Ludwig II. - Dirk Heißerer - E-Book

Ludwig II. E-Book

Dirk Heißerer

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Beschreibung

Ludwig II. (1845–1886) war ein Mythos schon zu Lebzeiten, und bis heute beschäftigen sein außergewöhnliches Leben und sein Sterben die Nachwelt. Diese Monographie beschreibt die tragische Biographie des «Kini» und fragt zugleich nach den Gründen dafür, dass der «Mondkönig» (Apollinaire) noch immer eine Kultfigur ist, deren Schlösser jedes Jahr Zigtausende Touristen aus aller Welt besuchen.   Das Bildmaterial der Printausgabe ist in diesem E-Book nicht enthalten.

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Seitenzahl: 223

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Dirk Heißerer

Ludwig II.

 

 

 

Über dieses Buch

Ludwig II. (1845–1886) war ein Mythos schon zu Lebzeiten, und bis heute beschäftigen sein außergewöhnliches Leben und sein Sterben die Nachwelt. Diese Monographie beschreibt die tragische Biographie des «Kini» und fragt zugleich nach den Gründen dafür, dass der «Mondkönig» (Apollinaire) noch immer eine Kultfigur ist, deren Schlösser jedes Jahr Zigtausende Touristen aus aller Welt besuchen.

Das Bildmaterial der Printausgabe ist in diesem E-Book nicht enthalten.

Vita

Dr. Dirk Heißerer, geb. 1957, studierte Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Völkerkunde in Bonn und München. Arbeitet als Literaturwissenschaftler in München und veranstaltet seit 1988 literarische Spaziergänge und Exkursionen zwischen Schwabing und dem Gardasee (www.lit-spaz.de). Seit 1999 erster Vorsitzender des Thomas-Mann-Förderkreises München (www.tmfm.de). Preise u.a. Schwabinger Kunstpreis (1993); Thomas-Mann-Medaille (2009).

Publikationen (Auswahl): «Wo die Geister wandern. Literarische Spaziergänge durch Schwabing» (1993, Neuausgabe 2008); «Wellen, Wind und Dorfbanditen. Literarische Erkundungen am Starnberger See» (1995, Neuausgabe 2010); «Meeresbrausen, Sonnenglanz. Poeten am Gardasee» (1995); «Im Zaubergarten. Thomas Mann in Bayern» (2005). Zahlreiche Editionen (u.a. Franz Hessel, Ernst Jünger, Erika Mann, Thomas Mann, Rudolf Schlichter, Kadidja Wedekind); seit 2003: Thomas-Mann-Schriftenreihe.

Impressum

rowohlts monographien

begründet von Kurt Kusenberg

herausgegeben von Uwe Naumann

 

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, Januar 2022

Copyright © 2003 by Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

Das Bildmaterial der Printausgabe ist in diesem E-Book nicht enthalten

Redaktionsassistenz Katrin Finkemeier

Covergestaltung any.way, Hamburg

Coverabbildung akg-images (Ludwig II. in bayerischer Generalsuniform mit Krönungsmantel [Ausschnitt]. Gemälde von Ferdinand Piloty d.J., 1865. München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen)

ISBN 978-3-644-01255-4

 

Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation

Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp

 

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www.rowohlt.de

Der Schwanenprinz 1845–1864

Ein Rätsel sein Leben, ein Rätsel sein Tod. Wer sich der Persönlichkeit König Ludwigs II. von Bayern mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tod annähert, erlebt ein merkwürdiges Phänomen. Drei Schlösser, die er zwischen 1868 und 1886 hat erbauen lassen, sind weltberühmt und ziehen Jahr für Jahr Millionen von Touristen aus allen Himmelsgegenden an, das Festspielhaus für die Opern Richard Wagners in Bayreuth, Inbegriff der Musikkultur in aller Welt, wäre ebenfalls ohne die Unterstützung des königlichen Gönners nicht zu denken gewesen. Das alles ist bekannt und würde ausreichen, den König und seine Bauten ehrenvoll zu erinnern. Was aber ist es, das die Menschen an diesem «Märchenkönig», an diesem «König der Könige» so ungebrochen bis in unsere Tage fasziniert?[1] Warum halten die – zum Teil verbissenen – Diskussionen über das mysteriöse Ende Ludwigs II. im Starnberger See bis heute an? Was bewegt Tourismusmanager dazu, König-Ludwig- und Kaiserin-Elisabeth-Darsteller als Werbeträger einzusetzen? Wie begründet sich der Erfolg des viel besuchten König-Ludwig-Musicals in Füssen? Vielleicht ist die Antwort darauf ganz einfach: König Ludwig II. bietet eine Projektionsfläche, er ist eine geradezu ideale Identifikationsfigur. Die Wunschwelten des Königs, die ihn aus der eigenen Zeit zurück in die Epoche der Nibelungen ebenso wie die des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. versetzen sollten, diese Wunschwelten, die er sich in Form von Literatur und Kunst, Theater, Oper und Architektur vorspielen und vorgaukeln ließ, waren zwar für ihn und nur für ihn Lebensersatz auf der Suche nach seiner persönlichen und königlichen Identität. Aber sein beispiellos grandioses kulturelles Solo-Programm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unterhält heute gerade in der Verwunderung über die Kulissen dieser einzigartigen Einsamkeitsinszenierung Millionen von Besuchern und «Fans». Industrialisierung und Kommunismus, Faschismus, Terrorismus, zwei Weltkriege und die Atombombe – in der Wertschätzung hat König Ludwig II. alle Katastrophen der letzten 150 Jahre nahezu unbeschadet überstanden. Möglicherweise bietet er gerade solchen Katastrophen das königliche Gegenbild, das Wunschbild einer heilen Welt, einer publikumswirksamen «Sehnsucht nach dem Paradies» (Musical-Motto). Auf geradezu unwiderstehliche Weise ziehen diese königlichen Welten viele Menschen an, auch wenn die Intensität der Wunschvorstellung und die Bereitschaft zu ihrer Verwirklichung schon damals bei König und Untertanen auseinander gingen. Doch während der dekadente Adel in Frankreich von der Revolution 1789 grausam umgebracht wurde, ließ man in Bayern den jungen König, der gerade einmal vierzig Jahre alt wurde, fast zwanzig Jahre lang seine Wunschwelten inszenieren und seine Schlösser bauen. Dabei haben sich die königlichen Schulden von einst bis heute längst bezahlt gemacht. Mehr noch: Von Neuschwanstein führt ein direkter Weg ins Disneyland unserer Tage, das wiederum die Silhouette des Schlosses Neuschwanstein als Markenzeichen trägt. In die Phantasiewelten des bayerischen Königs lassen sich weiterhin trefflich eigene Wünsche projizieren, seien es kindliche Märchenvorstellungen, politische Utopien oder individuell gefühlte Seelenverwandtschaften. So verschieden der jeweilige Blickwinkel auf den «Märchenkönig» ist, von touristischer Schaulust bis zur esoterischen Zuspitzung, von Sensationsgier bis zur Geheimniskrämerei: Jeder findet eine Antwort auf seine spezielle Frage. Und je isolierter der jeweilige Ansatz sich darstellt, desto fragwürdiger fällt meist das Ergebnis im Verhältnis zur komplexen Persönlichkeit des Königs aus. Zwangsläufig, denn die Formel Ein ewiges Rätsel bleiben will ich mir und anderen hat der König in einem Brief an die Schauspielerin Marie Dahn-Hausmann vom 25. April 1876 selbst aufgebracht.[2] Das klingt recht abgehoben, doch erst seit jüngster Zeit weiß man, dass es sich dabei nicht um ein nebulöses Wähnen, sondern um ein konkretes Dichterwort handelt, um eine ganz und gar nicht beliebige Sentenz aus Friedrich Schillers kaum noch bekanntem chorischen Drama «Die Braut von Messina oder die feindlichen Brüder» (1803).[3] Dazu später mehr. Für Rätsel, Diskussionen und Spekulationen sorgt aber nicht nur der Tod am Abend des Pfingstsonntags 1886 im Starnberger See, ein Rätsel umgibt bereits Ludwigs Geburt im Schloss Nymphenburg. Als offizielles Datum gilt Montag, der 25. August 1845, eine halbe Stunde nach Mitternacht, geboren über dem Sterbezimmer seines Urgroßvaters König Maximilian I. Joseph, am Geburts- und Namenstag seines Großvaters, König Ludwig I. Doch zugleich hält sich das Gerücht, der kleine Prinz Ludwig sei bereits zwei Tage vorher zur Welt gekommen und man habe im Sinne der besagten Übereinstimmung mit Geburts- und Namenstag des Großvaters die Geburt entsprechend verlegt. Zumindest hieß der Junge nach seiner Taufe am 26. August auf die Namen Ludwig Otto Friedrich Wilhelm einige Tage lang Otto, bis sich sein Großvater mit dem Wunsch, den Knaben Ludwig zu nennen, durchsetzen konnte.[4] Wie auch immer es sich verhält – bereits dieses Beispiel lässt erkennen, wie oft beim Blick auf Ludwig II. Gerücht, Meinung, Hörensagen und Besserwissen die historische Sicherheit ersetzen. Mehr als anderswo erweist sich in diesem Fall historische Genauigkeit als segensreich, auch wenn es dann mitunter nicht mehr ganz so zauberhaft und mysteriös zugeht, wie man es vielleicht gerne hätte. Die kahlen Ziegelwände im unvollendeten Schloss Herrenchiemsee ernüchtern die Pracht des Spiegelsaals, aber sie sind als unmaskierte Boten aus der kunstsinnigen Phantasiewelt König Ludwigs II. vielleicht sogar aufrichtiger und ergiebiger in ihrem Zauber als die vollendete Pracht – sind sie doch die sichtbare Verbindung von Plan und Verwirklichung.

Erbprinz Ludwig wird als erstes Kind – nach einer Fehlgeburt 1843 – der Ehe des Kronprinzen Maximilian von Bayern und der Prinzessin Marie von Preußen geboren. Die Erleichterung darüber, dass dieses Mal alles gut gegangen war und 101 Kanonenschüsse das freudige Ereignis in die Nacht hinaus verkünden konnten, ist noch einem Brief König Ludwigs I. an den Leibarzt der Königin, Professor Gietl, vom 29. September 1845 zu entnehmen, worin der Großvater dem Arzt zum Dank für die glückliche Geburt den persönlichen Adel verlieh. Die Sorge lag nahe: Für die Heirat trotz naher Verwandtschaft vierten Grades war sogar beim Papst um Dispens nachgesucht worden.[5] Doch die Gerüchteküche brodelt auch hier. Auslöser einer besonders delikaten Debatte war 1991 der angesehene bayerische Historiker Professor Karl Bosl, der die von ihm behauptete «historische Tatsache», Ludwig stamme nicht von König Max II., zwar in seiner Vorlesung an der Universität München vorgetragen, aber nicht schriftlich belegt hatte.[6] Seither wird gemunkelt, der Vater des kleinen Erbprinzen Ludwig sei nicht Kronprinz Maximilian, sondern «dessen späterer Flügeladjutant Ludwig Freiherr von und zu der Tann-Rathsamhausen»[7] gewesen, oder, mit besonders trüber historischer Leuchte über dem königlichen Ehebett spekuliert, «der aus Italien (Riva) gebürtige Hofkellermeister und Kammerdiener Joseph Tambosi»[8]. Letzterer sei der mit Wein trunken und bewusstlos gemachten Kronprinzessin nur deshalb zugeführt worden, weil ihr Ehemann seit einer Italienreise 1835 an Syphilis gelitten habe. Die lebenslangen Kopfschmerzen einer offenbar chronischen Migräne, an der Max tatsächlich seit 1835 gelitten hat, werden an anderer Stelle allerdings auf eine Typhuserkrankung in Ungarn zurückgeführt.[9] Während auf der einen Seite «zahlreiche Gegenbelege» zur illegitimen Zeugung in Form von Gedichten des Großvaters Ludwig I. zitiert werden, der seinen Enkel freudig willkommen hieß und dem Säugling mahnende Ratschläge über der Wiege sang: «Aber es herrscht nur der, / welcher sich selbst beherrscht»[10], lässt sich die Gegenseite von einem Bosl-Schüler zu dem polemischen Schluss hinreißen, Ludwig II. sei eben kein Wittelsbacher, «sondern ein Bastard niederer Herkunft»[11]. Dieser historisch unseriöse Stil kann sich als grobe Sensationsmache medialer Aufmerksamkeit und Verbreitung sicher sein, doch der eigentliche Clou solcher These wird verschenkt. Einmal angenommen, trotz dürftiger Belege[12], es verhielte sich so, dann wäre Ludwigs großer «Königswille» (Richard Wagner)[13] doch geradezu ein Argument für seine «falsche» Geburt. Sein übersteigerter Lebenswunsch, das vergangene und verlorene Königtum des Absolutismus über alle Widrigkeiten der Zeit hinweg wieder zu beleben, erschiene als Kompensation des Makels einer außerehelichen Zeugung umso verständlicher! Das königliche Rätsel wäre dadurch aber noch weniger gelöst! Hätte man, wie behauptet wird, tatsächlich am 13. Juni 1886 im Starnberger See lediglich, wie der Bayer sagt, «dem Tambosi sei’ Bua’» ermordet, so würde dadurch nur umso deutlicher, dass man den König und seine Idee eben nicht ermorden konnte, ja im Gegenteil der meuchlerische Vorsatz oder das tragische Unglück nur die Voraussetzung waren für Erlösung und Unsterblichkeit der königlichen Seele. Aber wir greifen vor.

Ganz Europa steht zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor einer politischen Neuordnung. In den Jahren 1799 bis 1815, in denen Napoleon, seit 1804 Kaiser der Franzosen, die Geschicke Europas bestimmt, entsteht auch das neue Königreich Bayern von Napoleons Gnaden. In Anwesenheit des französischen Kaisers wird in München am 1. Januar 1806 König Max I. Joseph ausgerufen. Von 1806 bis 1918, also 112 Jahre, sind die Wittelsbacher – beherrschende Dynastie, seit Kaiser Barbarossa den bayerischen Pfalzgraf Otto I. 1180 mit dem Herzogtum Bayern belehnt hatte – fortan Könige von Bayern. Zur Befestigung der neuen Bande zwischen München und Paris vermählt Napoleon bereits am 13. Januar 1806 in der Münchener Residenz seinen Stiefsohn Eugène Beauharnais, den späteren Herzog von Leuchtenberg, mit Max Josephs Tochter, der Prinzessin Auguste. Doch auch für die Könige in Europa hat eine neue Zeit begonnen. Die Staatsreformen im neuen Königreich sind umfassend. Nach Aufhebung der Klöster in der Säkularisation von 1803 werden auch die Vorrechte des Adels gestrichen. Zuletzt kommen die Bürger an die Reihe und müssen die Selbstverwaltung der Städte und Märkte und die damit verbundene Finanzhoheit an den Staat abgeben. Schulpflicht, Wehrpflicht und ein neues Strafgesetzbuch markieren weitere Pfeiler des modernen Staates, der 1808 eine eigene Verfassung erhält. Eingespannt in die politischen Zwänge, die ihm die Parteinahme für Napoleon abverlangt, kann Max I. Joseph als Ergebnis seiner Regentschaft die Durchsetzung wenigstens zwei der drei Prinzipien der Französischen Revolution für Bayern verbuchen: die Égalité (Gleichheit) vor Recht und Steuer und die Liberté (Freiheit) des Gewissens. Die Fraternité (Brüderlichkeit) mit Napoleons Frankreich wird nach dem Sturz des Kaisers 1815 auch von Bayern aufgekündigt. Für ein von Napoleon vereintes Europa war es zu früh. Die nach dem Wiener Kongress einsetzende Restauration der Monarchie in Europa ist auch als eine Trotzbewegung gegen diesen unerhörten existenziellen Schrecken zu verstehen, den Napoleon den europäischen Fürstenhäusern versetzt hatte. Immerhin hatte der Absolutismus in Europa ausgespielt, sollte man meinen – in Bayern meinte man das anders!

Als Max I. Joseph 1825 starb, folgte ihm sein neunundreißigjähriger Sohn als Ludwig I. für 23 Regierungsjahre auf den Thron. Der Kronprinz hatte schon mit seiner Hochzeit am 17. Oktober 1810 mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen einen weitreichenden Akzent gesetzt. Das aus diesem Anlass auf der (nach der Kronprinzessin benannten) Theresienwiese abgehaltene Pferderennen, zu dem auch Bürger eingeladen wurden, ging in ein Volksfest über, das seit 1811 alljährlich als das weltberühmte «Oktoberfest» gefeiert wird. Doch die Pläne Ludwigs I. reichten weiter. Hatten sein Vater und Graf Montgelas die Grundlagen für das konstitutionelle Königreich Bayern geschaffen, so gab ihm Ludwig I. ein klassizistisches Gesicht und regierte als König im alten Stil. Auch wenn sich Bayern jetzt vornehm mit «y» schrieb, ging es Ludwig I. weniger um Repräsentation (wie in Napoleons Empirestil) als vielmehr um kunstpolitische Ideale; seine bayerischen Untertanen, mehr bäuerlich als städtisch orientiert, sollten durch Kunst und Architektur zu besseren Menschen erzogen werden. Der Herrscherwille Ludwigs I. ging dabei allerdings sehr eigene Wege. Das königliche Bauen dominierte die Bürgerwünsche nach besseren Straßen oder Krankenhäusern. Griechenland, das alte Rom, die Florentiner Renaissance – das waren die Maßstäbe. Die Residenzstadt München erhielt durch die Architekten Leo von Klenze und Friedrich Ritter von Gärtner den griechisch-römischen Königsplatz mit den Propyläen, der Glyptothek und der Antikensammlung. Die Alte Pinakothek entstand und die prächtige Ludwigstraße führte bald weiträumig von der Feldherrnhalle zum Siegestor. Die Erinnerung an das Bündnis mit Frankreich, das zum Königreich Bayern geführt hatte, wurde öffentlich negiert. Straßennamen wie Arcis und Brienne erinnern noch heute an Orte siegreicher Schlachten gegen Napoleon, und auf dem Karolinenplatz nahe dem Königsplatz gemahnt ein Obelisk an die 30000 bayerischen Soldaten, die 1812 im Feldzug Napoleons gegen Russland ihr Leben verloren. Dafür wurde das in der Romantik neu erwachte Interesse an germanischer Tradition befriedigt. Bei Donaustauf entstand der Ruhmestempel der Walhalla und über der Theresienwiese erhebt sich vor einer bayerischen Ruhmeshalle die Monumentalstatue der Bavaria, die Ludwig I. noch gießen lassen konnte, als er schon kein König mehr war.[14]

Ganz offensichtlich hat sein Enkel Ludwig II. die große Baulust vom Großvater geerbt, und man kann die Freude des alten Herrn nachvollziehen, als er seinem siebenjährigen Enkel zu Weihnachten 1852 einen Bausatz für das Siegestor aus Holzklötzen schenkt und der Junge gleich zu spielen beginnt: «Zu bauen liebt er; vorzüglich; überraschend, mit gutem Geschmack sah ich Gebäude von ihm ausgeführt. Ich erkenne auffallende Ähnlichkeit im künftigen Ludwig II. mit dem politisch todten Ludwig I.»[15] Großvater und Enkel teilten auch das Interesse an den germanischen Sagengeschichten, besonders denen der Nibelungen, die Julius Schnorr von Carolsfeld ein ganzes Künstlerleben lang von 1828 bis 1867 im Auftrag Ludwigs I. auf die Wände von fünf Sälen im westlichen Erdgeschoss der Münchener Residenz malte. Die hohen Ideale von Königtum, Kunst und Architektur sowie der nicht nur künstlerische Blick auf schöne Frauen, wie sie die sogenannte Schönheitsgalerie der 36 Frauenporträts des Malers Joseph Stieler in Schloss Nymphenburg zeigt, hatten zuletzt fatale Folgen. Die Märzrevolution 1848, die Affäre mit der Lebedame Lola Montez, vor allem aber der Starrsinn des Königs, der auch konstitutionell nur absolut regieren wollte oder gar nicht, führten am 21. März 1848 zum Rücktritt des zweiundsechzigjährigen Monarchen.

Sein siebenunddreißigjähriger Sohn folgte ihm als Maximilian II. Joseph für 16 Regierungsjahre auf den bayerischen Königsthron, und dessen Frau, die 22-jährige Königin Marie, brachte einen Monat später, am 25. April 1848, ihren zweiten Sohn Otto zur Welt. Der kleine Erbprinz Ludwig avancierte mit noch nicht ganz drei Jahren zum Kronprinzen. Sehr fröhlich dürfte seine Kindheit nicht verlaufen sein – der Vater, der selbst unter einer überzogenen Strenge Ludwigs I. gelitten hatte[16], erzog den kleinen Ludwig und seinen Bruder Otto ebenfalls mit besonderer Strenge und unter körperlichen Strafen; er gab ihnen aus eigenartigem Vornehmheitsdünkel nicht genügend zu essen und hielt sie mit Taschengeld knapp.[17] Vom Vater immer nur von oben herab, de haut en bas, behandelt worden zu sein, machte für Ludwig auch die klare Erkenntnis nicht leichter, dass Max II. in seiner fragwürdigen Erziehungsmethode selbst bereits vom Vater geprägt worden war.[18] Die wenigen Spielkameraden, die nur sonntags kommen durften, sollten sich zwar möglichst zwanglos verhalten, doch wer den Kronprinzen beim Spielen schlug, wurde nicht mehr eingeladen. Unbotmäßige körperliche Berührungen wie die eines Höflings, der den Knaben in Hohenschwangau vom Sturz von einer Mauer zurückriss, vergaß dieser noch nach Jahren nicht. Das Selbstwertgefühl des kleinen Ludwig war früh entwickelt. Er wollte bei allen Spielen der Erste sein, duldete es nicht, wenn sein Bruder Otto einen größeren Schneeball hatte als er und schritt bei der Fronleichnamsprozession in einer stolzen Art einher, die er später zu einem komisch staksigen Königsschritt in der Manier Ludwigs XIV. weiterentwickelte.[19] Dieser Hochmut, der sich schon früh mit befremdlichen Äußerungen «tyrannischer Härte» verband[20], wurde durch Ludwigs zweiten Erzieher, den dünkelhaften Graf De la Rosée, ab 1854 unangenehm verstärkt; die ersten neun Jahre seines Lebens war er der Erzieherin Sibylle Meilhaus, einer späteren Freifrau von Leonrod, anvertraut gewesen, die für ihn zur Ersatzmutter wurde und eine treue Beraterin bis an ihr Lebensende blieb.[21]

Wie die richtige Mutter bestätigt, bewies Ludwig schon früh eine schnelle Auffassungsgabe, jedoch ohne ausgeprägte Lernlust.[22] Wie der König fand offenbar auch Königin Marie keinen rechten Zugang zu ihrem Ältesten, dabei hatte sie den Schlüssel dazu schon in der Hand. Der siebenjährige Ludwig, so erinnert sich die Mutter, «hörte mit Freuden zu, wenn ich ihm biblische Geschichte erzählte und Bilder dazu zeigte. Besonders die Geschichte der Samariterin sprach ihn an und die Sonntagsevangelien. Er hatte eine Vorliebe für die Frauenkirche in München, kostümierte sich gern als Klosterfrau, zeigte Freude am Theaterspielen, liebte Bilder u. dergl., hörte gern vorlesen und Geschichten erzählen und schenkte von Kindheit an gern Anderen von seinem Eigenthum, Geld und Sachen.»[23] Der kindliche Idealismus, die Lust an Kostümierung und Theaterspiel verband sich bei Ludwig mit einer ausgeprägten Phantasiebegabung, die sich, etwa beim peniblen Aufzählen von Dekorationen einer Theateraufführung, schon früh zu einer regelrechten Zwangsneurose entwickelte.[24] Besondere künstlerische Talente zeigte Ludwig selbst nicht, Klavierspielen war ihm ein Graus und sogar Richard Wagner konstatierte 1876 ernüchternd: «Der König ist ganz unmusikalisch und nur mit einem poetischen Gemüt begabt.»[25] Anders als sein Großvater und sein Vater war Ludwig auch keineswegs polyglott, neben der einzigen Fremdsprache Französisch sprach er allenfalls ein wenig Englisch.[26]

Da lag es nahe, dass sich der Kronprinz «am liebsten mit poetischen Gestalten» beschäftigte, ja, dass ihn der poetische Furor, wie Luise von Kobell berichtet, schon früh hinriss und er mit 17 Jahren «gleichsam in einem Freuden- und Sinnenrausch unsere deutschen Klassiker verschlang und seiner kühnen Phantasie, wie man zu sagen pflegt, alle Zügel schießen ließ».[27] Seine Favoriten waren Friedrich Schiller, Shakespeare und besonders Richard Wagner. Die seit 1853 nachweisbaren zahlreichen Theaterbesuche und peniblen Auflistungen der Dekorationen anstelle von Inhalten sind wohl Anzeichen der Flucht aus einer trüben Gegenwart in eine poetische Wunschwelt, fanden jedoch weder bei der nüchtern und praktisch veranlagten Mutter noch beim strengen Vater Resonanz. Beide verstanden ihn einfach nicht. Bedenklich stimmt in diesem Zusammenhang die Beobachtung, dass der pubertierende Jüngling bereits mit 13 «an förmlichen Halluzinationen gelitten zu haben» scheint, wie der Leibarzt Gietl diagnostizierte.[28] Ludwig ergab sich ausgiebigen Gedankenspielen. Vom Hofprediger Döllinger einmal in seinem dunklen Zimmer träumend überrascht, antwortete er auf den Vorschlag, er solle sich etwas vorlesen lassen: O, ich langweile mich gar nicht, ich denke mir hübsche Dinge aus, und das vergnügt mich.[29] Damit konnte Max II. als «guter, parlamentarischer König» (Graf Lerchenfeld), dem weder großartige eigene Ideen noch ein starker Willen zu eigen waren, nicht viel anfangen. «Was soll ich mit dem jungen Herrn sprechen? Es interessiert ihn nichts, was ich anrege», mit diesen Worten soll er es abgelehnt haben, den fast volljährigen Sohn auf seinem regelmäßigen Spaziergang am Vormittag in den Englischen Garten mitzunehmen.[30] Niemand aus seiner Umgebung und ihm selbst zuletzt fiel es ein, den poetischen Furor, die Halluzinationen und die Gedankenspiele des Kronprinzen im Zusammenhang zu sehen und entsprechend zu lenken. Die geistig wenig anspruchsvolle Königin war froh, wenn sie als begeisterte Bergsteigerin auf vielen gemeinsamen Wanderungen mit ihrem Sohn immerhin die Liebe zur bayerischen Bergwelt teilen konnte.

Seine ganze Kindheit über erlebte Ludwig aus nächster Nähe den Versuch seines Vaters mit, dem großen Anspruch und Vorbild Ludwigs I. gerecht zu werden. Max II. übernahm das Königsideal seines Vaters, gerade weil er sich nach den Ereignissen von 1848 einem gestärkten Ministerrat gegenüber sah. Als Freund und Förderer von Wissenschaft und Kunst, der eigentlich lieber Professor als König geworden wäre, wandte sich Max II. der Vergangenheit zu, um daraus für die Gegenwart zu lernen. Er verstärkte den romantischen Blick auf deutsche Sagen und Rittergeschichten, lud eine moderne Ritterrunde von Dichtern aus dem Norden zu regelmäßigen Symposien ein und gründete den renommierten Maximiliansorden. Im Unterschied zum kühnen klassizistischen Schwung seines Vaters Ludwig I., der mit genialen Baumeistern die Residenzstadt München in ein «Isar-Athen» verwandelte, ließ sich Max II. einen fragwürdig zeitgemäßen architektonischen Mischstil aus Klassizismus und altdeutscher Gotik entwerfen. Ergebnis dieser Zielsetzung ist die nach dem König benannte Maximilianstraße. Den Kunsthistoriker Jacob Burckhardt fasste das Grausen vor diesem «Kartonmachwerk», bei dem man froh sein könne, wenn man «ohne Schlagfluß» davonkomme. In einer eigenartigen Mischung aus Straße und Platz führt besagte Maximilianstraße vom Nationaltheater über das Maxmonument bis zum Maximilianeum, der «Akropolis auf dem Gasteig» (Dirrigl)[31]. Diese monumentale Eliteschule (seit 1949 Sitz des bayerischen Landtags) auf dem Hochufer der Isar fasst beispielhaft die kulturpolitischen Intentionen des dritten bayerischen Königs zusammen: Förderung von Wissenschaft und Jugend bei weithin sichtbarer Repräsentanz. Die Fertigstellung dieses Baus durch Gottfried Semper hat Max II. zwar nicht mehr erlebt, doch übernahm und vollendete sein Sohn hier später nicht nur ein bauliches Erbe, sondern fand darin auch das Vorbild für den eigenen Plan, sich unweit davon ebenfalls von Gottfried Semper eine große Oper bauen zu lassen. Auch wenn daraus nichts geworden ist, schon in diesem Plan zeigt sich die Prägung des Sohnes – er hat seinen Vater vermutlich besser verstanden, als diesem jemals bewusst wurde.

Noch sichtbarer wird der Einfluss des Vaters auf seinen phantasiebegabten Sohn beim Neubau der Burg Hohenschwangau. Die phantastische, geradezu theatralische Beschwörung der Vergangenheit im jungen Königreich Bayern findet hier ihren ersten Höhepunkt. Der achtzehnjährige Kronprinz Max hatte im April 1829 bei einem Jagdausflug die Burgruine des einstigen Welfenschlosses Schwanstein in der Nähe von Füssen entdeckt und sie unbedingt erwerben wollen. Das fürstliche Interesse trieb den Preis für das unbewohnte Gemäuer in die Höhe. Hatte der Söldner Narziß Heißerer nach der Zerstörung im Tiroler Krieg 1809 lediglich 200 Gulden für die Ruine bezahlt und sie als Steinbruch für Baumaterial genutzt, konnte der letzte bürgerliche Besitzer, der Topograph Adolph Sommer, nach mehrjährigen Verhandlungen Anfang Oktober 1832 dafür statt der anfangs geforderten 20000 Gulden immerhin noch gute 7000 aus der kronprinzlichen Kasse einstreichen.[32] So entschieden wie bei keinem anderen Bauvorhaben machte sich Kronprinz Max die Renovierung der Burg, die er «Hohenschwangau» nannte, zu eigen. Der Bühnendekorateur und Landschaftsmaler Domenico Quaglio, der sich schon beim Kauf der Burgruine bewährt hatte, bekam den Auftrag, das Gemäuer ganz im Stil des romantischen Historismus der Zeit wieder aufzubauen, Höhe und Raumaufteilungen zu belassen, es dafür innen mit gotischen Netzgewölben und vor allem mit ausladenden Wandgemälden zu schmücken. Die Themen der Wandbilder, alle vom Kronprinzen Max bestimmt, illustrieren die dynastische Geschichte der Wittelsbacher, Welfen und Hohenstaufen in einer zeitlichen Spanne von Karl dem Großen bis zum Schwanenritter Lohengrin. Doch mit dieser inszenierten Ritterwelt, deren Ausmalung 1837 abgeschlossen war, verband Kronprinz Max weitaus mehr als bloß ein schönes Dekor. In Hohenschwangau pries er die Verbindung von baulicher und landschaftlicher Schönheit, hier, in der romantischen Theaterkulisse, fand er seine königliche Identität: «Hier bin ich geboren, hier weht noch der Atem meiner Ahnen», soll er geschwärmt haben.[33] Mit seiner Burg konnte Max zudem München als der klassizistischen Kunststadt Ludwigs I. seine ganz eigene Vision entgegensetzen und nicht nur der engeren Familie, besonders dem ältesten Sohn, sondern einer breiteren Öffentlichkeit insgesamt sein aufwendig rekonstruiertes Mittelalter präsentieren. Der erste gedruckte Reiseführer zum Schloss Hohenschwangau lag bereits 1837 vor und wurde zum Startsignal für den Tourismus in dieser Region. Der Dichter Friedrich Rückert fand im Sommer 1836 das «kronprinzliche Kunstschlösschen» auf jeden Fall «schon eine Reise wert».[34] Mehr noch, dieses «kleine Kunstganze» (Rückert), dieses «wahre Feenschloß» (Ludwig I.)[35], diese von Theaterkunst geprägte neugotische Burg, ist die unbedingte Voraussetzung zum Verständnis für die Baupläne Ludwigs II.; ohne Hohenschwangau kein Neuschwanstein. Doch wo Max II. aus der Vergangenheit für die Gegenwart lernen wollte und 1855 das Bayerische Nationalmuseum stiftete, da wollte sein Sohn Ludwig II. aus der Gegenwart in ebendie von seinem Vater inszenierte Vergangenheit fliehen. Ihn interessierte der gemalte Blick auf die mittelalterliche Rittergeschichte als plastisch-vorstellbares Geschehen, als ein Schauspiel, worin ihn das Lohengrin-Motiv sogar persönlich anging. Vielleicht besteht die Differenz zwischen Vater und Sohn auch in ihrer ganz unterschiedlichen Auffassung vom Königtum. Die Mündigkeitserklärung des achtzehnjährigen Kronprinzen am 25. August 1863 auf Hohenschwangau, gefeiert bei bengalischer Beleuchtung mit vaterländischen Gesängen, mag von Vater und Sohn ebenfalls unterschiedlich bewertet worden sein.[36] Was Max II. als symbolische Geste verstand, war für Ludwig II. wahrhaftige Realität. Anders als sein Vater, wollte Ludwig seine Schlösser auch nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, sondern für sich allein als Kulissen einer tragischen Einsamkeitsinszenierung «bespielen».

Der Schwan und Apoll

Vom singenden Schwanenritter Lohengrin in Wagners Oper geht mythologisch ein direkter Weg zurück bis zum griechischen Gott Apoll. Dem Gott des Gesangs und des Saitenspiels war der Schwan heilig; sein Sohn Orpheus wurde nach seinem Tod in einen Schwan verwandelt. Jupiter verwandelte sich bekanntlich in einen Schwan, um sich der Leda zu nähern und mit ihr die Dioskuren Castor und Pollux zu zeugen. Der Latona-Brunnen vor Schloss Herrenchiemsee erinnert prominent an die Mutter des Apoll. Der berühmte «Schwanengesang» geht auf die schon von Aischylos erwähnte prophetische Gabe des stolzen Vogels zurück, seinen bevorstehenden Tod verkünden zu können. Mutig, so heißt es in einer Schrift des 17. Jahrhunderts, streite der Schwan, wenn er angegriffen werde, sogar gegen Adler. Schwäne «seynd unter den Wasservögeln die Könige, führen die Deutung des weißen Friedens».

Vollmers Wörterbuch der Mythologie, 1874

Einen Schlüssel zum Verständnis Ludwigs II. halten die Wandbilder der Sage vom Gralsritter Lohengrin im Speisezimmer von Hohenschwangau bereit. In Öl ausgemalt wurden sie 1835, nach Entwürfen von Christian Ruben, von Albrecht Adam, Michael Neher und Lorenzo Quaglio; den Gotteskampf Lohengrins mit dem Grafen von Frankenburg malte Ruben selbst.[37] Die Gemälde wurden mit Bordüren und mit Erläuterungen in gotischer Schrift versehen und verbanden sich so zu Bildlegenden, die eine etwas eigenwillige Ableitung der Ortsgeschichte von Hohenschwangau erzählten. Der Dichter, Orientalist und Philologe Friedrich Rückert merkte zwar bei seinem Besuch im Sommer 1836 an, hier sei «die Sage vom Schwanritter, nur beim Namen wie bei Haaren herbeigezogen, weil die Burg Schwan-Gau heißt und einer der anspülenden Seen Schwansee»[38]