Marisa - Elisabeth Aumiller - E-Book

Marisa E-Book

Elisabeth Aumiller

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Beschreibung

Nur für Momente hebt sich der Schleier der Vergessenheit. Seit ihrer frühen Jugend öffnen sich Marisa immer wieder Fenster in vergangene Leben und längst zurückliegende Ereignisse. Je mehr Einblicke sie in die verborgenen Schichten ihres Daseins gewinnt, umso mehr kann sie ihr Beziehungsverhalten ändern und Verständnis und Toleranz für sich selbst und die Personen ihres Umfelds entwickeln....

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Seitenzahl: 231

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Elisabeth Aumiller

MARISA

Eine Spurensuche

Impressum

© 2020 Elisabeth Aumiller

2. überarbeitete Auflage

Autor: Elisabeth Aumiller

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359

Hamburg

ISBN:

Paperback: 978-3-347-20822-3

Hardcover: 978-3-347-20823-0

e-Book: 978-3-347-20824-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Situationen sind rein zufällig. Es handelt sich ausschließlich um Marisas Begegnungen in ihrem persönlichen Umfeld und die Erfahrungen, die sie dabei machte.

Inhalt

Geleitwort von Dr.Manfred Eichhoff

Personenverzeichnis

Prolog

Marisa

Marisas Begegnungen

Venezianische Impression

John

Maxim

Die persönliche Landkarte

Neue Begegnungen - Intermezzo mit Kevin

Das Familientreffen

Leo-Gianni-Giorgio-Giulio-Gina-Phil

Die ehemalige Großfamilie

Die Hochzeit - Marisas neues Leben -Die Reise ohne Wiederkehr - Der Hunger nach FreiheitWieder neue Reisen - Abschiede

Freundschaften

Flüchtige Erinnerungen

Der große Schmerz

In der ehemaligen Heimat

Neue Erfahrungen fern der Heimat

Fragmente

Dunkle Zeiten

Memphis

Ende und Neubeginn

Geleitwort von Dr. Manfred Eichhoff

Seit den 1970er Jahren gibt es in Deutschland eine Fülle von Büchern über Wiedergeburt, Reinkarnationstherapie mit oder ohne Hypnose, von Forschern aufgezeichnete Berichte von Erinnerungen an frühere Leben sowie die übergeordnete wissenschaftliche Fragestellung nach der Evidenz solcher Berichte oder der Authentizität des Phänomens Wiedergeburt generell.

Für Materialisten oder Atheisten ist der Fall sehr einfach und klar: Alles Unsinn. Ein Leben nach dem Tod und sich wiederholende Existenzen gibt es nicht. Geboren werden, leben, sterben und aus. Wir wollen dies nicht weiter bewerten.

Für Esoteriker, Mystiker und Menschen mit klarer spiritueller Ausrichtung auf einem alten initiatischen Überlieferungsweg, wie der Kabbala, dem Advaita Vedanta, der Orphik, der Gnosis und einiger Pfade, die sich von diesen Weisheitslehren ableiten, ist die Tatsache von Karma und Wiedergeburt Grundlage ihrer Lebensauffassung und Lebensführung.

Marisa stellt im Reigen der Berichte von Rückerinnerungen an vergangene Leben einen Sonderfall dar. Seit ihrer Kindheit wurden ihr Türen und später gar Tore geöffnet für eine Fülle von wieder auftauchenden Erlebnissen an frühere Leben, die teilweise Jahrtausende zurückliegen. Das Erstaunliche dabei ist, dass ihr nach und nach ein roter Faden der Erkenntnis im Geiste vermittelt wurde, der die komplexen Zusammenhänge der vielen Ereignisse in alten Zeiten in ein Erklärungsmuster leitete, welches ihr im gegenwärtigen Leben eine einmalige Lehre des Wachwerdens und der Erkenntnisse über die Wechselwirkungen karmischer Muster vermittelte.

Mit anderen Worten: Sie traf immer wieder die gleichen inkarnierten Seelen, mit denen sie in Vorleben zusammen war und eine tiefe innere Verbindung hatte. Mal war es tendenziell positiv, mal schmerzhaft. Solche Zusammenkünfte finden im karmischen Geschehen solange statt, bis das Wesen gelernt hat, die Energetik der Verbindungen oder besser „Bindungen“ aufzulösen. Hierzu ist allerdings ein ausgeprägter Grad an spirituellem Fortschritt erforderlich, der letztlich zur endgültigen Befreiung führen kann, dem Ziel aller authentischen Überlieferungen.

Der Leser mag ein wenig verwundert sein über den sozialen Status der von Marisa geschilderten Existenzen. Sie sah sich in vielen Leben stets in hohen und höchsten sozialen Kreisen oder gar Herrscherfamilien. Hier verbirgt sich eine allgemeine Kritik an Erinnerungsschilderungen, in denen der Wunsch und das Ego die Triebfedern seien und weniger die realen alten Bedingungen zum Vorschein kämen. Solche Kritik ist berechtigt, denn es ist für ein ungeschultes Wesen nicht leicht, pure egogefärbte Imagination von der Klarheit intuitiven Empfanges überweltlicher Botschaften zu unterscheiden.

Marisa hatte selbstverständlich auch grundverschiedene Existenzen durchlebt, fernab privilegierter Verhältnisse. Gezeiten der energetischen Bewegungen von hoch und tief. Ihr wurde jedoch fast ausschließlich das Fenster geöffnet für jene Lebensereignisse, die letztendlich zu einem vielgestaltigen Muster an Erfahrungen und inneren Lehren führten, die ihr im Hier und Jetzt die Augen öffnen sollten, um den Weg zu einem höheren Bewusstsein zu ebnen.

Die Intensität, Detailgenauigkeit und Quantität der geschilderten Erinnerungen an frühere Leben stellen Marisa in ein Licht außergewöhnlicher Fähigkeiten, das für viele Leser Ansporn sein mag, sich näher mit dieser existenziell höchst wichtigen Materie auseinanderzusetzen.

Es ist nicht nur ein schöner Trost, an Wiedergeburt zu glauben. Das karmische Gesetz ist göttlicher Natur und die einzige Gerechtigkeit, die es gibt. Wer sich mit diesem Gedanken anfreunden kann, dem mag Ähnliches widerfahren wie Marisa.

Es ist der Weg

vom Glauben,

zum Wissen,

zur höheren Erkenntnis.

Dr. Manfred Eichhoff

Personenverzeichnis

Marisa

Maxim

Dirigent - Conny, seine Frau

Gina

Marisas Mutter

Leonhard

Marisas Vater

Luisa

Marisas Tante

Phil

Gutsbesitzer -

 

Wally und Willy, seine Kinder

Gianni

Literat - Mya, seine Frau

Giorgio

Religionsphilosoph - Maja, seine Frau –

 

Laurie, seine Tochter

Leo

Personalchef und Touristikfachmann–

 

Hanne und Lina, seine Ehefrauen

Hetty

Künstleragentin

John

Choreograf

Kevin

Diplomat

Giulio

Dirigent

Larissa

Pianistin

Alberto

Unternehmer

Domenico

Manager

Charlie

Vertreter

Julia

Marisas Jugendfreundin

Lukas

Geschäftsmann

Mafalda

Reiseleiterin

Nick

Bariton

Rogér

Schauspieler

Vera

Hausfrau

Gero

Unternehmer

Prolog

Marisa und ihre Geschichten drehen sich um Wahrnehmungen, Erinnerungen und Erlebnisse im Zusammenhang mit ihrem Umfeld und menschlichen Begegnungen, die sie in Bezug setzte zum Thema Reinkarnation und deren frühere Identitäten sich ihrer Wahrnehmung öffneten.

Vergangene Inkarnationen sind alle Teil der Menschheitsgeschichte, so wie wir im gegenwärtigen Leben Teil des Weltgeschehens und in die epochalen Zeitläufe auf individueller Basis eingebunden sind. Jeder Einzelne hat das selbst Erlebte aus vergangenen Zeiten auf der „Festplatte“ seines Unterbewusstseins gespeichert.

Das Vertrauen in das Leben und in die kosmische Gesetzmäßigkeit ist die Voraussetzung – und die Gewissheit – dass das Leben mit dem physischen Tod nicht zu Ende ist, sondern die etwa 70 bis 100 Jahre, die ein Menschenleben gewöhnlich dauert, immer wieder neue Durchgangsstationen sind, um Erfahrungen zur spirituellen Weiterentwicklung möglich zu machen.

Freilich stirbt der physische Körper am Ende eines jeden Lebens, welches eine einmalige und unwiederbringliche Existenz darstellt, die sich in dieser Einzigartigkeit nicht wiederholt. Aber die Seele – ihr energetischer Impuls – ist unsterblich, diese Seele sucht immer wieder nach neuen Entfaltungsstufen und geistigen sowie spirituellen Entwicklungsmöglichkeiten mittels physischer Erlebnisse und Lernprozesse.

In den Seelenaufzeichnungen sind alle Erfahrungen aller Lebensspannen gespeichert. Aber der jeweils neue Körper besitzt meist keine verstandesmäßige Erinnerung an die Speicherenergien. Im Unterbewusstsein jedoch ist alles vorhanden. Daraus ergibt sich der sogenannte Bewusstseinszustand, der das Handlungsniveau, die positiven Verhaltensweisen und emotionalen Selbstverständlichkeiten ebenso wie die verschiedensten automatischen Reaktionen bestimmt. Auch Ängste, negative Denkmuster, Pessimismus und zwanghaftes Verhalten werden unter anderem aus dieser Quelle gespeist.

Viele Menschen betrachten den Umgang mit der historischen Vielfalt als etwas Überholtes, Unzeitgemäßes oder sogar Gegenwartsfeindliches. Die Erkenntnis und überliefertes Wissen aus der Vergangenheit sind jedoch die Basis unserer Zivilisation und Kultur. Tradition und Fortschritt müssen immer Hand in Hand gehen, denn Erfahrungen sind gelebtes Leben. Bewusstes Aufbauen auf erlebter Erfahrung ist unverzichtbar für jede kreative Weiterentwicklung, für jede effektive Tätigkeit und für jeden bewussten Schritt nach vorne – in die Zukunft.

Das gilt ebenso für das Kollektiv wie für jeden Einzelnen. Würde die Menschheit öfter in den Spiegel der Geschichte blicken und die daraus lesbaren Lernerfahrungen in der Gegenwart im täglichen Alltag anwenden, könnte dadurch eine viel raschere Vorwärtsbewegung stattfinden. Kleine persönliche und große globale Kriege und Probleme jeder Art ließen sich vermeiden …

Nur wenn viele Individuen bereit sind, Veränderung in sich selbst zuzulassen und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, kann auch im kollektiven Bewusstsein die für den künftigen Fortschritt nötige Transformation wirksam werden.

Nicht zu Ende geführte Aktionismen oder unbewältigte Verursachungen – geistiger ebenso wie physischer Natur – verlangen irgendwann früher oder später und manchmal erst nach mehreren Leben nach Ausgleich, Erledigung oder Neuorientierung und Weiterentwicklung. Überall dort, wo gegen spirituelle Gesetzmäßigkeiten gehandelt wird, benötigen die Wirkungen der gesetzten Ursachen eine ausgleichende Bewegung beziehungsweise neue Herausforderungen und machen damit neue Wachstumschancen möglich. Auf bereits abgeschlossene Prozesse aufbauende Ursachen sind dann erworbene Verdienste, die als die großen Hilfsenergien in schwierigen Situationen Beistand leisten.

Vieler Menschen Leben laufen ab wie Automatismen und werden abgespult, ohne dass Neuorientierungen und entscheidende Entwicklungen stattfinden. Gewohnheit reiht sich an Gewohnheit, die Identifikation mit physischen Belangen ist meist einzig bedeutsamer Lebensinhalt. Wir funktionieren oft unbewusst in diesen automatischen Abläufen der immer gleichen Verhaltensmuster – im Alltagsgeschehen ebenso wie im Umgang mit unseren Mitmenschen.

Trotzdem sind auch solche Lebensstationen von Bedeutung, weil sie zu einem Reservoir unterschiedlichster Erfahrungen anwachsen. Das Fenster der Erinnerung öffnet sich meist aber nur auf solche Stationen, deren Spuren noch bis in das heutige Leben hereinreichen, sei es als spürbare Herausforderungen, als Belastungen, die noch nicht vollständig bewältigt werden konnten oder als Lebensglück sowie als besondere Begabungen….

Erst in einer Anzahl durchlebter Begebenheiten kann die Kraft erworben werden, die es ermöglicht, bestehende hohe Mauern abzutragen oder das in jedem angelegte geistige und seelische Potenzial ohne neuerliche Rückschritte weiterzuentwickeln. Erkenntnis ist das wichtige Instrument und Hilfsmittel dafür.

Was von den geistigen Energien mitgenommen wird in ein neues Leben, sind in erster Linie die emotionalen Verstrickungen, die Beweggründe des Handelns, Verletzungen ebenso wie Wohltaten, die wir anderen zugefügt haben oder deren Opfer beziehungsweise Nutznießer wir waren sowie permanent praktizierte Gedankenformen. Der Energievorrat der daraus gewonnenen Erfahrungswerte wird eingebracht in das Lebensmuster der neuen Inkarnation. Solcherart ist das Speicherpotenzial der neuen Handlungsbasis, die sich aus diesen Energiestrukturen zusammensetzt, die dann dem Leben eine entsprechende Richtung weisen.

Äußerer Ruhm und sozialer Status sterben unwiederbringlich mit dem Körper, aber die Erinnerung an jede Erfahrung – welcher Art auch immer – ist im Unterbewusstsein gespeichert wie Software in einem Computer. Wem es vergönnt ist, den „Mausklick“ zu finden, mit dem sich der entsprechende Ordner öffnen lässt, der hat Zugang zu den gespeicherten Erinnerungen und zu all jenen Mustern, welche seine persönliche Prägung bilden.

Neugier oder Sensationslust als Motivation für die Suche nach gespeicherten Erinnerungen sind meist schlechte Ratgeber. Erkenntnisse über abgelebte Lebensstationen haben den einzigen Sinn und Zweck, sich selbst besser zu erkennen. Es gilt, aus den Erfahrungen zu lernen, um das gegenwärtige Leben besser zu meistern, Konflikte besser zu bewältigen und nicht immer wieder in gleichen Verhaltensreaktionen zu agieren. Solche Einsichten dienen dazu, daran zu erstarken, das Bewusstsein zu erweitern und gegenwärtige Gegebenheiten mittels neu gewonnener innerer Einstellungen zu bewältigen.

Vor allem aber heißt das, bedingungslos „Ja“ zu sagen, um sich der Konfrontation mit dem eigenen Selbst und seinen Geheimnissen zu stellen. Dann kann das Leben als sinnvoll erfahren werden und es öffnet sich ein Weg zu besseren Konditionen für die Zukunft. Es besteht keine zwingende Notwendigkeit für derartige Rückerinnerungen, aber für den einen oder anderen kann es eine große Hilfe sein, sich dadurch seines unsterblichen Seins bewusst zu werden.

Es gibt viele Wege zur Wahrheit und folglich ebenso viele Teilwahrheiten, die schrittweise zum Ziel führen. Oft finden sich jedoch auf der Suche nach dem „Warum“ bestimmter Geschehnisse oder Gefühlsverirrungen keine plausiblen Antworten. Das Nachforschen im eigenen Inneren kann diese jedoch bereitstellen – Antworten, die sich als Schritte auf dem Entwicklungsweg dem augenblicklichen Bewusstseinsstand und der Verständnisebene des Mentalen exakt anpassen und folglich auch veränderlich sein können. Zu Zeiten bedürfen wir alle so mancher Revision oder Neuformung, um die nächste Stufe zu erklimmen …

Die im Folgenden erzählte Geschichte von Marisa dreht sich um ihre persönlichen Erlebnisse als ein Beispiel aus vielen individuellen Möglichkeiten, wie ähnliche Situationen und Begegnungen durch viele Inkarnationen hindurch in jeweils veränderter äußerer Form neu belebt oder weiterentwickelt werden können.

Der Blick in den Spiegel der eigenen Vergangenheit war für Marisa ein unerhört aufregendes und gewinnbringendes Abenteuer von essenzieller Bedeutung, aus dem ihre Gegenwart in einer neuen Sichtweise erstehen und sich vorwärts bewegen konnte. Eigene Stärken und Schwächen kamen verstärkt ans Tageslicht, vieles wurde ihr dadurch verständlicher. Die Machtlosigkeit in manchen Schwierigkeiten, deren Knoten sich nicht so ohne Weiteres lösen ließen, erforderte von ihr, die Stationen möglichst geduldig und ohne großen Widerstand durchzustehen. Andererseits bot aber so manches Gefangensein in psychischen oder physischen Gegebenheiten die Chance, mithilfe einer übergeordneten Perspektive das Verhalten entscheidend zu verändern und sich damit aus der Einengung oder Stagnation zu befreien.

Die Empfindungen und Reaktionen beim Zusammentreffen mit Personen und Situationen, mit denen ein karmischer Zusammenhang besteht, sind meist sehr ähnlich. Zu Beginn ist eine solche Begegnung oft von großer Faszination geprägt oder im umgekehrten Fall von ebenso großer Abneigung oder unerklärlichem Missfallen. Positives wie negatives Reaktionsverhalten zeigt sich mit gleich starker Energieaufladung, nur verschieden gepolt. Aber in beiden Fällen ist eine starke Bindung die Folge, der wir emotional unter Umständen lange verhaftet bleiben. Manchmal schaukeln auch Anziehung und Abneigung in wechselnden Wellenbewegungen hin und her. Ziel ist dabei, die Energiepole in Balance zu bringen, alte Fehlenergien auszuarbeiten und in ein harmonisches Kraftfeld zu verwandeln – oder sich ganz von der Altlast zu befreien.

Je nach der Art der Ursprungsursachen kann das unter Umständen viele Jahre oder ein ganzes Leben dauern, oder aber auch nur eine zeitlich begrenzte Episode beanspruchen. Ist der Hintergrund für den Sinn und die Chancen solcher Beziehungen nicht von Bewusstwerdung und Akzeptanz untermauert, laufen wir leicht Gefahr, in alten, automatisch ablaufenden Reaktionsverhalten zu verharren und die eingefahrenen Strukturen zu wiederholen oder gar zu verstärken. Statt Altlasten abzutragen und aufzulösen, bauen wir dann neue Mauern und erneute Belastungen auf – die folglich wiederum in die nächste Zukunft reichen müssen.

Deshalb sind oft viele Leben von ähnlichen, sich wiederholenden Mustern durchzogen, bis die Kraft zum Loslassen und der Wille zur Veränderung einen nächsten Schritt oder einen spirituellen Quantensprung in der individuellen Entwicklung möglich machen.

Da in der inneren Wahrnehmung der Zeitfaktor ausgeschaltet ist, kann Vergangenheit und Gegenwart gleichzeitig stattfinden beziehungsweise wahrgenommen werden. Persönliche Speicherungen sind folglich auch Teil des kollektiven Gedächtnisses und so können sich emotionale Inhalte und faktische Abläufe auch an kollektiven Geschehnissen orientieren und inhaltlich damit enge Bezogenheit aufweisen. Dennoch handelt es sich dabei stets um individuelle Erfahrungsprozesse.

Marisa

Marisas Geschichte ist keine chronologisch exakte Abfolge alltäglicher Ereignisse. Vielmehr rollen ihre Erlebnisse eindrucksvolle Begegnungen auf, deren Wurzeln in zurückliegenden Jahrhunderten ihren Boden haben. Es sind Erinnerungen an die wichtigsten Stationen ihrer vergangenen Inkarnationen und deren Verwobensein mit dem gegenwärtigen Leben. Wie ein Film – ja, viele Filme, die nun abgedreht sind, jedoch einst gelebte Realität waren. Die lebendig erinnerten inneren Bilder, welche im rhythmischen Wechsel in ihr auftauchten, zeigten sich mal intensiver und mal spärlicher. Manchmal bestanden sie nur aus fragmentarischen Episoden, aus der Essenz einer kurzen zentralen Begebenheit. Zu anderen Zeiten durfte sie detailgenaue Gemälde ganzer Lebensabschnitte betrachten, farbige Porträts und Beziehungsmuster, heitere Situationen oder tragische Gemütsbewegungen. Diese Bilderfolgen waren ihr ein großes Geschenk – sie ließen Marisa bewusst werden, welche vorausgegangenen persönlichen Hintergründe und nachwirkenden Beziehungsgeflechte sich zum neuen Mosaik ihres gegenwärtigen Lebens geformt hatten.

Marisas Lebens-Rückblicke erfuhren phasenweise durch Träume, Wahrnehmungen verschiedenster Art, Begegnungen und besondere Ereignisse immer wieder eine Belebung, ergänzende Ausweitung und erneute Bestätigung. Sie beschäftigte sich als Folge davon viel mit dem Rhythmus, den Zyklen und Gesetzmäßigkeiten, nach denen sich das Leben abspielte. Sie dachte über Reinkarnation und religiöse Standpunkte, über Realität und Illusionen nach. Meist war sie sehr vorsichtig mit Äußerungen über persönliche Bezüge zu früheren Lebensstationen, denn sie wollte nicht für eine illusionäre Träumerin gehalten werden. Dennoch war sie auch bereit, ihre Erlebnisse und Geschichten mit Gleichgesinnten zu teilen, dann lag ihr das Herz auf der Zunge und ihr übersprudelnder Mitteilungsdrang ergoss sich über ihre Lippen. Manchmal entspann sich daraus ein erhitzter Disput, so manches Gemüt pflegte das Thema der Wiedergeburt als Illusion in Zeit und Raum oder als eine imaginäre Spielwiese abzutun. Doch Marisa ließ sich davon nie beirren. Für sie waren ihre Erfahrungswelten gelebtes Leben.

Sie verglich das stetige Werden und Vergehen als bildhaftes Gleichnis mit dem Lebenskreislauf der Bäume. Wenn im Herbst die welken Blätter fallen, werden sie zum Humus, aus dem wieder neues Leben erwächst. Jedes Frühjahr, wenn der Baum die frischen jungen Triebe erneut aus seinen alten Wurzeln speist, reckt sich seine Gestalt in Höhe und Breite und er wächst buchstäblich über sich selbst hinaus. Auch jedes neue menschliche Leben birgt das Potenzial einer geistigen Entwicklung und die Chance eines Wachstums von Bewusstsein. Jede Erfahrung dient dazu – jeder gegenwärtige Gedanke formt die neue Zukunft.

Marisas Leben war von vielen zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt, die nicht selten ausdrücklich emotional und intensiv beschaffen waren – oft nur Durchlaufstationen von kurzer Dauer, die sich ebenso schnell wieder verflüchtigten wie sie entstanden. Sie war sich dessen bewusst, dass die meisten menschlichen Begegnungen, mit denen das Leben sie konfrontierte, keineswegs zufälliger Natur waren. Sie erfuhr – ob wohltuend oder unangenehm – die Tragweite und Bedeutung jeder einzelnen Verbindung in emotionaler Dichte, war damit einverstanden und bejahte das Erleben vollständig. Sie zweifelte nicht daran, dass die Verbindungen, die ihr wichtig waren und wirklich nahegingen, etwas ganz Bestimmtes mit ihr zu tun hatten. Wenn sich ein Kontakt als Quelle gegenseitiger Resonanz und Stimulanz herausstellte und ein automatisches Reaktionsverhalten hervorbrachte, dann spürte Marisa, dass sie auf einen Menschen getroffen war, den ihre Seele bereits irgendwoher kannte oder wiedererkannte – egal, ob sich ihr Inneres anziehend oder ablehnend verhielt, ob sich eine harmonische oder konträr geladene Stimmung über die Begegnung legte. In ihr erwachten unbewusste Sequenzen oder auch bewusste Erinnerungen an etwas bereits Gewesenes, an gemeinsame Stationen in vergangenen Leben, die im Getriebe ihrer derzeitigen Inkarnation wieder auftauchten und die unverwechselbare Ausformung ihrer Seele in jener Gegenwart offenbarten. Das Gestern und das Heute trafen sich darin wie Geschwister.

Marisas Überzeugung sprach von der Reinkarnation als einem Lebensgesetz, das nicht nur für sie, sondern für jedermann Gültigkeit besitzt. Sie wusste, dass die Lebenskraft einer immer wiederkehrenden Seele Bestand hatte – unabhängig von religiöser Ausrichtung oder philosophischer Zugehörigkeit. Sie erlebte sich selbst im ewigen Kreislauf der Erneuerung und betrachtete mit dem Blick nach hinten alle Ursache und Wirkung ebenso wie im Blick nach vorn. Die Vergangenheit selbst war die richtungsweisende Position, aus der heraus Befreiung zu erlangen sein musste.

Das war Marisas Wahrheit. Wenn sie sich Schwierigkeiten und Hindernissen gegenübersah, wusste sie auf ganz tiefe Weise, aus welchen ereignishaften Rinnsalen sich diese einst zusammengebraut hatten. Wenn ihr Glücksmomente und Liebe ohne große Anstrengung zufielen, reichte sie mit den Tentakeln ihrer durchdringenden Wahrnehmung in sich selbst so weit hinab, bis sie die Wurzeln früherer Generationen berührte. In manchen Situationen war sie sogar schicksalhafter Handlungsohnmacht ausgeliefert. Es kam auch vor, dass sie eine unüberwindliche Abneigung oder ein unerklärliches Misstrauen in Bezug auf bestimmte Menschen empfand. Dann lernte sie mit offenen Augen. Sie blickte forschend auf die sich automatisch abspulenden inneren Reaktionen, als läse sie sorgfältig kartografierte Schaltpläne. Ihr Herz folgte den Spuren früh angelegter Überzeugungen, dem Alter der Gedanken, dem Strom aller Worte, dem Karma …

Nach und nach bewegte sich Marisa immer elastischer mit dem Fluss ihrer Beziehungen mit, sie änderte ihre innere Haltung und ihr äußeres Verhalten augenblicklich, sobald ihr ein Muster, eine Wiederholungsspur, eine alte Weise widerfuhr. Wenn sie an einem emotionalen Ausgangspunkt stand, wenn das Herz noch so zart klopfte, dass nur eine winzige Ader im Handgelenk es in einem zittrigen Schauer vernahm, hielt sie inne und lauschte darauf, dass es deutlicher zu ihr spräche. Dann löste sie sich von alten Dingen, die sie endgültig verabschiedete, weil diese sich ganz plötzlich nicht mehr sinnvoll anfühlten, weil sich etwas ein für allemal erledigt hatte. Oder aber sie trat – ganz sehenden Auges – noch vollständiger ein in eine Verantwortung, eine Verpflichtung oder eine karmische Lernaufgabe, die noch nicht erfüllt war. Sobald Marisa – selbst wie auf einer Bühne spielend – ihre Reaktionen und Erwiderungen betrachtete und ihrem Bewusstsein zuführte, wurde es stiller, leichter, friedlicher. Sie nutzte diese erhellenden Gelegenheiten, um sich von unbeweglichen Dressuren und fest gewordenen Zwanghaftigkeiten zu verabschieden. Sie verschwendete keine Regung mehr daran, auch wenn die Versuchung manchmal groß war, an einem bestimmten Punkt einfach stehen zu bleiben und nicht mehr weiterzugehen. Dann legte sie die schmale Hand schirmend an die Stirn, als blendete sie das Licht ihrer eigenen Erkenntnis. Ihre Orientierung erneuerte sich, ihr Organismus münzte sich um auf Genesung. Marisa hielt Ausschau nach ihrer Spur.

So rankt sich Marisas Geschichte um Episoden aus ihren vergangenen Leben, welche als individuell erlebte Erfahrungen – teilweise in historisch zugeordnetem Ambiente – eine von vielen Möglichkeiten infolge verschiedener Lebensstationen repräsentiert. Zwischenmenschliche Beziehungen zeigen sich mit zum Teil immer wiederkehrenden Mustern, ähnlichen Inhalten in jeweils anderer Verpackung, das heißt in unterschiedlichen äußeren Zusammenhängen.

Dabei mag es seltsam anmuten, dass die hier dargestellten Erinnerungssequenzen eine gewisse Einseitigkeit und Wiederholungsstruktur in Bezug auf das soziale Umfeld und die zu bewältigenden Lernaufgaben aufweisen. Die Akasha-Aufzeichnungen geben nicht alle Geheimnisse preis. Ganz sicher wäre nicht jedes gespeicherte Detail sinnvoll und konstruktiv in seiner Wirkung. Die Erfahrungswerte der im Dunkel der kollektiven Chronik verbliebenen Sequenzen sind zwar als unterbewusste Verankerung Bestandteil von Marisas gegenwärtigem Seinszustand, haben aber offenbar ihre Ausgleichsfunktion bereits erfüllt. Sie waren Bausteine für die jeweiligen Folgeinkarnationen, die aus einer Vielzahl herausragten, aber deren Eigendynamik nicht mehr im Licht bewusster Erinnerung erscheinen musste. Somit machten nur die besonders markanten Lebensumstände aus Marisas Akasha-Chronik auf sich aufmerksam, für die im Heute noch Ausgleichspotenzial bestand und die wichtig waren, um Marisas Verständnis für die Gegenpoligkeit ihrer gegenwärtigen Lebenslage zu stärken. Das Fenster hatte sich vorzugsweise für solche Erinnerungsbilder geöffnet, die in Bezug standen zu den Begegnungen, mit denen Marisa gegenwärtig konfrontiert wurde, zu den Personen, die sie „zufällig“ traf und die zu ihrem näheren oder ferneren Bekanntenkreis zählten. In den Bildern und Fragmenten aus vergangenen Zeiten fand sie jeweils die Hintergründe für die innere Energetik, die sie mit den Menschen verband, mit denen sie im Laufe ihres gegenwärtigen Lebens in Verbindung trat.

Im Folgenden markieren kursiv gedruckte Textstellen Einsichten in Erlebnisse aus vergangenen Zeiten.

Marisas Begegnungen

Venezianische Impression

Die ersten Erfahrungen sogenannter Dejá-vu-Erlebnisse hatte Marisa besonders häufig in der Kindheit und Jugend und sie bezogen sich zunächst vor allem auf Orte und Landschaften. Die stärksten Eindrücke sammelte sie auf ihren Reisen. In Italien fühlte sie sich immer ganz zu Hause. Friaul, das Veneto und Venedig selbst waren am aufregendsten. Der Geruch von Lagune und Meer war etwas ganz Besonderes, er versetzte sie fast in eine Art Rauschzustand. Wenn sie durch die schmalen Gassen und über die unzähligen Brücken Venedigs schlenderte, war es ihr so leicht, als hätte sie viele Gläser Champagner getrunken. Ausgelassene Fröhlichkeit mischte sich mit melancholischer Besinnlichkeit. Wenn es ihr als junges Mädchen gelang – gegen den Willen ihrer Mutter Gina – ohne Begleitung durch die italienische Stadt zu schlendern, kam in ihr das Gefühl auf, ganz heimisch zu sein. Hier kannte sie sich aus und fand ohne zu zögern den Weg. Ganz allein mit sich selbst, öffneten sich ihre sensiblen, empfangsbereiten Antennen, mit denen sie die sie umgebenden Eindrücke einfing. Sie verspürte keine Angst oder Unsicherheit, niemand sprach sie an, sie wurde kaum wahrgenommen von den vorbeieilenden Menschen. Sie atmete tief und sog die milde Luft ein, als sei es Rosenduft. Die Gerüche in Venedigs Gassen übten eine ähnliche Wirkung auf sie aus wie die mediterrane Macchia auf den Inseln des Mittelmeeres. Das, was sie fühlte, wenn sie Zwiesprache hielt mit den historischen Gebäuden, mit Pflanzen und Gewässern an bestimmten Orten, ließ sich nur schwer in Worte fassen. Marisa schloss jeden Zweifel aus, als sie ihre Empfindung einmal auszudrücken versuchte: „Es stellt sich blitzschnell ein Zugehörigkeitsgefühl und eine Vertrautheit ein, obwohl ich ganz genau weiß, hier war ich nie zuvor, das sehe ich zum ersten Mal in meinem Leben. Und doch kenne ich diesen Ort!“ An vielen Orten war es ihr so ergangen, ganz besonders in den jüngeren Lebensjahren, beispielsweise als sie ihre ersten Eindrücke sammelte – hier, in der Lagunenstadt. Marisa verbrachte damals die Ferien am Lido di Venezia. Ihr erster Besuch in der Kirche Santa Maria della Salute stand eines Morgens auf dem Tagesplan, deshalb fuhr sie mit dem Vaporetto zur Besichtigungstour nach Venedig hinüber. Sie war total in ihrem Element. Der schaukelnde Wasseromnibus fuhr in den Bacino di San Marco ein und vor ihr erglänzten Venedigs Prachtbauten in der gleißenden Sonne. Die imposante Silhouette von Santa Maria della Salute rückte immer näher.

Dieses erhabene Bauwerk mit den prachtvollen Voluten als Unterbau der majestätischen Kuppel zweiteilte den Bacino in den Canal Grande und den Canale della Giudecca. Hier zog es sie hin, zu diesem wundervollen Kirchengebäude.

Marisa marschierte nun vorbei an der Seufzerbrücke, deren Wölbung einen Seitenkanal bis hinüber zum majestätischen Palazzo Ducale überspannte. Dessen ungewöhnliche Architektur aus massigem Mauerwerk und filigranen Säulenarkaden bot einen überwältigenden Anblick. Weiter ging es am Campanile vorbei zur Piazza San Marco, dem größten Platz der Stadt – Tummelplatz unzähliger Touristen und Tauben. Jetzt blieb sie in Staunen versunken vor der Fassade der Markuskirche stehen, es war ein magischer Moment. Diese einzigartige Komposition reichen Zierrats an der prachtvollen Fassade und die vier byzantinischen Bronzepferde, die einst aus Konstantinopel nach Venedig gelangt waren, faszinierten sie. Der grandiose Anblick der im Sonnenlicht funkelnden Tierstatuen blieb ihr im Gedächtnis haften und war eines Tages zu einer bloßen historischen Erinnerung geworden. Spätere Besuche in Venedig brachten ihr an diesem Platz eine herbe Enttäuschung, denn die vergoldeten Pferde, die so majestätisch an der Fassade der Markuskirche geprunkt hatten, waren irgendwann durch glanzlose Kopien ersetzt worden. Die Originale fanden sich immerhin im Museum wieder.

Doch an diesem Morgen verfiel Marisa wie gebannt dem ganzen Stolz der blinkenden Rosse, sie ging vorbei am Teatro La Fenice, überquerte sodann den Campo Santo Stefano und steuerte auf die Accademia Brücke zu, die den Canal Grande überführt. Sie verweilte etwas auf der hölzernen Brückenkonstruktion, die noch aus der Zeit stammte, als Venedig zur österreichischen Monarchie gehörte. Ihr Blick folgte beeindruckt zu beiden Seiten dem Verlauf der berühmten Wasserstraße. Dann strebte sie weiter zur Salute– Kirche, stieg schließlich die sich steil hochschraubenden Stufen hinauf und betrat voller Ehrfurcht das Kircheninnere. Der Messdiener schmückte gerade einen der Seitenaltäre des herrlichen, barocken Kirchenraumes mit frischen Blumen. Als Marisa für eine Weile bei ihm stand und sein Werken beobachtete, begann er zu sprechen und erklärte das berühmte Altargemälde von Tizian, welches eine Darstellung des „Pfingstwunders“ zeigte. Ehrfürchtig und in gedämpftem Flüsterton teilte er der gebannt Lauschenden wortschwallend mit, dass er eben für dieses Kirchenfest die duftenden Blumengebinde auf den Altar stellte. Die Festa della Salute sei zwar erst im November, jedoch werde zu jedem anderen Fest des Kirchenjahres das Gotteshaus feierlich dekoriert. Diese Aufgabe sei immer wieder eine unbeschreibliche Freude und ein weihevoller Kirchendienst für ihn.

Als Mutter Gina später erstaunt fragte, ob sie denn den Mesner verstanden habe, wurde ihr erst bewusst, dass er italienisch gesprochen hatte. Die junge Marisa war aber zu jenem Zeitpunkt des Italienischen noch nicht kundig, und nun schien es ihr selbst seltsam, dass sie trotzdem seiner Erzählung hatte folgen können. Für Momente war sie eingetaucht in ein anderes Bewusstsein und verfügte über eine außerordentliche Wahrnehmungsfähigkeit. Sie war sich ganz sicher, jedes Wort ohne jede Anstrengung verstanden zu haben.

 

John

Neben Italien waren Wien und Paris die Lokalitäten, die Marisa ähnliche Affinitäten spüren ließen. Ihre Gefühle assoziierten weitere und offenere Bilder und Inhalte, als sie selbst wissen konnte – und das nicht nur beim ersten Besuch, sondern immer wieder auf das Neue. Vor allem auf späteren Reisen und in Verbindung mit fremden Menschen, denen sie dort begegnete. Denn ihre Déjà-vu-Erlebnisse ließen sich später nicht nur auf geografische Orte beschränken, sondern stellten sich in erster Linie während vieler Begegnungen mit Menschen ein – da vor allem! Plötzlich signalisierte ein blitzartiges „Wiedererkennen“, dass es sich um eine lange zurückliegende Beziehung handelte, oder wies auf eine tiefere nähere Seelenverbindung hin. Diese spontanen Eingebungen wurden ihr im Laufe der Zeit in zunehmendem Maße selbstverständlich und vertraut.