Madad und Mimai - Guido Bernhard - E-Book

Madad und Mimai E-Book

Guido Bernhard

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Beschreibung

Ausgelöst durch erschütternde Bilder über sogenannte "Boat-people" während des Vietnamkrieges, entschied sich das deutsche Ehepaar, ein Waisenkind aus der Dritten Welt zu adoptieren. Wie daraus die Adoption eines weiteren Kindes entstand und sie nach neun Jahren ungewollter Kinderlosigkeit innerhalb von nur 5 Monaten gleich zwei Kinder bekamen, berichtet der Vater der Kinder mit tiefer Empathie und informativer Sachlichkeit.

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EPUB
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Seitenzahl: 117

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Guido Bernhard

Madad und Mimai

Die außergewöhnliche Geschichte einer Adoption zweier Kinder aus der Dritten Welt

© 2018 Guido Bernhard

Verlag & Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

978-3-7469-3282-8 (E-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

KAPITEL:

BOAT-PEOPLE

MUTTER TERESA

DAS WUNDER

MANDELAUGEN

EIN KRAMPF

WEIHNACHTEN

IM DSCHUNGEL

KINDER HABEN EIN RECHT AUF ELTERN

WEISST DU NOCH…

Deutsches Essen

Regina Regenbogen

Die Schlange

Apfelsaft

Schlagfertig

Schöne Frau

Grenzerfahrung

Der Regenschirm

Modenschau

Bildzeitung mit Eis

Späte Pizza

Bingo

Der Marder

DISKRIMINIERUNG

ZEITRAFFER

ZUFALL

VORWORT

Selbst jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, bin ich mir nicht ganz sicher ob ich es tun soll - ein Buch zu schreiben, oder besser gesagt und weniger anspruchsvoll, einen autobiografischen Erfahrungsbericht über die spannende und außerordentlich bewegende Zeit während der Adoption unserer beiden Kinder. Der Titel ist für Außenstehende unverständlich, deshalb der Hinweis, dass ich ganz einfach die Aussprache unserer Kinder gewählt habe, die sie beide füreinander als Kleinkinder benutzten - aber auch, um ihre Anonymität zu wahren.

Lange, sehr lange, habe ich gezögert, gezweifelt und überlegt, das Für und Wider abgewogen, ob ich diese sehr persönlichen und privaten Erlebnisse überhaupt zu Papier bringen kann und darf. Fragen über Fragen taten sich auf: Wie weit darf ich mich mit meinen subjektiven Empfindungen hinauswagen, offenlegen und schreiben was mich damals bewegte, und noch viel ungewisser: wie weit darf ich dies auch für meine Frau zu Papier bringen. Und so suche ich mit meinem Bericht einen vertretbaren, aber ehrlichen Mittelweg zu finden: einerseits meine eigene Sicht der Dinge und die damit verbundenen Empfindungen zu schildern, andererseits aber auch für meine Frau zu schreiben, denn wir haben ja nahezu alles gemeinsam durchlebt und durchlitten, waren zusammen ungeduldig, manchmal niedergeschlagen, waren aber auch überaus glücklich wenn es neue und gute Nachrichten gab.

Ausschlaggebend für diese wahre Geschichte waren jedoch die vielen Ermutigungen von Freunden, Bekannten und Verwandten, die eine mündliche Schilderung der Ereignisse von damals und meine abschließende Bemerkung „wir könnten darüber ein Buch schreiben“ stets mit dem Hinweis bekräftigten „das solltest Du tun“. Nun, eines Tages wird es zu spät sein, diese Geschichte zu erzählen. Die Gewissheit der Vergänglichkeit des Lebens rückt mit zunehmendem Alter täglich näher. Also tue ich es - ich schreibe die Geschichte nieder, wie meine Frau und ich glückliche Eltern von zwei Kindern aus der Dritten Welt wurden, von „Madad“ und „Mimai“.

Im Sommer 2016 - Guido Bernhard

BOAT-PEOPLE

Mittlerweile ist es Herbst 2017 geworden. Ein ganzes Jahr ist vergangen, ohne den Anfang gewagt zu haben. Irgendwie habe ich noch ein wenig Bammel, das Buch zu beginnen und Zweifel über die Art des Vorgehens. Nun - endlich - nachdem mir viele Gedanken und Ideen durch den Kopf gingen, habe ich mich doch entschieden, es rasch und mit Elan anzugehen.

Der dicke rote Adoptionsordner ist randvoll mit Unterlagen, die sich im Laufe des Verfahrens angesammelt haben: Kopien, Belege, Quittungen, Notizen und Übersetzungen von 1979 bis 1981. Ihn habe ich über viele Stunden durchgesehen, gelesen und mir Notizen gemacht über das, was mir wichtig erscheint und ich zu Papier bringen will.

Im Sommer 1979 hatten wir uns nach vielen Jahren ungewollter Kinderlosigkeit, unzähligen Gesprächen und reiflicher Überlegung entschieden, ein Kind zu adoptieren. Erste Anlaufstelle bei einem solchen Vorhaben ist das zuständige Jugendamt. Einige Wochen nach unserem ersten telefonischen Kontakt saßen wir für ein erstes Gespräch im Büro der Sozialarbeiterin des Jugendamtes und erläuterten zunächst, wie von ihr gewünscht, unsere Beweggründe für eine Adoption. Wir erfuhren, dass aktuell in Deutschland über 20.000 Ehepaare auf die Adoption eines Kindes warteten. Auf der „Wunschliste“ ganz oben standen meist Säuglinge und Kleinkinder. Die Chance, in absehbarer Zeit ein Kind adoptieren zu können, wäre innerhalb unseres Kreisgebietes äußerst gering, nahezu aussichtslos. Die Dame empfahl uns aber, uns in größeren Städten wie Frankfurt zu bewerben, dort wäre die Warteliste nicht ganz so lang. Am besten wären jedoch die Chancen in Berlin, weil dort relativ viele Frauen aus der Drogenszene ihr Kind zu Adoption freigeben würden. Mit dieser ernüchternden Erkenntnis war unsere Hoffnung auf baldigen Nachwuchs merklich gesunken. Der Wunsch nach Kindern war jedoch nach wie vor bei uns beiden ungebrochen.

Vielleicht war es eine Fügung des Schicksals, dass wir nur kurze Zeit später eine TV-Reportage über sogenannte „Boat-People“ sahen. Herzzerreißende Bilder flimmerten über den Bildschirm: In Folge des zu Ende gegangenen Vietnamkrieges, dem hektischen Abzug der Amerikaner und der nachfolgenden Säuberungswelle durch nordvietnamesische Truppen befanden sich rund 1,6 Millionen Menschen, meist Südvietnamesen auf der Flucht. Große Teile des fernen Ostens waren im Aufbruch. Unzählige Flüchtlinge begaben sich in kleinen, meist überfüllten Booten auf das südchinesische Meer in der Hoffnung auf Hilfe und ein freies Leben in einem anderen Land.

Es war die Geburtsstunde der „Cap Anamur“ - ein von Rupert und Christel Neudeck gechartertes seetüchtiges Schiff, das zuvor mit Spendengeldern vom Frachtschiff zum Hospitalschiff umgebaut wurde und mit Ärzten und vielen ehrenamtlichen Helfern am 13. August 1979 im südchinesischen Meer ankam und dort bis 1982 fast 10.000 Menschen rettete und über 35.000 Boat-People medizinisch versorgte.

Vermutlich wurde im Laufe dieser TV-Reportage auch „Terre des Hommes“ (TdH) erwähnt, was aus dem Französischen übersetzt „Erde der Menschlichkeit“ bedeutet. TdH als internationale Hilfsorganisation wurde 1958 mit dem Ziel gegründet, Kindern in Notgebieten mit verschiedenen Projekten zu helfen. Eines dieser Projekte ist die Hilfe für Waisenkinder und verlassene Kinder durch Adoptionen. Die Charta der Hilfsorganisation TdH besagt unter anderem: „Das Kind wird - wenn möglich in seinem Heimatland, sonst anderswo - ernährt, gepflegt, mit rechten Eltern versorgt und so wieder in ein Leben geführt, das seinen Kinderrechten entspricht.“ Dies alles wußten wir bis dahin natürlich nicht. Warum, so ging es uns durch den Kopf, sollten wir uns unbedingt um die Adoption eines Kindes aus Deutschland bemühen mit jahrelangem Warten und ungewissem Ausgang und nicht ein Waisenkind aus der sogenannten „Dritten Welt“? Bald schon waren wir von dieser Idee überzeugt, geradezu begeistert, denn die Bilder der „Boat-People“ und dem mutigen Engagement von TdH hatten wir ja noch immer vor Augen.

Bei einem zweiten Gespräch zeigte sich die Dame vom Jugendamt von dieser Überlegung nicht begeistert. Sie war sehr skeptisch; zu viele Unwägbarkeiten gäbe es wegen der Herkunft eines solchen Kindes, außerdem sei ein Riesenaufwand an Formalitäten damit verbunden. Nun, ein wenig Genugtuung empfanden wir schon, als die gleiche Dame wenige Jahre später, nachdem wir zwei Kinder adoptiert hatten, anderen interessierten Ehepaaren uns beide als Ansprechpartner und Auskunftgeber für die Adoption eines Kindes aus der Dritten Welt empfahl. Einige Male hatten wir daraufhin, meist Sonntagnachmittags zu Kaffee und Kuchen, Adoptionswillige Ehepaare bei uns zu Gast und gaben bereitwillig Auskunft auf ihre Fragen.

Trotz der von Seiten des Jugendamtes vorgebrachten Einwände und Bedenken ließen wir uns in unserem Vorhaben nicht beeinträchtigen. Mit den übers Fernsehen erhaltenen Informationen über diese internationale Kinderhilfsorganisation machten wir uns daran, Näheres zu erfahren, was sich aber sehr bald als recht schwierig erwies, weil zu damaliger Zeit an Internet und „googeln“ noch nicht zu denken war. Telefonauskünfte, Bücher und sonstige Informationen führten uns schließlich zur Anschrift des Adoptionsreferats von TdH Deutschland in Osnabrück.

Mit Datum vom 31.07.1979 schrieben wir an besagtes Adoptionsreferat, stellten uns kurz vor und äußerten den Wunsch, ein Kind aus der sogenannten „Dritten Welt“ zu adoptieren. Ungeduldig warteten wir auf Antwort. Nur zwei Wochen später, am 13.08.1979, erhielten wir ein vierseitiges Informationsblatt, in dem recht umfangreiche Bedingungen für eine Adoption geschildert wurden, denn „TdH sucht Eltern für Kinder und nicht Kinder für Eltern.“ Nahezu alles war bürokratisch reguliert und vorgeschrieben: Lebensalter der Eltern, Ehebestand mindestens 2 Jahre, Stabilität im Berufsleben, gesicherte Einkommensverhältnisse, Wohnsituation, gute Gesundheit der Antragsteller, mindestens sechsmonatige berufliche Freistellung eines Elternteiles unmittelbar nach Ankunft eines Kindes, Ankunftsabstand von zwei Jahren für weitere Adoptivkinder oder leibliche Kinder - um nur die wichtigsten Bedingungen zu nennen. Kurzum: wir waren sehr ernüchtert von der Vielzahl der bürokratischen Hindernisse und der voraussichtlichen Wartezeit von etwa zwei Jahren.

Zunächst musste die Motivation zur Adoption eines Kindes ausführlich schriftlich dargelegt und zwei Fragebögen zur Person ausgefüllt werden. Danach würden wir zu einem Informationstreffen eingeladen werden, das vierteljährlich in einigen Städten der Bundesrepublik für alle Adoptionsbewerber stattfindet. Nur einen Monat später erhielten wir die schriftliche Einladung zu einem solchen Treffen und einige Hinweise auf das weitere Prozedere eines Adoptionsverfahrens das wie folgt ablaufen würde:

-Nach dem Informationstreffen sollten wir uns entscheiden, ob wir einen Antrag auf Adoption stellen möchten oder nicht.

-Im Falle eines Antrages wird uns anschließend ein Beratungselternpaar zuhause aufsuchen und einen Bericht über uns und den Besuch an TdH senden.

-Danach wird ein Gespräch, möglicherweise auch zwei Gespräche, mit einem Psychologen folgen, der ebenfalls einen Bericht abgeben wird. Nach Vorlage aller Berichte erfolgt die Entscheidung des Adoptionsreferates über unseren Antrag.

-Im positiven Fall wird man, nach Rücksprache mit uns, ein Kind vorschlagen.

Am 20.10.1979 war es soweit. Im Gemeindehaus einer christlichen Pfarrgemeinde in Frankfurt trafen wir an einem Sonntagnachmittag auf einen Saal voller Ehepaare, die allesamt neugierig und aufmerksam den Ausführungen des Adoptionsreferenten von TdH lauschten. Erst nach diesem Informationstreffen sollten sich, wie schon erwähnt, die adoptionswilligen Eltern entscheiden, ob sie ein Antragsformular mitnehmen möchten oder nicht. So manche Information über mögliche Behinderungen von Kindern, wie zum Beispiel Sprachfehler, Hospitalismus, Hasenscharte, Essstörungen, nicht abgeheilte Infektionskrankheiten etc. und die eindringlich vorgetragene Bitte, doch auch Kinder über 5 Jahre zu adoptieren, ließ einige Anwesende aufhorchen. Ebenso der Hinweis, dass es durchaus möglich wäre, dass TdH in absehbarer Zeit keine Kinder mehr zur Adoption nach Deutschland vermitteln könne. Und so nahmen nicht alle Ehepaare, wie wir sahen, ein Antragsformular mit nach Hause.

Neben all den sachlichen und teils ernüchternden Informationen gab es auch erfreuliches zu sehen und zu hören: Viele sogenannte „Beratungseltern“ hatten zu diesem Treffen ihre Kinder mitgebracht, leibliche und adoptierte. Es war schön zu sehen, wie liebevoll sie mit ihren Geschwistern und Eltern umgingen und natürlich auch umgekehrt - so, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Kinder aus Vietnam, Süd-Amerika, Korea und Indien spielten zusammen mit ihren Geschwistern, saßen bei ihren Eltern auf dem Schoß, lachten und weinten und wurden getröstet. Wir sahen, dass ein völlig normales Eltern-Kind-Verhältnis entstanden war. Das gab uns neuen Mut und viel Zuversicht.

Natürlich hatten wir ein Antragsformular vom Treffen mitgenommen! Schon zwei Tage später füllten wir es aus, stimmten den 27 Punkten zu, in denen alles, was mit der Adoption zusammenhing, aufgelistet und geregelt wurde: von der Übernahme der Betreuungs- und Anwaltskosten im Heimatland, den Flugkosten, der Verpflichtung, nach Ankunft des Kindes einen Kinderarzt aufzusuchen, die Adoption nach deutschem Recht zu beantragen bis zur namentlichen Benennung von „Ersatzeltern“ falls wir beide sterben sollten. Ein persönlicher, nicht tabellarischer, Lebenslauf von uns beiden war dem vierseitigen Antrag beizufügen. Einige andere Bescheinigungen und Unterlagen waren zudem erforderlich, um die wir uns umgehend kümmern und dem förmlichen Antrag nachreichen mußten:

-Prüfung der Familienverhältnisse zwecks Aufnahme eines Pflegekindes zur späteren Adoption durch einen Hausbesuch eines Sozialarbeiters des zuständigen Jugendamtes

-Ärztliches Adoptions-Tauglichkeitszeugnis

-Polizeiliche Führungszeugnisse

-Bilder von uns beiden und unserem Haus

-Schriftliche Zusage des Arbeitgebers meiner Frau auf Verzicht der Kündigungsfrist

-Amtsärztliches Gutachten

Mit all unseren Hoffnungen und Wünschen versehen, brachten wir den „Antrag auf Vermittlung eines Kindes zur Adoption“ mit unseren beiden Lebensläufen am 22. Oktober 1979 zur Post. Schon eine gute Woche später, am 01. November, teilte uns das Adoptionsreferat von TdH mit, dass als Beratungseltern ein Ehepaar aus dem Rhein-Main Gebiet vorgeschlagen wurde, wir möchten uns mit ihnen zwecks Terminabsprache für einen Besuch in Verbindung setzen.

Am zweiten Adventssonntag, 09. Dezember 1979, begrüßten wir unsere Beratungseltern mit ihren beiden Kindern, eines davon aus Korea, bei uns zuhause nachmittags zu Kaffee und Kuchen und selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen. Natürlich ist man in solch einem Fall bemüht, einen guten Eindruck zu hinterlassen - auch, weil wir wußten, dass vom Bericht der Beratungseltern einiges abhing. Und so ergab sich, Gott-sei-Dank, ein sehr lockeres und entspanntes Gespräch, in dessen Verlauf wir viel über den Werdegang des Verfahrens und einiges über mögliche Schwierigkeiten während der Eingewöhnungsphase eines Adoptivkindes erfuhren. Gegen Abend verabschiedeten wir uns mit einem guten Gefühl.

Weihnachten verbrachten wir in der Hoffnung, dass wir das nächste Weihnachtsfest schon gemeinsam mit einem Kind, mit unserem Kind, feiern könnten.

Das neue Jahr begann vielversprechend, das Verfahren lief offenbar zügig weiter. Mit Datum vom 14.01.1980 erhielten wir vom Adoptionsreferat die Nachricht, daß der Bericht der Beratungseltern eingegangen war. Nun sollte das Gespräch beim Psychologen folgen. Der Bericht der Beratungseltern war demnach positiv für uns ausgefallen, sonst hätten wir keine Mitteilung auf Fortsetzung des Verfahrens mit dem Gutachten des Psychologen bekommen. Also setzten wir uns unverzüglich mit dem genannten Diplompsychologen aus Mainz in Verbindung und baten um einen Termin.

Das erste Gespräch in Mainz fand offensichtlich noch im gleichen Monat statt, denn mit Datum vom 30. Januar 1980 informierte er uns über den Versand des Gutachtens zum Adoptionsreferat nach Osnabrück. Ob es ein oder zwei Gesprächstermine waren, ist uns beiden nicht mehr genau in Erinnerung.

Gut erinnern wir uns jedoch an die beim ersten Termin gestellte und zunächst harmlos erscheinende Frage: „Wenn Sie die Wahl hätten, einen Jungen oder ein Mädchen zu adoptieren, wie würden Sie sich entscheiden?“ Beide antworteten wir, dass uns das egal sei. Diese Antwort wollte er nicht gelten lassen, wir müßten uns entscheiden: Wäre uns ein Junge oder ein Mädchen lieber? Wir schauten uns kurz an und meinten achselzuckend, dass wir uns dann eben für ein Mädchen entscheiden würden. „Warum ein Mädchen? Begründen Sie das bitte?“ war die Antwort.

Nun ja, Sinn und Zweck dieses seltsamen Fragespiels erschließt sich wohl nur einem Psychologen. Wir aber konnten es beide nicht nachvollziehen. Jedenfalls druckst man zunächst mit einer Antwort herum, weil es eine plausible Erklärung für diese „Entscheidung“ nicht gibt. Unter Aufbietung aller rhetorischen Fähigkeiten und dem Hinweis, dass es bei einer Schwangerschaft auch keine „Wahlmöglichkeit“ gibt, zogen