Ludwig Uhlands Leben - Emilie Uhland - E-Book

Ludwig Uhlands Leben E-Book

Emilie Uhland

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Beschreibung

Die Biografie des berühmten deutschen Dichters und Literaturforschers verfasst von seiner Witwe.

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Seitenzahl: 487

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Ludwig Uhlands Leben

Emilie Uhland

Inhalt:

Johann Ludwig Uhland – Biografie und Bibliografie

Ludwig Uhlands Leben

I. Die Kinderjahre.

II. Die Studienjahre.

III. Reise nach Paris und Advokatur in Tübingen.

IV. Dienstleistung auf der Kanzlei des Justizministers.

V. Fernerer Aufenthalt in Stuttgart als Advokat. Landtag in Ludwigsburg. Verlobung und Trauung.

VI. Thätigkeit in der Ständekammer, häusliches Leben und Ernennung zur Professur.

VII. Uhland als Lehrer an der Universität. Niederlegung seines Amtes. Ferneres Leben in Tübingen. Reise nach Wien.

VIII. Rückkehr nach Tübingen und zu den Studien.

IX. Uhland als Vertrauensmann in Frankfurt. Theilnahme an der Nationalversammlung. Einberufung zum Staatsgerichtshof.

X. Stillleben in Tübingen. Krankheit und Tod.

Ludwig Uhlands Leben, E. Uhland

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849637927

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Johann Ludwig Uhland – Biografie und Bibliografie

Hervorragender Dichter und Literaturforscher, geb. 26. April 1787 in Tübingen, gest. daselbst 13. Nov. 1862, besuchte Gymnasium und Universität seiner Vaterstadt und studierte 1802–1808 die Rechte, neben diesem Studium das der mittelalterlichen Literatur, namentlich der deutschen und französischen Poesie, pflegend. Schon damals veröffentlichte er einzelne Gedichte (zum Teil unter dem Pseudonym Volker). 1810 unternahm er eine mehrmonatige Reise nach Paris, wo er auf der Bibliothek dem Studium altfranzösischer und mittelhochdeutscher Manuskripte jedenfalls eifriger oblag als dem des Code Napoléon, das der ursprüngliche Zweck seiner Reise war. Heimgekehrt, widmete er sich dann, wenn auch halb mit innerem Widerstreben, in Stuttgart der Advokatur. Sein patriotischer Sinn jauchzte den Ereignissen der Befreiungskriege, die er als rheinbündischer Württemberger nur mit Wünschen und Hoffnungen begleiten konnte, freudig entgegen. Bald darauf veröffentlichte er die erste Ausgabe seiner »Gedichte« (Stuttg. 1815), die in den späteren Auflagen noch durch wertvolle Stücke bereichert wurde. U. erscheint hier als der Vollender der glücklichsten und heilsamsten Bestrebungen der jüngeren Romantik. Nicht nur die Vorliebe für mittelalterliches Leben und das Beste der mittelalterlichen Anschauungen, nicht nur die nationale, sondern vor allem die echt volkstümliche Gesinnung übernahm er von dieser, und in der wunderbar tiefen und poetischen Erfassung des Volkstümlichen liegt vor allem das Geheimnis von Uhlands unvergänglicher Wirkung. Hiermit verband er eine einfache, höchst knappe Prägnanz der Form, die so wie er nur noch Goethe und Heine erreicht haben. U. ist aber keine so ausgeprägte Individualität wie diese Dichter; durch seine unbedingte Hingabe an das Denken und Fühlen der Gesamtheit sind die individuellen Züge zurückgedrängt; es fehlen die leidenschaftlichen Erschütterungen seines Ich; dafür aber fesselt er uns durch Geradheit, Treue und Klarheit des Charakters, die ihn als einen edlen Typus des germanischen Menschen erscheinen lassen; nur ist er, besonders in seiner Frühzeit, von einem gewissen Hinneigen zu altfränkisch spießbürgerlicher Rührseligkeit nicht freizusprechen. Mit all diesen Eigenschaften hängt es zusammen, dass U. ein viel größerer Romanzen- als Liederdichter ist. Seine Romanzen bilden einen der köstlichsten idealen Schätze unsers Volkes; seine Lieder sind knapp, tief, wahr, von zartem Naturgefühl durchweht, aber an Zahl und an Mannigfaltigkeit des Inhalts etwas spärlich. Als Dramatiker ist U. ohne größere Bedeutung. Seine beiden dramatischen Werke: »Ernst, Herzog von Schwaben« (Heidelb. 1818) und »Ludwig der Bayer« (Berl. 1819), denen bei allen dichterischen Vorzügen die Energie spannender, vorwärts drängender Leidenschaft abgeht, errangen nur einen mäßigen Erfolg. Seit 1816 begannen die politischen Kämpfe und die ausgebreiteten wissenschaftlichen Forschungen den Dichter von größeren Schöpfungen abzuziehen, und verhältnismäßig früh erlosch sein dichterisches Schaffen vollständig. U. beteiligte sich an dem Ringen um die württembergische Verfassung und gehörte später als Abgeordneter zur Ständekammer der freisinnigen Partei an. Seine Schrift über »Walter von der Vogelweide« (Stuttg. 1822) bekundete ihn als so feinsinnigen Kenner und Forscher der mittelalterlichen Literatur, dass bei vielen der Wunsch immer lebhafter wurde, ihn auf einem Lehrstuhl für seine Lieblingswissenschaften zu erblicken. Mit seiner 1829 erfolgten Ernennung zum Professor der deutschen Literatur an der Universität Tübingen ward dieser Wunsch erfüllt. Uhlands Lehrtätigkeit erfreute sich der reichsten Wirkung. Aber bereits 1832, als ihm die Regierung den Urlaub zum Eintritt in die Ständekammer verweigern wollte, legte er seine Professur nieder. Vor äußern Lebenssorgen namentlich auch seit seiner sehr glücklichen Ehe mit Emilie Vischer völlig gesichert, teilte er fortan seine Zeit zwischen der ständischen Wirksamkeit und seinen wissenschaftlichen Arbeiten. 1839 legte er sein Mandat als Abgeordneter nieder, und erst die Bewegungen des Jahres 1848 rissen ihn wieder aus seiner frei erwählten Zurückgezogenheit. Als Abgeordneter zur ersten deutschen Nationalversammlung der Linken angehörig, stimmte er gegen das Erbkaisertum, hielt auf seinem Posten bis zur Auflösung der Nationalversammlung aus und begleitete noch das Rumpfparlament nach Stuttgart. Von 1850 an zog er sich wieder nach Tübingen zurück, eifrig mit der Vollendung jener wissenschaftlichen sagen- und literaturgeschichtlichen Arbeiten beschäftigt, als deren Zeugnisse die Schriften »Über den Mythus von Thor« (Stuttg. 1836) und »Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder« (das. 1844, 2 Bde.; 3. Aufl. 1893, 4 Bde.) hervorgetreten waren. Alle äußern Ehrenbezeigungen konsequent ablehnend, in der schlichten Einfachheit seines Wesens und der fleckenlosen Reinheit seines Charakters von allen Parteien hochgeachtet, verlebte U. ein glückliches kräftiges Alter. Seine poetischen Werke wurden wiederholt als »Gedichte und Dramen« (Jubiläumsausgabe, Stuttg. 1886), seine wissenschaftlichen, geordnet und revidiert von Adalb. v. Keller, W. Holland und Franz Pfeiffer, als »Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage« (das. 1866–1872, 8 Bde.) herausgegeben. Die letzteren brachten zum ersten mal jene vorzüglichen Tübinger Vorlesungen, die U. zwischen 1829 und 1832 über die »Geschichte der altdeutschen Poesie«, die »Geschichte der deutschen Dichtung im 15. und 16. Jahrhundert« und die »Sagengeschichte der germanischen und romanischen Völker« gehalten hatte. Alle diese Arbeiten lassen beim höchsten wissenschaftlichen Ernste den Dichter erkennen, der neben der wissenschaftlichen Methode und dem Forschereifer das künstlerische Verständnis und die feinste Mitempfindung für Volks- und Kunstdichtung, für den Zusammenhang von Dichtung und Mythe besaß. Eine neue Ausgabe von Uhlands »Gesammelten Werken« (nur eine Auswahl der wissenschaftlichen Arbeiten enthaltend) besorgte H. Fischer (Stuttg. 1892, 6 Bde.), eine gute Ausgabe der »Werke« (gleichfalls nur Auswahl), mit Biographie und Anmerkungen L. Fränkel (Leipz. 1893, 2 Bde.), andre: v. Gottschall (das. 1899), Holthof (Stuttg. 1901) u. a., eine kritische Ausgabe der »Gedichte« auf Grund des handschriftlichen Nachlasses Erich Schmidt und Jul. Hartmann (Stuttg. 1898, 2 Bde.). Uhlands »Tagebuch 1810–1820« gab J. Hartmann (Stuttg. 1897) heraus. Eine Statue (von G. Kietz) wurde U. 1873 in Tübingen errichtet. Vgl. K. Mayer, L. U., seine Freunde und Zeitgenossen (Stuttg. 1867, 2 Bde.); »Uhlands Leben«, aus dessen Nachlaß und eigner Erinnerung zusammengestellt von seiner Witwe (das. 1874); die biographischen Schriften von O. Jahn (Bonn 1863), Fr. Pfeiffer (Wien 1862), Notter (Stuttg. 1863), Dederich (Gotha 1886), Holland (Tübing. 1886), H. Fischer (Stuttg. 1887); Hassenstein, Ludwig U., seine Darstellung der Volksdichtung und das Volkstümliche in seinen Gedichten (Leipz. 1887); Weismann, L. Uhlands dramatische Dichtungen erläutert (Frankf. 1863); Düntzer, Uhlands Balladen und Romanzen (2. Aufl., Leipz. 1890); Eichholtz, Quellenstudien zu Uhlands Balladen (Berl. 1879); Keller, U. als Dramatiker, mit Benutzung seines handschriftlichen Nachlasses (zahlreiche dramatische Entwürfe enthaltend, Stuttg. 1877); Maync, Uhlands Jugenddichtung (Berl. 1899); Moestur, Uhlands nordische Studien (das. 1902); A. Schmidt, Zur Entwickelung des rhythmischen Gefühls bei U. (Altenb. 1904); G. Schmidt, Uhlands Poetik (Frankf. a. M. 1906); Haag, Ludwig U. Die Entwickelung des Lyrikers etc. (Stuttg. 1907).

Ludwig Uhlands Leben

Vorwort.

Im vergangenen Jahr hat Uhlands Vaterstadt dem Entschlafenen ein schönes Denkmal errichtet. Vielleicht erregt dasselbe in manchem Beschauer den Wunsch, auch von des Mannes äußeren Schicksalen und von dessen geistiger Entwicklung ein möglichst treues Bild zu besitzen. In diesem Sinn wird von der Wittwe des Dichters die schlichte Schilderung seines Lebens der Oeffentlichkeit übergeben.

I. Die Kinderjahre.

1787–1801.

Die Familie UhIand, seit dem Jahre 1720 in Tübingen ansäßig, stammt aus Kleingartach. Dort wurde Johann Michael Uhland, der Ureltervater Ludwig UhIands, geboren, der, laut der Familientradition, als Quartiermeister den Türkenkrieg mitmachte und bei der Einnahme von Belgrad, 1688, durch Max Emanuel von Bayern, einen türkischen Bassa niederhieb. Zum Andenken ließ er über die Thür seines Hauses einen Arm mit einem Türkensäbel und die Anfangsbuchstaben seines Namens in Stein einbauen. Dieses Haus ist noch im Besitz seiner Nachkommen. Sein Sohn, Joseph Uhland, erlernte in Tübingen die Handlung, heirathete eine Tübinger Bürgerstochter und gründete die jetzt noch bestehende Handlung daselbst. Sein ältester Sohn, Ludwig Joseph, geboren den 15. Mai 1722, ist der Großvater unseres Dichters. Er studierte Theologie, wurde Diakonus in Marbach, dann Professor der Theologie in Tübingen, Superattendent des evangelischen Stiftes, und starb, nachdem er lange Zeit dieses Amt bekleidet, im 81. Lebensjahr. Sein zweitältester Sohn, Johann Friedrich, geboren 1756, der Vater Ludwig Uhlands, studierte die Rechtswissenschaft, übernahm die Stelle des Universitäts-Secretärs Jakob Samuel Hoser, dessen Tochter Elisabeth er im Jahr 1783 heirathete. Diese Familie stammt aus Augsburg, wo drei Glieder derselben Bürgermeister der freien Reichsstadt waren. Ludwig Uhland, das dritte Kind seiner Eltern, kam am 26. April 1787 zur Welt. Sein ältester Bruder war bald nach der Geburt gestorben; der zweite, Friedrich, war zwei Jahre älter als Ludwig. Es wird oft bei Dichtern die Frage aufgeworfen: von wem sich die poetische Begabung auf den Dichter vererbt habe? Ohne ein Gewicht darauf zu legen, ist hier zu bemerken, daß die Mutter seines Vaters eine Tochter des Landschaftseinnehmers Stäudlin war und drei Geschwister Stäudlin, zwei Brüder und eine Schwester, Gedichte herausgegeben haben, und auch die Mutter des Aesthetikers Friedrich Vischer ein Glied dieser Familie war. Daß diese Großmutter des Dichters eine Frau von seinem Geist und Gemüth gewesen sein muß, bezeugen die von ihr noch vorhandenen Briefe. Auch von ihrem Gatten, dem Großvater Uhlands, sind Gedichte vorhanden, die er an Frau und Kind gerichtet hat. Sie zeigen aber weniger eine entschiedene poetische Begabung, als einen frommen und zarten Sinn. Ein wahrhaftes, redliches und frommes Gemüth hat sich jedenfalls von den Großeltern und Eltern auf Ludwig UhIand vererbt und wurde von ihnen mit großer Liebe und Treue in ihm ausgebildet. Ein bis in die letzte Zeit ungedruckter Vers von ihm darf wohl auf ihn selbst angewendet werden.

Zu stehn in frommer Eltern Pflege; O welch ein Segen für ein Kind! Ihm sind gebahnt die rechten Wege, Die Andern schwer zu finden sind.

Das Haus, in welchem Ludwig geboren wurde, steht in der Neckarhalde, ganz nahe bei der großväterlichen Amtswohnung. Es wurde aber bald mit einem andern Hause vertauscht, welches dem Großvater angehörte. Seine Eltern hatten den ersten Stock inne, den zweiten bezog bald nach ihnen ein anderer Sohn des Großvaters, der Doctor der Medicin, Gotthold UhIand (später langjähriger Oberamtsarzt in Tübingen). Diesem wuchsen im Laufe der Jahre drei Töchter heran, mit welchen Ludwig viel zusammen war. Mit der ältesten, ihm im Alter am nächsten, stand er in so gutem Vernehmen, daß, wenn sie wegen einer Kinderunart eingesperrt wurde, er sich in seiner Mutter Küche auf den Herd setzte und durch den Rauchfang hinauf der lieben Base Märchen erzählte, um ihr die Zeit zu verkürzen.

Ludwigs älterer Bruder war ein schönes, feines Kind, während dieser auf Schönheit keinen Anspruch machte. Doch zieht ein noch vorhandenes, gutgemaltes Brustbild des etwa sechsjährigen Knaben durch den treuen, klaren Blick der großen blauen Augen und den festen Zug um den Mund den Beschauer an.

Bei den Verwandten war der ältere Bruder viel beliebter, als der jüngere, der ungemein lebhaft, ja wild gewesen sein soll. Wenn beide Brüder zusammen einen Besuch gemacht, so habe es immer geheißen: »grüß Gott, lieber Fritz, das ist schön, daß du zu uns kommst!« und dann eine Octave tiefer: »so Louis, du kommst auch mit;« eine Bevorzugung, welche Ludwig wohl fühlte, aber neidlos anerkannte.

Die Eltern durften sich nicht lange beider begabten Knaben freuen; das Scharlachfieber raffte den älteren in seinem zehnten Jahre hinweg, und als dieser auf den Kirchhof gebracht wurde, lag der jüngere an der gleichen Krankheit im heftigsten Fieber, fort und fort seine lateinischen Conjugationen hersagend, bis ihm die Stimme versagte.

Im Jahre 1795 wurde den Eltern eine Tochter geboren, zärtlich von dem Bruder geliebt, obgleich in den Kinderjahren durch die Altersverschiedenheit nicht zum Spielkameraden geeignet. Auch war Ludwig so wild und muthig, daß ihm bald kein Graben zu breit, keine Treppe zum Hinabspringen zu hoch war. Im Sommer übte er sich im Neckar im Schwimmen, im Winter war das Schlittschuhlaufen (in welchem er es zur Virtuosität gebracht) seine Freude. Die Gesundheitspflege machte ihm manche Drangsale. »Im Frühjahr mußte ich Schleenblüthethee trinken gegen die Würmer, das hat mir fast den Frühling entleidet,« erzählte er. Winters unterdrückte er im Zimmer, so lange es möglich war, den Husten, um nicht zu Hause bleiben zu müssen. Auch seine Kleidung wurde ihm oft lästig; er mußte lederne Kniehosen tragen und seine Haare pudern und hinten in ein Zopfband flechten lassen. Oft habe er sich durch Ohrfeigen den Puder aus den goldblonden Haaren gestäubt. In der Schule wurde dem Knaben das Lernen leicht, und der gestrenge Rector Hutten hatte den fleißigen Knaben, der fast immer den ersten Platz einnahm, gern. Ueberhaupt war Hutten bei allem Eifer doch gut gegen seine Schüler. Er konnte zwar wohl ausrufen: Ihr Nägel meiner Bahre! Ihr Teufel meiner Gesundheit! machte aber dadurch keinen zu tiefen Eindruck auf seine Schüler.

Die Gegend von Tübingen, mit dem klaren Flusse, dem nahen Walde, der die Höhen um das freundlich ernste Neckarthal bekleidet, bildete frühe in dem empfänglichen Gemüth des Knaben den Sinn für landschaftliche Schönheit aus, um so mehr, als Vater und Mutter diesen Sinn theilten und erweckten. Rottenburg, der jetzige Bischofssitz, war damals unter österreichischer Herrschaft und gehörte zur Grafschaft Hohenberg. Dorthin nahm ihn der bei allem Ernste und vielleicht etwas Pedanterie doch liebreiche Vater zuweilen mit sich. Es lagen dort Ungarn und Kroaten in Garnison, deren fremdartige Bewaffnung und Bekleidung den Ludwig sehr anzog. Auch das Fronleichnamsfest mit dem feierlichen Umzug mit Heiligenbildern, Fahnen und Kerzen, war ihm dort sehr merkwürdig. Aber auch in Tübingen selbst sollte er bald fremde Gäste sehen, denn Oestreicher und Franzosen zogen abwechselnd in großen Schaaren durch die Stadt. Die Spiele der Knaben nahmen dadurch einen kriegerischen Charakter an. Sie standen sich als Franzosen und Oestreicher gegenüber, wobei es Uhland immer mit den letzteren hielt. Obgleich ziemlich klein für sein Alter, zeigte er sich doch, nach den Aussagen seiner Zeitgenossen, ritterlich, und nahm es mit den größten in der Schule auf. Konnte er seine Zeit nicht im Freien zubringen, mit den Kameraden sich herumtummelnd oder den Schmetterlingen nachjagend, so ging er nach vollbrachter Arbeit gerne in das Haus der Großväter Uhland und Hofer; die Großmütter waren längst gestorben. Der väterliche Großvater hatte seine Amtswohnung, wie schon gesagt, in der Neckarhalde, neben dem Stifte, dessen erster Vorstand er war. Dort saß der Knabe gerne in dem schön gelegenen Hausgarten mit einem Buche. Der Vater seiner Mutter bewohnte mitten in der alten Stadt ein eigenes Haus allein, mit zwei alten Dienerinnen. Die eine, die mehr als fünfzig Jahre bei dem Großvater gedient und seit dem Tode der Frau die Wirtschaft führte, war in der Jugend schön und liebenswürdig gewesen; sie hätte längst eine Frau Professorin sein können, wenn sie nicht vorgezogen hätte, bei ihrem alten Herrn zu bleiben. Musje Louis, wie sie den Enkelsohn hieß, gewann sie auch so lieb, daß er später, nach des Großvaters Tod, als er schon Student war, gerne in ihrem eigenen Hauswesen Mittags ihr Gast war. In dem alten Haus, das sich bis zum sechsten Stockwerk hinaufthürmte, war Raum genug für altes Gerümpel aller Art; da gab es eine besondere Kammer für des Herrn Reisemützen, Perücken und Stöcke, in einer andern waren alte Bücher und Chroniken, mit wunderbaren Bildern, Reiseschilderungen von Ländern, wo die Bewohner nur ein Auge mitten auf der Stirne, andere wo Menschen mit Pferdefüßen und Kranichhälsen zu sehen waren, ein großes Kupferwerk mit gräulichen Darstellungen aus dem spanischen Kriege in den Niederlanden u. dgl. Da fand die Wißbegierde und die Phantasie des Knaben reiches Feld. Der Großvater war immer freundlich, wenn auch so stiller Art wie später der Enkelsohn. Die alte Madel hatte ein Herz voll Liebe zur Familie ihres Herrn. Sie wollte den Ludwig und seine Schwester Luise durchaus zu Erben ihres Ersparten einsetzen, und die Mutter der Kinder konnte sie nur dadurch bewegen, ihr Vermögen den eigenen Verwandten nicht zu entziehen, daß sie ihr vorschlug, ein Legat zu einstigen Hochzeitsgeschenken für die Kinder zu bestimmen. Die fünfzig Gulden für den »lieben Louis« wurden dann auch später von diesem zum Ankauf eines schlichten eichenen Schreibtisches und eines Bücherschrankes in die neue Wirthschaft verwendet, und wenn später die Hausfrau gerne für einen bequemeren Schreibtisch gesorgt hätte, so hieß es: »Ach laß mir meinen Schreibtisch, er ist von meiner lieben Madel!« So ist er auch in seinem Zimmer geblieben, wenn gleich französische und deutsche Touristen sich über die allzu einfache Einrichtung des Arbeitszimmers verwunderten. Noch nach einer Reihe von Jahren findet sich in Uhlands Tagebuch angemerkt: »Todestag der Madel.«

Der Lehrer der höheren Klasse, in welche Uhland mit dem zwölften Jahre eintrat, der Rector Kaufmann, war als tüchtiger Philologe bekannt. Er scheint seinen Lehreifer mit vieler Humanität gepaart zu haben. Die Knaben durften die lateinischen Verse, die sie zu liefern hatten, wohl zum Beispiel auf dem Fenstersims stehend und in die grünen Vorhänge drapirt vortragen. Oft war es ihnen auch freigestellt, ob sie lateinische oder deutsche Verse machen wollten. Das Bilden der lateinischen Verse scheint Uhland ungewöhnlich leicht geworden zu sein; über einen Sonntag lieferte er dem Lehrer einmal hundert. Auf der Schultreppe, beim Ueberzählen, fand er nur neunundneunzig; aber flugs wurde der hundertste noch vollendet. Oft fertigte er auch minder begabten Knaben die ihrigen, nur mußten sie sich gefallen lassen, daß die für sie bestimmten mit Humor nach ihrer Individualität gemodelt wurden. Der Rector unternahm auch zuweilen Spaziergänge mit seinen Schülern, und hielt sie dann zu kriegerischen Spielen an. Einmal bestieg er mit ihnen den Roßberg, den höchsten Punkt der Gegend, um dort die Sonne aufgehen zu sehen. Als die Erwartete endlich heraufstieg, habe Uhland die Arme ausgebreitet und ausgerufen: Sonne, du kommst! Die Knaben erwarteten ein Gedicht, aber zu ihrem Staunen blieb es bei diesen Worten. Von einem Gange, den er zuweilen mit den Eltern machen durfte, hat Uhland immer mit freudiger Erinnerung erzählt. Auf dem Hofgut Roseck, über dem Ammerthal auf der Höhe gelegen, wohnte ein herrschaftlicher Verwalter, ein Bekannter der Eltern. Das ländliche Leben ergötzte das junge Gemüth. Die Raben flogen auf den bekannten Ruf aus dem Wald herbei, um sich Futter zu holen. Unten im Hofe versammelten sich die so oft feindlich gesinnten Thiere, Hunde, Katzen, junge Schweinchen mit Waldvögeln und dem zahmen Federvieh in Eintracht um die große Futterschüssel. Dazu die liebliche Aussicht über das Neckarthal und auf der andern Seite der stille Wald. Auf solchen Gängen, bald mit den Eltern, bald allein, entwickelte sich wohl in der jungen Seele der Sinn und die Liebe zur Natur, da wurde das Auge für ihre Schönheit gewonnen, da nahm er die Bilder in sich auf, die uns in seinen Liedern so frisch anwehen.

Mit einem Schulkameraden las er nun auch Ritterromane von Spieß und Cramer. Sie hatten aber noch solchen Kindersinn dabei, daß sie die Ritter, Knappen und Burgpfaffen Sonntags Mittags sich malten und aufpappten und die Geschichten dann mit ihnen aufführten.

Auf der Höhe des Oesterbergs, damals noch Heideland, hat er sich zuerst mit frohen Kameraden herumgetummelt, oder den Schmetterlingen nachgejagt; nun saß er mit einer Rittergeschichte, etwas später mit Ossian und Hölty daselbst. Oft sah er auch dort den ziehenden Wolken, dem herannahenden Gewitter, dem Leuchten der Blitze zu, und erst wenn der Regen herabzuprasseln anfieng, eilte er mit großen Sätzen dem Elternhause zu. Dort ist auch später, im Jahre 1806, das frische Gedicht »Des Knaben Berglied« entstanden.

Schon von dem Jahre 1800 finden sich in einem kleinen Hefte eingeschriebene Gedichte, sie zeigen aber noch kein eigenes Gepräge. Das erste, welches angeführt werden soll, ist im Frühjahr 1801 entstanden. Es ist eigentlich eine Schulaufgabe. In der Tübinger Schule war es Sitte, daß der Erste in der Klasse in selbstverfertigten Versen den Schulvorstand um die Erlaubniß zur Vakanz ansprechen mußte. Diese Obliegenheit traf unsern jungen Dichter; er mußte im schwarzen Mäntelchen (das er sich aber erst in der Hausflur des Herrn Dekans umgebunden hatte), das folgende Bittgedicht vortragen:

Bitte um die Frühjahrsvakanz.

Der stürmische Winter im rauhen Gewande Floh hin zu des Eismeers versilbertem Strande, Floh hin zu des Nordpols verödeter Flur. Da weckte der Frühling im blumigten Kleide, Geschmückt mit dem duftenden Kranze der Freude, Aus ruhendem Schlummer die junge Natur.

Das heitere Licht der erwärmenden Sonne Erfüllt die Natur mit Entzücken und Wonne, Ihr Feuer zerschmolz den gefrorenen See; Er löste sich los in gekräuselten Wellen, Da stürzte sich in romantischen Fällen Vom hohen Gebirge der glänzende Schnee.

Jetzt schweigt das Getöse der zürnenden Winde; Der Zephyr umsäuselt die knospende Linde, An welche der flötende Schäfer sich lehnt. Die Heerde durchhüpfet mit fröhlichem Blöcken Die grünenden Anger, die blühenden Hecken, Wonach sie so lange, so sehr sich gesehnt.

Das Zwitschern der Schwalben, das Klappern der Störche, Das Schlagen der Wachtel, das Trillern der Lerche Durchströmet die Lüfte in buntem Gemisch. Es plätschert die schlüpfrige muntere Schmerle Im Teiche beschattet vom Wipfel der Erle, Und unter dem haarigen Weidengebüsch.

Die wärmenden Strahlen der Sonne erweckten Unzählige Heere von kleinen Insekten, Sie füllen mit dumpfem Gesäusel die Luft. Der Schmetterling flattert durch blumigte Waiden, Durch junge Gebüsche, durch sonnige Haiden Und schlürfet der Veilchen erquickenden Duft.

Der Ackermann jocht die gemästeten Stiere Vergnügt an den Pflug und die stattlichen Thiere Erfreut die Erlösung vom düsteren Stall. Hell schallen des Ackermanns ländliche Lieder Verdoppelt vom schattigen Tannenwald wieder, Vermischt mit der Peitsche erschütterndem Knall.

Und wir, wir Söhne der Musen, wir schauen Hinaus in des Neckar-Thals heitere Auen, Und Durst nach Vergnügen bewegt uns die Brust. Hier unter dem blauen, erhabenen Himmel, Zu wandeln im freudigen, bunten Gewimmel, O welches Entzücken, welch himmlische Lust!

Drum nahen wir uns nach der jährlichen Sitte Uns Ihnen, Hochwürd'ger! mit hoffender Bitte, Um Zeit zu des Frühlings vergnügtem Genuß. Doch nicht um in Muße die Zeit zu verträumen, Des Fleißes geheiligte Pflicht zu versäumen; Den Fleiß zu ermuntern sei unser Entschluß!

Dann kehren wir wieder mit frischeren Kräften Zurück zu den Musen, zu unsern Geschäften, Zurück mit erneuertem Eifer und Fleiß. Und daß wir gemäßigt die Freude genossen, Daß nicht blos in Muße die Zeit uns verflossen, Sei Wachsthum im Guten der schönste Beweis!

Der Confirmations-Unterricht, den Uhland von seinem hochbejahrten Großvater erhielt, weckte eine ernste Stimmung in ihm, die sich in dem folgenden Liede, gedichtet den 3. Mai 1801, ausspricht.

Jesu Auferstehung und Himmelfahrt.

In eines Felsen nachtumflortem Schoose, Da lag der heil'ge Gottessohn, Da lag er blaß, entstellt, auf weichem Moose, Des Lebens Odem war entflohn; Da ruhten seine Glieder, ach die müden, In stillem Frieden.

Da lag er ach! im Felsen eingemauert, Von keinem Lüftchen angeweht, Von wenigen Getreuen nur betrauert, Von Vielen frech verhöhnt, verschmäht. Die Todtenvögel klagten an den Felsen Aus heisern Hälsen.

Nur wen'ge seiner treuen Schüler wallten Mit Thränen oft zum Grab hinaus, Doch Myriaden Trauerlieder hallten Dort oben in des Vaters Haus; Dort weinten ihm in unermeßnen Weiten Der Engel Saiten.

Doch endlich dämmerte der dritte Morgen, Seitdem der Leib begraben war, Noch lag er in der Felsenkluft verborgen, Noch klagte sanft der Engel Schaar. Da wurde schnell das Land des Herrn erschüttert, Judäa zittert.

Da brausten wild der Erde Eingeweide, Die Meere strebten himmelan, Der Tabor und der Hermon wankten beide, Palläste riß des Sturmwinds Zahn. Da sprang der Jesusfels gleich alten Eichen Bei Wetterstreichen.

Und aus den hohlen, weitgespalt'nen Klüften Steigt feierlich der Herr einher; Ein Silberkleid umflattert seine Hüften Und ihn umfließt ein Strahlenmeer, Ein Strahlenmeer, als wären tausend Sonnen In Eins zerronnen.

Und seine Wächter, die vorher so dreisten, Ertragen nicht das Gotteslicht, Sie werfen Spieß und Schwerter aus den Fäusten Und stürzen hin auf's Angesicht. Da liegen sie, die Würmer, ach! sie gleichen Erblaßten Leichen.

Doch nicht um Rache an dem Feind zu üben, Entstieg der Heil'ge seinem Grab; Ach nein! er wandelt hin zu seinen Lieben Und trocknet ihre Thränen ab; Er will als Gottes Sohn den Jüngerschaaren Sich offenbaren.

Doch bald entschlüpft dem Tabor eine Wolke Und hebet den Erstand'nen auf. Er spricht zu seinem tiefgerührten Volke: »Getrost, zum Vater geht mein Lauf!« Und bald entschwind't er über allen Sternen In blauen Fernen.

Im Spätjahr 1801 durfte Uhland eine Vakanzreise zu Verwandten in Stuttgart und Brackenheim unternehmen. Ein Brief der zärtlichen Mutter, der ihm nach Stuttgart nachgeschickt wurde, zeigt durch die mannigfachen Ermahnungen, die er enthielt, wie z. B. nicht zu trinken, wann er warm habe, nicht zu weit zu Fuß zu gehen, bei unbeständigem Wetter lieber mit dem Boten zu fahren u. s. w. das ängstliche Mutterherz. Der Sohn war noch nicht lange in Brackenheim bei seinem Oheim, dem Dekan Uhland, angekommen, als Vater und Mutter angefahren kamen, dem Sohne zu großer Ueberraschung. Unvorhergesehene Umstände hatten sie zur Reise veranlaßt. Nachdem ihr Ludwig die Vakanzreise angetreten hatte, war ein Professor, der ein beträchtliches Familienstipendium zu verwalten hatte, zum Vater gekommen, um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß ein Platz darin erledigt werde, und daß sein Sohn das erste Recht darauf habe. Um aber eingesetzt zu werden, müsse dieser jetzt schon inscribiren und entweder die Theologie oder die Rechtswissenschaft zum Studium erwählen, weil der Stifter, dem die Aerzte von einem schweren Leiden nicht helfen konnten, die Medicin Studierenden vom Genusse ausgeschlossen hatte. Bei den Eltern hatte sich die Ansicht gebildet, ihr Sohn würde am Besten thun, den Beruf eines Arztes zu wählen, wie der Onkel Doctor, bei dem sie im Hause wohnten. Ludwig Uhland hätte sich am liebsten der Philologie gewidmet, wenn es in jener Zeit üblich gewesen wäre, diese zum Hauptstudium zu wählen. Die Einrichtungen im württembergischen Studienwesen waren aber damals von der Art, daß das Studium der Philologie und Theologie enge mit einander verbunden waren. Alle Lehrstellen im Lande wurden mit Männern besetzt, die Philologie und Theologie studiert hatten. So kam es, daß Ludwig der Eltern Ansicht: er solle Mediciner werden, ohne Abneigung zur seinen gemacht hatte. Der Onkel Doctor war auch so liebenswürdig und wurde überall so hoch geschätzt, daß sein Vorbild ihm die Wahl wohl einleuchtend machen konnte. Die Nachricht des Professors war für Uhlands Vater die Veranlassung, jetzt schon eine entschiedene Berufswahl mit dem Sohn zu treffen; er stellte diesem die Wahl frei, bemerkte ihm aber, daß, wenn er sich zur Rechtswissenschaft entschließen wolle, er den Ertrag des Stipendiums für ihn zu einer künftigen Reise aufbewahren wolle. Dem Knaben, dem die Mutter kaum erst geschrieben hatte, er möge Acht geben, daß er dem Wagenrade nicht zu nahe komme, wurde nun die Wahl des künftigen Berufes anheimgegeben! Er machte des Vaters Ansicht, er werde wohl thun, das Jus zu ergreifen, auch zur seinigen. »Ich kehrte mit den Eltern heim und inscribirte den 3. October als Jurist,« erzählte er später den Freunden.

Hiemit schließen wir die Kinderjahre, setzen aber der Zeit etwas vorgreifend ein Neujahrsgedicht vom 1. Januar 1802 an die Eltern bei, weil es seine herzliche Dankbarkeit gegen diese ausspricht.

Meinen Eltern am Neujahr 1802.

Meines Lebens zarte Blüte Hat die Zeit nun abgestreift, Und, bewahrt durch Gottes Güte, Sind die Früchte bald gereift.

Wie nach Freunden, die in's Ferne Unserm Aug enteilend gehn, Wir zwar trüben Blicks, doch gerne Noch, so weit wir können, sehn:

Also durch der Vorzeit Dunkel Seh ich nach der Kindheit Glück, Das, wie goldner Sterne Funkel Fern im Nebel blinkt, zurück.

Stets aus sinnendem Gemüthe Tönt mir dann der laute Ruf: Dank den Eltern, deren Güte Jene Zeit so glücklich schuf!

II. Die Studienjahre.

1801–1810.

Es war in jener Zeit nicht ungewöhnlich, daß die Söhne der Tübinger Bürger schon frühe als Studenten aufgenommen wurden. Die lateinische Schule reichte nur bis zum 14. Jahre, dann wurde durch Privatunterricht, wozu die Repetenten des evangelischen Stiftes gute Gelegenheit boten, die Kenntniß der alten Sprachen weiter geführt und dazu kamen noch einige Vorlesungen, wie Geschichte, Literaturgeschichte, die Naturwissenschaften und Mathematik.

Für unsern angehenden Studiosen wurde Repetent Seubert (später Garnisonsprediger und Prälat) zum Lehrer gewählt. Uhland hatte für die alten Sprachen viel Interesse; er erzählte später: »Auch außer den Unterrichtsstunden beschäftigte ich mich viel mit den klassischen Autoren; mit meinem Freunde und Schulkameraden Hermann Gmelin (später Oberjustizrath) habe ich wiederholt die Odyssee und die griechischen Tragiker, besonders den Sophokles, gelesen. Den Sommer über brachten wir manche Abendstunde in seines Vaters Garten damit zu. Ich machte auch gerne meine Neujahrsgedichte für den Großvater in horazischen Versen. Ueberhaupt war ich Familiendichter. Auch für Onkel Doctors Mädchen machte ich ihre Geburtstagswünsche. Die deutschen Verse wurden zu Hause und bei Behörden gerne gesehen, um – den Styl zu bilden. Um diese Zeit fand ich bei einem Verwandten, dem Professor Weisse, in einem Journal, das Heidelberger Museum betitelt, Lieder aus dem Heldenbuche, namentlich das Lied vom alten Hildebrand, das tiefen Eindruck auf mich machte.« Der Lehrer der Mathematik, Professor Bohnenberger, war wohl der ausgezeichnetste von Uhlands Lehrern, aber für dieses Studium hatte er nur wenig Begabung. Der Geschichtsvortrag des Professors Rösler sprach ihn wenig an, da er seinen Stoff meistens sarkastisch behandelte. Rösler war aber sehr freundlich gegen Uhland, seine Bibliothek stand ihm immer offen. »Wie glücklich war ich (sagte Uhland hierüber), wenn ich den Saxo Grammatikus in der Uebersetzung von Müller oder die Heldensage mit nach Hause nehmen konnte; aus diesem Werke entkeimte meine Vorliebe für die nordischen Mythen. Der Heldensage habe ich meinen blinden König (1804) entnommen.«

Mehr Anregung als durch Rösler erhielt er durch eine Vorlesung des Professor Seybold über den Homer. Als der Lehrer die Odyssee, Ossian (oder die Aeneide?) und das lateinische Gedicht Walther von Aquitanien verglich, war das sehnsüchtige, liederdürstende Herz seines Zuhörers voll Wonne. Mit klopfender Brust eilte er in die Wohnung des Lehrers und erbat sich den Waltharius von ihm. In dem Liede von Walther und Hildegund hatte er nun gefunden, was die eigenthümliche Richtung seines Wesens verlangte. »Das hat in mich eingeschlagen,« sagte er. »Was die klassischen Dichtwerke, trotz meines eifrigen Lesens, mir nicht geben konnten, weil sie mir zu klar, zu fertig dastunden, was ich an der neueren Poesie mit all ihrem rhetorischen Schmucke vermißte, das fand ich hier: frische Bilder und Gestalten mit einem tiefen Hintergrunde, der die Phantasie beschäftigte und ansprach!« Er fühlte sich so reich in diesem Buche, daß er in seiner Begeisterung anfing den Band in der Nacht abzuschreiben; ein Unternehmen, das er freilich nicht zu Ende führen konnte, das aber zeigt, wie sehr er durch das Buch hingenommen war. Nicht lange nachdem Uhland zu studieren angefangen hatte, wurde Philipp Conz (bisher Helfer in Ludwigsburg, wo er sich Justinus Kerners sehr freundlich angenommen hatte) als Professor der deutschen Literatur an die Universität berufen. Er zeigte sich auch gegen Uhland sehr gefällig, lieh ihm seine Bücher und ging ihm mit Rath und That zur Hand, und obgleich der junge Poet, dessen Lieder nach und nach bekannt wurden, andere Wege in der Poesie einschlug, zeigte ihm Conz immer wohlwollende Theilnahme. Uhland führte später als Professor in seinem Stylisticum an, daß er ein derartiges Colleg in seiner Jugend vom Professor Conz mit Nutzen gehört habe.

Weitere Nahrung fand er im Jahre 1805 in des Knaben Wunderhorn. Auch Herders Volkslieder wurden ihm nun bekannt, und wie dieser durch die von Bischof Persy gesammelten und herausgegebenen altenglischen Lieder, die Reliques of ancient English Poetry, zu seinen Forschungen veranlaßt wurde, so wurde nun Uhland angetrieben, mit dem Französischen und Englischen, später auch mit dem Spanischen und den nordischen Sprachen sich zu beschäftigen, um die alten Lieder im Urtexte lesen zu können. All dieses trieb er, außer dem Französischen, stille für sich. Die Schulkameraden waren anderen Bahnen gefolgt und mit den Studenten hatte er noch wenig Verkehr. Das Schweigsame in seinem Wesen, über das früher öfters geklagt wurde, mag wohl in jener Zeit entstanden sein, so weit es nicht schon von Kindheit an in seiner Natur lag. Für oberflächliches Gespräch hatte er allerdings wenig Sinn, wenn er aber durch ein tieferes Interesse für bedeutende Gegenstände angeregt wurde, wenn er Empfänglichkeit dafür fand, so wurde er belebt und es war ihm ein Genuß, sich mitzutheilen. Das eigentliche Burschenleben hat er nur selten mitgemacht, auch in späterer Zeit nicht, wo er mehr mit Studenten umging. Vom rohen Studentenwesen blieb er durch das ihm innewohnende Zartgefühl bewahrt, aber auch an erlaubten Jugendgenüssen hat er sich weniger betheiligt, weil er im Elternhause lebte. Das Taschengeld, das ihm der Vater gab, wurde gar oft zu Büchern verwendet und reichte dann nicht mehr zu Studentenlustbarkeiten. Mehr fordern mochte er nicht, da er sah, daß auch die Eltern bei dem mäßigen Einkommen sich beschränken mußten, so herzliche Gastfreundschaft auch im Hause geübt wurde. In der Kindheit und der ersten Jugend hat er manche Stunde dem Zeichnen, besonders dem Landschaftszeichnen mit Aquarellfarben gewidmet, zu welchem er Anlage hatte. Die Lust zum Studium der Sprachen und zur Poesie hat diese Begabung in den Hintergrund gedrängt. Wenn er aber später in seinem Mannesalter den kleinen Neffen auf ihren Wunsch eine Thiergruppe oder Soldaten zeichnete, so war an dem flüchtig entworfenen Bilde zu sehen, wie fein der Formensinn des Zeichners war. Diese Bilder wurden mit der linken Hand ausgeführt, deren er sich überhaupt gern bediente. Es mag dieß, neben seiner großen Kurzsichtigkeit, dazu beigetragen haben, daß er sich minder gewandt zeigte, wenn etwas angefaßt, geknüpft oder angeboten werden sollte. Musik hat er zwar nie selbst getrieben, er hatte aber ein richtiges Ohr und viel Sinn und Gefühl für sie. Später, auch in beschränkter Lage, hat er sehr gerne die Oper in Stuttgart besucht und noch in hohen Alter versäumte er selten eine musikalische Aufführung. Die Violine war sein Lieblingsinstrument und Quartette der Streichinstrumente waren ihm besonders lieb. In heiterer Gesellschaft nahm er eifrig Theil am Singen der Gesellschaftslieder. Vom Tanze war er gerade kein großer Freund, doch besuchte er in seiner späteren Studentenzeit gerne das Casino in Tübingen. – Vom Jahr 1804 ist das folgende Lied:

Lied eines Hochwächters.

Was kümmert das Getümmel Der kleinen Erde mich! Hoch in dem blauen Himmel Leb unter Sternen ich.

Und seh so klein da unten Die Erdenmännlein gehn, Seh wie sie sich in bunten Geschäft'gen Wirbeln drehn.

Doch Dank! zu meiner Höhe Dringt nicht ihr Modezwang, Schwingt sich kein Ach und Wehe Und keiner Fessel Klang.

Dem Himmel angetrauet Kann frei und froh ich sein, So weit mein Auge schauet Ist diese Erde mein.

Und mein sind alle Sterne, Die durch den Himmel gehn, Und sich in blauer Ferne Mir überm Haupte drehn.

Wenn einst mit Gottes Willen Mein Erdenleib zerfällt, So trägt man ihn im Stillen Hinab zur kleinen Welt.

Und ihr geschäft'gen Leute! Ihr leget ihn zur Ruh, Längst schwang sein Geist voll Freude Sich sel'gern Welten zu.

Auch das Lied: »Die sterbenden Helden« ist aus dieser Zeit. Im Jahre 1804 kam Justinus Kerner nach Tübingen. Schon früher waren die jungen Leute bei gemeinschaftlichen Verwandten bekannt geworden. Die Liebe zur Poesie brachte sie sich immer näher und Kerners bewegliches zutrauliches Wesen übte auf den zurückgezogeneren Uhland einen sehr günstigen Einfluß. Durch ihn wurde er nun auch mehr mit anderen Studenten bekannt und bald bildete sich ein Kreis von Freunden, die in Abendzusammenkünften frohe und genußreiche Stunden verlebten und für das ganze Leben sich an einander schloßen. Karl Mayer (später Oberjustizrath in Tübingen), auch durch die Poesie mit Kerner und Uhland verbunden, trat beiden innig nahe. Heinrich Köstlin, Georg Jäger (beide später Medicinalräthe zu Stuttgart), dann Karl Roser, in der Folgezeit Uhlands Schwager, und kurz vor ihm als Staatsrath zu Stuttgart gestorben, und andere mehr, bildeten einen frohen, geistig bewegten Kreis. Vom Jahr 1805 an mußte sich Uhlands Studium, das bisher mehr der Philologie und Geschichte zugewendet war, mehr auf die Rechtswissenschaft richten; sie wurde auch nicht vernachlässigt, obgleich er wenig Neigung für sie hatte und – wenig anregende Lehrer ihn auch nicht mehr dafür gewinnen konnten. Doch blieb, neben treuem Fleiße für dieses Fach, noch manche Stunde der Poesie gewidmet, zu welcher er sich in dieser Lebenszeit besonders hingezogen fühlte. Von seinen Liedern sind viele während der Studienzeit gedichtet. Im Spätjahr 1806, in der Herbstvakanz hatte er die Freude, mit einigen Freunden, Jäger und Hochstetter und einem Schweizer, Kind aus Chur, eine Fußreise durch die deutsche Schweiz machen zu dürfen. Auf starken Tagmärschen durchzogen sie den größten Theil derselben. Außer »Tells Platte« hat sich aber kein Gedicht über diese Reise vorgefunden, mit so lebhafter Erinnerung Uhland auch später derselben gedachte. Seine Liebe zu Volksliedern ließ ihn auch in der Schweiz emsig danach forschen und als er bei einem Schuhmacher in Meyringen im Haslithal sich die Stiefel sohlen ließ, glückte es ihm, auch zwei alte Balladen zu erhaschen, die in Seckendorfs Almanach abgedruckt wurden. Er schickte dem Schuhmacher als Gegengeschenk Schillers Wilhelm Tell.

Durch Vermittlung eines Landsmanns, des nachherigen Legationsrath Kölle, sandte Uhland 27 Gedichte von sich und 7 von Kerner an Leo von Seckendorf nach Regensburg zur Aufnahme in seinen Almanach. Seckendorf äußert sich gegen Kölle sehr zufrieden über diese Sendung und wundert sich, daß er von diesen Dichtern noch gar nichts gehört habe. Bald darauf wurde Uhland selbst brieflich mit Seckendorf bekannt und schickte ihm Uebertragungen aus dem Heldenbuche, die dieser günstig aufnahm. Von dem Ende des Jahres 1806 ist folgender Brief Uhlands an Seckendorf.

Uhland an Leo von Seckendorf zu Regensburg.

Ihr Brief vom 18. Okt. (erhalten d. 10. Nov.), öffnete mir die angenehme Aussicht, mit Ihnen in nähere Bekanntschaft und literarische Verbindung treten zu können; ließ mich aber beinahe besorgen, daß Sie mehr von mir erwarten, als ich zu leisten vermag. So sehr mir nehmlich das Studium der altdeutschen Poesie am Herzen liegt (und am Herzen lag zu einer Zeit, da die Bemühungen der Neueren noch nicht öffentlich, oder mir wenigstens noch nicht bekannt waren), so sehr ich wünsche, mich in Verhältnisse versetzt zu sehen, wo auch ich zur Wiederbelebung unserer poetischen Vorzeit mein Geringes beitragen könnte – so wenig sah ich mich bisher im Stande, in diesem Fache zu wirken. In einem Alter von noch nicht vollen 20 Jahren und bei einer ganz entgegengesetzten Bestimmung ist es mir wohl schon an sich nicht möglich, große literarische Umsicht erlangt zu haben. Dazu kommt, daß mir keine ansehnliche Bibliothek offen steht, aus der ich verborgene Schätze hervorziehen, oder auch nur mich mit dem schon Vorhandenen vertraut machen könnte.

Vorerst also hab' ich weder etwas bedeutendes in Händen, noch zeigt sich mir Gelegenheit zu einer bestimmten Richtung meiner Neigung für die altdeutsche Poesie überhaupt. Mit Vergnügen aber würd' ich Alles ergreifen, was Zufall oder Unterstützung eines Freundes mir zuführen sollte. Mittheilung eines Gegenstandes, an dem ich meine Kräfte auf angemessene Art üben könnte, oder auch nur Anweisung, wo ein solcher zu finden wäre, sind mir daher immer willkommen.

Da jedoch zu jeder ästhetischen, wenn auch nicht productiven Arbeit eine Stimmung erforderlich ist, welche die launische Stunde nach Willkür gibt oder versagt, so kann ich für mich selbst nicht Bürge sein, wiefern mir die Ausführung dieser oder jener Arbeit möglich wäre, abgesehen davon, daß auch die Zeit, die ich auf diese Studien verwenden kann, sehr beschränkt ist. Der einzige Versuch, den ich in diesem Fache gemacht habe, sind die Bruchstücke aus dem Heldenbuche. Vielleicht würde ich mehrere auf diese Art bearbeitet haben, wenn mir nicht bekannt wäre, daß man neuerlich ein älteres und ächtes Heldenbuch aufgefunden haben will. Da ich nicht Gelegenheit habe, den dahin gehörigen Aufsatz von Docen zu lesen, so würde mir einige Belehrung über diesen Gegenstand sehr erwünscht sein. Hat man wohl alle Theile des Heldenbuches in einer älteren Gestalt aufgefunden? Welche Sprache und welche Versart hat das ältere Heldenbuch? Etwa die des Nibelungenliedes? Tieck soll während seines Aufenthaltes in Rom wichtige Entdeckungen im Felde der altdeutschen Poesie gemacht haben.

Noch red' ich von einem Gegenstand, der unsrem beiderseitigen Interesse nicht fremd sein möchte. Der deutsche Dichter, dem es um die wahre, in rüstigem Leben erscheinende Poesie zu thun ist, fühlt einen auffallenden Mangel an vaterländischer Mythologie (nicht in dem Sinne, in welchem man die nordische Götterlehre der Edda bei uns geltend machen wollte), er findet so wenig alte Kunden seiner Nation, die sich der bildenden Kraft ohne Sträuben hingäben und doch auf der andern Seite das tiefste Leben der Seele zur objectiven Erscheinung förderten. Die Geschichte kann diesen Mangel nicht ersetzen. Die griechischen Dramatiker hatten vor sich ihre Epiker, Shakespeare eine reiche Menge alter Lieder und romantischer Erzählungen; auch wir Deutsche stehen auf dem Punkte der dramatischen Kraft und suchen eine Vorwelt epischer Dichtungen.

Wir haben zwar einige Volksromane (obgleich wenige der bekannteren ursprünglich deutsche sein mögen), ihre Anzahl ist aber so gering, daß die brauchbareren meist schon von Tieck und anderen bearbeitet sind. Leider liegt zwischen uns und den Zeiten, wo solche Mären im Gange waren, eine altkluge Periode, welche auf jene romantischen Kunden verachtend herabsah, und sie der Vergessenheit überließ, oder gar gewaltsam in dieselbe hinabstieß. Um so ernster sollte man in unsern Tagen darauf denken, zu retten was noch zu retten ist. Aber nicht bloß ursprünglich deutsche, auch die Kunden verwandter Völker, von den Rittern der Tafelrunde, des Grals, Karls des Großen u. s. w., sowie die altnordischen Erzählungen verdienen alle Aufmerksamkeit. Ein Geist des gothischen Ritterthums hatte sich über die meisten Völker Europas ausgebreitet. Auch gehört manches hierher, was in deutschen und lateinischen Chroniken treuherzig als Geschichte erzählt wird und oft auch wirklich Geschichte ist oder doch eine historische Grundlage hat. Denn auch die Geschichte der alten Zeiten trägt einen romantischen Schein. Zwar zeigten sich in unsern Tagen mehrere Bearbeiter von Volksmärchen, es wurden wohl auch diejenigen solcher Kunden, welche sich durch bessere Darstellung empfehlen, aus alten Schriften herausgegeben, allein könnte nicht noch mehr geschehen? Sollte nicht der Literator, dem ein reicher Vorrath alter Schriften zu Gebote steht, und der nicht selbst die Absicht hat, Kunden dieser Art poetisch zu bearbeiten, solche wenigstens, wo er sie antrifft, sammeln und den Dichtern seines Volkes anbieten? sollt' er es nicht thun, wenn auch diese Kunden, wie er sie in alten Büchern findet, keinen künstlerischen Werth haben, aber doch aus den Schlacken ein körniges Gold blicken lassen, das der Künstler bearbeiten könnte? Eine plane, den alten Büchern getreue, oder noch lieber wörtlich daraus genommene Erzählung würde zu diesem Zwecke hinreichen, wenige Mühe kosten und für Manchen von großem Werthe sein.

Auch mir wäre es sehr wichtig, wenn ich solche Kunden zu Gesichte bekommen oder Andeutungen erhalten könnte, in welchen alten oder neuen Büchern derlei zu finden sind.

(Die Bibliothek des Romantisch-Wunderbaren, wovon ich 2 Theile in Händen hatte, mag zum Theil diesen Zweck haben, schien mir aber, obwohl auch dieß verdienstlich ist, mehr nur romantische Bilder als größeren gediegenen Stoff zu geben.) Gibt es eine Volksbibliothek oder Bibliothek von Volksromanen, und ist solche gehaltreich? Ueberhaupt nehmen Viele, besonders das gewöhnliche Lesepublikum zu wenig Rücksicht darauf, daß man bei Wiederaufgrabung der verschütteten Vorwelt auch das hereinzuziehen habe, das zwar für sich ohne großen Werth ist, aber doch als Stück in der großen Ruine seinen Platz ausfüllt. So sind z. B. in dem werthen Buche: Des »Knaben Wunderhorn« auch sehr mittelmäßige oder unvollständige Lieder. Solche, die das Buch flüchtig durchblättern und solche einzelne Stücke lesen, rufen aus: Was soll das? Dem aber, der in den ganzen Cyklus der altdeutschen Poesie eingeweiht sein möchte, werden auch diese geringeren Reste nicht gleichgültig sein, sie werden ihm zur Erklärung des Kostbareren und in Hinsicht auf das Ganze manchen Nutzen versprechen. Man rette lieber zu viel als zu wenig!

Wenn dieser Brief etwas lang geworden ist, so haben Sie es Ihren eigenen Einladungen und der Berührung eines Stoffes, der mir so nahe liegt, zuzuschreiben.

Meine Adresse ist:

Ludwig Uhland zu Tübingen.

Leo von Seckendorfs freundliche Antwort, vom 25. Januar 1807, lautet im Auszug:

»Ich habe Ihren Brief mit wahrem Interesse gelesen, denn er enthält Stellen, die mich wie aus den ersten goldenen Träumen meiner Jugend trafen – sie wurden nicht erfüllt, alle Blüthen meines Geistes sproßten auf unfruchtbarem Boden. Das innere Gähren konnte sich zu keiner reinen Schöpfung gestalten und ein glücklicher äußerer Anstoß hat mir stets gefehlt. Auch Ihnen scheint die Gegenwart entgegen zu wirken, der Kampf Ihrer Neigung mit den Verhältnissen ist da – aber in einem solchen Kampfe gedeiht auch das poetische Gemüth, gezwungen sich am eigenen Feuer zu wärmen und sich zu concentriren, um seinen Gegnern die Spitze bieten zu können.« – Er berichtet ihm von Planen in Bezug auf altvaterländische Literatur, die er mit Docen besprochen habe, wenn – er dazu einen Verleger finde. Dann macht er Uhland Mittheilungen über Docens Thätigkeit, er habe Fragmente des Heldenbuches aufgefunden u.s.f. Auch beantwortet er die Anfragen in seinem Briefe. Später schreibt er von Uhlands Proben einer Uebersetzung aus dem Heldenbuche. »Gerade diese Enthaltsamkeit im Umkleiden ist es auch, was mich in ihren Proben in meinem Almanach so sehr anspricht, der Geist des Ganzen weht mich an, deßwegen wünschte ich wohl das ganze Gedicht (wenn wir es erst in reiner Gestalt besitzen) von Ihrer Hand.« Dann ermuthigt er Uhland, sich auch in dramatischer Poesie zu versuchen; er nennt ihm dazu einen Stoff: Francesca da Polenta aus Dantes Hölle. Uhland ergriff diesen Stoff, führte ihn aber nur zum Theil in Versen aus. Auch zur Bearbeitung des Fortunats räth Seckendorf.

Uhlands Erwiederung auf diesen Brief kann aus dem Concept, dem sie entnommen ist, nur unvollständig wiedergegeben werden.

Uhland an Leo von Seckendorf.

Tübingen, 6. März 1807.

Herzlichen Dank für Ihren Brief, der so manche Zeichen Ihrer freundschaftlichen Gesinnungen gegen mich enthält und von so manchen Gegenständen handelt, die mir am Herzen liegen. Die Belehrungen über das Heldenbuch waren mir sehr wichtig. Das Heldenbuch in der ächten Gestalt wird für eine künftige Bearbeitung um vieles leichter, da die Hälfte der Reime wegfällt und in dem größeren Zwischenraume von einem Reime zum andern sich weit ungezwungener diese oder jene Wendung nehmen läßt. Meiner Meinung nach sollten die Bemühungen der Literatoren sich zuerst und vorzüglich auf das Heldenbuch selbst und auf mit dem Heldenbuch und den Nibelungen verwandte Gedichte richten, wie Dietrich von Bern, der getreue Eckard, hörnerne Siegfried, König Etzel. Sie umfassen doch wohl die älteste Heldenwelt, die ächte Mythologie unserer und der mit ihr verwandten Nationen und sind wahrscheinlich Originalgedichte. Mir ist daher auch das lateinische Gedicht von Walther von Aquitanien werth, das doch wahrscheinlich auf einem altdeutschen Original beruht, dessen Auffindung zu wünschen wäre. In den Nibelungen (S. 115, V. 9179 f.) ist auf die in jenem Gedichte erzählte Begebenheit angespielt – – Wenn Sie mich zu Bearbeitung altdeutscher Gedichte tüchtig glauben, so trauen Sie mir vielleicht zu viel Fleiß und Geduld zu. Ueberdieß haben solche Bearbeitungen, wie man sie jetzt geben kann, nur ephemeren Werth und sollen nur solchen haben, denn je mehr das Publikum mit altdeutscher Sprache und Art bekannt wird, desto ächter kann man ihm das Denkmal der Vorzeit überliefern. Wenn daher, will's Gott, das Publikum in zehn Jahren hierin um ein Merkliches vorgerückt ist, so kann man ihm schon eine dem Original um vieles nähere Bearbeitung in die Hände geben, als man jetzt wagen dürfte. Schon durch Tieck und andere Dichter ist dadurch Gutes gewirkt worden, daß sie alte Worte und Formen wenigstens in einem gewissen Kreise in Kurs gebracht. Neuere Dichter sollten auf diesem Wege muthig fortschreiten und sich mit der Sprache sowohl als der Mythologie und ganzen Poesie unserer Väter mehr und mehr in traulichen Verkehr setzen. Wie wäre es, wenn man in Almanachen (wie in Ihrem künftigen Musenalmanach) eine Abtheilung der altdeutschen, die andere der neudeutschen Poesie bestimmte? Es freut mich schon, daß zwei Recensionen Ihres Almanachs aus meinen eigenen Gedichten und aus den Bruchstücken aus dem Heldenliede Stellen ausheben, ohne zu bemerken, wem sie eigentlich angehören. – Frühe schon wollte ich meine Poesie zum Größeren sammeln. Ich könnte Ihnen eine Reihe von Planen zu epischen und dramatischen Gedichten aufführen, die ich mit Liebe entworfen, oft ziemlich klar gestaltet (zu Papier brachte ich nur weniges) und dann verlassen habe. Nur Eines will ich gedenken. Vor etwa zwei Jahren begann ich eine Tragödie zu entwerfen: Achilleus Tod. Sie sollte die Idee darstellen: wenn auch das Schicksal die Ausführung unserer Entschlüsse hindert, haben wir sie nur ganz und fest in uns gefaßt, so sind sie doch vollendet. Was in der Wirklichkeit Bruchstück bleibt, kann in der Idee ein großes Ganzes sein. (Die Idee bleibt unberührt vom Schicksal.) Verschiedene Ursachen, besonders aber meine Vorliebe für das Romantische, dem der griechische Boden nicht angemessen war, hielten mich von der Ausführung ab. Ich hatte seitdem mehrere andere Entwürfe, aber ein gewisser Kampf in mir ließ keinen zur Vollendung kommen. Ueberdieß habe ich sehr wenig Neigung zum Gedichte-Schreiben. Ich komme schwer dazu, Gestalten, die ich in begeisterten Momenten gesehen und entworfen, in ruhigen auszumalen. Wenn ich mich nach poetischem Stoff umsehe, so geschieht es vorzüglich darum, weil bloß idealische Gestalten nicht so leicht vollkommene Objectivität erhalten, wie solche, die dem Dichter schon lebendig entgegentreten, aber ihr höheres Leben erst von ihm erwarten. Er wird durch die letztern in angenehme Selbsttäuschung versetzt, sein unbestimmtes Schweifen erhält eine Begrenzung, seine peinigende Willkür wird gebunden, zwar nicht mit Fesseln, aber durch die Arme der Geliebten. Ihre Beurtheilung meiner Gedichte war mir willkommen. Sie sind größtenteils lyrische Ergüsse eines jugendlichen Gemüthes. Ueber diese sei mir erlaubt einiges zu sagen. Die ersten Gefühle und Lebensansichten einer erwachenden Seele, sie bilden die erste Periode meiner Poesie. Sollte der Dichter alles darstellen dürfen, nur sich nicht? Ich glaube, daß es dabei sehr auf die Dichtungsart ankommt, die er wählt. Die lyrische Stimmung steht der Subjectivität offen. Aber selbst im Drama, dünkt mir, kann er sich selbst, oder vielmehr seine ideale Individualität einführen, wenn er ihr nur Leben und Objectivität für Andere zu geben weiß. Die meisten Erstlinge dramatischer Dichter sind auch von dieser Art. Freilich hat er sich dabei wohl zu hüten, daß nicht alle Personen nur verschiedene Modificationen des Hauptcharakters werden. Will er sich selbst auftreten lassen, so wisse er sich auch von andern zu unterscheiden.

Das Morgenblatt veranlaßte eine Gesellschaft junger Freunde, hier ein geschriebenes Sonntagsblatt herauszugeben, das einem vertrauten Kreise mitgetheilt wird. Es soll ein gemeinschaftlicher Verein unserer Jugendpoesie sein. Gespräche über verschiedene Gegenstände, Gedichte, Aufsätze über Poesie, Satyren u. s. w. sind der Inhalt. Man theilt einem traulichen Kreise Dinge mit, die sich nicht für das Publikum eignen würden. Es sind wirklich einige vorzügliche Stücke von Kerner und einem Ungenannten zu Tage gekommen. Auch Musikalien, Zeichnungen von einem unserer Freunde, der nicht geringes Talent zur Carikatur besitzt, sind beigefügt. Da ich überhaupt seit geraumer Zeit weniges habe, so konnte ich bisher weniges beitragen. Es ist, wie ich schon gesagt, als wäre mit der Sammlung in Ihrem Almanach eine gewisse Periode meiner Poesie geschlossen. Unlängst habe ich ein Blatt ausgearbeitet, das ganz der alten Poesie geweiht ist. Es enthält ein Bruchstück aus den Nibelungen mit Beziehungen auf das Ganze, welche letztere ich Ihnen hier mittheile, obgleich unvollständig entworfen. Dann folgen einige altenglische Balladen, wovon ich zwei im vorigen Spätjahre auf einer Fußreise in der Schweiz aufgetrieben habe. In einem künftigen Sonntagsblatt will ich auch meine Ansichten über das Romantische zur Prüfung ausstellen. Ueber Romantik und Objectivität, zwei Worte, die jetzt so stark im Gange sind, wünschte ich sehr, auch Ihre Ansicht kennen zu lernen und die meinige damit zu vergleichen und vielleicht zu berichtigen.

Durch Herrn Kölle hoffe ich Notizen über altdeutsche Manuscripte in der Bibliothek zu Paris zu erhalten.

Leben Sie glücklich und eingedenk Ihres

Ludwig UhIand.

An seinen Landsmann, dessen Uhland im letzten Briefe gedenkt und der sich damals in Paris befand, hat er ähnliche Fragen gerichtet und das gleiche Verlangen ausgesprochen. Es folgen hier zwei Briefe von Uhland und im Auszug einer von Kölle.

Uhland an Kölle in Paris.

Tübingen, 26. Januar 1807.

»Gerade als ich darauf dachte, meine Brieftaube an Sie abzufertigen, kam der Ihrige mit einem willkommenen Geschenk bei mir an. Ich sage Ihnen zum Voraus, mein Brief ist sehr unpoetisch, obgleich ich Anfangs den Plan zu einem Schreiben voll Gemüths entworfen hatte. Vielleicht ein andermal besser. Was Sie von Ihrer Ansicht der Antiken sagen, stimmt mit der überein, die ich von den griechischen Gedichten habe. Die Romantik und das Drama schlägt bei mir überall dem antiken Epos vor, denn als solches betrachte ich auch die antike Komödie. Schön ist es, daß Ihr Brief meinen werdenden schon in einigen Punkten beantwortete. So wollte ich Sie beschwören bei dem heiligen Mutternamen Deutschlands, gehen Sie, wann Sie immer können, in die Bibliotheken von Paris, suchen Sie hervor was da vergraben liegt von Schätzen altdeutscher Poesie. Da schlummern sie, die bezauberten Jungfrauen, goldene Locken verhüllen ihr Gesicht; wohlauf ihr männlichen Ritter, löset den Zauber! sie werden heißathmend die Locken zurückwerfen, aufschlagen die blauen träumenden Augen. Allein sehen Sie nicht ausschließend auf deutsche Alterthümer, achten Sie auf die romantische Vorwelt Frankreichs. Ein Geist des Ritterthums waltet über ganz Europa. Wo Sie in einem alten Buche eine schöne Kunde, Legende u. s. w. finden, lassen Sie die nicht verloren gehen, wir haben ja so großen Mangel an poetischem Stoff, an Mythen. Tieck soll bei Brentano gewesen sein und ihm gesagt haben, daß er in Rom ein herrliches altdeutsches Gedicht gefunden und abschreiben lassen, das nur mit der Ilias zu vergleichen sei.

Seckendorf hat uns eingeladen bei seinen Lieblingsstudien mitzuwirken; sollte er uns geneigt finden, so würde er uns tiefer in seine Plane einweihen. Wir antworteten vor einiger Zeit, daß wir keine privatisirende Gelehrte, sondern Studenten seien und uns keine literarische Vorräthe zu Gebote stehen, daß es mich aber freuen würde, wenn er mir Gegenstände mittheilen möchte, an denen ich meine Kräfte auf angenehme und freie Weise üben könnte. Die Antwort ist noch nicht angelangt. – Das Morgenblatt, davon täglich, außer Sonntags, ein Blatt herauskommt, veranlaßte Kerner, ein Sonntagsblatt zu veranstalten, nehmlich ein geschriebenes. Ein Stück ist bereits erschienen. Man gibt unvollendete Gedichte, Entwürfe u.s.w. einem Cirkel vertrauter Freunde zum Besten. Wahrscheinlich wird es aber nur bis zum Frühjahr währen. Senden Sie auch dazu wenigstens literarische und andere Notizen. Es soll aber der Vertrautheit unseres Briefwechsels durchaus nicht schaden. Ich werde gewiß zu unterscheiden wissen, was Andere lesen dürfen oder nicht. Ein anderes Mal, wenn mein Gemüth ruhiger und gefaßter ist als jetzt, will ich es Ihnen mehr eröffnen. Mein poetisches Leben ist jetzt ein Umherschweifen von einem Entwurfe zum andern. Dringend fühle ich dabei den Mangel an Stoff zu poetischer Bearbeitung.

Ich kann mir kein größeres Glück denken, als nach wohl entworfenem Plane, in einer sich selbst gegebenen Grenze, aus dem unendlichen Gebiete des Schönen und Großen, der inneren und der äußeren Welt, Gestalten aller Art wie in einem Zauberkreis hervorzurufen. Ein Drama, ein Roman, welches Entzücken muß es sein, so was vollendet vor sich zu sehen, ein höheres Leben, ein gestaltendes Gemüth! Festgegründet und in's Unendliche deutend. Geben Sie mir Kunde von Ihrem poetischen Wirken! Sammeln Sie Ihre Strahlen zum Größeren!

Vielleicht verschlingt uns der Abgrund, vielleicht siegen wir? Doch es ist gar zu arg! Leben Sie wohl, mit deutscher Freundschaft Ihr

L. U.

Nachschrift. Kennen Sie die Schriften eines Grafen Tressan? Sind Ihnen sonst keine Bücher bekannt, worin alte romantische Sagen, eine poetische Vorwelt für dramatische Bearbeitung vorliegen? Schreiben Sie mir bald wieder. Werfen Sie Strahlen in mein düsteres Gemüth.

Conz liest diesen Winter Theorie der Dichtkunst. Er sagt viel Gutes. Das nächstemal schicke ich Ihnen vielleicht einige Producte von mir.«

In einer Antwort auf diesen Brief schreibt Kölle an Uhland:

– – »Der deutsche Codex, den Tieck benützte, ist beinahe der einzige deutsche poetische der kaiserlichen Bibliothek. Ungefähr 200 alte Romane, theils im Romanzo, theils schon in der langue d'oui (der Quelle des heutigen Französischen) liegen da. Ich fange, wie billig, meine Lectüre bei dem Romane von der Rose an. Jede Entdeckung werde ich mit meinen Freunden theilen. Um Gotteswillen kommen Sie nach dem Examen sogleich hierher! Man lebt hier wohlfeil, und auch abgesehen davon, für äußere und innere Bildung ist Paris einzig, und es müßte schlecht gehen, wenn Sie nicht bald etwas liefern könnten, was Sie in den Stand setzt, auf eigenem Fuß hier zu leben.«

Im nächsten Briefe Uhlands an Kölle dankt er ihm für Beiträge in das Sonntagsblatt und berichtet, was indessen darein gegeben worden. Besonders erfreut äußert er sich dann über Carikaturen, die sein Freund Mayer darein gestiftet hat. Dann entschuldigt er sich in seiner bescheidenen Weise:

»Wenn ich Ihnen so Vieles von mir zusende, so geschieht es nicht, weil ich meine Producte für so vortrefflich halte, sondern weil ich Sie mit meinem Treiben bekannt machen möchte. Unter meinen Beiträgen finden Sie ein Sonett, das einzige, das ich je gemacht. Ich muß gestehen, daß ich diese Gedichtsform, so schön sie sich im Einzelnen ausnehmen mag, im Ganzen unserer Sprache nicht angemessen finde. So sind wir genöthigt, gewisse reichhaltige Reimendungen: sinken, schweben u. dgl. zu häufig anzubringen, da wir so viele Worte haben, die sich nur auf weniges reimen. – –

Aus Docens Miscellen für altdeutsche Literatur ist zu ersehen, daß die Nibelungen ( à propos noch habe ich Ihre Nibelungen in Händen), mehrere Bearbeiter gefunden, von der Hagen, Niemeyer u.s.w. Ich habe ein Bruchstück davon mit einer kleinen Abhandlung in das Sonntagsblatt gesetzt. Leider habe ich mich mit Examenspräparationen, bald auch mit Inauguraldisputation (ja wohl absque augure!) zu beschäftigen. Nächstes Frühjahr hoffe ich frei zu sein. Paris aber scheint nicht in meines Vaters Plan zu liegen.

Ihr

L. U.«

Ueber das Sonntagsblatt, dessen Uhland in den Briefen an Seckendorf und Kölle erwähnt, giebt sein Freund Karl Mayer im Weimarischen Jahrbuch V, S. 42 ff. näheren Bericht. Aus diesem Aufsatz haben die Nekrologe von Otto Jahn und Friedrich Notter Uhlands Aufsatz über das Romantische und die Einleitung zu einem Bruchstück der Nibelungen (mit dem Uhland die Freunde im Sonntagsblatt bekannt machte) bereits gegeben.

Das Sonntagsblatt dauerte nur bis zum Mai 1807, da die Freunde Tübingen im Frühjahr und theilweise im Herbste verließen. Der Zurückbleibende richtet folgendes Abschiedslied an die Scheidenden:

Abschied.