LIFE IS A PARTY! - Claudia Obert - E-Book
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LIFE IS A PARTY! E-Book

Claudia Obert

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Beschreibung

Ich war in der Sauna vom Elysée Hotel, Hamburg City, bisschen Massage danach, Schwimmen und so – und gehe mit einem Champagner auf die Terrasse. Da sagt eine Stimme aus dem Hintergrund: »Sie lassen es sich aber gut gehen, das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist guter Sex.« Daraufhin ich: »Dafür sind Sie gleich zuständig.« Wenn Claudia Obert am Start ist, kann man sich sicher sein, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Mit ihren »Luxus Clever«-Boutiquen hat sie sich nicht nur als Geschäftsfrau einen Namen gemacht, sondern parallel dazu auch als Reality-TV-Star mit einem unstillbaren Durst nach Champagner. In populären Unterhaltungsshows wie Promis unter Palmen oder Promi Big Brother hat sie sich innerhalb kürzester Zeit einen festen Platz im Herzen der Trash-TV-Liebhaber gesichert. Pünktlich zu ihrem 60. Geburtstag legt die Luxus-Lady wirklich alle Karten auf den Tisch. Ehrlich wie noch nie gewährt sie einen schonungs- und hüllenlosen Einblick in ihr wildes Leben voller Sexabenteuer und großer Deals in der Modewelt sowie in die erotischen Abgründe der High Society.

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Seitenzahl: 247

Veröffentlichungsjahr: 2021

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CLAUDIA OBERT

MIT MARTINA TAUBERT

LIFE IS A Party!

CLAUDIA OBERT

MIT MARTINA TAUBERT

LIFE IS A Party!

Mein Leben zwischen Champagner, Männern und Millionen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Wichtiger Hinweis

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

2. Auflage 2021

© 2021 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Redaktion: Redaktionsbüro Diana Napolitano

Redaktionelle Mitarbeit: Nadine Rosenberger

Umschlaggestaltung: Isabella Dorsch

Umschlagabbildung: © Marc Rehbeck

Satz: abavo GmbH, Buchloe

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-7423-1917-3

ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-1641-4

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-1642-1

Weitere Informationen zum Verlag finden sie unter

www.rivaverlag.de

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Inhalt

Kapitel 1 Mein Corona-Krisenmanagement

Kapitel 2 Es rappelt in der Kiste

Kapitel 3 Dr. Sommer hat gesagt

Kapitel 4 Tränen lügen nicht

Kapitel 5 Taschengeld à la Obert

Kapitel 6 Claudi goes Jetset

Kapitel 7 Aus Spaß wurde Ernst

Kapitel 8 Nennt mich Lustnutte

Kapitel 9 Der Dicke

Kapitel 10 Mein Weg zur ersten Million

Kapitel 11 Wo sind Claudis Millionen?

Kapitel 12 Wie ich Realitystar wurde

Kapitel 13 Meine Busenfreundin La Nick

Kapitel 14 Meine heißesten Nümmerchen

Kapitel 15 Warum ich Mel Gibson meinen berühmtesten Spruch verdanke

Kapitel 16 Meine größten Flops mit dem männlichen Geschlecht

Kapitel 17 Einmal Schamlippen in den Nacken tackern

Kapitel 18 Wie – die Obert ist auch noch bi? Kassensturz zum 60.

Anhang Claudis Lieblingsrezepte

Über die Autoren

Kapitel 1 Mein Corona-Krisenmanagement

»Ich glaube, ich muss dich mal besuchen, ist Hamburg schon abgeriegelt oder kann ich noch bei dir klingeln,« fragte ein gewisser Kai M. per SMS und mit reichlich Buchstabensalat.

Mit einem Kai hatte ich noch nie was, kann ich schwören – hatte zwar das Alphabet schon achtmal durch – von hinten bis vorn – aber noch nie einen Kai. Horst auch noch nicht. Detlef auch nicht.

Normalerweise lösche ich so eine Nachricht. Aber nicht am 22. März 2020. Seit einer Woche saß ich nämlich schwer auf dem Trockenen. Auch untenrum. Ich litt an akutem Corona-Coitus-Interruptus, seit mir das Virus den Zugang zu den einschlägigen Revieren verschloss. Stammlokale, wo ich in ungezwungener Atmosphäre seit Jahren unkompliziert mit paarungswilligen Jungs anbandel: Lockdown.

Mein Standardspruch seit Jahren: »Ich glaub, du willst mich kennenlernen.« Es gibt ja ganze Regale voll mit Büchern über Flirt-Tipps – dabei reichen dieser eine Satz und ein Lächeln. Aber seit dem 16. März hockte ich nicht nur auf einem Berg frisch gelieferter Sommerware mit Verfallsdatum Mai – sondern auch allein auf meinem Sofa, mein Verfallsdatum ebenfalls vor den Augen. Mit fast 60 haste echt keinen Puffer mehr für ne Pandemie.

Bis auf die Supermärkte wurden fast alle Geschäfte sowie Schulen und Kitas geschlossen, inklusive meinem Bazaar. Da hingen sie, die Etuikleider von einer gaaanz exklusiiiven Firma aus Loooondon. Der Tourismus wurde runtergefahren, also nix Fluchtpunkt Ibiza und die Nachbarländer machten die Grenzen dicht. Fehlte nur noch die elektronische Fußfessel.

Seit 30 Jahren verkaufe ich Schuhe und Klamotten – mir war klar, das ist meine erste fette Krise – und ich begriff sofort – auch die Firma Schnackselhuber & Söhne hat ne heftige Flaute. Ich meine, wenn ich schon nicht arbeiten kann, dann will ich doch wenigstens knattern.

»Vielleicht kann dich ja mein Besuch reizen … überleg es dir« – es machte pling auf meinem Handy und Kai legte nach. Ich war total gelangweilt und wollte den Typ eigentlich nur hochnehmen und fragte: »Wie lange brauchst du, wann bist du hier?« Und er schrieb promptamente zurück: »Wo wohnst du denn? Da schaue ich mal und kann dir einen Preis nennen.« Der erste Impuls: Kostenvoranschlag? Kai ist Handwerker. Vielleicht Klempner? Ich sollte auf Anhieb richtig liegen – denn der Junge wollte bei mir Rohre verlegen. Ein Profi. Ein echter Callboy. Ein Handlungsreisender in Sachen mal ordentlich bei den Damen die Geräte durchpüstern.

Mit dem Charme eines zuverlässigen Klempnermeisters, der als Dienstleister alles hundertprozentig machen will, ging’s erst mal um die Preise: »385 km Anfahrt. Das ist sportlich« schrieb der Kölner, dem die Frauen vertrauen. »Wie lange möchtest du mich erleben? Was willst du ausgeben, dann geht’s einfacher.«

»Ich mache Hausbesuche.« Die Verhandlungen nahmen Fahrt auf – Richtung Hamburg-Eppendorf. Meine Antwort: »Vorfreude ist die schönste Freude.« Er war auf jeden Fall mit mehr Ernst bei der Sache – ich wollte eigentlich nur mal aufs Menü und die Preisliste gucken, war nur neugierig. Denn ich bin ja nun seit 45 Jahren sexuell recht überdurchschnittlich aktiv, aber ein Callboy, das war neu.

»550 Euro An- und Abfahrt – und für 1000 Euro bin ich 4 Stunden lang dein Gast.«

Mööööööööp. Gast? Ich zahl doch nicht 250 Euro Stundenlohn für einen »Gast« und tippte mir selbst an die Stirn, während ich aufs Handy starrte und meine Antwort formulierte. Doch nicht 1550 Euro dafür, dass Kai sich bei mir vier Stunden lang die Kölner Klöten schaukelt.

»Du hast den Führerschein auf Frauen gemacht – aber wer sagt, dass ich dich sexy finde? Du hast ein Bild von mir, ich aber nicht von dir.«

Ich sag nur: Vorsicht vor einem Blind Date. Was bei Cameron Diaz in Hollywood immer total supi läuft, flutscht zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen eher nicht immer so. Ich hatte mal einen am Telefon mit ner Stimme, mit der er dich schon am Apparillo feucht quatscht, und dann sitzt da am Treffpunkt ein Hobbit – mit Nelke im Knopfloch – an der Bar und du musst auf Magen-Darm machen, damit du sauber aus der Nummer rauskommst.

Ich hab’s auch letztens auf Ibiza erlebt – da hat ne Truppe Männer sich Nutten bestellt, aber als die fünf kamen, gefielen sie nicht. Der einen fehlte ein Zahn, die andere hatte keine Titten und die Dritte roch nach Klostein. Muss man sich ersparen so unangenehme Situationen, geschäftlich wie privat – immer raus mit der Sprache – die meisten Leute verdaddeln zu viel Zeit mit falscher Höflichkeit und wundern sich dann, wenn die Dinge schieflaufen.

Von daher, als Callboy Kai dann noch kurz textete »nur Vorkasse« antwortete ich: »Horrorvorstellung, ich weiß nicht wer kommt, bin dann vielleicht abgeturnt und muss dann auch noch mit dir vögeln, weil ich bereits bezahlt hab und ich die vorausgezahlten 1550 Euro nicht mehr zurückbekomme.«

Ließ Kölner-Klöten-Kai nicht auf sich sitzen: »Ich bin ein Kerl. 1,94 m und 105 kg, groß, breit, bärtig.«

Claudi: »Wenigstens größer als eine Parkuhr.«

Kai: »An mir ist alles ein wenig größer.«

Dann kam ein Foto. Mehr Haare im Gesicht als der Bär an den Eiern. Auf einem weißen Flauschteppich steht Mr. Lover Boombastic vor einer weißen Lackschrankwand. Guter Schuh, sieht die Fachfrau sofort, schwarze Hose, schwarzes Hemd, selbstbewusste Pose, gute Zähne, ein Lächeln, Foto endet an der Oberlippe. Auf einem zweiten Foto dann das ganze Gesicht mit Sonnenbrille auf ner ziemlich großen Nase.

Höflich, wie man einen Kostenvoranschlag halt in guten Handwerkerkreisen beendet, textet Kai: »Ich würde mich sehr über deine Buchung freuen.«

Hochachtungsvoll dein neuer Stecher, denke ich.

Einen Tag später stand die Auftragsvergabe noch aus. Ich zögerte und er merkte das. Er musste das schon tausendmal gemacht haben. Wenn du einen Deal machen willst, musst du dranbleiben – und sehen, dass du einen Fuß in die Tür bekommst. Oder dein Ding Dong in den Schritt. Kai wusste das.

»Nimm doch die vier Stunden ohne Zeitdruck, Spaß haben, Prickeln und gemeinsam die Laken zerwühlen.« Mit solchen Nachrichten setzt der Profi immer wieder Impulse – bis du denkst: »Oh ja – Laken zerwühlen, now, jetzt, hier.« Kai legte mit einer Fremdsprache nach: »I’m that guy in a suit and tie that will act like a gentleman in public, hold the door, buy flowers but will bend you over pull your hair, and slap your ass in the bedroom.«

Fifty Shades of Grey im Rheinland. Ein gegoogeltes Meme. Ich kam mit Kai ins Gespräch – man hat ja noch die eine oder andere Frage zum Kleingedruckten. Corona setzte ihm jedenfalls auch zu – eine Amerikanerin, die jedes Jahr nach Europa kommt, um mit ihm einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen, hing in den USA fest. »Damit gehen mir 35 000 Euro durch die Lappen. Das ist ekelhaft.« Seit drei Jahren hat er allein mit dieser Lady 35 000 pro Jahr gemacht – Cash in de Täsch. Olaf Scholz hat von Kai M., Nachname und Adresse unbekannt, noch nie gehört, da bin ich mir sicher.

Am 28. März 2020 – fünf Tage nach der ersten Kontaktaufnahme, stellte Kai die Frage aller Fragen: »Wann hattest du das letzte Mal Sex?«

Seit der Corona-Stress so richtig losging, waren drei Wochen vergangen. Da hatte ich noch mal Spaß mit einem sehr untreuen Ehemann aus Berlin. Der 28. war der Samstag – Montag musste ich nach Köln, für eine TV-Aufzeichnung. Die Produktion hatte mir Limousine mit Fahrer und Hotel organisiert. Ein Drei-Sterne-Vertreter-Schuppen in Pulheim, mit dieser typischen Kirschbaum-Furnier-Kombi aus Bett mit Umrandung und Nachttisch – und auf der Konsole stehen standardmäßig ein Fernseher, Wasserkocher und die immer gleiche Kunstpflanze.

Ja, in dieser Anonymität könnte das erste Treffen mit Kai stattfinden, dachte ich, als ich das Hotel im Netz beluscherte. Seit Promi Big Brother galt ich als Star – Trashstar – Realitystar. Dieses Ding mit der Limousine, die mich abholen würde – irgendwie brachte mich das in Stimmung. Es würde mit dem Chauffeur zwar nur nach Pulheim gehen und nicht nach Paris – aber im Lockdown fickt der Teufel auch in der Provinz. Claudia Superstar bestellt sich einen Callboy ins Hotel. Ich war in einem Hype. Wegen »Promis unter Palmen« lief es eh gut – ständig wollte die Presse was, es war ne Menge Rummel. Okay, der Laden war zu, aber um mich rum war tierisch was los. Fand ich geil. Und Kai erwartete eine echte Prominummer.

Es gibt ja Männer, die haben richtig Bock auf Frauen mit blauem Häkchen bei Instagram. Blaue Häkchen kriegen alle unwiderstehliche Angebote per direct message. Nun also wieder ganz der ordentliche Handwerker Kai, der mich schon instruiert hatte: »Dann legst du unauffällig einen Umschlag mit 1000 Euro auf das Sideboard an der Tür – und dann sehen wir, was gefeiert wird.«

Vereinbart hatten wir 14 Uhr. Wer steht 14 Uhr pünktlich vor der Pulheimer Liebeshöhle? Kai. Er sah gut aus. Wieder ganz in schwarz, ordentliche Lederjacke. Also, wenn die in einer Soap einen Callboy besetzen müssten, das wäre er. Ich hab ihn dann vor dem Hotel aufgegabelt »Heeiiiiii, ich bin die Claudiiiiii« – und davon gibt es sogar noch ein Foto. Ich im grünen Blumenkleid. Hatte mich nicht groß gestylt, schließlich hatte ich eine Verabredung mit einem Stricher. Kein Stricher vom Hauptbahnhof für 50 Euro – mehr die 5000-Euro-Luxus-Liga. Aber ein Stricher.

Die hatten da am Hotel schon Osterdekoration aufgebaut. Und dass ich auf dem Foto ein Ei hochhalte, passte ja perfekt zu dem Nachmittag. Kai hat das Foto gemacht. Ich hab mir eine Flasche Champagner bestellt und Kaffee für Kai. Es war ja mitten im Lockdown, alles war geschlossen, auch die Hotelbar und das Hotelrestaurant. Aber irgendwie hatten die wohl Mitleid mit zwei Lovebirds und schlossen dann das Restaurant für uns auf. Da hockten wir also, wie in einer leeren Bahnhofshalle.

Ich sag zu ihm: »Tach, wie geht’s, haste leicht hergefunden, wo haste geparkt?«

Und er dann auch so: »Ja, guter Parkplatz, schönes Wetter, was bist du im Sternzeichen?«

Also nix: »Isch beiß disch gleich Ohrläppchen.« Aber man muss ja erst mal reinkommen ins Thema. Ich dachte noch, er riecht gut – der ist gekauft – im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man angefixt ist von jemandem und mit dem ficken will, denkt man nicht wie Einstein über die Relativitätstheorie nach – da denkst du nur »let’s do it«. Schnell Kaffee trinken und hoch aufs Zimmer. Ich wusste, ab jetzt tickt die Uhr. Vier Stunden à 250 Euro – aber ich hab mir keinen Stress gemacht. Also das war nicht: Blick auf die Uhr, rein ins Zimmer, dusch dich, rauf auf mich. Also so geht’s auch nicht.

Aber es war eben auch nicht romantisch. Es war klar, es war ein Liebesdeal, ein Liebesdienst. Kein Flirt, kein Gefallen wollen. Die Treppen hoch, in den ersten Stock. Ich schließe die Tür auf und das erste, was Kai macht, ist, er schnappt sich besagten Umschlag mit den 1000 Piepen. Zack.

Ich hab mal bei Arte gesehen, wie schnell ein Chamäleon sich mit der ausfaltbaren Zunge ein Insekt reinflitscht. Hundertstel Sekunde – genauso schnell zockte sich Kais Lederjackenarm den Umschlag. Vorkasse halt. Und ich hab dann auch mal – im Vergleich zu ihm eher langsam, behutsam, dennoch beherzt zugegriffen –, in seinen Schritt. Die Geschäftsfrau kam in mir durch. Nun musste die Ware geprüft werden. So, wie wenn du in Hamburg auf dem Isemarkt zwei mittelgroße Auberginen in deine Handflächen plumpsen lässt, weil du einen Gemüseauflauf machen willst, die Früchte bisschen hin und her wiegst, 100 Gramm, 150 Gramm, so schaukelte ich kurz sein Gemächt. Es gefiel mir und ihm – und für Kai war es die wortlose Aufforderung für »Zieh dich aus«. Bis auf die Designerunterhose legte Kai alles ordentlich auf dem Sessel ab. Bisschen wilder hätte er durchaus sein können. Ich aber auch. Ich war unsicher und der Profi nervös.

»Mach’s dir gemütlich« prostete ich ihm zu und meinte aber was ganz anderes. Da waren sie, Kais drei große K’s: Kraulen, Kneten, Knabbern. Und mein Untergeschoss signalisierte auf der nach oben offenen Feuchtigkeitsskala, der Mann weiß, welche Knöpfe er bei den Damen drücken muss. Das hatte schon was von Klempner – das Rädchen bisschen nach links, noch mal messen, prüfen, noch mal nach rechts justieren. Messstab ranhalten.

Was spießig und unsicher begann, mutierte zu einem recht ordentlichen Nümmerchen. Bei manchem Griff wurde mir schwindlig, top Technik. Also da kannste dich mit manchem Date fünfmal treffen, da schraubt manch einer immer noch nach dreimal Dinner, zweimal Kino, einmal Mau-Mau und Spazierengehen mit Tiefin-die-Augen-gucken sinnlos an dir rum. Dann dachte ich, mich knutscht ein Callboy und plötzlich war seine Unterhose weg. Er war rasiert. Er trug zwar Bart, aber ansonsten war er hairfree, wie ein Marzipanschweinchen so rosig glatt – appetitlich. Dann haben wir ne Runde gevögelt und ich meine, er hat seinen Orgasmus gespielt. Das gehört wohl zum Geschäft, dass du als Kundin das Gefühl bekommst, dass du für ihn aufregend bist. Ausdauer hatte er. Ein bis zwei Stunden Rumrödeln waren kein Problem für ihn. Ich meine Chapeau Kai, dieses Kapitel ist dir gewidmet, denn meine Brüste hängen mittlerweile bisschen doof wie Teebeutel rum – und zwar wie Teebeutel, die schon länger in der Kanne hingen. Die Spannkraft meiner Haut ist nur bei günstigem Licht noch okay.

Es war gut. Keine Gefühle, aber sexy war es schon. Ich dachte, ich hab mir was gegönnt. Nicht der Burner Sex meines Lebens, aber so eine Art Wohlfühl-Wellness-Nachmittags-Fick.

Kai hatte sich dann neben mich gelegt. Ich wollte ein bisschen mehr über seinen Job erfahren und er erzählte recht unterhaltsam Schoten wie »Und dann wurde ich auf ein Kreuzfahrtschiff in Barcelona bestellt, von einem Mann. Der Auftrag: Vögel meine Frau, ich guck zu«. Solche Sachen – oder dass sich auf Ibiza eine ganze Gruppe reicher deutscher Ü60-Frauen in ihren Villen langweilen und du da als Callboy richtig Kasse machst.

Wusste ich auch schon – und wir stellten fest, wir haben gemeinsame Bekannte, seine Kundinnen sind auch meine. Jedenfalls haben wir uns verquatscht und ich hab nicht auf die Uhr geguckt, die ja bekanntlich beim Liebes-Klempner tickt. Fairerweise sagte Kai irgendwann: »Du sagst mir, wenn du möchtest, dass ich gehen soll?«

Uuupssiiii! Zwei Stunden plus waren rum und katsching weitere 500 Euro fällig. Das ist dann auch nicht so, dass er sagt: »Das war nett mit dir, lass mal stecken – oder: »Schön, dass ich dich kennengelernt habe« – oder Kulanz oder Einstiegsrabatt, Promo Code oder VIP-Vorteil – nix. Claudi musste nackt zur Handtasche und fischte noch mal 500 raus, die der Scherenschleifer in die Hosentasche knüddelte.

Also Tipp an alle Mädels, schickt ihn weg, wenn der Orgasmus durch ist. Ich bin echt großzügig, wenn es ums Vergnügen geht, aber 500 Euro dafür, dass Kai rumliegt? Er aber sagt, es geht nicht nur um die Zeit, in der er stempelt, sondern er sei auch Gesellschafter. Jedenfalls war jetzt alles klar. 250 die Stunde, 2500 über Nacht als Pauschale, 5000 fürs Wochenende – alles plus An- und Abfahrt.

Als die Tür ins Schloss schnappte und so meine erste Nummer mit einem Callboy endete, dachte ich: Er war sein Geld wert. Denn ehrlich gesagt, hatte ich in den letzten Jahren auch nicht mehr die erste Garnitur im Bett. Was hab ich mich schon durch Schlepphoden mit grauen Stachelbeerhaaren am Sack gewühlt. Schön ist anders. Schön ist Kai. Und so kam ich mit ihm ganz gut durch die Corona-Krise – sexuell. Es war ein bisschen so, wie wenn du Bock auf ein Brathähnchen hast. Da rufste ja auch den Lieferservice an.

»Meld dich, wenn dein Fleisch brennt«, schrieb er schon zwei Tage später, »mein Feuerlöscher steht dir zur Verfügung.«

Kai dachte, ich bin gut für 10 000 Euro im Monat. Oder mehr. »Wenn du nach Ibiza fliegst, nimm mich doch mit, ich mache dir einen Sonderpreis, 10 000 Euro für die ganze Woche, plus Flug, Logis, Essen.« Und Trinken natürlich. Er schlug es vor, weil er einige Kundinnen hat, die so bei ihm buchen.

Nach einem weiteren Knatter-Treffen schrieb er: »Guten Morgen, ich hoffe, mein Besuch hat dir gefallen. Ich würde mich freuen, wenn wir uns bald wiedersehen und du mich weiterempfiehlst.«

Zu Weihnachten fragte Kai mich, ob ich meinen Freundinnen Gutscheine für einen Fick mit ihm schenken will. Grundsätzlich ne schöne Idee, allemal besser, als die x-te Duftkerze zu kredenzen, zumal die meisten meiner Freundinnen es auch unwitzig finden, mit dem eigenen Mann auf dem Sofa zu sitzen und Traumschiff zu gucken oder ne Netflix-Serie.

Ich weiß ja, dass die meisten der Frauen, die ich kenne, so ticken – alle hätten gern mehr Sex, mehr versaut, mehr verboten, mehr dirty, mehr mit anderen Männern. Nur, die wenigsten trauen sich. Deshalb gelte ich halt als übelst krass. Weil ich das tue, was ich will und was mir guttut und was andere sich nicht wagen. Aber Callboy-Gutscheine für meine Freundinnen zu Weihnachten? Soweit geht’s dann doch nicht, auch wenn ich manchmal denke, man müsste ne Charity für die vielen schlecht gefickten Mädels initiieren. Aber Charity war nicht. Zur Erinnerung: Ich steckte wie alle mitten in der Pandemie und hatte bis dahin rund 25 000 Euro an Kai verplempert. Wenn man das Geld hat und es einen nicht juckt, dann ist es eine Empfehlung von mir.

Aber Geld wurde in Corona auch für mich ein Problem. Bei 18 000 Euro Monatsmiete allein für den Hamburger Laden, den ich nicht öffnen durfte, verging mir zeitweise sogar die Lust auf Sex. Vor lauter Stress und Sorgen. Als ich Kai zuletzt noch mal gebucht hatte, sah er aus wie ne helle Badezimmerkachel. Die Sonnenstudios hatten schließlich auch zu. Und so hatte Kai bisschen Federn gelassen in der Krise, paar Corona-Pfunde zu viel auf den Hüften – also er war ne Erfahrung, aber die Begeisterung steigerte sich nicht.

»Ich bekomme noch 60 Euro von dir«, sagte der Mann, der mich für den Wert eines Kleinwagens begattet hatte.

Tatsächlich hatte er mal in Köln 60 Euro für Pizza ausgelegt, als ich mein Portemonnaie irgendwo liegengelassen hatte. Nun also wollte er ein Jahr später (!) unbedingt die 60 Euro wiederhaben. Ich hab ihm das Geld in die Hand gedrückt. »Tschüsselchen mit Küsselchen aufs Rüsselchen. Ciao Cacao. Küsschen aufs Nüsschen«, hab ich gesagt, »Adieu, Matthieu.«

Glücklicherweise wurde mir ja nicht nur der Hang zum Sex, sondern auch das Händchen fürs Business in die Wiege gelegt. Und 60 Euro Schulden beim Callboy – nicht eure Claudi. In solchen Fällen pflege ich zu sagen, auch und gerade als Frau von Welt: »Mein Name ist Vorhaut, ich ziehe mich erst mal zurück.«

Kapitel 2 Es rappelt in der Kiste

Ich komme aus dem Dorf Kippenheim in der Ortenau, an den Vorbergen des Schwarzwaldes. Dicht an der Grenze zu Frooonkreisch, der Quelle des Schampäääääääign. Das Nest ist berühmt, weil da mal 19hundertdrölfzig eine Windhose durchgefegt ist – ansonsten war da weder in der Hose noch sonst wo was los. Außer einmal im Jahr, wenn das Kippenheimer Weinfest stattfindet. Da war ich mal Weinkönigin, weil niemand so gut Flaschen entkorken konnte wie ich.

Das Dorf hat so viele Einwohner, wie ich Männer im Bett hatte – rund 5000. Ich untertreibe, ich will ja nicht angeben. Wer jetzt schon schreit: »Waaaaas – 5000 Männer, wie ordinär!« – für den ist das Buch nix, es wird garantiert nicht besser. Klapp es zu, verschenk es oder verkauf es auf Ebay.

Dabei fing alles mal so harmlos an, am 24. September 1961 auf der Station für Geburtshilfe im Kreiskrankenhaus. Claudia Elisabeth, 3,8 Kilogramm, 50 Zentimeter und tierisch behaart, kommt auf die Welt, lächelt der Legende nach, den Chefarzt an, zwinkert ihm kurz zu und schnullert dann im Arm ihrer Mutter Rita. Die glücklichen Eltern waren Buchhalterin und Beamter, Häuslebauer, sparsam, genügsam, ordentlich, pflichtbewusst, häuslich und konnten, wie ihr ja schlagartig merkt, unmöglich meine Erzeuger sein. Kunden bei der Bausparkasse, Knick im Kissen. Geschenkpapier wurde gebügelt und wiederverwendet – so in der Art. Der Wein wurde zu Hause getrunken, nicht in der Wirtschaft. Unser Haustier war das Sparschwein. Die Ansage war immer, egal um was es ging: »Geld ist kein Thema, denn wir haben keins.« Wie habe ich es als Kind gehasst.

(Die Verwandtschaft liest jetzt grad in ihren Frei-Exemplaren. 50 kostenlose Ausgaben meines Buches hat der Verlag mir vertraglich zugesichert. Bei der knauserigen DNA wahrlich ein Geschenk.)

Wann immer ich später im Leben gefragt wurde: »Nach wem kommen Sie eigentlich, Fräulein Obert? Nach dem Vater oder der Mutter?«, dem antwortete ich: »Ich komme nach Onassis.« Onassis war DIE Symbolfigur für Reichtum meiner Kindheit. Griechischer Reeder mit gigantischem Lebensstil an der Seite von Überfrauen wie Opernlegende Maria Callas oder Ex-Präsidenten-Gattin Jackie Kennedy. Natürlich alle längst tot – heute würde ich sagen, ich komm nach den Kardashians.

Wurde ich als Kind vertauscht? Es ist sehr wahrscheinlich. Um des lieben Friedens willen akzeptierte ich also meine Eltern, hast ja als Kind nicht viele Möglichkeiten. Meine früheste Kindheitserinnerung: Oma Rosa brannte Schnaps, ich war dabei – ich hab den Geruch noch in der Nase – und wann immer ich mir irgendwie wehgetan hatte »Oma, Oma, Claudi Aua Aua«, rieb sie mir die betroffenen Stellen mit dem selbst gebrannten Obstler ein. Daher wohl auch der Trinkspruch »Auf die Gesundheit«.

Meine Eltern waren aus der Abteilung »bis dass der Tod euch scheidet«, aber mit dem Schnackseln hatten sie es auch, denn sie zeugten noch drei weitere Söhne, meine Brüder. Die wurden natürlich alle nach mir eingeschult und wurden dann in der Schule gefragt »Aaach, dann bist du der Bruder von der Claudia?« – aber alle drei haben mich verleugnet. Haben was erzählt von: »Ne, ne, ich bin Einzelkind.«

Warum das so war? Meine Eigenschaften, die einige von euch heute an mir lieben – und andere nicht –, all das steckte wirklich schon damals in mir. Ich war der geborene Skandal. Die Familie war dauerkonsterniert, man empfand mich in dem beschaulichen Dorf als zu laut. Aber mir war klar, nur wenn man laut ist, fällt man auch auf. Hab ich ja sofort gemerkt, denn ich hatte früh ne Menge Aufmerksamkeit, weil ich für reichlich Klöpse sorgte.

Schon mit drei Jahren wurde ich an Pfingsten 1964 verzweifelt gesucht. »Wo ist das Kind?« Man wollte schon die Polizei einschalten, bis man mich in der örtlichen Kneipe, dem Hotspot von Kippenheim »Zum Ochsen« fand. Der Wirt Richard ließ mich die Gäste bedienen und ich verdiente mir da schon Trinkgeld. Und klar war mir der Wert des Geldes bewusst, dafür gab’s Leckerli im Supermarkt. Ich war wirklich schon früh hinterm Zaster her.

Die nächste Eskapade dann mit fünf. Ich nenn es mal »Business in the Chapel«. Ich kriegte spitz, dass das Jesuskind in St. Mauritius eine Box zwischen den Beinen hatte, in die gütige Spender – klimper, klimper – Geld einwarfen. Und da war er – mit fünf Jahren schon – der Griff in den Schritt. Mit einem Häkchen öffnete sich die Box und Klein-Claudi packte sich Münzen und Scheine in ihre Patschehändchen. Unregelmäßig regelmäßig bediente ich mich mit kindlicher Unschuld an den Mäusen und plante wohl damals schon die Abreise nach Hollywood oder so. Jedenfalls, das Geld sammelte sich in einer kleinen Monchichi-Deko-Dose in meinem Zimmer. Acht Quadratmeter Mädchenglück Ende der 60er-Jahre.

Was mir damals so ärmlich erschien, war heute im Rückblick betrachtet eigentlich eine reiche Kindheit. Denn in meinem kleinen Kleiderschrank hing damals bereits Maßkleidung. Mein Opa, der kurz nach meiner Geburt starb, war Maßschneider und meine Mutter hatte von ihm das Nähen gelernt. Ich hatte schon ganz früh kleine Köstümchen, Etui-Kleider, Lackschuhe mit Lackhandtasche und Sonnenbrille. Ich sah zum Fressen aus. Sterntaler-Kostüm und Rotkäppchen zum Karneval – alles selbst gemacht und 1A.

Mein Zimmer unterm Dach hat mir mein Vater gebastelt. Holzarbeiten, Anstreichen, Teppichverlegen, das hat er alles selbst gemacht. Ein schmales Kinderbett, Stofftiere, Bücher, Spielzeug, aber übersichtlich. Geschenke gab es damals zum Geburtstag und zu Weihnachten – und nicht wie heute jede Woche –, wo Helikopter-Eltern ihren Kindern jeden Tag Disneyland bescheren. Überhaupt – nix Logo, nix Luxus. Und natürlich kein eigener Fernseher im Zimmer, nicht mal ein Radio – später ein sogenannter Cassetten-Recorder, bitte googelt jetzt. Klar, alles Jahrzehnte vor Smartphone, Instagram und sozialen Medien. Man kann es sich fast nicht mehr vorstellen. Generation samstags baden und dann noch bisschen Fernsehen gucken. Die Welt da draußen, die gab es nur in Kindersendungen wie »Sesamstraße« und »Sendung mit der Maus«. Und nur wegen Flipper wusste man, dass es sonnige Paradiese wie Florida gab.

Heute würde ich sagen, unser Garten war ein Paradies. Meine Eltern waren Selbstversorger. Bauten alles an von A wie Apfel bis Z wie Zwiebel. Stachelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Kartoffeln, Salat, Rosen, Tulpen – einfach alles. Heutzutage gilt das als Luxus, aber mich hat es damals genervt, weil shoppen, einkaufen bei uns ja praktisch kaum stattfand. Kein Wunder, dass ich mich mit dem geklauten Geld aus der Box des Jesus-Kindes besonders fühlte. Mit fünf hatte ich kein Schuldbewusstsein – zu abstrakt war die Spendendose. Ich hatte es ja keinem anderen Kind oder in der Familie gemopst. Ich fühlte mich wahnsinnig erwachsen und frei, dass ich mir, ohne zu Hause fragen zu müssen, im Supermarkt Delikatessen leisten konnte. Das war für mich das frühe Gefühl von »reich« und sicher prägend.

Das Ganze flog jedoch relativ schnell auf. »Claudia, woher hast du das Geld?« – »Von Oma Rosa!«. Also Mama ruft Oma Rosa an. »Hast du dem Kind …?« – »Nein.« Die Verwandtschaft wurde einmal durchtelefoniert und ich dann im Wohnzimmer verhört. Mir blieb nix anderes übrig, als meine Beutezüge zu beichten. Der Schaden wurde hochgerechnet, abzüglich von Eis und Schokolade, mal zwei, drei im Sinn, Strafe obendrauf und Münzen wurden in Papiergeld gewechselt. Jedenfalls sollte ich einen 20-Mark-Schein als Wiedergutmachung nach dem Kindergarten, der zur Kirche gehörte, in die Box des Jesuskindes stecken.

Während ich also den Schein voll umständlich in den Schlitz würgen wollte, und so richtig reingehen sollte er ja gar nicht …, stand die Schwester Oberin neben mir. Warum ich denn und überhaupt, so eine große Spende und die liebe Claudi und hastenichtgesehen, ja wiekanndenndassein, jawiekommtdenndas?

So, und dann der Masterfehler: Ich war ehrlich, hab alles zugegeben, habe die Wahrheit erzählt. Und muss geglaubt haben, dass mit der Ehrlichkeit und der Quasi-Rückzahlung alles erledigt sei. Aber stattdessen, Kippenheim im Jahre des Herrn 1966, blühte mir im Scheiß-Kindergarten die Höchststrafe. Wochenlang musste ich im gleichen Zimmer mit den Kindern spielen, schlafen und essen, die noch in die Hose machten. Das war für mich eine Riesenerniedrigung. Denn ich wollte ein großes Mädchen sein und war weiter als die meisten. Mit fünf schon ausgebremst. So war das.

Ich hab mir daraufhin nicht etwa geschworen, nie wieder eine Spendenbox zu plündern, sondern dass ich so was nie wieder zugeben würde. Ich war dann erst mal nur noch legal unterwegs, hab mich mit fünf, sechs, sieben Jahren weiter aufs Kellnern und Aushelfen an allen Ecken eingestellt. Die Leute fanden mich niedlich, schon damals unfassbar quirlig und ich hab damals schon extrem viel gelabert. Kellnern im »Ochsen« und in der Praxis von Hausarzt Dr. Bernhard Stein helfen, Hunde ausführen – all so was. Ich war mit fünf sicher das reichste Kleinkind im Ort. Selbst verdient. Denn zu Hause war ja Sparflamme – das Elend konnte ich schon früh nicht ertragen. Also war ich bereits mit fünf Unternehmerin.