dass es funktionieren wird. Marguerite irrt sich nie. Du musst ihn einfach kennenlernen.«

»Marguerite?«, wiederholte Alex verwundert. Sie kannte den Namen, das war die Tante von Decker Argeneau, einem von Mortimers Bandkollegen. Alex war ihr noch nie begegnet, aber Sam redete des Öfteren von ihr. Allerdings hatte sie keine Ahnung, welche Rolle diese Frau bei dem Ganzen spielte.

»Triff dich einfach mit ihm«, bettelte Sam.

Alex seufzte, während sie mit den Fingernägeln auf die Schreibtischplatte trommelte. Sie konnte Sam anmerken, dass sie ihr irgendetwas verheimlichte, nur damit das Treffen zustande kam, dabei konnte Alex es sich im Moment nicht erlauben, noch mehr Zeit zu verlieren. Doch andererseits stand da Sams Bemerkung im Raum, dass dieser Valens kochen konnte und dass sie deshalb der Meinung war, sie beide würden sich gut verstehen. Alex konnte nur hoffen, dass das der Wahrheit entsprach. Aber abgesehen davon konnte sie im Moment ohnehin nicht wählerisch sein. Wenn der Mann einigermaßen gut kochen konnte, war sie auf jeden Fall an ihm interessiert – nur eben nicht aus den Gründen, die Sam Anlass zur Hoffnung gaben.

»Schick ihn her«, sagte sie knapp und knallte sofort den Hörer auf, ehe sie es sich doch noch anders überlegte.

Cale erzählte Bricker und Mortimer soeben von der Hochzeit mehrerer Mitglieder seiner Familie mit ihren Lebensgefährtinnen in New York, bei der er auch zugegen gewesen war, als Sam ins Zimmer zurückgeeilt kam. »Alles klar«, verkündete sie aufgeregt. »Sie müssen sofort zu ihrem Restaurant fahren.«

»Sie sagten doch, sie würde herkommen«, entgegnete er irritiert.

»Ja, aber es gab eine kleine Änderung im Programm. Alex hat ein Problem in ihrem Lokal und kann nicht herkommen«, erklärte Sam, packte ihn am Arm und zog ihn in Richtung Küchentür hinter sich her. »Da fällt mir ein: Können Sie eigentlich kochen?«

Cale blieb wie angewurzelt stehen, sodass auch sie stehen bleiben musste, und erwiderte steif: »Ich esse nicht.«

»Danach habe ich Sie nicht gefragt«, stellte sie klar. »Können Sie kochen?«

»Warum sollte ich kochen können, wenn ich nicht esse?«, fragte er bissig.

»Das eine schließt das andere nicht aus«, sagte sie unbeeindruckt, schnalzte ungehalten mit der Zunge und versuchte wieder, ihn hinter sich herzuziehen. »Modedesigner tragen schließlich auch keine Frauenkleider, nur weil sie sie entwerfen.«

»Woher willst du wissen, dass sie die Kleider nicht selbst tragen?«, warf Bricker amüsiert ein und lenkte Cales Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass die beiden Männer ihnen gefolgt waren und jetzt neben ihnen standen.

Mortimer lachte über die Bemerkung, aber Sam schien daran nichts Lustiges zu finden. Stattdessen zog sie zähneknirschend an Cales Arm. »Jetzt kommen Sie schon. Sie müssen sich bei ihr blicken lassen, bevor sie es sich anders überlegt und das Büro verlässt.«

Cale entzog seinen Arm ihrem Griff. »Ich koche nicht, und ich verspüre auch nicht den Wunsch, einen Ort aufzusuchen, an dem es nach gekochtem Essen stinkt. Sie werden das Treffen für einen anderen Tag an einem anderen Ort arrangieren müssen. Ich bin nicht daran interessiert, sie an ihrem Arbeitsplatz aufzusuchen.«

2

»Ich kann es nicht fassen, dass Sam ihrer Schwester erzählt hat, ich sei Koch«, murmelte Cale zum x-ten Mal, seit er auf dem Beifahrersitz seines Mietwagens Platz genommen hatte. Justin Bricker saß am Steuer und fuhr den Wagen vom Grundstück der Vollstrecker.

»Dann wird es aber Zeit«, meinte er ironisch. »Sam will ihre Schwester unbedingt mit einem Unsterblichen verkuppeln. Sie und ihre Schwestern sind unzertrennlich, deshalb wird sie alles daransetzen, jemanden für sie zu finden, damit Alex nicht irgendwann auf der Strecke bleibt.«

»Hmm.« Wenn Cale es unter diesem Aspekt betrachtete, konnte er ihr Verhalten in gewisser Weise verstehen. Er hatte oft darüber nachgedacht, dass es für Sterbliche schwierig sein musste, sich von ihren Freunden und Verwandten zu trennen, um mit dem Unsterblichen zusammenleben zu können, den sie liebten. Natürlich waren damit auch viele Vorteile verbunden, allem voran ewige Jugend und eine Liebe und Leidenschaft, von der Sterbliche nur träumen konnten. Dennoch war für seinen Clan die Familie ein wichtiger Faktor, und seiner Ansicht nach sprach es für den Charakter von Sam und ihren Schwestern, dass sie der Verbundenheit zur Familie einen so großen Stellenwert einräumten.

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