Lügen, Irrwege und Scheinwelten - Beate Reinecker - E-Book

Lügen, Irrwege und Scheinwelten E-Book

Beate Reinecker

2,1

Beschreibung

Die Autorin betrachtet die heutige Gesellschaft aus dem Blickwinkel der Ethik und hat dabei den Einzelnen im Fokus. Sie deckt den Zusammenhang zwischen dem entfremdeten Individuum und dem Abbau demokratischer Werte auf. Sie sieht mit Sorge, wie der Konsum Scheinwelten erschafft, in denen sich allzu viele Menschen begeben und verirren, Gefahr laufen, ihre Selbstbestimmung aufzugeben und zum inhaltsleeren Mitläufer zu mutieren, der zusehend die Werthaltigkeit demokratischer Errungenschaften aus dem Bewusstsein verliert. Mit scharfen Worten kritisiert die Autorin nicht nur den Entfremdeten, sondern auch die destruktiven Menschen, die in zunehmender Zahl den Charakter unserer technisierten Zivilisation prägen. Über den Weg unterschiedlichster Perspektiven auf das Zusammenwirken von Verantwortlichen und Fremdbestimmten entfaltet die Philosophin die unendlich scheinende Komplexität, in der sich der Einzelne nicht mehr zurecht findet und sich von seinem Ich entfernt und somit sein individuelles Lebensglück aufs Spiel setzt. Die Autorin macht aber auch Mut. Wer ihren Analysen folgt, kann zu sich zurückfinden und aktiv demokratische Werte erhalten wollen. Es ist ein Bewusstwerdungsprozess, der die gesellschaftliche Dimension individuellen Verhaltens entblößt und das unreflektierte Mitläufertum an den Pranger stellt. Jeder Einzelne ist für sich und damit gleichermaßen für den Fortbestand demokratischer Werte verantwortlich.

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Inhaltsverzeichnis

Biografie

Einleitung

Die Bedrohung

Das Privileg der Jugend

Die innere Spannkraft

Fremdbestimmung

Wofür schlägt dein Herz?

Der innere Kern

Die Chance auf Entfaltung

Macht und Ohnmacht

Geld und Macht

Zickenalarm

Das Verdrängen

Die Orientierung

Handeln ohne Bewusstsein

Innere Verwahrlosung

Die Urteilsfähigkeit

Der Abwerter

Deine Erinnerung, deine Innenwelt, dein Selbst

Absolut inhaltsfrei

Der Schnäppchenjäger

Absolut ferngesteuert

Dem Leben stellen

Ausgetauscht

Klatsch und Tratsch, die Bombenstimmung

Seifenblasen

Wurzeln und Flügel

Ausgelaugt

Falsche Fährte

Der Traumprinz mit dem goldenen Schuh

Irritationen durch Imitationen

Der Checker

Hektische Flecken

Freiheit, Würde, Selbstbestimmung

Du willst die Welt retten

Die Endsolidarisierung

Endzeitstimmung

Destruktivität, Freiheit und Verantwortung

Dein Wille, deine Entscheidung

Der schöne Schein

Der Chaot

Der Shuttle-SService

Verdrehte Welt

Faule Kompromisse

Das Karussell

Deine Ethik, deine Tugenden, dein Herz

Scheiter grandios

Der braune Sumpf

Gesichter der Armut

Der Feuervogel

Der Hass der Destruktiven

Nichts zu verlieren

Nichts zu bereuen

Nebenschauplätze

Soziale Gerechtigkeit

Tarnen, Täuschen und immer wieder lügen

Armut, Ausbeutung, Frustration

Deine Würde

Die Intrige

Tricksen und täuschen

Politik, Würde und Menschenrechte

Religion, Würde, Menschenrechte

Im Namen der Religion

Verelendung

Chronische Inhaltsferne

Der Brandbeschleuniger

Die hohe Kunst der Diplomatie

Die Abgehobenheit

Das ungeliebte Leben

Politischer Pragmatismus

Nur die Harten kommen in den Garten

Der Mangel an Wertschätzung

Du solltest ausgelöscht werden

Die Reduzierung

Trau dich, du selbst zu sein

Frau sein, frei sein, du selbst sein

Die Fremdbestimmung

Die Suffragetten

Moderne Versklavung

Der Demokratieabbau

Im Kleinen und im Großen

Die Seuche

Die Unterwerfung

Die Politik der Unterwerfung

Der Verräter

Die Herrschaft, die Isolation

Die Realität holt dich ein

Die Schwimmweste

Die Alufolie

Beziehungskiller

Das Horrorschiff

Ferngesteuert

Aufgeblasen

Der ferngesteuerte Single

Die Welt verbessern

Die Klarheit

Die Wahrheit

Die Ausbeutungskarawane

Die Kriegskarawane

Sisyphos

Das Charisma

Die rote Unterhose

Was wirst du hinterlassen?

The higher Spirit

Gute Kunst überdauert

Festgezurrt

Die Stützstrümpfe

Glamour und Hohlheit

Feinde der Demokratie

Der Frustrierte

Zeitlos

Infiltriert

Dein Idyll

Mitten im Leben

Starke Energie

Verdrehte Welt

Zickzackkurs

Die Wirklichkeit holt jeden ein

Grabesruhe

Der sichere Untergang

Selbstbetrug

Infiltration von Scheinwelten

Die Flüchtlingskrise und die Scheinwelten

Die Fremdbestimmung

Fremdbestimmung und Demokratieabbau

Das Regime

Die Verdrehung

Nichts zu verlieren

Der gestörte Politiker

Demokratieabbau und Verrat

Der Terrorverdacht

Demokratie, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit

Verplant, verführt, verwahrlost

Gerechtigkeit, Freiheit, Selbstbestimmung

Deine Gerechtigkeit

Die Diskriminierung der Frau

Du bist nur gut, in dem was du liebst

Der Schleimer

Die Internalisierung der Fremdbestimmung

Frauenverachtende Riten und Gebräuche

Du bist stark!

Die Unzurechnungsfähigkeit

Die Infiltration des Haben-Wollens

Selbstverlust, Totalausfall

Die Hörigkeit

Befreit sein

Psychoterror

Wer kann den Menschen etwas geben?

Der Automat

Der Roboter

Das Sägen, das Lügen, das Wegschauen

Der Lackaffe

Der Unangepasste

Der Suchende

Die Zwickmühle

Das politische Neutrum

Der Kaffeeklatsch

Das Visier

Der Utopist

Der elitäre Zirkel

Der innere Widerspruch

Unfreiheit und Egoismus

Die Grube

Die Grube des Terrorismus

Hörigkeit bis in den Tod

Eingewickelt

Der Demokrat

Die Unfreiheit

Die Tretminen

Angst, Freiheit, Mündigkeit

Die Angst, dein Lebenskiller

Der Vogel und der Maulwurf

Der Tunnel des Rechts

Das schwache Selbst

Du bist mein Licht

Es ist immer dasselbe und doch wieder anders

Überheblichkeit bis in den Tod

Der Blick des Vergleichens

Dein Licht in dir

Gegen den Strom

Herzensangelegenheiten

In der Armut gefangen

Verpfiffen, gedemütigt und getötet

Der menschenverachtende Handel

Faule Kompromisse

Der Identitätsverlust

Die Gefangenschaft

Gefangen in der Gleichgültigkeit

Das Verdrängen

Deine Beziehung

Du störst

Der Verdrängende und die Demokratie

Nicht sehen, nicht hören, nicht sprechen

Das Mädchen und der Tunfisch

Höre auf deine Stimme

Unbegrenzte Möglichkeiten

Dein Anker

Die Augenhöhe

Die Unabhängigkeit

Zurück ins Leben

Deine Ethik

Der Satte

Der kulinarische Untergang

Der gekaufte Kick

Licht und Schatten

Der Verführer

Der Mitläufer ist der Täter

Das Verbrechen

Der Mitläufer und die Macht des Geldes

Der Glanz, der Schein, die Manipulation

Das Lügengebäude

Geld, Macht, Ohnmacht

Glück gibt es nicht im Sechserpack

Traue nicht dem Fremdbestimmten!

Die Gehirnwäsche

Der Ausschluss der Ethik

Der Heuchler

Der Diplomat

Der Angeber

Der Kreisel

Der Kasper

Glück unter der Haut

Freiheit im Denken und Handeln

Es ist wie eine Krankheit

Innere Beweggründe

Die Achterbahn

Die Gedankenwelt

Der Rebell in dir führt dich zu dir

In der Liebe stark sein

Du bist gut! Du bist richtig!

Der Missbrauch am Menschen, an der Demokratie

Der Diktator

Das Ghetto

Das volle Programm

Planen und Horten

Vernunft und Selbstbestimmung sind an sich menschlich

Scheinwelten

Tempel des Grauens

Applaus der Eitelkeiten

Die Erziehung zur Abhängigkeit

Du wirst nie genügen

Hohle Luft

Verdrehung der Werte

Der Panzer

Der Tornado

In die Tiefe gehen

Schuldgefühle

Schau dich an! Schau dich um! Schau nicht weg!

Du kannst es schaffen!

Selbstmitleid

Du durftest kein Künstler sein

Der Durchblick

Deine Würde

Helden des Alltags

Deine Verantwortung

Die Fassbombe

Die Mündigkeit

Der Respekt

Deine Würde, deine Verantwortung

Die Selbstverleugnung

Das Ausweichmanöver

Mein Anliegen

Weitere Bücher von Beate Reinecker:

Biografie

Im Jahre 1959 wurde ich in Essen-Werden geboren. Nach dem Abitur am Aufbaugymnasium Warendorf, im Jahre 1977, begann ich das Studium der Philosophie, Germanistik und Pädagogik an der Westfälischen Wilhelmsuniversität in Münster. Dieses Studium erfüllte mich, da ich unter Gleichgesinnten forschen und lernen durfte. Das Studieren entsprach meinem Selbst, da es mir den Raum gab, mich mit den drängenden Themen des Lebens auseinanderzusetzen. Das Studium beendete ich mit dem Staatsexamen. Rückblickend kann ich feststellen, dass ich mich bereits während meiner Schulzeit mit Philosophie beschäftigte. So engagierte ich mich in einer Philosophiegruppe, die sich nachmittags freiwillig traf. Diese Zusammentreffen förderten mein analytisches Denken und waren eine gute Voraussetzung für mein Studium der Philosophie und Literatur. Das Forschen und der lebendige Austausch mit gleichermaßen Interessierten ließen mich aufleben. Ich erfuhr, dass auch andere ähnliche Leidenschaften pflegten und ich keinesfalls zu kopflastig und versponnen war. Diese Erfahrung gab mir Kraft und Bestätigung. Ich suchte also nicht allein nach Antworten auf meine drängenden Fragen. Ich befand mich in bester Gesellschaft und partizipierte an den Inhalten der Dichter und Denker. Die Ethik lag mir sehr am Herzen, denn mein Forschen sollte einen unmittelbaren Bezug zu meinem Leben, meinem Handeln bekommen. Ich wollte lernen, für mein Leben lernen, ohne mit Scheuklappen in die Welt der Literatur einzutauchen. Sehr bald erschloss sich mir die Tatsache, dass alles mit allem zusammenhängt. Nun forschte ich in philosophischen Staatsverträgen, Naturrechtslehren, pädagogischen Entwürfen und psychologischen Abhandlungen. Ich wollte die Philosophen und Dichter in ihrer Zeit verstehen, ihre gesellschaftlichen Kontexte begreifen. Mir wurde deutlich, dass sich die Zeiten rasant verändern, ethische Werte dagegen Bestand haben, die Zeiten überdauern. Die Reflexion über die Fragen der Identität, der Selbstbestimmung und der Verantwortung des Menschen, ließen mich immer weiter forschen. Schon während meines Studiums erntete ich Kritik, wenn ich nicht nur meinen Stundenplan absolvierte und fächerübergreifende Studien begann. „Warum machst du dir die Mühe außer der Reihe so viel zu lesen?“ Mir wurden Sinnfragen gestellt, die eigentlich keine waren, denn ich wollte verstehen und nicht nur Scheine und Prüfungen absolvieren. Der Sinn lag in meinen Studien, im Begreifen. Ich wollte die Zusammenhänge verstehen. Die Partizipation an den Gedanken der Philosophen gab mir Kraft, denn ich fand mich in ihren Gedanken wieder. Sie waren ein Leben lang auf der Suche und ich befand mich ebenso in einem Lernprozess, von dem ich wusste, dass er niemals zu Ende gehen würde. Aus einer Erkenntnis ergaben sich weitere neue Fragen. Schloss ich eine Tür, so öffneten sich mehrere neue. Ich wusste, dass ich niemals ankommen würde. Mir wurde schnell klar, dass es nicht den einen wahrhaftigen Philosophen gibt, nicht eine alleinige Lehre oder sichere Welterkenntnis. Es gab nicht die eine Antwort oder die sichere schnelle Lösung. Auf die drängenden Fragen des Menschseins gab es viele sich ergänzende Antworten. Viele Philosophen näherten sich auf unterschiedliche Weise der Existenz. Der philosophische Diskurs forderte klares Denken und leidenschaftliches Forschen. Der um die Wahrheit bemühte musste sich neuen Ideen öffnen. Es gab keinen Stillstand. Es gab keine endgültigen Formeln. Es gab das Forschen und offene Denken ohne Angst und Vorurteile. Die Suche nach Antworten gab den Antrieb und es fühlte sich sehr gut für mich an mitzumachen. Ich fühlte mich lebendig. Gehe ich rückblickend in die ersten Jahre meiner Kindheit zurück, so kann ich erkennen, dass ich bereits als Dreijährige mit dem Thema Tod konfrontiert war. Mein Uropa war bei uns in der Wohnung verstorben. Ich spürte die Traurigkeit und Hilflosigkeit meiner Familienangehörigen. Mein Uropa war immer fit, nie krank gewesen und nach drei Tagen des Leidens gestorben. Meine Gedanken kreisten um den Tod. Ich konnte nicht begreifen, dass ein Mensch so schnell gehen muss, gehen kann. An seinem Grab begannen die ersten Reflexionen über die eigene begrenzte Lebenszeit. Mein Uropa saß nun nicht mehr in seinem Zimmer. Es fühlte sich merkwürdig fremd und traurig an. Er hinterließ eine Lücke und gleichzeitig gab es diese Stille, Traurigkeit, verbunden mit neuen Fragen, neuen Denkanstößen. Es war eine Konfrontation mit der Existenz. Der Schmerz fiel auf fruchtbaren Boden. Er ließ mich denken und tief empfinden. Die Tochter meines verstorbenen Uropas, meine Oma, las mir häufig Märchen vor. Diese Welt der Charaktere, der Abenteuer und versteckten Weisheiten faszinierten mich. Ich konnte nicht genug von diesen Märchen bekommen und meine Oma bewies sehr viel Geduld. Ich fragte mich oft, warum einige Charaktere so gut und andere so hinterhältig waren. Meine Phantasie wurde angeregt und es eröffnete sich eine bunte, innere Welt. Meine Familie zog in eine ruhige Seitenstraße. Der Hinterhof und die Umgebung boten ein ideales Umfeld zum Toben. Ich konnte nun die Chance nutzen, frei und unbeobachtet mit Kindern zu spielen. Diese Selbstständigkeit, diese neu gewonnene Freiheit, nutzte ich ausgiebig, denn ich war nicht mehr unmittelbar auf eine Begleitung der Erwachsenen angewiesen. Nun konnte ich selbstständig, unabhängig entscheiden und meinem Bewegungsdrang an der frischen Luft nachkommen. Die vielen Spiele wie Seilchenspringen, Gummitwist, Verstecken und Fangen erforderten immer wieder aufs Neue eine gemeinsame Absprache. Wir Kinder suchten nach Lösungsmöglichkeiten und Konfliktbereinigungen. Das schulte meine soziale Kompetenz. Wir diskutierten und erfanden immer neue Spiele. Es erfüllte mich mit Stolz, dass wir Kinder unsere eigenen Angelegenheiten ohne das Einmischen der Erwachsenen regeln konnten. Wir lernten aus unserem Handeln, dass es möglich war, Interessen abzuwägen, jeden zu Wort kommen zu lassen und auf alle Wünsche angemessen einzugehen. Wir waren also in der Lage, unsere Probleme zu lösen. Eventueller Streit konnte nach einigen Diskussionen beigelegt werden und wir fanden immer Lösungswege. Diese Ansprüche an mein Selbst schulte mein Denken, Sprechen und mein Gefühl für die Gerechtigkeit. Die Gruppendynamik, die vielschichtigen Ansprüche und Sichtweisen mussten permanent durchdacht werden. Wir alle mussten Verantwortung übernehmen, damit unsere Möglichkeiten, frei und selbstbestimmt spielen zu können, erhalten blieben. Diese gemeinschaftliche Aufgabe ließ uns wachsen, heranreifen und es entwickelte sich eine soziale Kompetenz. Wir lernten alle voneinander, miteinander und es war eine kreative, bewegungsintensive Zeit. Mit acht Jahren musste ich mein über alles geliebtes Umfeld verlassen. Meine Familie zog von Essen ins westfälische Everswinkel. Ich litt darunter, unfreiwillig meine Spielkameraden und meine Großeltern zurück zu lassen. Dies war ein herber Verlust. Als ich am Tag des Umzugs ins Auto stieg, wusste ich, dass sich mein Leben komplett verändern würde und ich ahnte, dass ich nie wieder diese Situation hier im Hinterhof in dieser Form noch einmal vorfinden würde. Mir war bewusst, dass ich immer nur zu Gast sein würde, dass ich nicht einfach spontan zum Spielen aus der Wohnung laufen könnte. Alles würde sich verändern. So lernte ich als Kind, wie sich ein Abschied anfühlt, wie es ist, unfreiwillig loslassen zu müssen. Ich wollte mich nicht völlig dem Schmerz überlassen, ich wollte neugierig den neuen Angeboten entgegensehen, ohne meine geliebte Umgebung zu vergessen. Meine kleine Schallplattensammlung und meine Wasserfarben trösteten mich in schweren Stunden. Ich wollte unbeirrt für meine Interessen kämpfen und hielt meine Augen offen, um neue Kinder kennenzulernen, um mir ein neues Umfeld zu schaffen. Meine Kontaktfreudigkeit ermöglichte es mir, andere Spielkameraden zu finden und es begann eine neue aufregende Zeit. Es wechselte sich nun das freie Spiel an der frischen Luft mit längeren Maleinheiten ab. Buntstifte, Wachsmalkreide und Wasserfarben, alles war willkommen. Kunstbücher interessierten mich brennend, da der Ausdruck der Maler meine Phantasie anregte. Auf dem Gymnasium führte uns unser Kunstlehrer an immer neue Techniken heran. So konnte ich mich immer besser in Form und Farbe ausdrücken. Die freie Atmosphäre, die vielen Chancen, sich in Farbkompositionen ausbreiten zu können, gaben den Ansporn dazuzulernen. Wir malten, diskutierten, kreierten neue Techniken und Inhalte. Das Malen nach Musik faszinierte mich besonders, da die Kombination aus Musik und Bewegungsmalen eine neue Herausforderung war. Außerdem war es mir ein großes Anliegen, Emotionen in den Gesichtern, die ich malte, erkennen zu lassen. Ich malte traurige, denkende und lebensfrohe Menschen. Aber auch die Dichter und Denker faszinierten mich und Goethes Faust wurde eines meiner Lieblingsbücher. Die Literatur von Hermann Hesse prägte mich ebenso. Ich beschloss, mein Innenleben mithilfe des Schreibens anderen mitzuteilen. Dieser Entschluss sollte mein Leben entscheidend prägen. Ich hatte eine Möglichkeit gefunden, mein Denken über meine eigene Literatur weiterzugeben und diese Arbeit nahm einen immer größeren Raum in meinem Leben ein. Meine Gedanken konnten vermittelt werden, meine Ideen waren somit dem Vergessen nicht mehr preisgegeben. Während des Schreibprozesses flossen die Ideen aus meinem Selbst direkt aufs Papier. Die Kombination meiner Gedanken ließ meine Erfahrungen, meine Erkenntnisse nochmals reifen, nochmals bewusst verarbeiten. Ich konnte mein Erlebtes mit kreativen Intuitionen verbinden, da der Verarbeitungsprozess während des Schreibens ein nicht vorhersehbares kreatives Gebilde hervorbrachte. Mein Flow ließ es zu, meine Lebenserfahrungen mit theoretischen Erkenntnissen zu vergleichen, zu kombinieren, um dem Leben als solchem immer näher zu kommen. Dies verschaffte mir immer wieder aufs Neue Mut und Antrieb, mein Inneres zu Papier zu bringen. Nach dem erfolgreichen Abschluss meines Studiums gründete ich eine Familie und bekam zwei Kinder. Diesen wollte ich möglichst viel Freiraum geben. Wir besuchten täglich Spielplätze, große Rasenflächen, auf denen getobt und Kontakte gepflegt werden konnten. Die Kinder sollten sich körperlich bestens entfalten und vor allem mit anderen Kindern viel Kontakt pflegen. Im freien Spiel bei jedem Wetter konnten sie sich geistig und körperlich gut entwickeln. Übermäßiger Fernsehkonsum wurde vermieden. Wenn die Kinder schliefen, las ich in meinen Philosophiebüchern und wann immer ich noch Kraft und Zeit hatte, schrieb ich meine Gedanken auf. Es sammelte sich so eine große Anzahl von Notebooks an. Meine Lebenserfahrung floss unmittelbar in die Texte ein. Mein Anliegen war es, den Leser an meinem Selbst partizipieren zu lassen. Ich warf alle Ängste über Bord, weil es nicht gut sein könnte, andere nicht in mein Herz schauen zu lassen. Ich suchte den Kontakt zum du und somit zum Leser. Ich wollte meine Gedanken sichtbar, lesbar, verstehbar machen. Die geistigen Hot Spots beflügelten meine Arbeit. Diese stille Arbeit setzte ich bis zum Auszug der Kinder fort. Später entwickelte ich das Bedürfnis, meine Inhalte durch großflächige Bilder zu visualisieren. Ich schuf Acrylbilder und große Collagen, denn ich hatte das Anliegen, über Formen und Farben meine Inhalte noch eindringlicher dem Betrachter näherzubringen. Die Appelle, die mir bei den Themen zu Bewusstsein kamen, schrieb ich auf die Bilder. Es wuchs in mir der Wunsch, den Kunstbetrachter aufzurütteln, anzusprechen, inhaltlich mit Ideen, vielfältigen Themen zu konfrontieren. Die Formen, die Farben sollten die Inhalte deutlicher, verständlicher werden lassen. Ich wollte alle Chancen nutzen, auf diesem Wege meine Gedanken dem Kunstkonsumenten zu zeigen. Das geschriebene Wort wurde durch Farben und Formen unterstützt. Das Herz und der Verstand sollten gleichermaßen angesprochen werden. Somit hatte ich Mittel und Wege gefunden, die Augen, das Herz, die Sinne und den Verstand anzusprechen. Die Kraft der Farben ergänzte meine Appelle. Somit war der Kunstbetrachter ein Leser und ein Form- und Farbkonsument. Er wurde mitten ins Herz getroffen und gleichzeitig motiviert zu denken, über das Leben zu reflektieren. In einem weiteren Schritt entschied ich mich dazu, meine Texte in der Buchform zu veröffentlichen. Somit hatte ich die Möglichkeit, meine zahlreichen kleineren Notebooks und meine zusätzlich entstandenen Collegeblöcke dem Leser in einer Buchform zu präsentieren. In den Ablagen meines Schreibzimmers hatten sich kistenweise Collegeblöcke angesammelt und es wurde Zeit, diese Inhalte dem Leser anzubieten. Alles wollte ans Licht. Die Themen sollten nun endlich zu den Menschen gelangen. In so vielen, vielen Stunden, über Jahre hatte ich mein Leben, mein Denken in meiner Kunst festgehalten, sie musste nun los, hinaus in die Welt, hinaus zu den Menschen. Alles wollte ans Licht, die Zeit war reif.

Einleitung

„Warum fühlen sich Menschen unwohl und fremd im eigenen Leben? Warum lassen sie es zu, Tätigkeiten zu verrichten, mit denen sie sich nicht identifizieren können?“ Die Übernahmen fremder Ansprüche, die Angst, nein zu sagen und sein Leben nach eigenen Kriterien und Passionen auszurichten, sind groß, denn die Autoritäten wirken und hinterlassen Spuren. Eltern vermitteln Ansprüche, die gesellschaftlichen Rollen und Bedingungen pressen nicht wenige in feste Muster, denen sie entsprechen sollen. Es erfordert Mut, einen klaren Kopf, selbstbestimmte Ideen, um sein Leben zu gestalten, sich zu orientieren. „Belügen wir uns selbst? Können wir in einen ehrlichen Dialog mit uns treten? Wollen wir unserem eigenen tiefsten Kern auf den Grund gehen?“ Es ist eines der schwersten und anspruchsvollsten Aufgaben, zu sich und zu den tiefsten inneren Leidenschaften zu stehen. „Wofür schlägt dein Herz?“ Wenn wir den Kontakt zu uns verlieren, wenn wir uns belügen, wenn wir uns manipulieren und kaufen lassen, werden wir zu Fremdbestimmten. Die Irrfahrten sehen immer anders aus, doch es ist bezeichnend, dass ein fremdbestimmter Mensch seine eigenen Impulse verrät. “Was macht dich in deinem tiefsten inneren Kern aus? Wozu stehst du? Welche Inhalte tragen dich?“ Übergestülpte Scheinwelten, fremdbestimmende Einflüsse, das Abarbeiten von Lebensentwürfen, die mit unserem Ich nichts zu tun haben, lassen uns unerfüllt zurück. „Was sind deine Leidenschaften? Welche Inhalte tragen dich? Wer oder was lenkt dich ab und raubt dir die Kraft, du selbst zu sein?“

Die Bedrohung

Menschen sind in der Lage zu reflektieren. Die Voraussetzung zur Reflexion beinhaltet die Fähigkeit zu denken und sich selbst als Individuum zu begreifen. Wir existieren in Bedingungsgefügen, die uns stützen und im besten Fall zur Selbstbestimmung verhelfen. Wir finden uns in Kontexten wieder, in denen wir gefordert sind, sehr genau hinzusehen, unser Umfeld zu überprüfen. „Wir sollten grundsätzlich wachsam sein!“ Manipulationen, verführerische Aussichten auf Gewinne und die Verlockungen einer vordergründigen Scheinwelt können uns gefangen nehmen. Fremdbestimmungen tragen immer andere Gewänder. Emotionale Verstrickungen, fremdbestimmende Arbeitsverhältnisse, gesellschaftliche Rahmenbedingungen können uns gefangen halten. Sie können unseren inneren Kern bedrohen und aushöhlen. Wir können uns gefesselt und geknebelt wiederfinden. Wir können zu Leidenden, zu Zombies werden. Unsere Verantwortung im Leben für unser Leben und für andere geht mit einer selbstbestimmte Handlungsfähigkeit Hand in Hand. Wir brauchen Bildung, einen wachen, klaren Kopf und ein großes Herz. Der vordergründig orientierte Egoist, der eiskalt berechnende Planer wird so scheitern, wie der abgelenkte Traumtänzer, der in seiner Unachtsamkeit vom Drahtseil abrutscht. Unser geschulter Blick auf die Welt, unsere Empathie und unser hellwacher Kopf sind unsere Chance auf ein Leben in Würde und Selbstbestimmung. Wir können versuchen, unsere Lebenskontexte zu verstehen, um in einem zweiten Schritt unsere Ziele und Vorgehensweisen zu bestimmen. Hellwach und klarsichtig werden wir unser Lebensruder nicht aus den Händen geben. Wir werden um unsere Selbstbestimmung kämpfen und so für die Demokratie eintreten. „Wir dürfen nicht zum Mitläufer, zum fremdbestimmten Zombie mutieren!“ Wir können nur für uns verantwortlich handeln, wenn wir selbstbestimmt, reflektiert und aufgeklärt durchs Leben gehen. Der Anker liegt in uns, wenn wir stetig an unserer Orientierung arbeiten. Unsere Erkenntnisse geben uns Sicherheit, denn ein verstehender Mensch kann seine Umgebung und die Zeit, in der er lebt, besser beurteilen. Wir können uns nur selbst helfen, wenn wir unsere Lebenskontexte verstehen. Wir können auch nur dann anderen hilfreich sein, wenn wir in uns stabil und orientiert bleiben. Nur der mündige, aufgeklärte Bürger wird begreifen, dass sein eigenes Leben ein Leben lang eine Herausforderung und harte Arbeit bedeutet. Die Orientierungsarbeit hört niemals auf. Wir sind stetig aufgefordert, unsere eigenen Lebenskontexte zu gestalten. Mut und Hoffnung werden uns tragen, wenn wir immer wieder das Leben als Herausforderung annehmen. Wir sind stetig gefordert, handlungsfähig zu bleiben. Unsere Urteilsfähigkeit wird auf eine harte Probe gestellt, denn die Lügen und Scheinwelten verwirren uns. Wir sollen konsumieren, gefallen und fremdbestimmt handeln, wenn wir Produkte kaufen und Bildern entsprechen, die wir eigentlich weder wollen noch brauchen. Wir entfernen uns von uns selbst, wenn wir den Schablonen der anderen entsprechen. Wir sind gefordert, Irrwege zu erkennen. Wir sind gefordert, auf unser Bauchgefühl zu achten. „Wir dürfen uns nicht aufgeben!“ Niemand wird uns jemals die Arbeit abnehmen können, uns weiterzuentwickeln. Die Informationsflut fordert uns heraus, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Lügen und Widersprüche müssen aufgedeckt werden. Scheinwelten dürfen uns nicht gefangen nehmen. Unsere Beurteilungsfähigkeit schützt uns davor, Mitläufer zu werden. Unsere Empathie verhilft uns zur Menschlichkeit und unsere Antennen lassen uns Menschen und Signale aus der Umgebung verstehen. Das selbstbestimmte und gleichermaßen verantwortungsvolle Leben lässt uns fragen:“Welche Ziele verfolge ich? Welche Inhalte sind mir wichtig? Wofür schlägt mein Herz? Was macht mich im inneren Kern aus?“

Das Privileg der Jugend

Es ist ein Privileg der Jugend, ein Lebensgefühl zu erfahren, bei dem man hoch motiviert und voller Tatendrang, Lebenshunger, Neugier und Abenteuerlust die Welt erkunden und umarmen könnte. Junge, gesunde, selbstbewusste Menschen haben das Bedürfnis, die Welt zu verbessern und gegen Missstände anzugehen, sie möchten eine gerechtere Welt schaffen. Viele engagieren sich in sozialen, politischen, künstlerischen Bereichen, um aus einer profanen Reproduktion herauszutreten. Sie wollen etwas bewegen. Nicht selten suchen sie nach einer gerechteren Lebensführung, bei der die Nachhaltigkeit, die Umwelt, eine globale Sicht auf das Weltgeschehen im Vordergrund stehen. Die Flüchtlingskrise, soziale Verwerfungen, die drohende Klimakatastrophe betreffen junge Menschen im Besonderen und lassen sie neue Wege gehen. Menschen jedes Alters, die global denken, die sich engagieren, sind mutig, kräftig genug, um mit neuen Visionen, neuen Lebensentwürfen und viel Energie an die Wirklichkeit heranzugehen. Sie gehen somit einen großen Schritt über die Absicherung der eigenen Existenz, der bloßen Reproduktion hinaus, um etwas zu bewegen, um die Welt zu verändern. Dieser Mut, diese Lebenskraft, dieses unbändige Verlangen nach neuen, gerechteren, nachhaltigen Lebensformen entspricht einem Gefühl der Stärke, der Willenskraft und einer Ungebrochenheit. Diese Aufbruchsstimmung ist der Ausdruck der eigenen Schaffenskraft, Intuition, Phantasie und der Visionen, die sich vor dem inneren Auge entfalten. Der noch nicht eingesponnene Mensch, der noch die Chance auf ein freies Denken und Handeln aufweisen kann, spürt innere Impulse. Viele Jugendliche möchten die Welt verändern, retten und in ihr ein Zuhause erleben. Sie sehen Schieflagen und möchten mit frischer Energie neue Wege erforschen und in einem Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit Lösungsmöglichkeiten entwickeln. Die geballte Lebensenergie drängt hinaus in die Welt, sie sucht Veränderung, Entwicklung und sie fordert andere Wege. Die Lebenskraft findet ihren Ausdruck in künstlerischen Arbeiten, wissenschaftlichen Forschungen und in einer politischen Arbeit, die die Nachhaltigkeit in einer gerechteren Welt anstrebt. Für den ungebrochenen Menschen scheint nichts zu schwer, nichts unmöglich, denn es hat sich nicht ein Schleier der Resignation über das Herz und den Verstand gelegt. Es ist harte Arbeit, sich seinen Tatendrang, Mut und eigenen Willen zu erhalten. Es bahnt sich nicht selten ein Generationskonflikt an, wenn die Älteren ihr eigenes Denken der Jugend überstülpen möchten. Der junge, unverbrauchte Mensch möchte frei entscheiden und wird er nicht gebrochen, manipuliert und zu einem Fremdgesteuerten, so wird er dafür kämpfen, seine ganz eigenen Lebensziele zu verwirklichen. Es ist sehr harte, aber erfüllende Arbeit, die geistige Flexibilität bis ins hohe Alter zu bewahren und den Drang der Erneuerung weiterhin zu spüren, nicht aufzugeben. Das Ziel, im Geist und im Herzen jung zu bleiben, bedarf der Übung, der täglichen Schulung. Viele verlässt der Mut, der eigene Wille, sie geben irgendwelchen Drohungen, Verlockungen und Aussichten auf fadenscheinige Gewinne nach. Sie schaffen es nicht, sich immer wieder aufs Neue bewusst zu werden, wofür ihr Herz eigentlich schlägt. Sie haben sich vernachlässigt und verraten. Sie haben sich von den Fäden der Fremdbestimmung einspinnen lassen. Sie konnten ihr ganz eigenes Denken und Fühlen nicht retten. In der Jugend schmeckte alles so süß, so wild und das Leben schien voller Verheißungen. Die Sehnsucht, die Lebensträume wiesen in eine unvorhersehbare Zukunft. Vieles war noch unklar und der Geschmack des Abenteuers gab dem Leben Würze. „Warum sind nur wenige Menschen in der Lage, ihre Träume und Inhalte nicht zu verraten? Warum schaffen es nur wenige, die Würze des Lebens zu retten? „Ein lebendiges Leben kann nicht in Ketten geführt werden.“ Die Würze verabschiedet sich, wenn die Leidenschaften verraten werden. Wer sein Fähnchen nach dem Winde dreht, wird beim Sturm wegfliegen. Wer immer zurückweicht und seine Überzeugungen verrät, wird sich in Ketten wiederfinden. Wer sein Herz nicht mehr hören kann, hört sich selbst nicht mehr, er hat seinen Kompass verloren. Er wird hin und her getrieben, wird zum Getriebenen. Ein lebendiges, kreatives Leben kann nicht in Ketten geführt werden. Ein lebendiges Herz kann nicht eingesponnen, eingewickelt und hinter hohen Mauern überleben. Der Sicherheitsdrang hat den Menschen in einen Hochsicherheitstrakt gehen lassen. Dort verkümmert er und erliegt dem Irrtum, alles sei gut. Es ist die Macht der Gewohnheit, die Angst vor der Veränderung, die Mutlosigkeit. Der Trampelpfad hat die Phantasie erlöschen lassen. Die Visionen verkümmerten und das Klammern, Horten und Kontrollieren übernahmen das Ruder. Das eigene Selbst wurde schwächer, konturenloser. In dieser Stimmung, in dieser Verstimmung klopfen keine Visionen mehr an. „Alles muss so bleiben, wie es ist“, spricht die Stimme der Furcht und die quälende Sehnsucht nach anderen Lebensbedingungen lässt Depressionen entstehen. Ein freies, selbstbestimmtes Leben steckt voller Spannung und Neugier. Es schmeckt wild und unvorhersehbar. Nur ein Leben, in dem man selbst vorkommt, erhält die Freude, die Spannung, die Dynamik. Wir brauchen unsere ganz eigene Motivation, die aus der Freiheit, der Phantasie gespeist wird. Nur ein ungebrochener Mensch kann lieben. Nur ein kreativer Mensch kann neue Wege erdenken und erfolgreich am Lebensfluss teilhaben. Unsere Lebenslust ist der Motor, unsere Leidenschaften sind unsere Quellen der Zukunft. Wenn wir uns aufgeben, wandeln wir als fremdgesteuerte Zombies durchs Leben und verstehen nichts mehr, denn, wenn wir uns selbst fremd geworden sind, können wir den anderen nichts mehr über uns erzählen. Derjenige, der kraftvoll und mutig genug war, für und um sich zu kämpfen, wird leidenschaftlich bleiben. Er wird gespeist von einer inneren, intakten Quelle. Das Herz darf sprechen, der Mut weiterkämpfen, der Verstand kann frei denken und Entscheidungen treffen. Der Ungebrochene sitzt nicht in der stickigen Katakombe. Er atmet die frische Luft, sieht die Sonne und kann sich frei bewegen. Er trainiert das Selbst und bleibt stark. Die Lebenslust bleibt erhalten und gibt den Ansporn zu neuen Aktivitäten. Der Ungebrochene bleibt aktiv bis ins hohe Alter, solange der Körper die Existenz ermöglicht. Nur ein ungebrochenes Selbst kann leidenschaftlich lieben, kreativ bleiben und im Lebensfluss quicklebendig schwimmen. Wer sich selbst erneuern kann und neue Blüten hervorbringt, ist bis ins hohe Alter quicklebendig, ein Vorbild für die Jugend. Somit sollten ältere Menschen weise genug sein, der Jugend ihre Kraft zu gönnen, zu erhalten. Sie sollten niemals den Versuch unternehmen, ihnen ihre Phantasie und Visionen abzutrainieren. Es wäre schädlich für die gesamte Gesellschaft, eine geschwächte, mutlose und im negativen Sinne gezähmte Jugend hervorzubringen. Die Wildheit zeigt neue Wege auf. Die Kraft und die Unbekümmertheit lassen junge Menschen Alternativen denken und umsetzen. „Lasst uns von der Jugend lernen und lasst uns im Herzen jung bleiben!“ Die phantasievollen Wege können in eine bessere Zukunft für uns alle weisen.

Die innere Spannkraft

Derjenige, der immer wieder auf den Grund seines Herzens schaut und nicht aufhört, sich zu fragen, wofür er einsteht, welche Ziele und Werte, welche Lebensausrichtung seinen Überzeugungen entsprechen, der wird den Bezug zu sich erhalten können. Er wird den Kontakt zum tiefen, inneren Kern pflegen. Dies wird die Voraussetzung bleiben, lebendig und voller Energie alt zu werden. Wer im Einklang mit seinen Überzeugungen und Werten leben kann, leben darf, ist und bleibt hoch motiviert. Denken, Fühlen und Empfinden entspringen dem Selbst. Der innere Kern existiert und gibt Impulse, lässt das Selbst weiterkämpfen. Das eigene Denken und Fühlen bleiben der Motor, solange man lebt. Der authentische Anschluss an sich selbst bleibt der Zugang zur Welt, zum Du, zum Leben. Wir Menschen sind gefordert, unser Selbst zu bewahren und uns nicht von unpassenden Ansprüchen überrollen zu lassen. Wir sind somit gehalten, hellwach, stark und mutig den klebrigen Fäden der Fremdbestimmung etwas entgegenzusetzen. Wir alle müssen wachsam bleiben, um nicht im Sumpf irgendwelcher Verlockungen steckenzubleiben.

Fremdbestimmung

Der Einzelne vernachlässigt häufig seine Ziele, Leidenschaften und Talente, wenn der bequeme Weg der Ablenkung und eines vordergründigen Genusses geradewegs in die Fremdbestimmung geführt haben. Das Selbst wird immer schwächer, während es von stereotypen Aktivitäten abgelenkt wird. Der Betroffene fühlt sich unwohl und spürt, dass er in seinem Leben kaum noch vorkommt. So hat sich der Fremdbestimmte sein Leben wohl kaum vorgestellt. Andere Ansprüche haben sich über die eigenen Leidenschaften gelegt und der zähe Film aus der Fremdbestimmung, Mutlosigkeit und den sinkenden Kräften, blockiert ein freies Denken und Handeln. Alltagszwänge, Verstrickungen aller Art scheinen keine Auswege mehr zuzulassen. Der Mensch fühlt sich gefangen wie in einer Zwangsjacke, von der er nicht weiß, wie lange sie noch getragen werden muss. Die inneren Kräfte versiegen, da die Batterien nicht aufgetankt werden können. Es wird eine Spirale in den Abgrund in Gang gesetzt, da die Hilflosigkeit, Abhängigkeit und Kraftlosigkeit überhand nehmen. Solange der Mensch in der Fremdbestimmung vegetiert, solange wird er sich ohnmächtig, hilflos und kraftlos fühlen. Der Betroffene erfährt sich als schwach und das Selbstwertgefühl versiegt. Die Batterien können nicht aufgetankt werden. Die Quellen eines starken Selbst verkümmern, wenn eigene Impulse unterdrückt, verraten und überhört werden. Da die Situation immer auswegloser erscheint, wird den inneren Impulsen immer weniger Beachtung geschenkt. Menschen, die einen schonungslosen Spiegel vorhalten könnten, werden gemieden. Es werden stattdessen Personen aufgesucht, die den Anspruch vor sich hertragen, alles beim Alten lassen zu wollen, die ebenfalls keine Aufklärung wollen. In diesem Klub der Gefangenen wird wohl kaum die Frage gestellt werden: „Wofür schlägt mein Herz?“ Überhaupt werden echte persönliche Leidenschaften hintenan gestellt. Das tägliche Einerlei soll reibungslos funktionieren, das immer Wiederkehrende soll nicht in Frage gestellt werden. Man möchte sich nicht irgendwelchen unvorhersehbaren Kräften aussetzen und so stellt man sich gegen den Lebensfluss. Der Verdrängende wird weiterhin kräftig kompensieren. Die innere, mahnende Stimme wird überhört. Es ist ein krankhafter Zustand. Es ist der Zustand des Verdrängens, des Betäubens, des Kompensierens. Je nach Geldbeutel, gesellschaftlichem Stand und Ansehen, fallen die Ablenkungsmanöver und Kompensationsgelüste anders aus. Der Wohlhabende unternimmt Reisen, um sich durch Konsum und Genüsse abzulenken. Er empfindet einen starken Drang zu flüchten. Es sind keine Reisen der Selbstfindung, sondern Versuche, der inneren Verzweiflung durch stetige Ortswechsel zu entkommen. Die Stimme soll beruhigt werden, die innere Stimme soll besänftigt werden. Das unerfüllte Ich soll schweigen. Um zu gesunden, müsste eine innere Umkehr stattfinden.

Wofür schlägt dein Herz?

Viele Menschen verlieren ihre Flexibilität, ihre Individualität, weil sie unter dem Druck der vielen Anforderungen ihre Selbstbestimmtheit aufgeben. Nicht selten werden Überzeugungen, Leidenschaften und Visionen verraten. Die Stürme des Lebens hätten mehr Eigeninitiative, Mut und Unbeugsamkeit erfordert. Anpassung, Mutlosigkeit und Resignation breiten sich aus, wenn eigene Inhalte und Überzeugungen über Bord geworfen werden oder nicht konsequent genug erarbeitet wurden. Viele suchen kurzfristige, materielle Vorteile und verwerfen ihre früheren Überzeugungen, sie vernachlässigen ein konsequentes Herangehen an eine fundierte Einschätzung der drängenden Lebensfragen. Tragende Inhalte werden nur kurz angedacht, schnell verworfen, weil Vorteile locken und das Eintreten für Werte mühsam ist. Die nicht gängigen, die nicht allgemein anerkannten Sichtweisen, die eine gewisse Courage erfordern, werden verworfen. Sie können ihrem Herzen und ihren ursprünglichen Zielen nicht treu bleiben. Sie geben es auf, inhaltlich zu forschen, wenn das Leben mit seinen Anforderungen, Mühsalen und oberflächlichen Strukturen den Blick aufs Wesentliche versperrt. Sie können nicht im Herzen, im Geist und im Intellekt jung und authentisch, mutig und unangepasst bleiben. Viele Verlockungen und scheinbare Vorteile nehmen sie gefangen. Der ehrliche Anschluss an sich selbst verkümmert. Die vielen Ansprüche von außen überlagern das eigene Fühlen und Denken. Das Selbst ist zu schwach, gegen die Fäden der Fremdbestimmung anzugehen. Eingewickelt und handlungsunfähig werden nur noch stereotype Aktivitäten aneinandergereiht. Der Betroffene hat das deprimierende Gefühl, im eigenen Leben nicht mehr vorzukommen. Der Morast der Fernsteuerung, das Gift der Betäubung einer Welt, in der sich fast alles ausschließlich um den Konsum dreht, lässt den Menschen von sich selbst entfremden. Ein selbstbestimmtes Leben erscheint zu mühsam, die faulen Kompromisse lassen nicht lange auf sich warten. Die Freiheit und somit die Verantwortung werden beiseitegeschoben. Das Ruder des Lebens wird aus den Händen gegeben. Der Mensch wird sprachlos. Er stammelt entfremdete Worthülsen ohne Sinn und Verstand. Er befindet sich in einer Grube der Selbstaufgabe und weiß keinen Ausweg mehr. Er kann sich nicht mehr spüren. Doch wer auf sein Herz hört, kann immer neu erblühen. Er ist im Herzen jung und die Lebenserfahrung kann als Kraftquelle, als Wissensfundus genutzt werden. Wer sich selbst erneuert und neue Blüten hervorbringt, ist bis ins hohe Alter lebendig. Darum sind wir gefordert, uns immer wieder die Frage zu stellen: „Wofür schlägt mein Herz?“ Wir sind gefordert, uns selbst nicht zu verraten, denn nur so können wir lebendig bleiben. Wir dürfen nicht untätig oder unkenntlich werden. Ein voller Terminkalender ist noch kein erfülltes Leben. Wir rauschen in einer hektischen Betriebsamkeit an uns vorbei. Wir können von uns entfremdet werden. Unser eigener ganz individueller Kern macht uns aus und hält uns am Leben. Wir sind in der Gefahr, uns zu verlieren, denn die Regeln, Pflichten und Ansprüche umgeben uns. Aber unsere Stärke, unser Mut und unsere Hoffnung ermöglichen uns einen freien Blick. „Welche Phantasien und Träume haben wir? Welche drängenden Themen machen uns in unserem inneren Kern aus? Wofür brennen wir?“ Wir können schnell abfackeln, wenn wir in unserem Leben nicht mehr vorkommen. Wir können uns aufgeben, unglücklich werden und unsere Impulse verraten. Unsere individuelle Entfaltung ist in jedem Alter bedroht. Wir kennen die Probleme aufgrund fremder Erwartungen, wirtschaftlicher Umstände und verlockender Vorteile. Eine Fremdbestimmung lauert überall, sie lässt den Kontakt zum eigenen Kern verflachen. Der Mensch ist zutiefst bedroht. Wenn faule Kompromisse überwiegen, verabschiedet sich der Klarblick. Träume werden begraben, sobald die Fremdbestimmung zuschnappt. Zwänge halten den Menschen gefangen. Depressionen und Süchte klopfen an. Der Kontakt zum eigenen Kern kommt zum Erliegen, wenn man als Mensch anderen dienen und gefallen will. Die Tretmühle eines fremdbestimmten Alltags lässt den Menschen hilflos zurück. Er ist überfordert, lustlos, perspektivlos. Der Kontakt zu den ursprünglichen Anliegen des eigenen Selbst sollte aber wieder hergestellt werden. Wer sich aus einer Ohnmacht befreien will, sollte die Ernsthaftigkeit und den Mut aufbringen, zum inneren Kern vorzudringen. „Wofür schlägt dein Herz?“ Diese Frage hat es in sich. Wer diese Frage ehrlich vor sich selbst beantworten will, wer es sich zutraut, es auszuhalten, ehrlich zu antworten, der ist schon ein großes Stück vorrangekommen. „Trau dich, die Fragen, die deine Identität betreffen, zu stellen!“ Es erfordert von uns eine gehörige Portion Lebensmut angesichts der vielen Verästelungen in Verpflichtungen, Ritualisierungen und Zwängen, ehrliche Antworten zuzulassen. Wir sind eingebunden, verpflichtet und im Alltag in vielschichtiger Art und Weise gefordert. „Wo sind wir noch authentisch und wo schleichen sich faule Kompromisse ein?“ Wir haben nur eine begrenzte Lebenszeit zur Verfügung und es ist ratsam zu schauen, ob wir uns schon in einer Sackgasse befinden. In Ruhe, Gelassenheit und in der größtmöglichen Klarheit können wir uns die Frage nach unserer Identität immer wieder aufs Neue Stellen. Diese Aufgabe bleibt, solange wir leben. Diese drängende Lebensaufgabe sollten wir nicht verleugnen. Solange wir noch eine Chance sehen, unser Leben neu auszurichten, solange wir noch kräftig, mutig und lebendig genug sind, uns zu hören, uns zu vertrauen, uns zu verändern, solange können wir viel bewegen. Es ist mühsam, auf dem selbstbestimmten Lebenskurs zu segeln. Es bleibt eine lebenslange Herausforderung, zu uns ehrlich zu sein, nicht immer wieder zu verdrängen, zu lügen und unser Selbst zu verraten. Kleinigkeiten sind in unserer Lebensführung bereits entscheidend. Wenn wir uns in Zwängen befinden, so können bereits kleine Veränderungen Weichen stellen. Wir können uns einem freieren Leben behutsam nähern. Kleine Freuden und gelungene Taten, die uns spiegeln, können unser Leben verändern. Schritt für Schritt werden wir in der Lage sein, uns an unser eigentliches Selbst heran zu tasten. Durch das Gelingen tanken wir unsere Batterien auf. Wenn es sich richtig und gut anfühlt, wenn wir in unserem Handeln aufgehen, dann knüpfen wir an unserem Kern an, dann belügen wir uns nicht mehr. Wenn wir uns unwohl fühlen, können wir versuchen, die Ursachen zu ergründen. Wenn wir etwas ändern sollten, so helfen bereits kleine Schritte in die richtige Richtung. Neue Alltagsstrukturen, andere Menschen und Aktivitäten vermitteln neue Impulse, andere Gefühle und neue Energien. Der Trampelpfad könnte verlassen werden, Scheuklappen abgenommen und vernichtet werden. Wenn wir hinter unserem Handeln stehen, erfahren wir Sinn und Erfüllung. Das Leben wird wieder lebenswert. Der neue Tag lockt mit neuen Verheißungen, neuen Überraschungen, da Neues ins Leben treten darf. Wir sind gefordert, diesen Lebensgestaltungsprozess immer wieder zu initiieren, zu beleben und uns nicht davor zu scheuen, mutig alte Pfade zu verwerfen. Wir sollten unseren Träumen, unseren Phantasien eine Chance geben. Wir werden uns nicht von dem Trott überrollen lassen. „Lasst uns niemals im Morast steckenbleiben! Lasst uns immer wieder in Höhen hinaufschwingen, aus denen wir einen besseren Überblick bekommen!“ Neue Perspektiven, neue Wege sind gefordert, wenn die alten verstören und traurig machen. Die Freiheit im Denken gibt uns die Chance auf andere Lebensprozesse. Ein klarer Verstand und ein großes Herz gehören zusammen. Die Selbstbestimmung verhilft uns zum Ich, zum Du, zu einem erfüllten Leben.

Der innere Kern

Wir müssen unsere täglichen Aufgaben erfüllen. Die schnelllebige Zeit stellt besondere Anforderungen an uns. Medien informieren uns und nehmen unser Denken und Fühlen in Anspruch. Wir können gar nicht anders, als uns mit der Informationsflut auseinander zu setzen, wir müssen die neuen Fakten und oft nicht erfreuliche Meldungen verarbeiten. Innere Denkprozesse, innere Auseinandersetzungen sind unvermeidbar. Wir wollen informiert werden und fühlen uns dennoch hilflos, denn wir können die Schieflagen in unserer Gesellschaft, die internationalen Auseinandersetzungen, den Terror nicht im Ganzen angehen. Die Meldungen erreichen uns, sie machen uns betroffen und gleichzeitig bleiben uns nur das Hoffen und ein schwankendes Vertrauen, dass die Verantwortlichen in den Führungspositionen die richtigen Entscheidungen treffen. Es gibt aber auch Bürger, die möchten nicht nur abwarten und auf Politiker, die Polizei und soziale Dienste vertrauen. Sie werden selbst aktiv und helfen in Eigeninitiative. Verfolgt man die Nachrichten, so wird man Zeuge einer global vernetzten Welt, mit einer bedrohlichen Anzahl ungelöster Konflikte. Krieg und Terror, Hunger und Klimakatastrophen kosten täglich vielen Menschen das Leben. Wir empfinden Ohnmachtsgefühle, denn die Lösungen der vielen Konflikte werden immer wieder in eine unvorhersehbare Zukunft gerückt. Dabei ersehnt die Mehrzahl der Menschen friedliche Zeiten und möchte sich nicht länger bedroht und ohnmächtig vorfinden. Viele wollen selbst etwas verändern, sie möchten etwas zum sozialen Frieden, zu einem besseren Miteinander beitragen. Das Ehrenamt bietet Möglichkeiten, einen sozialen Beitrag zu leisten. Nachbarschaftshilfe, Sammel- und Spendenaktionen werden von engagierten Bürgerinnen und Bürgern ins Leben gerufen. Die Flüchtlingshilfe hat einen erfreulichen Beitrag in der Gesellschaft realisiert. Dennoch bleibt das Gefühl der Hilflosigkeit, das Gefühl der Ohnmacht, weil die sozialen Verwerfungen anwachsen. Gerade in Krisenzeiten sollten wir uns nicht von vermeintlichen Informationen überrollen lassen und in einem Gefühl der Ausweglosigkeit verharren. Jeder kann in seinem Wirkungskreis aktiv werden, sich seiner Ziele bewusst werden. Die an uns herangetragenen Probleme dürfen aus uns keine ohnmächtigen, hilflosen, mit den Achseln zuckenden Opfer werden lassen. Wir können selbstständig handeln, wenn wir uns unsere Ziele und Chancen in einem Bewusstwerdungsprozess erarbeiten. Wir können uns einem eigenen Standpunkt Schritt für Schritt annähern. Wir können uns nicht losgelöst von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erleben, entfalten und verwirklichen. Jeder ist gefordert, für sich finden, in welchem Bezug man zu den gesellschaftlichen Bedingungen steht. Wir können uns existentielle Fragen stellen, die uns klarer sehen lassen: „Was sind meine eigenen Ziele? Was macht mich in meinem inneren Kern aus?“ Wir dürfen uns nicht verlieren. Wir dürfen uns auch dann nicht aufgeben, wenn die Probleme vielschichtiger und undurchschaubarer werden. Wir sollten bemüht sein, uns ein eigenes Bild zu machen und uns nicht ohnmächtig zurückzuziehen. Wir bedürfen eines wachsamen Auges, eines klaren Verstandes. Wir können nur dann handlungsfähig werden, wenn wir gewillt sind, uns die Realität anzusehen und in einem guten Kontakt zu uns selbst, in den Dialog zum Du, zur Welt zu treten. „Lasst uns angesichts der vielen Konflikte und weltweiten Problemen nicht resignieren! Lasst uns wachsam bleiben! Lasst uns in uns gehen und klar erkennen, wofür unserer Herz schlägt und was uns unser Verstand sagt. Wir sollten zu unserer Meinung stehen und jederzeit aktiv werden. Wir brauchen uns nicht zurückzuziehen und wir sollten der Ohnmacht keine Chance einräumen!“ Die vielen Ablenkungen, die Informationsflut und täglichen Verpflichtungen sollten uns nicht von uns selbst entfremden. Nur der Mensch, der in einem guten Kontakt zu sich selbst steht, kann handlungsfähig bleiben. „Behalte deine Visionen, denn auch du kannst viel bewegen! Auch wenn du dir manchmal klein und unscheinbar vorkommst, kannst du mit deiner Stimme andere erreichen.“ Wir können denken, handeln, Sinn erfahren. Die vielen Schieflagen, Kriege und sozialen Verwerfungen dürfen uns nicht zu hasserfüllten Zombies werden lassen. Wenn wir die Ursachen der Probleme erkennen, werden wir keine Sündenböcke suchen. Wir werden aktiv und spiegeln uns in unseren Taten. Im konstruktiven Miteinander wenden wir uns gleichzeitig zu uns, zum Du. In den sinnstiftenden Handlungen tanken wir unsere Batterien auf. Es wird uns Sinn und Halt gewähren, wenn wir aktiv alles uns Mögliche zum Guten wenden und uns nicht frustriert zurückziehen. „Lasst uns die Kraft der Intuition nutzen und uns nicht lähmen. Bewahre dein inneres Leuchten und kämpfe für deine Lebendigkeit!“ Wir dürfen uns nicht von einer Informationsflut erdrücken lassen, denn Ohnmacht, Resignation, Angst und Hass bedingen die Abwärtsspirale des Lebens. Wenn wir uns nicht fremd werden und den Kontakt zu unserem Herzen pflegen, dann werden wir kräftig bleiben und uns dem Du widmen. Wir werden aktiv bleiben, niemals aufgeben und somit der Frustration keinerlei Chance einräumen.

Die Chance auf Entfaltung

Wir wissen um die vielen Menschen, die in Notsituationen keine Chance erhalten, ihren inneren Kern, ihr Potential als Persönlichkeit ausreifen zu können. Ihre Anlagen werden nicht zur Entfaltung kommen, da Hunger, Krieg und Vertreibung, Folter und andere Missstände es verhindern. Wir geraten immer wieder in Situationen, in denen wir gefordert sind, „Farbe zu bekennen“. Ganz egal welcher Nationalität, Hautfarbe und sozialer Position wir auch sind, sind wir gefordert, uns einen eigenen Standpunkt zu bilden. Wir können unser Lebensruder nur in den Händen halten und behalten, wenn wir lernen zu navigieren, zu leiten und zu lenken. Die Voraussetzung zum Navigieren muss immer wieder neu gelernt werden. Wir müssen eine Kommunikation pflegen, die es möglich macht, den anderen zu erreichen. „Wie kann ich mich verständlich ausdrücken? Wie kann ich mit meiner Sprache zum Frieden beitragen? Wie kann ich mit meiner Art zu kommunizieren die Menschen zur Reflexion anregen?“ Wir sollten in globalen Kontexten denken und handeln. „Wie kann ich mein Leben im Einklang mit der Welt, mit einer globalen Ethik gestalten?“ Jegliche Form der Ausbeutung, der Verseuchung und der kriegerischen Gewalt stehen im Widerspruch zum Weltfrieden. Wir alle tragen Verantwortung für uns, unser Denken und Handeln, denn wir müssen zuerst vor unserer Türe kehren, um als Vorbild ernst genommen zu werden. „Wir können viel bewegen, wenn wir uns bewusst werden, was wir bewegen wollen!“ „Habe den Mut, dich genau anzusehen und zu deinen Leidenschaften zu stehen! Verstricke dich nicht in den Ansprüchen von Scheinwelten! Höre auf dein Herz und belüge weder dich noch andere! Du bist gut indem, was du liebst! Pflege die friedfertige Kommunikation, denn sie führt dich zum Du!“

Macht und Ohnmacht

Du bist in der Lage zu denken, zu fühlen und jederzeit aktiv zu werden, obwohl du dich oft ohnmächtig und hilflos fühlst. Du spürst eine große Überforderung. Egal, wie sehr du dich auch anstrengst, die Probleme werden nicht weniger, im Gegenteil. Es ist dir schon seit langem bewusst, dass andere an den Hebeln der Macht sitzen und die Weichen stellen. Du suchst den Frieden. Dennoch hat dich der Mut nicht verlassen und je älter du wirst, desto deutlicher begreifst du die komplexen Zusammenhänge einer globalisierten Welt. Du weißt, dass wir alle in einem Boot sitzen und deshalb treffen dich die Schieflagen, die Kriege und der Terror besonders stark und mitten ins Herz. In den Zentren der Macht fallen die Entscheidungen und die unmittelbaren Folgen der Politik werden wieder einmal menschenunwürdige Auswirkungen haben. Du kannst dich schon lange nicht mehr vertrauensvoll zurücklehnen, denn es ist zu viel geschehen. Die Ausmaße und Konsequenzen der Flickschusterei sind überall spürbar. Das kurzfristige Vorteilsdenken, das nationale Profitdenken, die vielen kleinen Scheinlösungen haben in Sackgassen geführt. Alle sprechen von der Globalität und dennoch überwiegt das kleinkarierte Nationaldenken. Die Wurzelbehandlung bleibt aus und der Turboeffekt einer verfehlten Handlungsweise betrifft uns alle. Wir stoßen täglich an unsere Grenzen. Die Klima- und Flüchtlingskatastrophe, Krieg und Hunger, alles springt in unser Bewusstsein und wir wissen, dass die Zeit drängt. Die Lippenbekenntnisse lassen uns beinahe verzweifeln. Eine Ankündigung reiht sich an die andere, während viel zu wenig real umgesetzt wird. Wir wissen das und es rotten sich frustrierte, verzweifelte und desorientierte Menschen zusammen, die vordergründige Parolen herausschreien und Sündenböcke suchen. Wir fühlen uns oft überrollt, nicht genug informiert, da die Hintergründe des Hungers, des Terrors und der Kriege vernebelt werden. Die Kettenreaktionen der Gewalt und der sozialen Verwerfungen werden verschwiegen. Man möchte nicht die eigentlichen Ursachen benennen, weil das Vorteilsdenken immer noch das Handeln beherrscht. Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Profit, das profane Erschleichen irgendwelcher Vorteile, umschlingen das Handeln der Mächtigen. Wir ahnen Schlimmes und möchten dennoch nicht ohnmächtig zusammenbrechen. Wir wollen uns nicht in diesen Krisenzeiten aufgeben und die Meinung vertreten: „Das hat doch alles sowieso keinen Sinn mehr, die Kriege werden geführt und die Gletscher schmelzen!“ Wer sich noch nicht aufgegeben hat, möchte selbstbestimmt leben, etwas tun und das Eine oder Andere zum Guten bewegen. In der Krise zeigen sich die Kraft, der Mut, der Drang nach Selbstbestimmung. Wir wollen uns nicht irgendeinem Schicksal überlassen. Wir wollen uns nicht betäubt und fremdbestimmt berieseln lassen. Unser Bewusstwerdungsprozess wird uns die Chance einräumen zu erkennen, was wir wollen und was wir nicht wollen. Die Meinung eines jeden ist gefragt und unsere Demokratie darf nicht ausgehöhlt werden. Unser Herz und Verstand sagen uns, wie wir leben wollen und diese Anliegen müssen wir nach außen tragen. Wir dürfen dem Demokratieabbau nicht nachgeben. Wir müssen mündige Bürger sein und uns dementsprechend verhalten. In diesen Krisenzeiten sind wir alle gefordert, ein starkes Rückgrat zu entwickeln und uns nicht brechen zu lassen. Unsere Verfassung, unsere Menschenrechte sind das Gold historischer Anstrengung. Wir dürfen nichts schleifen lassen, denn unsere Werte sind bedroht. Wir dürfen kein Fähnchen im Winde werden, für Vorteile oder für ein wenig Bequemlichkeit unsere Demokratie verraten. Es wäre fatal, wenn wir jetzt nicht selbstbestimmt denken und handeln würden. Ein jeder ist nun in seiner und mit seiner Verantwortung gefragt. Wir haben die Bürgerpflicht, uns umfassend zu informieren, uns ein eigenes Bild von der uns umgebenden Situation zu machen. „Lasst uns nicht wegducken, nicht weggucken und niemals Opfer von Manipulationen werden! Gebt den Menschenfängern keine Chance, die die Krisen für ihre Zwecke ausnutzen. Kämpft für die Demokratie mit Verstand!“ Die Ohnmachtsgefühle vergehen, sobald du aktiv wirst. Du kannst dich in deinen Worten und Taten spiegeln. Du brauchst kein Flüchtling zu werden. Du brauchst vor den Problemen nicht wegzulaufen. Du bist überall gefordert. „Schau dich um! Es gibt sehr viel zu tun. Du bist schlau und kräftig. Nutze deine Chancen.“ Unsere Wachsamkeit wird uns befähigen, die Lügen und Täuschungen zu erkennen. „Nutze den Kontakt zu den Menschen, die dich stärken und bei den positiven Handlungen unterstützen! Meide die Rabulisten, die nur Sündenböcke suchen und realitätsfremd den Hass schüren!“ Auch wenn die Krisen toben, können wir stark und handlungsfähig bleiben, wenn wir unseren Kern stärken, unsere Persönlichkeit ausbauen und uns im du wiederfinden.

Geld und Macht

Wir sind schon lange keine Jäger und Sammler mehr. In den hochtechnisierten Kulturen weht ein anderer Wind. Die Menschen wollten und wollen den Bedrohungen der Natur entkommen und durch die Zivilisation Schutz erfahren. Straßen, Häuser, die Anbindung an eine gute Stromversorgung, medizinischer Fortschritt, alles sollte uns Sicherheit, ein Rundum-SorglosPaket garantieren. Völkerkundler erforschen die kulturellen Bedingungen der Naturvölker, von denen sehr wenige bis heute auf unserem Globus überlebten. Viele Stämme sind durch uns bedroht, denn das Roden, Plündern, Vertreiben hat immer noch nicht aufgehört. Einige Häuptlinge der indigenen Gruppen sind vernetzt und machen auf die brutalen Vertreibungen aufmerksam. Wir wollten die Natur beherrschen, sicheren Wohnraum schaffen und durch das Zahlungsmittel Geld überall unseren Ansprüchen genügen können. Der Mensch wollte Freiheit und Sicherheit, Wohlstand und Glück. Die hochtechnisierte Welt mit allen erdenklichen Errungenschaften sollte genau das garantieren. Doch für viele, sehr viele blieb die Teilhabe an den technischen, sozialen, wirtschaftlichen Vorteilen aus. Sie schauen in den Abgrund einer aus den Fugen geratenen Welt. Die Krisenherde nehmen zu und die dringend benötigte Hilfe kommt nur schleppend oder unzureichend an. Viele Politiker schauen verdrossen und wundern sich, dass immer mehr Bürger unzufrieden und desillusioniert der Zukunft entgegensehen. Die vielen faulen Kompromisse, die in den Nachrichten angekündigt und nicht selten wieder verworfen werden, schüren Ängste. Der Bürger fühlt sich nicht gut vertreten, wenn nachhaltige Konzepte fehlen. Die Lippenbekenntnisse reihen sich immer öfter und unüberschaubarer aneinander. „Was war gestern und wo geht es heute hin?“ Nachhaltige, grundlegende Konzepte sind nicht zu erkennen. Militärische Einsätze werden immer wieder als unverzichtbar erklärt und die Probleme vor der Haustür scheinen nicht gelöst zu werden. Der Unmut macht sich in der Bevölkerung breit, während die Politiker streiten. Nein, man möchte mit dubiosen Staaten keine Waffengeschäfte abwickeln und macht es trotzdem. Ja, den Banken soll auf die Finger geklopft werden, während immer neue Bankenskandale an die Öffentlichkeit geraten. Milliarden verpuffen in scheinbar ausweglose Bankenrettungen. Diese sozialen Schieflagen und verhängnisvollen Affären sollen verdrängt werden, denn die nächsten Bankenrettungen kündigen sich am dunklen Horizont an. Der Bürger ist um sein Geld besorgt. In nächtlichen Krisenmarathons wird verhandelt und die Politiker scheinen verbindliche Einigungen erzielen zu wollen, die alles zum Besseren wenden. Wir wissen um die kurzfristigen Scheinergebnisse, wobei uns allen das Gesamtwissen fehlt. Die Zusammenhänge sind undurchschaubar geworden, in einer globalen Welt, in der alles mit allem zusammenhängt und nicht müde werdende Computer Tag und Nacht zocken. Das alles kann keine Sicherheit und erst recht nicht Wohlstand für alle garantieren. Es haben sich noch Reliquien längst vergangener Zeiten in unserem Denken festgesetzt, als das Wirtschaftswunder soziale Gerechtigkeit versprach. Heute weht ein anderer, eiskalter Wind über uns hinweg, während sich das Klima erwärmt und immer mehr Menschen vor einem vielleicht ansteigenden Meeresspiegel flüchten müssen. Das Spektrum einer widersprüchlichen Politik ist groß und immer mehr Bürger wünschen sich eine nachhaltige, ethische Ausrichtung der Politik. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass niemand gerne zugibt, ganz unmittelbar unter den Problemen zu leiden, niemand möchte ein Loser sein, in einer Welt, in der sich alles ums Geld dreht. Viele betrachten sich durch die Brille des Geldes. Wer „flüssig“ ist, ist wer, wer nicht genug auf dem Konto vorweisen kann, ist scheinbar ein Verlierer in einer Welt, in der es doch jeder zu etwas bringen könnte. Die Realität sieht völlig anders aus, denn Chancengleichheit ist weit und breit nicht zu erkennen. Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern, Kinder Alleinerziehender haben es immer noch außerordentlich schwer. Es wird eben noch lange nicht jedes Kind abgeholt. Das Kapital tobt sich aus. Viele Globalplayer zahlen zu wenig oder gar keine Steuern. Während die Märkte international ticken, sieht es mit den Steuererhebungen nicht einheitlich oder sozial gerecht aus. Steuertricks, Schlupflöcher aller Art und Briefkastenfirmen überziehen wie ein Flickenteppich die Welt, während die Politiker gebetsmühlenartig wiederholen, dass sich alles ändern soll. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander und Kinder sind vor allem für Frauen ein Armutsrisiko. Im Alter stehen viele Frauen vor dem Nichts, denn die großen Lücken in der Vita bedeuten schlechte Zeiten im Alter. Die Scheidungsraten sind hoch und die Politik hat nicht angemessen reagiert, denn die Zahl der Alleinerziehenden steigt stetig an. Viele Rentner müssen aufstocken, Zeitungen austragen oder von Familienangehörigen gerettet werden. Der Hunger breitet sich aus, während in der Tagesschau verkündet wird, dass es uns sehr, sehr gut gehe. Auch Gebisse, Brücken und Kronen sind für viele in weite Ferne gerückt, da eine angemessene Zahnarztversorgung nicht mehr völlig gewährleistet wird. Die Zeit der Zahnlücken, der schlechten Provisorien hat wieder wie in der Nachkriegszeit ihren Platz eingenommen. Die nackte Verzweiflung lässt die Menschen nicht zur Ruhe kommen. Der Hilflosigkeit und Ohnmacht folgt das Gefühl der Verständnislosigkeit, wenn kostspielige Militäreinsätze und Bankenrettungen regelmäßig verabschiedet werden. Eigentlich sollten die Reserven vieler Geldinstitute ausreichen, eigentlich wollte man an den Boni sparen, eigentlich sollten windige Spekulationen der Vergangenheit angehören. Man wollte sich aus Kriegsgebieten zurückziehen und in manche Regionen keine Waffen mehr liefern. Das Gegenteil wird gemacht und es wird den Menschen als der allein richtige Weg verkauft. Der Bürger fühlt sich immer häufiger ratlos, wehrlos und verzweifelt. „Wer hat die Macht? Kann es sein, dass sich zu viele dem Kapital ergeben? Resignieren viele Politiker angesichts der tobenden Märkte. Denken sie nur in den Kategorien des Profits und entfremden sich von ethischen Ansprüchen? Warum werden Menschen mit normalen gerechten Ansprüchen als Fantasten eingestuft? Wer spricht noch von Gerechtigkeit in einer Zeit, wo viele ums Überleben kämpfen müssen?“ Der tägliche Kampf ist so brutal geworden, dass sich viele keine Zeit mehr für ethische Reflexionen nehmen können. Die Gesellschaft wirkt endsolidarisiert. Dennoch erkennt man auch Gegentendenzen: Eine ausgeprägte Flüchtlingshilfe, Demonstrationen, die das soziale Gewissen einer Nation deutlich zeigen wollen. Die Menschen wollen gehört werden, aktiv sein, sich nicht aufgeben. Sie wollen den Ungerechtigkeiten etwas entgegensetzen. „Wann liegt die Macht wieder beim Bürger? Wann oder wie kann unsere Demokratie wieder stark und sichtbar werden?“ Wir alle haben eine Stimme! Noch können wir unsere Meinung kundtun und um unsere Demokratie kämpfen. Wir sind die Basis der Demokratie. Wir brauchen uns nicht länger mit den auswendig gelernten Lippenbekenntnissen vieler Politiker zufrieden zu geben, vor allem darf man ihnen nicht glauben, wenn sie gegen die Ansprüche einer sozialen Gerechtigkeit verstoßen. Der hektische Stillstand könnte aufgelöst werden, wenn man sich nicht in der Kleinkrämerei eines Alltags auflöst, der keine Selbstbestimmung zulässt und uns der Identität beraubt. „Du bist stark! Du hast eine Stimme! Lass dich nicht einlullen und beruhigen, wenn du hellwach und aktiv werden solltest. Gib dein Lebensruder niemals aus der Hand und lass dir nicht dein Gehirn vernebeln. Der Zuckernebel der Konsumindustrie sollte dich nicht täuschen dürfen!“ Auch dürfen wir uns niemals der schwelenden Energie einer Gesamtkonzeptionslosigkeit hingeben! Konzeptionslos sind die Vorschläge, die nicht nachhaltig lösungsorientiert und ethisch fundiert wirkliche, gerechtere Wege bereithalten. „Wir brauchen keine monotonen Schlaflieder, wir brauchen unseren ganzen Mut und einen klaren Kopf!“ Die Demokratie wird nur vom Bürger lebendig gehalten und von der Basis aus belebt. „Mach dich an die Arbeit, es gibt viel zu tun!“

Zickenalarm

Du kennst dich aus im Delegieren, Kritisieren und Bewerten. Alles soll so laufen wie geschmiert und deine Vorbilder spuken in deinem Kopf herum. Irgendwelche Seifenopern haben dir das Hirn verdreht. Du konntest es nicht lassen, die vielen Serien zu konsumieren und in dir hat sich eine Welt ausgebreitet, die von Kitsch und Tratsch dominiert wird. Dein Zickenalarm ist berüchtigt, denn, wenn es irgendwo hakt, sind die anderen schuld. Viele haben bereits Angst vor dir, denn du bist mit deiner Kritik sehr verletzend und du sparst nicht an Ratschlägen. Du gibst in deiner Orientierungslosigkeit Rätsel auf und man kann den Eindruck gewinnen, dass deine phantasievollen Luftschlösser ungeahnte Ausmaße annehmen. Du bist die Prinzessin mit dem goldenen Schuh und dem Anrecht auf unbegrenzte Bespaßung. Da die selektive Welt um dich herum ebenso vom Schein und dem Blenden lebt, fällst du nicht weiter auf. Dein Geld soll sich vermehren, nichts soll haken oder klemmen, du könntest sehr ungehalten werden. Deine Launen sind mittlerweile legendär und es ergreifen immer mehr Menschen die Flucht. Vielleicht ist das der Grund, warum du stetig mehr Reisen buchst. Kleine Verstimmungen treiben dich an den Rand des Wahnsinns. Deine Frustrationstoleranz geht gegen null und Menschen werden nach ihrem Spaßfaktor bewertet. „Wer lenkt mich ab? Wer kann mich unterhalten? Wer vermeidet Inhalte?“ Du willst herrschen und dich amüsieren, du willst Anerkennung. Du willst überall dabei sein, doch du kennst dich nicht aus in der Welt, da du die Realität nicht an dich heranlassen wolltest. Du hast viele vertrieben, die Besten in die Flucht geschlagen. Dein Konsum soll dich weiterhin trösten und während du stetig an Gewicht zulegst, wirst du unbeweglicher, schwächer und unzufriedener. Deine Bequemlichkeit und Spaßsucht haben deine Konzentration geschwächt. Deine Gedanken driften schnell ab und sie suchen krampfhaft nach neuen Vergnügungen. Auf die Gedanken anderer kannst du dich nicht einlassen, da du gar nicht an den Innenwelten deiner Mitmenschen wirklich von Herzen interessiert bist. Es sind nur deine Zuarbeiter, Spaßvögel, Unterhalter, die schnell verscheucht werden, wenn sie nicht mehr so lustig sind. Von Krankheiten hörst du nicht gern, denn du willst nicht belastet werden. Das Elend der Menschen dient dir als Klatschvorlage und wenn du dich mit mitleidsvoller Miene präsentieren kannst, wirst du dies tun, denn du kennst dich aus in den Rollen der Seifenopern. Dein Geld gibt dir Recht und im Blenden kennst du dich aus. Dennoch gerätst du immer mehr an deine Grenzen. Du wirst immer öfter durchschaut. Dein geheucheltes Interesse wird immer offensichtlicher und das Bauchgefühl der meisten rebelliert, wenn du im Anmarsch bist. Der Bauchumfang wächst und ist Ausdruck der unbändigen Kompensationsgelüste. Während du stetig abbaust, möchtest du gelobt werden. Wofür?

Das Verdrängen

Das Verdrängen ist gesellschaftsfähig geworden. Wenn die Zeiten schlechter werden und sich immer mehr Schieflagen in einer Gesellschaft ankündigen, so möchten viele nicht zu der Gruppe der Belasteten gehören. „Mir kann nichts passieren, ich bin auf der sicheren Seite. Mein Bausparvertrag und meine Lebensversicherung garantieren mir Stabilität und die anderen sollen sich anstrengen, um mir das Wasser zu reichen. Ich umgebe mich nicht mit Losern! Da, wo das Geld regiert, da wird auch für mich ein Vorteil herausspringen. Wer stellt sich mir in den Weg, wer könnte mich belästigen? Nur keine Verpflichtungen, ich habe es eilig, ich mache Karriere!“ Dein Turboleben nimmt bedrohliche Ausmaße an, denn, was gestern für dich zählte, existiert heute nicht mehr. Es fällt schwer, eine Linie, eine inhaltliche Ausrichtung zu erkennen. Vielleicht hast du deine Lebensgeschwindigkeit erhöhen müssen, um dich nicht mit dir zu konfrontieren. Neue Ziele - neues Glück - neue Leute - andere Meinungen. Andere Länder, neue Sitten, doch bekommst du etwas davon mit? Deine Lebensbeschleunigung ist legendär, während du über Nachhaltigkeit faselst. Die Urbevölkerung in den abgelegenen Gebieten fasziniert dich von morgens neun bis mittags eins, während du die nächste Safari planst. Der Champagner soll gekühlt sein, es ist so anstrengend unter der heißen Wüstensonne. The „big five“ sollen sich sehen lassen. Du könntest sonst schwer enttäuscht das Reservat verlassen müssen. Morgen werden sich neue Landschaften vor deinem Auge ausbreiten. Du brauchst das. Du spürst die unbändige Lust des Verdrängens. Neuer Tag, neues Glück. Neue Leute, neuer Spaß.

Die Orientierung