Lobo - Wolfgang Meier - E-Book

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Wolfgang Meier

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Beschreibung

Die in der nachfolgenden Erzählung beschriebenen Ereignisse fanden in Nicaragua von Februar bis Juli 1979 statt. Eine kurze Einführung in den geschichtlichen Kontext und andere Elemente wie Personen- und Sachregister runden den Inhalt ab.

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Seitenzahl: 286

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Wolfgang Meier

Lobo

Episoden aus dem Befreiungskampf der Sandinisten 1979

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Last Men Standing

Überleben

Geschichtliche Einordnung

MEMOIREN - Erzählung

Vorgeschichte und Motivation

Reise in Mittelamerika

Warten in Costa Rica

Lagerleben

Marsch in den Urwald

Kämpfe

Entkommen

Was sagt der Feind?

Analyse der Operation „Nueva Guinea“

Zwischenzeit

Südfront

Was sagt der Feind?

Frage

Personenregister

Sachregister

Bibliographie

Lebenslauf Autor

Vorbemerkung

Das Buch hat als Hauptzweck, angesichts der aktuellen desolaten Lage in Nicaragua, das Interesse für die Situation und die Entwicklung dahin (wieder) zu wecken. Wie schon früher in den 80-er Jahren versucht der Autor, über einen persönlichen Aufhänger das allgemeine Thema ins Bewusstsein zu bringen.

Die in der nachfolgenden Erzählung beschriebenen Ereignisse fanden von Februar bis Juli 1979 statt und wurden in den ersten zwei Monaten 1980 aufgeschrieben, also relativ zeitnah.

Diese Aufzeichnungen wurden fast unverändert übernommen. Einiges würde ich heute so nicht mehr schreiben, ich habe es trotzdem beibehalten, um die Athentizität zu erhalten.

Daneben wurden noch Kästchen eingefügt, um bestimmte Sachverhalte näher zu erklären und zu systematisieren. Sie dienen auch zur Auflockerung des Textbildes.

Eine kurze Einführung in den geschichlichen Kontext und andere Elemente wie Personen- und Sachregister runden den Inhalt ab

Last Men Standing

Im Dezember 2011 treffen sich acht ältere Herren in der Nähe von Managua zu einem kleinen Fest aus Anlass des Besuchs eines Freundes aus Deutschland. Sie sind die Hälfte der noch verbliebenen Überlebenden einer Aktion der Sandinisten im Frühjahr 1979. Der legendäre "Comandante Cero" Eden Pastora hatte sie in ein Himmelfahrtskommando gegen die Nationalgarde Somozas geschickt. Von 128 Kämpfern überlebten damals nur ein Fünftel (24).

Später starben aus verschiedenen Gründen noch weitere acht, so dass damals (2011) nur noch 16 lebten.

MEMOIREN

Vorgeschichte und Motivation

Ich hatte mich entschieden. Eine Entwicklung von vielen Jahren hatte seinen - im nachhinein - logischen Abschluß gefunden: ich werde nach Nicaragua gehen und kämpfen. Schon mit 15 Jahren hatte ich in der Schülerzeitung meines Gymnasiums gegen den Vietnamkrieg geschrieben; danach brachte Ich den Aspekt des Befreiungskampfes auch in die Juso- und Gewerkschaftsjugend-Arbeit ein - so gut das eben ging. Nach dem Putsch in Chile habe ich hitzige Diskussionen mit Kameraden und Vorgesetzen in der Bundeswehr geführt und während meiner Studentenzeit schließlich setzte ich die Solidarltätsarbeit in vielfacher Weise fort.

Dabei konzentrierte ich mich vor allem an der Uni auf Lateinamerika. Einmal weil dort die Probleme mit am akutesten waren, zum anderen, weil nicht eine so große kulturelle Distanz vor handen ist wie im Fall von Afrika und Asien (vor allem, wenn man sich mit den Sprachen und der ganzen Kultur schon beschaeftigt hat), schließlich aber auch aus einer gewissen emotionellen Vorliebe, die nicht so leicht erklaerbar ist, sicher aber mit so Phaenomenen wie Che Guevara, Camilo Torres und Freundschaften mit vielen Lateinamerikanern zu tun hat. Mein Interesse galt zuerst den grösseren Laendern der Region, vor allem Brasilien, Chile, Mexiko und nach dem Putsch von Videla und Konsorten auch Argentinien. Dieses Interesse war so groß, daß ich zwar formell weiterhin Volkswirtschaft studierte, aber in Wirklichkeit mehr als die Hälfte meiner Zeit mit Lateinamerikakunde und den entsprechenden Sprachen verbrachte. Auch in meinem Freundeskrels herrschten Latinos vor.

Aber ich bin kein großer Freund von reiner Theorie. Schon in der Schule hatte ich den Spitznamen "Che", nicht nur wegen meiner geistigen Verwandtschaft mit Ernesto Guevara, sondern auch wegen meiner festen Überzeugung, daß sich in bestimmten Situationen die Anwendung von Gewalt nicht vermeiden läßt, vor allem dann, wenn grundlegende Umwälzungen der gesellschaftlichen Verhaeltnisse nötig sind - die herrschenden Klassen geben schliesslich die Macht nicht kampflos ab. Diese Überlegung ist universal anwendbar und ist nicht auf Lateinamerika oder die Dritte Welt beschraenkt. Konsequentermeise muss man sich dann auch in diesem Geschaeft auskennen; dieser Entschluss ist nicht ganz leicht innerhalb einer deutschen Linken, die traditionell anti-militaristisch und pazifistisch eingestellt ist. Sie ist aber gegen den preussischen und nationalsozialistischen Militarismus entstanden und hat wegen ihres Pazifismus einen entscheidenden Faktor (die bewaffnete Macht) ausser Acht gelassen. Schon der alte Mao aber schrieb, dass die Macht aus den Läufen der Gewehre kommt (natürlich nicht nur…) - nur wer aber die Macht hat, kann wirklich etwas verändern, ohne sie ist alles nur Sandkastenspiel.

Das ist mir im Laufe meiner politischen Taetigkeit schmerzlich bewusst geworden. Veraendern aber will ich diese Welt! Zur Veraenderung genügt aber nicht das Wollen - das ist sogar sehr untergeordnet, so lange es nur einer oder einige wenige wollen. Das schwierige bei gesellschaftlichen Umwaelzungen ist ja gerade, dass nicht nur die objektiven Verhaeltnisse entsprechend sein müssen (die objektiven Bedingungen sind ja meist gegeben und können durch die marxistische Analyse auch relativ leicht erfasst werden). Viel schwieriger ist es, die subjektiven Bedingungen zu schaffen, vor allem das entsprechende Bewusstsein; nicht zu vergessen sind aber auch die notwendigen Faehigkeiten, womit wir wieder beim Militaer sind. Aus diesem Grunde (und einigen anderen mehr) ging ich zum "Bund", und zwar nicht bloss so lala, sondern ich wollte eine gute Ausbildung erhalten: ich meldete mich deshalb zu den Fallschirmjaegern und verpflichtete mich auf 2 Jahre, um Reserveoffizier werden zu können (ursprünglich wollte ich sogar noch mehr machen, die Erfahrungen beim Bund jedoch haben mich eines besseren belehrt; die Abneigung war auch beidseitig). Ich habe nicht daran gedacht, meine beim Bund erworbenen Faehigkeiten sofort anwenden zu wollen, sondern sah das ganze sehr viel langfristiger, nach dem Motto: wenn Du wrklich konsequent bist, wirst Du es eines Tages brauchen..

Sieht man sich die Situation in der Bundesrepublik an, wird man sehr schnell feststellen, daß hier fast alle subjektiven Bedingungen für eine Veraenderung fehlen, aber auch die objektiven (in diesem Bereich lag ein entscheidender Fehler in der Analyse von RAF etc.): den Deutschen geht es wirklich unwahrscheinlich gut, auch den Arbeitern - zumindest maferiell gesehen, und das zaehlt ja in so einer materialisierten Welt. Gleichzeitig könnte man verrückt werden, wenn man die Not In den Laendern der südlichen Hemisphaere anschaut (ich habe übrigens schon in der Schülerzeitung auch einen langen Artikel über den Hunger in der Welt geschrieben …). Wenn man nun die Gründe für diese Diskrepanz der Lebensniveaus untersucht, dann stellt man erstaunt fest, daß nicht nur der deutsche Industrielle, sondern auch der deutsche Arbeiter, Bauer usw. auf Kosten der Armut des überwiegenden Teils der Menschheit lebt - und zwar sehr gut lebt. Es besteht gewissermaßen eine neue Klassensituation auf Weltmaßstab (übrigens so neu ist die gar nicht, schon gar nicht meine Erkenntnisse). Wenn man nun in der Linken (politisch) großgeworden ist und in der Gewerkschaftsjugend immer Solidaritaet gepredigt hat, so ist die logische Konsequenz - sofern man intellektuell redlich ist - dass man sich mit diesem ausgebeuteten Teil der Menschheit solidarisiert, oder anders ausgedrückt (christlich): wer ist Dein Naechster? Nur einer aus meiner Familie oder Freundeskreis, oder aus der Gegend? Nur ein Deutscher?

Wenn man diese Überlegungen vor Augen hat und den kurz geschilderten Werdegang vor Augen hat, dann ist die eingangs erwaehnte Entscheidung, nach Nicaragua kaempfen zu gehen, nachtraeglich die Konsequenz daraus, wobei das konkrete Land sich aus mehr oder weniger Zufaellen ergab.

Ich kam Ende 1977 von einer Lateinamerikareise zurück und habe erfahren, daß im Oktober in Nicaragua gerade eine Reihe von bewaffneten Aktionen durchgeführt worden waren. Also begann ich sofort, mich genauer zu erkundigen: ich las alle Bücher, die es darüber in der Bibliothek des Romanischen Seminars gab, las alle entsprechenden Zeitungsartikel und versuchte Kontakte zu knüpfen. Über eine Zeitung, die damals im Inernationalismusbereich führend war ("Arbeiterkampf") bekam ich schließlich auch den Hinweis, daß sich ein Solidaritaetskomltee mit Nicaragua gebildet haette. Ich wandte mich sofort an sie und erhielt über sie auch einige andere Adressen. Im Laufe dieser Informationsphase wurde mir sehr schnell klar, dass diese Befreiungsbewegung, um die es in Nicaragua ging, von einer neuen Qualitaet war, die über die bis dahin bekannten hinausging. In Nicaragua waren nicht nur ganz offensichtlich die objektiven Bedingungen für eine gesellschaftliche Umwaelzung gegeben, sondern es gab auch schon in hohem Maße eine Unterstützung für die Befreiungsfront. In Nicaragua gab es auch selbst für bürgerliche Politiker keine andere Alternative mehr als den Sturz der Somoza-Diktatur, die noch offensichtlicher als andere Greuelregime die Menschenrechte mit Füßen trat und jeden Ausweg für eine friedliche Entwlcklung versperrte. Schon Ende 77 reifte in mir deshalb der Entschluß, daß man nicht immer nur mit Worten Solidaritaet üben kann, wenn man weiß, daß gleichzeitig die Leute massakriert werden - so ein Zustand macht mich ganz krank ! - sondern daß es nötig ist, auch mal all seine anderen Faehigkeiten über die des Schreibtisches und des Versammlungsraumes hinaus einzusetzen. Rückwirkend muß aber gesagt werden, daß ich zwar nicht meine Fähigkeiten, sehr wohl aber meine Wirkungsmöglichkeiten sehr überschaetzt habe, trotzdem war diese Entscheidung die logische Konsequenz aus meiner persönlichen Entwicklung. Am liebsten waere ich sofort wieder losgefahren.

Damals war ich aber gerade mit meiner Diplomarbeit beschaeftigt und außerdem hatte ich schon drei lange Jahre in mein Studium investiert. Deshalb entschloß ich mich, zuerst mein Studium zu beenden und den Persilschein am Ende in Empfang zu nehmen, da ein Abbruch sowohl von der Arbeitsökonomie als von meiner beruflichen Zukunft her unsinnig gewesen waere.

Gleichzeitig bemühte ich mich, die Zeit sinnvoll auszunutzen, indem ich meine Informationen über den revolutionaeren Prozeß in Nicaragua vervollstaendigte und aktualisierte sowie auch meine militaerischen Kenntnisse erweiterte. Letzteres war allerdings kam noch nötig, ich hatte schon vorher - nicht nur bei der Bundeswehr, dort sogar am allerwenigsten - alles erreichbare über Guerrilla und Kriegführung insgesamt verschlungen. Auch die praktische Vorbereitung war dank der Bundeswehr und meinem staendigen körperlichen Training nicht schlecht.

Also brachte ich mein letztes Studienjahr auch noch über die Bühne. Im November 78 war ich dann fertig. Gleichzeitig war ich jedoch auch in anderen Sachen engagiert, unter anderem in der Unterstützung eines Bewaesserungs-Projektes in Peru. Deshalb nahm ich vor meiner Abreise noch am Weihnachtsverkauf von peruanischen Handwerksartikeln zugunsten des Projektes sowie an der "traditionellen" Lateinamerikawoche in der letzten Januarwoche 79 teil, in der ein Abend übrigens auch Nicaragua gewidmet war. Gleichzeitg nutzte ich die freie Zeit, um noch engere Kontakte zu Nicaraguanern in der BRD zu knüpfen, die Beziehungen zu der FSLN hatten, sowie auch, um mir eine Absicherung zu verschaffen, falls mein Versuch, in die Befreiungsfront aufgenommen zu werden, scheitern sollte - dies war ja gar nicht so unwahrscheinlich, da es sich um eine absolut konspirative Organisation handelte. Als vorsichtiger Mensch, der ich nun mal bin, habe ich auch das bedacht. Der Absicherung diente dabei weniger die direkte Arbeitssuche über Arbeitsamt, Firmen usw. Das war mehr zur Beruhigung für die Verwandten, als Möglichkeit, Geld zu kassieren und Erfahrungen zu sammeln, gedacht. Ernster dagegen war die Bewerbung beim Deutschen Entwicklungsdienst, wobei ich allerdings nicht in irgendein Projekt wollte, sondern in das von uns unterstützte in Peru, da dort ein unmitteltbarer Bezug bestand und ich es aus verschiedensten Gründen positiv fand. Deshalb lehnte ich auch bei meiner Annahme beim DED andere Stellen ab und einigte mich mit dem zustaendigen Referenten, dass wir uns moeglicherweise in Lima treffen koennten, um uns das Projekt anzuschauen und eine Entschedung zu treffen. Mir passte das zwar nicht ganz, da ich aus den oben schon ausgefuehrten Gruenden „Entwicklungshilfe" in dieser Form nur als Herumdoktern an Symptomen halte, bei der ehrliche Anstrengungen normalerweise sinnlos verschwendet werden, solange keine grundlegenden Aenderungen der gesellschaftlichen Strukturen vorgenommen werden, aber was solls, es war auf jeden Fall als Notloesung weitaus sinnvoller als sich In Deutschland in irgendein Konzernbuero zu hocken.

Reise in Mittelamerika